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Periodical volume Nr. 28, 02.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

gebung der Sünden. Auferstehung de« Fleische« und ein 
ewige« Leben.- Hierzu ladet der Parochialverein dec 
„Positiven von Rathanael" alle evangelischen Damen »nd 
Herren ohne Unterschied der Richtung herzlich ein. Nach 
jedem Vortrage wird Gelegenheit zu Anfragen grbotem 
Der Eintritt ist frei. Die Namen der anderen Referenten 
werden in jeder vorausgehenden Versammlung bekannt ge 
geben. Möge dem Verein sllr sein rühriges Arbeiten in 
der Gemeinde dadurch der Dank gezollt werden, daß sich 
recht viele Zuhörer für diese Vorträge einfinden. 
o Selbstmord einer Frau erregte gestern früh in 
Cchöneberg Aufsehen. Die im vierten Stockwerk der 
HauseS Hauptstr. 133 wohnende Marie M. stürzte sich 
Morgens um 4 Uhr auS dem Fenster auf die Straße 
hinab. Als Passanten ht8->Ha«en, war sie bereits tot. 
Da» Haus war „och verschlossen, so daß eß geraume Zeit 
dauerte, bevor man drn im 'tiefsten Schlaf liegenden 
Mann, der nicht« von dew Vorhaben seiner Frau'bei 
merkt hatte, von dem traurttzest Vorkommnis in Kenntnis 
setzen konnte. Ueber die Ursache zu der unseligen Tat war 
bisher bestimmte« nicht zu erfahren. ' - - — 
L -■ ■■ Ü - 
SchöMöKW» 
—o Der Bezirksausschuß Potsdam hat die vorladen 
städtischen Körperschaften beschlossene Ordnung für dte^ve- 
steuerung von Veranstaltungen auf freien Plätzen, von 
Kinematographentheaiern und ähnlichen Unternehmungen 
sowie von Veranstaltungen auf Radrennplätzrn mit der 
Maßgabe genehmigt, daß die Genehmigung zunächst nur 
für die Dauer voy fünf Jahren erteilt worben ist. Nach 
her Rechtsprechung de« ObervrrrvaltuNg«grrtchtS ist dir er 
neute Zustimmung der städtischen Körperschaften zu der 
Maßgabe de« BeztrkSauSschuflcS notwendig. Der Magistrat 
ist der Maßgabe beigetreten und bittet die Stadtverordneten 
versammlung gleichfall« ihre Zustimmung au«zuspcechen. 
—o Der fiüherr Apotheker C. W. Albert L.-Hmann, 
Hierselbst hat der Stadt Berlin-Schöneberg folgende 
Schenkungen gemacht: 1. als Beitrag für das zu erbauende 
Schwimmbad 1000 M. 2. alt Jnvaliden-Stiftung für 
Krieger deSFeldzug.S -1870/71 1000M. DirZinfen diese- Be- 
IragkS sollen alljährlich am 24. Dezrniber an «tuen Kriegs- 
invaliden und nach deren AuSstrrben an einen Armen 
verteilt werden. 3. als Betrag für Unterhaltung und 
Schmückung seines Erbbegräbnisie« auf dem alten Kirchhof 
hiersrlbst. Die Zinsen dieses Betrages iollen bis zum 
Tode der Stifters, bis zu welchem er die Pflege der Giab- 
stelle selbst besorgt, dem Schwimmhallenbaufond« zufließen. 
Zusammen 4000 M. 
—o SchleSwig-Holstrinschk« Fleisch für Schöneberg. 
Der Landrat de« Kreise« Schleswig ist an den Magistrat 
herangetreten zweck« Abschluß eine« LtrseruagSvertrage« 
von längerer Dauer, um daraufhin eine Viehzucht- und 
Echlachtgenvfsenschaft für Landwirte tn seinem Kreise zu 
bilden. Vorläufig liegt ein Angebot auf Lieferung von 
100 Zentnern besten Echwelnrfletsche« vor, und zwar zu 
einem Preise, der sich um 8—6 Pfg. da« Pfund unter 
der Berliner Notierung hält. Der Magistrat und die 
Deputation zur Behebung der LebenSmittelteuerung, die 
übereinstimmend-beschlossen haben, diesen Versuch mit-der 
Beschaffung inländischen Fletsche« direkt von drn Pkoduzenten 
zu machen, wollen nach wie vor auch an dem gemeinsamen 
Bezug von russischem Fletsch Mit Berlin festhalte»-. 
