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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

treffenden sein. Die Landkrankenkasse rechne auch heilte 
noch mit 4000 Mitgliedern. 
G.-V. Finke führt an, daß vor einiger Zeit die Nach 
richt dnrch die Presse ging, die Gemeinde hätte eine große 
Summe Geldes an Neukölln verliehen. Er hätte sich ge 
wundert, daß das Geld nicht für die Errichtung eines 
Hypolhekenamtes verwendet wurde. Weiter wären auch die 
Rechte der Gemeindevertretung nicht gewahrt worden, da 
nach § 131 der L. G. O. über das Vermögen der Ge 
meinde die Gemeindevertretung zu entscheiden habe. Er 
bitte um Auskunft, warum keine Vorlage gemacht wurde. 
Bürgermeister Walger erwidert, daß er keine Vorlage ge 
macht, weil er die Gemeindevertretung nicht für zuständig 
hielt. Er habe den Vorstand gefragt und auch im Finanz 
ausschuß die Sache besprechen lassen. Zur ersten Frage 
müsse er erklären, daß es nicht angängig ist, diese Summe 
für das Hypothekenamt zu geben, da das Geld zur vor 
läufigen Deckung der in nächster Zeit notwendigen größeren 
Ausgaben benötigt werde. Man schiebe dadurch die Auf 
nahme einer Anleihe bis zu einem günstigeren Zeitpunkte 
hinaus. Mit Neukölln habe man den Vertrag auch nur 
auf 1/4 Jahr abgeschlossen. G.-V. Finke ist der Ansicht, 
daß der Vorstand allein nicht, das Recht habe über Ge 
meindegelder zu verfügen. Er wisse auch nicht, ob der 
Finanzausschuß solche Beschlüsse fassen könne. Bürgermeister 
Walger erklärt, daß der Finanzausschuß nur als be 
ratender Ausschuß dem Vorstand zur Seite stehe. G.-V. 
Schultz ist der gleichen Ansicht des G.-V. Finke. Der 
Finanzausschuß habe nichts zu beschließen; es hätte der Ge 
meindevertretung eine Vorlage gemacht werden müssen, 
damit diese ihre Zustimmung gebe. Er glaube ja, daß das 
Geld sicher angelegt ist. Aber es könnte immerhin der Fall 
seintreten, daß das Geld nicht rechtzeitig wieder eingeht; wer 
trägt dann die Verantwortung? Sollen etwa die Gemeinde 
vorstandsmitglieder regreßpflichtig gemacht werden? Er 
möchte nur hinweisen auf die westfälische Anleihe, die man 
so nach und nach verkaufen mußte. G.-V. Kunow glaubt, 
daß der G.-V. Finke recht habe, aber der Brauch war doch 
wohl bisher der, daß der Gemeindeoorstand für die An 
lage der Gelder sorgte. Er denke da an den Ankauf von 
Wertpapieren usw. Die 1 Million sei zudem güt verzinst 
untergebracht, wofür man dem Vorstand nur dankbar sein 
könnte. Die Angelegenheit würde wohl auch kaum so an 
die große Glocke gehängt morden sein, wenn es sich nicht 
um eine so große Summe gehandelt hätte. Ein Finanz 
mann habe ihm kürzlich mit Bezug auf die Ausleihung 
dieser Million an Neukölln gesagt: Donnerwetter, seid ihr 
aber schlau. Bürgermeister Walger ist der Ansicht, daß 
der § 131 der L. G. O. nur der Gemeindevertretung das 
Recht der Etatsaufstellung gibt. Wenn er iiber die Anlage 
der Gemeindegelder Vorlagen machen solle, so müßte er in 
jeder Sitzung mit einem Dutzend Vorlagen kommen. 
Der Finanzausschuß habe über die Verwendung von 
Ultimogeldern gewisse Richtlinien gegeben und nach 
diesen werde auch verfahren. G.-V. Richter möchte eben 
falls die Rechte der Gemeindevertretung gewahrt wissen. 
