Path:
Periodical volume Nr. 284, 03.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Mannschaft von Berlin die angekündigte Anskunftsstellc für 
die Veranlagung zum Wehrbeitrag eröffnet, die täglich vsn 
10 — 11 Uhr in der Börse, Eingang Burgstraße, 1 Treppe, 
aufgesucht werden kann. Die Aeltesten der Kaufmannschaft 
beabsichtigen, die Beantwortung solcher Fragen, die von 
allgemeiner praktischer Bedeutung sind, durch die Presse mit 
zuteilen, um hierdurch "zahlreichen Gewerbetreibenden das 
Aussuchen der Auskunftsstelle zu ersparen. 
o .Klassenlotterie. Die Lose 1. Klasse 4. (230. 
Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie werden den bisherigen 
Spielern bis zum 20. Tage nach Beendigung der Ziehung 
5. Klasse, also vom 4. bis 23. Dezember, aufbewahrt. Die 
Einlösung ist unter Vorlegung der Lose 5. Klasse 3. (229.) 
Lotterie innerhalb dieser Frist zu bewirken. Am 12. Januar 
1914 beginnt die Ziehung 1. Klasse, in welcher 10 000 
Gewinne, darunter 2 Hauptgewinne zu je 50 000 M., 
gezogen werden. 
o Der Stichtag .für die Veranlagung dex. Betriebs 
vermögen zum Wehrbeitrag. Für die Ermittelung des 
Vermögenswertes ist im allgemeinen der Stand vom 
31. Dezember 1913 maßgebend. Nach § 15, Abs. 2, des 
Gesetzes kann für Betriebe, bei denen regelmäßige jährliche 
Abschlüsse stattfinden, der Vermögensfeststellung der Ver 
mögensstand am Schluß des letzten Wirtschafts- oder Rech 
nungsjahres zugrundegelegt werden. Im Publikum, auch 
bei Kommentatoren, ist diese Bestimmung dahin verstanden 
worden, daß hierzu weder für den Steuerzahler noch auch 
für die Behörde eine Pflicht besteht. Demgegenüber er 
klärt der § 23 der Ansführungsbestimmungen des Bundes 
rats, daß der Beitragspflichtige verlangen kann, daß nach 
8 15 verfahren wird. Voraussetzung' ist nur das Vor- 
yandensein^einer ordnungsmäßigen Buchführung, Nicht aber, 
daß der Beitragspflichtige zur Führung von Handelsbüchern 
gesetzlich verpflichtet ist. Nach Art. 7 Nr. 9 der preuß. 
Ausführungsvvrschristen gilt als letztes Wirtschafts- oder 
Rechnungsjahr dasjenige, dessen Ergebnis bei Abgabe der 
Vermögenserklärung feststand. Will der Beitragspflichtige 
seiner Vermögenserklärung den noch nicht festgestellten Ab 
schluß vom 31. Dezember 1913 zugrunde legen,' so ist ihm 
eine angemessene, keinesfalls über den 15. April 1914 hin 
angehende Frist zu gewähren. 
o Das Wetter im Dezember soll nach den Mond 
vierteln folgendermaßen ausfallen: 5. Dezember (1. Viertel) 
Schnee bringend, windig. — 13. Dezember (Vollmond) 
Helles Wetter und Frost. — 20. Dezember (letztes Viertel) 
nebelig und von Rauhreif begleitet. — 27. Dezember (Neu 
mond) deutet auf Kälte. 
o Akt-Berliner Humor. Ein interessantes und bunt- 
bewegtes Bild aus der Biedermeierzeit bieten eine Anzahl 
lustiger Bilderschnurren aus der ersten Hälfte des vorigen 
Jahrhunderts, die leider jetzt sehr selten und teuer geworden 
sind. Da erscheint zur rechten Zeit soeben eine Sammlung 
von allerlei Altberliner Schnurren, Redensarten und Typen, 
die von dem Schriftsteller und Zeichner O. Droescher in 
Steglitz in zwanzig handkolorierten, originalgetreuen Stein 
zeichnungen hergestellt sind. Diese Bilder werden gewiß 
als ein lustiges, seltenes und billiges Geschenk überall 
Freude machen. Der Preis beträgt pro Blatt nur 1 M. 
