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Periodical volume Nr. 1, 01.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

öaudschaftsgärtnem bearbeitet, denen die feuchte, noch wilde 
Witterung daS beste Pflanzwetter liefert. Ueber das ganze 
recht stattliche Gelände sind schon große Bäume gepflanzt 
worden. Linden wechseln mit Akazien. Kastanien, Birken 
und Tannen, und unter den Bäumen sind solche vertreten, 
die eine Höhe von 6 bis 7 Meter ausweisen. Da die 
Strnuchbepflanzung anschließend erfolgt, wird also der Park 
im nächsten Frühjahr schon, einen guten Eindruck machen. 
o Eine Eemcindefesthalle wird sich unser Nachbarort 
Lankwitz in dem im Bau befindlichen Lyzeum schaffen. 
Aula und Turnhalle liegen in diesem Gebäude nebenein 
ander und können durch Wegschieben« der Verbindungswand 
zu einem Raume umgestaltet werden. In diesem großen 
schönen Saale, der eine Einheitlichkeit in der Ausgestaltung 
erfährt, sollen die bedeutsamen Veranstaltungen der Gemeinde 
stattfinden. — Mit dieser Schaffung wird die Gemeinde dem 
auch dort immer schwieriger werdenden Saalverhältnissen be 
gegnen. Vielleicht läßt sich in Friedenau bei dem erforder 
lichen Umbclu der 1. Gemeindeschule in ähnlicher Weise noch 
ein großer Saal schaffen; denn die Aula des Reformreal 
gymnasiums hat sich schon jetzt für verschiedene Veran 
staltungen als zu klein erwiesen. 
o Das Steglitzer Stadtbad erfreut sich weiter 
ständigen Zuspruchs auch seitens der Friedenauer Bevölkerung, 
deren Wunsch nach einer Schwimmhalle immer noch keine 
Aussicht auf Erfüllung hat. Während des Monats Oktober 
d. Js. wurden im Stadtbad Steglitz verabfolgt: 8484 
Bäder an männliche Personen, 3093 an weibliche, zusammen 
also 11 577. Die Gesamtbctriebseinnahmen in dieser Zeit 
beliefen sich auf 4709,17 M., das sind 532,94 M. mehr als im 
gleichen Monat des Vorjahres. Die Steigerung des Be 
suchs und der Einnahmen zeigt sich in sämtlichen Ab 
teilungen. Durchschnittlich wurden rd. 400 Bäder ausge 
geben. Stärkster Tagesbesuch: 582, schwächster: 206. 
Schwimmunterrichtskarten wurden entnommen für 5 er 
wachsene und 0 jugendliche Personen. 
o Polizeiliche Warnung vor gefährlichen Glas- 
glühlicht-Selbstzündern. In letzter Zeit sind blakerähnliche 
Selbstzünder zum Aufsetzen auf die Zylinder von Glasglühlicht 
brennern in den Handel gebracht worden, die, aus Aluminium 
oder anderem schwachen Blech hergestellt, oben mit fester 
Haube, die den Zylinder enthält, versehen sind und unten 
einen verzierten Kranz tragen. Diese Selbstzünder sind 
häufig ungemein leichtfertig und lediglich mit Rücksicht auf 
allerbilligste Fabrikation aus schlechtestem Material hergestellt. 
Die inneren kleinen Zacken verbiegen sich leicht nach oben, 
so daß sich das Drahtnetz der Haube unmittelbar auf den 
Zylinder auflegt. Das dem Brenner entströmende Gas 
kommt infolge dessen nicht vollständig zur Verbrennung und 
dringt aus dem Blaker mit sehr giftigen Eigenschaften in 
die Wohnräume. Da an der hierdurch hervorgerufenen 
Gasvergiftung bereits Menschenleben zugrunde gegangen 
sind, wird durch den Polizeipräsidenten vor dem Ankauf 
solcher Selbstzünder dringend gewarnt. 
