Path:
Periodical volume Nr. 21, 24.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Anwesende, 56 Herren, erklärten ihren Beitritt, worauf der 
Versammlungsleiter, Herr Eggers, den „Haus- und 
Grundbesitzer-Verein" für begründet erklärte. Zum 
Vorsitzenden wurde Rechnungsrat Wille gewählt. Ferner 
wählte die Versamnrlung in den Vorstand Regierungs 
baumeister Vüsing, als stellv. Vorsitzenden, Fabrikbesitzer 
Moeller, als Schriftführer, Kanzleirat Pfuhle, als stellv. 
Schriftführer und Schlächtermeister Bierhan, als Kassen 
führer. In den später beschlossenen Satzungen wurde fest 
gelegt, daß nur Friedenauer Haus- und Grundbesitzer 
Mitglieder des Vereins werden können. Als Zweck des 
Vereins wurde im § 1 festgesetzt, daß der Verein den Mit 
gliedern einen Mittelpunkt bieten will, in welchem neben 
der erleichterten persönlichen Annäherung die Interessen 
des Ortes nach jeder Richtung Vertretung finden. — Die 
Vertretung der Ortsinteressen hat der Verein denn auch in 
der ganzen Zeit seiner Wirksamkeit als seine vornehmste 
Aufgabe betrachtet. Gleich im ersten Jahre seines Bestehens 
übernahm er die Tätigkeit des bisherigen „Orts-Verkehrs- 
Komitecs". Ter Verbesserung des Verkehrs und der Ver 
mehrung der Verkehrsmittel hat der Verein imnrerdar sein 
Hauptaugenmerk zugewendet und er ist arich heute noch in 
seinem Verkehrsausschusse eifrig in dieser Richtung tätig. 
Neben dem Verkehr förderte der Verein unser Schul 
wesen; er war der eigentliche Urheber der Errichtung 
unseres Gymnasiums. Ent- und Bewässerung unseres 
Gemeindegcbiets, Straßenanlagen und Straßenpflaste 
rungen , Einführung von Gas und Elektrizität, 
Regelung der Wohnungsvermittelung, der Müllabfuhr, 
kurz alle Fragen, die ein öffentliches, kommunales Interesse 
erheischten, wurden im Verein eingehend beraten und be 
sprochen. Und manche^Frage, die im Verein vorberaten war, 
ist von unserer Gemeindevertretung zum Beschluß erhoben 
worden, hat später ihre Lösung und Verwirklichung ge 
funden. So ist die Geschichte des Grundbesitzerocreins eng 
mit der Geschichte Friedenaus verknüpft. Das kann nicht 
stark genug betont werden und wird auch sicher bei der 
Jubelfeier am 29. d. Mts.-hervorgehoben werden. Unsere 
Einwohnerschaft kann daher dem Hans- und Grundbesitzer- 
verein dankbar sein für seine rege Tätigkeit zum Besten 
unserer Gemeinde. Wenn wir uns heute freuen des 
schmucken Aussehens unseres Ortes und der vielen guten 
Einrichtungen in der Geincindc, so mögen wir uns dabei 
erinnern, daß hieran nicht zum wenigsten unser Haus- und 
Grundbesitzeroerein beigetragen hat. Wir beglückwünschen 
den Verein zu seinem Jubiläum in der festen Zuversicht, 
daß er auch in Zukunst es als seinen obersten Grundsatz be 
trachten werde: Alle Zeit für das Wohl unserer Gemeinde 
zu wirken. 
v Ocffentliche Versammlung zur Dienstbotenver 
sicherung. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß 
der Haus- und Grundbesitzer-Verein eine öffentliche Ver 
sammlung zum Montag, dem 24. November, abends 8 Uhr 
nach der Aula des Reformrealgymnasiums (Homuthstraße) 
einberuft zur Besprechung der jetzt allgemein interessierenden s 
Frage der Krankenversicherung der Dienstboten. Da dieses j 
Thema ganz besonders unsere Hausfrauen angeht, so kann j 
diesen der Besuch der Versammlung nur dringend angeraten ! 
