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Periodical volume Nr. 262, 06.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

bald nasse Stiefel und kalte Füße, sodaß jeder, der nicht 
unbedingt auf die Straße mußte, eine warme Stube auf 
suchte. Auch heute Bormiltag schüttete „Frau Holle" wieder 
ihre Federn aus. Doch auch sie zergingen gar bald 
in Wasser. Lange wirds nun aber nicht mehr dauern, 
daß der Frost den Erdboden für die Schneeflocken auf 
nahmefähig macht. Dann erscheint die Landschaft im 
reinstem Weiß. In der Großstadt zwar erhält der Schnee 
gar bald eine unsaubere Farbe und man ist hier auch aus 
seine schleunigste Beseitigung bedacht. Aber in den werten 
Landgegenden ist er nicht nur ein schmuckes wärmendes 
Bett für die schlummernden Saaten, sondern auch ein hell 
strahlendes Unschuldskleid für die jetzt jungfräuliche Erde, 
das mit Tausenden von Brillanten besetzt, im hellen Sonnen 
kleide glänzend und schillernd alle Augen erfreut und be 
sonders im sanfteren, zarteren Lichte des silberglänzenden 
winterlichen Mondscheins rin geheimnisvoll feenhaftes Aus 
sehen bezaubert, wie es in keinem Ballsaale zu finden ist. 
Jeder Baum, jedes Sträuchlein hat sein wollig, weiches 
Kleidchen. Angenehm berührt betrachten die Augen der im 
schnellen Schlitten leicht fund geräuschlos dahingleitenden 
Menschen, die von den kalten Händen des Winters ge 
putzten Kinder des einsamen, traulichen sWaldes, sich er 
freuend an dessem Schutze gegen den schneidenden Wind. 
Kein ohrenbeleidigendes, nervenanstrengendes Geklapper und 
Gerassel verrät die Bewegung. Nur der heitere Klang der 
Schellen und lustiger Peitschenknall ist zu vernehmen. Der 
Naturfreund weiß auch die Schönheit des Winters zu 
würdigen, und wenn er auch nicht an glänzenden Schlitten 
fahrten teilnehmen kann, so versäumt er doch nicht, auch 
zur kalten Jahreszeit seine Schritte ins Freie zu lenken; 
denn die meisten Menschen vermögen sich gegen deren Unbill 
zu schützen. Auch im Winter belohnt es sich, sogar Berge 
zu besteigen. Diese Mühe wird belohnt durch den Blick 
auf groteske Winterlandschaften, die ihren besonderen Reiz 
haben, Felsen, Berge und Täler in einem neuen Kleide er 
scheinen lassen und oft durch ihre Einsamkeit beruhigend 
und nervenstärkend auf den Beobachter wirken. Winter- 
wanderungen stärken und stählen die Gesundheit mehr, als 
im heißen Sommer, denn sie geben einen gewissen Grad 
der nötigen Abhärtung. Die Natur bemalt der Winter 
weiß, aber die bleichen Stuben- und Stadtgesichter färbt er 
mit der roten Farbe der Gesundheit. 
o Eine Vereinfachung in der Verzollung der Post 
pakete soll nach einem Beschlusse des Bundesrats jetzt in 
Berlin eintreten. Bisher bestehen für zollpflichtige Päckereien 
in Berlin vier verschiedene Ausgabestellen, in der Alcran- 
drinenstraße, in der Klosterstraße, in Alt-Moabit und in der 
Köthener Straße. Auch die Pakete, die von der Post ver 
zollt werden, müssen nach einer dieser vier Stellen gebracht, 
dort verzollt und wieder nach dem Paketpostamt in der 
Oranienburger Sttaße befördert werden. Erst dann können 
sie von dort aus bestellt werden. Ehe die Post ein Paket 
verzollt, fragt sie bekanntlich erst den Absender. Der 
Bundesrat hat neuerdings beschlossen, daß die Post alle zoll 
pflichtigen Pakete ohne weiteres verzollen kann. In den 
Neubau des Pakelpostamtes ist eine große gemeinsame Zoll 
stelle vorgesehen, wo alle Pakete verzollt werden, die zur 
Bestellung kommen. Nach den vier Ausgabestellen werden 
dann nur noch die Sendungen gebracht, die von den 
Empfängern selbst verzollt und abgeholt werden. 
