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Periodical volume Nr. 305, 30.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Cie erbrachen die Weinkeller bei Gastwirten und auch bei 
Privatpersonen und brachten die gestohlenen Weinflaschen 
in die Wohnung des Kaitz Am andern Tage verschärften 
die jungen Burschen die „Sore" in Berlin. Sie benutzten 
zur Fahrt nach Berlin die Elektrische von'der Haltestelle 
Kaisereiche au«. K. beobachtete von seinem Fenster aus 
die Abfahrt seiner Helfershelfer und gab ihnen durch 
Winke zu verstehen, mit welcher Bahn sie fahren sollen. 
Der Kriminalschutzmann Sox hatte das beobachtet und 
begab sich darauf in die Wohnung drS K. Dieser wollte 
zunächst von nichts wissen. Als der Beamte dann aber 
mehrere Weinflaschen auS dem Versteck hervorholte, die 
auS dem Weinkeller des Restaurateurs Herrn Hernes (Zum 
Birkenwäldchen) stammten, gab er alles Leugnen auf und 
ließ sich verhaften. Seine Helfershelfer konnten ebenfalls 
von der Steglitzer Polizei verhaftet werden. 
o Selbstmordversuch eines Referendars. Gestern 
Vormittag >/,l1 Uhr versuchte sich der in der Nollendorf- 
straße zu Schöneberg wohnende Referendar Otto G. durch 
einen Schuß in den Mund daS Leben zu nehmen. Ein 
Arzt sorgte für seine sofortige Uebersührung nach einem in 
der Bülowstraße belegenen Sanatorium. Die Verletzungen 
des Lebensmüden sind so schwer- daß sein Zustand als 
hoffnungslos bezeichnet werden muß. Das Motiv der 
unseligen Tat ist noch gänzlich unbekannt. G. lebt in 
geregelten Verhältnissen und war lebenslustig und gesund. 
Man nimmt an, daß er in einem Augenblick geistiger 
Unzurechnungsfähigkeit die Tat verübte. 
o Mit Leuchtgas zu vergiften versuchte sich die 
Verkäuferin Helene D.. Kaiserplatz 17 wohnhaft. Es 
gelang den Samaritern der Wilmrrsdorfer Wehr, sie mit 
Hilf« von Sauerstoffapparaten inS Leben zurückzurufen. 
Sie wurde mit Rettungswagen nach der Klinik in der 
Kaiserallee gebracht. 
o Wochenmarktsdiebstähle sind in letzter Zeit 
wieder sehr häufig. Am Sonnabend wurde einer Dame 
ein Portemonnaie mit 30 M. Inhalt, am Mittwoch einer 
anderen Dame ein Portemonnaie mit 28 M. Inhalt auf 
dem Wochenmarkt an der Lauterstraße gestohlen. Die 
Portemonnaies wurden später entleert auf dem Markt 
platz vorgefunden. Am Sonnabend gelang eS. einige Schul 
jungen bei Diebstählen auf dem Wochenmarkl zu ertappen. 
Sie wurden zur hiesigen Polizeiwache gebracht. 
o Feuer. In dem Heizkeller des Hauses Wies 
badener Straße 78 war gestern Abend gegen S 1 ^ Uhr 
Gerümpel in Brand geraten. Unsere Feuerwehr, die bald 
nach der Alarmierung unter Führung des Hrrrn Ober- 
brandmeisterS Stoltzenburg am Brandort erschien, konnte 
daS Feuer mit einigen Eimern Wasser löschen. 
o Polizeibericht. AIS gefunden sind hier angemeldet 
worden: 2 Portemonnaie«, 1 Ring, 1 Mantel, 1 Hand, 
wagen. 1 goldenes Armband, 1 Muffe. Tie rechtmäßigen 
Eigentümer werden aufgefordert, ihre Ansprüche binnen 
drei Monaten im hiesigen AmtSbüro, Handjerystr. 91/92, 
Zimmer Nr. 22. geltend zu machen, da sonst anderweit 
Über die Fundgegenstände verfügt werden wird. 
Fortsetzung des Lokalen in der Beilage. 
Aereins-KachrWen. 
Hcuie Freitag tagen: 
Amateur Photogrophenverein Sieglitz «riedmau. Sitzung jeden 
breilag */,9 Uhr bei Nadge, Momniskiyr. 46. Bäste willkommen. 
