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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

-lbcr sehen Sie. sehr verehrte Frau. sich selbst einmal an: Sic 
sind gewiß sehr schon und hoben auS diesem Grunde auch das 
Vorrecht schöner Frauen, stets zerstreut zu sein und in dem hübschen 
Kopfe lausend andere Tinge zu haben. Sonst hallen Sie sehen 
müsien, daß ich garnicht der Sünder bin. sondern daß ich in dem 
fraglichen Artikel lediglich ein paar Franzosen und einen moderne» 
deutschen Schriftsteller zitiert habe. Man darf mit schönen Frauen 
nicht polemisieren; man behält doch immer Unrecht. 
Ta Sie aber angeblich den Mut zum Bekennen haben, so wäre 
ich der setzte, der einer persönlichen Strafpredigt entweichen würde. 
Geben eie getrost Tag und Stunde an, und ich werde mich gern 
melden, rim das „Tonnerweller" in Empfang zu nehmen. Denn, 
dag das bei schönen Frauen nicht so schlimm ausfüllt, glaubt mit 
einiger Erfahrung und mit "-eler Gewißheit annehmen'zu dürfen 
Ihr ganz ergebener 11. B. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Zar Wiederkehr des Totensonntags sei an alle Hundeliebhaber 
resp. Besitzer die dringende Bitte gerichtet, ihre Hunde beim Besuch 
der Gräber ihrer Lieben nicht mitzunehmen, wenigstens sie nicht 
vor dem Eingang zum Friedhof, warten zu lassen. Ter Schreiber 
dieser Zeilen, ein häufiger Friedhofsgast, hat mehrfach beobachtet, 
wie die Hunde weggejagt und forigelockt wurden, von Kindern in 
gedankenloser Roheit genörgelt und geschlagen wurden. Auch vor 
Geschäften, die nicht Lebensmittel feilbieten, sollte man Hunde nie 
mals warten lassen. Es ist sicherlich für viele Familien und be 
sonders für alleinstehende Personen schwer, die nötigen Einkäufe 
zu besorgen und hernach den Hund auszuführen; es bedeutet für 
viele einen großen Zeitverlust. Deshalb sieht man die an den 
Gartengittern befestigten Hunde wieder irnd immer wieder! Ob 
denn noch nie Jemand die Angst in den Augen der hilflosen Tiere 
gesehen, die sich in eitlem Uebermaß der Freude kundgibt, wenn 
„Herrchen" oder „Frauchen" oder auch nur das Dienstmädchen 
endlich ans dein Laden oder zum Tor des Friedhofs kommt? Der 
Schreiber dieses hat ungezählte Fälle beobachtet, wo Ertvachsene 
und Kinder die angebundenen Hunde mißhandelt, wo Strolche die 
selben sortzulocken versuchten: Der augenblickliche Maulkorb- und 
Leinenzwang macht den Tieren das Beißen unmöglich, sodaß sie 
wehrlos jeder Roheit preisgegeben sind. Erst in dieser Woche sah 
ein seingekleidetcr, älterer Herr seelenruhig zu, wie sein fünf- bis 
sechsjähriger Enkel einem kleinen Rehpintscher niehrfach über de» 
Kopf schlug, ohne einen einzigen Verweis für den häßlichen Trieb 
deS Kindes zu haben! Als wir am Bußtag Abend aus der Kirche 
kamen — die Straßen waren noch belebt — mißhandelte ein 
Dienstmädchen den Hund ihrer Herrschaft, einen schivarzen Dackel, 
nur, weil er seine Bedürfnisse nicht schnell genug erledigte. Auf 
meine Intervention erhielt ich die liebenswürdige Antwort: „Halten 
Sie's Mai^l — ivas kümmert Sie das Vieh?" Viele waren Augen- 
iinb Ohrenzeuge, aber niemand batte Mitgefühl mit dem Tier. 
Darum an alle Hundebesitzer die Bitte: schützt eure Hunde vor den 
Brutalitäten der Menge. Erweist euch dankbar für die Treue, die 
so oft Menschentrcue übersteigt. Möge doch auch hierin Nächsten 
liebe zur Geltung kommen, indem Tierfreunde einander helfen und 
beistchen im Kampf gegen die Verrohung unserer Zeit. 8t. 
Vermischtes 
*o Ter Heutige 22. November ist der Heiligen Cacilia, einer 
römischen Jungfrau gewidniet, die sich zum Christentum bekannte 
und die zu Anfang des 3. Jahrhunderts hingerichtet wurde. Tie 
heilige Cäcilia, die als Patronin der Musik verehrt und gcfeiert 
wird, ist in der bildenden Kunst öfter als irgend eine der übrigen 
heiligen Frauen der katholischen Kirche zum Gegenstand einer Dar 
stellung gewählt worden; höchstens die „büßende Magdalena" 
könnte sich rühmen, ebenso oft iin Bilde verherrlicht worden zu 
sein. Daran ist weniger die grauenvolle Hinrichtung schuld, die die 
zum Christentum bekehrte glaubensstarke Jungfrau uni das Jahr 
230 erlitten haben soll, als vielmehr die im 15. Jahrhundert auf 
getauchte Legende, nach der sie die Orgel, das dem Dienst Gottes 
geweihte musikalische Instrument, erfunden haben und Schutz 
patronin der Jnstrumentalinnsik sein soll. Den Leichnam de? 