o Eine neue Form weisen die soeben ausgegebenen 
Lose für die 4. preußisch-süddeutsche (230. königl. preußische) 
Klassen-Lotterie, deren erste Ziehung am 12. Januar 1914 
beginnt, ans. Die früheren Lose hatten eine Länge von 
10*/, Zentimeter und waren 8 Zentimeter breit. Von nun 
ab weisen die Lose dieselbe Länge auf, haben aber nur eine 
Breite von o l / 2 Zentimeter, sind also um 2 l j 2 Zentimeter 
schmäler. Auf diesen schmäleren Losen mußte der Ausdruck 
in kleinerer Schrift hergestellt werden. Die Neuerung soll 
deshalb geschehen sein, weil die ursprünglich auf großen 
Bogen hergestellten Lose sich bei diesem Format handlicher 
zerschneiden lassen. 
o Der Königl. Botanische Garten, Dahlem, ist am 
morgigen Sonntag, dem 7. Dezember, einschließlich der Ge 
wächshäuser von 11—4 Uhr zu freiem Eintritt geöffnet, 
während das Botanische Museum von 11 — 2 Uhr unent 
geltlich zu besichtigen ist. 
vas bis zu diesem Tage zwischen ihnen bestanden hatte 
und das recht eigentlich das Glück feines Lebens aus 
machte. Auch wenn sich herausstellen sollte, daß sic geirrt 
hatte, war er schon jetzt bereit, ihr zu verzeihen und 
einzig den tollkühnen Burschen zu züchtigen, der es ge- 
wagi hatte, Sylvia zunr Gegenstand eines vermessenen 
Abenteuers zu machen. In bezug auf ihn freilich waren 
feine Gesinnungen und Absichten nichls weniger als 
freundliche, und er war ganz und gar der Mann, der 
artige Absichten furchtlos und rücksichtslos in die Tat um 
zusetzen. 
Seine Erkundigungen in Königsruh waren in einer 
Forin gehalten, die jede Möglichkeit einer üblen Deutung 
für die schöne junge Anierikanerin ausschlossen. Er zeigte 
sich lediglich als der zärtlich besorgte Vater, der im Be 
griff war, sein Töchterchen freudig zu überraschen, und 
den cs natürlich lebhaft interessierte zu erfahren, wie gut 
oder wie schlecht sie sich während ihres Aufenthalts unter 
halten habe. Geheimnisse waren ja auch nicht zu ver 
bergen. Miß Pendleton war in allem, was sie gesprochen 
und getan, mit der größten Offenheit zu Werke gegangen, 
und niemandem kam es in den Sinn, übles von ihr zu 
denken. So ließ die Hotelbesitzerin ihrem Mitteilungs 
bedürfnis volles Genügen geschehen und brachte alles zum 
Vorschein, was sie gehört und ge.ehen hatte, fest überzeugt, 
dem alten Herrn damit die lebhafteste Freude zu bereiten. 
„Der Herr, mit dem sie die Wasserfahrt machte, die 
um ein Haar übel genug verlausen wäre, kann übrigens 
kein ganz gewöhnlicher Ehauffeur gewesen sein," bemerkte 
sie unter anderem. „Er hatte ein so vornehmes,.ich möchte 
beinahe sagen, aristokratisches Auftreten, und als er von 
Karlsruhe zurückkam, brachte er sogar noch einen anderen 
Chauffeur mit, der am nächsten Morgen wieder abreiße, 
nachdem er de» Wagen gereinigt und für die Weiterfahrt 
inslandgeictzt hatte. Dergleichen ist doch sonst nicht üblich." 
