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Periodical volume Nr. 135, 11.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Kriederrarrer 
Anparteitsche Zeitung für kommunale und bürgerliche. 
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Mr. 294 ZLerlin-Ariedenau, Wonlag, den 15. Aezemöer 1913. 20. 3aüra. 
vepelcken 
Letzte rrarbricklen 
Chemnitz. Gestern Abend gegen 1 / 2 11 Uhr ereignete 
sich nuf der Eisenbahnstrecke Hainichen—Chemnitz ein furcht- 
bares Eisenbahnunglück. Der Personenzug 14-10, der nach 
Chemnitz fuhr, passierte den Eisenbahntuiinel. der durch den 
berühmten Harrasfelsen gegenüber dem Schlosse Lichtenmalde 
führt, als plötzlich ein Teil des Tunnels einstürzte. Die 
Lokomotive und mehrere Wagen hatten den Tunnel bereits ver 
lass.n, die anderen Wagen wurden unter den Felsmassen be 
graben. Bis heute morgen waren vier Tote geborgen, deren 
Namen aber bis jetzt nicht feststehen. Sieben Schwerverletzte 
wurden in das Chemnitzer Krankenhaus, acht ebenfalls sehr 
schwer Verletzte nach dem Frankenberger Krankenhause geschasst. 
Gegen 30 Personen erlitten leichtere Verletzungen. Andere 
Verunglückte liegen noch unter den Trümmern, au deren 
Wegräumung gearbeitet wird. Der Tunneleinsturz ist ver 
mutlich auf das schwere Unwetter zurückzuführen, das gestern 
wütete. 
Mailand. In einem Mailänder Postbureau ist heute 
nacht ein Sack mit 127 000 Lire in barem Gelde gestohlen 
worden. Man hat an Stelle des Geldes altes Zeitungs- 
papiec in den Sack hineingesteckt. Die polizeilicken Nach 
forschungen nach den Dieben sind bisher erfolglos geblieben. 
Straßburg. Der Schnellzug Baden-Luremburg, der 
aus der Station Ebersheim einen Güterzug überholen muß, 
fuhr hier, vermutlich infolge f ilscher Weichenstellung, auf 
den Güterzug auf. Die Lokomotive und zwei Wagen 
stürzten um. Der Packwagen geriet durch einen Ofen in 
Brand. Das schnell um sich greifende Feuer vernichtete die 
sich ini zweiten und dritten Wagen befindlichen Seiden- 
vorräte fast vollständig. Der Schaden wird auf mindestens 
100 0<XI M. geschätzt. 
Paris. Vier Offiziere des in Chambern stationierten 
0. Husarenregiments sind von einem tollen Hund gebissen 
worden. Da man erst später durch eine eingehende Unter 
suchung des Hundes feststellte, daß das Tier wutkrank mar, 
ist der Erfolg der bei de» Offizieren vorgenommenen Schutz 
in, pfungen sehr iu Frage gestellt. 
Paris. Ter Müylenbesitzer von Dovren aus Soissons, 
der mit seiner Familie einen AutomobilauHflug unter 
nommen hatte, wollte einem Spaziergänger ausweichen. Bei 
der allzu jähen Wendung überschlug sich das Automobil, 
von Dooren, seine Frau und sein Sohn wurden aus dem 
Wagen herausgeschleudert und blieben auf der Stelle tot, 
zwei and.ie Wagenlnsassen wurden lebensgefährlich verletzt. 
Niailand. Ter Erpreßzug von Mailand nach Rom 
ist n.it einem Güterzug, der die Gleise des Erpreßzuges 
kreuzen wollte, zusammengestoßen. Nach den bisherigen 
Feststellungen sind 22 Personen verletzt, darunter eine so 
schwer, daß der Tod wenige Minuten nach dem Unfall 
eintrat. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o .Kehrbezirk. Die von uns in der Sonntag-Nummer 
gebrachte Bekanntmachung des Berliner Polizeipräsidenten 
Sylvias Chauffeur. 
Roma» von Lout» Tracy. 
57. ^Nachdruck verboten.) 
„So sagte ich. Und Sie werden wohl verstanden haben, 
was ich meinte. Einen gewissen Mut traue ich Ihnen aller 
dings zu. Oder jagen wir lieber: eine gewisse Verwegen 
heit. Denn die muß inan schon besitzen, um sich auf Unter 
nehmungen vom Schlage der Ihrigen einzulassen. 2lbcr 
ich habe keine Lust, meine Zeit mit feinen Unterscheidungen 
zu verliere». Die Hauptsache ist. daß ich Ihnen versprechen 
will, mich nicht hier an Ihne» zu vergreifen, sofern es 
das ist, was ich unter Ihrer vorhin ausgedrückten Er 
wartung zu verstehen habe." 
