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Periodical volume Nr. 11, 13.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

der fTurnhalle Albestraße erschienen einige japanische 
Herren, darunter der Direktor einer Gymnasial-Lehraustalt 
in Tokio, um unter Führung eines Friedeuauer Herrn sich 
das ^deutsche Vereinsturnen anzusehen. Die Herren sind 
von der japanischen Regierung zuin Studium der Er 
ziehungsmethoden nach Europa geschickt worden, hatten vor 
kurzem den englischen Sportbetrieb in Augenschein ge 
nommen und bereisen nun Deutschland, um auch hier vom 
guten das beste kennen zu lernen und auf japanische Ver 
hältnisse zu übertragen. Den japanischen Herren wurde von 
den Turnwarten bereitwilligst jede gewünschte Auskunft über 
das Turnen und den Turnverein gegeben und sie hatten 
Gelegenheit, den Turnbetrieb in der 1. Knabenabteilung 
und daran anschließend den der Jünglingsabteilung ein 
gehend kennen zu lernen. Sie verfolgten sämtliche Vor 
führungen mit größtem Interesse, ganz besonders das Geräte 
turnen der Knaben, sowie das Hochspringen und Gewicht 
heben der Jünglinge. Auf Befragen, ob inan dergleichen 
in Japan auch betreibe, erwiderte der Herr Direktor, daß 
der Körperbau des Japaners im Allgemeinen so an-, 
strengende Uebungen) wie z. B. das Gewichtheben (bis 
80 Pfd.) nicht zulasse. Auch für den Verwaltuugsbetrieb 
zeigten die Herren Interesse und nahmen an der Hand der 
Vereinsbücher davon Kenntnis. Nach 1 1 / 2 Stunden ver 
abschiedete fick der Besuch, vollbefriedigt von dem Ge 
sehenen, mit wärmsten Ausdrücken der Hochachtung und des 
Dankes für das von den Turnern Gebotene. 
o Der Bund der Hans- und Grundbesitzervereine 
Gdoß-Berkin hält seine Delegiertenversammlung am Freitag, 
dem 12. Dezember 1913, Abends 8 / 2 Uhr, im Restaurant 
Weihenstephan-Palast, Friedrichstr. 176-177. Hypotheken- 
beschafsung in Verbindung mit Lebensversicherung. Referent: 
Verstcherungsdirektor Obstleutnant a. D. Heine. Wie schätzt 
der Hausbesitzer sich zum Wehrbeitrag ein? Referent: Rechts 
anwalt Walter Simon. Der Preußische Landesoerbandstag 
und der Schutzoerbandstag. Referent: Architekt Schcwe. 
o Der Verein für Rechtsausknnft in Groß-Berlin, 
der in Berlin an 4 Stellen und außerdem in den Vororten 
'Rechtsauskünfte erteilt, befindet sich durch den andauernden 
Rückgang der Vereinsbeiträge in wirtschaftlicher Bedrängnis. 
Er erhält von Berlin einen jährlichen Zuschuß von 10 000 
Mark, von Schöneberg 3000 M. und von Charlottenburg 
4000 M. Der Magistrat Berlin, hat mit Rücksicht auf die 
Aufgaben des Vereins für Rechtsauskunft eine Erhöhung 
des Zuschusses auf 13 000 M. Jur 1913 in Aussicht ge 
nommen. 
o Der Friedenauer Gesangverein für gemischten 
Chor (Leitung: Musikdirektor Heinrich Weinreis) hielt gestern 
Abend in seinem Vereinslokale „Hohenzollern" seine dies 
jährige, außerordentlich zahlreich besuchte Generalversammlung 
. ab. Nach Erledigung interner Vereinsangelegenheiten wurde 
zur Neil- bezw. Wiederwahl des Vorstandes geschritten. Es 
wurden gewählt die Herren Baumeister Schiller I. Vorsitzender, 
Regierungsrat Prof. Dr. Rahts II. Vorsitzender, Konsulats 
sekretär Sweusson, Schristsiihrer, Max Wildt, Kassierer. Den 
Abschluß des arbeits- und erfolgreichen Jahres wird eine 
Weihnachtsfeier am 3. Janüar 1914 im Vereinslokale 
bilden, zu der die Vergnügungskommission ein abwechselungs- 
reiches Programm aufgestellt hat. Im April kommenden 
Jahres ist ein großes Konzert geplant, dessen näheres 
Programm noch bekannt gegeben wird. Es wäre wünschens 
wert, wenn durch regen Zugang neuer aktiver oder passiver 
Mitglieder die künstlerischen Interessen des aufstrebenden 
Vereins gefördert würden. Anmeldungen werden an den 
Uebungsabenden, Montags l / 2 9 Uhr im Vereinslokale ent 
gegengenommen. 
