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Periodical volume Nr. 299, 21.12.1913 2. Beilage zu Nr. 299

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Meiner 
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Kr 28 
Berlin Friedenau, Sonntag den 2 Februar «93. 
20. Aahrg 
Letzte Nachrichte». 
Berlin. Der frühere deutsche Botschafter in Washington 
von Holleben ist gestern abend in seiner Wohnung in 
Charlottenburg im 73, Lebensjahre gestoiben. 
Posen. Gestern abend und in der vergangenen Nacht 
wütete in der Stadt und Provinz Posen ein orkanartiger 
Echneesturm von solcher Heftigkeit, daß der Straßenbahn- 
verkehr vollständig lahm gelegt wurde und die Eisenbahn 
züge mit bedeutender Verspätung eintrafen. Dächer und 
Fensterscheiben wurden in großer Menge beschädigt, Bäume 
wurden entwurzelt. 
Bromberg. Hier lat sich der 16jähr'ge Ober 
tertianer Alexander Simon, der Sohn e'.neS hiesigen Kauf 
manns, in der elterlichen Wohnung aus unbekannter 
Ursache erschaffen. 
Wien. Wie daS offiziöse Fremdenblatt vernimmt, 
wird Oberstleutnant Gottfried Prinz zu Hohenlohe sich in 
den nächsten Tagen als Träger eines Handschreibens Kaiser 
Franz Josephs an den Kaiser von Rußland nach Peters 
burg begeben. Der direkte Verkehr zwischen den beiden 
Monarchen entspreche den freundschaftlichen Beziehungen, 
welche zwischen den Höfen von Wien und Petersburg 
bestehen. 
Paris. Sin in Konfiantinopel erscheinendes jung- 
türkischeS Blatt veröffentlicht ein angebliches Funken- 
telegramm des Kommandanten von Adrianopel, Schükri 
Pascha, an den Großwesir, worin der Befehlshaber der 
eingeschloffenen Truppen u. a. sagt: „Ich werde Wider 
stand leisten, so lange mir noch ein einziger Mann übrig 
bl.ibt, und diesen einen werde ich mit meiner eigenen 
Hand erschtkßen, damit er nicht den Bulgaren in die Hände 
falle. 40 000 Bulgaren bi finden sich in Adrianopel, aber 
b.'vor ich die Stadt dem Feinde übergebe, werden diese 
40 000 Bulgaren in Leichentüch r gehüllt sein." In den 
diplomatischen Kreisen Konstantinopels bezweifelt man 
allerdings die Echtheit vieles Telegramms, dem Schükri 
Palcha könne schwerlich übirsehen, daß er durch solche Hand 
lungsweise die türkischen Gefangenen, die sich in den Händen 
der Verbündeten befinden, furchtbaren Repreffalien aus 
setzen würde. 
Konstanstinopel. GenerallissimuS Jzzet Pascha, der 
auS Tschataldscha zurückgekehrt ist, führte gestern bet einer 
wichtigen Beratung von höheren Offizieren im KriegS- 
mintsterium den Vorsitz. 
Lokales- 
^Nachdruck unserer ,^rtg ualarttkel nur mit vuetleuaugab» g-flatl-,) 
o Die nächste Gemeindevertretersitzung findet 
am DonnerStag, dem 6. Fibruar 1913, Abends 7 Uhr, 
in Sitzungssaal deS ReformrealpymnastumS (Homuth- 
straße) statt. Die Tagesordnung finden unsere Leser im 
Anzeigenteil dieser ZUtung. 
o Der gestrige starke Schueefall hat den Winter- 
sportfreunden. vor allem unserer Jugend, große Freute 
Der Staatsanwalt. 
von H. Hill. 
22, kn(gtw> 
„Aha," sagte Scharnock leise vor sich hin, „also einen 
Erfolg hat der zwecklose Besuch doch gehabt. Glaubt denn 
Sir William auch an diese Aehnlichkeit, die seine Frau 
herausgefunden haben will?" 
„Nein, er glaubt nicht daran. Er hält es für eine 
Einbildung. Aber er fürchtet die Folgen der Aufregung 
für die Gesundheit seiner Frau. Und er hat deshalb, wie 
ich glaube auf Anraten Penfolds, beschlossen, daß ihre 
Nerven dem nicht wieder ausgesetzt werden sollen. In 
der Tat, ich glaube nicht, daß die Besucherin wieder vor 
gelassen werden wird." 
