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Periodical volume Nr. 282, 01.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Veranstaltung von Festlichkeiten größerer Art fehlt es hier an den 
geeigneten Räumen und da ist es vielleicht eine gewisse Pflicht der 
Gemeinde, hier in die entstandene Lücke zu treten. Im großen und 
ganzen ist ja wohl bekannt, daß in dem bevorstehenden Rathausbau 
geeignete Räume in Verbindung Mt einem Ratskeller geschaffen 
werden sollen. Ich glaube daher wr Namen aller Vereine und 
auch im Namen vieler Privater,“Mc ihre Feste hier feiern wollen, 
zu sprechen, wenn ich der Hoffnung Ausdruck gebe, daß die Räume 
im neuen Rathaus so bemessen werden, daß derartige Veran 
staltungen in einem würdigen Raume stattfinden können. Wir 
feiern nun heute ein Fest, daß nicht gerade zu den seltensten gehört, 
es sind derartige Feste an der Tagesordnung. Aber da es der 
Haus- und Gnuidbesitzcrvcrein ist, der dieses Fest feiert, so gewinnt 
das besondere Bedeutung. Ich will nicht gleich sagen, die Ge 
meinde feiert das Fest; aber Haus- und Grundbesitz und Gemeinde 
sind an einein Tage geboren worden. Es freut mich, daß eine so 
große Zahl Gäste unserer Einladung gefolgt ist. Vor allem 
freuen wir uns, daß die Herren des Gemcindcvorstandes und der 
Gemeindevertretung sich zu uns fanden. Ich begrüße sie und heiße 
Sie herzlich willkommen. Ferner begrüße ich die Vertreter der 
Vereine, des Bürgervereins, Gartenbauocreins, der Gcmeindebe- 
amtenvcreinigung, desMänner-Turnvereins, Gewerbevereins und des 
Steglitzer Grundbesitzeroereins. Ander Spitze des Gemeindevorstandes 
ist unser Herr Bürgermeister Walger erschienen und auch seine Ge- 
mahlin hat uns mit ihrem Besuche beehrt. Ich begrüße Sic 
herzlich. Ebenso begrüße ich unseren Gemcindcältesten Herrn Ge 
heimrat Homuth, ferner den Erbauer dieses Hauses Herrn Gemeinde 
baurat Altniann nebst Gemahlin und den Hausherrn Herrn 
Direktor Schröder. Unser Ehrenvorsitzender Herr Geheimrat 
Schremmer ist leider im letzten Augenblick am Erscheinen zu 
unserem Feste verhindert worden. Ich möchte darüber mein leb 
haftes Bedauern anssprcchen. Ich sagte schon, daß Hausbesitzer- 
Verein und Gemeinde zusammengehören. Und ebenso sind Ge 
meinde und Staat eng verbunden. Aufgang Und Nieder 
gang eines Staates werden sich im allgemeinen gleichermaßen 
wiederspiegeln in der Entwicklung seiner einzelnen Glieder. 
Ter städtische (Grundbesitz steht und fällt mit dem guten 
und dem schlechten Gedeihen des Staates und der Gemeinde, fein 
Schicksal ist unzertrennlich mit dem Slaatsganzen verknüpft. 
Halten wir kurze Rückschau, so sehen wir den Niedergang zu 
Beginn des vergangenen Jahrhunderts den Aufschwung folgen, 
den wir alle in diesem Jahre in vielfacher Gestalt als Jahrhundert 
feiern festlich begangen haben. 
Nicht nur die Erfolge der Schlachtfelder, sondern auch die 
innere Befreiung des Volkes sind bei uns Enkeln des damaligen 
Geschlechtes in dankbarer Erinnerung. Ich möchte hier nur die 
Stein'schen Reformen ins Gedächtnis zurückrufen. Seine Städte 
ordnung hat den Grund gelegt zur beispiellosen Entwicklung der 
preußischen Gemeinden. 
Die Entivicklnng Preußens hielt mit den äußeren Erfolgen 
Schritt. Dem Niedergang der fünfziger Jahre folgte der bis 
auf die heutigen Tage dauernde Fortschritt, verkniipft mit dem 
Namen des Mannes, den König Wilhelm I. sich zum ersten Rat 
geber erwählte, init Bismarck. 