o Für das Konzert des Berliner Lehrer-Gesang- 
nereins, das morgen (Donnerstag) abend im Abonnement 
der Vortragsabende für Kunst- und Wissenschaft im Fest 
saale des Reformrealgymuasium stattfindet, sind noch einige 
wenige Einlaßkarten zu 2,50 Bl. für numerierte Sitzplätze 
in der Theaterkasse, Schmargendorferstr. 30, zu haben. 
Ferner werden Einlaßkarten zu 1 M. für unnumerierte 
Sitzplätze und für Stehplätze morgen an der Abendkasse 
bereit gehalten. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß 
die Saaltürcn pünktlich um 1 / 2 9 Uhr geschlossen werden. 
Da diesmal eine andere Platzordnung getroffen ist, dürfte 
es sich empfehlen, frühzeitig zu erscheinen, um Störungen 
zu vermeiden. 
o Konzert der Fontaneschnle. Nächsten Sonntag, 
14. Dezember, 6 Uhr Abends findet in der Aula der 8. 
Volksschule an der Rubensstraße ein Konzert der Fontäne- 
schule statt, für das die Kgl. rum. Kammersängerin Frau 
Ella Gmeiner, die Pianistin Frl. Luise Gmeiner und der 
Konzertsänger Herr Rudolf Gmeiner ihre Mitwirkung zu- 
durch ein offenes, fröhliches Geständnis der ganzen Wahr 
heit das Vertrauen und die Freundschaft von Sylvias 
Vater zu gewinnen, daß er die vorläufige.Zerstörung 
dieser Hoffnung als eine abscheuliche Laune des unbe 
rechenbaren Schicksals empfand. Und nun, da er schon 
einmal nach dieser Richtung hin für den Augenblick nichts 
tun konnte, wurde sein Verlangen, doch wenigstens irgend 
etwas zu unternehmen, mit einem Male stärker als alle 
Gebote der Klugheit, die ihn vorhin von dem beabsich 
tigten Briefe an Sylvia abgehalten hatten. Er begab 
sich in das Lesezimmer des Hotels und schrieb: 
„Verehrte Miß Pendleton I 
Ich hoffe, mein Wagen benimmt sich so, wie der 
unschützbare Wert seines Passagiers es ihm zur Pflicht 
macht, und Hasenkamp rechtfertigt das in ihn gesetzte Ver 
trauen. Ich schreibe hier in dem Hotel, das ich in Er 
füllung meines Versprechens aufgesucht hatte, um Mister 
Pendleton meine Aufwartung zu machen. Leider aber er 
hielt ich die Auskunst, daß Ihr Herr Vater wirklich Frank- 
fürt wieder verlassen hat und nicht vor Ansang nächster 
Woche zurückerwartet wird. Wenn in Ihrem Reisepro- 
gramm irgendeine Aenderung eintreten sollte oder wenn 
Sie^ auch ohne solchen Anlaß ein paar Minuten für mich 
übrighaben sollten, so geben Sie, bitte, ein kleines schrift 
liches Lebenszeichen 
Ihrem ganz ergebensten 
Kurt Dietrich, dem Chauffeur." 
Der Gedanke an die Adreffe, die er ihr für die.erbefxne 
gesagt haben. Frau Ella Gmeiner war bisher am Münchener 
Hostheater tätig und hat auch bei den Bayreuther Wagner- 
Festspielen hervorragend mitgewirkt; erst vor kurzem ist sie. 
infolge ihrer Vermählung mit dem Schnftsteller Dr. Tim 
Klein, dem Sohn des Verfassers der bekannten Fröschweiler 
Chronik, nach Berlin übergesiedelt. Die beiden Geschwister 
von Frau Ella Gmeiner sind erst in diesem Jahre vor dem 
Berliner Konzertpublikum öffentlich aufgetreten. — Der 
Chor der Fontaneschule wird einige Lieder im Volkston vor 
tragen und den Schluß des Konzertes bildet die Aufführung 
des Singspiels von Viktor Holländer „Die Blumenkönigin". 
