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Periodical volume Nr. 132, 08.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

beweinen haben, war der Weg über unseren Friedhof gestern 
ein weihevoller. Wohl keiner der allgemein wohlgcpflcgtcn 
Hügel ivar da, der nicht einen besonderen Schmuck von 
liebender Hand aufwies. Ucbcrall Blumen und Kränze 
in reicher Fülle. Mit großer Sorgfalt waren überall die 
Gräber geschmückt. Aber ein noch anderes Weh mag 
manchem beschlichen haben,' der gestern über unsern Friedhof 
schritt: Trotz der erst kürzlich erfolgten Vergrößerung des 
Friedhofs sind auf ihm nur noch wenige Grabstellen frei. 
Unsere Friedhossverwaltung hat schon einige Wege aufge 
hoben und hier bestatten lassen. Ein Zeichen der reichen 
Ernte, die der Tod in den letzten Jahren hier gehalten hat; 
ein<Zeichen aber auch dafür, daß in Friedenau bald nur 
noch diejenigen ein letztes Ruheplätzchens finden können, die 
sich hier Grabstellen vorbehalten haben. Alle anderen,, die 
dann sterben, erhalten ihr Bett zum letzten Schlummer 
zwischen Nadel- und Laubbänmen, auf dem Waldfriedhof in 
Gütergotz. Und mag dieser Friedhof auch ein idealer Ruhe 
platz für unsere Toten sein, trübe stimmt's uns doch, daß ( 
wir sie nicht mehr im Orte bestatten können. 
o Frost und Nebel. Nach den bisherigen milden 
Oktober- und Novembertagen hat sich nun gestern zum ersten 
Male in Großberlin Frost eingestellt. An den meisten Orten 
Norddeutschlands hatten schon die kühlen Nächte zum 14. 
grnd am 26. Oktober Frost gebracht, auch in der weiteren 
Umgebung Berlins; in der Hauptstadt selbst aber hielt sich 
die Temperatur damals über 0 Grad, und in den auf den 
26.. Oktober folgenden 4 Wochen war die Witterung dauernd 
so milde und warm, daß an den Stationen im deutschen 
Tiefland allgemein der Frost fast völlig fehlte. Am letzten 
Sonnabend nun stieg das Thermometer in Großberlin über 
10 Gr. C. Die Annäherung eines umfangreichen baro- 
nretrischen Hochdruckgebiets von Südwesten, her hat Aufklaren 
des Himmels b« reichlicher Bildung von Bodennebel be 
dingt und damit eine empfindliche Abkühlung hervorgerufen, 
so daß gestern das Thermometer auch zur Mittagsstunde 
nahe dem Gefrierpunkt stand. Der starke Nebel, der be 
sonders in den Nachmittags- und Abendstunden außerordent 
lich dicht war. wurde bei dem großen Verkehr nach den 
Friedhöfen am gestrigen Totensonntag besonders unangenehm 
empfunden. Straßenbahnen und Fuhrwerke mußten mit 
äußerster Vorsicht fahren. In unserer Saarstraße mit ihrem 
eingleisigen Betrieb war der Verkehr für die Straßenbahn 
besonders gefährlich, da die Signale an der Friedenauer 
Brücke nicht zu erkennen waren. 
o Rechtzeitiger Versand der Weihuachtspakete. Die 
Reichs-Postverwaltung richtet auch in diesem Jahr an das 
Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtssendungen bald 
zu beginnen, damit die Paketmasscn sich nicht in den letzten 
Tagen vor dem Feste zu sehr zusammendrängen. Bei dem 
außerordentlichen. Anschwellen des Verkehr ist es nicht tunlich, 
die gewöhnlichen Befördcrungsfristen einzuhalten, und 
namentlich auf weite Entfernungen eine Gewähr für recht 
zeitige Zustellung vor dem Weihnachtsfeste zu übernehmen, 
wenn die Pakete erst am 22. Dezember oder noch später 
eingeliefert werden. Die Versendung mehrerer Pakete 
mittels einer Postpaketadresse ist für die Zeit vom 12. bis 
einschließlich 24. Dezember weder im inneren deutschen Ver 
kehr .noch im, Verkehr _mit dem Ausland — ausgenommen 
Argentinien — gestattet. Nach Argentinien können auch in 
dieser Zeit mehrere, jedoch höchstens drei Pakete, mit einer 
Postpaketadresse versandt werden. 
