Path:
Periodical volume Nr. 281, 30.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

werden dürften. Da sich zahlreiche Klubs und sonstige In 
teressenten überaus günstig über Vas Projekt, das einen 
Kostengpfwand von etwa 11 Millionen Mark erfordert, aus 
gesprochen haben, hofft man, das Projekt schon in aller 
nächster Zeit verwirklichen zu können. Da dieses Projekt 
für die gesamte Entwicklung der Stadt und insbesondere 
für die Erschließung des Südgeliindes von größter Bedeu 
tung werden kann, will die Stadt das Unternehmen auf 
jede Weise fördern. Insbesondere wirb die Stadt mehrere 
Millionen Hypotheken auf dem Grundstück stehen lassen. — 
Die Botschaft hör' ich wohl — allein .... 
o Eröffnung des ü. T. in Schöncberg. Nun haben 
wir auch in unmittelbarer Nähe von Friedenau ein U. T. 
Als in Berlin das eiste U. T. eröffnet wurde, da war das 
ein Ereignis für die Weltstadt. Das Kino wurde „vornehm", 
es wurde eine Stätte der. Erholung und der Unterhaltung 
auch für die sogen, besseren Kreise. Schnell hat das Bei 
spiel der „Union"-Gesellschaft Nachahmer gesunden. Ueberall 
entstanden wahre Prachtpaläste, in denen der Film die Be 
sucher unterhielt. Aber die Eigenart der U. I.-Lichtspiele ist 
geblieben und damit auch das anhaltende Interesse des 
Publikums für diese Kinobühne. Das eine ü. T. genügte 
bald nicht mehr dem Ansturm der großen Gemeinde der 
U. P.-Freunde. Es entstanden gar bald in allen Gegenden 
Großberlins Union-Paläste. Und gestern ist nun das neunte 
U. T. in unserer Nähe, Hauptstr. 49 (Ecke Mühlenstraße) 
in Schöneberg eröffnet worden. 
^ Gegen 1000 Personen wird das neue Haus aufnehmen können. 
Seine eindrucksvolle Front zeichnet sich klar ab von dem Häuser 
gewirr der Schönederger Hauptstraße. Die Erbauer — die 
Architekten Sälomon und Haupt — haben auf schlichte, aber ein 
dringliche Wirkung hingearbeitet, und es kann festgestellt werden, 
daß ihr Wollen Wirklichkeit geworden ist. Ter Innenarchitekt hat 
sich dem Ziel der Erbauer angepaßt. Biel Farbenfreude klingt in 
dem Raum, dem das satte Grün und das helle Gold den freund 
lichen, gefälligen Grundlon angeben. Auch hier waltet wieder das 
demokratische Prinzip, die billigen Plätze ebenso genau der Bühne 
gegenüberzulegen wie die teueren Sitzgelegenheiten. Und im 
Ganzen ist das neunte II. T., mit welchem Schöneberg sein erstes 
weltstädtisches Kino empfängt, ein gemütlicher Raum, der von 
matten Lichtern umspielt wird. Sich wohl zu fühlen in diesem 
Hause, wird nicht schwer sein. 
Bor einem geladenen Publikum fand gestern die Er 
öffnung um 5 Uhr statt. Ein von unserm Mitbürger 
Fchrn. v. Wolzogen verfaßter humorvoller Prolog, der in 
ein Zwiegespräch mit einem Theaterbesucher auslüuft, leitete 
die erste Vorstellung ein. Das Programm des neuen 
Hauses ist das Programm aller ü. T.: immer ein buntes, 
vollendetes. Das Beste muß auch für dieses Haus gerade 
gut genug sein. Der II. P.-Woche (Neues aus aller Welt) 
folgt die aktuelle Burleske '„Tango-Fieber", die in satirischer 
Weise die Tangomanie glossiert. „Die Ruinen von 
Louksor und Karnak", ist eine Erinnerung an die Glanz 
zeiten der Pharaonen. In dem mimischen Schauspiel „Die 
Film-Primadonna" erhalten wir Einblick in die Film- 
fabrikation, wir schauen hinter die Kulissen dieser jüngsten 
Schauspielkunst und bewundern das großartige mimische 
Talent der Kinokönigin Asta Nielsen. Wir sind gewiß, 
daß auch dieses neue II. T. den gleichen Zuspruch wie die 
übrigen Kinohäuser der „Union" findet. 