Wahrscheinlich halte sie gehofft, daß der Amerikaner 
ihre durch diese Beobachtung geweckte .weibliche Neugier 
o Der Bezirksverein Südwest hielt gestern seine 
Monatsversammlung. Vor Eintritt in die Tagesordnung 
brachte der Vorsitzende Herr Stadtv. Peine dem langjährigen 
Borstandsmitgliede .Herrn Baumeister Schiller die Glück 
wünsche des Vereins zu seinem 70. Geburtstage dar. Herr 
Schiller dankte mit herzlichen Worten. Nach der Ge 
nehmigung des Protokolls teilte der Vorsitzende mit, daß 
ein längst gehegter Wunsch des Bezirksvereins, die Ver 
längerung der Linie 40 durch die Rubensstraße, nunmehr 
endlich die ministerielle Genehmigung gefunden habe. Vor 
den übrigen Punkten der Tagesordnung wird folgender An 
trag des Herrn Oberlehrers Bretschneider behandelt: 
Der Bezirkvverein Südwcst stellt beim Magistrat den Antrag, 
dieFonlaneschute (2. Stadt. Lyzeum) wird zu einem Oberlyzeum 
ausgebaut, dessen unterste Klasse am I. April 1914 eingerichtet wird. 
Herr Oberlehrer Bretschneider begründete eingehend den 
Antrag indem er zuerst das Wesen des Oberlyzeums dar 
legte. Für die Einrichtung eines Oberlyzeums in Schöne 
berg spricht vor allem noch, daß unsere Nachbargemeinden 
z. B. Tempelhof eine solche Anstalt beschlossen haben. Die 
Kostenausstellung ist schon gemacht, sie ist für die erste Zeit 
nicht erheblich. Herr Direktor Korodi legt den Vorschlag 
noch näher, auch seine finanziellen Wirkungen dar und er 
klärt, daß auch behördlicherseits die Bedürfnisstage bejaht 
wird. Herr Albrecht erhebt Bedenken wegen der Platzfrage. 
Erst fei es mal nöttg, Platz zu schaffen, für das. was 
schon da ist, für Lyzeum und Gemeindeschulen. Diese Be 
denken ebenso wie andere des Vorsitzenden suchte Herr Dr. 
Korodi zu zerstreuen. Der Antrag wird auf die Tages 
ordnung der nächsten Sitzung gesetzt. Der Bericht des 
Stadtv. Bester über die Stadtverordnetenwahlen mußte 
wegen Erkrankung des Berichterstatters ausfallen. Der 
Direktor der Ortskrankenkasse Herr Dannefeldt berichtete über 
die Dienstbotenversicherung. 
Der Widerstand der Herrschaften gegen dieses Gesetz schießt 
über das Maß hinaus, denn man dürfe nicht von den, allgemeinen 
Bersicherungen, der alle Volksschichten unterworfen sind, einzig die 
Dienstboten ausnehmen. Versichcrungspflichtig sind nicht nur 
Pförtner und deren Frauen und Dienstmädchen, sondern auch Auf- 
wärterinnen. Denn das Gesetz unterscheidet nur ständige und 
unständige Arbeiter; zu diesen gehören Waschfrauen und 
Gelegenheitsarbeiter. Die Anmeldungspflicht an die Allgemeine 
Ortskrankenkassc der Stadt Berlin-Schöncbcrg liegt den Dienslhrercn 
ob. Von den ungefähr 400 Aerzten der Krankenkasse steht den 
Versicherten eine Auswahl zu. Irgend welche Unbequemlichkeiten 
ergeben sich ans der Benutzung der Kaffe nicht. Jeder Dienstherr 
ist bei Dienstboten berechtigt, schon dann Krank«nhausbehandlung 
zu verlangen, wenn die häusliche Behandlung Unbequemlichkeiten 
mit sich bringt. Die Dienstboten sind jetzt auch berechtigt, an den Bei 
sitzerwahlen für die Krankenkasse teilzunehmen. Sic sollen von 
diesem Rechte starken Gebrauch machen. Es liegt für die Herrschaft 
der Dienstboten aber die Möglichkeit vor, sich durch Antrag von 
der Versicherungspflicht zu befreien, doch muß sie dann die 
Leistungen der Kasse übernehmen und zu diesem Zwecke einen 
Nachweis über ihr Einkommen führen. Ein Einkoinmen von 4800 Al, 
und 6000 M. Vermögen genügen durchaus nicht in allen Fällen. Auf 
keinen Fall ist ein solcher Besrciungsantrag sehr ratsam, auch dann nicht, 
wenn man die Rückversicherung bei deni Abonnementsverein ein 
geht. Der Vortragende schlägt vor, die Beiträge zur Kasse nicht 
ohne weiteres selbst zu zahlen, sondern, wenn Abzüge sich nicht 
durchsetzen lassen, den Lohn um die Beiträge zu erhöhen, damit 
den Dienstboten zuin Bewußtsein kommt, daß für sie etwas ge 
leistet und gespart wird. 