werden, damit sie am 1. Januar d. Js. mit Inkrafttreten s 
der neuen Versicherung über ihre Verpflichtungen genau 
unterrichtet sind. 
o Ueber seine Reise nach Aachen zur Besichtigung 
des dortigen Schwimmbades sowie über die Verhandlungen 
des internationalen Kongresses zur Bekämpfung der Tuber 
kulose hielt Gemeindcschöffe Sadöe in der Gemeiude- 
vertetersitzung am letzten Donnerstag einen eingehenden 
Vortrag. Das Schwimmbad in Aachen sei eine Muster- 
Anstalt. Wenn manche die Dresdener Badeanstalt als 
schönste bezeichneten, so siel dort doch auch wie in anderen 
Badeanstalten der sogen. Vadegeruch auf. Dieser wird in 
Aachen vermieden. Die Aachener Anstalt kostet 850 000 M., 
sie enthält Schwimmbäder für Mädchen, Frauen und Männer. 
Die Wände usw. sind mit Marmor bekleidet. Die Luft- 
verbesserung wird in fast allen Badeanstalten durch einen 
feinen Sprühregen erzielt. In Aachen nun wird das Bade 
wasser viermal am Tage durch Filter geführt und auf diese 
Weise erneuert. Durch dieses Filtrieren wird der Vadegeruch 
fast aufgehoben. Denn es hat sich herausgestellt, daß der 
Badegeruch gleich zu achten ist mit dem Schweißgeruch. 
Es ist erstaunlich, wie viel Schmutz in den Filtern zurück 
bleibt, so daß man also durch das Filtrieren ein fast reines 
Wasser bekommt. Eine gründliche Reinigung des Bades 
findet alle 3 Wochen statt. Der Redner ging nun zur 
wirklich das Fährboot vollständig vergessen yatle, und daß 
sie erst wieder daran erinnert wurde, als sie an dem 
deutlich erkennbaren Anlegeplatz die Entdeckung machen 
mußten, das; es sich wirklich nicht hier, sonder» drüben am 
jenseitigen Ufer befand. An einem Pfosten hing zwar eine 
Glocke, die ohne Zweifel dazu bestimmt war, den Fähr 
mann zu benachrichtigen, daß seine Dienste gewünscht wür 
den. Aber wie oft auch Hoiningen an dem verrosteten 
Drahtseil ziehen und wie vernehmlich auch der Klang 
durch die nächtliche Stille tönen mochte, drüben rührte sich 
doch nichts, und es wäre Torheit gewesen, »och irgend 
welche Hoffnungen auf das Erscheinen des — wer weiß 
wo — in Morpheus Armen liegenden Fergen zu setzen. 
Sylvia hatte schon seit Minuten kein Wort meyr ge 
sprochen; aber als sich Hoiningen mit der Bitte an sie 
wandte, für eine kurze Zeit seine Uhr in Verwahrung 
zu nehmen, und als sie die Absicht erkannte, die sich hinter 
diesem Ansinnen verbarg, erklärte sie fast ungestüm. 
„Sie haben die Idee, dort hinüberzuschwimmen, aber 
ich werde das niemals zugeben. Sie sollen sich nicht zum 
zweiten Male um meinetwillen einer Lebensgefahr aus 
setzen." 
„Ich gebe Ihnen die Versicherung, Miß Pcndlcton, 
daß von einer Gefahr nicht die Rede sein kann. 
„Doch I Sic können von einem Krampf befallen werden. 
Das Wasser ist viel zu kühl." 
Er lachte sorglos. 
„Aber ich bitte Sie —I Es hat die schönste Bade 
temperatur, die man sich wünschen kann. Und die Ent 
fernung bis zum anderen Ufer ist so gering. Ich bin ohne 
Schaden durch den Zambesi geschwommen, der mindestens 
zwanzigmal.fo breit ist. Und ich hatte dabei noch dis 
Tuberkulosenbekämpfung über. Bisher bezog sich die 
Tuberkulosenbekämvfung hauptsächlich auf Erwachsene. An 
Zahlen wurde auf dem Kongreß nachgewiesen, welche Fort 
schritte in dieser Beziehung gemacht worden sind. Aus 
vielen unglücklichen Menschen sind solche geschaffen worden, 
die wieder arbeiten und für ihre Familien sorgen können. 
