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Periodical volume Nr. 269, 14.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

gandes. Kann cL nicht gelingen, diese beiden Kreise auf 
ein Ziel zu richten? Es gibt ein Interesse, was beide ver 
bindet: das Interesse am Grund und Boden. Darum 
müssen beide zusannnenstehen im Kampf gegen die zwei 
Gegner des Privateigentums am Grund und Boden, den 
Sozialismus und die Bodenreform. Die Bodenreform 
bewegung gehl bekanntlich aus vom Sozialismus. Auch 
wenn sie heute sagt, sie trete für das Privateigentum ein, 
so kann das daran nichts ändern. Die Grundrente soll 
dem Privateigentum entzogen werden. Nimmt man ihm 
aber die Grundrente, so kann von einem Privateigentum am 
Grund und Boden nicht mehr die Rede sein. Man sieht: 
aus taktischen, praktischen Griindeit zieht man den Weg über 
die Besteuerung vor; im Grunde aber komint dasselbe dabei 
heraus. Unser gesamtes Wirtschaftssystem ruht auf dem 
Privateigentum; so muß es das oberste Interesse der Be 
hörden sein, es mit allen Kräften zu stützen und daher die 
Bestrebungen des Verbandes zu unterstützen allen gegnerischen 
Einflüssen zum Trotz, die schon zu groß geworden sind. 
Aber die Staatsbedürfnisse steigen, die Kommunalbedürfnisse 
steigen — eine Kommune sucht immer die andere zu 
überbieten —; man braucht Geld. Daher fiitden wir 
hier wie dort die Zuneigung zu bodenreformerischen 
Ideen; die Wertzuwachssteuer ist deß Zeuge. Weil 
einige unverdienten Vermögenszuwachs gemacht hatten, 
holte man zu einem Schlage gegen den gesamten Grund 
besitz. Eine allgemeine Erbitterung griff Platz. Inzwischen 
hat sich die Lage schon etwas geändert; das Reich ver 
zichtete auf seinen Anteil an der Steuer. Aber heute nach 
der Reichsgesetzstcuer darf von einer besonderen Wegnahme 
des Zuwachses durch Grund und Boden überhaupt nicht 
mehr die Rede sein. Die steuerliche Ueberlastung trifft den 
Grundbesitz in Stadt und Land gemeinsam. Darum tut 
Zusammenschluß der beiden dringend not. Dies geschieht 
im Schutzoerband. In dieser Vereinigung steht eine Macht 
da, an der niemand achtlos vorübergehen kann: weder 
Regierung, noch Parlament, noch Presse. Diese Macht wird 
der Verband gebrauchen, aber nicht mißbrauchen. Ein be 
rechtigtes Steuersystem und Privateigentum an Grund und 
Boden: unter dieser Fahne will er kämpfen^ und in diesem 
Zeichen wird er siegen. Nach dem Vortrag von Professor 
v. d. Borght traten sodann 22 Delegierte aus allen Teilen 
Deutschlands an das Rederpult, um die Grüße ihrer Ver 
bände an den Schutzverbaud zu überbringen und ihren Dank 
für die wirksame Vertretung gemeinsamer Interessen auszu- 
sprecheu. In einem Schlußwort faßte das Gesagte Herr 
Iustizrat Dr. Baumert für den städtischen Grundbesitz, Herr 
Graf von Spee für den ländlichen Grundbesitz zusammen. 
Sodann kam eine Beschlußfassung über die Leitsätze zustande, 
die den einzelnen Ausführungen zugrunde liegen. Im Aus 
gang lauten sie so: 1. der dauernden Besteuerung des 
städtischen und ländlichen Grundbesitzes muß in erster Linie 
seine Leistungsfähigkeit zugrunde gelegt werden. Der tat 
sächliche Reinertrag muß grundsätzlich die Quelle und der 
Maßstab der Besteuerung bilden. 2. Da durch das Reichs 
besitzsteuergesetz der verdiente und unverdiente Wertzuwachs 
bei Grundstücken^ bereits steuerlich erfaßt wird, sind Sonder- 
steuern von der Werlsteigcrung des Grundbesitzes abzulehnen, 
zumal keinerlei Ausgleich bei Wertminderungen erfolgt. 3. Ge 
meinden und Kreise, welche eine Wertzuwachssteuer ein 
führen, dürfen daneben eine Umsatzsteuer nicht erheben. 
