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Periodical volume Nr. 272, 18.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

nur deswegen abznlYeisOp ttVoU die buchmäßig zur Ber- 
sügimg stehenden Mittet nicht ausreichen. Auch der Weht 
fayrtsausjchuß hat sich auf demselben Standpunkt acstetlt, 
und demgemäß sprechen wir uns für die Bewilligung von 
weiteren 250 M. für 1913 aus. Mit diesen Mitteln läßt 
es sich ermöglichen, für die Zeit von Dezember 1013 bis 
März 1914 außer den bereits unterstützten 14 Personen 
noch weitere 9—10 bilfsbedürftige Kranke mit Milch zu 
versorgen, was vorläufig ausreichend sein wird. Wir be 
antragen, zu beschließen: Zu Voranschlag IV Ziffer 46 für 
1913 werden 250 M. für Milchlieferungen nachbewilligt. 
Vorlage betreffend Verpachtung deS Gemeindegrundstücks Niedstr. 8. 
Der Dachdeckermeister Herr Lemnitzer hat sein mit der 
(Gemeinde eingegangenes Mietsverhältnis bezüglich des 
Grundstücks Niedstraße 8 zum 1. Januar 1914 fristgerecht 
gekündigt. Sein Geschäftsnachfolger, der Dachdecker Herr 
Dreßler, hat gebeten, ihm das Grundstück gegen eine Pacht 
von 1500 M. jährlich zu vermieten. Wir haben zunächst 
die Frage eingehend geprüft, inwieweit wir selbst das 
Grundstück für Gemeindezwecke verwenden köniten und 
sind dabei zu der Ueberzeugung gelangt, daß es 
zweckmäßig ist, nur die Hälfte des Grundstücks einschließlich 
des an der Straße stehenden einstöckigen Wohngebäudes dem 
neuen Pächter zu überlassen und die andere Hälfte ein 
schließlich Stallungen, Remise und Kutscherwohnung für 
Gemeindezwecke zu reservieren. Wir denken dabei in erster 
Linie an Unterbringung der Feuerwehrgespanne und -Geräte 
für den Fall, daß mir frühzeitig das Gemeindegrundstück 
am Wilmersdorferplatz verlassen müssen und bis dahin das 
Rathaus für die Feuerwehr noch nicht beziehbar ist. Ferner 
wird auch die Slraßenreinigungs- und Kanalisationsver 
waltung die Räume dort zum Teil brauchen. Schließlich 
ist aber auch damit zu rechnen, daß das Grundstück bei dem 
im Laufe des Jahres 1014 geplanten Umbau der Gemeinde- 
schule Albestraße zum Teil in Anspruch genommen wird. 
Aus allen diesen Gründen ist es vorsichtiger Weise geraten, 
den hinteren Teil mit den bereits ekivähutcn Gebäuden für 
die Gemeinde zu reservieren. Wie die Teilung des Grund 
stücks beabsichtigt ist, werden wir in der Sitzung näher er 
läutern. Vorweg sei bemerkt, daß eine gemeinsame Auf 
fahrt und die für das Umwenden großer Fcuerwehrwagen 
und für die Lagerung der Dachdeckermaterialien des Pächters 
notwendigen Flächen vorgesehen sind. Bei dieser Grund 
stücksteilung will der Pächter ebenfalls eine Miete von 
1500 M. für das Jahr zahlen. Nach dem mit Herrn 
Lemnitzer seinerzeit abgeschlossenen- Kaufverträge (Herr 
Lemnitzer war früher Eigentümer des Grundstücks) sind die 
ans dem Grundstück stehenden Baulichkeiten mit Ausnahme 
des Wohngebäudes sein Eigentmn geblieben. Er müßte sie 
jetzt entfernen, bietet sie aber der Gemeinde unentgeltlich 
unter der Bedingung an, daß sein Geschäftsnachfolger Herr 
Dreßler vom 1. Januar bis 30. September 1014 mietefrei 
seinen. Gruudstücksteil.mischt,.Wohnung benutzen darf. DaS 