Der Reingewinn des Konzertes wird der Schülerinnen- 
Unterstützungs- und Reisekasse der Fontaueschule zugeführt. 
Die zum Eintritt berechtigten Konzertprogramme zu 75 Pf. 
sind in den Papierhandlungen von I. Bach, Begatzstr. 1, 
und von A. Stahl, Beckerstr. 2. und Abends an der Kasse 
zu haben. 
o Der Nationakliberale Lrtöverein veranstaltet am 
Freilag, dem 12. Dezember 1913, Abends 8st 2 Uhr einen 
Vereinsabend im Restaurant zum Prinzen Handjery, Ecke 
Kirch- und Handjerystraßc. Herr Oberlehrer Naegele wird 
einen Vortrag über „Soziale Probleme im Lichte der Boden 
reform" halten, außerdem wird eine freie Aussprache über 
die Vorgänge in Zabern stattfinden. Auch nicht dem Verein 
angehörende Parteifreunde, Damen und Herren, sind herzlich 
willkommen. 
o Der Reichsvcrband gegen die Sozialdemokratie 
(Ortsgruppe Friedenau) hält die diesjährige Jahresver 
sammlung am Freitag, dem 12. Dezember, Abends 8st 2 
Uhr, im Prinz Handjery ab. Tagesordnung: Jahresbericht. 
Rechnungslegung. Neuwahl des Vorstandes. Aussprache 
über die politische Lage. 
o Atttoni's Konservatorium, Beckerstr. 13-14, ver 
anstaltet am Sonntag, dem 14. Dezember, Mittags 11>/ 2 
Uhr im großen Theatersaal der „Hohenzollernlichtspiele" 
Schülervorträge. Programme, die zum Eintritt berechtigen, 
sind in der Musikalienhandlung von Schwartz, Rheinstr. 00, 
im Papiergeschäft von Ebers, Rheinstr. 15, und im Konser 
vatorium zu haben. 
o Kinemakoloris! Ein kinematographifcher Film in 
natürlichen Farben, wird noch heute und morgen in den 
„Hohenzollernlichtspieleu", Handjerystr. 64, vorgeführt. 
Jeder, der Freude hat an der Farbenschönheit der Natur, 
sollte sich diesen prächtigen Film ansehen, der ein herziges 
Drama: „Der Liebe Zaubermacht" darstellt. In einem 
Vorspiel und 4 Akten rollen hübsche Szenen an dem Auge 
des Beschauers vorüber. Es ist dies wirklich mal ein Film, 
der Auge und 'auch Herz erfreut. Auch die anderen Bilder 
in dem vornehmen Theater finden den Beifall des 
Publikums; daher kann nur jedem der Besuch der Hohen 
zollernlichtspiele bestens empfohlen werden. 
o Mit Leuchtgas vergiftet hat sich heute Nacht der 
Butterhäudler Hollfreter in seiner Wohnung Schloßstr. 21. 
Geschäftliche Mißerfolge werden als Ursache angenommen. 
o Schwere Jungen konnten diese Nacht durch die 
Aufmerksamkeit des Wächters Robert Briesemeister von der 
Charlottenburger Wach- und Schließgesellschaft verhaftet 
werden. Dem Wächter fielen an der Stubenrauchstraße 
Ecke Kaiserallee zwei Männer aus, die einen schweren 
Karton trugen. Er verfolgte sie und veranlaßte am 
Friedrich-Wilhelm-Platz ihre Festnahme durch einen Polizei- 
beamten. Auf der Polizeiwache stellte sich heraus, daß der 
Karton Wäsche und Kleidungsstücke enthielt, die, wie bereits 
ermittelt worden ist, aus einem Einbruchsdicbstahl her 
rühren, der von den Verhafteten diese Nacht in der Nhein- 
gaustraße Ecke Retzdorffpromenade verübt worden ist. 
