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Periodical volume Nr. 51, 28.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

ständen recht teuer werden könnte, indem sie nicht nur für 
ein, sondern auch für mehrere Mädchen zu sorgen hätten. 
Es kann z. B. der Fall eintreten, daß durch ein mit Diph- 
theritisbazillen angefülltes ■ Zimmer ein Mädchen erkrankt 
und ins Krankenhaus muß. Das nächste*Mädcheu steckt 
sich gleichfalls an, dann hat die Herrschaft für beide die 
Kosten zu tragen. Der Aüonnementsverein gewährt ferner 
die Versicherung auf Gegenseitigkeit; das kann für die 
Vereinsmitglieder einen ziemlich unangenehmen Nachge 
schmack haben, wenn der Verein Pleite geht, sie müssen 
dann für alle Kosten aufkommen. Er empfehle also, nicht 
den Befreiungsantrag zu stellen, sondern die ■ Mädchen bei 
der Landkrankenkasse zu melden. Herr Beymel wies auf 
die Schwierigkeiten der polizeilichen Anmeldungen hin. Ver 
antwortlich dafür wäre der Hauswirt, dieser erfahre aber 
häufig erst von. eir^m Stellenwechsel, wenn ihm zufällig 
das neue Mädchen mal im Hause begegnet. Manche Unan 
nehmlichkeiten werde es auch noch geben wegen der im Ge 
werbe (durch LadeNreinigungs tätigen Dienstboten, die der 
Orlskasse zu melden sind. Der 2 /'. { Beitragsabzug werde 
sich kauin durchführen lassen, man werde einem langjährigen 
Dienstboten nichts abziehen können. In humorvoller Weise 
schilderte HerrBeymel dann, wie ein 73jährigesDienstmädchen, 
das in den Ausschuß der Landkrankenkasse gewählt wurde, 
zu ihm kam und ihm die Einladung des Bürgermeisters 
zur Ausschußsitzung vorzeigte. Unter allgemeiner Heiterkeit 
erzählte er, welche Mühe er schon gehabt, einigen Dienst 
boten die von ihm erbetene Aufklärung über die l06"Para 
graphen der Satzungen zu geben, und rvelche Ansicht 
bei einigen unter diesen etwa 50 auserwählten Dienstboten 
über diesen Ausschuß herrscht. Bei der Auswahl der Aus 
schußmitglieder hätte doch mehr geprüft werden müssen. 
Herr Schwartz fragt gleichfalls, wer für die Anmeldung 
hastet, wenn sie von, Mieter nicht ausgeführt wird. Herr 
Klariert erklärt, daß für die polizeiliche Anmeldung der 
Hauswirt haftet. Er fragt dann, ob nicht die Mitglied 
schaft zum Ab.-Verein hinfällig werde, wenn das Mitglied 
nachher die Zahlung verweigert. Der Verein könne die 
Gelder doch nicht zwangsweise beitreiben. Herr Jost be 
tont, daß man für die im Gesetz festgesetzte Versorgung der 
Schwangeren nicht genug danken köirne. Es sei ein Zeichen 
der Rückständigkeit, wenn man darüber spottet und nicht 
jede Geburt achtet. Jede Frau wird sagen, was es heißt, 
über diese schwere Zeit hinwegzukommen. Das Samen 
korn der Wohltat, das das Gesetz den Mädchen in unglücklicher 
Lage hiermit bietet, soll dankbar anerkannt werden. Ist es 
nicht das höchste Glück der Frau, Mutter zu sein, und 
wollen wir nicht jede Mutter mit Leichtigkeit über diese 
schwere Stunde hinweghelfen? Wir sind die Schuldigen, 
die die Armen ins Wasser treiben, wenn mir ihnen keine 
Hülfe bringen; wir selbst sollen uns anklagen. Hier ist es 
edle Christenpflicht, einzutreten. Die Ehre der Frau stehe 
ihm hoch; aber es sei auch unsere Pflicht, der Frau, der 
es nicht so ergangen ist, die einen Fehltritt gemacht hat, zu 
helfen. Mit lebhaftem Bravo wurden diese mit großer 
Wärme gesprochenen Worte aufgenommen. Herr Borck be 
antwortete die einzelnen Fragen. Für die polizeiliche An 
meldung sei der Hauswirt verantwortlich, nicht aber für die 
Anmeldung zur Krankenkasse. Die Anmeldung könne ja 
auch durch die Post eingeschickt werden, es sei nicht not 
wendig, daß sie gleich mit der polizeilichen Anmeldung er 
folge. Nur die Möglichkeit dazu bestehe hier. Wenn ein 
Mädchen regelmäßig den Laden reinigt, so muß sie bei der 
Ortskrankenkasse gemeldet werden. Rur wenn sie das mal 
ausnahmsweise tut, gehört sie in die Landkrankenkasse. Was 
die Auswahl der Dienstboten für den Vorstand und den 
Ausschuß der Laudkrankenkasse anbetrifft, so habe man sich 
da nach dem Alter und der Dienstzeit gerichtet. Daß da 
noch manche lleberraschungeu sich ergeben werden, glaube 
er gern. Das würde sich erst mit der Zeit ändern lassen. 