Begrüßenswert ist, daß hier die großen Versicherungsanstalten 
für die Tuberkulosenbekämpfung beitragen. Und auch die 
Angcstelltenversicherung wird ihr Hauptaugenmerk der Ge 
sundung der Versicherten, insbc^ondere der Heilung von 
Tuberkulosen zuwenden. Soviel nun die Tuberkulose bei 
Erwachsenen bekämpft wurde, so wenig hat man sich bisher 
um die Kinder bekümmert. Es ist festgestellt wordsn, daß 
die Sterblichkeit bei den Kindern bis zum 18. Lebensjahre 
die gleiche geblieben ist. Durch die Pirguetsche Reaktion 
(Eiktsührung von Tuberkulin in die Blntbahn) ist nun fest 
gestellt worden, daß bei 00 Proz. der Kinder Tuberkelbazillen 
vorhanden sind. Er könne also wohl sagen, daß alle An 
wesenden von Tuberkelbazillen durchseucht sind. (Zuruf: 
Na, na!) Bei der tuberkulösen Infektion unterscheidet man 
Zeugungstuberkulose, Ansteckung durch Verletzungen, Darm- 
tuberkulose und Atmungstuberkulose. Die latente Tuber 
kulose zeigt sich in den Drüsen, den Angen und als 
Skrophulose, die offene Tuberkulose als schwerste in der 
Lungentuberkulose. Die Tuberkulose ist in allen Erdteilen 
zn finden, nur einige Gegenden sind frei davon, doch die 
Bewohner jener Gegenden sind ganz besonders gefährdet. 
Wie er schon angeführt habe. ist bei 90 Proz. der Kinder 
das Vorhandensein der Tuberkelbazillen festgestellt worden. 
Vom 7. Lebensjahre ab wurde bei Kindern die Tuberkulose 
nachgewiesen. Daß sie heilbar ist, wurde bei Operation und 
Sektion vielfach festgestellt. Bei einer Frau wurden drei 
abgeheilte Tuberkulosehcrde gefunden. Es ist daher be 
grüßenswert, daß sich alle Völker zusammengetan haben, um 
gleichsam eine große Familie zu bilden zur Bekämpfung 
dieser schrecklichen Volkskrankheit. Bei Kindern ist oft eigen 
tümlich, daß sie durch ein robustes Auftreten und blühendes 
Aussehen täuschen. Und doch, wie oft ist ein blühender 
Jüngling durch die gallvppierende Schwindsucht plötzlich 
dahingerafft worden. Die Tuberkelbazillen schwirren überall 
in der Lust herum. Durch das langsame Einatmen der 
sog. 'I'.-Bazillen bildet sich nun im Körper ein Gegengift 
und inimnnisiert den Körper gegen Tuberkulose. Daraus 
ergibt sich auch, daß die Bewohner in tuberkulosefreien 
Gegenden besonders gefährdet sind. Sache Gegenden sind 
Arabien und die Zonen, in denen die Indianer wohnen. 
Bei letzteren hat denn auch die Tuberkulose arg gewütet, 
als sie eingeschleppt ivurde. Es hat dies seinen Grund 
darin, daß sich in dem Körper der Bewohner jener Gegenden 
durch langsame Einatmung der 'I -Bazillen nicht das Gegen 
gift, das Antitoxin, bilden konnte und so die Tuberlulvse- 
bazillen ein gutes Feld für ihre Vernichtungsarbeit vorfanden. 
Es ist vorgekommen, daß kräftige Norweger, die in tuberku 
löse Gegenden kamen, in kurzer Zeit dahingerafft wurden. 
Ebenso sind Araber schnell der Seuche erlegen. Es ist ja 
wohl richtig, daß durch die Sonne am allerbesten die Tuber 
kulose bekämpft wird. Das Sonnenlicht macht das Aller 
meiste dabei aus und man wendet jetzt ja auch das sogen, 
künstliche Höhenlicht zur Bekämpfung dieser Krankheit an. 