Vereins-Nackrickten 
Am Donnerstag tagen: 
„Friedenauer Männer-Gesangverein 1875", Uebungsstundcn 
9—11 Uhr im „Hohenzollern". Dirigent: Musikdirektor Paul Antoni. 
Kegelklub „Friedenau 1909" (Mitglied des Verbandes Berliner 
Kegelklubs E. V.) kegelt jeden Donnerstag von 8'/,—12 Uhr Abends 
auf 2 vorschriftsmäßigen Vcrbandsbahnen im Keglerheim Lauler- 
platz-Casino, Hauptstr. 80 
Scköneberg 
—o Sparprämien für Dienstboten. Die städtische 
Sparkasse Schöneberg gewährt solchen Sparern aus dem 
Gemeindestande, die während eines ununterbrochenen Zeit 
raumes von 5 Jahren bei einer Herrschaft bedienstet und 
während dieser Zeit Spareinlagen gemacht haben, Spar- 
präniien bis zum Betrage von 30 M. Im vorigen Jahre 
sind 12 Sparer mit je 30 M.. 5 Sparer mit je 25 M., 
39 Sparer mit je 20 M., 3 Sparer mit je 15 Dl. und 
endlich 0 Sparer mit je 10 M. bedacht worden. Die ver- 
Antwort doch notwendig angeben mußte, machte ihm aller 
dings einiges Kopfzerbrechen, aber er löste dis Schwierig 
keit einfach damit, daß er seine richtige Adresse unter das 
Schreiben setzte. Eine Straße und eine Hausnummer be 
deute» ja sehr wenig für jemanden, der, wie Sylvia, 
mit den örtlichen Besonderheiten einer fremden Stadt nicht 
vertraut ist. Sie würde schwerlich erraten, daß sich an 
der bezeichneten Stelle ein vornehmes gräfliches Palais 
erhob. Und nachher, nun, nachher würde man darüber 
zu lachen haben, wie über so vieles andere in den Ereig 
nissen und Verwicklungen dieser letzten Tage. 
Bevor er das Hotel verließ, versäumte er nicht, sich 
nach dem Vicomte de Marigny zu erkundigen. Aber der 
Name des Franzosen war im Hotel ganz unbekannt und 
hatte während des letzten Jahres jedenfalls nicht im 
Fremdenbuche gestanden. 
Das abendliche Diner im väterlichen Hause verlief 
ohne irgendwelche ausregenden Zwischenfälle. ' Kurt Diet 
rich fand seinen Schwager Witzlcben und außer ihm noch 
einen Freund des Hauses vor, durch dessen Anwesenheit 
von vornherein jede Anspielung auf das Gesprächsthema 
vom heutigen Morgen ausgeschlossen wurde. Man unter 
hielt sich über alle möglichen gleichgültigen Dinge, und der 
junge Graf plauderte über Gegenstände, von denen seilte 
Gedanken in Wahrheit weltenweit entfernt waren. Man 
saß schon im Rauchzimmer, als plötzlich der' Kammerdiener 
Berringer eintrat, uni, gegen Kurt Dietrich gewendet, mit 
allen Anzeichen eigener Ueberraschung zu melden: 
„Hasenkamp ist da. Er'bittet, den Herrn Grafen 
fprechen zu dürfen." 
teilte Summe belief sich insgesamt auf 1370 M. Im 
ganzen wurden 64 weibliche Dienstboten und ein Diener 
prämiiert und zwar 9 bereits zum zweiten Male. Nach 
Ablauf von 5 Jahren kann eine zweite Prämiierung er 
folgen, wenn die betr. Dienstboten dann noch in demselben 
Dienst stehen. Im nächsten Jahre werden zum erstenmale 
Prämien an solche Sparer verteilt werden, die seit fünf 
Jahren regelmäßig und ohne während dieses Zeitraums 
etwas von ihrem Guthaben abgehoben zu haben, Spar 
beträge aus ihrer Wohnung haben abholen lassen. Diese 
Prämiierung wird im Wege der Verlosung unter den be 
harrlichsten Sparern erfolgen. 