käme einem Mietsausfall von 1125 M. gleich. Nach bau- 
sä'chb^rständtghm "Gntachlen äst dies eine" durchaus ange 
messene Bezahlung der uns zu überlassenden Baulichkeiten, 
die, wie bereits erwähnt, aus Stallgebäude, darüberlicgender 
Kutscherwohuung und einer Remise bestehen. Um für alle 
Fälle gesichert zu sein, soll der neue Pachtvertrag vom 
1. Oktober 1014 ab mit vierteljährlicher Kündigung jederzeit 
aufgelöst werden können. Wir beantragen beschließen 
zu wollen: 
Die. Gemeindevertretung ist mit der Verpachtung eines Teiles 
des Grundstücks Niedstraße 8 einschließlich Wohnhaus an den Dach 
decker Dreßler vom 1. Januar 1914 ab gegen einen jährlichen 
Pachtzins von 1500 M. einverstanden. Für die Zeit vom 1. Januar 
bis 30. September 1914 wird die Pachtsumme erlassen in der Vor 
aussetzung, daß der gegenwärtige Pächter, Dachdeckermeister Lemnitzer, 
die ihm gehörigen, auf dem Grundstück stehenden Gebäude nncrik- 
geltlich der Gemeinde übereignet. Vom 1. Oktober 1914 ab ist der 
Pachtvertrag mit Dreßler mit vierteljährlicher Kündigungsfrist 
jederzeit kündbar. Der Gcmeindevorftand ivird zu einem dem 
entsprechenden Vertragsabschluß ermächtigt. 
lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Hausfrau und die Dienstboteuversicherung. 
Wie groß das Interesse ist, das die Hausfrauen dem jetzt 
überall interessierenden Thema „Krankenversicherung der 
Dienstboten" entgegenbringen, zeigte der Besuch der vom 
Hausdienstausschuß Groß-Berlin für gestern Nachmittag nach 
dem Architektenhaus einberufenen Versammlung. Der Saal 
war bereits lange vor der angesetzten Stunde übervoll und 
■WWBBMmWslTmrTIlllllllllllUaMOWBMMMMMBwMMMBBMWBS-.ginPgt, 
wurde deshalb polizeilich geschlossen PieE Hunderte Hans-, 
sumen mußten vor der geschlossenen im umkehren. Auch 
in Friedenau ist die Frage der Dlenjtbvlcu hochaktuell. 
Deshalb soll mrch hier am Montag, dem 24. November er., 
Abends 8 Uhr, eine öffentliche Versammlung in der 
Aula des Reformrealghmnasiums, Homuthstraße, ab 
gehalten werden, die vom hiesigen Haus- und Grundbesitzer- 
verein einberufen ist und zu der alle Jntereffenten einge 
laden sind. Es wird ein Vortrag über die allgemeinen 
gesetzlichen Bestimmungen der Krankenversicherung unter 
Berücksichtigung. der satzungsmäßigen Bestimmungen der 
Landkrankenkasse gehalten iverden, an den sich eine Aus 
sprache anschließen wird. Wir weisen aus die Versammlung 
nachdrücklich hin, indem wir namentlich unseren Hausfrauen 
den Besuch warm empfehlen. 
o Das Wohueu in den Lauben. Der Berliner 
Mieterverein hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, das 
königliche Staatsministerium zu bitten: 1. dem Landtag 
eine Novelle zum Ansiedlungsgesetz vorzulegen, in der die 
Laubenbcsitzer von der Ansiedlungsgenehmigungsvorschrift 
befreit werden und ihnen der zeitweise Aufenthalt und das 
Uebernachten in den Lauben gestattet wird, wenn sie sonst 
einen festen Wohnsitz haben; 2. einstweilen aber schon die 
Nachgeordneten Organe anzuweisen, daß sie in dem gedachten 
Falle den Eigentümern von Bauparzellen das zeitweise 
Wohnen in ihren Sommerhäuschen bezw. Lauben gestatten. 