o Unfälle beim Turnunterricht. Beim Turnen an 
Kletterstangen oder Klettertauen und an der schrägen Leiter 
ereignen sich immer noch Unglücksfälle, obwohl die be 
stehenden Turnvorschriften unerlaubte und gefährliche Evo 
lutionen streng verbieten. Der Unterrichtsminister weist 
deshalb darauf hin, daß das Abwärtsrutschen an den 
Kletterstangen oder Klettertauen nicht zu dulden ist; ebenso 
wenig statthaft ist wegen der damit verbundenen Gefahren 
das Abwärtsgleiten im Reitsitz auf der Oberseite der 
schrägen Leiter. Auch das Abwärtsklettern an der Oberseite 
einer schrägen Stange ist zu untersagen. Durch eine zweck 
mäßige Anordnung dcrUebungen ist von vornherein eine richtige 
Ausführung des Klettern anzustreben. Damit die Schüler 
(Schülerinnen) nicht in Versuchung geraten, bei dem Herab 
kommen von den Stangen oder Tauen den Kletterschluß 
aufzugeben und mit Händen und Füßen herabzugleiten, ist 
darauf zu achten, daß das Aufwärtsklettem nur bis zu 
einer Höhe erlaubt wird, von der herab die klebenden sicher 
und vorschriftsmäßig abwärts klettern können. 
o Auf dem am Sonnabend abgehaltenen 24. Spar- 
kaffcntag des Vrandenburgischen Sparkassenverbaudes 
um sie zu dem. ersceullchen Ausgang des Abenteuers zu 
beglückwünschen, und um gleichzeitig die verschiedenartigsten 
eigenen Erteviiisse bei Wasjerfahrten und anderen gejähr- 
'üyen Unternehmungen aufzutischen. Frau von Riedberg 
aber war von überströmender mütterlicher Zärtlichkeit. 
Stundenlang hatle jie in der furchtbarsten Angst gelebt, 
nicht so sehr, weil sie für das Leben des ihrer Obhut an 
vertrauten jungen Mädchens gezittert hatte, sondern weil 
die Vermutung einer Entführung durch den Grasen in ihr 
nachgerade zur festen Ueberzeugung geworden war. Und 
jetzt, wo sie ihre Brust von diesem Alp befreit fühlte, 
regte sich in ihrer Seele ein Gefühl ljefer Dankbarkeit gegen 
diesen ritterlichen jungen Aristokraten, dem sie in ihrer 
räffelyaf.teii Verblendung bisher, ach, so übel mitgespielt. 
Indem sie sich ganz nahe zu Sylvia neigte, flüsterte 
sie ihr ins Ohr: 
„Und wo ist Wcstenholtz? Wo haben Sie Ihren 
heldenmütigen Lebensretter gelassen?" 
„Er sah, daß man uns entgegenkam und riet mir, 
einen anderen Weg nach dem Hotel einzuschlagen, um 
nicht durch lästige Fragen ausgehalten zu werden. Aber 
da ist er ja schon." 
In der Lat war Hoiningen inr. nämlichen Moment 
aus der Schwelle erschienen. Mit ungestümen Bewegungen 
eilte Frau von Riedberg auf ihn zu. 