5Q Jahre sind seitdem vergangen, 40 von ihnen als Friedcns- 
jahrc, während derer insbesondere Berlin zur Weltstadt erwuchs. 
Was Kaiser Wilhelm I. Hand in Hand mit Bismarck schuf, 
was Kaiser Friedrich!, der zu früh ins Grab gesunkene 
Siegfried deS deutschen Volkes zu erhalten und auszubauen 
gelobt hatte, in 25 jähriger tatkräftiger Regierung hat cs 
upser Kaiser Wilhelm 1k. bewahrt, Ansehen und Macht des 
deutschet: Volkes beschützt vom Volk in Waffen. Unter den 
Segnungen der von unserem Herrscher auch unter den schwierigsten 
Verhältnissen stets ehrenvoll vertretenen Friedenspolitik ist das 
heutige Groß-Berlin erwachsen; die kräftige uyd lebensstarke 
Stammutter Berlin hat rings um sich eine Reihe gesunder Kinder 
aufwachsen- sehen, die bei aller Selbständigkeit der Verwaltung doch 
einig sind unter sich und init ihrer Stammutter in der Ueber 
zeugung, daß gesunder Bürgersinn sie geschaffen hat und sie erhält, 
daß die Betätigung dieses Bürgersinns nur ermöglicht ist durch 
die stetige Entwickelung, die die Friedenspolitik unseres Kaisers 
uns gewährleistet hat. 25 jähriges Bestehen des Fricdcnaucr Haus- 
mtd Grundbcsitzcrvereins und 25 jährige Regierungszeit unseres 
allvcrchrtcn Kaisers! Sie werden alle mit mir einverstanden sein, 
wenn ich dieses Doppeljubiläum znm Anlaß nehine, Sic aufzu 
fordern, dem hochstehenden Mann, dessen Wirken das Bürgertum 
Groß-BcrIinS so viel zu verdanken hat, Ihre Liebe und Verehrung 
darzubringen, indem Sie mit mir einstimmen in den Ruf: Seine 
Majestät unjcr allergnädigstcr Kaiser und König Wilhelm II. er 
lebe Hoch, hoch, hoch! 
Mit Begeisterung stimmte die Festversammlung in das 
Hoch ein und sang darauf stehend die erste Strophe der 
Nationalhymne. 
Die Festrede hielt Herr Landtagsabgeordneter Dr. 
Wendlandt. Er führte ungefähr folgendes aus: 
Hochansehnliche Festversammlung, geehrte Damen und Herren! 
Mir ist der ehrenvolle Auftrag zugegangen, zur Weihe des Augen 
blicks den Verein über alle Leisten zu loben. Ich muß aber auch der 
Gerechtigkeit und Wahrheit die Ehre geben. Was bedeutet das 
Jubiläum für einen Haus- und Grundbesitzer-Verein? Es ist 
etwas anderes als das Jubiläum bei alternden Männern und 
Frauen. Ta hat das Jubiläum immer einen Einschlag von Wehmut 
über das dahingeschwundene Leben, der Wehmut über das unver 
meidliche Alter und über das unerbittliche Abtreten von der Schau 
bühne. Ter Verein aber kennt nur eine Wehmut, diese gilt nur 
den Toten; nicht einmal den Veteranen, die noch feurigen Willens 
voll unter uns weilen. Dankbar erkennen wir an, was diese Vor 
kämpfer für den Verein geleistet haben. Das Jubiläum deS Vereins 
ist aher auch zugleich ein Jubilieren über die herrlichen Aussichten 
des Vereins, über die Größe der neu auftauchenden Aufgaben, 
weniger der Jubel über die erfolgreiche Vergangenheit, als über 
die verheißungsvolle Zukunft. Der größte Jubel, denen das arme 
Mcnschcnherz fähig erscheint, ist der Jubel über die Unerschöpflichkeit 
menschlichen Sehnens und Strebcns. Es ist eine sehr danibarc 
Aufgabe, zu einem Jubiläum des Haus- und Grundbesitzer-Vereins 
das Wort zu ergreifen. Doch wenn wir nach Worten suchen, so finden 
wir, daß uiis die schönsten Worte immer unsere großen Dichter 
schon vorweg genommen haben (Heiterkeit). Sie haben schon alles 