„Nicht ganz genau. Eiize Drohung mit Tätlichkeiten 
würde mich heute eyensowenig erschreckt haben, w.e sie mich 
an und für sich an jenem Morgen erschreckt hat. 'Aber wir 
würden auf diese Art nicht leicht zu dem von nur ge- 
wünschlen Ziele gelangen. Denn unsere D.fferenzen 
scheinen mir niept danach angetan, durch die rohe Kraft 
0er Fäuste aus der Welt geschaßt zu werden." 
„So sagen Sie. was Sie wallen. 'An meiner Antwort 
wird es nicht fehlen." 
Marigny nickte und drehte den Stuhl, auf dein er 
vorhin gesessen halte, so. daß er sich als eine Art von 
Echutzwall zwischen ihm und Hoiningen befand. Dann 
zündete er sich gemächllch eine Zigarette «...i und blies 
’Ojci oder drei dicke Rauchwolken von sich, bevor er jagte: 
„Bei einer Auseil,ancersetzuug, wie sie zwischen uns 
über die Kehrbezirkseinrichtung wird auch vom Landrat des 
Kreises Teltow erlassen. Tie Bekanntmachung befindet sich 
im Anzeigenteil dieser Nummer. 
o Ucberarbeit in den Bäckereien. 2lm 2lnzeigenteil 
der vorliegenden Nummer gibt der Amlsoorsteher die Tage 
des kommenden Jahres bekannt, an denen Ueberarbeit in 
den Bäckereien und Konditoreien gestattet ist. 
o Kommunales. 2l,n Freitag voriger Woche hielten 
der Gemeindeoorstand, der Finanzausschuß und das Kura 
torium für die höheren Schulen eine gemeinsame Sitzung ab. 
— Am Dienstag tagen der Rathausbauausschuß und der 
vereinigte Bau-, Friedhofs- und Straßenreinigungsausschuß. 
Der Elektrizitätsausschuß hält am Mittwoch eine Sitzung 
ab und am Donnerstag ist Gemeindeoertretersitzung. Unsere 
„Sladtoätei" haben also vor dem Weihnachtsfeste noch 
reichlich Beschäftigung. 
o Tie Tispensgesuche wegen der Borgartenanlagen, 
die von zahlreichen hiesigen Hausbesitzern eingereicht waren, 
sind sämtlich, ohne jede Anmerkung, vom Bezirksausschuß 
an den Amtsvorsteher zurückgesandt worden. 
o Der silberne Sonntag war noch nicht einmal ein 
„kupferner" für nnsere Geschäftsleute. Das schlechte Wetter 
hielt diesmal alle, die sonst wohl gerne ihre Einkäufe am 
gestrigen Tage gemacht hätten, im Hause. Selbst in Berlin, 
wo sonst am silbernen Sonntag immer gute Geschäfte ge 
macht wurden, blieben gestern die Läden und auch die 
Kaufhäuser leer. Die Verkehrsmittel reichten diesmal bei 
weitem aus, sie ivaren nicht den Schwierigkeiten eines großen 
Ansturmes ausgesetzt. In unserem Orte war das Geschäft, 
wie uns allerseits mitgeteilt wird, schlechter als an den 
„nichtgeschäftsfreien" Sonntagen. Hoffentlich wird der 
„goldene" Sonntag nun zum diamantenen! 
o Zahlreiche Befreinngsanträge sind bereits au den 
Vorstand der hiesigen Landkrankenkasfe gelangt. Viele 
Anträge sind veranlaßt worden durch die irreführenden 
Rundschreiben des Abonnementsoereins. Ter Kassenvorstand 
wird nun alle diese Befreiungsanträge eingehend zu prüfen 
haben. Während die Berliner 'Allgemeine Lrtskrankenkasse 
einheitliche Grundsätze für die Beurteilung der Leistungs 
fähigkeit festgestellt hat, ist dies bei den meisten Vororts 
kassen nicht der Fall, es werden sogar den Befreiungs- 
amrügen erhebliche Schwierigkeiten entgegengesetzt. Dazu 
wird in der „Voss. Zig." folgendes geschrieben: 
Die Unkosten, die aus einer langdaucrnden Krankheit eines 
Dienstboten erwachsen, mögen gelegentlich bis zu 500 21t. betragen. 