Diese Mitteilung wurde mit düsterem Schweigen ent 
gegengenommen. Wer jetzt den Mann ansah, der da 
auf dem Kaminteppich stand, die hohe weiße Stirn in 
nachdenkliche Furchen gelegt, die festen Zähne in die Unter 
lippe gegraben, der würde nicht geglaubt haben, daß er 
hier einen Freund der ganzen Menschheit vor sich sähe, 
einen Retter der Entgleisten, einen Philanthropen mit 
immer offener Börse und stets bereiter Sympathie. 
Das nachdenkliche Schweigen wurde durch die Komtesse 
unterbrochen, die im zornigen Ton ausrief: „Dieser 
Penfold geht mir auf die Nerven, Franz. Ich kann seinen 
Namen nicht mehr hören. Er muß aus dem Weg ge 
räumt werden, er hindert uns an allen Ecken." 
Der sehr angenehme Mieter des alten Barons wachte 
aus seinen tiefen Gedanken auf und lächelte nachsichtig 
über die Erregung der alten Dame. 
bereitet. Der Schlitten konnte doch nun endlich einmal 
in diesem Winter hervorgeholt werden. Besonders der 
Sportschlitlen, mit dem es flugS nach der Steglitzer Rodel- 
bahn, nach dem Grunewald und nach den sonst irgendwie 
kn quem erreichbaren Abhängen ging. In unseren Straßen 
ift's mit der Schlittenbahn heute nun leider vorbei. Die 
Schneeflüge haben die Fahrdämme freigelegt. Auch 
Schneeballschlachten wurden gestern veranstaltet und der 
Schneemann zeigte an verschiedenen Stellen sein blaffeS 
Angesicht. Die Verkehrsstörungen hielten den ganzen Tag 
über an. Ja der Rheinstraße kippte ein Strohwagen um 
und kam auf die Gleise der Straßenbahn zu liegen. Er 
dauerte längere Zeit, bis das Verkehrshindernis beseitigt 
werden konnte. Während dessen reihten sich die Straßen 
bahnen auf eine weite Strecke hin auf. 
o Gegen den Vauschwindel, Eine Protest-Ver 
sammlung der nördlichen Vororte Berlins tagte am letzten 
Donnerstag in Pankow, um zum Bauschwindel und den 
Realkredilfragen, sowie anderen Fragen des städtischen 
Mittelstandes Stellung zu nehmen. In der glänzend ver 
laufenden Versammlung, die außerordentlich zahlreich besucht 
war, sprachen die Herren Generalsekretär v. Trotha, Rechts- 
anwalt Dr. Hagelberg, Postinspeklor Siebert, Stadtrat 
Dr. Arlart u. a. Einstimmig nahm die Versammlung 
eine Resolution deS Bundes der HauS- und Grundbesitzer- 
vereine Groß Berlin an, die die wohlwollende Stellung 
nahme der Regierung und sämtlicher bürgerlichen Parteien 
deS Abgeordneten-HauseS in der Fürsyrge für den Mittel 
stand und insbesondere in den Fragen des ReaikreditS 
dankbar anerkannte, es aber als notwendig erklärte, daß 
endlich der zweite Teil deS GefftzeS zur Sicherung der 
Bauforderungen eingeführt würde, daß die Gemeinden 
selber die Reaikreditfroge lösen müßten, und daß bei Nru- 
regelung des städtischen ToxwesenS die städtischen HguS- 
besttzer durch ehrenamtliche SchätzurgSkommisfionen mit 
wirken müßten. 