das gesagt, was wir selbst gern gesagt hätten. Ich möchte Sie 
nun etwas in das innere Leben des Vereins einführen und bitte 
Sie, einen Augenblick der Geschichte des Vereins und seiner Vor 
gänger zu folgen. Was ich sage, steht alles in der Chronik, die 
demnächst den Mitgliedern zugeschickt wird. Die Geschichte des 
Vereins ist zugleich die Geschichte Friedenaus. — Der Redner geht 
nun im Einzelnen auf die Gründung Friedenaus ein. David Born 
gründete den Landerwerb- und Bauverein auf'Aktien, der'hier 
Terrains erwarb und der Gründer von Friedenau wurde. 11 Hektar 
war das erste Gebiet groß, das vom Rittergut Wilmersdorf cr- 
worben wurde. Später wurden bei Aufteilung des Rittergutes 
Wilmersdorf noch mehrere Grundstücke zu Friedenau geschlagen, 
sodaß das Gebiet 141,35 Hektar groß wurde, welches auch heute 
noch der Flächeninhalt Friedenaus ist. Die ersten beiden Häuser 
wurden am 10. November 1871 gerichtet. Es waren die der Herren 
Sotteck und Geh. Rechnungsrat Hacker, bald daraus folgte noch das 
HauS des Rcchnungsrats Hertel. Besonders Hertels sei ehrend 
gedacht, der der Gemeinde das Grundstück am Wilmeisdorfcr Platz 
schenkte, das zunächst Krichplatz, dann Schulplatz. Ralhausplatz 
und nun Postplatz wurde. Friedenau ivar ursprünglich eine 
Kolonie und die einzelnen Grundbesitzer haben cs verwaltet 
und groß gemacht, so daß cs bald eine selbständige Geineindc 
wurde. Redner schildert das Wirken des Gemeinnützigen Vereins, 
durch den ein Muster der Selbstverwaltung einsetzte. Freiwillige 
Selbstbesteuerung beschloß dieser Verein, wie eine Brüdergemeinde 
wirkte er. Für die Haltestelle au der Wannscebahn erwarb der 
Verein das Grundstück und errichtete auch das Gebäude. Vieles 
hat der Verein erwirkt. Der Festr-edncr erwähnte die Verkehrsmittel 
die Straßenbeleuchtung, Post usw. Schwere Zeiten brachten die 
sogenannten Gründerjahre 1875—81. Neues Leben brachte erst 1881 
wieder der Verein zur Schaffung billiger Wohnhäuser. Tie Mit- 
gsicdor dieses Vereins erbauten ihre Wohnungen in rohen Ziegeln 
und wurden „Rohbauer" genannt zum Unterschied zu den „Putz 
bauern" (auch Kuhbauern). Die Rohbauer führten auch in der 
Residenzpflicht der Beamten eine Entscheidung durch den Altreichs 
kanzler Bismarck herbei, der den Beamten die Freizügigkeit ge 
stattete. Bismarck ist auch ferner gleichsam Schutzpatron für Frie 
denau gewesen, er verhinderte die Errichtung der Gasanstalt und 
die Schaffung des Rieselfeldes in Dahlem. Dem Fürsten wurde 
an: 1. April 1895 der Ehrenbürgerbrief überreicht. Tie Rohbauer 
gründeten die „Freie Vereinigung". Und das Erbe deS Gemein 
nützigen Vereins und der Freien Vereinigung hat der atu 28. No 
vember 1888 gegründete „Haus- und GruNdbesitzer-Verein" über 
nommen, der beides als Grundlage und Zweck verkündete: die 
Gemeinnützigkeit und die Freiheit. Im § 1 seiner Satzungen steht 
geschrieben, daß der Jubilar ein Blittelpunkt für persönliche An 
näherung (zwischen Rohbauern und Putzbauern) sein sollte und in 
welchem die Interessen des Ortes nach jeder Richtung Vertretung 
finden. Im ersten Vorstand des Vereins waren fast alle bürger 
lichen Stände vertreten. Von den Vereinsgründcrn sind noch heute 
Vereinsmitglicder die Herren: Dannehl, Franzelius, Frölich, 
Homuth, Kreuschner,Lichtheim, Löbner, Lorenz. Schulze undSchremmer. 