Der Abonnementsverein habe kein Zwangsbeitreibungsrecht 
wie die Behörde. Wenn ein Mitglied die Beiträge nicht 
zahlt, muß der Verein klagen. Herr Borck sprach daun seine 
Freude aus über die trefflichen Worte des Herrn Jost. Er 
habe es außerordentlich bedauert, als in der Versammlung 
im Refvrmrealgymuasium die Erwähnung der Schwaugeren- 
fürsorge mit schallendem Gelächter begrüßt wurde. Wer 
aus der Fürsorge weiß, ivelch schwere Stunden dem 
Mädchen es bereitet, was es in einem leichtsinnigen 
Moment gefehlt hat, der muß diese Fürsorge begrüßen. 
Man stürzt dadurch nicht die Mädchen, sondern rettet 
sie, vielmehr, als wenn man ein umgekehrtes Ber- 
sahren anwendet. Er machte nur wünschen, daß die 
Worte des Herrn Jost recht weit in die Oeffeutlichkeit 
dringen. Herr Schwartz empfiehlt in allen Fällen, wo es 
zweifelhaft erscheinen könnte, ob das Mädchen zur Orts 
oder zur Landkrankenkasse gehört, es einfach bei der Laud 
krankenkasse anzumelden. Man möge sich nicht sogleich irre 
machen lassen. Wenn z. B. ein Agent ein Zimmer für 
seine kauflnänmsche Tätigkeit benutzt uiid das Mädchen hier 
auch Staub zu wischen hat, so soll sie nicht gleich bei der 
Orlskrankenkasse angemeldet werden, sondern bei der s md- 
krankenkasse. Herr Dr. Badt meint, daß über Einzelheiten 
die Behörden selbst noch keine Bestimmungen getroffen 
haben; es zeigt sich hier,' wie unglaublich langsam auch 
deutsche Behörden arbeiten können. Man wird in den von 
Herrn Schwartz erwähnten Fällen die Auseinandersetzungen 
den Kassen überlassen müssen. HerrKlauert empfiehlt die 
Herstellung eines polizeilichen An- und Abmeldeformulars, 
das als Abschnitt gleichzeitig die An- und Abmeldung zur 
Landkranleukasse enthält. Der Vorsitzende faßt »och ein 
mal kurz das Ergebnis der Aussprache zusammen. Es 
habe sich gezeigt, daß alles das. was der Abonnements 
verein leistet, die Landkrankenkasse mindestens auch gewährt 
bei erheblich geringeren Beiträgen. Der Dienstbote kann 
den ersten besten Arzt aussuchen, hat also vollständig freie 
Arztwahl. Wenn, wie es so häufig vorkommt, die Dienst- 
boren monatlich wechseln, müssen Mitglieder des 
Abonnementsvereins stets immer wieder den Befreiungs 
antrag bei der Landkrankenkasse wiederholen, während die 
Dienstherrschaften. die bei der Landkrankenkasse versichern, 
nur eine llmmeldung, die mit der polizeilichen Meldung 
ausgeführt werden kann, nötig haben. Der Abzug des 
2/^-BeitrageS vom Lohn ist allgemein empfohlen worden. 