„Herr Westenholtz," ries sie init ihrer schrille», durch 
dringenden Stimme. „Niemals werde ich Ihnen genug 
danken können für den Mut und die Aufopferung, die Sie 
bei iß Penületons Rettung bewiesen haben. Sie haben 
gehandelt wie ein echter Edelmann. Oh, was wirb Mister 
Pcndle.on sagen, wenn sei.w Tochter und ich ihm con 
Ihrer unvergleichlichen Heldenhasiigtcit erzählen!" 
wurde die Erhöhung des Zinsfußes durch die Berliner Spar 
kasse lebhaft gemißbilligt. Der Kasseuverband nahm einen 
Antrag an, der vom Kreiskämmerer Hannemann der 
Teltvwer Krcissparkasse über den Beschluß des Berliner 
Magistrats, deit Zinsfuß für Sparkassenguthaben aus o l j t 
Prozent zu erhöhen, gestellt war. Der Antrag tadelt diese 
Maßnahme. Es wurde hervorgehoben, daß die Stadt 
Berlin eher ihre Einrichtung in der Abfertigung des 
Publikums verbessern sollte, als Maßnahmen zu treffen, die, 
wie diese, auch andere Sparkassen in Mitleidenschaft ziehen 
würden. Weiterhin wurde ein Antrag angenommen, den 
Vorstand zu ersuchen, mit der Stadt Berlin wegen dieser 
Erhöhung des Zinsfußes in Verbindung zu treten. 
o Der Vorstand des Haus- und Grundbesitzer- 
Vereins legte gestern aus Anlaß der 25. Wiederkehr des 
Grüiidungstages des Vereins am Grabe des Rechnungsrats 
Wille einen prächtigen Lorbeerkranz -mit Schleife nieder. 
Wille war der erste Vorsitzende des Vdreins. 
o Fragen des Veamtenrechtö. Eine Reihe wichtiger 
Fragen aus dem Beamtenrecht erörtert Rechtsanwalt Gorres 
. in Nr. 12 der „Jurist. Wochenschr." von 1913. Wir ent 
nehmen dieser Zusammenstellung folgende Rechtsgrundsätze: 
Vermutung der Gewissenhaftigkeit. Einem jeden Beamten 
steht bis zum Beweise des Gegenteils diese Vermutung zur 
Seite. Hat er bei Feststellung des tatsächlichen Verhält 
nisses geirrt, so liegt darin keine Unterlassung einer ihm ob 
liegenden Amtshandlung. — Unklarheit des Beamten 
über seine Pflichten hindert nicht die für die Entscheidung 
über den Konflikt allein wesentliche Feststellung, daß er eine 
ihm obliegende Amtshandlung unterlassen hat. — Rechts- 
irrtum eines Beamten. Ein Irrtum über das bestehende 
Recht, mag er entschuldbar sein oder nicht, schließt nicht aus, 
daß Handlungen^ eines Beamten, die nach Lage der gesetz 
lichen Vorschriften ungerechtfertigt sind, Amtsüberschreitungen 
bleiben. Nur in denjenigen Fällen findet dieser Grundsatz 
eine Einschränkung, in welchen der Beamte bei der Aus 
legung und Auffassung der zur Anwendung zu bringenden 
gesetzlichen Vorschrift es nicht an der crfvrderlichen pflicht 
gemäßen Ueberlegung hat fehlen lassen, dabei aber zu einer 
Ansicht gelangt ist, welche von der üblichen oder in. Wissen 
schaft und Rechtssprechung anerkannten abweicht. — Zwangs 
weise Durchführung einer unzulässigen Anordnung. Ent 
hält die Anordnung selbst eine Amtsüberschreitung, so muß 
dasselbe auch von ihrer zwangsweisen Durchführbarkeit 
gelten. In allen Fällen hängt die Frage, ob die Durch 
führung tatsächlich gerechtfertigt war, im Grunde davon ab, 
ob die Anordnung selbst in den gesetzlichen Befugnissen der 
Behörde ihre Stütze fand. Wird dagegen die polizeiliche An 
ordnung, um deren Vollstreckung es sich handelt, demnächst im 
Beschwerde- oder Verwaltungsstreitverfahren als ungesetzlich 
aufgehoben, so wird damit auch ihrer zwangsweisen Durch 
führung der Boden entzogen. — Amtsüberschreitung bei der 