o (Warnung vor künstlich gefärbten Rosen. Zn 
neuerer Zeit sieht man in einzelnen Blumengeschäften grüne, 
gelbe und blaue Rosen zum Kauf angeboten. Es sind dies 
natürlich - weiße Rosen, die durch Einstellung in eine ent 
sprechende Farblösung sich — durch Aufnahme der Farb 
stoffe — färben. Ist es nun eine unverzeihliche Geschmacks- 
losigkeit, unserer herrlichsten Blume, der Rose, auf diese 
Weise eine künstliche Färbung zu geben und damit die 
natürliche Schönheit zu vernichten, so ist damit aber auch 
eine' Gefährdung des Menschen verbunden, weil diese Farben 
nur durch Beigabe von giftigen Stoffen (Kupfervitriol) er 
reicht werden. Hat nun jemand diese giftige Blume in der 
Hand, riecht wohl auch ^daran, so setzt er sich der Ver 
giftung aus, indem bei empfindlicher Haut sehr häßliche, 
eitrige Entzündungen entstehen. Es muß deshalb vor 
diesen gefärbten Rosen gewarnt werden. 
o Vortragsabende für .Kunst- und Wissenschaft. 
In dem Bericht über den letzten Vortragsabend war ge 
sagt, daß der Kgl. Hofschauspieler Carl Clewing „Des 
Sängers Fluch" gesungen hätte. Das ist ein Irrtum. Carl 
Clewing sang Goethes „Sänger" (Was hör ich draußen vor 
denr Tor) nach einer Komposition non Joh. Friedrich 
Reichert, Nachfolger des ersten Musiklehrers Friedrichs des 
Großen. — Der Billetoerkaus für den 3. Abend am 
11. Dezember (Berliner Lehrergesnngvcrein) hat bereits leb 
haft eingesetzt, sodaß nur noch wenige Karten zu haben sind. 
Nichtabonnenten rnögen sich also beeilen. 
o Für die Freunde nnd Verehrer Theodor 
Fontanes wird die kleine Gedenkfeier am Bußtag, dem 
19. November, Abends 8 Uhr, im großen Konzerksaale des 
köstlichen Schüsseln und feinem erlesenen Wein — das 
Silbergerät mit dem Adelswappen — mein Himmel, wo 
war nur ihr Verstand gewesen, wahrend sich ihr das alles 
offenbarte! Und dann der Name, den er in feinem lleber- 
rnut nur so notdürftig verschleiert hatte, daß selbst der Ein 
fältigste hinter dem dünnen Nebel der Lüge die Wahrheit 
hätte erkennen.müssen! Aber das war ja noch lange 
nicht alles gewesen. Schon die Art, wie er seine Vekannt- 
schaft mit dem Oberleutnant von Riedberg angedeutet 
hatte, hätte sie überzeugen müssen, das; er unmöglich ein 
gewöhnlicher Chauffeur sei» konnte, selbst wenn seine vor 
nehmen, gepflegten Hände, seine feine Wäsche, sein un 
zweifelhaft von einem allerersten Schneider gefertigter 
Abendanzug, seine Ausdrucksweise und seine Manieren sie 
nicht davon überzeugt hätten. Er hatte von seiner Tante 
gesprochen, nnd diese Tante war natürlich keine andere, 
als die alle Gräfin Bruchhausen, die Gönnerin und Freundin 
der schönen Herta Treucnfels. Wie einfach erklärte sich's 
jetzt, daß die Treuenfels erzählen konnte, sie sei im Hotel 
zu Heidelberg dem jungen Grafen Hoiningen begegnet, und 
wie groß »rußte ihre eigene Verblendung gewesen sein, 
daß sie nicht in deinselben Augenblick den wahren Zu 
sammenhang der Dinge durchschaut hatte! 
