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Periodical volume Nr. 281, 30.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Allparteiische 
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(Friedenauer 
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^seäin kvlttvock: 
Witzblatt „Seifenblasen". 
Erscheint täglich aöend 
Zeitung.) 
Organ für den §riedenauer Ortsteil non Zchdneberg und 
Zezirtsverein Züdmest. 
Krilagen 
Ofden Sonntag: 
Blätter für deutsche fraucn. 
Druck itnb Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
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Yr. 281. 
Ijerlin-Iriedenau, Sonntag, den 30. Aovemtier 1013. 
20. Icchrg. 
Dem Jubilar. 
Der „Haus- und Grundbesitzer-Verein zu 
Berlin-Friedenau" begeht heute durch Fest 
essen und Vall in der Aula des Reforinreal- 
aymnasiunis die Feier seines llöjahrigeil 
Stiftungsfestes. 
Die Dürgerkraft, die in der Einheit 
Sich cst bewährt, den Teutschen ziert. 
Die hast Tu für die Allgemeinheit 
Zu schönen Taten hier geführt. 
Es schien das Ziel wohl sehr vermessen 
Ein Mittelpunkt der OrlSint ressen 
In Friedenau zu sein. 
Du hast den Widerstand bezwungen, 
Was Du erstrebt, hast Du erreicht, 
Den ersten Platz hast Du errungen, 
Dein Wirken keinem andern gleicht. 
Was Tu für Friedenau gewesen, 
Wird man in der Geschichte lesen 
Vom Orte und Verein. 
Dein Schaffen war von reichem Segen 
Für unsern Ort — nichts steht so fest. 
Streb' weiter ans den gleichen Wegen 
Dies unser Wunsch zum heut'gen Fest. 
Dann wirst auch reichen Dank erfahren, 
Wenn Tu nach 25 Jahren 
Erstrahlst im gold'nen Schein. M. 
Depeschen 
Letzte üachriditen 
Zabern. Gestern abend kam es hier aufs neue zu er 
regten Szenen, zum Einschreiten des Militärs und zu zahl 
reichen Verhaftungen, lieber den Anlast dazu wird be 
richtet, daß in der Nähe des Leutnants v. Forstner einige 
Offiziere zusammenstünden, als gerade die Fortbildungsschule 
geschloffen wurde. Aus derMillederjungen LeulefielenSchmäh- 
ruse auf Leutnant von Forstner, worauf Leutnant Schadt die 
Wache alarmieren, Bajonett aufpflanzen und die Straßen 
räumen ließ, zunächst die Hohbarrstraße, dann die Haupt 
straße. Unter den Verhafteten sollen sich auch einige richter 
liche Beamte befinden, die sich auf der Straße befanden, 
weil im Landgerichlsgerichtsgebäude gerade ein großer Prozeß 
zu Ende gegangen war. 
München. In der bayerischen Kammer der Abge 
ordneten sprach sich Ministerpräsident Freiherr v. Hertling 
in ausfallender Weise gegen weitere Militärrüstnngen, die 
crwa von der Regierung beabsichtigt sein sollten, aus. Bei 
der Beratung des Etats des Aeußern fragte der sozialdemo 
kratische Abgeordnete Segitz an, ob es richtig sei. daß Bayern 
sich bei Beratung der letzten Militärvorlage besonders eifrig 
betätigt und sogar auf eine andere Regierung eingewirkt, 
die ursprünglich gegen die Militärvorlage mar, so daß diese 
dann schweren Herzens unter dem Druck Bayerns der Vor 
lage zugestimmt habe. Freiherr v. Hertling antwortete: 
.Davon kann keine Rede sein. Aber ich stehe nicht an, 
heute an dieser Stelle ausdrücklich zu erklären und zu 
betonen, daß jetzt in bezug auf Militärvorlagen endlich 
Ruhe eintreten muß. Denn ans Jahre hinaus" — ec 
sagte das mit erhobener Stimme — „ist das deutsche Volk 
nicht imstande, die Kosten weiterer Militäroorlagen zu tragen." 
Seine Erklärung fand auf allen Seiten des Hauses leb 
hafte Zustimmung. 
Krakau. Ter Leiter einer Reuporker Tiamantensirma, 
David Bloch, ist verhaftet worden, weil er dringend ver 
dächtig ist, die ihm anvertrauten Brillanten im Werte von 
einer halben Million unterschlagen zu haben. 