—o Bauerlaubnis wurde erteilt für Bülowstraße 104. 
Bauherrin: Deutsches Zahnärzte-Haus. E. V. 1. Vorsitzender 
Professor Alsted Guttmann, - Charlottenburg, Kurfürsten 
damm 200. Ausführende: Architekten Wehner und 
Baumgarten, Charlottenburg, Bismarckstr. 8. (Umbau des 
Wohnhauses in ein Vereinshaus.) 
—o Handelsgerichtliche Eintragungen. Nr. 12 015. 
Diabolo Separator Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 
Sitz: Berliu-Schöneberg. Gegenstand des Unternehmens: 
Verkauf von milchwirtschaftlichen Maschinen und Geräten, 
insbesondere Vertrieb der Erzeugnisse der Aktiebolaget 
Pump-Separator zu Stockholm. Das Stammkapital beträgt 
50 000 M. Geschäftsführer: Direktor Ehrenfried Rrunander 
in Berlin-Schöneberg. Die Gesellschaft ist eine Gesellschaft 
mit beschränkter Haftung. Der Gesellschaftsoertrag ist am 
4./24. November 1913 abgeschloffen. Die Gesellschaft kann 
sechs Monate vor Ablauf des am 31. August endigenden 
Geschäftsjahres gekündigt werden. 
—o Zwangsversteigerungscrgebnis. Albertstr. 12, der 
Frau Anna Türcke, geb. Wünsche, verwitwet gewesene 
Enthofer in Berlin-Schmargendorf, Hubertusbader Str. 8, 
gehörig. Fläche 4,56 Ar. Nutzungswert 9000 M. Mit 
dem Gebot von 50 000 M. bar und Uebernahme von 
117 000 Dl. Hypotheken blieb die Goldener-Schlüssel-Restaurant- 
betriebsgesellschaft m. b. H. in Berlin-Schöneberg, Colonncn- 
straße 8-9, Meistbietende. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernchnien wir keine Verantwortung.) 
Zwei Zuschriften haben bewiesen, daß unsere Hausfrauen sich 
auflehnen gegen die Dienstbotenversicherung. Wenngleich jede 
Krankenversicherung an sich eine Wohltat für arme Menschen ist, 
ebenso für Dienstboten, so ist aber das eine nicht anzuerkennen, 
daß die Hausfrauen wieder die Zahlenden sein sollen, denn darauf 
lauft es bei den Dienstboten, wie üblich, doch, trotz st, und 2 / ? « 
Gesetz wieder hinaus, genau wie mit den Jnvalidenmarken. Tie 
meisten Dienstverhältnisse werden durch Abzug der Krankenver 
sicherung ein schnelles Ende finden, wenn anders nicht den Dienst 
boten feste gesetzliche Verpflichtungen, selbst zu bezahlen, auserlegt 
werden, vielleicht in Gestalt eines direkten Steuerzettels. Bei den 
heutigen hohen Löhnen und teurem Lebensunterhalt sollen die 
Dienstboten, die trotz hohen Lohnes nichts sparen, sondern doch nur 
alles der Putzsucht opfern, gezwungen werden, selbst für sich zu 
sorgen. Ein Dienstmädchen mit einem Monatslohn von 20 bis 
80 M., alles frei, hat ebensoviel, oft noch mehr Einkommen wie 
ein Briefträger, der Frau und Kind ernähren muß, dabei aber nicht 
solch bequemes und ruhiges Leben führen kann wie die meisten 
Dienstmädchen. Alan soll, wenn schon immer neue Zwangsgesetze 
geschaffen werden, doch endlich einmal solche austüffteln, wo 
Dienstmädchen und Arbeiter, die hohe Löhne beziehen, gezwungen 
werden zum Sparen, statt alles durch Putz, Kneipenlaufen usw. zu 
vergeuden, um dann im Alter den Armenverwaltungen zur Last 
zu fallen, oftmals schon in jungen Jahren. Diesen Leuten ist ja 
nichts zu teuer. Was sich niancher aus den besten Gesellschafts 
kreisen nicht erlauben kann, das leisten sich Dienstmädchen und 
Arbeiter heute als selbstverständlich. Ein Beispiel von vielen. Ein 