In der Besprechung bemängelt Herr Verwaltungs 
direktor Korbacher die lange Unterstützungspflicht der Dienst 
boten, wodurch die Krankenkassen ihre Beiträge stark er 
höhen müßten. Schwierig ist die Beitragspflicht bei Auf- 
wärterinnen, die bei mehreren Herrschaften tätig sind. Herr 
Albrecht warnt auf Grund eigener bösen Erfahrungen vor 
dem Eintritt in den Abonnementsverein. Dem stimmt Herr 
Rechnungsrat Demke zu. Er fragt an, ob Schöneberg die 
genügenden Aerzte zur Verfügung haben wird. Herr Zahn 
arzt Gehre wies auf die Schwierigkeiten der zahnärztlichen 
Behandlung bei der Ortskrankenkasse hin. Diese wurden 
von Herrn Direktor Dannefeldt widerlegt. Aufwartestauen 
sollen dort versichert sein, wo sie den größten Teil be 
schäftigt sind. Meldepflichtig ist aber jede Herrschaft. 
Doppelversicherungen sind nicht zulässig. Die Kasse wird 
daher anteilige Versicherungen berechnen. Dem Mittelstand, 
der bis jetzt 'an der sozialen Fürsorge nicht teilnimmt, 
muß eine solche zuteil werden. Besonders die zahnärztliche 
Versorgung nahm das Interesse der Versammlung in 
Anspruch. Der letzte Punkt: Verkehrs- und Jnteressenfragen, 
wird wegen der vorgerückten Zeit von der Tagesordnung 
abgesetzt. Schluß der Versammlung 12 Uhr. 
befriedige» würde. Aber Misier Pendleton hatte sich 
durch die Bemerkung aus der Affäre gezogen, daß die 
speziellen Arrangements für die Tour während feines 
Aufenthalts in Paris getroffen worden wären, und daß er 
darum nicht über alle Einzelheiten genau unrerrichtei se>. 
In Wirtlichkeit aber war ihm bei der Erwähnung eines 
zweiten Chauffeurs nichts weniger als behaglich zumute 
gewesen. Denn seine Informationen waren leider nicht 
ganz vollständig. 
Aus Gründen sehr verschiedener Natur hatten weder 
Marigny noch Bartels des. alten Grafen Hoiningcn oder 
des Chauffeure Hasenkamp ihm gegenüber mit einer Silbe 
Erwähnung getan, und so erschien ihm die Affäre noch 
verwickelter und bedenklicher, als er von der Existenz 
eines zweiten Chauffeurs hörte, der natürlich nur ein Ver 
trauter und Spießgeselle des anderen sein tonnte. 
Aber so reyr es ihn auch drängen mocksie, seine Tochter 
wiederzusehen, den Anschein, als ob er auf ihrer Per- 
folgung begriffen sei, wollte er doch noch immer ängstlich 
vermeiden, und als sie oon Äönigsruh aufbrachen, farderte 
er darum Bartels auf, einen anderen und xveiteren Weg 
einzuschlagen, als ihn die im. Vorsprung befindliche Gesell 
schaft aller .Voraussicht nach gewählt hatte. . 