Jede beliebige Anzahl von zwanzig verschiedenen Blättern 
kann bezogen werden von O. Droescher, Zeichner und Schrift 
steller, Berlin-Steglitz, Martinstr. 3. 
o Vortragsabende für .Kunst und Wissenschaft. 
Der Kartenverkauf für den nächsten Vortragsabend am 
Donnerstag, den 11. Dezember (Berliner Lehrergesang-Verein) 
hat in der Theaterkasse, Schmargendorfer Straße 36 begonnen. 
o Privatdozent Op. Taun hat seinen Vortrag aN der 
hiesigen Lehrstätte der Humboldt-Akademie über „Große 
Maler der modernen Kunst" auf Sonnabend, dem 6. d. M., 
abends 7 Uhr verlegt. Die Hörer, die verhindert sind, 
können den Vortrag in Berlin, Georgenstr. 30/31, hören, 
nicht, wie mitgeteilt wurde, am Freitag, dem 5., sondern 
am Freitag, dem 12. Dezember 7—8 Uhr. 
o Frtedcnauer Oberlehrer-Verein. Wie es bereits 
in den meisten Berliner Vororten geschehen ist, haben sich 
in Friedenau die Oberlehrer der drei höheren Lehranstalten 
zu einer Vereinigung zusammengeschlossen, die ihren Zweck 
in der Wahrung der Standesinteresseu und der Pflege der 
Geselligkeit erblickt. Der Arbeitsausschuß besteht aus fünf 
Mitgliedern; die laufenden Geschäfte der Vereinigung besorgt 
Herr Oberlehrer Naegele am Realgyntnasiunt. 
o Bezirksverein „Süd-West". Am Freitag, dem 
5. Dezember, Abends 8'/, Uhr, findet im Restaurant „Zum 
Rembrandt" eine Versammlung statt. Auf der Tages 
ordnung stehen u. a.: Bericht über die Stadtverordneten 
wahlen. Referent: Herr Stadtv. Bester. LDie Dienstbolen 
versicherung. Referent: Direktor der Octskrankenkassc Herr 
Dannescldt. Verkehrs- und Jnteressenfragen. 
o Ueber Kabel und Funkentelegraphie nach den 
deutschen.Kolonien sprach kürzlich Dr. Roscher-Friedenau 
in der Kolonialgesellschaft Abt. Berlin west!. Vororte. In 
sehr geschickter Beeise wußte er dem z. T. recht spröden 
Stoff dem Verständnis näher zu bringen. Einleitend be 
tonte er die ungeheure Bedeutung des Welttelrgraphennetzes, 
in wirtschaftlicher, politischer und strategischer Beziehung 
(Cuba) und; die daraus für Deutschland folgende. .Not 
wendigkeit, eigene vom Ausland möglichst unabhängige tele 
graphische Verbindungen nach seinen Kolonien zu schaffen. 
Nach Ueberwindung außerordentlicher Schwierigkeiten poli 
tischer und technischer Art, ist es Deutschland schon jetzt ge 
lungen, wichtige Verbindungen nach den Kolonien (Mon 
rovia Togo) und innerhalb derselben (Bukoba Muensa) her 
zustellen oder vorzubereiten, sodaß es heute 8.4 Proz. des 
Weltkabelnetzes (520 000 km) besitzt. Fnnkentelegraphische 
Verbindungen nach Togo und daran anschließend nach den 
übrigen afrikanischen Besitzungen sind trotz der sehr großen 
Entfernungen (6000 km) im Entstehen und wahrscheinlich 
im nächsten Jahre in ständigem Betriebe. 