o Auf die Weihnachtskirmes, die der vaterländische 
Frauenverein am Montag, dem 1. Dezember d. I. in der 
Aula des Reformrealgymnasiums zum Besten seiner Krippe 
feiert, möchten wir noch einmal hinweisen. Wir machen, da 
ein Berliner Blatt eine gegenteilige, irreführende Nachricht 
gebracht hat, ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die 
Kirmes in der Aula in der fröhlichsten Weise mit Tanz 
und Musik veranstaltet wird und daß gegen die Benutzung 
des Raume- zu einem solchen Zwecke keinerlei Einwendungen 
fettend der Schulbehörde erhoben worden sind. Wir bitten 
unsere Bürger und Bürgerinnen um recht zahlreichen Besuch 
des Festes, das sicher ein sehr gelungenes werden wird. 
da alle Vorbereitungen in bester Weise getroffen sind und 
für Unterhaltung und gute Verpflegung von Klein und 
Groß, Alt und Jung aufs vortrefflichste gesorgt worden ist. 
Das Fest beginnt um 4 Uhr für die Kinder und um 8 Uhr 
für die Erwachsenen und ist mit einem reich beschickten 
Weihnachtsbazar verbunden, der gleichfalls um 4 Uhr 
beginnt. 
o Das Pädagogium für Musik, Dir. Frau Emmi 
Born und Georg Hilgenberg, Rheinstr. 5, veranstaltet 
am kommenden Freitag, dem 5. Dezember, abends 8 Uhr 
im Festsaal des Reform-Realgymnasiums, Homuthstr. 1/5, 
cm Konzert des Konservatorium-Orchesters unter Leitung 
von Herrn Georg Hilgenberg. Es gelangt zur Ausführung 
das „Concerto großo opus 6 D-moll" für Streichorchester 
und Klavier von Händel und die A-dur-Sinfonie Nr. 21 
für Streichorchester. 2 Flöten und 2 Hörner, von Mozart. 
Außerdem wird das „Allegro brillant' für Violine mit Be 
gleitung des Orchesters von W. ten Haoe, sowie das „Rondo 
brillant" für Klavier von Weber gespiel tund zwei Lieder von 
Schubert und Strauß gesungen. — Programme sind kosten 
los erhälllich in der Mukalienhandlung von Schwartz, 
Rheinstr. 60, in der Theaterkasse von A. Wertheim. 
Schmargendorferstraße, und im Pädagogium, Rheinstr. 5, 
sowie vor Beginn des Konzertes am Schuleingang. Der 
Eintritt ist frei. 
o HofpaUer in Berlin. Hofschauspieler Mar Hofpauer, 
dessen künstlerische Wirksamkeit hier in bester Erinnerung 
steht, wird in seinem am Montag, den 1. Dezember im 
Tiergartenhof stattfinden Portragsabend außer Rosegger und 
Schöilherr, zu dessen berufensten Interpreten er zählt, auch 
Münchener und Berliner Satiriker in das Programm des 
freien. Vortrags aufnehmen. 
o Vortragsabend der Gesangsschule Elly Recke. 
Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß die hier 
rühmlichst bekannte Konzertsängerin und Gesangspädagogin 
Elly Recke mit ihrer Gesangsschule, welcher eine größere 
Zahl von Friedenauer Damen angehört, am Sonntag, dem 
7. Dezember, Abends 8 Uhr, im Klindworth-Scharwenka- 
Saal, Berlin, Lützowstr. 76, ihren diesjährigen Vortrags 
abend veranstalten wird. Eintrittskarten zum Preise von 
2 M. und 1 M. sind in beschränkter Anzahl bei der 
Geschäftsstelle unseres Blattes, in der Musikalienhandlung 
von Stahl, Berlin, Potsdamerstr. 39, und an der Abendkasse 
erhältlich. 
o Cseise Woer^, an der .Kaisereiche. Den vielfachen 
Wünschen der ständigen Besucher des bekannten.Gase Woerz 
entsprechend, hat sich Herr K. Woerz entschlossen, vom 
1. Dezember ab eine neue Kapelle erstklassiger Ensemble- 
Künstler unter der Leitung des bekannten Kapellnnisters 
Herrn Walter Dell brück zu engagieren. Die Konzerte 
finden wie bisher, täglich von 8>/, Uhr bis 3 Uhr früh statt. 
Außerdem konzertiert die Kapelle an jedem Donnerstag und 
Sonntag von nachmittag 4 Uhr ab zu dem beliebten Unter 
haltungs-Tee. 
o Mundharmonikaklub „Silberstimme". Um einem 
„dringenden" Bedürfnisse abzuhelfen, haben die Mund 
harmonikaspieler Friedenaus einen Klub gebildet, der den 
hübschen Namen „Silberstimme" erhalten hat. Auch ein 
Klubabzeichen in rot-weiß mit Aufschrift ist bereits für die 
Mitglieder angeschafft worden. Die nächste Versainmlung 
des Klubs findet am Dienstag Abend 8 Uhr im Lokal des 
Herrn Jänicke, Laubacherstr. 10 statt. Es soll hier über 
die regelmäßigen Uebungsstunden beraten werden. Mund- 
harmonikaspieler sind in dieser Versammlung willkommen. 
