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Periodical volume Nr. 27, 31.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

sind au-drücklich als Jugendvorstellungen unter Angabe 
dcS Epielplar.S an den Eingängen zu bezeichnen. (Bergl. 
die amtliche Bekanntmachung in dieser Nummer.) 
o Die Anmeldungen zur Stammrolle mllifm 
bis morgen ersolgt sein. Die Militärpflichtigen in unserer 
Gemeinde werden ersucht, soweit sie ihre Anmeldung zur 
Stammrolle noch nicht bewirkt Haben, sich unter Vorlegung 
bet GebunS schein- im hiesigen Militärbliro, Feurigstr. 8. 
anzumelden. Wie uni mitgeteilt wird, flehen ncch eine 
größere Anzahl Anmeldungen ans. 
o Die steuerpolitische Vereinigung von Berlin 
mit seinen Vororten soll von Schömberg ouS angestrebt 
werden. Die sozialdemokratische Fraktion der Stadt- 
verordnetenversummiung unserer Nachbar stadt hat den 
folgenden Antrag eingebracht: -Die Stadtverordnetkn- 
versammlung ersucht den Magistrat, aus Anlaß der zur 
Zrit stattfindenden Vrrhandiungen betr. Eingemeindung 
von Treptow in Berlin sich mit den Behörden der anderen 
Vororlgemetnden von Berlin in Verbindung zu setzen, um 
die immer dringender gewordene administrative oder 
mindestens steuei politische Bereinigung von Berlin mit 
leinen Vororten bei der Regierung und d^n gesetzgebenden 
Körpern Preußens eindrucksvoll zu betreiben. 
o Kirchliches. Wegen der Krankheit deS Herrn 
Pfarrer Görnandt muß in der Prediglordnung für Sonntag, 
den 2. Februar, folgende Aenderung eintreten. Vormittags 
10 Uhr wird Pastor Kleine den Gottesdienst halten, 
während für Nachmittage 6 Uhr Pastor Bronisch aus 
Lichterfelde die Predigt übernommen hat. 
o Schveesturm Bsi heftigem Winde setzte heute 
Vormittag ein starker Schneefall ein. Die Straßen wiesen 
gar bald ein dicke Schneedecke auf. Unsere Straßeu- 
reinigung war ständig bemüht, die Hauptverkehrswege, die 
Uebergänge sowie die Haltestellen der Straßenbahn freizu 
legen, aber bet den unablässig niederfallenden, vom Winde 
getriebenen Flocken, gelang ihr dies nicht vollkommen. Der 
Schneefall hatte auch erhebliche Verkehrsstörungen im Ge 
folge. Die Pferde kamen nur mühsam vorwärts und ver 
schiedentlich blieben Fuhrwerke auf den Schienen der 
Straßenbahn liegen. Nach dem Schöneberger OrtSteil war 
der Gtraßenbühnverkehr lange Zeit dadurch unterbunden, 
daß die Weichen an der Kaifereiche einfroren. So mußten 
die nach der NubenSstraße verkehrenden Bahnen zeitweise 
nach Steglitz geführt werden. 
o AIs wirksamer Wohnuogsvermittler hat sich 
der mit dem „Friedenauer Lokal Änzriger" verbundene 
„Friedenauer Wohnung-anzeiger" bisher bestens bewährt. 
Für nur 40 Pfg. die Zeile erscheinen die Anzeigen eine 
volle Woche hindurch im „Friedenauer Lokal-Anzeiger" 
und in den Anschlägen an den Wannsee- und Ringbahn- 
Höfen in Friedenau und Berlin (Potsdamer Bahnhof). 