ö Die Jngendvereinignng Friedenau 1910 feiert 
am kommenden Sonntag, dem 7. Dezember 1913, ihr 
2. Stiftungsfest. Die Feier findet 1 / 2 8 Uhr abends im 
großen Zeichensaal der Gemeinde-Mädchenschule Rheingau 
straße, Eingang auch von der Goßlerstraße, statt. Schon 
im Interesse der guten Sache sollte es niemand verfehlen, 
der Festlichkeit beizuwohnen. Für Abwechslung im Pro 
gramm ist reichlich gesorgt, denn Gesang- und Musikstücke 
(Klavier, und Violine) sowie Deklamation guter deutscher 
Gedichte wechseln miteinander. Den Schluß bildet die 
Aufführung der Posse in 1 Akt „Karsernenschwänke". Das 
Eintrittsgeld beträgt 10 Pfennig. 
o In dem Musikalischen Abend, den das Lemm'sche 
Konservatorium (Rheinstr. 54) am Montag, dem 8. Dezember, 
Abends ?V 2 Uhr in der Aula des Friedenaner Gymnasiums 
(Maybachplatz) veranstaltet, werden folgende Klassen mit 
wirken: Klavier: Frau Elise Leinm, Violine und Viola: 
Herr Konzertmeister Joh. Lipczynski, Cello: Herr König!. 
Kammermusiker Paul Wieprecht 'und Flöte: Herr Kgl. 
Kammermusiker Henry de Vries. Außerdem wirken mit die 
Herren Carl Bachmann (1. Violine), Albert Lühmann (2. 
Violine), Otto Schlagt (Viola) und Albert Teschner (Baß). 
Programm (25 Pfg.), die zum Eintritt berechtigen, sind im 
Konservatorium und in der Musikalienhandlung von Schwach, 
Rheinstr. 60 zu haben. 
o „Eine Umwälzung aus rechnerischem Gebiete, 
ein neues Rechnnngsverfahren" lautete das Thema, 
welches Herr Dr. Ferrol am Montag mit großem Beifall 
vor einer zahlreichen Hörerschaft in der Treptow-Stern 
warte behandelt hat. Auf Wunsch wird der Vortrag noch 
zweimal öffentlich wiederholt und zwar am Sonnabend, 
dem 6. und am Montag, dem 8. Dezember, abends 8*/ 2 
Uhr im Hörsaal des Instituts. Das neue Verfahren, das 
vom Gedächtnis unabhängig ist, wurde' so klar vom Vor 
tragenden auseinandergesetzt, daß die Zuhörer schon nach 
kurzer Zeit mitzurechnen imstande waren. Seinen Ruf als 
„König der Rechenkunst" verdankt Dr. Ferrol nicht etwa 
seiner Befähigung, sondern diesem abgekürzten Rechenver 
fahren, welches für jeden von praktischem Nutzen ist. — 
Sitzplätze zum Preise von 50 Pf., 1, 2 und 3 M. sind an 
der Kaffe der Treptow-Sternwatte und außerdem bei 
A. Wertheim zu haben. 
o Astronomisches vom Dezember. Am 22. Dezember 
12 Uhr Mittatzs tritt die Sonne in das Zeichen des Stein-« 
bocks, hat um Mittag den größten Abstand vom Scheitel 
punkte und bringt den kürzesten Tag hervor: der Winter 
beginnt. Die Sonne geht alsdann erst 8 Uhr 11 Min. 
auf, um 3 Uhr 45 Min. bereits wieder zu verschwinden. 
Am 13. Dezember 4 Uhr Nachm, haben wir Vollmond: 
Der Merkur ist in der ersten Hälfte des Monats bis ^ 
Stunde lang sichtbar, gegen Ende dieses Monats jedoch 
unsichtbar. Die Venus als Morgenstern und der Jupiter 
werden ebenfalls gegen Ende Dezember umsichtbar. Der 
Mars ist in der zweiten Hälfte dieses Monats die ganze 
Nacht hindurch zu sehen. Der Saturn bleibt noch bis in 
die zweite Hälfte hinein über 13 Stunden lang sichtbar. 
o Ein nttvollendctes Bismarckdenkmal auf Abbruch. 
Seit Jahr und Tag lag' auf dem höchsten Punkte der 
Steglitzer Bismarckstraße, die das Gebiet der „Rauhen 
Berge" schneidet, ein mächtiger fein polierter Granitblock. 