Jetzt war ihr die plötzliche Abreise ihres Sohnes von 
Bruchsal freilich nichts Unerklärliches und Rätselhaftes 
mehr. Ein Hoiningen konnte den armen Harro, wenn er 
ihm aus irgendeinem Grunde unbequem war, allerdings 
mit einer Handbewegung aus seinem Wege fortscheuchen, 
so wie man eine lästige Fliege vom Tische scheucht. Warum 
aber hatte ihr Sohn sie nicht gewarnt? Warum hatte 
er es unterlassen, sie in seinem Abschiedsbriefe über die 
Person des vermeintlichen Chauffeurs aufzuklären? Und 
Gescllfchaftshaus des Westens, Schöneberg, Hauptstraße 30, 
willkommenen Anlaß geben, eine Reihe Erinnerungen au 
Fontane und seine Wanderungen in der Mark wieder auf 
zufrischen. Der Abend findet als Reihe der „Märkischen 
Vorträge" statt. , Zwischen das Lebensbild und die 
Wanderungen Fontanes von Oscar Bolle, beide mit vielen 
Lichtbildern in natürlichen Farben, wird Georg Sudikus 
vom Deutschen Theater Proben seiner kleineren Dichtungen 
und berühmtesten Balladen einschicben. Die Karten werden 
bei Bote und Bock, in den bekannten Buchhandlungen und 
Abends am Saaleingange ausgegeben. 
o Gostncrsche Mission. Sonntag, den 9. November, 
Nachm. 5 Uhr, fand im gutbesuchten Abendgottesdienst der 
St. Matthäikirche in Berlin eine Abordnung Goßnerscher 
Missionsgeschwister statt. Es wurden abgeordnet nnd zwar 
zum ersten Mal: die Missionare Arthur Naumann, Leonhard 
Eckart, Adolf Pctrick, Adolf Winkler. Ferner Schwester 
Marianne Gaedcke; und zum zweiten Mal Missionar Gustav 
Lange nnd Frau. Alle für die Kolsmission bestimmt. Die 
Liturgie hielt Missionsinspektor Förtsch. Pfarrer Priebe- 
Grnnewald predigte über Joh. 15, 5. „Wovor warnt das 
Wort, was fordert daS Wort und was verheißt das Wort", 
waren seine Leitgedanken. Der Abocdnungsrede des 
Missionsdirektors Kausch lag Apostelgcsch. 21, 13 b zugrunde. 
»Auch die Missionsinspektoren Roterberg und Zernick legten 
den Scheidenden segnende Hände auf. Eine öffentliche 
Nachfeier im großen Saale des Christlichen Vereins 
junger Männer in Berlin vereinigte am Dienstag Abend 
noch einmal alle Angehörigen nnd Freunde. Vor einer 
reich besuchten Versammlung sprach nach Eröffnung durch 
Missionsdirektor Kausch Missionar am. 1). Dr. Alfred 
Nottrott auf Grund einer etwa 45jährigen Erfahrung über 
die Vergangenheit und die Entwicklung der Kolsmission. 
Missionar Karsten schilderte die gegenwärtige Tätigkeit und 
besonders in wie verschiedener Weise den Heiden das 
Evangelium nahegebracht wird. Von den jungen Missionaren 
sprach Missionar Eckart. Den Abend schloß Missions 
inspektor Zernick. — Die Abreise erfolgte Donnerstag Abend 
10.50 vom Anhalter Bahnhof nach Triest. 
o Mar Bruch, unserem greisen 75jährigen Mitbürger, 
zu Ehren, veranstaltet der Friedenauer Parochialverein zu 
sammen mit dem Friedenaüer Kirchenchor am Dienstag, dem 
25. November 1913, Abends 8 Uhr im Saale des Reform- 
Realgymnasiums ein Sonderkonzert, zu dem ausgezeichnete 
Künstler ihre Mitwirkung zugesagt haben. ' Da dürfte kein 
Friedenauer fehlen, der Sinn und Liebe zu der schönen 
Kunst hat, der Mar Bruch manche Perle geweiht hat. 
Mar Bruch ein geborener Rheinländer — in Köln stand 
seine Wiege — trat schon als 11 jähriger Knabe mit 
Kompositionen größerer Werke an die Oeffentlichkeit. Mit 
14 Jahren erlebte er die Ausführung seiner Sinfoni. Er 
errang das Stipendium der Mozartstiftung, die ihm Reisen 
durch Deutschland, Oesterreich, Frankreich und Belgien er 
möglichte. Er wurde 1865, also mit 27 Jahren Musik 
direktor in Koblenz, 1867—1870 Hofkapellmeister in Sonder 
burg. Er lebte 1870—76 in Berlin, 1873—78 in Bonn, 
war 1878 — 1880 Direktor des Skernschen Vereins»» Berlin. 