4. Bei der Umgestaltung der Kommunalabgabengcsetze muß 
verhindert werden, daß die Gemeinden die Besteuerung des 
Grundbesitzes nach eigener Willkür vornehmen können. 
5. Die Kommunen haben ihre Ausgaben im Nahmen ihrer 
Einnahmen zu halten und durch verständige Finauzgebaruug 
auf Ersparung oder erhebliche Beschränkung ihrer Auf 
wendungen hinzuarbeiten. — Die glänzende Versammlung, 
deren gesamte Vorbereitungen und Vorarbeiten in den 
Händen des rührigen Syndikus des Verbandes, des Herrn 
Dr. Rudolf Görnaudt, lagen, hat in der Presse großen 
Anklang und Beachtung gefunden und wird hoffentlich dazu 
d:enen, daß die warnenden Stimme des deutschen Grund 
besitzes überall gehört wird und so die öffentliche Meinung 
vor falscher. und ungefährlicher Beeinflussung geschützt bleibt. 
o Friedenancr Vortragsabende für Kunst und 
Wissenschaft. Ausverkauft — das war das äußere Zeichen des 
gestrigen zweiten Vortragsabends in diescin Jahre. Die 
Sitzplätze reichten diesmal nicht aus; es wurden zwar noch 
au den Seitenwändeu^Stühle gestellt, aber dennoch mußten 
viele sich mit einem Stehplatz begnügen. Ein derart starker 
Besuch von rund 1000 Personen ist wohl bisher an einem 
Vortragsabende noch nicht zu verzeichnen gewesen. Es kann 
sich, diesem Abende in Bezug auf die Stärke des Besuchs 
vielleicht nur noch derjenige an die Seite stellen, an dem 
Marzcll Salzer seine originelle Kunst zum Besten gab. 
Das gestrige Prograinm war aber auch ganz dazu angetan, 
diese Zugkraft auszuüben. Namen, wie Lula Mysz- 
Gnleiuer und Carl Clewing ließen von vornherein aus» 
erlesene Kunstgenüsse erwarten, lind in dieser Erwartung 
ist denn auch Niemand getäuscht worden. Es. war ein 
Beifallssturm — nein, ein Beifallsjubel, der Beiden, Künstlerin 
und Künstler, in gleicher Weise und aus freudigem Herzen 
heraus zuteil wurde. Und wenn die Unkosten des gestrigen 
Abends (gegen 1300 M.) uuch keine geringen ivaren, so 
wird der Ausschuß, der uns diese Abende vorbereitet, durch 
den starken Besuch und den guten Verkauf von Abonne- 
mcntSkartcn ersehen habe, daß er sich mit dem für diesen 
Winter festgesetzten Programme auf dem rechten Wege be 
findet. Die Kammersängerin Lu ha Mysz-Gmeiner be 
stritt den ersten Teil des Abends. Sie leitete ihn ein mit 
fünf Liedern von Franz Schubert, sang dann Konrpositionen 
von Earl Löwe und hiernach solche von Hugo Wolf. Atem 
lose Stille herrschte bei jedem Gesänge. Ihre prächtige 
dunkelgefärbte Stimme, von einzigartiger Klangschönheit, 
rein in jedem Ton, bezaubert im Piano und entzückt in der 
Kraft. Und mit diesem wundervollen Organ verbindet die 
Sängerin eine Technik, die sich in einem glänzen Vortrag 
widerspiegelt. So weiß sie ihren Liedern auch Leben zu 
geben. Wir erfreuen uns nicht nur au den herrlichen Lauten 
einer schönen Stimme, wir genießen auch in dem Ausdruck 
und der Verbildlichung des Textes. Der Ballade tiefer 
Sinn, ivie des Liebesliedes heiterer Ton bclonimen Leben 
und Gestalt. Da war es nicht verwunderlich, daß das 
Publikum die Künstlerin nicht so leicht entließ und sie immer 
und immer wieder hervorrief, wofür sie durch zwei Zugaben 
„Das Mauscfallenkätzchen" von Hugo Wolf und „Mein 
Mädel hat einen Rosenmund" von Brahms, sich erkenntlich 
zeigte. Der durchaus anpassenden, dezenten Begleitung der 
Sängerin auf dem Flügel durch Dr. Victor E. Wolf sei ebenfalls 
lobend gedacht. — Und im zweiten Teil der Kgl. Schau 
spieler Carl Clewing; der vielseitige Vortragskünstler. 