Viele wußten nichts von seinem Zweck und seiner Bedeutung 
und doch steht es fest, daß dieser Granitblock den Sockel zu 
einem Bismarckdenkmal bilden sollte. Aber aus Mangel an 
ic vei meinem 
erwarten. Und 
nur warnen, sich ihm persönlich zu nähern, ehe er vön 
mir die nötigen Erklärungen erhalten hat. Ich halte die 
Ankunft der Mistreß Leland keineswegs für einen bloßen 
Zufall, sondern ich vermute, daß ihr die Fortführung 
einer Aufgabe zugedacht ist. die nach meines Vaters An 
sicht von einer anderen Persönlichkeit bisher nicht zu seiner 
vollen Zufriedenheit gelöst wurde. — Ich kann mich in 
diesem Augenblick nicht deutlicher darüber aussprechen. 
Ich fürchte - —" 
Aber sie konnte ihm ihre Befürchtungen nicht mehr 
offenbaren. Denn hinter ihnen erklang eine schrille Stimme, 
die wahrscheinlich keinem von ihnen jemals so widerwärtig 
ins Ohr gedrungen war als gerade in diesem Augenblick. 
„Sylvia — meine teure Sylvia I Ueberall schon habe 
ich nach Ihnen gesucht. Ah, da sind ja auch Sie) lieber 
Herr Westenholtz! Sie waren in Karlsruhe, wie ich gehört 
habe. Wie gütig und fürsorglich das von Ihnen gewesen 
ist. Denn wie vermuteten sicher, daß dort Postsachen für 
uns liegen könnten. Haben Sie vielleicht auch mir ein 
Brieschen mitgebracht?" 
„Ich habe mich bei Ihnen zu entschuldigen, Frau von 
Riedberg," fiel Sylvia hemmend in ihren süß dahin 
flutenden Redestrom ein. „Meine eigene» Neuigkeiten 
nahmen mich so in Anspruch, daß ich darüber zeitweilig 
die für Sie bestimmten vergessen konnte. Hier ist Ihr 
Brief. Ich habe aus der Handschrift der Adresse gesehen, 
daß er nur von dein Vicomte de Marigny ist. Wahr- 
fcheinlich macht er uns Bonvürfe, daß wir ihn in Jarls 
Papa lischt'ohne'weiteres An 'Verständnis 
wie ich ihn kenne, kann ich Sie deshalb 
ruhe vergebens auf uns warten kiesten. Aber was sagen 
Sie zu meinen Nachrichten? Mein Vater ist in Frankfurt; 
eine Freüüdin meiner Familie, Mistreß Leland, wird 
morgen in Stuttgart zu uns stoßen, um für den Rest der 
Tour in unserer Gesellschaft zu bleiben, und zu derselben 
Zeit wird sich Herr Westenholtz von uns verabschieden." 
Frau von Ricdbergs Augen waren während dieser Er 
regung tellerrund geworden. Ihre Bestürzung hätte kaum 
größer und offensichtlicher sein können, wenn in ihrer un> 
mittelbaren Nahe eine Granate eingeschlagen wäre. Eine 
lange, schlaflose Nacht und einen trübseligen Morgen hatte 
sie damit zugebracht, an Stelle der zusammengebrochenen 
Luftschlösser ein neues aufzubauen, und nun, da sie noch 
kaum däiiiit fertig geworden war, nun mußte sie auch dies 
wieder zu einem kläglichen Trümmerhaufen zusammen 
sinken sehen. ' ‘ 1 
„Ich verstehe nicht," stammelte sie, „beim besten Willen 
verstehe ich nicht, wie " 
„Keiner von uns versteht den eigentlichen Zusammen 
hang der Dinge. Aber die Tatsachen find nichtsdestoweniger 
unabänderlich. Mein Papa ist in Deutschland, Mistreß 
Leland wird morgen nach Stuttgart und Herr Westenholtz 
wird nach Frankfurt reisen. Wenn meine Augen mich 
nicht getäuscht haben, hat er übrigens vorhin schon seinen 
Nachfolger von Karlsruhe mitgebracht. Wenn es sich so 
verhält, wäre es dann nicht in der Tat besser, Westenholtz, 
daß Sie noch heute fahren?" 
„Mit Ihrer gnädigen Erlaubnis möchte ich doch lieber 
bis morgen abend auf meinem Posten bleiben." 