Besonders Herrn Homuth, unseren Gcmeindeältesten, erwähnte der 
Redner. Homuth war es, der erklärte, lieber sollen die Grund 
besitzer höhere Lasten auf sich nehmen, als daß der Einkomwen- 
steudrzuschlag über 100 Proz hinausgehe. Der junge Verein hat 
auch manchen Krach erlebt, bei Kirchenwahlen, Gemeindewahlcn 
und dann auch al§ die Frage gestellt wurde, ob auch Mieter in 
ihm Aufnahme finden könnten. Da gründete sich ein Ortsoerein, 
der aber nicht lange bestand. Dagegen führte Herr Ur. Frölich 
das Schiff sicher durch den Sturm. Es begann dann die glorreiche, 
12 jährige Aera Schremmer. Der Verein wuchs in dieser Zeit auf 
300 Mitglieder und ich habe noch heute immer große Achtung vor 
der Art, wie damals zwangsweise Mitglieder geschaffen wurden. 
Die Hausbesitzer erhielten ein Schreiben, in dem gesagt war, daß 
wenn sie nicht in 4 Wochen Widerspruch erheben, sie Vcreinsmit- 
glied wären. Auf diese Weise wurden viele Vereinsmitglieder ge 
wonnen und auch ich wurde damals zwangsweises Miiglied. 
Auf Herrn Schremmer folgte Herr Franzelius, dann 1908 Herr 
Hauptmann Lehmcnt bis 1911, von wo ab Herr v. Wrochem — 
der Name kommt schon unter den Gründern des Vereins vor, cS 
war der Vater des jetzigen Vorsitzenden — sachkundig und meit- 
schauend das Steuer in die Hand nahm. Der Verein hat zahl 
reiche kleinere und größere Aufgaben gelöst. Zu den kleineren 
rechnen die Müllfrage, der Schornsteinsegerbeztrk, die Rohrunter- 
brechcr, die Teppichklopfzeit, die Bürgerstcigreinigung und die 
Baum- und Raupenplaqe, zu den größeren und größten: 
Pflasterung der Straßen, Wasserversorgung, Kanalisation, Beleuch 
tung, Bauordnung, Vorgärten, Gemeindewahlen, Hypothekcnamt, 
Eingemeindung oder Stadtrecht. Lange Jahre stand unsere Ge 
meinde unter Leitung der Dynastie Roenneberg, als diese abtrat, 
kam Bürgermeister Schnackenburg, der in kluger Weise unsere Ge 
meinde vorwärts brachte, und als dieser zu höheren Aemtern be 
rufen wurde, kam Bürgermeister Walger, der mit Sachverständnis 
jetzt unsere Gemeinde leitet. Der Redner betonte noch die Stadt- 
werdung Friedenaus, die eine Notwendigkeit sei und hob 
hervor, daß der Verein auch in der Untergrundbahnfrage lebhaft 
gewirkt habe, aber leider nichts erreichen konnte. Bundesgenossen 
des Jubilars sind der Bürgerverein und der Handel- und Gewerbe- 
verein, nicht zuletzt die Großmacht Presse, die in dem 1894 gegrün 
deten Friedenauer Lokal-Anzeiger ihren Ausdruck findet. — Der 
Haus- und Grundbesitzer-Verein und seine befreundeten Vereine 
bilden sozusagen das Parlament, die Volksvertretung Friedenaus. 
Hier wird alles zweckmäßig vorbereitet und geklärt. Die Personal 
union ist eine dauernde Gewähr für ein zweckmäßiges Zusammen 
wirken von Gemeinde — Fürst und Volk. Ich könnte Ihren 
Appetit auf den Braten noch mehr reizen, wollte ich noch weiter 
in die Geschichte des Vereins eingehen; aber ich denke doch, Ihren 
Appetit auf die Jubiläumsschrist des Vereins geweckt zu haben. 