—o Da« Konkursverfahren über da« vermögen dev 
Frau Jeanette Knop, geb. Jvcvbsohn. Inhaberin eines 
Blusen- und Kleidergeschäfte« zu Berlin-Schöneberg, Grüne- 
waldstraße 58, ist, nachdem der in dem Vergleichstermine 
vom 18. November 1912 angenommene Zwangkvergleich 
durch rechiskrästigen Beschluß vom 12. November 1912 
bestätigt ist, aufgehoben. 
Aerttn und 
§o Die Wohlhabenheit der Bevölkerung der Dillen- 
kolonte Grunewald. Nach den Gemetndewählerlisten bringen 
die 1038 steuerpflichtigen Wähler zusammen bte stattliche 
Summe von 2 006 344 Mark gegenüber 1 751 934 Mark 
im Jahre 1912 auf. Der höchstbrsteuerte Bürger entrichtet 
63 906 Mark steuern. Ja der ersten Wählerabteilung 
nfit rinem Gisamtsteuerbetrage von 676 763 Mark befinden 
sich" 27 Wähler; der geringste Steuetsötz beträgt' hier 
11 647 Mark. Die zweite Abteilung mit einem Steuer- 
beträge von 667 037 Mark zählt 105 stimmberechtigte 
Wähler; der höchste Steuersatz beziffert fich aus 11 553 M. 
und der niedrigste' auf 3812 Mark. In der dritten Ab 
teilung, deren 966 Wähler zusammen 602 544 Mark auf 
bringen, entrichtet der Höchstbesteuerte 8784 Mark und der 
letzt« Wähler 3 Mark. Im Durchschnitt entfällt huf einen 
jeden^Steuerzahler der überaus hohe Steuerbetrag von 
1933. Mark. 
IuschMM- 
(gär diese Kiölü LLeruchrne« vit ferse 8era-twsrnurz.) 
Die hier vielfach rerbreitele Anficht, daß die hiefige Gemeinte. 
Vertretung darüber zu beschließen hat, ob eine Dünsiborcnversicherung 
zum 1. Januar 1914 iu «rast zu Inten hat rdrr nicht, ist eine ganz 
falsche. Laut Rcichsversscherungsordnung muß jedes Dienstmädchen 
am U Janrar k. I. Mitglied einer Krankenkasse werden, existiert eine 
Lavtkrar kenkasie hterselbst, daun Mitglied dieser Kaffe, andernsaVS der 
Orttkrankenkaffe. Der Dienstherr kann den Antrag auf vrfretuug 
von der Mitgliedschaft zur Krankenkaffe zwar stellen. Der Kraulen- 
kaffenvorstand kann auch diesem Antrag statigebev, wenn nach seiner 
» die peluniäre Sage de- Dienstherr» «ine derartige ist, dah 
t dafür Gewähr dielet, daß der Dienstherr unzweifelhaft für 
alle Kosten, die ein krankes Dienstmädchen verursacht, tn gleichem 
Umfang wie eS die Krankenkafle leisten muß, aufkommen kan». Ob 
tie Entscheidung ganz dem Ermessen de» KrankenkaffenvorstaudcS 
überlassen werden wird, oder ob gesetzlich bestimmte Grundsätze, nach 
lenen die Entscheidung zu fällen ist, noch aufgestellt werden, wird die 
Zukunft erst zeigen. Sollte der Krankevkaffenvorstand wtder Erwarten 
eine Kaulion vcrla-gen dürfen, so wird der Vorstand der neuen Land- 
kranker,kaffe jedenfalls dieselbe in mehr Fällen beanspruchen, als der 
vorstand der alten fest fundierten mit großen Reserven arbeitenden 
Ortttraukeukaffe. Die bei dem Aboullemeulkoerem für Dienstboten 
eingegangene Versicherung befreit aber uiemalS d.n Dienstherrn von 
der Pflicht der Snmetdung zur Krankenkafle; denn tiefe Deisiqcrung 
bildet «ut eine Rückversicherung für diejenigen D cn«iherren, denn 
Antrag auf Befreiung von der Anmeldepflicht Erfilr gehabt hat. 