Jeder Vermieter von Wohnungen, Läden, leeren oder 
rböblierten Zimmern usw. inseriere daher im Friedenauer 
WohnungS-Anzeiger. Die Anzeigen müflen jedoch bis 
Sonnabend Mittag Punkt 12 Uhr im Belitz der 
Geschäftsstelle, Rheinstraße 15, sein. Anzeigen, die nach 
12. Uhr kommen, müflen biS Montag zurückbleiben und 
k'ornmeü Picht ln die Anschläge. " ' ' ' ", 
o Vor dem Tchuldevmachen sich zu hüten hat 
die Eisenbahndireklion neuerdings an Beamte und Arbeiter 
eine Mahnung unter dem Hinweise darauf gerichtet, daß 
die Pfändungen von Diensteinkommcn bei diesen erheblich 
zugenommen haben. In der diesbezüglichen Verfügung 
heißt ei u. a.: 
Ein Tckl d'r Bedlcnfl-t-n mach; ltichistrlig über seine Zahlung?, 
fähigkeit hinan? Aufwendungen, und müsse daher vor Angeboten von 
Gefrästen, welche durch SewShrung von gewissem Kredit leicht zu un- 
völigen Anschaff ingen verleiten, gesamt werden; unwürdig fei es 
auch, einen derartigen auf Grund der Beamlenelgenschaft bewilligten 
Kredit zu mißbrauchen. Insonderheit seien die häufigen Pfändungen 
wegen unbezahftcr Steuern zu mißbilligen, denn die Beamten verletzen, 
wenn sie die Entrichtung dec Steuern unterlassen, ihre Pflichten atS 
Staatsbürger Die Behö:den f ll-n dagegen streng vorgehen. 
o Für Reisende mit Hunden sind bekanntlich 
vor Jahresfrist auch Nichtraucher-Abteile in den Berliner 
Stadt- und Bororlzügcn eingeführt wordrn. Diese Ein 
richtung hat sich durchaus bewährt und soll daher bei 
behalten werden. 
Gitters und verbargen vollständig das alte Haus mit ihren 
dunklen Zweigen. 
Trenkley vermied die Nachbarschaft des Fahrweges, 
der vom Eingangstor nach dem Hanse führte. Als die 
Bäume aufhörten, schaute er erst aufmerksam den Weg 
hinunter, ob niemand käme, ehe er sich aus dem Schutz 
der Bäume in den offenen Raum wagte. Erst als er sich 
überzeugt hatte, das; niemand in Sicht mar, ging er mit 
raschen Schritten auf die Haustür zu und zog die Klingel. 
Die Tür wurde sofort von demselben Diener in Livree ge 
öffnet, der auch Sir William und Julius eingelassen hatte. 
Aber bei dieser Gelegenheit schien cs nicht nötig, nach 
dem Namen des Besuchers zu fragen. Herr Trenkley trat 
sofort ein und wurde mit eincin vertrauten Kopfnicken be 
grüßt. — 
„Na, Louis, das Landleben und die hübschen Kleider 
scheinen dir gut zu bekommen," sagte der Sekretär in vor 
sichtig gedämpften Ton. Dann senkte er die Stimme noch 
mehr und fügte hinzu: „Ist das Fräulein Unschuld in der 
Nähe? Sie darf mich auf reinen Fall sehen." 
„Dafür ist schon gesorgt," erwiderte der Mann mit 
seinem leisen französischen Akzent. Die Komtesse hat ihr 
oben im östlichen Flügel eine Beschäftigung gegeben." 
Louis ging voran und führte den Sekretär in das ele 
gante, kleine Zimmer, wo auch die beiden Herren aus der 
Billa Siebeneichen empfangen worden waren, als sie ihren 
Pfüchtbesuch machten. 