, Aber wichtig ist doch, daß schon Antitoxine im Körper vor- 
I Handen sind. Schwer zu bekämpfen ist die Krankheit in 
t Seuchenherden. Er kenne einen kleinen Ort im Harz, der 
, Tuberkulosekranken zum Aufenthalt empfohlen wurde. Die 
j Seuche breitete sich darnach hier plötzlich derart aus, daß 
- es langer Zeit bedurfte, sie zurückzudrängen. Besonders in 
eng bewohnten Gegenden, in duinpfen Häusern und engen 
Räumen ist die Ansteckungsgefahr groß. Man spricht da 
von einer massiven Infektion. Die Bekämpfung der Tuber 
kulose in Häusern usw. geschieht durch Desinfektion und 
zwar kann eine mechanische Desinfektion (Lysol, Sublimat, 
Kresol, Ehlorkrcsol) oder eine Dampfinsektion durch Formalin 
erfolgen. Diese letztere ist die beste und wirksamste. Die Desin 
fektion inüßte überall, wie es ja hier in Friedenau auch geschieht, 
unentgeltlich geschehen. Eine weitere Desinfektion ist diejenige 
durch Ozonisierung der Luft. Diese empfiehlt sich besonders 
für Büchereien, wo die mechanische Desinfektion mit großen 
Kosten verknüpft wäre. Durch die Desinfektion wird der 
Weiterverbreitung der Seuche vorgebeugt. Schutz den Ge 
sunden, gilt ja auch jetzt als oberster Grundsatz. Man hat 
Wohnungsinspektivnen eingeführt, die sich aber nicht so be 
währt haben, sodaß man vielfach wieder davon abgekommen ist. 
Einer der gefährlichsten Uebertrager ist die Milch, man sollte 
daher Milch nie im rohen Zustande genießen, sondern stets 
angenehine Zugabe, daß ich mich von mehr Krokodilen 
umgeben wußte, als Lachse im Rhein sein mögen." 
Es mar etwas so unwiderstehlich Ueberzcugendes in 
seiner heiteren Zuversicht, daß Sylvia nicht den Mut fand, 
ihm länger zu widersprechen. 
„Gut denn, wenn Sie es durchaus wollen. Aber Sie 
müssen mir auf Ihr Ehrenwort geloben, daß Sie sofort 
rufen werden, wenn Sie etwa fühlen, daß Ihre Strafte 
Sie verlassen. Ich schwimme gut genug, um Ihnen im 
Notfall zu Hilfe zu eilen." 
„Wohl, ich gelobe es, Miß Pendleton," erklärte er mit 
drolliger Feierlicheit. „Es wäre ja auch der Gipfel 
poelischer Romantik, wenn Sie Ihr junges Leben in den 
Fluten des Rheins gelassen hätten, uni einen ertrinkenden 
Chauffeur zu retten." 
Ohne ihre Antwort abzuwarten, ging er ins Wasser, 
und rasch war er in der Dunkelheit ihren Blicken ent 
schwunden. Jetzt zum ersten Male an diesem denkwürdigen 
Abend klopfte ihr das Herz in einer Anwandlung von 
Furcht, und cs war mehr als wahrscheinlich, daß sie erst 
jetzt das Stoßgebet zum Himmel emporsandte, das sie 
vorhin vollständig vergessen hatte. Aber die Lual ihrer 
Ungewißheit war glücklicherweise nur von kurzer Dauer. 
Hell und frisch klang die Stimme des jungen Mannes über 
das schweigende Wasser: 
„Hallo! — Habe das Boöt. Bin gleich drüben." 
