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Periodical volume Nr. 283, 02.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

§ 4. Die Wiegegebühren sind sofort vor Aushändigung des 
Wicgczettels zu bezahlen. Außer den amtlichen Wiegegebühren 
diirsen keine weiteren, namentlich keine Trinkgelder, gefordert werden. 
8 5. Der leere Wagen oder die Tara wird gegen Vorzeigung 
der Wiegekartö ohne besondere Vergütung gewogen. Ob die zur 
Verwiegung gebrachte Tara die richtige ist, bleibt allein der Kon 
trolle der Interessenten überlassen. 
8 6. Die Ausstellung der ersten Wiegekarte mit der durch 
Tiefdruck verzeichneten Gewichtsangabe erfolgt unentgeltlich, für die 
Ausstellung einer zweiten Ausfertigung werden 16 Pf. erhoben. 
Vorlage betreffend Genehmigung der Ausschreibung der Funda 
mente für den Rathausbau. 
Um die günstige Jahreszeit auszunützen und den Neu 
bau des Rathauses mit der größten Beschleunigung auszu 
führen, halten wir es im Einvernehmen niit dem Rathaus- 
bauausschuß für zweckmäßig, die Fundamente des Baues 
jetzt nach Beendigung der Erdarbeiten zur Ausführung zu 
bringen, ehe noch der jSauentroutf zur vollständigen Fertig 
stellung gelangt ist. Die Fundamentarbeiten sind öffentlich 
ausgeschrieben. Das Verdingungsergebnis wird dem Rat- 
hausbauausschuß in seiner Sitzung am 2. Dezember d. Js. 
vorgelegt werden. Es kann daher über dasselbe erst miind- 
lich in der Sitzung der Gemeindevertretung am 4. Dezember 
Bericht erstattet werden. 
Vorlage betreffend Einrichtung weiterer Fortbildungsschulklassen. 
Es hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, zum 
1. Januar 1914 eine neue Handwerkerklasse einzurichten, 
da die Frequenz in der Unterstufe der Handwerker z. Zt. 
48 beträgt und nach den bisherigen Erfahrungen zu er 
warten steht, daß nach Neujahr noch einige Schiller hinzu 
kommen werden. Da nach den ministeriellen Bestimmungen 
eine Klasse zu teilen ist, wenn die Schüterzaht 40 über 
schritten wird, beantragen wir in Uebereinstimmung mit dem 
Schulvorstand der Fortbildungsschule beschließen zu wollen: 
Die Gemeindevertretung genehmigt die Errichtung einer 
neuen Handwerkerklasse an der Fortbildungsschule zum 
1. Januar 1914 und bewilligt die erforderlichen Mittel in 
Höhe von 150 M. für das Vierteljahr Januar—März 1914. 
lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Qucllcnaugahe gestattet.) 
0 Vorführung einer Motorspritze. Auf dem Platz 
am Spritzenhause am Wilmersdorfer Platz wurde heute 
Vormittag 10 Uhr den Herren des Feuerlöschausschusses 
eine von den Firmen Flader u. Horch gebaute Motorspritze 
vorgeführt. 
0 Erhöhung des Zinfustes der Schüneberger Spar 
kasse auf 3 / 2 v. H. Die Stadtverordnetenversammlung 
unserer Nachbargemeinde Schöneberg erklärte sich nach den 
Ausführungen des Kämmerers Macchowicz mit der Er 
höhung des Zinsfußes der Schöneberger Sparkasse auf 3'/ 2 
v. H., wenn auch in Berlin diese Erhöhung erfolgt, einver 
standen. 
0 Aenderung der Fernsprechgebühren. Für die in 
privaten Fernsprech-Nebenanschluß-Anlagen befindlichen Weck- 
vorrichtnngen wurden bisher, je nach der Schaltung von der 
Postoerwaltuug lausende Gebühren in Anspruch genommen. 
Nach einer Verfügung des Rcichspostamts sollen bei neuen 
derartigen Anlagen Weckgebühren nicht mehr erhoben werden, 
und bei vorhandenen Anlagen fallen sie vom 1. April 1914 
ab weg. 