Lyon. Gestern hielt der Zeichner und Agitatcr Zislin 
einen Vortrag über Elsaß-Lothringen. Er erklärte, daß die 
Elsässer wie ein Mann in ewiger Liebe an Frankreich und 
die französische Kultur hängen. Im Verlauf seiner Rede 
richtete er auch einige Angriffe gegen Deutschland. Sein 
Vortrag fand starken Beifall. 
Madlid. In Tentecovejuna sind in Andalusien 150 
Personen infolge Genusses von Wurst unter schweren Ver- 
giflungserscheinungen erkrankt. Drei der Erkrankten sind 
bereits gestorben. 
Presseämter cier Gemeinden, ihre 
Ausgabe unci Organisation. 
Von Rechtsanwalt Tr. Willy Berthold, Großenhain bei Tresdcn- 
Jm Gegensatze zum Staate, der die Presse beeinflußt 
oder es wenigstens versucht hat. solange es überhaupt eine 
solche gibt, haben die Städte einen derartigen Einfluß nicht 
zu erreichen vermocht. Während es jetzt in fast allen 
Staaten Presseämter, Preßabteilungen usw. gibt, die zum 
Teil eine sehr lebhafte und tiefgreisende Tätigkeit entfalten, 
haben, soweit bis jetzt darüber etwas in die Oeffentlichkeit 
gedrungen ist, nur 6 deutsche Städte und zwar auch erst in 
jüngster Zeit, derartige Einrichtungen getroffen, die ver 
schiedene Namen führen. In Berlin z. B. besteht seit dem 
l. Oktober 1909 ein „Nachrichten"-, in Berlin-Schöneberg 
ein „Pressebüro", in Berlin-Wilmersdorf ein „Nachrichten 
büro", und endlich ganz neuerdings in Dortmund eine 
„Nachrichtenstelle". Der Einfachheit halber und weil die Be 
zeichnung „Nachrichtenamt" den ihnen gestellten Aufgaben 
kreis nicht vollständig umschreibt, halte ich die Benennung 
als „Presseämter" für die zweckmäßigste, alle verfolgen 
trotz des Namensimterschiedes dieselben Zwecke, und es 
sind ihnen auch nahezu dieselben Aufgaben zugewiesen, 
wie sich aus ihren „Dienstanweistmgen" oder „Satzungen" ergibt. 
Die Aufgaben des Berliner Nachrichtenamtes werden 
in einer Verfügung des Oberbürgermeisters an sämtliche 
dem Magistrat unterstehenden städtischen Verwaltungsstellen 
vom 13. September 1909 kurz dahin zusammengefaßt, daß 
es noch Wunsch der einzelnen Verwaltungsstellen die Presse 
über die wichtige Vorgänge innerhalb der städtischen Ver 
waltung in einer den amtlichen Ursprung erkennbar machenden 
Form zu unterrichten habe. 
Etwas ausführlicher umschreibt die Dienstanweisung für 
das Nachrichtenamt der Stadt Nürnberg — vom 2. April 1912 
— dessen Wirkungskreis. Nach § 2 soll das Amt den 
Verkehr zwischen der Oeffentlichkeit (Presse) und der städtischen 
Verwaltung vermitteln und auch sonst für die Verwaltung 
schriftstellerisch tätig sein. Insbesondere gehört zu den 
Obliegenheiten die Abfassung von Artikeln, Korrespondenzen 
oder sonstigen Mitteilungen über städtische Angelegenheiten, 
die zur Veröffentlichung geeignet sind, ferner die Erteilung 
schriftlicher und mündlicher Auskünfte über städtische An 
gelegenheiten an die Pceffe, endlich die Entgegennahme und 
Behandlung von Wünschen der Preffe über alle die dienst 
lichen Beziehungen der Sladtgemeinde zur Preffe betreffenden 
Angelegenheiten. 