Die Dienstmädchen begreifen noch garnicht, was da eigentlich 
vor sich geht und da würde durch den Abzug ihnen das 
zum Verständnis gebracht. Daß die Ortskrauteukasse nun 
jeden Versicherten der Landkrankenkaffe abjagen werde, 
glaube er nicht, er habe die Ortskrankenkasse bisher nur 
von der besten Seite kennen gelernt. Herrn Jost möchte 
er dann auch seinerseits für die instruktiven und herzlichen, 
mit großer Wärme gesprochenen Worte danken. Was 
andere Frauen für das höchste Glück betrachten; Mutter zu 
sein, müssen die Dienstmädchen für ihr größtes Unglück an 
sehen, das oftmals vielmehr durch die Schuld i;bet' 
Partner, die sich von ihnen lossagen und sie allein lassen, 
hervorgerufen wird. Er bedaure nur den schwachen Besuch, 
denn was hier gesagt wurde, ist nicht nur. für diesen 
kleinen Kreis, sondern für Abertausende gesprochen worden. 
Herr Borck gab noch die Erklärung ab, daß er nicht als 
Beamter, sondern als Privatmann gesprochen habe. Der 
Vorsitzende bemerkte dazu, das alles, was der „Privat 
mann" Borck gesprochen habe, die Landkrankenkasse erfüllen 
werde. Da zu den anderen Punkten der Tagesordnung 
niemand das Wort begehrte, schloß der Vorsitzende gegen 
V5.12 Uhr die Versammlung. — Vom Vorsitzenden des 
Bürgervereins, Herrn Dr. Heinecker, werden ivir gebeten, 
seine in der gestrigen Nummer wiedergegebenen Aus 
führungen über den Wechsel des Vereinslokals noch dahin 
zu ergänzen, daß der Hohenzollernwirt nachträglich, also 
nach Abhaltung der Novemberversammlung 6 M. Bezahlung 
für Benutzung des Vereinszimmers gefordert hätte. Vorher 
wäre darüber nicht verhandelt worden. Das Rednerpult, 
das Herr Tischlermeister Dienemann s. Zt. dein Verein 
zum Weihnachtsgeschenk machte, sei noch vom Hohenzolkern- 
wirt zurückbehalten worden, da dieser über die Besitz- 
verhältnisse dieses Pultes nicht unterrichtet wäre. Doch diese 
Angelegenheit werde sich in gütlicher Weise erledigen lassen. 
o Vortragsabende für Kunst und Wissenschaft. 
Der beste Vertreter des deutschen Männergesanges, der in 
diesem Jahre mit der Kaiserkette ausgezeichnete Berliner 
Lehrer-Gesang-Verein (Leiter: Prof. Felix Schmidt) 
verschaffte gestern den Besuchern der Vortragsabende einen 
reinen Genuß. In voller Stärke trat der Verein an, der 
Vorsitzende mit der Kaiserkette geschmückt. Die große Zahl 
der Sänger hatte eine Aenderung der Platzordnung not 
wendig gemacht. Die Besucher wandten diesmal der Bühne, 
die den Miltelbalkou ersetzte, den Rücken zu. Der Chor 
nahm auf dem Mittelbalkon Ausstellung. Leider ging durch 
diese Aufstellung der Sänger manches Schöne vom den Dar 
bietungen für die dem Chor zu nahe sitzenden Zuhörer im 
Parkett verloren. Den besten Genuß werden diejenigen ge 
habt haben, die auf der Bühne oder nahe der Bühne ihren 
Platz hatten. Der trefflich geschulte, über eine unvergleich 
liche Technik verfügende Chor begann seine Vorträge mit 
einem Madrigal aus dem 16. Jahrhundert: -Hochzeitslied 
von Joh. Eecard. Villanella alla Napolitana, das dann 
- folgte, ist gleichfalls aus dem 10. Jahrhundert von Bald. 