Mädchen von uns, arme Bergmannstochter, die zu Hause, wie die 
Mutter des Mädchens mir selbst sagte, oft kaum ein Stückchen 
trockenes Brot zu effcn halten, kaufte sich nach jedem Lohn- 
empsang die teuersten Sachen, zum Beispiel ein Paar gelbe 
Stiefel für 22 M., Gürtel für 9 M. usw. Was ich noch 
für lange gut fand, warf dieses Mädchen in den Müll 
kasten, selbst Fleisch, Spargel, Brötchen, das übrig geblieben, vom 
Tisch kam, wurde in den Mülleimer geworfen und von dieser 
Seite lernt man heute die meisten Dienstmädchen aus den ärmsten 
Ständen kennen. Zu Hause nichts zu essen, im Dienst aber an 
spruchsvoll bis zuni Lächerlichen, lind solche Verschwendungssucht 
und Liederlichkeit soll immer noch mehr gestützt und auf Kosten der 
Hausfrauen versorgt werden? Sogar Anfwärterinnen, die oft nur 
einmal in der Woche ein paar Stunden beschäftigt werden? Das 
ist eine Ungerechtigkeit, gegen die alle Hausfrauen geschlossen — 
wie die „Genoffen Vorwärts" — kämpfen müssen, cs wird Zeit, 
daß die Hausfrauen endlich aus ihrer Gleichgültigkeit erwachen, 
um für sich selbst und ihre solide, staatserhaltende Häuslichkeit zu 
kämpfen, die Ansprüche der Dienstboten haben sonst, durch auf- 
wühlende Hetzereien geschürt, überhaupt keine Grenzen mehr. Unsere 
Hausfrauen des Mittelstandes haben es schwerer wie die Dienst- 
boten. Wer nimmt sich ihrer so liebevoll an, wenn sie krank sind? 
Welche Geschäftsfrau, die vereint mit dem Gatten um die Existenz 
ringt, kann sich erlauben bei cvt. Erkrankung sich so lange sorgenlos 
zu schonen oder ins Bett zu legen, wie die Dienstboten sich nach 
dieser Versicherung leisten dürfen? Zur Sittlichkeit trägt diese weit 
gehende Versicherung, nach der fortwährenden ekelhaften Schwanger- 
„Hasenkamp?" 
In höchster Bestürzung war Kurt Dietrich aufge 
sprungen, und das Erstaunen spiegelte sich so deutlich in 
seinen Zügen, daß sein Schwager ausrief: 
„Alle Wetter! Du könntest ja nicht verblüffter aus 
sehen, wenn Berringer gemeldet hätte: ,der Teufel ist 
soeben angekommen und wünscht den Herrn Grafe» zu 
sprechen'. Wer, zum Henker, ist denn dieser ominöse Hafen- 
kamp ?" 
Kurt Dietrich aber ließ sich nicht Zeit, ihm Auskunft zu 
geben. Mit einigen langen Schritten hatte er das Rauch 
zimmer verlassen. 
Der alte Graf schüttelte den Kopf. 
„Immer neue Verwirrung!" grollte er. „Haseirkamp 
ist Kurts Chauffeur. Und er ist Natürlich mit in diese 
Pendleton-Geschichte verwickelt." 
„Was für eine Pendleton-Geschichte? Eine, mit der 
Kurt etwas zu schaffen hat? Es ist doch sonst nicht seine 
Art, sich in unangenehme Affären einzulassen." 
Der Graf schien bereits zu bedauern, daß er sich zu 
einer unüberlegten Andeutung hatte hinreißen lassen. 
„Oh, es handelt >.ch uni irgend etwas mit einem 
Automobil," sagte er ausweichend. „Die Pendletons find 
Amerikaner, und sie gehören zur Freundschaft einer Mistreß 
Leland, die ich mal flüchtig in Paris kennen gelernt." 
„Wer kennt sie nicht? Sie ist ja eines der promi 
nentesten Mitglieder der amerikanischen Kolonie in Paris. 
Uebrigens — sagtest du nicht: Pendleton, Papa? Ist das 
der bekannte Multimillionär?" 
„Ich vermute, daß er es ift." (Fortsetzung folgt.)
        
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