Wenn auch über die Verwendung der Ultimogelder s. Zt. 
ein Beschluß gefaßt wurde, so sei dies mit der Anleihe doch 
etwas anderes. Er glaube ja, daß die'Gemeindevertretung 
zugestimmt hätte, aber er stehe doch aus grundsätzlichen Be 
denken auf dem Standpunkt des Herrn Finke. G.-V. Finke 
meint, der Vorstand hätte der Gemeindevertretung wenigstens 
eine Mitteilung machen müssen. (Zurufe: Das ist ge 
schehen). Dann bin ich jedenfalls in der Sitzung nicht zu 
gegen gewesen. G.-V. Ott erklärt, daß eine offizielle Mit 
teilung nicht gemacht worden sei. Nach seiner Kenntnis der 
Sache aus dem Finanzausschuß habe er nur die Frage gestellt, 
wie weit die Angelegenheit sei und darauf habe daun der 
Herr Bürgermeister geantwortet, daß die Anleihe an Neu 
kölln vergeben sei. — Damit ist die Erörterung über diese 
Anfrage erledigt. 
G.-V. Dr. Heinecker hält nun den angekündigten 
Vortrag über seine Teilnahme an der Informationsreise, 
die anläßlich des Internationalen Kongresses zur Bekämpfung 
der Tuberkulose in Süddeutschland stattgefunden hat. Er 
gibt zunächst Auskunft über die Organisation der Tuber 
kulosebekämpfung in Deutschland durch das Deutsche Zentral 
komitee unter Vorsitz des Prof. Niedner. Alljährlich hält 
dieses Zentralkomiteee seine Generalversammlung ab, außer- 
dein findet jetzt auch alljährlich der Deutsche Fürsorgestellen 
tag statt. Diese Tätigkeit in Deutschland hat befruchtend 
auch auf das Ausland gewirkt und es hat sich eine inter- 
schem, bartlosem Pa.ikeegesicht, wandte sich an den einen 
von ihnen mit der Frage, ob sie vielleicht ein Auto mit 
dem Zeichen „X L 400" hätten des Weges kommen sehen. 
„Jawohl, Herr," erwiderte der Gefragte mit großem 
Eifer. „Aber es war schon gestern morgen." 
„Und in welcher Richtung ist es gefahren?" 
„In der Richtung nach Karlsruhe. Aber der Herr 
kani bald wieder zurück — diesmal mit einem Chauffeur. 
Und dann fuhr er nach Königsruh." 
„Alle Wetter. Junge — woher weißt du denn das 
alles so genau. Am Ende willst du mich mit deiner aus 
der Pistole geschossenen Auskunft nur zum besten haben." 
„Rein, Herr, gewiß nicht. Ich und der Jakob, wir 
müssen's doch wohl wissen, weil wir während der ganzen 
Kirchzeit hier auf das Auto gewartet haben." 
„Gerade auf dies Auto! Warum denn?" 
„Weil uns der Herr, während er hier an seinem 
Wagen was in Ordnung brachte, ein Rätsel aufgegeben 
hatte. Oder eigentlich war es eine Rechenaufgabe. Und 
-r hatte jedem von uns eine Mark versprochen, wenn wir 
es herausgekriegt hätten, bis er wieder von Karlsruhe 
zurückkam." 
Mister Pendleton hätte kein Amerikaner sein müssen, 
wenn ihn das nicht interessiert hätte. 
„Wißt ihr noch, was für eine Rechenaufgabe es ge 
wesen ist?" 
„Freilich. Da waren vier Männer, von denen der 
eine vier Tage brauchte, um das Gras auf einer Wiese zu 
mähen und der andere drei. Nun sollten wir sagen, wie 
viel Zeit sie nötig hätten, um dieselbe Wiese gemeinsam 
zu nähen." 