Züchtigung eines Schulkindes. Eine solche begeht der 
Lehrer dann, wenn er — sei es aus Vorsatz, sei es aus 
Fahrlässigkeit — die Schranken außer Acht läßt, welche ge 
setzlich oder durch verbindliche Anweisung der Aufsichts 
behörde gezogen sind. Die Vorschriften der Kabinettsorder 
vom 14. 5. 1825 sind auch in der Provinz Hannover als 
Norm für die Bemessung des dem Lehrer zustehenden Züchti 
gungsrechts zu erachten. (O. V. G. 37, S. 451, 454). Ein 
Schlag an die Wange ist an sich kein unzulässiges ZUchti- 
gungsmittel, auch nicht bei Schülerinnen. Es muß aber 
dabei die Anwendung besonderer Vorsicht gefordert werden, 
da erfahrungsmäßig das- Schlagen an den Kopf, wenn es 
nicht vorsichtig und in milder Weise gehandhabt wird, leicht 
zu gesundheitsschädlichen Folgen führen kann (Preuß. Ver- 
waltungsbl. 33, 617). Leichte Striemen können auch bei 
einem maßvollen Schlagen auf die Backe eintreten; sie be 
einträchtigen möglicherweise vorübergehend das Wohlbefinden, 
können aber im ganzen keinen nachteiligen Einfluß auf den 
Gesundszustand haben. — Blutunterlaufene Striemen sind 
Folgen, wie sie jede energische Züchtigung auf längere oder 
kürzere Zeit hervorzubringen pflegt; diese Spuren waren 
nicht derartig zahlreich nur umfangreich, daß daraus auf 
ein die gesetzlichen Befugnisse des Lehrers überschreitendes 
Maß bei der Handhabung der Züchtigung geschlossen werden 
könnte. Es fragt sich nur noch, ob die Züchtigung ihrer 
Art und Schwere nach und unter Berücksichtigung der be 
gleitenden Umstände geeignet war, das Seelenleben des 
Kindes zu gefährden und ob der Lehrer mit dieser Mög 
lichkeit rechnen mußte. 
Ein plötzlicher Tod hat einen alten Friedenauer, den 
Rentier und Eigentümer Herrn Hermann Lorenz, im 
Henningen machte ein sehr erstauntes und etwas ver 
legenes Gesicht. Er konnte sich unmöglich vorstellen, baß 
Sylvia die Geschichte ihres im Grunde doch recht harm 
losen Abenteuers mit Uebertreibungen erzählt haben sollte, 
die eine solche überschwengliche Huldigung hätten recht- 
fertigen können. Weil er sie aber in keinein Falle Lügen 
strafe» durfte, erwiderte er: 
„Ich hoffe, daß sich Miß Pendlcton unter meinem 
Schuge nicht einen Augenblick in Lebensgefahr gefühlt 
har." 
Dabei aber warf cr einen fragenden Blick auf Sylvia, 
dem sie sofort die richtige Deutung gab. 
„Frau von Riebberg macht sich von unserem Erlebnis 
eine viel schlimmere Vorslcllung, als es der Wirklichkeit ent 
spricht," kam sie ihm zu Hilfe. „Die größte Schwierigkeit, 
die wir zu überwinden hatten, tag eigentlich in der Auf 
findung des richtigen Weges. Und wenn ich überhaupt 
besorgt gewesen bin, so war es einzig, als Sie den Fluß 
durchschwammen, um das Fährboot hcrüberzuholen. Aber 
ich meine, daß ich für diesen Abend nun mehr als genug 
Aufregung verursacht habe. Sie sollten eine heiße Limonade 
trinken, Herr WestenholtzI Und dann sollten Sie sich jo 
schnell als möglich schlafen legen." 
Einer von den Männern, die mit ihm hereingekommen 
waren, schlug dem vermeintlichen Chauffeur lachend aus 
die Schulier. 
„Komnu mit, alter Junge! Wenn du aus deinen 
nassen Kleidern herausbist, wollen wir dir schon init etwas 
Heißem warm niachen — wenn es auch vielleicht nicht 
gerade eine Zitronenlimonade ist." 
„Mein Himmel, Sie sind ja bis auf die Haut durch 
näß! I" rief die Baronin mit dem Ausdruck des Entsetzens. 