Der FlLmlng und die Uckermark Dis Märkte Gifillschaft von 
Freunden oer Photographie E SB. in Sieglitz veranstaltet am Montag, 
dem 3. Februar, Abends 8'/, Uhr im Festsaale des Gynnafiums, 
Heesestr. 15, ihren 7t. Lichtbiiocradend, in weichem Herr Oskar Bolle 
WllmerSdorf über den FlLmlng und die Uckermark sprechen wird. EL 
werden in Bildern voraeführt u. a. vcarth, der Hohe volm, Jäteibog, 
Zinna, Boitzenbuig der WcrbellUssc u. a. m. Karten zum freien 
Eintritt verabfolgt Herr Georg Schwabe, Schloßstr, 82 
SchömöSM 
— o Sitzung der Stadtverordneten am Montag, dem 3. Februar 
1913. Nachmittag 6 Uhr. Tagesordnung: 1. Ausgelegt werden dl« 
Berichte über die außeroidenlliche Mevifion der städtischen Kasse» vom 
15. Januar und die ordeniltLe Reviston der Sparkasse uno deren 
Zweigstellen vom 18. Januar 19.3. 2. Kenninisnahme von der Vor 
lage deS Magistrats detr. eben von der Zentralstelle fdcS Deutschen 
StLdletages herausgegebenen B-richt über die Lebensmillelversorgu-. g 
in den'ichcn Grcßsiädlen. 3. Desgl. betr. den Jahresabschluß der 
Elak sp rkasse unv deeen Zweigttellen für das Rrchi ungsjahr 1912. 
4 Wahl eines Ausschusses von 13 Mitgliedern für den Abschluß eine! 
Vertrages mit der A.-P. Echloßbrauerct Echöneberg. 5. Beschlußfassung 
über den Antrag det Etadtv. Bmvhuber u. Gen. betr. Verstärkung 
der KanalisationSdeputation um einen Bürgerdeputterten 6. Degl. 
über den Antrag der Etadtv. VLumler u. Gen. betr. die Vereinigung 
Berlins mit den Vororten. 7. Dcsgl. über die Vorlage de« Ma 
gistrats betr. Nachdewilllguna von 200 M. zum VerwaltungSetat 
der Sparkasse für 1912. '8. DeSgl. betr. Nachdewilligung von 1190 
Mark zum Bauetat A für 1912. 9. Dcsgl. betr. Annahme einer 
Schenkung. 10. DeSgl. betr. Einrichtung einer Midchen-Pflichtfort- 
bildungsschule. 11.-DeSgl betr Befchaffung von inländischem Fleische 
12. Bericht des Ausschusses für Einrichtung einer Wohnunglpstege und 
-aussicht. Drucks. 17 
—o Mit der Einrichlung einer Mädchen - Pflicht- 
fortbildungSschule werden sich die Stadtverordneten am 
Montag zu beschäftigen haben. Die Ausgaben werden für 
daS Jahr 1913 rund 7600 M. betragen. Die Gering 
fügigkeit dirseS Ansatzes erk.ärt sich dadurch, daß dir Fort 
bildungsschule für Mädchen, wie dies auch seinerzeit bei 
der Fortbildungsschule sü. Knaben geschah, selbstverständlich 
zunächst nur mit einem Jahrgang, den von Ostern au auS 
der Schule zur Entlassung kommenden Mädchen aufgebaut 
werden soll. Wenn die Schule fertig ausgebaut sein wird, 
so ist mit einem städtischen Zuschuß von 70—80 000 M., 
der ungefähr dem der KuabenfortbildungSschule gleich 
kommen wird, zu rechnen. 
—o Für die städtische Wohnungkpflege und 'aussicht, 
die zum 1. April eingerichtet werden soll, werden vom 
Magistrat 6500 M. angefordert. 
—o Der Königs. Kronenordrn 2. Klasse ist dem hier 
wohnhaften Intendantur- und Baurat a. D., Geh. Baurat 
Meyer verliehen worden. 
Violinisten bilden. Herr Krug mußt« sich zu zwei Zugaben 
entschließen. Nach einem kurzen Schlußwort schloß die 
reizende patriotische Feier. 
IWMffHLWo * 
*0 Das Verbot des gewerbsmäßigen Feilbietens von Waren, des 
Musizierens re. in den Eisenbahnzügen und innerhalb des Bahnge 
biets ist nachträglich noch verschärft worden. Neben der Feststellung der 
Personalien sollen die Dienststellen noch prüfen, ob die Zuwiderhan 
delnden auch im Besitze eines Wandergewerbescheines sind. Ist ’bieö 
nicht der Fall, so sollen die Betriebsämter den Uebertrcter nicht allein 
in Bahnpolizeistrase nehmen, sondern ihn auch dem zuständigen Amts 
anwalt wegen Gewerbcpolizei-Uebertretung anzeigen. 