Diesmal war Herr Franz Scharnock bei seiner Mutter, 
aber merkwürdigerweise war von einem Rollstuhl nichts 
zu sehen. Der Kranke stand, ein Bild blühender Gesund 
heit, auf dem Teppich vor dem Kamin. Ohne die Decken, 
die seine körperlichen Verhältnisse verhüllt hatten, konnte 
man jetzt erkennen, daß er ein schlanker, beweglicher 
Mann war, in dessen wohlgebauten Gliedern gelenkige 
Kraft lag. Der vergeistigte Ausdruck in dem Gesicht des 
Wohltäters der Menschheit war heut düsterer Verschlagen 
heit gewichen. Der Blick, init dem er Trenkley maß, als 
dieser eintrat, war nicht unfreundlich. aber wohlwollend 
o Zu einem ViSbelnesse« hatte unser Gemeinde- 
ältester Herr Gehrimrat Homuth gestern Abend die Herren 
der Gemeindevertretung nach dem Restaurant „Kaiser-Eiche" 
gelapen. Sr waren Herr Bürgermeister Walger, fast alle 
Schöffen und Gemkindköerordneten sowie die Herren Assessors, 
Grundmänn und Bürödirektor Sudan dieser Einladung 
gefolgt. Nachdem Herr Geheimral Homuty sein« Gäste 
begrüßt hatte, nahm Herr Bürgermeister Walger dar Wort, 
um die Verdienste des Gastgebers um Friedenau zu preisen 
und rin Hoch aus Herrn Gkhcimrat Homulh auszubringen. 
Dieser dankte für die ihn ehrenden Worte. Nach dem 
Essen, das allen Teilnehmern ausgezeichnet mundete, unter- 
htelleii sich die Herren in kleinen Gruppen über verschiedene 
innere Gemeindeangelegenhtiten. E.st nach Mitternacht, 
wurden einige gemeinschaftliche Lieder gesungen. 
o Unentgeltliche hygienische Vortragskurse 
werden im nächsten Monat wieder vom Zmiral-Äu-schuß 
d»r Krankenkassen Berlins und der Vororre veranstaltet. 
In Friedenau finden die Kurse jeden Montag, Abend- 
tz Uhr, in der Aula dek> Gymnasium» am Maybachplatz 
stall. Der erste Boitrag ist am Montag, dem 3. Februar. 
Herr Dr. R, Mcktenzoeig spricht Uber: .Psychiatrie medt- 
ztriischer und juristischer Art." 
o Missiontstunde. Montag, abeydS 8 Uhr wird 
Herr Misstor-Sinspeklor Foertsch im Goßnerschen MsisiooS- 
hause, Handjerystr. 19/20, die monatliche Missionkstunde 
halten. 
o Der EiSlaussport kann wieder ausgeübt werden. 
DaS Frostwetlcr der letzten Tage hot die Bildung einer 
festen, spiegelglatten Fläche auf unseren Eitbahnen er 
möglicht. Besonders bevorzugt werden von den Eissport- 
freunden die ausgedehnten! Eisbahnen von Wilh. Grube 
am Elektrizitätswerk (Laubacher Straße) und an der Wies 
badener Straße, zwischen Rheingau- und Homuthstraße. 
Für unsere Jugend dürste et von Interests sein, zu hören, 
daß unsere Gemeinde bezüglich Benutzung der Srubeschen 
Eisbahnen genau bis selben Bedingungen erzielt hat, wie 
sic mir dem Eisbahnpächter Zimmermann vereinbart sind. 
Darnach haben Schüler, wenn sie klaflenweife untrr Führung 
eines Lehrers die Grubeschen E,«bahnen in der Zeit von 
9 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags benutzru. freien Zu 
tritt. Jugendlichen, soweit sie der Jugendpflege''unter 
stehen, ist der Preis für einmalige Benutzung der Eis 
bahn auf 5 Pfg. (im Abonnement auf 2 M) ermäßigt. 
o „Ein Riesengebirgsfsft auf der Schneckoppe" 
findet zum Besten der Kinder-Bolkkküchen und BolkS- 
Ninderhorte am Donnerstag, dem 6. Februar, Abend- 
tz Uhr in den Gesamträumen deS Kxoll'schen Etablissements 
statt. Die Gesamträume von Kroll werden Dank der 
Liebenswürdigkeit dcS „RiesengebirgSvereinS" mit wunder 
vollen Original-Dekorationen ausgestattet sein. In der 
Ferne winken die Mittagssteine an der Prinzheinrichbaude, 
groteske FeiSformationen und der Koppenplan mit der 
Riesenbaude rufen die Reize einer Kammwanderung in die 
Erinnerung zurück. Weiter grüßen der KönigSweg und 
die Schneckoppe. Im Bordergrunde erblickt man den 
Mrlzergrund, link- die neue Schltfifche Baude und die 
.-Echneegrubenbaude und am Fuße der Berge, noch gut,er 
kennbar, HermSdorf mit der Ruine Kynast, Warmbrunn, 
Schrciberhau und Cplndelmühl. Kunstvolle Tanzreigen 
und interrffante Schuhplattler Vorführungen, Schießstände, 
Rutschbahnen, die Schwemme werden die auSgelaflene 
Stimmung vervollständigen Helsen. Eintrittskarten 3 M., 
Logenplätze zu 5 M. sind im Bereinsbüro, Schoperstr. 34 
und bei SI. Wirtheim, Lerpzigerstr. 132-137 zu haben. 