Der an den Abonnementtverein zu zahleud« veitiaq düflte übrigen- 
statt der jetzt zu zahlenden 9 M mindesten- 24 M. p. anno de- 
nagen. Die Gemeindevertretung kann nur den B?ct11B taffen, daß 
neben der bestehenden Ortskrankenkafl« eine Lar dkrankenkaffe cinge- 
richtet werden oder daß von der Einrichtung' cü er Sandkrankeukaffe 
Abstand genommen werden soll. Beschließt zum Beispiel die Gemeinde- 
Vertretung, keine Landkraukenkaffe eiuaurtchten, so ist dieser B-schluß 
noch nicht maßgebend, denn die eudgülttge Euhcheidung hat da» Ober- 
BtlfichrruNglamt allein zu sällen. Bet weicher Art der Krankenkafle 
der zu zahlend: vetlrag rin höherer sein wird, kann nur die Zukunft 
lehreo. Die verwallungskosten per Oltskranlenkaffe werd n j deusaS»ge 
ringer, alr die der Landkrar keukafl« sein. Bet der Orikkrarleakaffe sind neben 
dem unentgeltlich tätigen Vorstand hcute etwa 20 freiwillige Kranke»- 
besuchet ohne Entschädigung tätig; die Landkranker,kaffe muß aber 
unbedingt die Kraukenbesucher bezahlen. Auch die Gehälter bä 
Bürobeamten find bei der Landkraukenkaffe Häher«, alt bei der vrtzs, 
kraukeukaffe, denn die Ersten köuoen mir nach dem für Gemeinde- 
beamte gellend-n OltSpatut angestellt und besoldet weiden. Die 
OriSkrankenkaffe wird aber auch, wenn keine Landkiankenkaffe eiuge- 
richtet wird, eine so große Miigliederzahl aufweisen, baß dieselbe um 
etwa 4500 größer ist als die Landkeankeukaffe. Sine große Kasse ist 
jedenfalls leistungsfähiger alS eine kleine, zumal die hiesige JÜrit- 
krankenkafle über bedeutende Reserven verfügt. Süu die Dienstboten 
kann auch die OriSkrankenkaffe mehr leiste» alt die Landkraukenkaffe, 
ich ernöhne nur da» derselben mitpehöreude Genesungsheim Groß- 
Besten. Die Laudkrankenkasje wüd daher keinen Ueberjchuß liefern, 
seodern der Gemeinde Kosten verursachen, bei vorausgesetzt 
gleich hohen Beiträgen. Die Anzahl der Gemeindebeamteu wird 
durch Einrichtung einer Landkraukenkaffe bebrütend vermehrt. Ein« 
gemetnschafiliche Verwaltung beider Kaff-n ist gesetzlich zwar angängig, 
jedoch soll ja die OrlSkrankenkaffe iu sozialdemokratischen Händen sich 
befinden und daS wäre doch ein Hinderung-grund! Tatsächlich kaun 
und wird doch nur der an» Lrbeilnehmcrn bestehende Teil de- vor» 
standeS sozialdemokratische Anschauung haben und niemals der Teil 
der auS Aibettgebern gebildet ist. Ja jedem Fall haben fich öle aus 
de« Reihen der Arbeitnehmer gewählten Borstaudsmiiglieder niemals 
durch ihre Parteiangebörigkeit bei ihren Entscheidungen bestimmen 
lassen, joadern haben die Entscheidungen nach den genau festgelegten 
GelitzeS. und Statuleobrstimmungen gefällt. Seit dem 5. Juli 1912 
eniseyeidrt auch nicht in vielen Fällep die M.hrheit der Borstaub». 
Mitglieder, sondern Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben getreuyt ah» 
»ufltmmen. Inzwischen hat auch bie Gemeinte Steglitz, nach dem 
Vorbild vieler audcreu Gemeinden, wie LrLt-rfcldc, Vankew, 
Wetßensee usw. die Errichtung einer Landkraukenkaffe endgültig ab. 
gelehnt. n. 