Mit einer Ballade begann er. Emst und feierlich im Ton. 
Dann folgte Goethes Zauberlehrling. Es werden nur wenige 
anwesend gewesen sein, die dieses treffliche Gedicht des Alt 
meisters Goethe in so vollendetem Vortrage je gehört haben. 
Der Zauberlehrling und seine stummen Geister traten in 
dem Ausdruck der Sprache und in der wunderbaren Mimik 
des Künstlers lebend vor unsern Geist. In dem gleichen 
prächtigen Vortrage folgten poetische Betrachtungen von 
Fontane und heitere plattdeutsche Gedichte von Klaus-Groth. 
Dann griff der Künstler zur Laute und sang ausdrucksvoll 
und mit schönem Bariton des Sängers Fluch, nach einer 
alten Vertonung von Joh. Fried. Reichert, darauf alldeutsche 
Lieder: (Slapengahn, Kein schönerer Tod ist auf der Welt) 
und hierauf neue Soldatenlieder, (Lippe Detmold, du wunder 
schöne Stadt, Hinter Metz, bei Paris). Ueberwältigend war 
die Komik in den heiteren Vorträgen. Alles lachte herzhaft 
und tosender Beifall brauste dem Voctragsmeister entgegen. 
Ohne Zugaben gings natürlich nicht ab, die er in den heiteren 
Liedern zur Laute: Was nützet mir, und Liefe! und Heinrich 
(holsteinisch) sowie in dem Melodrama Madelaine (deutsch- 
von Marx Möller), wobei er sich selbst am Flügel begleitete, 
spendete. Nur schwer war das Publikum zum Verlassen des 
Saales zu bewegen. So war der gestrige Abend ein voller 
Erfolg. — Für den nächsten Abend, am 11. Dezember 
(Berliner Lehrer-Gesang-Verein) ist eine andere Platzanordnng 
getroffen worden. Es dürfte sich für diejenigen, die nicht 
Abonnementsplätze besitzen, empfehlen, schon jetzt die Karten 
für diesen Abend zu entnehmen. 
o Der Kaufmännische Verein der Nahrungsmittel 
branche von Friedenau hielt am letzten Mittwoch seine 
Monatsversammlung im Kaiscr-Wilhelm-Garten, Rheiu- 
straße 65 ab. Der Vorsitzende, Herr Habermann, eröffnete 
diese um 0*/ 2 Ilhr, begrüßte die zahlreich erschienenen 
Kollegen, insbesondere den 2. Vorsitzenden der Ortskranken 
kasse Friedenau Herrn Davidsohn, und gab sodann die sehr 
umfangreiche Tagesordnung bekannt. Das vom Schrift 
führer Kollegen Lange hierauf zur Verlesung gebrachte 
Protokoll der Oktober-Sitzung wurde ohne Widerspruch an 
genommen. Zur Aufnahme als Mitglied hat sich Herr 
Kolliwer, Wilmersdorf, Laubacherstraße, gemeldet. Neu auf 
genommen wurden die Herren E. Clemens, Ortrudstr. 4, 
A. Kornatz, Wilmersdorf, Detmolderstr. 65 und Frau W. 
Wirth, Stubenrauchstr. 64. Der Vorsitzende heißt die neuen 
Mitglieder herzlich willkommen und bittet sie, sich an der 
Vereinsarbeit recht rege zu beteiligen. Es wird nun Herrn 
Davidsohn das Wort zur einer Erläuterung über die Orts- 
krankenkasse und die Landkrankenkasse erteilt. Herr Davidsohn 
gab über die beiden Kassen einen eingehenden Ueberblick. Er 
bat sämtliche Arbeitgeber, sich an den bevorstehenden Vor- 
standswahlen recht rege zu beteiligen. Nach dem noch 
einige Fragen von Herrn Davidsohn beantwortet waren, 
dankte ihm der Vorsitzende für seinen vortrefflichen Vortrag. 