Noch eingehender schildert die „Dienstanweisung für 
das Literarische Büro" der Stadt Mannheim die Pflichten, 
indem es, abgesehen von den in der Nürnberger Anweisung 
aufgezählten, noch die druckreife Bearbeitung von Artikeln 
usw. über städtische Angelegenheiten, die von anderer Seile 
dem Oberbürgermeister zur Genehmigung vorgelegt und von 
diesem dem Büro überwiesen werden, hinzugefügt. Die 
Dortmunder Nachrichtenstelle hat außerdem nach ihren 
Grundsätzen vom September 1912 die Vermittlung von an 
die Stadtverordnetenversammlung gerichteten Magistrats 
vorlagen an die Preffe zu besorgen und in besonderen 
Fällen Artikel, die in der Preffe über allgemein inter 
essierende städtische Angelegenheiten erschienen sind, weiter 
zu verfolgen, endlich alle Wünsche und Beschwerden der 
Preffe über Zustellung städtischer Drucksachen und über alle 
sonstigen, die dienstlichen Beziehungen der Stadtgemeinde 
zur Preffe betreffenden Angelegenheiten, insbesondere auch 
die Zulassung der Preffe und die Platzverteilung an die 
Vertreter der Presse bei größeren Veranstaltungen entgegen 
zunehmen und zu behandeln. 
Berlin-Wilmersdorf hat für sein Büro keine Geschäfts- 
unweisung erlassen und in Berlin-Schöneberg ist eine solche 
nur „in einer für die innere Verwaltung der Stadtgemeinde 
bestimmten Form ergangen", sodaß daraus nichts mitge 
teilt werden konnte. Doch sind. Notizen in den Mit 
teilungen der Zentralstelle des Deutschen Städtetages zu 
folge, die Aufgaben der beiden Büros auch nicht anders als 
bei den übrigen gesteckt. 
3. Wie der Name, so ist auch die Organisation der 
einzelnen Aemter sehr verschieden geregelt. Die Dort 
munder Nachrichtenstelle untersteht unmittelbar dem Ober 
bürgermeister. An der Spitze des Berliner Nachrichten 
amtes steht ein Magistratsassessor, in Nürnberg ist es ein 
vom Stadtmagistrat ernannter Beamter, Leiter des Schöne 
berger ist ein Schriftsteller als Hilfsarbeiter des Magistrats, 
das Berlin-Wilmersdorfer hat einen Stadtrat zum Dezer 
nenten, während über die Einrichtung des Mannheimer 
Literarischen Büros nichts,in Erfahrung gebracht werden konnte. 
Den inneren Betrieb der Aemter, zumal den Verkehr 
mit den anderen Abteilungen der Stadtverwaltung und das 
einzuhaltende Verfahren, sowie die Auswahl der für die 
Presse zu bearbeitenden Sachen regeln die Dienstanweisungen 
meist recht genau. Alle stimmen sie darin überein, daß die 
einzelnen städtischen Aemter bei allen erwünscht erscheinen 
den Mitteilungen an die Preffe, sich der Vermittelung des 
Nachrichtenamtes zu bedienen haben, und nur in besonderen 
Fällen sind die Vorsteher der einzelnen Aemter ermächtigt, 
in unmittelbaren Verkehr mit der Preffe zu treten, muffen 
Sylvias Lkiaukkeur. 
Noma» von Loul» Tracy. 
(Nachdruck verboten.) 
„Aufzuwarten, Miß Pendketon!" 
„Ich freue mich, daß es mir gelungen iff. Sie noch zu 
erreichen. Ick, vermutete nämlich, daß Sie sehr schnell 
fahren und sich nicht lange in Karlsruhe aufhalten würben." 
Er lachte. 
„Y Evastöchterchen!" ging cs ihm durch den Sinn. 
Den ganzen Tag hatte sie ihm freigegeben, und doch 
hielt sie es für vollkommen selbstverständlich, daß er mit 
Windeseile zu ihr zurückkehren würde. Daß sie naiv ge 
nug war, es ihm zu verraten, sprach für di? innere 
Wahrhaftigkeit ihrer Natur und machte ihn noch um ein 
gut Teil glücklicher, als er es schon vor diesem Augenblick 
gewesen war. 
Sylvia aber hatte ein feines Ohr, wie die meisten 
ihres Geschlechts. 
„Warum lachen Sie denn?" fragte sie. „Habe ich 
etwas so Komisches gesagt?" 
„Komisches? Nein, gewiß nicht. Miß Pendleton! 
Mein Lachen war nur ein unwillkürlicher Ausdruck der 
Freude über Ihren Scharfsinn. Denn wenn ich nicht 
unterwegs einen kleinen Aufenthalt mit meinem Motor 
gehabt hätte, befände ich mich in der Tat jetzt bereits auf 
dem Rückwege nach Königsruh." 