Der Mieterverein ist der Ansicht, daß das Laubonpachten 
eine so gesunde und wohltuende Bestrebung ist, daß es in 
jeder Beziehung unterstützt werden muß. 
o Warnung an Inhaber von Zeitkarten. Die 
Slaatsbahnvenualtung sieht sich im öffentlichen Interesse 
veranlaßt, vor einem Mißbrauch zu warnen, der leider im 
Berliner Stadt- und Vorortsverkehr noch häufig vorkommt, 
obwohl er schon in vielen Fällen zur strafrechtlichen Ver 
urteilung von Reisenden geführt hat. Es ist die bekannte, 
insbesondere bei Inhabern von Zeitkarten beobachtete, miß 
bräuchliche Gepflogenheit, daß sie bei Fahrten, die sie 
außerhalb des Geltungsbereiches der Monatskartenstrecke an 
treten, keine ausreichende Fahrkarte bis zum Anschluß an 
die Strecke lösen, sondern nur eine billigere Karte für eine 
Teilstrecke, in der Hoffnung, mit letzterer Karte unange 
fochten das Gebiet ihrer gültigen Zeitkarte zu erreichen. 
Die Eisenbahnverwaltung hat nunmehr angeordnet, daß 
Reisende, die bei einem solchen Mißbrauch betroffen werden, 
nicht nur das erhöhte Fahrgeld von 6 M. zu bezahlen 
haben, sondern ausnahmslos auch zur strafgerichtlichen Ver 
folgung wegen Betruges anzuzeigen sind. 
o .Klasseulottcrie. Die vierte preußisch - süddeutsche 
Klassenlotterie, die 230. in Preußen, bestehend ans 428 000 
Stamm- und 40 000 Freilosen, beginnt am 12. und 13. 
Januar 1014 mit der ersten Ziehung; es folgt die zweite 
Ziehung am 13. und 14. Februar, die dritte am 13. und 
! 14. März, die vierte am 7. und 8. April und die letzte in 
der Zeit-vom 8. Mai bis 4. Juni. Die Lose der ersten 
Klasse der neuen Lotterie werden vom Tage nach Be 
endigung der jetzigen Lotterie ab ausgegeben. ' 
o ZwangSvcistcigenmgscrgebnisse. Thorwaldsenstr.26, 
dem Architekten Paul Berthold und dem Architekten Willy 
Baumgarten, beide im selben Hause, gehörig. Fläche 11,00 
Ar. Nutzungswert 14 800 M. Mit dem Gebot von 
188 000 M. bar blieb die Deutsche Lebensversicherungs 
Bank Aktien - Gesellschaft in Berlin, Kronprinzenufer 18, 
Meistbietende. — Kaiscrallee 64/65, dem Dr Karl Günther, 
ebendaselbst, Kaiserallee 67, gehörig. Fläche 17,63 Ar. 
Nutzungswert 20 000 M. Mit dem Gebot von 30 000 M. 
bar und Uebernahme von 320 000 M. Hypotheken blieb die 
verwitwete Frau Baurat Sophie Haeger, geb. Bamberg in 
Berlin-Steglitz, Belfortstr. 34 n, Meistbietende. 
o Der Weihnachtsbazar des vaterländischen Frauen 
vereins vom roten Kreuz, der am 1. Dezember d. Js. in 
der Aula des hiesigen Reformrealgymnasiums in der 
Homuthstraße stattfindet, verspricht nach allem, was wir 
hören, einen sehr ansprechenden Verlauf zu nehmen. So 
haben u. a., wie uns mitgeteilt wird, die bekannte Schrift 
stellerin Else Krafft und mehrere bedeutende Künstler 
uvd Künstlerinnen ihre Mitwirkung gütigst zugesagt. 
Da in der Zeit von 4 bis 7 Uhr die Kleinen, die 
Kinder zu ihrem Rechte kommen sollen, werden in dieser 
Zeit Kinderbelustigungen aller Art, u. a. auch eine Kinder- 
lvttcrie veranstaltet werden, bei der auch der Weihnachts 
mann sein Erscheinen zugesagt hat; durch ihn werden alle 
Gewinne der Lotterie an die Kinder verteilt werden. Das 
geringe Eintrittsgeld von 25 Pf. wird hoffentlich viele 
DBU3S3 
ein vergebliches Bemühe» sein, denn am Sonntag ist 
das hiejige Postamt auch für die Annahme von Tele 
grammen geschlossen. Aber das Telephon steht zu Ihrer 
Verfügung." 