56. Lebensjahre abgerufen. Herr Lorenz hatte am Sonn 
abend Vormittag noch den Wocheumarkt besucht. Nachmittags 
beiin Kaffee sank er plötzlich lautlos vom Stuhl. Der schnell 
herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod durch Gehirn- 
schlag feststellen. Der Verstorbene besaß am Ort zahlreiche 
Freunde und Bekannte, die , sein plötzliches Ableben tief 
bedauern werden. Er war Besitzer des Hauses Blankcn- 
bergstr. 6 und gehörte mehreren hiesigen Vereinen, u. a. 
dem Haus- und Grundbesitzerverein, an. Die Beerdigung 
findet am Dienstag, dem 25. November, Nachm. 3 3 / 4 Uhr, 
auf unserem Friedhof statt. 
o Anläßlich der Stinzflüge Pegouds auf der Grune- 
waldrennbah» am Dienstag, den 25. November, wird der 
Betrieb der Linien P und R durch Einsetzwagen ab Lützow- 
platz und Knie Charlottenburg verstärkt. Vom Endpunkt 
Spandauer Bock aus ist die Grunewaldrennbahn in etwa 
15 Minuten zu erreichen. Auch von dem freien Platz am 
Spandaner Bock aus werden die Flüge zu beobachten sein. 
o Das Max Bruch-Konzert des Friedenauer Kirchen 
chors am Dienstag, dem 25. November, Abends 8 Uhr, in 
der Aula 'des Friedenauer Reformrealgymnasiums wird 
folgende Tondichtungen von Prof. Dr. Bruch bringen: 
1. Die Birken und die Erlen, Chorgesang mit Sopransolo 
und Klavierbegleitung (Konzertsängerin Frau Wichmann- 
Vogt). 2. Biolinvortrag, I Satz aus dem v-moU-Konzert 
(Violinvirtuosin Fräulein Edith von Voigtlaender). 3. a) Am 
Palmsvuntagmorgen, b) In der Christnacht (Chorgesänge 
a capolla). 4. Jngeborgs Klage, Sopransolo aus dem 
Chorwerk „Fritjof" (Frau Konzertsängerin Wichmann-Vogt). 
5. Biolinvortrag, Konzert G-moll (Violinvirtuosin Fräulein 
Edith von Voigtlaender). 6- Schön Ellen, Chorgesang mit 
Sopran (Frau Konzertsängerin Wichmann-Vogt) und Bariton 
solo (Herr Konzertsänger Caxl Burkhardt), Klavierbegleitung 
Herr Organist Haensgen. Eintrittskarten sind zu haben in 
Friedenau bei Ebers, Rheinstr. 15, Kossakowski, Schmargen- 
dorferstraße 35, Ehrlich, Kaiserallee 85, Schwartz, Rhein- 
straße 60, in Steglitz in der Buchhandlung Auerbach, 
Albrechtstraße und Teschner, Schloßstr. 93. 
o Der Vaterländische Frauenvrrein Friedenan ver 
anstaltet im Dezember und Januar einen Kursus zur Aus 
bildung von Helferinnen vom Roten Kreuz. Den theore 
tischen Unterricht erteilen Herr Dr. Töpfer und Herr Prof. 
Dr. Ammann. Dieser beginnt am Frestag, dem 5. De 
zember, abends 8 l / 2 Uhr im Gymnasium am Maybachplatz. 
Für Mitglieder frei, Nichtmitglieder zahlen 3 M. Ein 
6 wöchentlicher praktischer Kursus (Vormittags) schließt sich im 
Februar und März im Garuisonlazaret Tempelhof an. An 
meldungen nimmt die Vorsitzende Frau Dr. Ziemssen, Hand- 
jerystr. 30 bis zum 1. Dezember schriftlich entgegen. 
o Die Kunstgemeinde Groß-Berlin hat zum 
1. Dezember den bekannten Münchener Hosschauspieler Max 
Hospauer geladen, cr wird im Tiergartenhof „Alpenhumor" 
aus Roseggers Werken und aus den Schriften der Münchener 
Satiriker Roda Roda, Fritz von Ostini und Ludwig Thoma 
vorlesen. Am 2. Dezember liest Hospauer im Gymnasium 
zu Steglitz ebenfalls aus Rosegger „Lustige Gestalten" und 
„Allerhand G'schichten aus Tirol" von Rudolf Greinz und 
Karl Schönherr. ' Es taerben--weiter in diesem Winter noch 
lesen Clara Viebig, Ludwig Ganghofer und Otto Ernst. 