„Na, das liegt doch auf der Hand. Drei Tage und 
einen halben." 
nationale Vereinigung gegründet, die in diesem Jahre zum 
ersten Male eine Zusammenkunft in Berlin hatte. Zur 
Information über die Einrichtungen in Deutschland fand vor 
dem Kongreß eine Reise stait, die ihren Ausgangspunkt in 
München hatte. Es nahmen an der Reise Aerzte aus allen 
Ländern teil. In München wurde die Heilstätte Planet be 
sichtigt. Interessanter war in Nürnberg die Walderholungs 
stätte für Männer, Frauen und Kinder, in einer sehr schönen 
Lage. Hier ist auch von der Landesversicherungsanstalt 
Nürnberg eine Beobachtungsstelle errichtet, um festzustellen, 
inwieweit bei Tuberkuloseverdächtigen eine Heilstüttenbe- 
handlung notwendig sei. Die Diagnose bei Frühtuberkulose 
ist oft sehr schwierig zu stellen, und da soll diese Beob 
achtungsstelle eintreten. Die Reise ging dann nach Heidel 
berg zur chirurgischen Lungenheilstätte in Rappenau, von 
da zur Ebersteinburg in Baden-Baden, dann nach Frankfurt 
am Main, wo man einen Vortrag von Exzellenz 
Ehrlich hörte. Erz. Ehrlich erwecke den Eindruck eines be 
scheidenen deutschen Gelehrten. Interessant mar, wie 
er von seinem Lehrer und Mitarbeiter Koch sprach, wie er 
erzählte aus der ersten Zeit der Tuberkulinbehandlung, 
von den Fehlschlägen und auch von den endlichen Erfolgen. 
Nach Frankfurt kam man zur Lupusheilstätte in Gießen. 
Der Vortragende machte nun ausführliche Mitteilungen 
über die Sonnenstrahlenbehandlung, die sogen. Heliotherapie. 
Sie wurde zuerst von Dr. Rollicr in der Schweiz in 1400 
Meter Höhenlage erprobt. Die Erfolge sind geradezu 
staunenswerte. Was durch chirurgische Behandlung nicht zu 
erreichen war, ist mit der Behandlung durch die sogenannte 
Höhensonne erzielt worden. In 2—3 Monaten sind Kranke 
von der Gclenktuberkulose, von der sogen, fressenden Flechte, 
Kehlkopftuberkulose usw. geheilt worden, nur durch An 
wendung der Höhensonne. Allmählich »setzt man den ganzen 
Körper der Sonne ans und der Körper gewöhnt sich so 
daran, daß die so Behandelten wie Mulatten aussehen. Es 
wurden Bilder vorgezeigt, wie derart behandelte Kinder 
nackend Schneeschuh und Schlittschuh liefen. Diese Wirkung 
wird von den ultra-violetten Strahlen, nicht durch die 
Wärmestrahlen erzielt. Und nach Kenntnis dieser Heil 
wirkung de: ultra-violetten Strahlen werden nun die 
Kranken auch in Rappenau und Gießen behandelt. An 
hellen Tagen wird nur das Sonnenlicht benutzt, an trüben 
Tagen dagegen wendet man die künstliche Höhensonne an. 
