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Periodical volume Nr. 273, 20.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

anläßlich der Nächst?rr Monatsversammlung einen Vortrag 
über das Thema „Die Stenographie im Verwaltungsdienste". 
Die Versammlung findet, ivie aus der Anzeige in dieser 
Nummer ersichtlich, am Freitag, dem 21. November (morgen), 
Abend 8‘/ 2 llhr, im oberen Saale des „Kaiser-Wilhelm- 
Gartens", Rheinstr. 05, statt. Gäste sind herzlich willkommen. 
o „Heimat und Fremde" oder „Die Geschichte einer 
Familie", ein prachtvoller Film, der in Berlin bei stets 
ausverkauftem Hause über 150 Aufführungen erlebte, kommt 
von morgen ab in den „Hohenzollern - Lichtspielen", 
Handjerystraße 64, zur Vorführung. Emanuel Reicher und 
Sohn, sowie Johanna Termin, die hervorragenden Schau 
spieler, wirken in diesein Drania in den Hauptrollen. Ein 
Drama der Leidenschaft, das gleichfalls in den „Hohen- 
zollern-Lichtspielen" gezeigt wird, betitelt sich „Was Liebe 
vermag". „Der Thcaterteufel", Drama eines Groß 
industriellen, wird als Einlage vorgeführt. Ferner enthält 
das Programm wieder eine große Reihe humoristischer Schlager 
und wunderbarer Naturbilder, sowie das beliebte Patho 
Journal. — Als Voranzeige möchten mir bekannt geben, 
daß vom Dienstag, dem 25. d. M., ab die großen Reisen 
und Jagden in Afrika gezeigt werden. Der Film spielt 
1 1 / 2 Stunden und wird dreimal am Abend vorgeführt 
werden; er stellt das Hervorragendste dar, was bisher auf 
dem Gebiete der Kinematographie geleistet wurde. 
o Auf der Treptow-Sternwarte finden folgende 
wissenschaftliche Kino-Vorträge statt: Am Sonnabend, dem 
22. November. Nachm. 5 Uhr: „Aus fernenLanden", 
Abends 7 Uhr: „Scott's Reise zum Südpol und ein Blick 
ins Weltall", am Sonntag, dem 23. November, Nachm. 
5 Uhr: „Christoph Kolumbus", Abends 7 Uhr: „Inter 
essante Bilder aus Italien", am Montag, dem 24. No 
vember, Abends 7 Uhr: „Natur und Leben in norddeutschen 
Gauen." Am Dienstag, dem 25. Noveiuber, Abends 8'/, 
Uhr: spricht Dir. Dr. F. S. Archenhold über: „Astronomie 
mit dem Opernglas und kleinen Fernrohren" unter Vor 
führung zahlreicher Lichtbilder; die Hörer werden gebeten, 
Ihre Operngläser mitzubringen, da nach dem Vortrage 
praktische Uebungen im Aufsuchen der Sternbilder auf der 
Plattform des Instituts abgehalten werden!' — Mit dem 
großen Fernrohr wird der Saturn beobachtet. 
o Das Große Herbst-Preiskegeln im Lautcrplatz- 
Kasino, Friedenau, Hauplstr. 80, veraustaltet vom Kegel 
klub „Friedenau 1009", nimmt am Donnerstag, Sonn 
abend und Sonntag seinen Fortgang. Schlußkegeln am 
14. Dezember 1913. Kegeltage jederr Donnerstag, Sonn 
abend und Sonntag. Das Preiskegeln findet auf allen 4 
Spellmannbahnen statt, Bahn I und II eingerichtet der 
Kegelstaud mit Piepcrschen Freistand. Auf der Tauer-Geld- 
bahn 1. Preis 500 M., 2. Preis 400 M.. 3. Preis 300 M. je. 