Kollege Micolowski berichtete als Delegierter an Hand eines 
authentischen Berichtes über die Generalversammlung des 
Zentralverbandes der Vereine für Handel und Gewerbe. In 
der Versammlung waren anwesend die Vertreter verschiedener 
Ministeriälabteilungen, sowie Reichstags- und Landtags-Ab 
geordnete und auch Vertreter der Stadt Berlin. Die Tages 
ordnung war eine sehr reichhaltige. Es wurde dort über 
alle Fragen im geschäftlichen und gewerblichen Leben ver 
handelt und den Herren vom grünen Tisch wieder einmal 
klar vor Augen geführt, wie der heutige Handel- und Ge 
werbestand resp. der Mittelstand schwer um seine Existenz 
kämpfen muß. Kollege Lange kam nun auf das Schreiben 
der Potsdamer Handelskammer betr. die Ausverkäufe resp. 
den unlauteren Wettbewerb, zu sprechen. Die Handels 
kammer gibt in diesem Schreiben bekannt, daß die Ausver 
käufe gesetzlich geregelt sind, damit keine Uebertretuugen 
resp. unlautere Sachen vorgenommen werden sollen, sie 
bittet, ihr einen Vertrauensmann vorzuschlagen. Der Verein 
hat den langjährigen Vorsitzenden Kollegen Habermann als 
solchen vorgeschlagen, ferner wurde ein Ausschuß, zu seiner 
Unterstützung aus den Herren P. Böhm, Herzog, Winkelmann 
und Lange gewählt. Ueber die diesjährige Ausstellung be 
richtet ebenfalls Kollege Lange. Er konnte noch kein be 
stimmtes Ergebnis mitteilen,"jedoch gab er der Versammlung 
die freudige Mitteilung, daß die Ausstellung, die mit vieler 
Mühe und Arbeit zustande gebracht wurde, als eine recht 
imposante bezeichnet werden darf. Waren cs doch nur erste 
Firmen, die ausgestellt hatten und daher auch der gute 
Besuch an beiden Tagen. Der Vorsitzende dankte den 
Herren für ihre rege Arbeit um das Zustandekommen dieser 
allgemein anerkannten Ausstellung. Darnach wurde be 
schlossen, zu Weihnachten wieder einige Anzeigen, die auf 
den Verein und seine Mitglieder hinweisen, im Friedeuauer 
Lokal-Anzeiger zu veröffentlichen. Nachdem noch die Frage 
des Zusammenschlusses des kaufm. Vereins der Nahrungs- 
mittelbranche mit dem Handel- und Gewerbeverein erörtert 
wurde und einige interne Angelegenheiten erledigt waren, 
schloß der Vorsitzende die Sitzung um 12>/z Uhr. 
o Männer-Turnverein. Die Mitglieder der Alters- 
Abteilung. ^besonders diejenigen, die sich nicht mehr am 
Turnen beteiligen, werden Nochmals auf das am kommenden 
Dienstag Abend nach dem Turnen im Restaurant „Zur 
Kaisereiche" stattfindende Eisbeinessen der Alters-Abteilung 
aufmerksam gemacht. Vorherige Anmeldungen, möglichst 
heute abend in der Turnhalle, sind sehr erwünscht. 
o Die Herzogin von Folies-Bergffreö, das pikante 
Lustspiel von Georges Feydeau, kommt von heute ab im 
Biofontheater in der Rheinstr. 14 erstmalig zur Vorführung. 