'o Tarif-Verzeichnis der deutschen Eisenbahnen. Das im Ver- 
kehrsbureau des Reichs-Eifenbahn-Aintes ausgestellte .Verzeichnis samt- 
licher deutschen Eisenbahntarife, welches einen vollständigen und schnellen 
lieberblick über alle Einzelheiten der Personen und Gepäcktarife er 
möglicht, ist nach dem Stande vom I. Januar d. I neu herausgegeben 
worden. Die Ausgabe ist rund 200 Druckseiten stark und zuM Preise 
von 5 M. für das Stück vom Verlag (Jul. Springer, Berlin) zu beziehen. 
'o Den Straf- und Besserunargelaagenen soll künftig der Kaffee 
vusüßt we-den Während der Eisevbahnfahrt haben die Transport- 
letter den Gcfangtvin, in der Rigel morgens, mittags und abend», 
warmen Kaffee zu verabreichen. Bisher ist der von den Tranrport- 
leltern im Gefangener-wagen selbst zubereitete .Kaff« schwarz — ohne 
Zasotz von Milch oder Zucker — verabreicht worden; nur ouLnahm»- 
wcisc und zwar in der Provinz Schlefien hrbcn die Trankport- 
gefangenen auch seither schon 2 Siückchni Würfelzucker zum Kaffee er 
hallen. Da die Mitnahme von Mllchvorritm auf bell Transport un 
tunlich ist. hat Minister von Dallwitz zur Herbeiführung eine« gleich 
mäßigen Verfahrens bestimmt, d:ß hlnsort allgemein an die Trans- 
porlg-fangencn im Gefangenenwagen zu jed:r Portion Kcffe« 2 Stück 
Würfelzucker verabreicht weiden, die mittels etacS HolzloffepS einge- 
rührt werdrn können. v 
*o Moderne Wissenschaft. .Meine Entdeckaug, durch dl« ich da« 
menschliche Leben verlängern kann, ist nun fertig. Jetzt kann ich mich 
also wieder über meine Arbeit über die Explosivstoffe und Pulver für den 
Krieg machcn/ 
Merfiand. 
Die erste Pferdebahn in Berlin wurde 1870 in Betrieb gesetzt; 
es war die Linie von Cbarlottenburg bis zum Kupfergraben. 
Die höchste Effe DcuifchlandS befindet sich in Halkbrücke bei 
Freibcrg in Sachsen; sie ist 140 Meter hoch. Die zweithöchste fleht 
bei Düffeldoif (110 Meier), die triithöchste (90 Meter) haben vor 
kurzem die Bereinigten Bautzicr Papierfabriken bauen lassen. 
Nach den Volkszihlungscraebniffen vom 1. Dezember 1910 hatte 
Großbcrlin rund 3 700000 Einwohner, die Stadt allein (ohne die 
Vorort») 2 224 000 Einwohner. — Wien einschl. der Lo.ort« ist von 
2 004 291 Menschen bewohnt. 
Im Jahre 1908 gingen nach den Ländern seS-Wel postverein» 
über 41 Millionen deutsche Z-ttungsnummera. tt Mill. davon gingen 
allrin rach Oesterreich, 8'/, Will, nach der Schweiz, -6',', Mill. nach 
Rußland, 3 Mill. nach Belgien, 2'/, Mill nach den Niederlanden, 
1.8 Mill. nach Jtalini, 1.7 Mill. nach Dänemark, .1,1 MM. »ach 
Schweden, l Mill. nach Ungarn, beinah: 1 Mill. - nach Luxemburg, 
etwa die gleiche Anzahl nach unseren asrikantschen Schutzgebieten, 
reichlich '/, Mill nach Rumänien »I«. 
Am 23. Dezcmber 1911 find 50 Jahre verflossen, daß die beiden 
Gebiete Moldau und Walachei vereinigt wurden. Seitdem: Rumänien. 
Im Jahre 1516 wurde durch Franz von Taxis angeordnet, daß 
regelmäßig von Wiest rach Brüssel ein reitender Bote zur Beförderung 
von schriftlichen Miltetlungen zu senden sei. DaS war also in 
Deutschland die erste .Post'! 
Dle Bevölkerung deS Königreiche» Sachsen nimmt in jedem 
Monat um 5000, im Juhre also um 60 000 Menschen zu; I960 halte 
eS 4 200000, 1905 schon 4 500000 Bewohner. ^ 
Die Folter wurde in Sachsen erst vor "elwcklM Jahren, in 
Preußen vor 170 und in Oesterreich vor 1Ä5 Juyrcn endgültig 
abgeschafft. 1 
Dle dichtbevölkertste» Gegenden DeuischlandS find am Rhein und 
an der Elbe zu finden. 
