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Periodical volume Nr. 268, 13.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

o Ilm Totensonntag, dem 23. November, ist der 
Handel mit Kränzen und Blumen von 7—10 Uhr Vorm, 
und von 12—0 Uhr Nachm, gestattet. 
o Das Gesetz über die Erweiterung der Sonntags 
ruhe. Es dürfte bekannt sein, daß in Berlin und anderen 
Vororten bereits die durch Ortspolizeiverordnung festgesetzte 
erweiterte Sonntagsruhe in Kraft ist. In Berlin-Frie 
denau gilt noch die alte Bestimmung über die Sonntags 
ruhe, die eine Geschäftszeit bis zwei Uhr Nachmittags mit 
Ausschluß der Kirchzeit zuläßt. Anträge in unserer Ge 
meindevertretung, die verkürzte Geschäftszeit an Sonntagen 
auch hier einzuführen, wurden mit der Maßgabe ange 
nommen, daß diese Einführung erfolgen soll, sobald auch 
Steglitz die erweiterte Sonntagsruhe einführt. In Steglitz 
hat man cs bisher aber ebenfalls noch beim Alten gelassen. 
Inzwischen sind hier aber Kaufleute, die anfangs so sehr 
gegen die erweiterte Sonntagsruhe auftraten, schon anderen ' 
Sinnes geworden und im Handel- und Gewerbeverein wurde 
kürzlich von dem Besitzer eines hiesigen Kaufhauses der 
Wunsch nach verkürzter Geschäftszeit an den Sonntagen 
vorgebracht mit der Begründung, daß zu den alten Be 
stimmungen der Sonntagsruhe kein Personal mehr zu 
bekommen wäre. Es wurde darauf geantwortet, daß eine 
reichsgesetzliche Regelung der Sonntagsruhe nahe bevorsteht. 
Von einer reichsgesetzlichen Regelung dieser schwierigen Frage 
ist auch einzig und allein Erfolg zu erhoffen. Denn eine 
Gemeinde blickt immer auf die andere und bei den ver 
schwommenen Grenzverhältnissen in Groß-Berlin macht jede 
Gemeinde ihren Beschlusse stets von dem Beschluß der 
anderen Gemeinde abhängig. Nun ist dem Reichstage 
der.Entwurf eines Gesetzes betr. die Sonntagsruhe im 
Handelsgewer.be zugegangen. Die Geschäftszeit an 
Sonntagen wird danach auf 8 Stunden festgesetzt, doch kann 
für jährlich 6, mit Genehmigung der höheren Verwaltungs 
behörden für weitere 4 Sonntage, an denen besondere Ver 
hältnisse einen weiteren Geschäftsverkehr erforderlich machen, 
eine Beschäftigung bis zu 10 Stunden zugelassen werden. 
Der grundlegende Paragraph des Entwurfs lautet: 
Im Handelsgcwcrbe dürfen Gehilfen, LchrlinW'-und Arbeiter, 
vorbehaltlich der nachfolgenden Vorschriften, am ersten Weihnacht?-, 
Oster- und Pfingsttag überhaupt nicht, im übrigen an Sonn- und 
Festtagen (§ 105a Abs. 2 der Gewerbeordnung) nur, wie folgt, 
beschäftigt werden: 1. Im Betriebe der offenen Verkaufsstellen ist 
eine Beschäftigung bis zu 3 Stunden zulässig. Die höhere Ver 
waltungsbehörde kann für Orte, in denen die Bevölkerung aus der 
Umgebung an Sonn- und Festtagen die offenen Verkaufsstellen 
aussucht, eine Beschäftigung bis zu 4 Stunden zulassen. Die Ge 
meinde oder ein weiterer Kvmmunalucrband kann durch statutarische 
Bestimmung (Z 141 der Gewerbeordnung) die ßstündige Be 
schäftigung für alle oder einzelne Gemerbezwcige auf kürzete Zeit 
einschränken oder ganz untersagen. Die Polizeibehörde kann für 
jährlich 0, mit Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde für 
weitere vier Sonn- und Festtage, an denen besondere Verhältnisse 
einen weiteren Geschäftsverkehr erforderlich machen, eine Be 
schäftigung bis zu 10 Stunden zulassen. 2. Im übrigen Haudcls- 
gewerbe kann die höhere Verwaltungsbehörde sowie durch statuta 
rische Bestimmung die Gemeinde oder ein weiterer Komnuuialvcr- 
baud eine weitere Beschäftigung bis zu 2 Stunden zulasse». Für 
das Speditions- und das Schisfsmaklcrgcwcrbe .sowie für andere 
Gewerbebetriebe, insoweit' in ihnen Gütervcrsendungcn mit See 
schiffen vorgenommen werden, kann in.^leicher Weise eine Be 
schäftigung bis zu ö Stunden zugelassen werden. Die höhere Ver- 
..wEmgsbehörde^kcum für jährlich höchstens sechs.Sonn-^und Fest 
tage, an denen besondere Verhältnisse einen weiteren Geschäftsver 
kehr erforderlich machen, eine Beschäftigung bis zu 4 Stunden zu 
lassen. Gleichzeitig treten ferner alle Sonder- und Ausnahme 
bestimmungen außer Kraft, die für die Sonntagsruhe imHandels- 
gcwcrbe auf Grund der §§ 105 b bis 105 o der Gewerbeordnung 
getroffen sind. 
o Die Vuddelei in der Kaiserallee. Wer wiederholt 
die durch die Kaiserallee fahrenden Straßenbahnwagen zu 
benutzest hat, wird gefunden haben, daß in dieser Straße 
fortwährend „gebuddelt" wird, mal an. dieser, nial an jener 
Stelle. Jetzt scheint man mit dem Bauen und Buddeln 
endlich fertig zu sein an jener schwierigen Stelle, wo die 
Untergrundbahn die Straße kreuzt und 7 Straßen zu 
sammentreffen. Die Fahrdäinme, die Schienen, Ober 
leitungen und Masten der elektrischen Bahn, die Gaskande 
laber mußten verlegt. Bäume gefällt, Vorgärten beseitigt 
werden; die unterirdischen Kabel und Gas- und Kanali 
sationsrohre hat man umlegen müssen. Alles dies ging 
dem eigentlichen Bau der Untergrundbahn voraus. Hierzu 
war eine Feldbahn zur Beförderung von Sand, Kies und 
Zement gebaut und eine Waflerpumpstativn für den Fall 
errichtet worden, daß Ucberschwemmungen eintreten würden. 