Friedenau ist so wohnlich, freundlich, traulich und friedlich geblieben, 
wie es war, obwohl es seinen Villencharakter dem gewaltigen Truck 
der Großstadt hat opfern müssen. Es ist einzig in seiner Ent 
stehung, einzig in seiner beispiellos schnellen Entwicklung. Das 
liegt im wesentlichen' an der Geschichte und dem Verhalten seiner 
Grundbesitzer. Die Gemeinde hat ihren Charakter als Anbauer; 
kolonie bewahrt, es lebt in ihr etwas wie ein Brunneugeist, sagen 
wir Gcmeindegeist. Ten Gemeindegeist beschwöre ich für die Zu 
kunft des Vereins: vier große Aufgaben: Untergrundbahn — Hypo 
thekenamt — Schutz dem deutschen Grundbesitz — Stadtrcchte — 
stehen dem Verein noch zur Erfüllung bevor. Wenn er zum 
60jährigen Jubiläum diese vier Dinge nicht erreicht hat —, dann 
werde ich anders mit ihm sprechen, als heute. Heute aber erfüllt 
er uns mit tausendfältigem Dank und unbegrenzter Hoffnung, 
lind so bitte ich Sie, Ihr Glas zu erheben und mit mir einzustimmen: 
Ter Haus- und Grundbesitzer-Verein Friedenau, er wachse, blühe 
und gedeihe, er lebe stark, er lebe hoch! 
Kräftig erscholl das Hoch aus den Kehlen der Ver 
sammelten und spontan stimmte man an „Ec lebe hoch!" 
Es ergriff dann Herr Bürgermeister Walger das Wort. 
Er dankte zunächst auch im Namen seiner Gattin für die 
freundliche Einladung und brachte dann die Glückwünsche 
der Gemeinde, des Gemeindevorstandes und der Gemeinde 
vertretung zum Ausdruck. Darauf ging er näher auf die 
Verdienste der Haus- und Grundbesitzer, insbesondere des 
Hans- und Grundbesitzer-Vereins um die Entwicklung 
Friedenaus ein, gleichzeitig namens der Gemeinde dankend 
für diese Tätigkeit. Der Haus- und Grundbesitzer-Verein 
sei ein Jnteressenverein und es werde manchmal diese Be 
zeichnung als ein Vorwurf empfunden. Aber der Verein 
sei insofern Jnteressenverein als er die Interessen der Ge 
meinde zu den seinigen gemacht habe mtöj das ehre den 
Verein. Der Herr Bürgermeister betonte noch die Seßhaftigkeit 
der Grundbesitzer, ihren großen Einfluß auf die Gemeinde 
verwaltung, in der sie zu 2 /.s in der Gemeindevertretung 
Sitz und Stimme haben. Er erkannte an, daß die Grund 
besitzer hier freiwillig Lasten auf sich genommen und teilte 
mit, daß man auch im nächsten Jahre mit dem 100 pro- 
zentigen Einkommensteuerzuschlag auskommen werde und 
jedenfalls auch den Grundbesitzern eine, wenn auch nur 
kleine Ermäßigung in der Grundsteuer werde bewilligen 
können. Was die Zukunft für Friedenau bringen werde, lasse 
sich noch nicht übersehen. Es werde wohl manches durch 
das Mittel des Zweckverbandes gehen. Wie sich dieses 
eigentümliche Gebilde noch gestalten werde, wisse man noch 
nicht. Friedenau sei auf guter Basis aufgebaut, das haben 
die Minister selbst anerkannt. Es werde bald die erste 
Gemeinde Grvßberlins sein, die voll ausgebaut ist. Mit 
der Hoffnung, daß der Verein auch ferner zum Segen der 
Gemeinde rvirke, wünschte er dem Verein weiteres Wachsen, 
Blühen und Gedeihen und schloß mit einem Hoch auf die 
Fricdcnaucr Hausbesitzer. Nach den ernsten Reden kam nun 
eine heitere Unterhaltimg. Fräulein Käthe Pirschet saug 
Lieder zur Laute. Jchre lustigen und tcmperamentvollcn- 
Vorlräge fanden auch hier wie überall, ivo die liebens 
würdige Sängerin sich hören läßt, stürmischen Beifall. Herr 
Rechtsanwalt Bering schilderte dann in launiger Weise, wie 
die Frau des Hausbesitzers diesen in seinem schweren Amte 
unterstützen müsse, er erwähnte dabei auch die neue Dienst- 
botenvcrsicherung und schloß mit einem Hoch auf die Damen. 