o Die letzte Vollversammlung der Potsdamer 
Handelskammer, Sitz Berlin, nahm den Gischäftsbericht 
deS Plästdenten, der im Jahresbericht der Kammer für 
1912 enthalten ist, entgegen und wählte süc daS Jahr 1913 
wiederum Herrn Kommerzienrat Marggraff zum ersten 
Präsidenten, Geheimen RegierungSrat Direktor Dr. Oppen 
heim und Geheimen Kommerzienrat Conrad von Borstg 
zu seinen Stellvertretern. Die Baupolizeiverordnung 
für die Vororte von Berlin, welche für die Kreise Teltow 
und Niederbarnim sowie für Teile der Kreise Osthavelland, 
Zauch Belzig, Oberbarnim und Beeskow-Storkow gilt, be 
stimmt für Fabrikbauten, daß die zulässige Bebauung nicht 
wie bei Wohngrundstllcken, nach der Grundfläche, sondern 
nach der Baumaffe zu berechnen ist. Für die Ermittlung 
der Baumaffe kommt die hinter der Straßengrenze liegende 
Fläche dcS Grundstücks inbetracht und zwar werden für 
jeden qm dieser Fläche in der Bauklalle I 9 cbm, in der 
Bauklasse II 6 cdm, in der Bauklaffe 0 4,50 cbm, in der 
Lauklaffe F 3,30 cbm. Es wurde festgestellt, daß eS im 
Handel mit Bierflaschen üblich ist, die Untersuchung der 
Flaschen auf Druckfestigkeit nicht sofort nach der Anlieferung 
„Im Gegenteil, liebe Mutter, dieser Doktor Penfold 
soll uns den Weg zeigen," war seine merkwürdige Ant- 
wort. „Es ist ja ein bißchen schwierig, das gebe ich ja 
gern zu, aber-ich glaube, ich habe einen Plan, um den 
muskelkräftigen jungen Mann unseren Zwecken dienstbar 
zu machen. Wir müssen eben die Sache so drehen, daß 
er uns nicht hindert, sondern uns hilft, und ich glaube, ich 
weiß bereits, wie wir das machen werden." 
Dann wandte er sich an Trenkley und fragte: „Hat 
Sir William oder Penfold irgend etwas über einen frag 
würdigen Menschen gesagt, der an dem Tag, als der Arzt 
zur Totenschau gefahren war, sich im Park der Villa 
herumgetrieben hat?" 
„Nein, kein Wort." 
Die Komtesse lachte spöttisch auf und wechselte einen 
Blick des Einverständnisses mit ihrem Sohn. 
„Jo, ja," erwiderte dieser auf ihren unausgesprochenen 
Gedanken, „Penfold ist offenbar verliebt und hat Fräu 
lein Unschuld zu Liebe den kleinen Zwischenfall verschwiegen. 
Uebrigens, Trenkley, wie ist denn das Verhältnis zwischen 
dem Arzt und der kleinen Gesellschafterin, hast du seit 
deiner Rückkehr irgendeine Veränderung bemerkt?" 
Ein unangenehmes Lächeln flog über das blasse Ge 
sicht des Sekretärs. „Eine sehr bedeutende," erwiderte 
er. „Sie haben eine ganz furchtbar dicke Freundschaft ge 
schlossen. Nichts von Verliebtsein, weißt du, sondern so 
eine Art Geichwisterliebe. Ich glaube, die kleine rothaarige 
Person hat ihre unbegreifliche Abneigung gegen mich nicht 
auf Penfold übertragen." 
Wieder wurden zwischen der Gräfin und Herrn Franz' 
Scharnock verständnisinnige Blicke gewechselt. „Es war 
also kein Zufall," bemerkte der letztere, „daß die Pläne 
aus der Glashütte, sondern erst nach Rückkunft der leeren 
Flaschen von der Kundschaft vorzunehmen. 
o Die Ursache des gestrigen großen Lchnee« 
falles erklärt das Berliner Wetter-Bureau damit, daß 
dieser mit dem tiefen barometrischen Minimum zusammen 
hängt, daS sich noch gestern weit westlich von Island be 
fand, aber mit großer Geschwindigkeit ostwärts vordrang. 
Das Minimum hat seit heule früh den größten Teil 
Mitteleuropas in fein Gebiet aufgenommen und daS hohe 
Maximum, daS unS die strenge Kälte brachte, noch Süd- 
westrußland hin entfernt. Dabei sind die kalten Ost- und 
Südostwinde der letzten Tage in Westdeutschland schnell in 
eine milde Slldströmung umgewandelt und haben dort 
bereits in der Nacht einen jähen Uebergang zu Tauwetter 
mit Regen herbeigeführt. So sind heute morgen im 
Rheingebiete die Temperaturen auf 7 Grad über Null ge 
stiegen. Oestlich der Elbe herrschte zwar noch Frost, der 
aber ebenfalls milder als 24 Slunden zuvor geworden 
ist. Bei dem weiteren Fortschreiten deS Minimums haben 
sich auch in Berlin die Winde sehr verstärkt und feuchtere 
Luft vom Ozean herangebracht. In der Höhe wehten sie 
schon auS Südwest und brachten uns Wafferdämpfe von 
Westen, die auch bei uns eine Erwärmung und den Ein 
tritt von Niederschlägen bewirken, der mit Graupeln be 
gann, um mehr und mehr in Schneeiall überzugehen. 