Auf einer kleinen Geldbahn, 1. Preis 50 M., 2. Preis 40 M., 
3. Preis 30 M. und zwei Lebensmittelbahnen, diese drei 
Bahnen jeden Sonntag Preisverteilung. Hohe Tages- und 
Stundenpreise. Die Führung der Kegellisten haben Militär- 
personen übernommen. Am Sonntag, dem 16. d. M. er 
rangen die ersten Preise: Auf Bahn II (Kleine Geldbahn), Herr 
Stahl mit 4 Kugeln 30 Holz, Bahn. III (Wild und Ge 
flügelbahn) Herr Nagel mit 4 Kugeln 34 Holz und Bahn IV 
(Delikatest- und Schinkenbahn) Herr Wartemann mit 4 Kugeln 
33 Holz. Alle Kegelfrcunde von Fern und Nah sind zu 
dieser sportlichen Veranstaltung herzlichst eingeladen. Für 
gute Speisen und. Getränke ist bestens gesorgt. 
o Schlaraffenland Friedenau! Bisher konnten unsere 
Hausfrauen gerade nicht behaupten, daß Friedenau ein 
Eaffaraffeittand ist, wo ihnen die gebratenen Tauben in den 
Mund fliegen. Im Gegenteil, sie klagten recht sehr, daß 
in Friedenau die höchsten Fleischpreise zu zahlen sind und 
auch sonst die Lcbensmittelpreise eine ziemliche Höhle auf- 
wciscu. Daß ihnen hier aber auch mal ein feiner Sountags- 
bratcn in die Hand fliegen kann, lehrt folgender Vorgang. 
Ein Herr ging in der Maßmannstraße spaziere», als ihm 
plötzlich ein großer Vogel entgegen flatterte; er griff zu und 
— halte einen strammen Fasan. Selbstverständlich ließ er 
das Tier nun nicht wieder los, sondern nahm es mit in 
seine Behausung. Am Sonntag wird es wohl seine Tafel 
zieren! Jedenfalls ist der Fasan durch den gestrigen Sturm 
aus dem Grunewald hierher verschlagen worden. Er war, 
als ihn der betr. Herr einfiug, vollständig entkräftet. 
o Von einer Lore gequetscht wurde auf dem Park- 
gelände Am Seepark, Prinz-Regenteu-Straße, der Arbeiter 
Gustav W. aus der Akazienstr. 21 in Schöneberg. Er er 
litt eine große Fleischwunde am rechten Fuße, die auf der 
Rettungsstation genäht und verbunden werden mußte. 
„Ja, RUß Pendletou, aus ehrlichster Ueberzeugung 
kann ich Ihnen das bestätigen. Und zum großen Teil 
waren es Heldentaten, die schwerer wiegen als ein un 
erschrockenes Draufgeheu auf den Feind. Was ich in 
diesem Feldzuge meine Kameraden ohne Murren und 
Klagen an furchtbaren Strapazen und Entbehrungen habe 
ertragen sehen, ging oft sehr weit hinaus über das, was 
man unter anderen Umständen einem Menschen hätte zu 
muten, dürfen. Man hat daheim in Deutschland nicht viel 
Aufhebens davon gemacht, wie Sie ganz richtig bemerkten. 
Und ich kann nicht umhin» darin so etwas wie llndank 
und llugerechtigkeit zu erblicken. Von ^ttl den Braven 
aber, die in den wasscrlosen afiikanischen Sandwüsten ver 
schmachteten oder unter den tückisch aus dem Hinterhalt 
abgefeuerten Hererokngeln ihr junges Leben aushauchten, 
hat wohl keiner an Dank und an rühmende Anerkennung 
gedacht. Es war ein Heroismus der getreuen Pflichter 
füllung, der alle diese Braven beseelte, und nie bin ich so 
stolz darauf gewesen, ein Deutscher zu sein, als in jenen 
Tagen." 