Es ivurde hierauf den Damen eine reizende „süße" Spende 
dargeboten. Herr Dr. Heinecker sprach namens des 
Bürgervercins. Das erste Zusammentreffen von Grund 
besitzer- und Bürgerverein war kein gerade freundliches. 
Aber mit der Zeit lernten sich beide kennen und verstehen. 
Sie erkannten, daß sie beide das gemeinsame Ziel haben, 
für den Ort zu wirken. Und wie Mieter und Grund 
besitzer friedlich zusammenleben, so wirken auch Bürgerverein 
und Hausbesitzer-Verein in Freundschaft zusammen. Er 
hoffe, daß dieses gute VerhälMis immer bestehen bleibe und 
leere sein Glas mit den besten Wünschen für den Haus 
und Grundbesitzer-Verein (Bravo). Ein Vertreter des 
Steglitzer Vereins brachte die Wünsche des dortigen Vereins 
zum Ausdruck. Herr Dr. Thtirmann verlas nun die ein 
gelaufener) Telegramme: Frau Clara Wille bedankt sich 
für die Kranzniederlegung am Grabe ihres Gatten. Glück 
wünsche zum Jubiläum senden: Geheimrat Schremmer, Fabrik 
besitzer Bolle (Besitzer eines Hauses am Friedrich-Wilhelm-Platz) 
aus Monte Carlo, der Mieterverein (Vorsitzender Dr. 
Lohmann), der Friedenauer Männer-Gcsangverein 1875, die 
Gemeindeverordneten Hans Berger und Dr. Tänzler und 
Fpau Moritz Stöckel. Nachdem hierauf ein für den Abend 
von Herrn v. Wrochem verfaßtes allgemeines Lied gesungen 
war, überreichte der Vorsitzende den anwesenden Mitbe 
gründern des Vereins, den Herren Grhcimra: Homuth, 
Geheimrat Franzelius und Pensionär Schulze je eine silbeme 
Plakette mit Widmung; die gleiche Auszeichnung übergab er 
Herrn Geheimrat Fehler für Herrn Löbner. Ein Hoch 
wurde den alten Veteranen dargebracht. Als ältester 
Jubilar dankte hierauf Herr Geheimrat Homuth für die 
den Jubilaren erwiesene große Ehrung. Sie wären in den 
25 Jahren stets für die berechtigen Wünsche und Interessen 
des Vereins eingetreten, um in unserm Orte alle die guten 
Einrichtungen zu schaffen, daß die bei den Hauswirten zu 
Miete wohnenden Mitbürger sich wohl fühlen und an den 
Ort gefesselt würden. In diesem Sinne würden sie auch 
ferner im Verein tätig sein. Außxr den erwähnten Jubi 
laren wären noch im Gründungsjahre die heutigen Ver 
einsmitglieder Herren Günther, Klemme, Wicsner und 
Dräger dem Verein beigetreten. Also auch diese Herren sind 
25 Jahre hindurch Mitglieder des Vereins. Er empfahl 
dann, den wegen Krankheit zur Teilnahme am Feste ver 
hinderten Herren Lichtheim und Haustein sen., (letzterer einer 
der ersten Ansiedler in Friedenau) die Grüße der Versammlung 
zu übermitteln. Ebenso Herrn Oberbürgermeister Schnacken 
burg, unserm ersten Bürgermeister, dem wir das so gute 
Einnahmen abwerfende Elektrizitätswerk zu verdanken haben. 