In drei Akten spielen sich die interessanten Vorgänge ab, 
die sich in den Pariser Kreisen jener Lebewelt ereigneten, 
in denen man sich nicht langweilt. Die originelle Handlung 
führt uns auf daS schlüpfrige Parquct französischer Ballsäle 
und ist eben auch — etwas schlüpfrig. Auch Pojjaz, 
ist ein Lustspiel in 2 Akten, nicht für Kinder, aber die Er 
wachsenen amüsieren sich dabei köstlich. Ein königlicher Sport, 
ein Drama, dürfte gut gefallen. Ansichten von Kanada sind 
hübsche Naturaufnahmen pitoresker Laudschaftsbilder. Das 
beliebte Pathö-Journal bringt wieder abwechslungsreiche 
Bilder aus aller Welt und Bubi und das Krokodil werden 
die Lacher auf ihrer Seite haben. Wer etwas gepfefferte 
Kost liebt, gehe ins Biofontheater in der Rheinstr. 14, es 
wird ihm nicht Leid tun. 
o In den Hohenzollern-Lichtspielen wird von heute 
ab das große Drama in 2 Akten „Der höhere Richter" 
vorgeführt, das uns in ergreifender Weise ein Lebensschicksal 
offenbart. Im fernen Westen Amerikas spielt ferner ein 
Drama, das uns den Untergang der roten Rasse schildert 
und sich betitelt: Von Indianern überfallen. Prächtige 
Landschaftsbilder wechseln hier ab mit den wilden Szenen 
des Kampfes zwischen Rothäuten und Bleichgesichtern. Als 
Einlage wird der Schlager „Die Rechte des Herzens" 
gezeigt, ein allerliebstes Liebespoem. Ein Film voll köst 
lichen Humors ist „Maxens Sommerreise", in welchem der 
unverwüstliche Max Linder wieder zn hellem Lachen reizt. 
Ebenso ist die Komödie „Beim Verschönerungsrat" zum 
Trudeln. Das Pathö Journal mit seinen Berichten aus 
aller Welt vervollständigt das großartige Programm. 
o Schlachtcfest findet heute und morgen in dem ge 
mütlichen Familien-Restauraut „Moselburg", Ringstraße, 
Ecke Moselstraße (Inhaber Franz Böge) statt. Die frische 
Blut- und Leberwulst ist delikat und ebenso sei die ff. Haus 
macher-Landleberwurst und -Thüringer unseren Mitbürgern 
empfohlen. (Vergl. Anzeige). 
o Bodendiebstahl. Die Bodenverschläge eines Hauses 
in der Feldstraße sind kürzlich von Einbrechern heimgesucht 
worden. Es wurden Ballkleider und Goldsachcn im Werte 
von 400 M. gestohlen. 
o Durch unvorsichtiges Offenlassen eines Fensters 
sind Inhaber von im Erdgeschoß gelegenen Wohnungen 
wiederholt bestohlen worden. Gestern früh wurde wieder in 
der Prinzregentenstraße in Wilmersdorf ein derartiger 
Einbruchsdiebstahl verübt. Die Tochter einer dort im Erd 
geschoß wohnenden Familie, die allein im Vorderzimmer 
schläft, hatte das Fenster offen gelassen; sie wachte durch ein 
Geräusch auf und sah einen Mann, der über den Fußboden 
kroch, und als sie sich aufrichtete, aufsprang, um schnell durch 
das Fenster zu entfliehen. Es sind Wertsachen (Ringe, 
darunter zwei mit Brillanten, goldene Armbänder, Ohrringe, 
Halsketten) im Gesamtwerte von 11- bis 12 000 M. ge 
stohlen worden. Die Dame hat im Dämmerlichte den 
Dieb nicht genau sehen können, schildert ihn aber als einen 
großen starken Mann. 
o Ein Zechpreller wurde gestern durch einen Schöne 
berger Kriminalbeamten in dem Restaurant von Menner, 
Odenwaldstraße Ecke Stubenrauchstraße verhaftet. Wie ver 
lautet, soll der verhaftete junge Mann bei einem Bankge 
schäft in Charlottenbrrrg arrgestellt gewesen sein und dort 
1500 M. unterschlagen hybxn. Das Geld soll er ver 
graben haben. 