0 Landkrankenkasse oder Ortskrankenkasse. Anläßlich 
der kürzlichcn Aussiihrungen zur Frage der Dienstbotenver 
sicherung dürfte von Interesse sein, welche Gründe Zehlendorf 
bewogen haben, keine Landkrankenkasse zur Versicherung der 
Dienstboten einzurichten. In der letzten Gemeindevertreter 
sitzung wurde hierzu ausgeführt: In Friedenau besteht 
eine Ortskrankenkasse, die an Beiträgen 24,29 Mk. resp. 
35,88 Mk. jährlich für die Dienstbotenversicherung erhebt. 
Bei der gegründeten Landkrankenkasse stellen sich diese Sätze 
auf 23,40 Mk., resp. 35,88 Alk. Der 2. Satz ist also bei 
beiden gleich, mährend der erste bei der Landkrankenkasse 
um 1,50 Mk. billiger ist. Die Zehlendorfer Ortskrankenkasse 
hat mit Rücksicht auf die im Jahre 1914 in Kraft tretenden 
Bestimmungen ihre Statuten geändert und diese dem Ober 
versicherungsamt zur Genehmigung vorgelegt. Es kommen 
die Jahresbeiträge von 18,32, 24,98 und 37,44 Mk. in 
Frage. Die Ortskrankenkasse ist bemüht, es dahin zu bringen, 
daß die große Mehrzahl der Dienstboten in die mittlere 
Klasse kommt. Wollte Zehlendorf eine eigene Landkranken 
kasse einrichten, so würden sich nur geringe Differenzen den 
Sätzen der Ortskrankenkasse gegenüber ergeben. Dazu kommt, 
daß ein Verwaltungsapparat notwendig wäre; so sind in 
Friedenau drei Beamte und ein Kassenbote beschäftigt. 
Außerdem könnte man in den ersten Jahren mit der Orts 
krankenkasse nicht konkurrieren. Der Abonnementsverein in 
Berlin erhebt einen Durchschnittssatz von 36 Mk., ist also 
nur um 1,44 Mk. billiger als die höchste Stufe der Zehlen 
dorfer Kasse. Außer Friedenau und Wilmersdorf haben 
keine weiteren Ortschaften Landkrankenkassen eingerichtet, selbst 
Berlin nicht; auch für Zehlendorf liegt kein Grund vor, 
dies zu tun und dadurch der Ortskrankenkasse Konkurrenz 
zu machen. 
0 Zur Frage des Auswärtswohnens der Beamten 
und Lehrer hat der Berliner Magistrat einen neuen Bei 
trag geliefert, der in einem vollkommenen Gegensatz zu seiner 
bisherigen Haltung steht. In der dieser Tage amtlich ver 
öffentlichten Mitteilung über den dringenden Bedarf der 
Stadt Berlin an technischen Lehrerinnen findet sich, wie 
berichtet rvird, folgende Stelle: „Die Einschränkung, daß 
die technischen Bewerberinnen in Berlin wohnen müssen, ist 
aufgehoben". — In diesem Falle wendet sich also der 
Berliner Magistrat von seiner bisherigen Praxis vollständig 
ab, und man kann finden, daß er damit den gegen die 
Residenzpflicht Einspruch erhebende Beamten und Lehrern 
eine Waffe in die Hand gibt, die diese sicherlich gebrauchen 
werden. Denn schließlich kann die Stadt den Beamten und 
Lehrern das nicht versagen, was sie den technischen Lehre 
rinnen gemährt! 
0 Die einheitliche Regelung des Groß-Berliner 
Armenwesens mar im vorigen Jahre von Stadtrat Kalisch, 
dem bisherigen Dezernenten der Berlmer Armenverwaltung, 
angestrebt worden, und in einer Konferenz der Vorstände 
der Groß-Berliner Armenverwaltungen hatten 'Vorbe 
sprechungen über die etwa einzuschlagenden Wege statt 
gefunden. Wie die „Voss. Ztg." erfährt, wird die Konferenz 
erneut im Dezember, und zwar am 10. des kommenden 
Monats, unter Vorsitz des Herrn Amisrats Doflein, der 
seit dem 1. Oktober die Geschäfte der Berliner Armendirektion 
leitet, zusammentreten. 