Die Einrichtung einer Landkrankeukasse beschäftigte kürzlich 
unsere Gcmeindeverlrctung. Herr Düigermcister Walger und Herr 
Schöffe v. Wachem haben in aneik-unentwelter Weise schon darauf 
hingewiesen, daß unsere Orikkrarkenkafft sich in sozialdemokratischen 
Händen d-findet. Wenn die Herren dejcn Hinweis vielleicht auch nicht 
sehr geschickt gemacht haben, so muß thmn doch jeder, der die Der» 
hältniffe kennt, unbedingt zustimmen. In jeder Welse werben die 
soztaldemokrattschrn Einrichtungen von der Krankenkafle unterstützt, 
da- steht man schon an threuDiuckjachev, die sämtlich in der Druckerei 
de» Vorwärts hergestellt werden. Such Schreibpapier, Tinte usw. 
werden von der Buchhandlung des „Vorwär.L" für die Krankenkasse 
geliefert, trotzdem die hiesigen Bürger urd ggnz besonder» die Ge- 
werbelrcibendea hohe Betlräge zur Krankenkasse bist» E» ist daher? 
Prüfer. „AuS dem Gemeindrparlament". Berichterstatter; 
Gemeindeverordneter Kalkbrenner. Verschiedener. 
o Die Ortsgruppe Berlin. Friedenau dcS 
Deutschen WehrvereiuS hielt a« Mittwoch, dem 
29. Januar, dem GründungStage der Ortsgruppe, hier im 
Kaiser-Wilhelm-Garten ihre diesjährige Hauptversammlung 
ab. AuSstände an dem vorher gedruckt versandten Jahres 
bericht, wie an der Kassenführung erfolgten nicht, die Ent- 
lastung dcS Vorstände« wurde einstimmig bewilligt. Sine 
vorgelegte Satzung wurde ebenfalls einstimmig beschlossen. 
AlS Vorstand wurden durch Zuruf gewählt die Herren: 
Oberst a. D. v. Rohrscheidt als Vorsitzender, Professor 
Dr. R. Steig als Stellvertreter, Schriftsteller und Redakteur 
Luck-Lotzmann als Schriftführer, Rittmeister der Reserve 
von Schöppenthau als drsstn Stellvertreter, Rentner 
A. Niemann al« Schatzmeister, Buchhändler H. Benecke als 
dessen Stellvertreter und als Beisitzer von Bülow, Haupt- 
mann- a. D. Hering. Generalmajor z. D. Taubert. Dt» 
angekündigten Ausführungen über da« französische Heer 
mußten wegen Verhinderung des Referenten ausfallen. 
ES schloß sich noch eine sehr rege Aussprache an über oet- 
schiebttle, in der nächsten Zeit vorzunehmende Arbeiten der 
Verein«. 
o I« Evangelischen Arbeiter. Verein für 
Friedenau und Umgegend (Kaiser-Wilhelm-Garten, 
Rhetnstr. -65 I) spricht am Dienstag, dem 4. d. Ml«.» abend« 
8 1 / 2 Uhr, Herr Generalsekretär Rüster Charlottenburg über 
„Christlicher Sozialismus oder atheistischer Sozialismus-. 
Der Besuch nicht nur aller Mitglieder, sondern auch von 
Gästen wird gern gesehen. — Der BezirkLoerband evan 
gelischer Arbeitervereine (Potsdam, Spandau. Zossen, 
Nvwawe«, Gr. Lichterfelde, Steglitz und Friedenau) ragt 
am Sonntag, den 2. d. Mt«, in Nowawe« unter Leitung 
de« BezirkSverbandS»Vorsitzenden Herrn Hugo Richter- 
Friedenau und Herr Berbandistkretär H. Dunkel-Berlin wird 
prechen über: „Au« der Geschichte de« Berliner Verbände«." 
vormittag« 10 Uhr ist für die Mitglieder der betr. Vereine 
FrstgotteSdienst (Herr Probst Hähnelt-Potrdam). 
o Im Ep. Jangfrau<«ve»ein (Goßlerstr. 30) 
hält am Sonntag, beu 2. Februar, 8 Uhr, Herr Ober- 
pfarrer Triebe! einen Vortrag über „Heimatliebe und 
Heimweh", zu dem auch Gäste herzlich willkommen sind. 
— Der Lichtbildervortrag de« Herrn Rechnungsrat Luck- 
wald am vergangenen Sonntag über „Helgoland" hatte 
eine große Hörerzahl angezogen und reiryen Beifall hervor 
gerufen. Die Bilder waren vom Flottenverein iu lieben«- 
würdiger Weise zur Verfügung gestellt worden. 
o Ein moderner Mensch zu sein, diesen Anspruch 
erhebt wohl mehr oder weniger tn unserem jetzigen modernen 
Zeitalter ein jed«:. Demjenigen, der nun näher über seine 
persönliche Stellung zu dieser modernen Weltanschauung 
nachdenkt, werden mit recht so manche Fragen kommen, 
ob sein bisheriger Standpunkt zu diesem oder jenem un« 
au« alter Zeit Ueberlieserten noch der richtige ist, um sich 
nicht den Borwurf machen zu müssen, daß seine An 
schauung heut nicht mehr der modernen Zeit angepaßt ist. 