In Sylvias Augen, die unverwandt an seinen Lippen 
hingen, war ein wundersames Leuchten. In diesem Mo 
ment hatte sie wirklich alles vergessen, was sie an sozialen 
Gegensätzen von diesem Manne trennte. Die Wärine und f 
Ehrlichkeit seiner Begeisterung harte auch sie hingerissen, 
und sie hatie keinen anderen Wunsch als das Verlangen, 
ihn weiter so sprechen zu hören. Sie bat ihn, von seinen 
eigenen Erlebnissen aus dem SIriege gegen die aufständi 
schen Völkerschaften zu erzählen, und er sträubte sich nicht, 
ihrem Wunsche zu willfahren. Freilich war von feiner 
Person bei allem, was er berichtete, wenig oder gar nicht 
die Rede. Immer waren cs die' Taten und Leistungen 
o 50 Hühner verbrannt. Die Steglitzer Wehr wurde 
Dienstag früh 0 llhr nach der Jahnstraße gerufen, wo eine 
Laube brannte. Bei näherer Besichtigung der Brandstätte 
ergab sich, daß in der Laube 50 Hühner verbrannt waren. 
Offenbar haben Diebe bei dem Einbruchsdiebstahl durch Un 
vorsichtigkeit das Feuer entzündet, leider fehlt noch jede 
Spur der gefährlichen Burschen. Die Feuerwehr löschte den 
Brand sehr schnell und verhinderte somit ein weiteres Um 
sichgreifen des Feuers. , 
Verelns-Hacbncbten 
Am Freitag tagen: 
Stcnographenverein „Stolzc-Schrey". '/,9 llhr in der Gemeinde- 
Mädchenschule, Goßlerstraße. Diktatschreiben in verschiedenen Ab 
teilungen. ■> 
Verein für Elektro-Homoepathie zu Friedenau. Sonnabend, 
22. November, Abends 8'/, llhr im Kaiser-Wilhelm-Gartcn, Frie 
denau, Rheinstr. 651. Vortrag des Herrn Rudolf Bußmann über: 
Die Verhütung von Rückfällen nach elektro-hom. Kur. Bericht 
über die Einstellung des von Friedenauer Aerzten gegen den Redner 
als Jmpfgegner in Szene gesetzten Strafverfahrens. Eintritt für 
- Gäste frei. 
Zcböneberg 
— o Ueber das Vermögen des Baumeisters Ernst 
Herrmann, Alleininhabers der Firma Gebr. Herrmann, 
Baugeschäst, Bamberger Str. 56, Geschäftslokal ebenda, 
Baniberger Str. 57, ist das Konkursverfahren eröffnet. 
Der Amtssckretär a. D. Karl Willner, Berlin-Friedenau, 
Handjerystr. 73, ist zum Konkursverwalter ernannt. 
Konkursforderungen sind bis zum 25. Dezember 1913 bei 
dem Gericht anzumelden. 
Berlin und Vororte 
§o Die Schwcbebahn-Probestrecke in der Biuunenstraße 
wird zurzeit abgebrochen. Um den enormen Verkehr fan 
jener Stelle nicht zu stören, wird der Abbruch größtenteils 
zur Nachtzeit ausgeführt, aber auch dann muß mit großer 
Vorsicht zu Werke gegangen werden, da die gefährliche Nähe 
der Straßenbahnfahrdrähte, die sich zu beiden Seiten der 
Probestrecke hinziehen, sehr hinderlich ist. Die Arbeiten 
dürften sich im Hinblick auf die besonderen Verhältnisse an 
jener Stelle bis gegen Weihnachten hinziehen. 
o Wilmersdorf. Ein großer städtischer Spielplatz 
wird jetzt im Garten des alten Joachimsthalschen Gym- 
nasiums hergerichtet. Es sind in dem großen Gelände, das 
sich an der Kaiserallee und Mcierottostraße hinzieht, sämt 
liche Gebüsche entfernt und große freie Plätze geschaffen 
morden, die von Blumenbeeten eingefaßt und von hohen 
Bäumen beschattet werden. Die hohe Mauer, die den Park 
noch umsäumt, wird nach Vollendung der Gesamtanlage 
fallen und Wiimersdorf dann einen großen schönen Spiel 
platz haben. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Die Arbeiten, bic zur Nculcgung der Gleise und Ausähuug des 
Rasens in der Rhcbistrnßr-nötkr waren und sind, sind noch immer 
nicht fertig. Es wäre sehr wünschenswert, daß vor Eintritt des 
. Frostes die Pslastcrarbeiten beendet wären. So befindet sich längst 
vorm Hause Rheinstraße 66, Ecke Hedivigstraße, eine Fallgrube für 
' Fußgänger, weil dort der Bürgersteig noch immer der Pflasterung 
harrt. Wann wird dieser den polizeilichen Vorschriften gemäß 
wieder hergestellt feinV —r. 