Das ist eine Quarzlampe. Diese besteht aus einer Quarz- 
röhre, in die Quecksilberdämpfe geleitet werden, die durch 
den elektrischen Strom zum Leuchten gebracht werden. Die 
Heikkoirkung der ultra-violetten Strahlen zeigt sich nun nicht 
nur auf denjenigen Stellen, die diesen Strahlen ausgesetzt 
werden, sondern übt ihren Einfluß auch auf andere kranke 
Körperstellen aus. So wurde einer Dame auch die Fußsohle 
geheilt, während diese garnicht bestrahlt war. Ein 
10 jähriges Mädchen, das außer an Gelenktuberkulose 
auch an Kehlkopftuberkulose erkrankt mar, konnte voll 
kommen geheilt werden und wieder sprechen, obwohl der 
Kehlkopf nicht den Strahlen ausgesetzt war. Daher rechnet 
man auch auf eine günstige Beeinflussung des Blutes. Es 
läßt sich noch nicht voraussehen, welche Erfolge noch der 
Heilbehandlung durch die Höhensonne bevorstehen. Viel 
leicht gelingt es auch noch, dadurch die Lungentuberkulose 
zu heilen. Der gesellschaftliche Höhepunkt der Reise war 
der Empfang bei der Großherzogin von Baden in Baden- 
Baden, die über die Bestrebungen der Tuberkulose-Be 
kämpfung in aller Welt genau unterrichtet ist. Ihrem Ein 
flüsse ist es zu verdanken, daß in Baden 500 Fürsorge 
stellen bestehen, während außerhalb Badens im ganzen 
deutschen Reiche auch nur 500 Fürsorgestellen bestehen. Die 
Großherzogin habe auch mit ihm (dem Vortragenden) ge 
sprochen und sich über die Bestrebungen in Friedenau Bericht 
erstatten lassen. Der Bericht über den Kongreß würde zu 
weit führen. Interessant waren die Schlußberichle, die von 
den einzelnen Vertretern aus allen Ländern gegeben wurden, 
voraus sich immer wieder ergab, daß die Tuberkulose be 
kämpft werden müsse. Ueber den Fürsorgestellentag habe 
er einen Bericht für das Fürsorgestellen-Blatt verfaßt, das 
in nächster Zeit zur Ausgabe gelangt. Herren, die sich da 
für interessieren, können dort seinen Bericht nachlesen. — 
Lebhaftes Bravo wird dem Vortragenden zugerufen. 
Bürgermeister Walger dankt dem G.-V. Dr. Heinecker für 
seine Ausführungen. Die Aufmerksamkeit und das Interesse, 
mit dem allseitig seinem Vortrage gefolgt wurde, mag ihm 
der beste Dank sein. 
Mit der Verlesung und Genehmigung des Protokolls 
„Falsch!" jubelten die Jungen, inoem sie vor ^reuve 
die abenteuerlichsten Grimassen schnitten. Und der Ge 
rissenste von ihnen fügte hinzu: 
„Würden Sie uns auch eine Mark schenken, Herr, 
wenn wir Ihnen die richtige Lösung sagen?" 
„Na, wartet erst mal. Natürlich habe ich eine Dumm 
heit gemacht. Ich denke, es muß ungefähr ein und drei 
Viertel herauskommen." 
„Falsch!" ertönte es wieder wie aus einem Munde. 
Und Mister Pendleton rief lachend: 
„Nun, wie es scheint, seid ihr im Kopfrechnen fixer 
als ich, obwohl das in Wall-Street, beim Himmel, kein 
Mensch erfahren dürfte. Also heraus mit eurer Lösung! 
Wenn sie mir einleuchtet, sollt ihr eure Mark haben." 
„Einen Tag und fünf Zwölftel brauchen sie. Der eine 
Mann mäht doch in einem Tag ein Viertel von der 
Weise und der andere ein Drittel, macht sieben Zwölftel, 
so daß für den nächsten Tag noch fünf Zwölftel übrig 
bleiben." 
„Stimmt!" gab Mister Pendleton nach kurzem Nach 
denken zu. „Da habt ihr eure Belohnung. Und da ihr 
so schlau seid, werdet ihr mir wohl auch sogen können, 
wo der Weg nach Königsruh geht." 
Das konnten sie allerdings, und als er seine Auskunft 
erhalten hatie, bedeutete Pendleton schweigsam und mit 
verschlossener Miene dasitzenden Bartels, diesen Weg einzu 
schlagen. Der aber schickte sich nicht ohne weiteres an, 
dem Befehl zu gehorchen, sondern drehte mit einer halben 
Wendung den Kopf. 
„Daraus, daß die Buben den Wagen gestern früh 
nach Königsruh fahren sahen, folgt doch noch lange 
nicht, daß Sie de» Herrn Grafen heute dort finden 
würden." 
wird die öffentliche Sitzung gegen V2 9 Uhr geschlossen. 
Es folgt eine geheime Sitzung. 
(Nachdruck unserer o-OriginnIarükel nur thu Quellenangabe gestattet.) 