Diese Gesellschaft hatte. unterdessen ihre Fahrt ohne 
jeden unliebsamen Zwischenfall fortgesetzt. Eine kleine .Ent 
täuschung hatte Hoiningen nur insofern erlebt, als seine 
Hoffnung, daß Sylvia wenigstens auf dem letzten Teil der 
Strecke den Platz an seiner Seite einnehmen würde, sich 
nicht erfüllte. Unter dem Vorwände, ihr einige interessante 
Punkte so besser erklären zu können, hatte er sie direkt 
darum gebeten, und seine Betrübnis über ihre ablehnende 
Antwort würde noch viel größer gewesen sein, wenn ihm 
nicht ihr Erröten und ihre augenfällige Verwirrung un 
zweideutig kundgegeben hätten, daß ihre Weigerung keine 
andere Ursache hatte als einen Mangel an Selbstsicherheit, 
dem er. recht wohl eine, für istn.selbst .sehr schmeichelhafte 
.Deutung geben durfte. 
o An der Handschrift erkennt man den Menschen. 
So lautet ein alter Grundsatz. Heutzutage wird kaum 
jemand noch leugnen, daß die Handschrift ein Eharakteristikum 
für den Menschen abgibt, und weile Kreise des geschäft 
lichen und gewerblichen Lebens versuchen, die Charaktere 
der Menschen nach der Handschrift zu beurteilen. Der 
gerichtliche Sach verständige für Handschriften künde, Langenbruch, 
hat das Ergebnis seiner jahrzehntelangen Erfahrungen und 
Beobachtungen nun systematisch zusammengefaßt und in 
dem Werk „Praktische Menschenkenntnis auf Gnmd der 
Handschrift", Preis 4 M. im Verlag der „Kameradschaft". 
G. in. b. H., Berlin W 35, erscheinen lassen. Langenbruch 
sucht uns durch sein System, das er das analytisch 
geometrische nennt, die Formen zu erschließen, in denen diese 
geistige Eigenart ihren Ausdruck findet. In feffelnder Dar 
stellungsweise geht er auf alle Eigentümlichkeiten der Hand 
schriften ein und beleuchtet sie nach ihrer Entstehung aus 
den Charaktereigenschaften des Menschen. Dadurch ver 
mittelt das Buch über den eigentlichen Gegenstand hinaus 
eine Fülle von Menschenkenntnis. Wie aber das Buch aus 
dem Leben geschöpft ist, so kann cs auch fürs Leben reichen 
Nutzen schaffen. Denn es bedarf ja keiner weitschweifigen 
Darlegung, welche Vorteile sich dein bieten, der die Fähig 
keiten besitzt, schnell ein sicheres Urteil über Charakter und 
Eigenschaften anderer zu gewinnen. Wer diese, in lausend 
Fällen des praktischen Lebens unschätzbare Fähigkeit zu er 
langen oder auszubilden wünscht, nehme Langenbruchs Buch 
zur Hand; es wird ihm, mag er von dem Werte der 
Graphologie überzeugt sein oder ihr noch immer skeptisch 
gegenüberstehen, auf alle Fälle eine starke Bereicherung 
seiner Menschenkenntnis bringen. 
o Der Basar, den der Zweigverein des vaterländischen 
Frauenvereins am letzten Montag im Reformrealgymnasium 
zum Besten der Kinderkrippe veranstaltete, hat eine Gesamt 
einnahme von über 3000 M. gebracht. 
o Eine Protcstversammlilng gegen die Hnnde- und 
Katzensperre fand gestern in der „Neuen Philharmonie" 
stak!. Gegen 2000 Personen waren hierzu erschienen. In 
den Vorträgen des Schriftstellers Mittler von der Neiße, 
des Rechtsanwalts Dr. Karsen, des Tierarztes Dr. Klingner 
und Prof. Dr. Paul Förster-Friedenau, die mit großem 
Beifall ausgenommen wurden, erhob man die Forderung 
ans Abänderung des Reichsviehseuchengesetzes, wandte sich 
gegen deren Auslegung und Handhabung, sowie seine An 
wendung. die eine Gesundheitsschädigung für Menschen und 
Tiere bedeute. Professor Dr. Paul Förster sprach über die 
„Züchtung und Entwicklung der Toll-Angstseuche". Die 
Redner brachten ein erdrückendes Material herbei, um zu 
beweisen, daß die Furcht vor einer Tollwutepidemie völlig 
unbegründet sei. Die sogenannten „Wissenschaftler" stiitzten 
sich bei ihren Urteilen nicht aus Beobachten, sondern aus 
das angebliche Vorhandensein Negrischer Körper. In einer 
Entschließung, die nach Schluß der Versammlung einstimmig 
angenommen wurde, und die den zuständigen Behörden 
unterbreitet werderr soll, verwarf man das Seuchengesetz in 
seiner jetzigen Form, seine Auslegung und Handhabung. 