Dvnati. Stimmungsvoll und in herrlicher Tonschönheit 
und wundersamer Harmonie kamen die Lieder zu Gehör, 
desgleichen das Geibelsche Gedicht Feierabend, von Ernst 
E' Taubert vertont. In dem Lstmärkischen Bauernlied kam 
;bie volle Kraft des Chores zur Geltung, die sich noch steigerte 
in der Hegar'schen Komposition „Totenvolk". Wuchtig gab 
der Chor die in dem Tonwerk liegenden Kraststellen wieder. 
Doch es zeigte sich auch, daß unsere Aula für ein volles 
Einsetzen so vieler Sängerstimmen leider zu klein ist. Der 
Schall findet Widerstand an den zu engen Wänden, was 
der Harmonie nicht zum Vorteil gereicht. Daher hatten die 
Hörer auch mehr Freude an den Liedern im zarteren Ton. 
Beispielsweise „Die Nacht", wie auch „Ständchen", beide 
von Schubert, ließen neben der glänzenden Technik auch die 
Feinheiten des vorzüglichen Stimmaterials erkennen. Unnach 
ahmlich wiedergegeben wurden dann die drei Lieder von 
Theodor Körner: Gebet vor der Schlacht, Schwertlied und 
Lützows wilde Jagd, komponiert von Carl Maria v. Weber. 
Und brausender Beifall tönte den Sängern emgegen, als sie 
mit dem reizenden Volkslied: „Der Jäger aus Kurpfalz" 
die Vortragssolge schlossen. Dem stürmischen Verlangen des 
Publikums nach Wiederholung folgte der Dirigent Herr Pros. 
Felix Schmidt und ließ das Lied noch einmal singen. Neben 
den Chorgesängen hörten wir noch Herrn Rachö im Solo 
gesang. Der über einen herrlichen klangvollen Bariton ver 
fügende Sänger zeigte sich leider zu Anfang etwas unsicher, sodaß 
seine Stimme vibrierte. Er gewann jedoch nach und nach mehr 
Sicherheit und der Gesang „Traum durch die Dämmerung" 
war eine rechte Ohrenweide. Ebenso gefiel „Heimliche 
Aufforderung". „Das Ständchen" von Schubert sang er 
im Wechsel mit dem Chor. Auch diesem Solisten wurde 
lebhafter Beifall zuteil. Kurz nach 10 Uhr war diesmal 
der Vortragsabend beendet, der bei allen Besuchern einen 
nachhaltigen Eindruck hinterließ. 
o Die Jugendvereinigung Friedenau 1910 beging 
am Sonniag, dem 7. d. Mts. die Feier ihres 2. Sliftungt- 
festes. Ter große Zeichensaal der Gemeinde-Mädchenschule 
Goßlerstraße war bis auf den letzten Platz besetzt. Für 
Abwechselung im Programm war reichlich Sorge getragen. 
Den Beginn bildete eine Ouvertüre aus „Der Freischütz", 
gespielt von Fräulein Ch. Knaak (Klavier) und den Herren 
K. Knaak und E. Richter (Violine). Die Festansprache 
hielt Herr Rektor Kaut. Der Redner wies darauf hin, 
welche Schwierigkeiten im Vereinsleben bisher zu über 
winden waren und überwuudeu wurden. Daraufhin ivurde 
unter reger Beteiligung aller Anwesenden das geineinsame 
Lied „Brüder, reicht die Hand zum Bunde", gesungen. 
Unter Punkt 1 des Programms wurden einige Gedichte gut 
vorgetrageu, die besonders die Freundschaft verherrlichen, 
wie z. B.: „Der Postillon", „Die Bürgschaft" und „Ein 
deutsches Herz". Es folgte ein Violinvortrag, ausgeführt 
von den Herren E. Richter, K. Knaak und H. Kramarski, 
denen sich ein Gesangsvortrag aus der Oper „Bajazzo" von 
Herrn M. Kramarski anschloß, der mit großem Beifall auf 
genommen wurde. Den Schluß des Abends bildete die Auf 
führung der Posse in l Akt „Kasernenschwünke" von A. 