Die Geschäftsstelle der Kunstgemeinde, Steglitz, Schloßstr. 93, 
versendet gern das ausführliche Programm. 
o Ueber „Deutschlands Zollpolitik" spricht der deutsch 
konservative Reichstagsabgeordnete Arnstadt in einer vom 
hiesigen Konservativen Verein einberufenen öffentlichen Ver 
sammlung, die am Freitag, dem-28. Oktober, Abends 8 1 / 2 UI)c 
im „Kaiser Wilhelm-Garten stattfindet. Alle national-ge 
sinnten Männer sind eingeladen. 
o Hockey - Wettspiel. Zwischen dem Friedenauer 
Gymnasium und dem Hclmholtz-Realgymnasimn im Friedenauer 
Ortsteil fand am Sonntag ein Hockey-Wettspiel statt, das 
die Mannschaft des Friedenauer Gymnasiums überlegen mit 
12:0 gewann. 
o Mit Kamera und Büchse durch Afrika. Die 
großen Reisen und Jagden im Innern Afrikas sind jetzt im 
Film erschienen und werden von morgen ab in Friedenau 
zu allererst in den „Hohenzollern-Lichtspielen," 
Handjerystr. 64, vorgeführt. In lebendigen und außer 
ordentlich plastischen Bildern gleiten in diesem Film die 
fremdartigen, reizenden afrikanischen Fluß- und Waldland 
schaften vor den Augen, der Beschauer vorüber; die typischen 
Erscheinungen und Gewohnheiten der fremden Völker und 
Länder gelangen in so lebenswahrer Weise zum Ausdruck, 
daß man an Hand dieses Films einen liefen Einblick in 
wie wenn sie diese Wahrnehmung erst jetzt gemacht'hatte. 
„Schnell — schnell, kleiden Sie sich um! Sie dürfen sich 
keine Erkältung holen! Es könnte ja eins Lungenentzün 
dung oder etwas noch Schlimmeres daraus werden." 
„Seien Sie unbesorgt, gnädige Frau!" beruhigte 
Hoiningen lächelnd. „Ich werde Sie für die Weiterfayrr 
sicherlich nicht im Stich lassen. Pünktlich auf die Minute 
wird mein Wagen morgen früh bereit sein. Aber wie 
war es doch, Miß Pendleton? Sagten Sie nicht, daß 
Sie erst eine Stunde später nach Karlsruhe abzufahren 
wünschen?" 
. „Ja," erwiderte sie, ihm einen verständnisvollen Blick 
zuwerfend. „Und jetzt gute Nacht! — Ich danke Ihnen 
noch einmal für alles, was L-ie heute getan haben." 
Vor den Augen all der Gaffer, von denen sie um 
standen waren, reichte sie ihm die Hand. Und wenn slucijf 
die ahnungslosen Zuschauer darin nichts anderes sehen 
mochten als eine durch die besonderen Umstände gerecht 
fertigte Herablassung, so gab es doch zwei junge Menschen 
kinder, die dieser einfachen Bewegung eine andere, tiefere 
Deutung gaben. Das waren Sylvia Pendleton selbst 
und der junge Mann, der den leichten Druck ihrer kühlen, 
schlanken Finger mit einem unbeschreiblichen Wonnegefühl 
empfand. Wie auch immer die Amerikanerin morgen 
denken mochte, in diesem Augenblick hatte sie jedenfalls 
das unwiderstehliche Bedürfnis gefühlt, den Empfindungen, 
von denen sie bewegt wurde, einen auch für ihn ver 
ständlichen, sichtbaren Ausdruck zu geben. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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