„0H, cs ist nicht so wichtig," erklärte die Baronin, 
indem sie die Telegramm-Formulare zwischen den Fingern 
zerknitterte. „Und ich danke Ihnen bestens für die freund 
liche Auskunft." 
Es sollte also nicht sein. Nun wohl, so blieb nichts 
anderes übrig, als die Dinge ihren Lauf nehmen zu 
lassen. Für den Augenblick wenigstens gab es keine 
Möglichkeit, den begangenen Fehler gutzumachen, ohne, 
die größte Gefahr, ihn zu verschlimmern. Abwartende 
Untätigkeit war vielleicht das einzige Mittel, aus dieser 
heillosen Verwirrung wieder herauszukommen. Denn 
wie auch immer sich die Dinge gestalten mochten, fegt 
konnte cs für sie nur noch gelten, ihre eigenen Interessen 
so wirksam, als möglich zu verfechten, ohne Rücklicht auf 
die bisher verfolgten Pläne. Es gab ja niemanden mehr, 
auf den sie sich unter den veränderten Verhältnissen noch 
mit Sicherheit verlassen konnte. Ihr Sohn war als Ver 
bündeter ohne jeden Wert. Und auch der Vicomte war 
in ihren Äugen plötzlich zu einer beinahe belanglosen Per 
sönlichkeit geworden, seitdem sie ihn einem Grafen Hen 
ningen als Rivalen gegenübersah. 
Wenn sie den Vicomte jetzt im Stiche ließ, um bei erster 
Gelegenheit init fliegenden Fahnen ins feindliche Lager 
überzugehen, so beging sie möglicherweise eine arge Treu 
losigkeit. 'Aber am Ende ist doch jeder sich leibst der 
nächste — besonders eine arme, alleinstehende Witwe, die 
keine anderen Hilfsquellen hat, als ihr bißchen. Welt 
kenntnis und gesunden Menschenverstand. 
ii. Kapitel. 
Während ihre bedauernswerte „mütterliche Freundin" 
eine Beute so schwerer sorge» war/ suhlte sich Sylvia so 
wohl und glüctüch wie kaum je in' ihrem jungen Leben. 
Die köstliche Frische auf dem Waffer stand im angenehinyen 
Gegensatz zu de. Sonnenglut der Landstraßen, auf denen 
sie dw letzt.» Tage fast aurschlicß ich zugeoracht, und die 
llserlanüschajt war von der bezanbe: ödsten Lieblichkeit. 
'Außerdem aber war sie bei aller Korrekiheir der Anschau 
ungen doch Evastochter genug, um das kleine Abenleucr 
dieser Bootfahrt gerade desyaib so be;onders reizvoll zu 
finden, weil sie damit um einen ganz tleinen Schritt über 
die Grenze des Schick.icheu hinausging. Ihr Gewissen 
machte ihr keine Vorwürfe, aber sie fühlte sich doch nicht 
ganz frei von dem Bewuzt cin, etwas zu tu», das eigent 
lich nicht erlaubt war. IInö in dem Unerlaubten liegt 
für uns arme, fündige Menschen nun einmal von jeher 
leider ein erheblicher Reiz. 
Sie hatte den Wunsch gehabt, ein Segelboot zu 
nehmen, aber sie hatte sich oyne weiteres gefügt, als 
Wejteiiholtz erklärte, daß an einem so windstillen Abend 
ein Ruderboot vorzuziehen sei, um so mehr, als er mir 
den Beryältniffen gerade dieser Flugstrecke, auf der es 
allerlei Strudel, Sandbänke und Uruiefen geben solle, 
nicht volltoiiiinen vertraut sei. Für einen Ruderer böten 
alle diese Dinge nicht die mindeste Gefahr, ein Segelboot 
aber könnte durch sie doch leicht in Situanouen gebracht wer 
den, denen/et allenfalls sich selbst, niemals aber eine seiner 
Obhut anvertraute junge Dame aussetzen dürfe. 