8. Cebrerfabrt des deutschen 
flottenvereins 
vom 24. bis 29. Juli 1913. 
Von H.. Volkmann, Friedenau. 
(Schluß.) 
Nachdem wir unsere anheimelnde Quartiere aufgesucht 
hatten, vereinigten wir uns noch in späterer Abendstunde zil 
einem gemeinschaftlichen Mahle im großen Spcisesaal des 
Helgoländer Kurhauses, woselbst mir in aufmerksamer und 
ehrender Weise vom Garnisonkommaiido durch einen 
Offizier und von der Helgoländer Verwaltnng durch den 
Bürgermeister begrüßt wurden. Der nächste Vormittag galt 
der Besichtigung des trotzigen und doch so malerischen Felsen 
nestes. Beim Erwachen am nächsten Morgen lag der rote 
Fels und die blendend weiße Düne im glänzendsten 
Sonnenschein. Unwillkürlich mußte man an das poesievolle 
Wappen Helgolands denken: „Grön ist bet Lun — Road 
is de Kant — Witt is de Sunn — deat ist det Woopcn 
van hillign Lun! 
anderer, die er in den Vordergrund zu stellen wußte, und 
nur auf dem Wege der Ueberlegung konnte Sylvia zu 
dem Schluß gelangen, daß einer, der dies alles mit der 
plastischen Anschaulichkeit des eigenen Erlebnisses zu schil 
dern wußte, sich wohl nicht allzu weit von dem Schau 
platz der Ereignisse' entfernt befunden haben konnte. Wah 
rend seine starken Arme mit spielender Leichtigkeit die 
Ruder handhabten, während das leichte Boot mit nnver- 
ringerter Geschwindigkeit dahiicschoß. entrollte Hoiningen 
vor der Seele seiner gespannt aushorchenden jungen Zu- 
hörerin eine lange Reihe farbenreicher, ergreifender und 
erhebender Bilder, von denen sie schon in diesem Augen 
blick wußte, daß jedes einzelne sich ihreui Gedächtnis un 
auslöschlich einprägen würde. 
Aber über alledem stand der unermüdliche Erdenball 
nicht stille. Der rotglühende Sonnenball verschwand in der 
schmalen Dunstschicht am fernen Horizont, und Sylvia be 
merkte plötzlich, daß es beunruhigend dunkel geworden 
war. 
„Mein Himmel," sagte sie, „ich glaube, über Ihren 
Kriegsgeschichten, die wirklich sehr interessant waren, haben 
wir ganz vergessen, daß wir auch wieder nach Hause 
müssen. Wie spät haben wir es denn eigentlich?" 
Hoiningen mußte die Taschenuhr ziemlich nahe an 
eine Augen bringen, um Zeiger und Ziffern noch unter 
scheiden zu können. 
„Spät genug, daß wir schon längst wieder im Bellevue- 
Hotel fern sollten," erklärte er. „Ich niache mir die 
bittersten Vorwurfe, nicht früher daran gedacht zu haben. 
Denn wenn es auch ein herrlicher Abend ist, so könnten 
Sie sich doch hier auf dem Wasser leicht genug einen 
Schnupfen holen." 