0 Einen Weihnachtsbazar verbunden mit einer Kirmes 
veranstaltete gestern der hiesige Zweigverein des Vater 
ländischen Frauenvercins zum Besten seiner Krippe m der 
Aula unseres Reformrealgymnasiums. Der prächtige Fest 
raum mit seinen warmen Farbentöncn und schönen Linien 
ist wie geschaffen zu einem frohen Feste. Aber der freund 
liche Eindnick wurde gestern noch erhöht durch eine hübsche 
Dekoration. Ouer über den Saal hingen schwere Girlanden, 
ebenso waren die Brüstungen des Balkons mit Girlanden 
und Wimpeln geschmückt. Die Pfeilerlampen waren mit dem 
Transparent des roten Kreuzes umkleidet. Unter der 
Galerie zwischen den Pfeilern hatten die einzelnen Ver- 
kaussstände ihren Platz: Glücksrad und Honigkuchenbude, 
Wurstmax und Würfelfrau, ein Bazar mit wundervollen 
Handarbeiten, j Tapessirien und Spitzen, ein Stand für die 
Kleinen mit Hampelmännern und anderen Spielsachen. Da 
neben war auch für des Leibes Atzung gesorgt durch ein 
kaltes Büffet, eine Kaffee-, Tee- und Chokoladen-Halle, ein 
Bierzelt und durch die auf der Bühne geschaffene Wein 
stube. Und überall bedienten liebenswürdige Damen in 
reizenden Kostümen. Kaffee, Tee und Chokolade kredenzten 
Japanerinnen, Bier und Brötchen bayerische Deandls. Auch 
die Zukunft konnte man befragen: ein Orakel enthüllte sie. 
'Wer prachtvolle Kunstblätter und andere kunstgewerbliche 
Sachen erstehen wollte, erhielt sie bei einer feurigen Süd 
länderin. Also war jedem Geschmacke Rechnung getragen. 
Und über dem Ganzen wehten die Klänge einer guten 
Musikkapelle. Der Trubel begann bereits Nachmittags 
4 Uhr, zunächst für die Kinder. In hellen Scharen waren 
die Kleinen in die Aula gekommen. Für sie hatte man 
noch besondere Genüsse vorgesehen. Ein Zauberkünstler und 
ein Kasperletheater unterhielten und erheiterten sie. Gegen V 2 7 
Uhr kam der Weihnachtsmann und iiberreichte jedem Kinde 
kleine Gaben. Darauf wurden die Kerzen des Weihnachls- 
baumes angezündet und Frau Krafft-Stramm las hübsche 
Weihnachtsmärchen, die lebhaft applaudiert wurden. Um 
8 Uhr begann dann das Fest für die Erwachsenen. War 
schon bei dem Kinderfest der Besuch ein zahlreicher, so wurde 
er noch stärker, als die Erwachsenen, Jung und Alt, sich zu der 
fröhlichen Kirmes einfanden. Zunächst galt es, die Verkauss- 
stände zu besichtigen und dort zu kaufen. Denn: Wohl 
zutun und mitzuteilen vergesset nicht! stand in großen 
Lettern nahe der Bühne zu lesen. Aber auch Unterhaltung 
mußte sein und so trat die berühmte Schuhplattlertruppe 
Hagersberger aus Ehrwald in Tirol auf, Frau Tr. 