.. Sylvia, .halte,Ihm das alles unbedenklich geglaubt, 
ohne zu ahnen, daß er noch einen, anderen, erheblich felb- 
tüchtigeren Beweggrund hatte. Wen» er ruderte, während 
Eltern veranlassen^ tstksil Kindern die Freude des Besuche? 
des WeihnachtsbaMs' zu verschaffen. 
v Der nächste Lichterfelder Dichterabend am komincy 
den Donnerstag, dem 20. November, abends 8 J / 4 Uhr ii 
der Aula des neuen Realgymnasiums in Berlin-Lichte! 
selbe, Drakcstr. 7*2/75 bringt den Besuch des bekanntes 
Schriftstellers Herrn Otto Ernst, der aus eigenen, vorwiegen! 
humoristischen Werken vorlesen wird und hierzu ein völli, 
neues Programm zusammengestellt hat. Eine beschräukli 
Anzahl von Eintrittskarten zum Preise von 2.50 M. uns 
1 M. stehen noch an der Abendkasse zur Verfügung. 
o .Kartoffel-- und Hcringsturnfahrt des Männer 
Turnvereins. Die 1. Männerabteilung veranstaltete ad 
Abschluß der in diesem Jahre so zahlreichen turnerische, 
Veranstaltungen am vergangenen Sonntag ihre alljährlst 
wiederkehrende Kartoffel- und Heringsturnfahrt. Unts 
Führung der Vorturner wanderten in früher Morgenstunb 
die einzelnen Riegen getrennt nach dem zum Teil ar 
kleinen Wannsee und Stölpchensee gelegenen Ort Stolpe 
um sich hier im Restaurant „Lindenhof" zum gemeinsam; 
Mittagessen zu vereinigen. Gestärkt verließen unsere Turne, 
den freundlichen Ort; sie marschierten mit fröhlichem Gesan, 
auf Waldungen nach Klein-Machnow, um von dort mit de 
elektrischen Straßenbahn das Ziel ihrer Turnfahrt, nnse, 
Kreisstadt Teltow zu erreichen. Die Heringe waren ve« 
Wirt des „Weißen Schwans" bereits appetitlich angcrick 
und nach kurzer Zeit dampften auch die zugehörigen Pc 
kartoffeln auf der Tafel. Aus der allgemeinen Fröhlichst 
konnte mau wahrlich nicht den Schluß ziehen, daß nnse, 
Turner auf ihrer Wanderung vom Wetter so ungnädig bi 
handelt morden waren. Den Riegen-Wanderhumpen crra» 
bis znr nächstjährigen Tnrnfahrt die 5. Riege, die söge, 
„alte Herrenriege". 
o Das Biofontheater in der Nheinstraße 14 bris 
von heute ab wieder eine ganze Serie neuer Filmkmi 
Produkte zur Vorführung. Ernstes und Heiteres im bunt 
Wechsel zieht an uns vorüber und wir können es nur oi 
erkennen, daß die rührige Direktion jetzt auch das heitij 
Genre mehr zur Geltung kommen läßt. Krieg im Fried, 
ist eine ausgelassene amerikanische Groteske mit dem dick 
John Vunny in der Hauptrolle. Ein Sensationsdrama 
2 Allen ist die . ergreifende Handlung „Das Erkennung, 
zeichen". Max und die Tochter des Kapitäns gibt dem b 
liebten Pariser Komiker Mar Linder Gelegenheit, sein ctg« 
artiges Talent und die Zuschauer lacken zu lassen. Eb 
schöne Naturaufnahme zeigt das russische Turkestan c 
Saarow-Pieskow ist ansehenswert. Neben der immer ge 
gesehenen Biofonrevue, von Pathö fräres, die wieder!> 
neuesten Vorgänge ans aller Welt bringt, erhält das P, 
gramm auch die ulkigen Humoresken „Ein seiner Käse" st 
„Der Schoßhund der Witwe", die beide zum Lachen reiz. 