In dankenswerterweise hatte das Garnisonkoinmando 
Unteroffiziere und Gefreite der Matrosenabteilung gestellt, 
welche uns, soiveit es Laien eben zugänglich ist, die An 
lagen und Befestigungen der Insel zeigen und erklären 
sollten. Dieser Ausgabe entledigten sich die jungen schmucken 
Krieger mit großem Elfer und auch Geschick. Die Insel 
hat sich unter deutscher Herrschaft in jeder Beziehung ge 
hoben. Die gewaltigen Schutz- und Derteidigungsbauten 
haben sie in einen Hauptstiitzpunkt unserer Nordseegeschwader 
verwandelt. Durch die Befestigungsanlagen sind die Spazier 
wege im 'Oberlande vermehrt und verbessert worden. Die 
Stunden bis zur Abfahrt nach dem Nordostseekanal flogen 
schnell dahin durch Besuch des Badestrandes, der Düne und 
durch die Rundfahrten um die Insel zur Besichtigung der 
Grotten und zerklüfteten Felsinassen der Westküste. Hier 
befindet sich auch der Lummenfelsen, der ständige Sommer 
sitz der im Frühjahr zu Hunderten vom hohen Norden zuin 
Brüten nach Helgoland kommenden Lummen. Der Aufenthalt 
auf dem hochragenden roten Felseneiland war einer der 
Glanzpunkte auf unserer Flottenfahrt. Doch zu bald schlug 
die Scheidestunde. Schon wartete auf der Reede der hoch- 
bordige weißschimmernde „Kaiser" der Hamburg-Amerika- 
Linie, auf dem wir unsere Ueberfahrt nach Brunsbüttelkoog 
bewerkstelligen sollten. Schnell versammelten wir uns noch 
einige Augenblicke an dem Denkmal von Hoffmann von 
Fallersleben, dem Dichter von.Deutschlands Hochgesang und 
machtvoll schallte das „Deutschland. Deutschland über alles" 
ans mehr als 300 frischen Kehlen über das deutsche Meer 
hinaus. Darauf erfolgte mit Hilfe der prächtigen, schweig 
samen Helgoländer Schiffergestalten das Einbooten. Die 
wenigen Stunden an Bord des eleganten Turbinenschnell 
dampfers, der niit Nordseebäder-Passagieren voll besetzt war, 
eilten schnell vorüber.. Die Sonne flimmert und strahlt 
! goldig hernieder, rechts zu links schießen scharenweiße 
> silberige Möven vorbei. Wahrlich ein schöneres Bild kann 
! man sich kaum vorstellen. Rgch 3 1 / 3 stündiger Fahrt er- 
! reichten wir Brunsbüttelkoop. Unmittelbar nach der An 
kunft wurden uns durch Beamte des Kaiserlichen Kanal 
amtes die noch im Bau befindlichen neuen Schleusentore 
erklärt. Der im Jahre 1895 dem Berkehr übergebene 
Kanal, welcher von Brunsbüttelkoog an der Elbmündung 
bis Holtenau an der Kieler Bucht eine Länge von 98,65 
Kilometer besitzt, hat eine Tiefe von etwa 9 Meter, eine 
Breite an der Kanalsohle von 22 Meter und am Wasser 
spiegel von 67 Meter. Zur Zeit wird der Kanal mit einem 
Kostenaufwand von 223 Millionen Mark vertieft und ver 
breitert, sv daß er auch unseren größten DrcahnoughtS die 
Durchfahrt ermöglicht, damit so der Vereinigung unserer 
Kriegsflotte je nach Bedürfnis bald in der Nordsee, bald in 
der Ostsee nichts im Wege steht. Auch die Anlage der ver 
breiterten Schleusentore wird eine vollkommen neue und im 
Prinzip ganz andere. In den gewaltigen Beton-Tormauern 
werden Nischen eingebaut, in welchen die gewaltigen 
Schleusentore, gleichsam einer Schiebetür, durch elektrische 
Kraft spielend hineingezogen werden können. 