Auf Wunsch werden die Einlaßkarten vom VcrcinS-Büro 
zugesandt. 
o Zum Besten der Freiwilligen TanitätS» 
koloune vom Roten Kreuz der Provinz Biandenbürg 
findet am 19. März d. IS., Abends Uhr im ZirkuS 
Busch eine Sondervorstellung statt. Der volle Betrag dr§ 
Reingewinns soll dem Provinzialverbande der Kolonnen 
überwiesen werden. Wir bitten unsere Mitbürger, durch 
Besuch der einem wahrhaft wohltätigen Zweck tieuendkn 
Beranstaltnng da? gemeinnützige Streben der EanirätS- 
kolonnen zu unterstützen. Denn nicht nur dcS Pulver 
trocken und daS Schwert scharf zu erhalten, erfordern die 
herablassend, wie ein Vorgesetzter seinen unreigevri,^,, 
schaut. 
Es war die Komtesse von Beauco.urt, die zuerst das 
Schweigen brach, und cs war ausfallend, wie wenig ihre 
heutige Sprache zu dem vornehmen Aussehen passte, das 
auf Sir William einen so guten Eindruck gemacht harte. 
Sie sah genau so vornehm aus, aber die Worte, die sie 
sprach, ohne sich aus ihrem Sessel zu erheben, bewegten 
sich durchaus nicht auf derselben Höhe. 
„Na, Männe," sagte sie, „bist du wieder ins Joch 
gekrochen? Siehst ganz schneidig aus, hoffentlich hast du 
die Arbeit nicht verlernt, während du dir in London ver 
gnügte Tage gemacht hast." 
Trenkley warf einen Blick dahin, wo Scharnock stand. 
„Nein, wahrhaftig nicht." erwiderte er mit seiner weichen 
Stimme. „Wenn ich müde und unordentlich aussehe, so 
kommt das daher, deß ich die gegebenen Befehle aanz 
streng befolgte. Das Londoner Pflaster paßt mir besser, 
als die verfluchten Dornen in dem Unterholz des Wild 
parks. Ich beklage mich ja nicht, aber ich finde, ich ver 
diene doch ein wenig Anerkennung, daß ich mich allen An 
forderungen füge, die meine schwierige Stellung von mir 
verlangt." Herr Franz Scharnock, der den Besucher unter 
dessen ununterbrochen mit kühlen Blicken geincssen hatte, 
streckte ihm jetzt plötzlich die Hand hin. 
„Guten Tag, Trenkley," sagte er. „Ja, cs hat nur leid 
getan, daß ich dir eine so unbeguenie Aufgabe stellen 
mußte, aber es ist unbedingt erforderlich, daß'vorerst nie 
mand in der Nachbarschaft ahnt, daß du mit uns betaiint 
bist. Und zwar müssen wir diese Bekanntschaft nicht nur 
vor Fremden verbergen, sondern unser Fräulein Unschuld 
darf vor allen Dingen nichts erfahren. Wenn sie uns 
auch ferner nützen soll, so darf sie keinesfalls entdecken, 
daß ihre geliebten Berwandten Unterhandlungen mit Sir 
William Eraßmans Privatsckretär pflegen. Noch hat sic 
dich dort nicht gesehen, aber wenn sie wieder einen Besuch 
dort macht, könnte es doch möglich sein." 