1880 —1883 leitete Mar Mrrrch die Philharmonie Society 
Liverpool, 1893—1890 finden mir ihn als Dirigent des 
Breslauer Orchestervereins. Von Breslau aus leistete Bruch 
dem Rufe nach Berlin als Lehrer der Meisterschule für 
musikalische Komposition bei der Königlichen Akademie der 
Künste Folge. Er würd eMitglied des Senats der Akademie 
und 1899 Mitglied des Direktoriums der Kgl. Hochschule 
für Musik. Am 1. 4. 1911 schied Prof. Mar Bruch aus 
dem Staatsdienst. Von seinen Hauptwerken sind vornehmlich: 
„Schön Ellen", „Odysseus" „Frithjof" „Achilles", „das Lied 
von der Glocke", „Moses", „Gustav Adolf", „Birken und 
Erlen", „Drei Sinfonien", „Normannenzug" und zwei 
Violinkonzerte zu nennen. Die letzten Konzerte, sowie 
„Schön Ellen" und „Birken und Erlen" werden uns an 
dem Konzertabend dargebracht werden. Daß uns besondere 
Genüsse geboten werden, dafür bürgt der Friedenauer 
Kirchenchor und sein geschätzter Dirigent, dafür bürgen die 
als Solisten gewonnenen hervorragenden Künstler. Billets 
zu 1,50 und 1 M. sind in den durch die Anschlagsäulen 
bekannt, gegebenen Verkaufsstellen (Ebers, Rheinstr. 15, 
Kossakowski, Schmargendorferstr. 35 usw.) zu haben. 
o In dem Konkursverfahren über das Vermögen 
des Kaufmanns Otto Dannhvff, Frcgestr. 81, ist zur Prüfung 
der nachträglich angemeldeten Forderungen Termin auf den 
25. November 1913, Mittags 12 Uhr, anberaumt. 
o Für die Waisenhäuser des deutschen Krieger- 
bnttdes. Der Leiter der Fechtschule Nr. 325 der Fecht- 
wie fönte - sie — sichsiGewIijhei^verschaffen über all das andere» 
was während der letzten vierundzwanzig Stunden sonst 
noch hinter ihrem Rücken geschehen jcüi mußte? War 
Marigny bereits unterrichtet — und sollte sie darin die 
Erklärung erblicken für sein sonderbares Benehmen an 
diesem Vormittag? Hatte sie sich doch den ganzen Tag 
vergeblich den Kopf darüber zerbrochen. Eine Stunde vor 
dem Aufbruch von Bruchsal hatte der Vicomte an die 
Tür ihres Hotelzimmers geklopft, um ihr freudestrahlend 
mitzuteilen, daß er jetzt ein unfehlbares Mittel m der 
Hand habe, den unbequemen Chauffeur zu beseitigen und 
Sylvia zur Weiterfahrt iiwseinem Wagen gewissermaßen zu 
zwingen. Denn er habe durch telegraphische Erkundigung 
in Frankfurt festgestellt, daß das angeblich dem unver 
schämten Westenholtz gehörige Autoinobil auf den Namen 
des Grafen Hoiningen registriert war, und daß es sich also, 
wenn nicht geradezu um einen Diebstahl, so doch zum 
mindesten um die unerhörte Dreistigkeit eines bei dem 
Grafen bedienstcten Chauffeurs handeln müsse, der ohne 
jeden Schatten einer Ermächtigung auf eigene Faust im 
Lande herumtütschiere. Eine bloße Andeutung dieses Sach 
verhalts werde selbstverständlich genügen, um Miß Pendle- 
ton zur sofortigen Entlassung des Burschen zu veranlassen, 
und Frau von Riedberg werde schwerlich noch einmal durch 
seinen widerwärtigen Anblick belästigt werden. 