Tie Krankenkasse hat lediglich zu prüfen, daß man in der Lage ist, 
einen solchen Betrag zn bezahlen. Wie die über einen solchen 
Betrag hinausgehende Leistungsfähigkeit eines Bürgers ist, gebt die 
Krankenkasse ganz und gar nichts an. Der Vorstand der Char 
lottenburger Allgemeinen Ortskrankenkasse verlangt aber nicht nlir 
die Vorlegung der Steuerquittung, er hat sogar von Leuten, die 
jährlich mehrere lausend 'Mark Steuern bezahlen, außerdem die 
Einsendung der Zahressteueroeranlagung verlangt! „Dieses völlig 
unberechtigte Verlangen", so heißt es iu einer Zuschrift, „möge als 
'Beweis dafür dienen, welchen Belästigungen die 'Arbeitgeber aus 
gesetzt sein werden, die gezwungen sind, ihre Dienstboten bei dieser 
Kasse zu versichern. Es ist daher allen, denen die Befreiung nach 
d m Gesetz möglich ist. anzuraten, die Befreiung zu beantragen 
und bei Weigerung der Kasse Beschwerde bei der zuständigen Stelle 
einzulegen." In welcher Form jemand bei seinem Besreiungs- 
ailtrag den 2!achweis genügender Leistungsfähigkeit erbringen will, 
ist lediglich seine Sache, ivenn nur dieser Nachweis zweifelsfrei ist. 
Nimmermehr kann aber von einem Bürger verlangt werden, daß 
ftattfinveii muß, ist es immer zweckmäßig, mit dem ^.,,ang 
zu beginnen, damit man ganz sicher ist, sich gegenseitig nicht 
niißzuverstehen. Zunächst mochte ich mit Ihrer Zuslimniung 
ausr rücklich feststellen, daß ich der erste auf dem Schauplatz 
gewesen bin, auf dem sich unser bisheriger Wettkampf 
abgespielt har." 
Hoiningen antwortete nicht, und nach einer kleinen 
Pause fuhr der Vicomte fort: 
„Zum zweiten möchte ich konstatieren. daß ich in 
meinem Äaterlande keine geringere gesellschaftliche Stellung 
einnehme als Sie in dem Ihrigen. Ich habe mir nicht die 
Zeit genommen, in einem genealogischen Handbuch nach 
zusehen, wie alt Ihre Familie sein mag. Aber es ist 
jedenialls sicher, daß schon 1434 ein Marigny auf seinem 
Schlosse an der Loire saß. Es ist nicht Renommisterei, 
daß ich diese Tatsache erwähne, sondern es geschieht einzig 
zu dem Zweck, Ihnen ins Gedächtnis zu rufen, daß wir 
hier als Leute gleichen sozialen Ranges niiteinander ver 
handeln. Bedauerlicherweise haben unglückliche Familien 
schicksale meine unmittelbaren Vorfahren der Hilfsmittel 
beraubl, über die Sie, wie ich höre, in rcichem Maße 
verfügen. Ich bi» arm; Sie find reich. Ich bin durch 
die Umstände genötigt, mir eine begüterte Frau zu suchen, 
während Sie sich den bencidenswerten Lurus gestatten 
können, aus Liebe zu heiraten. Warum, inein werter Graf 
Hoiningen, mußten Sie sich i» meine Angelegenheiten 
mischen und mich meiner Chancen berauben?" 
„Darauf antworte ich Ihnen, daß ich nichts Derartiges 
getan habe. Ich habe mich ledigl ch darauf beschränkt, eine 
junge Dame vor Abenteurern zu schützen, die sie zu ihrem 
Opfer ausersehen hatten." 
er lüber den für den bestimmten Zweck notwendigen Nachweis 
hinaus einem Knssenvorstand Rechenschaft über seine gesamten Ein 
kommens- oder Vermögensoerhältnisse ablegt. Wobei noch zu be 
denken ist, daß wohl nur in den seltensten Fällen die wenigen 
ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitglieder der Krankenkasse in der 
Lage sind, die unter Umständen nach Tausenden zählenden Be 
freiungsanträge zu prüfen, sondern diese Arbeit ihren eingestellten 
überlassen müssen! Bei Ablehnung des Antrages erhebe man 
schleunigst Beschwerde, die aber nicht, wie vielfach irrtümlich ange 
nommen wird, beim Versicherungsamt, sondern nach dem Gesetz 
für alle Gemeinden von Groß-Berlin beim Lberversicherungsanit, 
Charlottenburg 2, Berliner Skr. 11, einzureichen ist. 
o Die Post in -er Weihnachtszeit. Ueber die 
Paketbestellung in der Weihnachtszeit hatten wir schon Mit 
teilungen gebracht. Die Pakete werden auch am Sonntag, 
dem 21. Dezember und an den beiden Weihnachtsfeiertagen 
bestellt. Zur schnellen 2lbwicklung des Postschalterverkehrs 
während der Weihnachtszeit kann das Publikum selbst 
wesentlich beitragen. Die Einlieferung der Weihnachtspakete 
sollte nicht lediglich oder vorwiegend bis zu den Abend- 
stunden verschoben, namentlich müßten Familiensendungen 
tunlichst an den Vormittagen aufgegeben werden. Selbst 
frankierung der einzuliefernden Weihnachtspakete durch Post 
wertzeichen sollte die Regel bilden. Mit seinem Bedarf an 
Postwertzeichen müßte sich ein jeder schon vor dem 10. De 
zember versehen. Zeitungsbestellungen dürsten nicht in den 
Tagen vom 19. bis 24. Dezember am Schalter der Post 
anstalten angebracht werden. Für die am Postschalter zu 
leistenden Zahlungen sollte der Auflieferer das Geld abge 
zählt bereithalten. Die Befolgung dieser Ratschläge würde 
der Post und dem Publikum gleichmäßig zum Nutzen ge 
reichen. 