„Hoffentlich hast du nicht wieder solches Pech, wenn 
ernsten Zeiten. Auch jene Einrichtungen voll leistung«. 
fähig zu machen gilt eS. welche dem Kampfe der Kultur- 
vöiler, wenn eS unvermeidlich werden sollte, die furcht 
barsten seiner Schrecken zu nehmen bestimmt und ge- 
eignet sind. 
o Die Ortsgruppe Be,lin»Friedena« dc- 
Deutschen FlotteuvereinS veranstaltet am Montag, 
8. Februar, Abends 8*/, Uhr. im Festsaal dcS Reform- 
Realgymnasiums in der Homutbstraße ihren nächsten Unter- 
haltimgSabend. Der frühere Chef deS AdmiralstabS Seine 
Exzellenz drr Hrrr Admiral Büschel spricht über „Deutsch- 
Englisches" mit tabellarischen Darlegungen durch Licht- 
bilber. DaS politisch augenblicklich so überaus wichtige 
Verhältnis DrUischlandS zu England wird, erläutert durch 
eine so hervorragende Persönlichkeit, die in leitender 
Stellung jahrelang sich betätigt, zwetsello- ganz neue Be- 
leuchtungen erfahren. Alle Freunde der Fiottensache siud 
als Gäste willkommen. 
o Diebstähle auf de« Güterbahnhöfe« wurden 
seit Jahren beobachtet, ohne daß eS gelingen wollte, der 
Spitzbuben habhaft zu werden. Die Diebesbande stahl 
alles mögliche: Hafer, Gerste, Kartoffeln. Steine. Zement. 
Grp! usw. Die Kriminalpolizei hat nun endlich die Täter 
ermittelt Sie kam ihr nach einem Diebstahl auf dem 
Güterbahnhof an der Frankfurter-Allee auf die 6pur. 
Hier wurden 48 Zentner Hafer auS einem verschloffenen 
Eisenbahnwagen gestohlen. Jetzt konnte jemand da» Fuhr 
werk, mit dem die Beute entführt worden war, so genau 
beschreiben, daß eS gelang, als seinen Eigentümer den 
Fuhrmann Bernhard Schulz in der Gustao-MÜllerstr. 24 
in Schöneberg zu ermitteln. Im Keller leiner Wohnung 
fand man von dem gestohlenen Hafer noch 25 Zentner, 
in seinem Stallgebäude, da- auf freiem Felde in der Nähe 
J deS GanSwindtschen Flugplatzes liegt, Zementsäcke» die au- 
? früheren Diebstählen herrühren. Die weiterenNachforschungn 
i ergaben, daß man in Schulz das Haupt der Bande ge- 
j sangen hatte, die seit fünf bis sechs Jahren dm Güter- 
I bahnhofsdiebstahl im großen und mit unglaublicher Dreistig- 
; keil betrieb. Seine Helfershelfer waren zuletzt drei obdach- 
> lose Kutscher namerk Albert DahmS, Frirdrich Meyer und 
Franz Landmann, die Schulz bei ihrer Lage leicht gewonnen 
hatte. Tie Bande fuhr mit dem Gespann Schulze- zu 
jeder Tageszeit, in der der Andrang groß zu sein pflegt, 
kurzerhand nach irgendeinem Güterbahnhof, lud irgendeinen 
Eisenbahnwagen, der bereits geöffnet war und bei dem 
sich gerade niemand beschäftigte, auS und verließ mit drr 
Beute ungestört den Bahnhof. Fand : sie keinen Wagen 
offen, so öffnete ste ganz dreist selbst. DaS gestohlene Gut 
wurde zunächst bei Schulze untergebracht, der cS dann nach 
und nach bri gegebener Gelegenheit verkaufte. Bi- jetzt 
sind der Bande auS der letzten Zrit 10 Diebstähle dieser 
Art nachgewiesen worden. Die ganz« Gesellschaft wurde 
jetzt dem Untersuchungsrichter vorgeführt 
o Unter dem Verdacht des KiadeSmordeS ist 
da- 19 Jahre alte Dienstmädchen Hedwig W., da- bri 
eine Herrschaft in der Wilhelm-aue in Stellung war, als 
Polizcigkfangene in das Echöneberger Krankenhaus einge» 
.tiesert uwrdeu. Die.W, äst ohne Wissen.. ihrer. .Herrschaft 
von einem Kinde weiblichen GcschlechtS heimlich entbundea 
worden. Die Hebamme B. in drr Berliner Straße, zu 
der das Dienstmädchen kam und da- bereits vrrstolbene 
Kind zeigte, teilte den Vorfall der Herrschüst mit. . Der 
hinzugerufkne Arzt Dr. B. zu Friedenau, Lauteistroßr, 
stellte fest, daß LaS Kind lebend geboren sei, aber an 
scheinend von der Mutter erstickt worden sei. Die Leiche 
wurde insolg-dkfskn beschlagnahmt und die unglückliche 
Mutter als Polizeigefangene in daS Schönrberger städtische 
Krank.nhauS eiopkliefert. 