Hartleib sang mit ihrem schönen Sopran hübsche Lieder, 
Frau Else Krafft - Stramm trug einige ihrer reizenden 
Dichtungen vor und Fräulein Bokemcyer errang 
stürmischen Beifall mit humorvollen Vorträgen in ober- 
bayrischer Mundart. Aber schon um 1 / 2 10 Uhr hatte Ge 
meindebaurat Altmann, der liebenswürdige Maitre de plaisir, 
.den von der Jugend mit lebhaftem Beifall aufgenommenen 
Ruf: Auf zum Tanz! ertönen lassen. Und beim fröhlichen 
Tanz flössen nun die weiteren Stunden für viele gar zu 
schnell dahin. Da der Saal nicht für alle Tänzer ausreichte, so 
wurde auch in der Vorhalle schnell ein Tänzchen arrangiert 
nach den Klängen einer Ziehharmonika. Es war weit nach 
Mitternacht, als die Kirmes ihr Ende erreichte. 
0 Der Verein der Gast- und Schankwirte von Friedenau 
und Umgegend hielt gestern im Restaurant des Kollegen 
Schönherr, Siidwestkorso 19 seine Vereinsversammlung ab, 
die der Vorsitzende Kollege Gundlach eröffnete und leitete. 
Nach dem Verlesen des Protokolls, das genehmigt wurde, 
teilte der Vorsitzende der Versammlung den Inhalt der ein 
gegangenen Schreiben mit, unter denen sich auch die Mit 
teilung vom Tode des Verbandskollegen Alfred Forper be 
fand. Die Mitglieder erhoben sich zu Ehren des Ver 
storbenen von ihren Plätzen. Da zu Punkt 3 nichts vorlag, 
berichtete Herr Kiewitz über die letzte Delegiertensitzung. 
Eine lebhafte Debatte entspann sich über einen Vorschlag 
vom Verband, von den Mitgliedern 10 Pf. iin Monat für 
einen sogenannten Rechtsschutz-Fonds zu erheben. Nachdem 
Kollege Koblitz noch erwähnte, daß diese gesammelten Gelder 
nur für den Rechtsschutz bestimmt sind, der den Kollegen 
im Falle eines Rechtsstreites tatkräftig unterstützen soll, wird 
der Vorschlag angenommen. Die diesjährige Weihnachts 
bescherung findet im großen Saal des Kaiser-Wilhelm- 
Garten beim Kollegen Jmm am Donnerstag, dem 18. d. M. 
statt. Die Versteigerung zweier Marzipantorteir und eines 
Hebekorkenziehers brachten den Ertrag von 17.00 Mark. 
Dieser Betrag soll für Weihnachtsgeschenke Verwendung 
finden. Nach der Warenmarktpause, in der Firma Max 
Schulz u. Co. vorm. Halle ihre ausgezeichneten Fabrikate 
ausgestellt hatte, teilte der Vorsitzende mit, daß die nächste 
Vorstandssitzung am 5. Januar 1914 beim Kollegen 
Kiewitz, Kirchstc. 15 und die nächste Vereinsversammlung 
am 12. Januar 1914 beim Kollegen Grube, Grenzschlößchen 
in der Laubacherstraße Ecke der Kreuznacherstraße stattfindet. 
Die Sitzung wurde um 9>/, Uhr geschlossen. 
0 Das Konzert des Fricdenauer Männer-Gesang- 
vereins 187», das am Sonntag, dem 7. Dezember im 
„Gesellschastshause des Westens", Hauptstr. 30-31, stattfindet, 
verspricht den Freunden deutschen Männergesanges ausge 
wählte Genüsse. Es werden folgende Männerchöre zum 
Vortrag gelangen: „Die Himmel rühmen" von Bechoven, 
„Der Reiter und sein Lieb" von Schultz, „Rudolf von 
Werdeuberg" von Hegar, „Hell in's Fenster" von Kremser, 
„Mädel wie blüht's" von Krause, „Brautfahrt" von Baldamus, 
„Gretula" von Schwahn, „Der Trompeter an der Katzbach" 
vi)n Möhring, „Vom Rhein" von Bruch. Das alle diese 
Gesänge formvollendet zu Gehör kommen, kann bei der be 
währten Leitung durch Herrn Musikdirektor Paul Antoni 
vörausgesetzt werden. Abwechselnd mit den Gesängen wird 
die Kapelle des Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiments 
Nr. 1 (Leitung: Kgl. Musikdirektor Fr. Brase) mit neuen 
und älteren Weisen erfreuen. Ferner hat dann noch der 
beliebte Vortragskünstler Otto Erich von Wnssow seine Mit 
wirkung zugesagt. Er wird ernste und heilere Vorträge 
bringen. Das Konzert beginnt pünktlich 6 Uhr. Nach dem 
Konzert ist Tanz. Einlaßkarten sind zu haben in der 
Papierhandlung von W. Ebers, Nheinstr. 15 und in der 
Musikalienhandlung von Schwartz, Rheinstr. 00. 