Sylvia erwiderte nichts, aber. mit stärkeren. Anzeichen 
Opferwilligkeit der bürgerlichen Kreise, konnte das Denkmal 
nicht vollendet werden und so blieb der Block gleichsam als 
„Findling" am Wege liegen. Jetzt gibt nun der Steglitzer 
Gemeindevorstand bekannt, daß „der in der Bismarckstraße 
vorhandene massive Denkmalssockel, bestehend aus rund 
14 Kubikmeter poliertem roten Granit, verkauft werden soll". 
o Plötzlicher Tod. In seiner in der Bergstraße zu 
Steglitz belegenen Wohnung wurde der Rechtsanwalt Otto 
H. tot aufgefunden. Es stellte sich heraus, daß er, während 
er bei einem guten Glase Kognak saß, vom Herzschlag be 
troffen worden war. Der herbeigerufene Sanitätsrat Tr. 
Gantzer konnte keine Hilfe mehr bringen. 
o Polizeibericht. Als gefunden sind hier angemeldet 
worden: 1 Porteiyonnaie mit Inhalt, 1 Damenhandtasche 
und 1 Spazierstock. Die rechtmäßigen Eigentümer vor 
benannter Gegenstände werden aufgefordert, ihre Ansprüche 
binnen Jahresfrist im hiesigen Fundbüro, Feurigstr. 7, 
Zimmer 6, geltend zu machen, da sonst anderweit darüber 
verfügt werden wird. 
Verems-^acbricdrer; 
Am Donnerstag tagen: 
„Friedemmer Männer-Gesangverein 1875", Ucbiingsstunden 
8—11 Uhr im „Hohenzollern". Dirigent: Musitdircktor Paul Antvni. 
Kegelklub „Friedenau 1000". (Mitglied des Verbandes Berliner 
Kegelklubs E. B.) kegelt jeden Donnerstag von 8'/,—12 Uhr Abends 
auf 2 vorschriftsmäßigen Verbandsbahnen im Kcglcrheim Lauter 
platz-Casino, Hauptstr. 80 
Charlottenburger Touristen-Club „Märkische Föhre." Am 
Sonntag, dem 7. Dezember, unternimmt die Lehrlingsabteilung 
des Clubs ihre 47. Wanderfahrt nach Rahnsdorf, Gosen, Neu 
zittau, Wernsdorf, Schmöckwitz. Versammlung */ k 8 Uhr, Charl. 
Bahnhof, Hauptportal. Teilnehmerkarte 1,25 M. — An dem 
selben Sonntage unterninimt die Schüler- und Mädchenabteilung 
ihre 54. (15.) Wanderfahrt nach Lichterfelde, Kl - und Gr.-Bccrcn, 
Gütcrgotz, Kl.-Machnow, Stahnsdorf. Bersammlung '/.,S Uhr, 
Amtsgcrichtsplatz, Ecke Kanlstraße, Teilnehmerkarte 0,85 M. 
Lcdöneberg 
— v Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
Cheruskerstr. 6 belegeue, auf den Namen des jetzt ver 
storbenen Juweliers Gotlfried Schmidt in Berlin einge 
tragene Grundstück am 22. Januar 1914, Vormittags 
11 1 / 2 Uhr, versteigert werden. Das Grundstück ist zu einem 
Gebäudesteuer-Nutzungswert von 15 000 M. veranlagt. — 
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das Apostel-Paulus 
straße 38, Ecke Merseburger Sir. 9, belegeue, aus den 
Namen der Witwe Bertha Gengel geb. Lehmann, Apostel- 
Paulus-Str. 38 eingetragene Grundstück am 29. Januar 
1914, Vormittags 10 Uhr, versteigert werden. Das Grund 
stück ist bei einem jährlichem Nutzungswert von 17 400 
Mark zu 696 M. Gebäudesteuer jährlich veranlagt. 
— o Aufgehoben wurde das Zwangsversteigeruugsoer- 
fahren Grunewaldstr. 36 in Gemarkung Berlin-Sch'öncberg, 
der Frau Maria Heyne, verwitwet» gewesene Herzog, geb. 
Haasch, in Berlin-Friedenau, Kaiser-Allee 99/100, 
gehörig. 
—o Bauerlaubnis wurde erteilt für die Grundstücke 
Hauptstr. 65. Bauherrin: .^Glückauf" G. m. b. H., ebenda. 
Ausführender: Rudolf Schröder, Berlin 8^V., Katzbachstr. 3. 