Schmasow. Die Verteilung der Rollen war eine sehr gute, 
denn die Herren Winter als Vizefeldwebel, Richter" als 
Falkenrot. Knaak. Mähler und Rößgen als Einjährige, sowie 
der urkomische Bursche. Herr Kramarski, ferner die Damen 
Fräulein Müller und Frl. Keilbach ließen an Mimik nichts 
zu wünschen übrig, sodaß das Stück deii erwünschten Cr,olg 
erzielte. 
o Das Biofontheater in der Nheinstraße 11 
hat für die heute begiuiiende Spielzeit ein abivechslungs- 
reiches Programm zusaiuinengestellt. „Im Spiele des 
Schicksals" ist ein ergreifendes Drama voll packender 
Momente in 3 Akten. Spiel und szenische Aufmachung 
sind gleich großartig und der Vorgang im höchsten Grade 
spannend und! das -Interesse von Bild zu Bild steigend. 
Ein munteres Lustspiel gibt der Film „Die wilde Komtesse 
wieder. Sehr hübsche Naturaufnahmen sind die Dar 
stellungen „Ein Spaziergang durch Venedig" und „Volks- 
belusttgungen in der Provence". „Was aus einem Bogen 
Papier werden kann" ist sehr instruktiv und die Rioson- 
revue von Pathö frores zeigt rvieder eine ganze Reihe von 
interessanten Vorgängen airs aller Welt. »Fritzchen als 
Detektiv" ist sehr ulkig und zeigt den leider zu früh ver 
storbenen kleinen Komiker in seiner letzten Rolle: „Der 
Dritte im Bund»!', eine huiiiorsiüsche Gabe, reizt zum 
Lachen. Wie man sieht, wechselt Ernstes und Heiteres in 
bunter Folge ab. Die Vorführung des reichhaltigen 
Programms beginnt um.6 und um Uhr, was wir hier 
aus dem Grunde mitteilen, weil später Kommende eventuell 
nur einen Teil des großen dreiakligen Dramas zu sehen 
bekommen. Garderobenablage ist kostenfrei. 
o Eine Jugendvorstellnng findet morgen Sonnabend 
Nachmittag 3 Uhr wieder in den Hohenzollern- 
Lichtspielen, Handjerystr. 64, statt. Zur Vorführung 
gelangt u. a. das Märchen Aschenbrödel. 
o Kindesaussetzung. Im Hause. Güntzelstraße 36 in 
Wilmersdorf wurde vor der im Gartenhause. 2 Treppen, 
gelegenen Wohnung der Familie R. ein kleines Kind in 
Leinewand gewickelt aufgefunden. Auf einer beigelegten 
Karle standen die Worte: „Liebe Frau! Eine verzweifelte 
fleht sie au, um recht liebevolle Behandlung für Anastasin. 
O ich weiß, Sie sind herzensgut." Eine Vergleichung der 
Handschrift mit einer Eintragung in ein Poesiealbum der 
Familie K. weist auf ein Dienstmädchen Martha O. in Berlin 
in der Wilhelmstraße. — Das Kind ist erst 3 Tage alt 
und war in Walte und Papier eingewickelt. Die Polizei 
gab den Findling zunächst der.Krippe,- Kaiserallee 176, in 
Pflege. Da das Kind dort aber nicht als gesund befunden 
wurde, mußte es in das Säuglingsheim, Kaiserallee 44, 
überführt und in ärztliche Behandlung gegeben werden. 