Dann vernahm sie das Plätschern von gleichmäßigen, 
kraftvollen Ruderschlägcn, und das plumpe Fahrzeug rauchte 
aus der Dunkelheit auf. Sie gelangten glücklich an das 
andere Ufer, und der Nest ihres Heimweges verlief ohne 
jeden bemerkenswerte» Zwischenfall. Auch ihre Unter 
haltung war jetzt viel einsilbiger a>s vorhin. Die dangen 
abgekocht. Redner betonte dann, daß allgemein die Anzeige 
pflicht der Aerzte bei offener Tuberkulose erstrebt werden 
müßte. Nur dadurch kann ein wirksamer Schutz gegen 
Weiterverbreitung der Seuche gewährleistet werden. Die 
Fürsorge müsse in die Wohnungen hineingetragen werden 
zum Schutze gegen die Gefährdeten und der Gesunden. 
Er habe für die Gemeinden folgende 10 Grundsätze .aufge 
stellt: 1. Fortlaufende Aufklärung des Publikums durch 
öffentliche Vorträge, Ausstellungen und Berichte. 2. Fort 
laufende kostenlose Desinfektion der Wohnungen (Formalin), 
mechanische Desinfektion der Betten und Bettwäsche. 3. Aus 
dehnung der Schularztpflege, auch auf die höheren Schulen. 
Ueberweisung tuberkulöser Kinder an die Fürsorgestelle. 
4. Einrichtung von Kinderheilstätten. 5. Wohnungsznschuß 
um den Tuberkulosekranken Isolierung zn ermöglichen. 
6. Gestellung von Betten, gegebenenfalls auch von Bettwäsche. 
7. Lieferung von Milch. 8. Verschärfte Milchkontrolle. 
9. Ozonisierung der Volksbibliotheken und von Menschen 
überfüllten Räumen. 10. Reger Verkehr mit den Nachbar- 
gemeinden zur Anreguug derselben Einrichtungen. Wenn 
man so langsam aber sicher vorwärtsgehe gegen die Seuche, 
nicht nachlasse im Kampf, immer weitere Kreise aufkläre 
und gewinne, die Gleichgültigkeit bekämpfe, dann werde 
großes erreicht mereen für das Volkswohl. Schöffe Sadöe 
ging dann noch kurz auf die Alkoholbekämpfung ein, die er 
ganz besonders auf die Jugend ausgedehnt wissen möchte. — 
Lebhaftes Bravo wurde dem Redner, dessen Ausführungen 
man gespannt gelauscht hatte, gespendet. Bürgermeister 
Walger bemerkte noch, daß die Aufmerksamkeit, mit der 
man dem Redner gefolgt sei, für diesen der beste Lohn 
wäre. Aber er möchte ihm auch noch offiziell den Dank 
aussprechen. 
o Eisenbahnverkehr am Totensonntag. Die Voll- 
ringzüge ab Westend verkehren am morgigen Sonntag schon 
von 11 Uhr 18 Minuten, bezm. 11 Uhr 13 Min. Vorm, 
ab; in der Zeit bis gegen 5 Uhr Nachm, werden nicht 
weniger als je 15 Vollringzüge in beiden Richtungen ge 
fahren werden. Vom Schlesischen Bahnhof werden ab 1 Uhr 
2 Min. Nachm, neun Sonderzüge nach Lichtenberg- 
Friedrichsfelde und ebensoviele in umgekehrter Richtung ein 
gelegt werden. Nach Stahnsdorf Friedhof und zurück 
verkehrt ab Charlottenburg 11 Uhr 46 Min. Vorm, bis 
5 Uhr 40 Min. Nachm, stündlich - ein Sonderzug; die 
Gegenzüge fahren ab Stahnsdorf Friedhof 12 Uhr 49 Min. 
bis 0 Uhr 49 Min. ebenfalls stündlich nach Charlottenburg. 
o Zur letzten Ruhe gebettet wurde heute Nachmittag 
auf unserem Friedhofe der Kaufmann Herr Ferdinand 
Hartwig bei zahlreicher Beteiligung. Die Trauerrede in 
der Kapelle hielt Herr Pfarrer Görnandt, der einen Rück 
blick auf den Lebensweg des Verstorbenen warf und den 
Hinterbliebenen warme Worte des Trostes spendete. — 
Herr Hartwig eröffnete s. Zt. das erste Material- und 
Kolonialwarengeschäft in Friedenau, das noch bis vor wenigen 
Jahren in seinem Hause am Wilincrsdorfer Platz Ecke 
Handjery- und Schmargendorfer-Straße bestand. In unserer 
Gemeinde bekleidete der Verblichene verschiedene Ehrenämter; 
lange Jahre hindurch war er auch Königl. Ltempelverteiler. 