0 Nachweis der Impfung. Der Gemeindevorsteher 
fordert im Anzeigenteile dieser Nummer diejenigen Eltern, 
die die im Jahre 1913 erfolgte Erstimpfung ihrer Kinder 
bisher nicht nachgewiesen haben, auf, den Nachweis um 
gehend, spätestens aber bis zum Schluffe des Jahres im 
Gemeindeamtszimmer 49 vorzulegen oder einzusenden. 
0 Das Ergebnis der Vieh- und Obstbaumzähluug 
in Friedenau am 1. Dezember d. Js. war folgendes: Es 
waren vorhanden 1175 Gehöfte, davon mit Viehbestand 62, 
mit Obstbaumbestand 243. Die Zahl der viehhaltenden 
Haushaltungen betrug 89. An Vieh wurden gezählt: 270 
Pferde, 116 Stück Rindvieh und 1 Ziege. Obstbäume 
waren 2164 Stück vorhanden; von diesen sind Apfelbäume 
541 tragfähige (110 nichttragfähige), Birnbäume 515 (97), 
Pflaumen und Zwetschcnbäume 239 (52), Kirschbäume 274 
(49), Aprikosenbäume 68 (10), Pfirsichbäuine 05 (29) und 
Wallnußbäume 85 (24). 
0 Vom Zweckverband. Die Waldverhandlungen 
zwischen Regierung und Zweckoerband werden in der nächsten 
Woche wieder aufgenommen werden. Dem Verbände Groß- 
Berlin ist eine Einladung zu einer Beratung mit den Kom 
missaren der Staatsregicrung am Mittwoch, 10. d. Mts., 
im Sitzungssaale des Landwirlschastsministeriums zugegangen. 
0 Für das Wilmersdorfer Hypothekenamt liegt der 
Entwurf zum Ortsstatut bereits vor. Ueber den „Be 
leihungsantrag" der Hausbesitzer heißt es im § 11: 
Gesuche um Beleihung eines Grundstücks sind entweder schrift 
lich an die Anstalt zu richten oder bei dieser zu Protokoll zu er 
klären. Ten Gesuchen sind beizufügen: t. eine beglaubigte Ab 
schrift des Grundbuchblaltcs nach dem neuesten Datum; 2. ein 
Auszug aus der Grundsteuermutterrolle und aus der Gebäudc- 
steuerrolle nach dem neuesten Datum; ein katasteramtlicher Lage 
plan nebst den erforderlichen Bauzeichnungen, aus welchem die be 
baute Fläche einwandfrei ersichtlich ist; 4. eine spezifizierte Aus 
stellung über den Mietsertrag; 5. eine schriftliche Erklärung in der 
die Verwaltungsdcputation zur Einsichtnahme der Personal- und 
Nealsteuerakten des Antragstellers ermächtigt wird; 6. der Feuer- 
versicherungsschein nebst der letzten Prämienquittung; 7. die 
Originalmietsverträge. — Es bleibt der Verwaltungsdcputation 
unbenommen, arißerüem die Einrichtung eines die Lage des zu 
beleihenden Grundstücks veranschaulichenden Planes, des letzten 
Kaufvertrages sowie anderer zweckdienlich erscheinender Unterlagen 
zu verlangen. — Die dem Antragsteller von der Anstalt hinsichtlich 
der Beschaffenheit *des Grundstücks und etwa aus ihm ruhender 
Lasten vorgelegten Fragen sind eingehend richtig zu beantworten. 
Eine unrichtige Beantwortung dieser Fragen berechtigt die Anstalt 
zur Kündigung der Tarlchnsfordcrung zu dem nächsten Zinstermin. 
0 Meisterprüfung. Die Maurermeister Herren Carl 
Mittelstädt und Josef Becker haben kürzlich bei der 
Handwerkskammer auch die Prüfung als Zimmermcister 
bestanden. 
0 Friedcnauer Wohnnngsanzeiger. Wir machen Ver 
mieter von Wohnungen, leeren 'oder möblierten Zimmern, 
Läden, Garagen, Ateliers usw. darauf aufmerksam, daß die 
neue Woche für die Wohnungsanzeigen morgen beginnt. 