o Eine Einbrccherbaude macht zur Zeit wieder die 
westlichen Vororte, besonders Wilmersdorf, Friedenau und 
Schöneberg, unsicher. Es vergeht kein Tag, an dem nicht 
ein größerer Diebstahl der Polizei gemeldet wird. Die 
^Verbrecher haben es ausschließlich auf die Beraubung der 
Keller und Böden abgesehen. Sie benutzen zur Verübung 
der Einbrüche die Morgenstunden.. Schnell erbrechen die 
Spitzbuben die Verschlage und stehlen daraus hauptsächlich 
Fahrräder, Kleidungsstücke, Betten, Wäsche usw. Die Beute 
wird mit Hilfe der auf der Straße wartenden Genossen 
schnell in sichere Verstecke gebracht und bald wieder „ver 
schärft". In der letzten Zeit haben diese Einbrüche überhand 
genommen. Die Polizei hat daraufhin einen besonderen 
Patrouillendienst eingerichtet, doch ist es bisher nicht ge 
lungen, die offenbar sehr gewiegten Verbrecher zu fassen. 
Die Kriminalpolizei richtet daher an alle Hausbesitzer, Ver 
walter und Hauswarte die Aufforderung, mehr als bisher 
auf alle fremden Personen, die sich in den Treppenhäusern 
aufhalten, namentlich in den frühen Morgenstunden, zu 
achten und Verdächtige feststellen zu lassen. 
o Schaufenstcreinbruch. In der vergangenen Nacht 
wurde die Schaufensterscheibe des Uhrengeschäfts von 
Hohendorff, Lauterstr. 14,15, von Dieben eingedrückt, die 
dann Taschen? und Weckeruhren aus dem Schaufenster ent 
wendeten. Es ist bereits das dritte Mal in zwei Monaten, 
daß ein derartiger Diebstahl beiHerrnHohendorff verübt wurde. 
v Auf der Straße vom Tode ereilt. Vor dem 
Hause Potsdamer Str. 5 brach gestern Nacht der 56 Jahre 
alte Privatier und frühere Rittergutsbesitzer Adolf Gentzen 
aus Schöneberg plötzlich ohnmächtig zusammen. Wie man 
später feststellte, halle ein Herzschlag seinem Leben ein Ende 
gemacht. 
VemriS-Dadmdbteti 
Am Sonnabend tagen: 
Verein der Briefmarkensammler der südwestlichen Vororte von 
Berlin. Sitzung Abends 8 Uhr im Restaurant „Kaiserburg", 
Friedrich-Wilhelin-Platz, Ecke Wilhelmstraße. 
Ter Verein Südwestasrikanischcr Krieger zu Berlin. Nächste 
Sitzung Sonnabend, dem 18. Dezember, Abends 0 Uhr im Vcr- 
einolokal „Böhmisches ArauhanS", Landsberger Alice- Il/13. 
KAönederg 
—v Die Stadt ivill Arbeitslose, die sich hierzu bereit 
erkläre«, in die Kulturarbeitsstätten de§ Pereins für soziale 
innere Kolonisation schicken. Als Zuschuß gewährt die Stadt 
werktäglich l M., für - Verheiratete 1,50 M. . 
——-* r—1—T—»>--<*~*t "** 
rlm und Vororte 
go Der Weihuachtsmarkt ist. heilte auf dem Arkvua- 
' Platz und Umgegend sowie auf - der Mittelpromcnade der 
Warschauer und-Petersburger Straße eröffnet 'worden. Ein 
llehict Weihnachttzmarlt findet wie in jedem Jahre so mich 
; diesmal wieder aus dem Bei/e^llianc-eplatz statt. Ein letzter 
Affest des alten Berliner Weihnachtsmarkles, der aus dem 
Schloßplätze und in der Breiten Straße abgehalten wurde, 
«und zwar zum letzten MaS i.u Wiutev. 1887, hat sich bis 
auf den heutigen Tag auf. dein Pvkri-Platz erhalten. 
Zutdmfteri 
(Für dicsc Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
An die hochverehrte Frau M St. in Erwiderung Ihrer Zu 
schrift im „Fr. Lokal-Anzeiger." Tagtäglich muß man lesen, daß 
sich die Hausfrauen gegen die Dienslbotenversicheriing anslchncn.
        
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