o Für die mit Dringliugen beschenkte Familie 
Paasch in der Schildhornstraße 102 sind unS von Frau 
B. 3 M. und von Frau L. drei Pakete, enthaltend Wäsche 
und einen frischen jungen Hahn, zugesand worden. Wir 
haben die Gaben der Familie überwiesen, die den Spendern 
herzlich dankt. 
o Brockensammluvg für die westlichen Vor 
orte (E V.) mit ihren Sa>. mel- und Berkaufsstellen,in 
Schöneberg, Mühlenstr. 16, Steglitz, Ahornstf. 2 sowie in 
Charlottenburg, Rostnenstr. 4 Hane sich in erfreulicher 
Weise biSh-r und insbesondere vor der WeihnachiSzeit 
zahlreicher Zuweisung zu erfreuen gehabt. Sind auch die 
Frosttage hoffentlich vorüber, so ist doch der Winter mit 
seiner Not noch lange nicht zu Ende und zu alledem sind 
die VerkausSlager stark geräumt. Da möchte ein erneuter 
Appell nicht wirkungslos an mitfühlende Herzen erklingen,, 
um so viele Hilfsbedürftige nicht immer wieder abweisen 
zu müffen, um Frauen, Müttenr, auch Männern mit 
Kleidung, Wäsche und Stiefeln helfen zu können. Doch 
auch altes Papier in nicht zu kleinen Mengen sowie 
altes Bau- und Abbruchholz wird gern entgegengenommen; 
es können Arbeitslose mit deren Weiterverabeitung wieder 
Verdienst finden. Auf schriftliche Mitteilung hin oder 
telefonischen Anruf Amt Lützow Nr. 6031 (Klimmcck) wird 
umgehend und dankend abgeholt. 
o Der Verein der Fortschrittlichen Volkspartei 
für Friedenau und Umgegend hält seine ordentliche Haupt 
versammlung am Montag, dem 3. Februar, Abends 
8V 2 Uhr, im Schützensaal deS Restaurants „Hohen- 
zollern* ab. Die Tagesordnung lautet: Jahresbericht. 
Bericht der Rechnungsprüfer und Entlastung des Vor 
standes. Neuwahl d's Vorstandes und der RechnungS- 
Hislops neulich von dem Mädchen durchkreuzt wurden. 
Penfold muß sie entschieden beauftragt haben, während 
seiner Abwesenheit zu wachen. Nun, du wirst sehen, liebe 
Mutter, der junge Mann wird für uns arbeiten. Männe, 
du kannst ja gut mit der Feder umgehen, setz dich mal 
dort hin an den Tisch und schreibe, was ich dir diktieren 
werde. Natürlich mußt du deine Schrift so verstellen, daß 
niemand sie erkennen kann. Gib dir Mühe, denn der 
Brief wird von scharfen Augen gelesen werden. Nimm 
das einfache Briefpapier und datiere das Schreiben von der 
Billa Siebeneichen. Bist du fertig?" 
Noch einen Augenblick, ich muß mir erst eine Karte 
und Feder aussuchen," sagte der Sekretär. „Aha, hier 
ist eine, nicht zu breit und nicht zu spitz, gerade wie ich 
sie brauche. Also, ich habe das Datum. 
Schieß los!" 
Lieber Herl^Inspektor Black," begann Scharnock. 
Großer Gott!" rief der Schreiber und blickte den 
andern entsetzt an. „Ist das dein Ernst?" 
„Ich habe dir bereits gesagt, daß das Schreiben 
von scharfen Augen gelesen werden würde," bemerkte 
Scharnock ungeduldig. „Weiter, Männe. Ich weiß genau, 
was ich will. Schreibe Wori für Wort, was ich sage, und 
ärgere mich nicht durch überflüssige Unterbrechungen." 
Und ohne weitere Einwände machte Trenkley sich an die 
Arbeit. Der Brief lautete folgendermaßen: 
„Lieber Herr Inspektor Black, wenn Sie glauben, 
daß eine gewisse Photographie im Zusammenhang mit 
der Ermordung des alten Dieners meines Chefszund mit 
anderen gefährlicheren Plänen steht, so würde ich Ihnen 
raten, ein besonderes Augenmerk auf da; Städtchen 
Monksglade und seine Nachbi,..'chaft zu richten. Wenn
        
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