Insbesondere bewegt in neuerer Zeit die Ocstentllchkeit und 
damit jeden persönlich die Frage: Kanu ich al« moderner 
Mensäch noch anr apostolischen Giaubrntbekenntni« festhalten? 
Ueber diese wichtige und zeitgemäße Frage wird eine Reihe 
von Vorträgen im Restaurant Rembrandt, Becker-, Ecke 
Rembrandtstraße, abend« pünktlich 1 / 2 9 Uhr gehalten werden. 
Die einzelnen Vorträge, die den genauen Wortlaut de« 
Glaubensbekenntnisse« behandeln, finden statt: Montag, 
den 3. Februar: „Ich glaube an Gott, den Vater." Re- 
f-rsnt: Herr Pastor Paul Heldt-Berltn. Montag, den 
17. Februar: „Den Allmächtigen, Schöpfer Himmel« und 
der Erde." Montag, den 3. März: „Ich glaube an Jesum 
Christum, Gotte« eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der 
empfangen ist vom heiligen Geist, geboren von der Jung 
frau Maria." Montag, den 17. März: „Gelitten unter 
Pontio Pilato, gekreuzigt, gestorben und begraben." 
Montag, 81. März: „Ntedergesahren zur Hölle, am dritten 
Tage wieder auferstanden von drn Toten." Montag, den 
14. April: „Aufgefahren gen Himmel, sitzend zur rechten 
Hand Gotte«, de« allmächtigen Vater«, von dannen er 
kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten." 
Montag, den 28. April: „Ich glaube an den heiligen 
Geist, eine heilige, allgemeine christliche Kirche, die Ge> 
meiuschdst der Heiligen." Montag, den 19. Mai: „Der- 
Sie mir Tag und Stunde ihrer Ankunft angeben wollen, 
so werde ich Sie auf dem Bahnhof erwarten, da ich aus 
Gründen, die ich Ihnen mündlich erklären werde, es nicht 
für ratsam halte, Sir William zu beunruhigen, bis wir 
unserer Sache sicher sind. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, 
wenn Sie mich zeitig genug von ihrem Kommen benach- 
ri-btigcn wollten, damit ich die nötigen Anordnungen 
treffen kann, um meinen Posten ohne Gefahr zu verlassen. 
Ihr ganz ergebener 
Julius Penfold." 
Herr Franz Scharnock las den Brief langsam durch und 
reichte ihn dann seiner Mutter, die ihn ebenfalls sehr sorg- 
fäliig studierte. Als sie ihr Einverständnis durch Kopfnicken 
ausgedrückt hatte, bat Scharnock den Sekretär, den Brief 
an Inspektor Black, Scotland Pard, London, zu adressieren 
und ihn dann zu siegeln. 
„Danke," sagte er, als Trenkley den Auftrag ausgeführt 
hatte. „Solange keine Ansprüche an deine persönliche 
Tapferkeit gemacht werden, Männe, bist du ein ganz brauch 
barer Genosse. Gib her, ich werde dafür Sorge tragen, 
das; das Schriftstück im richtigen Moment auf die Post 
komint. Inzwischen tust du am besten, wenn du jetzt da 
hin gehst, wohin deine offiziellen Pflichten dich rufen. Und 
sei genau so vorsichtig wie vorhin, daß dich niemand 
sieht. Auf jeden Fall vermeide, an dem Häuschen vorbei 
zukommen, von dem du vorhin sprachst. Ich halte es für 
das beste, den Haupieingang zu benutzen, nachdem du dich 
überzeugt hast, daß die Luft rein ist. Dein Umweg durch 
den Wald und das Ueberklettern des Gitters waren ja 
wohl gut gemeint, aber doch ein bißchen zu theatralisch 
für praktische Zwecke." 