8-ankrelchS Hauptstadt, Paris, hatte bereits im 13. Jahrhundert 
120000 Einwohner, 1695 200 000, 1715 500 090, 1850 gegen 
1 100 000 Einwohner. Gegenüber Paris hat sich also Berlin — daS 
vor 300 Jcchren doch ein Fsscherdoif war — wiit schneller entwickelt! 
Litterarisches. ' 
Wie mache ich Inventar und Bilanzabschluß? Die gesetzlichen Vor 
schriften in gemeinverständlicher Erliulcrung ntlst vllanzentwllrfen. 
Aus drr Praxis für die PrcxiS dngeflellt. (Verfasser HanS Lustig, 
kaufmännischer Sachverständiger und Bücherrevisor). Baumgartens 
Verlagsbuchhandlung, Saarbrücken 3. Preis 1,50 M. 4. Auflage. 
Wetterautfichtrn. 
Sonnabend: Zunächst vorwiegend trübe mit Nieder 
schlügen und starken südwestlichen Windsn. Später zeit 
weise aufklärend und wieder etwas kälter. 
Seranfworlüchrr Schrlftlelt:!: Hermann Slarttula« Friedina» 
Merlin mb 
§o Oeffentliche Vorträge und volkstümliche VortragS- 
reiheu am Institut für Meereskunde, Grorgenstr. 34/36. 
Montag, den 3. Februar: Dr. H. Sprthmann-Berlin: Die 
Gestade JlalienS (5. Vortrag der Reihe: Die Küsten und 
Häfen Europas: auSverkausl). —DienStag, den 4. d. M., 
Dr. A, Rühl-Berlin: Eine Reise nach den Vereinigten 
Staaten: I. San Francisco. — Freitag, den 7. Februar, 
Professor D. L. zur Strassen-Franksurt a. M.: Bau und 
Leben der Meerekpolyprn. Die Vorträge werden, soweit 
möglich, durch Lichtbilder erläutert. Beginn der Vorträge 
8 Uhr Abend«. Eintrittskarten zu 0.25 M. sind an den 
Vortragsabenden von 6 Uhr ab in der Geschäftsstelle 
(Georgenstraße 34/36) erhältlich | 
o Steglitz. Die KaifergeburtStagsfeier deS Eoang.» 
nationalen Arbeitervereins Steglitz fand lctzlen Mittwoch 
im Gemeindehause statt. Cie brachte hervorragende Ge 
nüsse, nachdem den offiziellen Teil, von den Herren 
Berggrau und Reichert durch die flott gespielte Jubel- 
ouvcrture (Klavier zu 4 Händen) eingeleitet, eine Ansprache 
deS Vorsitz ndrn Herrn Nuglisch mit dreifachem Hurra be 
endet hatte. Zunächst war cs ein glänzender Vortrag 
„Die KriegSereignisse von 1870 biS zur Uebergabe von 
Sedan", welchen Herr General von Trützschler-Falkenstein 
hielt. Ec,gab a» Hand von Wandkarten eine Darstellung 
dcr Entwicklung der drei deutschen Armeen,...schilderte be- 
sör.örrS kie" Schwenkung nach Norden, um eine Vereinigung 
der Armee Mcc Mahon's und der Bazaine'S zu ver 
hindern und gab ein packendes Bild der Umzingelung 
Sedans. Reicher Beifall zeigte, wie verständlich die Aus 
führungen waren und wie dankbar sie von den Zuhörern, 
welche den Säal dicht füllten, entgegengenommen wurden. 
Herr Referendar Krug hatte in bekannter Weise für 
musikalische Darbietungen Sorge getrogen. Frau Dr. 
Aßmann (Sopran) trat zum ersten Mal in dir Ocffentlich- 
kett und sang Braga's bekannte Serenade mit Klavier und 
Geigenbcgleitung, welche von Herrn Bkygrau und Herrn 
Krug stimmungsvoll auSgcführt wurde, ferner das neckische 
„Strampelchcn" und „Der Frühling ist dc." von Hildbach. 
Nahm die Künstlerin schon durch ihr angenehme Er 
scheinung gefangen, so tat e« erst recht ihr sympathische 
Stimme, die sie mit musikalischer Sicherheit behandelte. 
Die Anmut, welche der ans dem Herzen kommenden 
Stimme eigen ist, läßt unS hoffen, der Dame recht bald 
wieder begegnen zu dürfen. Eine Bravourleistung voll 
brachte sodann Herr Referendar K:ug mit der glänzenden 
Wiedergabe der BaU-tszene von Beriol, die mit ihrer 
Birtuosentkchnik ein Gradmcss-r für die Leistungen eines 
Hierzu «ine vstlaa«
        
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