Für nur 40 Pfg. die Zeile erscheinen die Anzeigen eine 
volle Woche hindurch im „Friedenauer Lokal-Anzeiger" und 
in den Anschlägen au den Bahnhöfen. Die Anzeigen müssen 
jedoch Sonnabends bis spätestens 12 Uhr mittags 
ini Besitz der Geschäftsstelle Rheinstr. 15 sein. Später auf 
gegebene Anzeigen kommen nicht mehr in die Anschläge-und 
müssen auch für die Zeitung bis znm Montag zurückgestellt werden. 
0 Der Vertrieb auswärtiger Staatslose wird nach 
wie vor im großen betrieben. So haben viele hiesige Ein 
wohner jetzt wieder Einladungen zur Beteiligung an der 
sächsischen und an der Hamburger Staatslotterie auf einmal 
erhalten. Beide Anerbietungen kommen aus Hamburg. Da 
die Post derartige Aufforderungen als Drucksache nicht mehr 
befördert, so wenden die Sammelgeschäfte 10 Pfg. für jede 
derartige Sendung als geschlossenen Brief auf. Sie müssen 
also wohl auf ihre Kosten kommen. 
0 Gostnersche Mission. Sonntag, den 7. Dezember, 
vormittags 10 Uhr findet in der Kirche zu Friedenau die 
Abordnung der ersten Goßncrschen Missionare für Kaincrun 
statt. Die Predigt hält Missionsdirektor Kausch; die Ab 
ordnung Geh. Konsistorialrat Dr. Conrad. Abends 6 Uhr 
ist Familienabend im großen Saal des Gemeindehauses zu 
Friedenau, Kaiscrallee 70a. Ansprachen halten Pfarrer 
Görnandt, Missionsinfpektvr Förtsch, Missionar Okscy und 
Geh. Konsistorialrat Dr. Conrad. 
Im innersten Herzn doch ein wenig verstimmt über 
die eben erlittene Niederlage als Rechenmeister, nahm 
Mg'ier Pendleton diesen Hinweis sehr ungnädig auf. 
. "Es würde mir sehr angenehm sein, wenn Sie Ihre 
Weisheit für sich behielten und sich einfach nach meinen 
Anordnungen richte» wollten." 
Es war sonst nicht eigentlich Mister Peudletous Art, 
so herrisch gegen einen Untergebenen aufzutreten. Aber 
er war nach zwei sehr strapaziösen Tagen körperlich müde 
und seelisch stark deprimiert. Denn er liebte seine Tochter- 
abgöttisch, und nach der Alarmnachricht. die ihn veranlaßt 
halte. Hals über Kopf von Paris abzureisen, glaubte er 
in der Tat nichts anderes, als daß sie sich in den Händen 
eines außerordentlich gefähriicho.ij Menschen befinde, und 
daß sein Chauffeur mit ihm unter einer Decke steckte. 
Gerade bei Bartels aber ivar er mit seiner barschen 
und hochinütigcn Art ganz yud gar an den Unrechten 
gekommen. Ein Monn, der sich nicht einmal von dein 
alten Grasen Halningen hatte imponieren lassen, war 
sicherlich der letzte, vor einem merikanischen Millionär ins 
Mauseloch zu kriechen. Er hatte, als Mister Pendleton ihn 
auf Grund der dort im Hotel erhaltenen Auskünfte beute 
früh in Bruchsal zur Rede stellte, ehrlich und wahrhcits- 
gemäß alles erzählt, was er zu erzählen hatte; den» er 
fühlte Miileid mit der (Qree es Baters, so fest er auch 
im innersten Herzen überzeugt war, daß es nicht den ge 
ringsten wirtlichen Anlaß zu solcher Sorge gab. Aber wie 
einen Knecht ließ er sich dorum dock/ nicht behandeln. 
Der foüte_ erst noch geboren werden, der sich rühmen 
durfte, daß Wilhelm Barle,s sich dergleichen von ihm hätte 
gefallen lassen. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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