0 Winterfest des Rudervereins am Realgymnasium. 
Am Sonnabend, dem 0. Dezember feiert im Realgymnasium 
der Ruderverein dieser Schule sein Winterfest. Beginn 
punkt 8 Uhr. Im ersten Teil wechseln ein Lichtbilder 
vortrag, verschiedene musikalische Darbietungen und die 
Ausführung eines Theaterstückes miteinander ab. Darauf 
Tanz. Alle Freunde des Vereins sind herzlich eingeladen. 
Eintrittskarten (1,50 M., 1 M., für Schüler 0,50 M.) beim 
Schuldiener des Realgymnasiums und an der Abendkasse. 
0 Dr. Max Halbe am Vortragspult. Der nächste 
Lichtcrfelder Dichterabend ' am morgigen Mittwoch, dem 3. 
Dezember, Abends 8'/ 4 Uhr, in der Aula des Real 
gymnasiums in Lichterfelde, Drakestr. 72-75 bringt diesen 
interessanten Schriftsteller als Vortragenden, der eigens zu 
diesem Zwecke von München dorthin gekomnien und in 
einem sorgsam ausgewählten Programm aus eigenen Werken 
lesen wird. An der Abendkasse sind noch Kurten zu 1,50 
und 1 At. erhältlich. Diese Veranstaltungen in unserer 
Nachbargemeinde erfreuten sich besonders auch aus unserem 
Orte eines lebhaften Anklanges. 
0 Die Abordnung der ersten Goßnerschen Kamernn- 
Missionare findet am 2. Advent, Sonntag, dem 7. Dezember, 
in unserer Kirche statt. Nach langen Verhandlungen hat 
sich das Kuratorium der Goßnerschen Mission entschlossen, 
neben seinen indischen Arbeitsfeldern die Arbeit in Kamerun 
in Angriff zu nehmen. Es handelt sich um Stämme, die 
vom Islam stark bedroht sind und die unter den verheerenden 
Wirkungen der Schlafkrankheit furchtbar zu leiden haben. 
Die Goßnerschen Sendboten, die für ihren schweren Berns 
noch im Tübinger missionsärztlichen Institut ausgebildet 
wurden, werden im Vormittags-Gottesdienst von Geh. Kon- 
sistorialrat Dr. Conrad abgeordnet und in einem Familien 
abend (Beginn 8 Uhr) im Gemeindehaus, Kaiserallee 70 a, 
verabschiedet. Die Gemeinde wird zu recht zahlreicher Be 
teiligung eingeladen. 
0 Der König der Lüfte betitelt sich das fünfaktige 
Filmschauspiel, das die „Hohenzollernlichtspiel.e" vvn 
heute ab zur Vorführung bringen. Dieser neueste Schlager, 
den Pathö freres herausgebracht haben, verbindet drei 
große Eigenschaften miteinander: große Ruhe der Bilder, 
die übrigens wundervoll koloriert sind, wissenschaftlichen 
Wert und gediegene Unterhaltung. Man kann ihm auch 
noch eine vierte, sehr nützliche Eigenschaft zusprechen: eine 
heilsame Warnung vor geschäftlichen Spekulationen. Alles 
dies ist höchst glücklich in ein .spannendes Schauspiel 
modernster Art zusammengefaßt, das, wie der Titel schon 
andeutet, dem Flugsport einen hohen und edlen Rang ein 
räumt. Den Höhepunkt des ganzen Filmschauspiels stellt 
eine Reise im Flugapparat selbst dar — man fliegt über 
Wald und Feld, See und Fluß, Stadt und Dorf, bald mit 
einem Eisenbahnzuge, bald mit einem Auto um die Wette 
und alles überholend pfeilschnell dahin. Das ist eine 
Glanzleistung der Kinematographie. Daher versäume 
Niemand, sich den Film in den „Hohenzollernlichtspielen" 
anzusehen. 