Sie hatte dem Franzosen selbstverständlich das alles 
geglaubt, und ihr Erstaunen war um so größer gewesen, 
als sie bald nachher zur Zeugin der sonderbaren Szene 
geworden war, die sich vor dem Hotel abgespielt hatte. 
Der Vicomte hatte nicht nur nichts von dem herbeigeführt, 
was er ihr mit solcher Zuversicht versprochen hatte, sondern 
er war obendrein in Sylvias Gegenwart iv.ie,ein Schul 
anstalt des deutschen Kriegcrbyndes Herrr Kaufmann 
Kossakowski, Schmargendorferstr. 36, nimnrt Sammclgegen- 
stände, sowie auch bares Geld zum Besten der 5 Waisen 
häuser au, in denen etwa 500 Waisen und Halbwaisen 
deutscher Krieger sehnsüchtig des Weihnachtsmanns warten. 
Wir bitten, die Anzeige in der vorliegenden Nummer gest. 
zu beachten. 
o Die Bezirksvorturnerstunde vom Tektower Bezirk 
fand, wie wir bereits mitteilten, in Lichterfelde statt, bei 
der 39 Turnwartc, 41 Vorturner und 42 Gäste anwesend 
waren. An Stelle des erkrankten Bezirksturnwartes Rossow 
wurde der Turnwart des Friedenauer Männer-Turnvereins 
Krause gewählt. 
o Edith von Voigtlaender gibt am Sonnabend, dem 
22. d. M., ihren ersten Beethoven - Abend im Choralion 
saal. Sie wird an drei Abenden die äußerst selten gespielten 
Streich-Trios zirsammen mit Hans Bottermund (Cello) und 
dem königlichen Kammervirtuosen Ad. Müller (Viola) zum 
Vortrag bringen. Angelika Rummel wirkt als Gesangs 
solistin mit. Karten in der Schwartz'schen Musikhandlung, 
Rheinstraße. 
o Der Kommunalverein Schöneberg, Friedenauer 
Drtstcil hält feine Monatsversammlung am Dienstag, dem 
18. November, Abends 8'/ 2 Uhr. im Restaurant „Burghof", 
Hauptstraße 85. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Die 
Krankenversicherung vonDienstboten, Portiers, Aufwärterinnen 
usw., Fontaneschule und ihr Bauplatz. 
o Der Männer-Gesang-Verein „Rütli" veranstaltet 
am Sonntag, dem 23. November (Totensonntag) ein Konzert 
im großen Saale des „Kaiser-Wilhelmgartens"/ Rheinstr. 65. 
Es wird mitwirken die Kapelle des Musikdirektors Müller- 
Zehlendorf. Zum Schluß wird das Lebensbild „Förster 
Mertens" aufgeführt. Eintrittskarten zu 50 Pfg. sind auch 
bei Vereinsmitgliedern sowie am Büfett im Kaiser-Wilhelm- 
Garten zu haben. 
o Eigene Märchen las Frau Elfriede Bayard am 
Sonnabend Nachmittag im großen Saale der Hohenzollcrn- 
lichtspiele. Leider war der Besuch recht schwach, was umso 
mehr zu bedauern ist, als die hübschen Gcschichtchen der 
Märchendichterin sowohl ihrer Form als auch ihres Inhalts 
wegen einen Platz in unserem reichen deutschen Märchen 
schatz verdienen. Die Moral ist geschickt zum Ausdruck ge 
bracht. Die Dichterin las in freundlichem Plauderton ihre 
Märchen vor und erntete lebhaften Beifall, namentlich von 
den kleinen Zuhörern. Zum Schluß ließ die Direktion der 
Hohenzollernlichtspiele noch einige heitere Lichtbilder vor 
führen, die allgemein ergötzten. 
o Der schwarze Kreis, betitelt sich der dreiaktige, 
spannende Detektivroman, den die Hohenzollern-Lichtspiele, 
Handjerystr. 64, von morgen ab zur Vorführung bringen. 