Ebenso war er Mitglied mehrerer Ortsvereine. Seine 
Töchter gehörten unserm Turnverein an und haben sich auch 
mit Friedenauer Turnern vermählt. — Das zahlreiche Geleit, 
das Ihm heute auf seinem letzten Wege gegeben wurde, 
bezeugte, welcher Achtung sich der Verstorbene hier erfreute. 
So wird das Andenken an ihn nicht so schnell verlöschen. 
Er ruhe sanft! 
o Meisterprüfung. Wie wir nachträglich erfahren, 
hat unsere langjährige Mitbürgerin, die Photographin Frl. 
Susan na Reußner, Kaiserallee 131 wohnhaft, im Sep 
tember d. Js. ihre Meisterprüfung in der Photographie vor 
der Handwerkskammer Berlin bestanden. Fräulein Reußner 
ist von allen Photographen Friedenaus am längsten an 
sässig im Ort, schon seit Januar 1902. Ihre Kinderauf 
nahmen sind weithin rühmlichst bekannt. 
o Rege Bautätigkeit am Steglitzer Stadlpark ist für 
das nächste Jahr zu erwarten. Die Terraingesellschaft 
Steglitz-Südende, deren Prospekt der heutigen Nummer bei- 
licgt, hat im Laufe der letzten Wochen eine ganze Anzahl 
Baustellen ihres am Stadtpark Steglitz belegenen Terrains 
an gut situierte Bauunternehmer verkauft, die auf den er 
worbenen Banstellen moderne Wohnhäuser errichten, die im 
Laufe des nächsten Sonimers beziehbar werden. Es bietet 
sich dadurch willkommene vermehrte Wahnnngsgelegenheit 
in unmittelbarer Nähe des Stadtparks, dessen Schönheiten 
leider noch immer nicht so allgemein bekannt sind, wie sie 
Minuten, die Sylvia durchlebt hatte, während ihr Be 
schützer den Fluß durchschwamm, ohne daß ihr Blick seinen 
Bewegungen hätte folgen können, mußten eine ganz 
eigene Wirkung auf sie geübt haben, da es ihr nicht ge 
lingen wollte, die Unbefangenheit wiederzufinden, die sie 
doch vorhin nicht verlassen hatte. 
Endlich, eine Viertelstunde vor Mitternacht, sahen sie 
die erleuchteten Fenster des „Hote> Bellevue" vor sich, und 
sie bemerkten gleichzeitig eine Anzahl beweglicher Lichter, 
die sich ihnen zu nähern schienen. 
„Ich vermute, daß dies eine Rettungs-Expedition ist, 
die man ausgerüstet hat, Sie zri suchen," scherzte Hoiningen. 
„Ich glaube, es ist am besten, wenn ich den Leuten ent 
gegengehe, und wenn Sie unterdessen auf dem kleinen 
Umwege durch die Anlagen das Hotel zu gewinnen suchen. 
Es würde Ihne» ficheilich nicht erwünscht sein, jetzt mit 
den neugierigen Fragen dieser Leute überschüttet zu werden. 
Gutenacht I Ich gewähre Ihnen für morgen früh ein 
Extrastündchen erquickenden Morgenschlummers." 
Eie zauderte für den Bruchteil einer Sekunde; dann 
streckte sie ihm ihre Hand entgegen. 
„Gute Nacht!" hauchte sie, und, kaum noch vernehin» 
lich, fügte sie hinzu: 
„Trotz alledem: cs war ein herrlicher Abend." 
Damit huschte sie davon, und lächelnd trat zwei 
Minuten später Graf Kurt Dietrich von Hoiningen den 
Hotelbedicustete» und Ortseinwohnern entgegen, die sich 
mit Laternen und allerlei Rettungsgcrät arifgemacht hatten, 
um das Flußufer nach den Vermißten abzusuchen. 
(Fortsetzung felgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.