o Zahlreiche Weivdiebstähle find hier in letzter 
Zeit verübt worden. Unserer hiesigen Kriminalpolizei ist 
es j tzt gelungen, die Spitzbuben zu ermitteln und dingfest 
zu machen. Der Haupttäter ist ein gewisser Kaitz. ge 
nannt „Onkel Mox", der bier Rheinstr. 56 in einer Dach 
wohnung hauste. AIS Mittäter kommen zwei junge 
Burschen, der Fürsorgezögling Hoppe und ein gewisser 
Sabach, letzterer hat schon verschiedenes auf dem Kerbholz, 
in Frage. Die Drei gingen gemeinsam auf Raub auS. 
du jie hinüberfchickst, wie beim letzten Mal," meinte die 
Gräfin. ■ » 
„Das war nicht ihre Schuld, sondern ob wir sie noch 
einmal in dieser Angelegenheit verwenden können, hängt 
vollständig von Trcnkleys Bericht ab," versetzte Scharnock. 
„Vor allen Dingen, Männe, möchte ich bestimm! 
wissen, ob du das Schloß ungesehen erreicht hast." 
„Aber sicher," versetzte der Sekretär. „Ich machte einen 
i langen Umweg durch den Wald, an dem Waldhüterhäuschen 
? vorbei, und kletterte dann über das Parkgitter. Ich bin 
auf dem ganzen Weg keiner Seele begegnet." 
„Es handelt sich darum, ob jemand dich gesehen 
hat," versetzte Scharnock trocken, „und das kann auch ge 
schehen sein, wenn dir niemand begegnet ist. Du sagst, 
du seist an einem Häuschen vorbeigekommen. Das haltt 
ich für ziemlich unvorsichtig. Ich kenne die Gegend hier 
nicht. Wer wohnt denn dort?" 
„Niemand. Es war einmal ein Waldhüterhäuschen ist 
aber jetzt schon lauge verlassen. Ich habe auch nicht be 
merkt, daß jemand i» der Nähe gewesen wäre." 
„Das wäre also so weit gut. Ich werde aber die be- 
tresseiide Ablesiung instruieren, Nachforschungen darüber 
anzustellen," bemerkte Scharnock. „Nu», wie liegen die 
Dinge in der Villa, seitdem,du zurückgekommen bist?" fuhr 
er dann fort. „Sage mir alles, was du weißt, und taffe 
auch nicht das Kleinste- aus, denn es könnte wichtig fein. 
Wenn ich mich nicht irre, so ist dort nicht alles wie ae- 
wohnlich." ^ 
^ „Deine Annahme ist wie immer richtig," erwiderte 
^rentley in seiner unterwürfigen Weise. „Lady Graßman 
>U leidender als gewöhnlich, und zwar komnit das daher, 
wie ich aus dem wenigen erfahren habe, was der Alte mir 
mitzuteilen für gut fand, daß sie bei einer jungen Dame, 
die kürzlich dort Besuch machte, eine Aehnlichkeit mit ihrer 
verloreiieii Tochter entdeckte. Wer die Besucherin war. 
weiß ich nicht." ' 
(Fortsetzung folgt.)
        
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