Die vorzügliche Klarheit der Bilder des Biofontheat 
wird von allen Besuchern dieses Etablissements anerkaa 
Anfang ..6 Uhr..l§u»nlags 4 llhr. Morgen (Bußtag) fejj 
Boxstellung. 
o Die .lieben-Verwandten. Das folgende, in 
missem Sinne recht lehrreiche Geschichtchen spielte sich 
jüngst vergangenen Sonnabend Abend im Familienkst 
eines hier wohnhaften Kaufmanns ab. Bei letzterem, ! 
in zweiter Ehe verheiratet ist, hatte sich für diesen Abs 
ein älterer, im Auslands lebender, unverheirateter Brist 
zum Besuch angemeldet, nachdem sich die Brüder 8 fta' 
nicht gesehen hatten. „Ich gedenke mich einige Zeit l 
euch einzulogieren, aber macht nicht viel Umstände mein 
wegen", schrieb der Bruder Hagestolz. Aber er galt » 
reich und freigebig, deshalb richtete die Hausfrau u 
Schwägerin ein leckeres Empfangsmenü her, und die 
Blumen und auch sonst aufs feinste arrangierte Abendt»' 
zeigte, daß nichts gespart war. Der reiche Onkel aß c 
trank auch nach Herzenslust, bis zu dem Augenblick, wo) 
Gesprächsthema auf. sein Barvennögen kam, das er mir 
bracht haben sollte. „Bin arm wie eine Kirchenmc! 
müßt mich eine Zeitlang über Wasser halten, bis ich i 
stellung .gefunden habe", erklärte Onkel. Nach diesem 6 
ständnis verfinsterte sich das Gesicht der Hausfrau merkt 
Sic stand von ihrem Sitze auf und verließ mit den n 
mißzuverstehendcn Worten: „Wünsche wohl gespeist 
haben!" das Zimmer. Unmittelbar darauf traten die! 
dienenden Mädchen herein und deckten ab! Der Besui 
onkel verstand den Wink, nahm die Taktlosigkeit aber st 
schlimm. Er klopfte nur seinem Bruder etwas derbe 
die Schulter/lachte dabei hell auf, indem er ihm eine 
„braunen Läppchen" wohlgefüllte Brieftasche zeigte. T« 
Miß Pendl.ton ihm gegenüber am Steuer saß, sonnte 
oicl ansgieri-^er und unauffälliger, als es in einem Eezl 
boot möglich gewesen wäre, den Anblick ihrer bezauberst! 
Schönheit gem.ßen. Und am Ende war es doch gest 
das gcw sen, was ihm die Aussicht auf diese abendst 
Waß'ersahrt so überaus verlockend hatte 'erscheinen Ich' 
Anfänglich sprachen sie nicht viel miteinander. 3i 
stz glücklich sie sich beide fühlten, etwas wie Beklommeist 
schien bei diesem ersten ungestörten Alleinsein doch ü> 
ihnen zu liegen. Unö als Hoiningen ein ziemlich last 
Schweigen brach, geschah es ftiit einer Frage, auf ( 
Sylvia gewiß ayi allerwenigsten vorbereitet gewesen st 
„Wie machen «ie es nur möglich, Miß Pendlet» 
sagte er, „an jedem Abend in einem frischen weißen M 
zu erscheinen? Und in einen. Kleide, das nicht im st 
besten zerdrückt ist. In so tadellosem Zustande kost 
Sie es doch unmöglich Ihrem Koffer entnommen hast! 
Sylvia lachte. 
„Allerdings nicht. Aber ich habe bis jetzt noch! 
jedem Hötel einen dienstbaren Geist gcfunoe», der 
Bügeleisen zu handhaben versteht. Und von zwei za f 
Tagen schicke ich üüt der Post ein Kleid nach Franst 
um dafür auf demselben Wege ein frisch gewaschene- 
erhalten. Aber, wie drollig es ist, daß Sie das beim: 
und sich den Kopf darüber zerbrechen. Wahrscheinlich h«- 
Sie eine Schwester." 
„Glücklicherweise — ja." 
„Wie alt ist sie?" 
„Dreiundzwanzia." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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