o Die Petition der Hausfrauen Großberlins über 
die Tienstboten-Krankenversicherung ist, .mit überaus zahl 
reichen Unterschriften aus allen Kreisen der Bevölkerung ver 
sehen, bereits dem Reichstag übersandt worden. Zur 
weiteren Eintragung liegt sie noch u. a. im Cafö Austria 
an der Potsdamer Straße, in der Kochschule des Berliner 
Hausfrauenvereins, Breite Straße 6, sowie in den Volks 
küchen Kaiserstr. 3 und Leipziger Straße 103 aus. 
o Der Gesamtvorstand des Deutschen Sprachvereins 
hielt am Sonnabend unter dem Vorsitz des Wirkt. Geh. 
Oberbaurats Dr. Sarrazin, Berlin-Friedenau, seine Jahres- 
Versammlung ab, die aus allen Bundesstaaten des Deut 
schen Reiches und aus Deutsch-Oesterreich zahlreich besucht 
war. Die Beratungsgegenstände betrafen meist innere Ver 
einsangelegenheiten. Die nächstjährige Hauptversammlung 
findet in Hamburg in der Pfingstwoche vom 1. bis 3. Juni 
1914 statt. Zur Erledigung der zahlreichen Gesuche von 
Behörden und Privaten um sprachliche Prüfung von Gesetz 
entwürfen, Verordnungen, Satzungen usw. hat der Sprach 
verein eine besondere Abteilung „Die Selbsthilfe" eingerichtet, 
die sich diesen Arbeiten unterziehen ivird. Die Gesuche sind 
an den Vorsitzenden zu richten. In den Vorstand wurde 
Oberlandesgerichtsrat Wieruszewski in Köln zugewählt. Die 
Mitgliederzahl des Vereins ist gegenwärtig auf mehr als 
33 000 angewachsen. 
o Nene Freibäder sollen auf Veranlassung des Regie 
rungspräsidenten von Potsdam im nächsten Sommer an 
verschiedenen Flüssen und Seen geschaffen werden. Es soll 
dadurch dem Unfug des Badens an gefährlichen Stellen 
entgegengewirkt werden. 
„Unsere Austastungen von der Suche gehen, wie ich zu 
meinem Bedauern sehe, sehr weit auseinander. Was die 
Bezeichnung als 2toent.urer betrifft, d;e ich doch wohl 
auf mich beziehen soll, so bemerke ich, daß Sie nicht die 
mindeste Berechtigung haben, sich ihrer zu bedienen. Sie 
mögen sich in Paris erkundigen, bei wem Sie wollen, nie 
mand wird imstande sein, mir etwas nachzusagen, das 
einen Makel auf meine Ehre werfen könnte. Aber ich lege 
darauf und auf Ihre persönliche Meinung von meinem 
Charakter und meinen sonstigen Eigenschaften kein über 
großes Gewichr. Bleiben wir also lieber bei dem, worauf 
es für mich und wohl auch für Sie allem ankommt. Vor 
drei Monaten machte ich die Bekanntschaft einer jungen 
Dame, die mir in jeder Hinsicht als die Veckörperung des 
Ideals erscheinen mußte, das mir bei dem Gedanken an 
eine künftige Gemahlin vorgeschwebt hatte. Ich gelangte 
in das beste Einocruehmen mit ihrem Vater, und ich hatte 
allen Grund zu der Annahme, daß ich auch der jungen 
Dame selbst zum mindestcn nicht unangenehm sei. Es be 
durfte nach meiner Ueberzeugung nur noch einer günstigen 
Gelegenheit, um mich an das gewünschte Ziel zu bringen. 
Und als sich mir diese Gelegenheit scheinbar darbot, zögerte 
ich selbstverständlich keinen Augenblick, sie zu ergreifen. 
Daß das Glück eine launenhafte Dame ist, und daß einem 
die besten Chancen gerade dann zu entwischen pflegen, 
wenn man sicher ist, sie in der Hand zu haben, werden Sie 
ja vielleicht in Ihrem Leben auch schon erfahren haben, ob 
wohl Sie ja vermutlich bei Frau Fortuna von jeher in 
größerer Gunst gestanden haben als ich." 
„Möchten Sie mich mit derartigen allgemeinen Be 
trachtungen nicht lieber verschonen! Damitz daß ich Ihnep
        
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