Hierauf drückte Herr Scharnock auf den Knopf der 
elektrischen Klingel, und als Louis erschien, befahl er ihm, 
Trenkley hinaus zu lassen, dann fügte er.hinzu; „So- 
varo unser Freund draußen ist, schickst du mir Hislop und 
die beiden andern hierher. Wenn ich mit ihnen fertig 
bin, sorgst du dafür, daß mein Rollstuhl in Bereitschaft ist." 
Als die Tür sich hinter dem Diener und dem Privat- 
sekretär des Staatsanwalts geschlossen hatte, wechselten 
Mutter und Sohn wieder einen langen Blick. Dann stand 
die alte Frau auf und streichelte Scharnocks Arm mit ihrer 
weißen, blaugeäderten Hand. 
„Zwischen uns beiden bedarf es keines Wortes," sagte 
sie. „Wir verstehen uns immer, mein Sohn, und sind 
auch immer einer Meinung. Dein Plan ist großartig und 
wird uns sicher zum Ziel führen. Nun will ich hingehen 
und Fräulein Unschuld aus ihrer Gefangenschaft befreien, 
denn wenn sie sich deinen Absichten fügen soll, so darf 
sie vorerst nichts ahnen. 
12. Kapitel. 
Der Pfeil des blinden Gottes. 
Julius Penfold stand in der Vorhalle der Villa und 
laß einen Brief, den die erste Post für ihn gebracht hatte. 
Er war so vertieft in seine Lektüre, daß er dem höflichen 
Gruß, mit dem Herr Hermann Trenkley auf seinem Weg 
nach dein Frühstückszimmer an ihm vorüberging, gar keine 
Beachtung schenkte. Das Schreiben, das ihn so sehr in 
Anspruch nahm, war auf amtliches Papier geschrieben und 
trug das Datum des vorhergehenden Tages und als Ort 
London, Scotland Pard. Es lautete: 
„Sehr geehrter Herr Doktor, selbstverständlich bin ich 
der Meinung, daß das Original der Photographie gefunden 
werden muß. Das Bild mag ja keine sehr gute Spur 
sein, aber es ist die beste, die wir haben. Ich werde 
durch einen anderen wichtigen Fall vorerst hier noch zurück 
gehalten, denke aber, daß ich mit dem letzten Zug am 
ersten nächsten Monats, das heißt übermorgen,. dort sein 
kann. Da'dieser Zug Ihre Station erst um elf Uhr fünfzig 
erreicht, so kann ich Sie natürlich nicht bitten, mich am 
Bahnhof zu erwarten- werde mich aber sehr freuen, wenn 
Sie mich am nächsten Morgen so früh wie möglich auf 
suchen. Ich steige im „Hotel zum Ochsen" in Beaconsfield 
ab und erwarte Sie dort. Ich habe keinen Zweifel, daß, 
wenn das Original des Bildes sich irgendwo in der Rach 
barschast befindet, ich es sehr schnell entdeckt haben werde. 
Ihr ganz ergebener 
John Black.- 
Der Brief hatte Julius wie ein Blitzschlag aus heiterem 
Himmel getroffen, bedrohte er doch das Mädchen, das er 
bis jetzt vor Unannehmlichkeiten gejckützt hatte, mit Ein 
mischung der Polizei, ja, vielleicht mit noch viel Schlimmerem. 
Mit der.- Vertrauen, das aus seiner erwachenden Lieb« 
zu ihr entstanden war, hatte er ihren Worten unbedingten 
Glauben geschenkt, aber er mußte sich selbst gestehen, daß 
er ohne dies Gefühl für sie durch das Vorkommnis während 
seiner Abwesenheit in diesem Glauben sehr stars erschüttert 
worden wäre. Es war ein gar zu merkwürdiger Zufall, 
daß der alte Verbrecher, den Olivia ctngestandenerinaßen 
konnte, gerade zu derselben Zeit im Park sein Wesen ge 
trieben hatte, als sie im Hause ihren Besuch machte. Upd 
außerdem hatte sie den Staatsanwalt veranlaßt, den Part 
zu betreten! Inspektor Black würde natürllch den Vorfall 
mit den kühlen Augen seines Berufes ansehen und n cht 
an einen Zufall glauben. Zudem hatte er voraussichtlich 
noch andere Gründe als dos Bild, die ihn bestimmt hatten, 
ein so großes Interesse an d«m,schön«n Original ZU nehmen. 
(8orisetzung folgt.)
        
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