Demnächst wird der Klub wohl auch ein „öffentliches" 
Konzert geben, um seine „Silberstimme" hören zu lassen. 
Unsere Einwohner können sich freuen! 
o Nnterschlagumg eines Oberpostassistenten. Tie 
Potsdamer Reichsdifzstplinarkammer verhandelte gegen den 
früheren Oberpostassistenten Karl Laase, der gegenwärtig im 
Strafgesängnis Tegel eine Strafe von zehn Monaten Ge 
fängnis wegen fortgesetzter Unterschlagung amtlicher Gelder 
verbüßt. L. war an einem Schöneberger Postamt tätig 
und hat durch ein raffiniertes Fälschungsverfahren in zu 
sammen 222 Fällen die Post um zirka 2000 M. geschädigt. 
Seine Manipulationen führte er derart aus, daß er bei der 
Einzahlung von Postanweisungen einen Teil zurückbehielt 
und nur einen bestimmten Bruchteil des eingezahlten Geldes 
in den Registern verbuchte. Obwohl L. in einfachen Ver 
hältnissen lebte, brauchte er große Summen, um seinen Ver 
bindlichkeiten, die er mit einem Neubau übernahm,t^gerech 
zu werden. Er wurde in Bauspekulationen übers Ohr ge 
hauen und verlor sein Barvermögen von 10 000 M., die 
Mitgift seiner Frau mit 25 000 M. und auch noch 14 000 M. 
vom Vermögen seines Schwiegervaters. Außerdem ver 
brauchte er die Unterstützngen seines Bruders in Höhe von 
8500 Dt. Bis zu den llnterschlagungen hatte sich L. vor- 
wurfsfrei..geführt. Zur Verhandlung erschien der Angeklagte 
licht. In einem Schreiben aus dem Gefängnis bat er, 
man möge ihm Teile der Pension auf einige Zeit lassen, 
damit er mit seiner Familie nicht der bittersten Not preisge 
geben sei und wieder ins bürgerliche Leben zurückkehren könne. 
Nach dem Antrage des Anklagevertreters wurde Laase wegen 
Dienstvergehens vom Dienst entlassen. Auf die Tauer von 
3 Jahren wurden ihni drei Viertel der Pension belassen. 
o Dem Rennfahrer Rütt ein Fahrrad gestohlen. 
Als gestern Mittag der Masseur Flamm sich zu dem hier 
wohnenden Rütt nach der Fregestr. 47 begeben wollte, fuhr 
er dorthin mit einer Rüttschen Maschine und ließ diese kurze 
Zeit im Vorkeller des Hauses stehen. Das hatte wohl ein 
Spitzbube bemerkt, der schon auf der Lauer stand. Der 
Gauner holte die Rennmaschine im Werte von über 200 
Mark heraus und radelte damit in unbekannte Fernen. 
Der Spitzbube wird folgendermaßen beschrieben: Schlanke 
Figur, schmales Gesicht, brauner Anzug, Alter etwa 
22 Jahre. Der Langfinger ist von verschiedenen Personen 
gesehen worden, daher wird vielleicht seine Ergreifung 
gelingen. 
o Aus geringfügiger Veranlassung das Leben ge 
nommen hat sich ein erst 14jähriger Schreiberlehrling 
Wilhelm Ruthenberg aus der Babelsberger Straße zu Wil 
mersdorf. Ter kaum den Kinderschuhen entwachsene Junge 
hatte nach seiner Schulentlassung Stellung als Schreiber bei 
einem Rechtsanwalt gefunden. Gleichzeitig lernte er Alters 
genossen kennen, durch deren Umgang der Junge mehr Geld 
ausgab als er Taschengeld hatte. Um sich ans der Ver 
legenheit zu helfen, ließ er sich auf seiner Arbeitsstelle Vor 
schuß geben. Durch einen Stellenwechsel fehlten ihm nun 
die fünf Mark an dem Gehalt, das ec zu Hause abliefern 
sollte. Er traute sich deshalb nicht heim und wurde schon 
seit dem 4. d. M. verniißt. Gestern landete man vor dem 
Grundstück Königin-Augusta-Straße 8 einen jungen Menschen 
aus dem Landwehrkanal, in denl später der verschwundene 
Wilhelm Ruthenberg erkannt wurde. 
o Bodeneinbruch. Im Hause Werstr. 23, räumten 
Diebe die Bodenkammern aus. Einer Frau D. wurden 
Betten und 2 Rucksäcke gestohlen. Bon den Tätern fehlt 
jede Spur. 