Heiligen ließ Bischof Urban in der Calixtus-Katakombe beisetzen; 
Papst Paschalis I. übertrug ihn im Jahre 821 nach der Kirche 
Santa Cecilia zu Rom. 1509 wurde der Sarg geöffnet und nach 
dem Befund — sie lag mit ausgestreckten Armen da, das vom Henker- 
schwert nur halb getrennte' Haupt rückwärts gewandt — hat 
Stefano Madeina die jetzt unter dein Hochaltar angebrachte 
Mnrmorfigur gemeißelt. Berühmter als dieses Bildwerk in Stein 
sind die Malereien, ivelche die heilige Cäcilia darstellen, in erster 
Linie Raffaels „heilige Cäcilia", die dieser gottbegnadete Künstler 
im Aufträge des Kardinals Lorenzo Pucci siir die Kirche Giovanni 
zu Bologna im Jahre 1513 malte; das Meisterwerk befindet sich 
jetzt in der Akademie zu Bologna. Es stellt die jugendlich schöne 
Schutzpatronin der Musik mit einer kleinen Orgel in den Händen, 
flehend dar, umgeben zur Rechten von« Apostel Paulus, zur Linkeir 
von der heiligen Magdalena, hinterwärts von dem Evangelisten 
Johannes und von dem heiligen Augustinus. Bedeutende Kupfer 
stecher haben Raffaels Gemälde gestochen, so Strange (1771), 
Massard (1810), Lefevre (1857) und vor allem Kohlschein, der für 
seine Arbeit 1880 in Düsseldorf die goldene Medaille erhielt; ferner 
stach Johann Bürger die heilige Cäcilia als Einzelsigur. Von 
den nachraffaelischen Malern hat bis jetzt keiner das Gemälde jenes 
großen Italieners erreicht. 
*o Joh. Christ. Reil. Vor 100 Jahren, am 22. November 
1813 starb in Halle der Mediziner Joh. Christ. Reil. 1759 zu 
Rhaude in Ostsriesland geboren, studierte er in Göttingen und 
Halle und war einige Jahre als praktischer Arzt tätig. 1787 
wurde er außerordentlicher, 1788 ordentlicher Professor in Halle, 
1810 in Berlin. 1818 erhielt er die oberste Leitung der Kriegs 
hospitäler auf dem linken Elbnfer. Er starb an Hospitaltyphus. 
Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: „Ueber die Erkenntnis 
und Kpr der Fieber", „Ueber den Vau des kleinen Gehirns." Er 
war einer der bedeutendsten deutschen Aerzte und medizinischen 
Schriftsteller. Auch gründete er das erste psychiatische Internat, 
wodurch er sich den Namen „Urheber der psychischen Medizin" in 
Deutschland erwarb. 
MAGGI 8 Bouillon-Würfel der feinste! 
| Achtung vor Nachahmungen! | WUsfß! Pfg., einzelne Würfel 3 Pfg. 
Bekanntmachung. 
Aus Beschluß des Bundesrats findet am 1. Dezember 1013 im 
Teutschen Reiche eine allgemeine 
Vieh- und Obstbaumzählung 
statt. Tie Zählung erstreckt sich auf Pferde, Rinder, Schafe, Schweine, 
Zieaen, sowie aus Obsibäume. Das am Tage der Zählung nur 
vorüdeigehend abwesende Vieh ist bei der Haushaltung zu der es 
gehört mitzuzählen, während es dort, wo es nur vorübergehend an 
wesend ist. z B. in Wirtshäusern, Ausspannungen, unberücksichtigt 
b eiln. Viehbestände in Laubenkolonien usw. sind mitzuzählen Tie 
Aufnahme erfolgt durch freiwillige Zähler, die bei der Ausübung 
ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit die Eigenschaft von öffentlichen 
Beamten besitzen. 
Ter Viehbestand ist der tatsächlichen Zahl nach anzugeben; un- 
gtfähre oder geschätzte Angaben sind unzulässig. Die Zählung erfolgt 
durch Zählkarten. Diese werden den Haushaltungsvorständen bis 
zuni 29. November durch die Herren Zähler zugestellt werden. Tie 
Haushaltiingsvorstände haben die Zählkarten nach dem Stande vom 
I. Tezember auszufüllen und zu unterschreiben. Vom 1. Dezember 
mittags an wcrden die Zählkarten wieder abgeholt Tie Haus- 
k.altungsvorstände sind ve,Pflicht, t, den Herren Zählern auf alle 
Fragen wahrheitsgemäße Auskunft zu erteilen. 
Bei der großen Wichtigkeit der Zählungen für die Staats- und 
Gemeindeverwaltung foivie für die Förderung wissenschaftlicher und 
gemeinnütziger Zwecke ersuchen wir die beteiligten Einwohner dringend, 
das Zählöeschäft in jeder Weise zu unterstützen, insbesondere den 
Herren Zählern ihr freiwillig üoernommenes Amt durch bereit 
willigstes Entgegenkommen möglichst zu erleichtern. 
Die Viehzählung nnd alle bei ihr gemachten Angaben dienen 
keinerlei steuerlichen Zwecken. 
Berlin-Friedenau, den 22. November >913. 
Ter Gemeindevorsteher. 
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iveg 5 (Legit) Sonnt, nur b. 3 Uhr. 
Nicht abgeh. an Tierfr. billig abzug. 
Gute lote u. weihe K- 
tflitoMn Ä 2 ' 25 ""fÄ 
Paul Ebel, Landwirt 
Teltow, RuhlSdorfer Str. 24.
        
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