(Bürogebäude.) — Kolonuenstr. 20. Bauherr und Aus 
führender: Gustav Klöhn, Architekt, Hauptstr. 144. (Wohn 
gebäude.) 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Ersatzpflicht der Gemeinde bei Diebstählen in höheren Schulen. 
Sehr geehrte Redaktion! In Nr 278 Ihres geschätzten Blattes, 
dessen langjähriger Abonnent ich bin, berichten Sie wieder über 
einen Diebstahl im hiesigen Gymnastalgebäude. Sie schneiden 
hierbei die Frage der Schadenersatzpflicht seitens der Gemeinde an 
und kommen zu dem Ergebnis, daß eine Schadenersatzpflicht nicht 
existiert. Sie erwähnen ferner frühere Schadenersatzklagen, welche 
die Gemeinde stets zu ihren Gunsten durchgeführt habe. Ich selbst 
bin vor einigen Jahren gegen die Gemeinde Friedenau dicscrhalb 
klagbar vorgegangen, habe indessen ein anderes Resultat erzielt. 
Ende 1909 waren im hiesigen Gymnasium 6 Mäntel abhanden ge 
kommen. Die betr. Schüler bczw. Ettern wandten sich an die 
Genieindeverwaltung und ersuchten um Ersatz. Ter Gemeinde- 
vorstand erklärte sich hierauf unter Ablehnung einer rechtlichen 
Verpflichtung bereit, aus Villigkeitsgründen die Hälfte des ange 
meldeten Schadens zu ersetzen,' wenn die Betreffenden sich durch 
Empfangnahme des Geldes für alle Ansprüche stillschweigend abge 
funden ei klären würden. Alle Geschädigten waren hiermit auch ein 
verstanden, nur ich klagte gegen die Gemeinde. Wie Sie in Nr. 299 
Jahrgang 1910 Ihrer Zeitung zutreffend berichteten, bin ich vom 
Amtsgericht Vertin-Schöneberg mit dieser Klage abgewiesen worden. 
Ich habe indessen diese Entscheidung durch die Herren Jnstizrat 
Dr. von Gordon und von Jagow angefochten und die 9. Zivil- 
ber Erregung, als sie sie sonst selbst in krjlllchen Mmnenten 
zu zeigen gewöhnt war, röaNdte sie sich an die Baronin. 
„Ich kann mich der Empfindung nicht erwehren, daß 
der Herr Vicomte an meiner Person und an meinen An 
gelegenheilen ein Interesse nimmt, zu dem ich ihn durch 
mein Beiielnnen gewiß niemals ermutigt habe. Oeffnen 
Sie, bitte, Ihren Blies und lassen. Sie mich wissen, ob er 
bei alledem irgendwie seine Hand im Spiel gehab! haben 
kann. — Aber nein," fügte sie nach kurzer Ucbeileguuq, sich 
berichtigend, hinzu, „das ist ja kaum möglich. Ick, dachte 
nämlich daran, daß er nach Paris an meinen Papa tele 
graphiert haben könnte, als wir nicht in Karlsruhe ein 
trafen. Und ich sehe ein, daß das eine ganz unsinnige 
Vermutung gewesen ist. Mein Vater war ja schon in 
Frankfurt, noch ehe der Vicomte ahnen konnte, daß wir 
nicht kommen würden. Marigny ist also unschuldig. 'Irgend 
ein ariderer feindseliger Einfluß aber muß sich bei meinem 
Pffpa gegen mich geltend gemacht haben. Und ich werde 
feinen Urheber oder seine Urheberin zu ermitteln und 
zur Rechenschaft zu ziehen wissen — das ist ganz gewiß." 
.. on 3 11 warten, b.s die zbgerndeFrau von Riedberg 
ihrem Wunsche entsprochn: r::.d den Brief geöffnet haben 
wurde, verließ sie zum zweiten Male die Veranda, um sich 
'hr Zimmer zu begeben. Auch Hoiningen machte 
Miene, sich zu entfernen, eine jammervoll klägliche Stiminc 
aber hielt ihn zurück. 
„Herr Westenholtz — lieber Herr Graf — was um 
des Himmels willen soll das alles bedeuten?" 
(Fortsetzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.