Von Brunsbüttelkoog führte uns ein Sonderzug nach 
Kiel. Für Mel waren. ?. Tqgg in unserem Neiseprogramin 
vorgesehen. Hatten wir bisher vorwiegend Eindrücke von 
unseren deutschen Seehandesintereffen und der enormen 
Ausgestaltung unserer Kauffahrteiflotte empfangen, so sollten 
wir jetzt unser Bild dadurch vervollständigen, daß wir das 
Rückgrat unserer Scegeltung, unserer Kriegsflotte und deren 
Hauplstützpunkt kennen lernten. So gestaltete, sich unser 
Aufenthalt in Kiel zum Glanzpunkt der ganzen lehrreichen 
Flottenfahrt. Schon der Empfang und die Begrüßung am 
Bahnhof war für uns besonders ehrend und erhebend. Von 
einem Seeoffizier als Vertreter des Garnisonkominandos und 
zahlreichen Deckoffizieren, die uns während unseres Kieler 
, Aufenthalts als Führer und Instrukteure beigegebcn waren, 
empfangen, marschierten wir init der Kapelle des See- 
bataillons an der Spitze- in strammem Schritt nach einem 
. großen Gartenetablissemcnt, wv die Flvttenfahrer durch den 
Vorsitzenden des Schleswig-Holsteinischen Prooiuzialverbandes 
Excellenz Herr Generalleutnant v. Hopensteet, durch die 
. Kieler Stadtverwaltung und den Vorsitzenden des Kieler 
Lchreroereins in chrenhcr Weise begrüßt wurden. Höher 
schlug uns das Herz, als der junge Seeoffizier im Namen 
des Kieler Seekommandos von der Tüchtigkeit und Macht 
unserer deutschen Kriegsflotse in kurzen schlichten Worten 
sprach und mit Begeisterung stimmten wir das „Flaggcn- 
lied" an. Ganz besonders poetisch gestaltete sich dann die 
Dampferfahrt bei mondheller Nacht nach unseren Quartieren, 
den Wieker-Kasernements. Unsere Nachtquartiere in den vor- 
„Es ist natürlich nicht die Furcht vor einem Lchnnp- 
fen, die mich beunruhigt. Aber Frau von Riedberg wird 
sich meinetwegen ängstigen. Was um des Himmels 
willen, soll sie denn nur von unserem langen Ausbleiben 
denken?" 
„Das schlimmste selbstverständlich," stimmte Hoiningen 
etwas unüberlegt zu. Und Miß Pendleton runzelte die 
Stirn. 
„Wie spät haben wir es?" wiederholte sie ihre vorige, 
bis jetzt unbeantwortet gebliebene Frage. 
„Würden Sie nicht vielleicht glücklicher fein, wenn Sie 
es nicht erführen, Miß Pendleton? — Wir fahren auf dem 
Rückwege mit der Strömung und " 
Er hatte längst gewendet, und das kleine Fahrzeug 
schoß in der Tat jetzt pfeilschnell dahin. Sylvia aber gab 
sich mit seiner ausweichenden Erwiderung nicht zufrieden. 
„Ich frage Sie jetzt zum dritten Male, Herr Westen- 
holtz, wie spät wir es haben." 
»Nun, denn, es ist beinahe halb zehn." 
„O gütiger Himmel! Und es war noch nicht halb 
acht, als ich das Hotei verließ. Wie haben Sie es nur 
angefangen, mich, die Zeit so . ganz vergessen zu machen?" 
Es war wohl eine mehr rhetorische Frage gewesen, 
die nicht unbedingt emm Antwort bedurfte, und Hoinrn- 
gen unterließ es denn auch, tiue solche Antwort zu geben. 
Rach einem Keinen Schweigen fing Miß Pendleton an, 
ihn zur Eile zu drängen, obwohl er in dieser Hinsicht 
wirtlich schon das Menschenmögliche tot. 
„Rudern Sie recht schnell — ich bitte Sie. darum. Die 
Daroiiin wird mit Recht erzürnt sein,, und ich werde nicht 
wissen, womit ich mich bei ihr entschuldigen soll." 
(Fortsetzung fotgt.)
        
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