Der Vorsitzende antwortete hierauf, daß er gern dieser Bitte 
nachkommen werde und erbat sich dazu die Zustimmung der 
Versammlung. Die Reden waren nun erledigt und es trat 
jetzt der Kinematograph in Betrieb, der Bilder vom 
Margaretentag, vom Narzissentag, vom 25. Stiftungsfest 
des Turnvereins und von der Grundsteinlegung des Rat 
hauses vorführte. Manche bekannte Persönlichkeit wurde im 
Lichtbilde begrüßt, u. a. erschien auch der vor einigen Jahren 
verstorbene langjährige Vorsitzende des Krieger- und Land 
wehrvereins Herr Geheimer .».Rechnungsrat Hendrich im 
lebenden Bilde auf der LeinewMd. Den lebenden Bildern 
folgten Lichtbilder vom alten und neuen Friedenau, die 
aus dem s. Zt. von „Onkel. Gte" (Eduard Jürgensen) für 
einen Unterhaltungsabend des Vereins der Friedenauer 
Ferienkolonien verfaßten Lichtbildervortrage stammen. In 
zwischen war die Zeit schon weit vorgeschritten. Es war fast 
2 Uhr geworden, als Herr von Wrochem die Tafel für auf 
gehoben erklärte. Während sich die Teilnehmer in der Vor 
halle der Aula versammelten, wurden die Tafeln fortge 
räumt und Tische an den Seiten gestellt. Wachs wurde 
auf den Fußboden gestreut und nun begann mit einer 
Polonaise der Ball. Herr Tanzlehrer Wilke leitete die 
Tänze. Auch Tango argentino stand auf der Tanzkarte. 
Es fand sich aber niemand, der ihn tanzen konnte. Doch 
die Besucher sollten diesen neuesten Tanz doch kennen lernen: 
Herr Wilke tanzte ihn solo. Die Kaffeepause brachte noch 
mals eine Unterbrechung in dem Ball. Während dieser 
wurde ein gemeinsames Lied „Aus der guten alten Zeit 
Friedenaus" gesungen, das Frau, Bertha Schenck zum ersten 
geselligen Beisammensein des Gemeinnützigen Vereins 1873 
verfaßt hatte. Der Tanz hielt nun ferner die Teilnehmer 
in bester Stimmung zusammen. Als wir mn 6 Uhr das 
Fest verließen, hatten erst sehr lvenige den Heimweg ange 
treten. Der Verein, insbesondere der Vorstand und Fest 
ausschuß, können mit dem Feste, das einen schönen und 
würdigen Verlauf nahm, sehr zufrieden sein. Wir möchten 
unseren Bericht nicht schließen, ohne wiederholt zu haben, 
was an dem Feste so oft zum Ausdruck kam: Wir hoffen, 
daß der Haus- und Grundbesitzerverein auf gleicher Bahn 
wie bisher weiter fortschreitet und noch viel Gutes für 
unsern Ort leistet. In diesem Sinne wünschen wir ihm: 
Wachsen, Blühen und Gedeihen!^ 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Der Dezember, der seinen Namen aus dem latei 
nischen „dezem“, d. i. zehn ableitet, bildete den zehnten 
Monat im altrömischen Käsender. Im deutschen findet sich 
die Bezeichnung Julmond, weil in diesem Zeitabschnitt das 
Julfest, die Wintersonnwendfeier der alten Germanen fiel. 
Auch den Namen Christmond und Advenlsmonat begegnet 
man hier und da. 
o Wegen Untersagung des Gewerbebetriebes als 
Bauunternehmer oder Barsieitex sowie als llnternehincr 
oder Leiter eines Zweiges des Bauhandwcrks oder als 
Geschäftsführer bezw. Prokurist eines derartigen Unter 
nehmens klagte der hiesige Amtsvvrsteher gegen den 
Kaufmann Johannes B. und dessen Ehefrau Marie 
vor dem Teltowcr KreiSausschuß. Ter Amtsvvr- 
stehcr beantragte, bert • Beklagten, der früher ein 
Glasercigeschäst betrieb,' den Gewerbebetrieb. als Bauunlcr 
nehmer usw. zu untersagen, weil er, obwohl er bereits den 
Offenbarungseid geleistet, einen Bäu übernommen habe, der 
dann zur Subhastation kam, wobei zahlreiche Lieferanten 
geschädigt wurden. Tie Sache, stand bereits einmal (am 
19. März d. I.) vor dem Krcissusschuß zur Verhandlung. 
Damals wurde beschlossen, durch Vernehmung der ge 
schädigten Lieferanten Beweis zil erheben. Aus deren Aus-
        
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