Die Pasteursche Schutzimpfung habe sich nich bewährt. 
Gegen die hohen Hundesteuern, durch die z. B. Berlin etwa 
70 000 M. jährlich einnehme, wurde nachdrücklich Einspruch 
erhoben. Zum Schluß wurde ein Verbot der Vivisektion 
gefordert. 
o Bei dem Konzert des Friedenauer Männergesang- 
Vereins 1875, das morgen (Sonntag), dem 7. Dezember 
im Gesellschaftshause des Westens, Hauptstr. 30-31, statt 
findet, wird die Kapelle des Kaiser-Alerander-Garde- 
Grenadier-Regiments Nr. 1, unter Leitung des Kgl. Musik 
direktors Fr. Brase, mitwirken. Ferner wird der bekannte 
Vortragskünstler Otto Erich von Wuffow mit ernsten und 
heiteren Vorträgen aufwarten. Das Konzert beginnt 
pünktlich 6 Uhr, Einlaß von 5 Uhr ab. Nach dem Konzert 
ist Tanz. Eintrittskarten sind noch in der Papierhandlung 
von W. Ebers, Rheinstr. 15 sowie in der Musikalien 
handlung von Schlvartz, Rheinstr. 60, in beschränkter Anzahl 
zu haben. 
o Der Kriegsvcteranenverein hält heute Abend 
8^/z Uhr im „Kaiser-Wilhelm-Garten" eine Monatssitzung ab. 
o Der .Kirchliche Verein der Nathanaelgemeinde 
veranstaltet am Mittwoch, dem 10. Dezember, Abends 
Vor dem „Hotel Marquardt" in Stuttgart stand Hafen- 
kamp und grüßte tief. Mit einem Satz war Hoiningen auf 
dem Pflaster und am Wagenschlag. 
„Adieu, Miß Pendleton," sagte er, und er hatte die 
Kühnheit, ihr dabei seine Hand entgegenzustrecken. „Wenn 
ich mich beeile, kann ich den Schnellzug nach Frankfurt 
noch erreichen. Ich erlaube mir, Ihnen hiermit meinen 
Nachfolger vorzustellen. Er heißt Hasenkamp, und ich ver 
bürge mich dafür, daß er ein ebenso vorsichtiger Fahrer 
ist wie ich." 
Bestürzt über diese unerwartet plötzliche Art der Ver 
abschiedung, fragte Sylvia, die sehr blaß geworden war: 
„Müssen Sie wirklich schon fort — so — so sehr 
eilig?" 
„3a. Es ist besser so. Ich werde das Vergnügen 
haben, Sie bei Ihrer Ankunft in Frankfurt wiederzusehen. 
Ganz bestimmt werde ich dies Vergnügen haben. Miß 
Pendleton!" 
Nun legte sie ihre Hand in die seine, die die schlanke» 
Mädchenfinger mit festem Druck umschloß, ohne daß Sylvia 
sich gegen solche gewiß unziemliche Vertraulichkeit gesträubt 
hätte. Nun lehnte sich aber auch Frau von Riedberg vor, 
um dem Scheioenden mit großer Herzlichkeit und Wärme 
die Hand zu schütteln. 
„Sie werden diesem Herrn Hasenkawp auf die Seele 
binden, daß er sein Amt gewissenbaft versieht nicht 
wahr?" 
»Ich bin überzeugt, daß er das Vertrauen rechtfertigen 
wird, welches ich in iyn fr»-. 
Ein letzter beredter Blick auf Sylvia, und er war in 
der Richtung nach dem Bahnhöfe, von dein ihn ja nur 
tuciiige schritte trennten, versa>wunden. Eine Minute 
später öffneie der Groom die Doppeltür des Holeleingangs 
volh einer sehr elegant gel-eiden» und sehr ü«sti»guiert 
aussehenden Dame, die mit einem Ausrus lebhafter Freude 
die Sltffen herabeiite. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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