Dann erinnerte er sich wieder des Zwischenfalls mit 
seinem Vater, und weil er sich nicht verhehlen durfte, daß 
dieser Zwischenfall möglicherweise einen sehr bedeutsamen 
Einfluß aus den weiteren LeAaas der Dinge üben konnte. 
hielt er es für seine Pflicht, Sylvia gewissermaßen vor 
zubereiten. 
„Dieser Aufenthalt bildete allerdings nur eine Ursache 
meiner verspäteten Rückkehr. Es gab aber auch noch 
andere." 
„Ab, Sie werden also auch jetzt noch nicht abfahren 
können?" 
„Doch — ich werde. Noch vor dem Gabelfrühstück 
bin ich wieder im Hotel Bellevue." 
„Frau von Riedberg befindet sich glücklicherweise be 
deutend besser. Und sie klagt fortwährend, daß ich um 
ihretwillen heute vormittag zu Hause geblieben sei." 
„Frau von Riedberg entwickelt wahrhaftig himmlische 
Eigenschaften," sagte er laut, in der Stille seines Herzens 
aber fügte er hinzu: 
„Die alte Kage hat natürlich eingesehen, daß sie eine 
Dummheit gemacht hat." 
Aus dem Apparat aber klang wieder die süße Mäd 
chenstimme: 
„Ich habe mich mit Ihnen in Verbindung gesetzt, weil 
ich Sie bitten wollte, die Zimmer für mich zu bezahlen, 
die ich in dem dorngen Hotei bestellt, aber bis jetzt nicht 
in Anspruch genommen habe. Außerdem lassen Sie sich 
vielleicht die Post aushändigen, die all r Wahrscheinlichkeit 
nach inzwischen dorr für mich eingelaufen ist. Und dann 
geben Sie den Leuten die Adresse des Hotels, das wir in 
Stuttgart bewohnen werden. Wollen Sie Oie Freundlich 
keit haben, das alles zu besorgen?" 
„Selbstverständlich. Es wwd ja nicht die geringsten 
Schwierigkeiten haben." 
„Ist es hübsch in Karlsruhe?" 
„Ich weiß nicht. Mir persönlich kommt es merkwürdig 
leer oj.x, insosern als mir bestänoia etwas fedlt." 
„Adieu, Herr Westeiiholtz! Vergessen Sie nur meine 
Briefe nicht. Ich habe schon seit mehreren Tagen nichts 
mehr von meinem Papa geyört." 
In dieser Hinsicht hatte ich es dann allerdings besser 
als Sie. Ich habe soeben hier in Karlsruhe von dem 
meinigen gehört." 
„Unvermutet?" 
„So unvermutet, als man sich's nur vorstellen kann." 
„Aber doch hoffentlich nichts Unangenehmes?" 
„Wie mau's nehmen will. Es kommt zuweilen vor, 
daß sein lebhaftes Temperament mit dem alten Herrn 
durchgeht. Aber die Sache ist nicht allzu schlimm. Er wird 
es überleben — und, wie ich zuversichtlich hoffe, sogar 
um viele Jahre." 
„Sie dürfen nicht solche Scherze machen, wenn es sich 
um Ihren Vater handeln Wahrscheinlich ist er erzürnt, 
weil Sie sich entschlossen haben, länger bei un>erer Tour 
zu bleiben und weil er Sie deshalb gestern vergebens 
in Frankfurt zurückerwartet hat. Wie? Was sagten Sie 
eben ?" 
„Oh, e; war nur ein erneuter Ausdruck der Bewun 
derung für Ihren erstaunlichen Scharfsinn. In der Tat, 
es würde eine unverantwortliche Luge sein, wenn ich 
Ihnen erwidern sollte, daß Sie sich in Ihrer Vermutung 
tauschen." 
„Nun? Und was werden Sie jetzt tun?" 
„Ich werte meinen! alten Herr,! schreiben, daß er 
mich nicht verdammen dürje, bevor er nicht Gelegenheit 
gehabt hat, Sie zu sehen. Und ich weroe in meiner 
Eyrlichleit sogar so weit gegen, ihn ausdrücklich vor Ihrer 
Unwiderstehlichkeit zu warnen." 
„Noch einmal adieu, Herr Westenholtzl" klang es 
ernst und mit einem nicht mißzuverstehenden Nachdruck in
        
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