Es ist ein Drama mit prächtigen Szenen, großartig im 
Aufbau. Das politische Gebiet streift !der Film „Die Bot 
schafterin". Als Einlageschlagcr wird vorgeführt „Trügerisches 
Glück", in 2 Asien. Aus Mexiko, das durch seine Wirrnisse 
jetzt in aller Welt Aufsehe^.,erregt, berichtet das Drama 
Schickungen. Auch für Humor ist wieder in reichem Maße 
gesorgt; wir ermähnen nur die Komödie „Seebäder im 
Hause" und „Der rätselhafte Draht". Das Pathe Journal 
bringt die neuesten Sportereignisse. So wird wieder ein 
sehr unterhaltsames Prvgramin geboten, das sich jeder Kino 
freund ansehen sollte. 
o Wechselfallenschwindler treiben hier wieder ihr Un 
wesen. Diesmal handelt es sich um zwei junge Leute, die 
mit Fahrrädern ausgerüstet sind, um schneller verschwinden 
zu können. Am Sonnabend versuchten sie ihr „Gewerbe" 
in verschiedenen Geschäften am Ringbahnhof Wilmersdorf- 
Friedenau auszuiiben. Ihr Trick ist der bekannte: Sie 
kaufen irgend einen kleinen Gegenstand, legen ein großes 
Geldstück zum Wechseln hin nnd nehmen das Wechselgeld 
und auch das zum Wechseln hingelegte Geldstück an sich, 
um darauf schleunigst zu verduften. Ihr Trick ist ihnen 
hier nicht gelungen, da den Verkäufern ihr scheues Wesen 
auffiel, sodaß diese Vorsicht übten. Leider war es aber 
auch nicht möglich, die Burschen der Polizei zu übergeben. 
v Das Ende einer Liebe. In der Wohnung des 
Kaufmanns Otto H., Deidesheimerstr. 8, hat sich gestern der 
letzte Akt einer Liebesaffäre abgespielt. H. unterhielt Be 
ziehungen zu einer Fau Else S., die er lösen wollte. 
Darüber kam es zu heftigen Szenen, und Frau S. erklärte, 
daß sie sich totschießen werde. Diesen Vorsatz hat sie aus 
geführt. Sie begab sich in die Wohnung ihres Freundes 
und jagte sich eine Kugel in die Schläfe. 
junge behandelt worden, ohne auch nur ernstbasteii Wider 
spruch dagegen zu erheben. 
lind Sylvia selbst? Auch aus ihrem Benehmen konnte 
die scharfsichtige Baronin nicht mehr klug werden. War nicht 
vielleicht auch sie schon hinter das GehermnD des vermeint 
lichen Westenholtz gefommeii?. Ihre sonderbaren A »ge 
rungen bei der photographischen Aufnahme der Burgruine, 
ihre durchsichtigen Anspielungen auf einen Konflikt zwischen 
Westenholtz und dem Vicomte, fanden sie nicht ihre ein 
leuchtendste Erklärung in der Annahme, daß der jungen 
Amerikanerin, wenn nicht die volle Gew ßbeit, so doch eine 
Ahnung der Wahrheit aufgegangen war ? 
„Run, gnädige F an — war es mit den« Telephon in 
Ordnung?" erklang neben der ganz in ihre unersrculichen 
Gedanken veruinkencn Baronin die Stimme des Mädchens, 
von dem sie vorhin über den Anruf aus Karlsruhe unter 
richtet worden war. „Es würde nämlich sonst zu spät sein. 
um den Gewünschten zu rufen. Ich sehe ihn bereits unten 
auf dem Flusse." 
„Wo? — wo?" ries Frau von Riedberg — vielleicht 
mehr. um Zeit zum Ueberlege» ihrer Antwort zu gewinnen, 
als weil ihr in diesem Augenblick so außerordentlich viel 
daran gelegen hätte, zu min-m. an welchem Punkte der 
näheren Umgebung Kurt Diete.ch von Hsiningeu auf Westen- 
holtz sich befand. 
„Da in dem kleinen Ruderboot," erklärte das Mäd- 
(Fortfetzung folgt.)
        
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