0 In den Sümpfen von Wild-West, das große 
packende Drama in 2 Akten, welches in den an aufregenden 
Vorkommnissen so reichen Vereinigten Staaten Nordamerikas 
so berechtigtes Aufsehen erregte, kommt von heute ab im 
Biofontheater in der Rheinstr. 14 zur Vorführung. Wenn 
sein spannender Inhalt auch etwas auf die Nerven fällt, so 
entschädigt die großartige wilde Szenerie und das hervor 
ragende Spiel besonders des jungen Schauspielers M. Dart- 
higny im reichem Maße. Mar Linder, der ewige Schwere 
nöter, tritt in der von ihm selbst verfaßen Posse Max als 
Stiefelsammler mit gewohntem Erfolge auf. Er hat ja die 
Lacher stets auf seiner Seite. Ein interessantes Drama ist 
der Film Der Spieler und der zweite Teil der Spaziergänger 
im alten Paris führt uns in Gegenden der französischen 
Hauptstadt, die der Fremde seltest besucht. Reichhaltig wie 
immer, ist die Biosonrevue von Pathö siöres. Sehr nett 
sind die humorvollen Gaben. Er kann sein Kind nicht los 
werden und die Vcrsicherungsagentin. Man muß lachen, 
ob man will oder nicht. Ein im Biofontheater verbrachter 
Abend gehört nie zu den verlorenen. 
0 „Mit dem Norddeutschen Lloyd von Berlin nach 
Neuyork", lautet das ^Thema des Vortrages, welchen 
Herr Direktor Dr. F. S. Archenhold am Mittwoch, dem 
3. Dezember, abends 8 Uhr im großen Hörsaal der Treptow- 
Sternwarte unter Vorführung von Filmen hält. Mit dem 
großen Fernrohr werden vor dem Vortrage, von 4 Uhr nachm, 
an der Mond und nach dem Vortrage der Saturn beobachtet. 
0 Einen interessanten Lichtbildervortrag veranstaltet 
der Verband Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig, Kreis 
verein Steglitz, am Mittwoch, dem 3. d. M., Abends 9 Uhr, 
im Hotel Steglitzer Hof, Berlinickestr. 15. Der Vortragende 
läßt die Anwesenden zunächst eine Reise nach den prächtigen 
Gauen um den Bodensee (HohcnlrüicI), Lindau, Horschbach, 
Romanshorn, Friedrichshafen, Insel Mainau, Konstanz, 
Rheinfall u. v. a. machen. Im weiteren Verlauf seines 
Vortrages führt dann der Redner den großartigen Betrieb 
der Maggi-Werke in Singen am Hohentwiel vor. 
Vortreffliche Proben von Maggi's Suppen und Maggi's 
Bouillon werden Gelegenheit geben, sich selbst von der 
hervorragenden Güte der Maggi'schen Produkte zu über 
zeugen. Der Vortrag ist fesselnd, sehr belehrend und frei 
von jedem reklamehaften Anstrich. Der Eintritt ist frei. 
Gäste, besonders Damen, willkommen. 
0 Eine Aufsehen erregend Verhaftung, die ein Auf 
gebot von 5 Automobilen, mit Berliner Kriminalbeamten 
dicht besetzt, mit sich brachte, faird in der Stcinstraße 7 in 
Steglitz statt. Dort hatte der 38 Jahre alte frühere 
Administrator Eduard Koltermann, der in der Manstcin- 
straße 10, am Bahnhof Großgörschenstraße. seine „Geschäfte" 
betrieb, eine große und vornehm ausgestattete Privat 
wohnung seit längerer Zeit. inne. Gestern nun rückte die 
Berliner Polizei, die schon seit geraumer Zeit das gemein-
        
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