o Nette Früchtchen. Zwei Steglitzer Gemeindeschüler 
wurden auf dein Steglitzer Wannseebahnhof beim Fahrkarten 
diebstahl überrascht. ' Sie hatten an einem Schalter ein 
Fenster erbrochen und größere Mengen von > Fahrkarten an 
sich gebracht. Rechtzeitig schritt ein Bahnbeamter ein und 
packte die.Bürschchen am Kragen. Es schwebt gegen beide 
ein Fürsorgc-Erziehungsverfahren. 
o Läuferdiebe sind hier wieder an der Arbeit. Heute 
morgen wurde aus dem Hausflur Odcuwaldstr. 1 ein 
längerer Läufer gestohlen. Von dem Diebe hat man keine 
Spur. Hauswirte und Hauswarte seien also gewarnt! 
o Von einem Straßenbahnwagen umgerissen wurde 
heute Vormittag gegen 1 / 2 0 Uhr an der Haltestelle Kaiser 
eiche in der Rheinstraße eine Dame, die sich an der Bord 
schwelle unmittelbar vor dem Pfahl mit dem Haltestellenschild 
aufgestellt hatte. Die Kleider der Dame wurden von den 
Stufen an der Vorderplattform des Wagens erfaßt, sodaß die 
Dame zu Boden siel. Sie kam glücklicherweise mit dem 
Schrecken davon. Jedenfalls mag aber dieser Unfall wieder 
unsere Damen zur Vorsicht gcmahmen. 
o Polizeibericht. Als gefunden sind hier angemeldet 
worden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Paket mit Bett 
bezügen. Die rechtmäßigen Eigentümer vorbenannter Gegen 
stände werden aufgefordert, ihre Ansprüche binnen drei 
Monaten im hiesigen Fundbüro, Feungstr. 7, Zimmer 6, 
geltend zu machen, da sonst anderweit darüber verfügt 
werden wird. 
Vers'ms-Nackriekten 
Am Sonnabend tagen: 
Ter Verein Südwestafrikanischer Krieger zu Berlin. Nächste 
Sitzung Sonnabend, dein 16. November, Abends 9 Uhr im Bcr- 
einSlokal „Viktoria-Brauerei", Lützowstr. 111-112. 
B&ömberg 
—o Zur Regelung der Verhältnisse der nicht lebeuslänglich 
angestellten Beamten zur Angestelltenversicherung schlägt der 
Magistrat eine Ergänzung der bereits über die Anstellung 
usw. bestehenden Bestimmungen vor und hat folgenden Be 
schluß gefaßt: I. Der Absatz 3 des 8 3 des Ortsstatuts I 
vom 25. Mai 1069, betr. die Altstellung, Pensionierung 
und HinterbliebeneuversorMng der Beamten der Stadt 
gemeinde Berlin-Schöneberg ausschließlich der Beamten der 
Berufsfeuerwehr erhält folgende, neue Fassung: 
Die im Absatz 2 bezeichneten Beamten können durch Gemeinde- 
beschluß auch auf Lebenszeit oder auf eine bestimmte Zeit ange 
stellt werden. Die unter Ziffer 6—8 bezeichneten Beamten sind in 
der Regel auf Lebenszeit anzustellen, nachdem sie 3 Jahre als Be 
amte der Stadt tätig ge:n.'m sind, spätestens erfolgt jedoch in der 
Regel die lebenslängliche Anstellung dieser soivie der unter Ziffer 
1 — 5 bezeichneten Beamten. mit Ablauf von 12 im Dienste der 
Stadtgemeinde Berlin-Schöncberg zugebrachten Dicnstjahre», ivobei 
die Ansbildungs- und Probedienstzeit mitzurechnen ist. Tic unter 
Ziffer 10 Genannten können bei guter Führung und guten Dienst 
leistungen auf Lebenszeit angestellt werden, nachdem sie 6 Jahre 
als Beamte der Stadl tätig gewesen sind. 
II. Der Absatz 2 des § 3 im Ortsstatut II vom 
25. Mai 1000,- betr. die Anstellung, Pensionierung und
        
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