Vereins-nachrichten 
Am Montag tagen: 
Friedenauer Gesangverein für gemischten Chor: Uebungsstunden 
V t 9— Val 1 Uhr ini Hohenzollern, Handjerystr. 64. Dirigent: Musik 
direktor Heinrich Wcinreis. 
Ter Berliner Tonstkünstler-Verein veranstaltet am Montag, 
dem 1. Dezember, abends 8 Uhr im Theatersaal der Kgl. Hoch 
schule für Musik, Charlottenburg, Fasanenstr. 1 Portal V, seinen 
5. Vortragsabend. ' 
Schöncberg 
—o Dem hier wohnenden Postsekretäc Karl Konrad ist 
der Königl. Kronenorden 4. Klasse verliehen worden. 
Berlin uncl Vororte 
§o Der Pariser Platz in Berlin ist, noch ehe die neue 
Bestimmung des „Berliner Ortsstatutes gegen Verunstaltung 
des Stadtbildes" in Kraft tritt, vor einer Verunstaltung 
dadurch geschützt wordeu, daß man dem Hausbesitzer des 
Hauses Pariser Platz 1 die baupolizeiliche Genehmigung zum 
Bau eines Cafes in diesem Hause versagte. 
Vermischtes 
*o Bodoni. Seit dem Tode der hervorragenden italienischen 
Stempelfchneiders und Buchdruckers Giombatlista Bodoni sind 
heute 100 Jahre dahin. Bodoni erblickte das Licht der Welt in 
Saluzzo am 16. Februar 1740; er starb in Padua. Weithin be 
rühmt sind seine prachtvollen Klassikerausgaben. 
*d Morgen ist Andreastag, einer jener Tage, die früher im 
Volksglauben eine sehr hohe Bedeutung besaßen. Andreas war 
eilt Apostel Jesu, Petri Bruder, und stammte ntls Bethsaida ani 
See Genezareth, wo sein Vater Jona als Fischer sein Leben 
fristete. Andreas soll, nachdem er den Skythen, sogar jenen am 
llfer der Donau und der Wolga, das Christentum gepredigt hatte, 
in Griechenland gekreuzigt worden sein. Tie Feier des 80.November 
schreibt sich schon aus der heidnischen Zeit her. Vor allen Dingen 
ist festzustellen, daß mit dem 30. November das alte germanische 
ahr zur Neige ging und daß nun drei Wochen der Rüste oder 
orbereitung folgten, welche das Winterjulsest, jetzt Weihnachten, 
einleiteten. Zu Weihnachten sind die kürzesten Tage, und von da 
nehmen die Tage an Länge wieder zu. Wie sehr mochte unser so 
sehr voin Klima abhängiges Volk danach seufzen, daß die Tage 
wieder hell wurden. Taruni brannte man zum Winterjulsest (jetzt 
Weihnachten) große hölzerne, strohumwundene Räder an und ließ 
sie sprühend und züngelnd bergab sausen. Man verknüpfte mit der 
Feier des Andreastages alle die heidnischen Gebräuche, die früher 
dem Heidengotte „Frä" galten. 
Wetteraussichten. 
Sonntag: Mild und zeitweise aufklarend, jedoch vor 
wiegend trübe mit Regenfällen und sehr lebhaften westlichen 
Winden. 
VerantwortlicherSchristleiter-Hermann MartiniuS Friedenau. 
Hierzu zwei BeilagenI 
Größte Leistungsfähigkeit in modernsten Damen- und Herren 
c*<sj (rf 
M m M w im 
ff M IW 
nJLWso rmdS&5G - 
König-Strasse 34 
Tauentzicn-Sirasse 10 
Oranicn -Strasse 47a 
Müller-.Strasse 3a 
leipziger Strasse 65 
Friedenau, Rheinst. 14 
Oranien-Slra&se 54 
Neukölln, bergsfr. 7-ö 
Moabit, Tuii-.ni. 5p 
GcriiHorte irnd doppeis o1.iige 
Stielel in den neuesten Formen. 
Stiefel m?t Koi k-Zwischensoh'e 
L'ee.Ci Leimt: ccQ'-'n Ci!;ii!tun;j, M 12.50 und 
Kinderstiefel, auch mit Doppelsohle, 
rationell gearbeitet, besonders billig. 
Kamel ha a rschuhe « Gummischuhe. 
V. - //>/^, Ai ///, ;s. s.ts/sfsS*. sst. /,V.W.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.