Viele Menschen und Maschinen waren rastlos Tag und 
Nacht tätig, um das Werk zu vollenden. Die Bewohner 
dieser Gegend atmen erleichtert auf, und die Hausbesitzer 
und Geschäftsleute, die unter der Verkehrsstörung solange 
haben leiden müssen, blicken hofsnungsfroh in die Zukunft, 
. daß sie nun auch durch die Untergrundbahn entschädigt 
, werden. Mögen alle diese Wiinsche in Erfüllung gehen, 
o Das neue Verzeichnis der Fernsprechteilnehmer. 
Von dem Verzeichnis der Teilnehmer an den Fernsprech 
netzen in Berlin und Umgegend hat die Kaiser!. Ober-Post- 
dircktion eine neue Ausgabe hergestellt, die am 15. d. M. 
an die Teilnehmer verteilt werden wird. Infolge der Ver 
mehrung der Anschlüsse ist das Buch wieder um 30 Seiten 
gewachsen. Es umfaßt jetzt deren 1388. Wesentliche 
Aenderungen in der Anordnung des Buches sind nicht ge 
troffen. Vorangestellt ist wieder ein Verzeichnis der Teil 
nehmer von Berlin, Adlershof, Lichtenberg, Lichterfelde, 
Oberschöneweide, Pankow, Reiuickcndorf-Oft, Steglitz, Tegel, 
Tempelhof, Weißcnsec, Wilmersdorf. Charlottenburg, Groß- 
bceren, Hoppegarten. Mühlcnbcck und Neukölln. Die Teil 
nehmer an den Fernsprechnetzen in Köpenick, FriedrichLhagen, 
Grünau, Ludwigsfelde, Neucuhagen, Nowaives, Oranien 
burg, Potsdam, Spandau, Waunfce und Zehlendorf im 
Ober-PostdirektioirSbezirk Potsdani sind in ein besonderes 
Verzeichnis auf gelbem Papier vereinigt. 
o Unsere Jäger. Jahresjagdschcine haben im Monat 
Oktober gelöst: Syndikus Dr/ Mirus, FabrikdirekWr Penzlin, 
Frhr. v. Hammcrstein, v. d. Sode, Major v. Sydvw, 
Kaufmann Bencckcndorsf. Zimmermeister Lehmann, Kaufmann 
Hoyer, Optiker Puchler, Bankvorsteher Eisenträger, Kaufmann 
Müller, Kaufmann Vogdt, Rentier Ficbig, Prokurist Brockhaus. 
Tagesjagdscheine: Justizrat Conrad, prakt. Arzt vr. Böhme. 
o Das Wohnen in der Laube. Der Verein der 
Vororte Berlins hat an das preußische Staalsministeriuin 
eine Eingabe gerichtet, in der das Ministerium gebeten wird, 
die Nachgeordneten Organe anzuweisen, den Eigentümern 
von Bauparzellen das zeitweise Wohnen in ihren Sommer 
häuschen und festen Lauben zu gestatten. Der Verein 
wurde zu der Eingabe durch die bekannte Entscheidung des 
Oberverwaltungsgerichts veranlaßt, die das Wohnen in 
SomMerhästschen inr Berliner Vorortgebiet untersagt. 
o Ein gewaltiger Erfolg des Vnndes „Groß- 
Berlin", dem auch der Haus- und Grundbesitzerverein zu 
Berlin-Friedenau angehört, ist zu verzeichnen. Am 
Sonntag hat der Preußische Landesverbastd der Haus- und 
Grundbesitzervereine mit gewaltiger Mehrheit eine Ent 
schließung darüber gefaßt, daß den Gemeinden nach wie 
vor freistehen muß, ob sie die kommunalen Grundsteuern 
nach dem gemeinen Wert oder nach dem Ertragswert er 
heben wollen. Auch die Erhaltung des § 54 des Kom- 
mustal-Abgabengesetzcs über die Genehinigungspflicht und 
das Verhältnis der Gemeindeeinkommensteuer-Zuschläge zu 
den Grundsteuern wurde dabei beschlossen. -Dieses hoch 
wichtige Ergebnis ist sehr erfreulich bei den großen Treibe 
reien und Agitationen, die von seiten der reinen Terrain- 
intöressettten gemacht worden waren. Dem Vorstande des 
Bundes der Haus- und Grundbesitzervereine „Groß-Berlin", 
der sich um die Aufklärung der Hausbesitzerkreise über diese 
wichtige Steuerfrage eifrig bemüht hat, gebührt der Dank 
aller preußischen Hausbesitzer. Noch ist der Kampf gegen 
den Einfluß der Großspekulanten aber nicht auf der ganzen 
Linie entschieden. 
o Daß die Aufschrift des Firmenschildes nicht 
immer für die in dem Geschäft gehandelten Waren spricht, 
sehen wir an einem Laden Rheinstr. 05. Dort steht in 
Riesenbuchstaben auf einem Firmenschild über dem Laden 
die Aufschrift „Wiener Modenhaus." Wer aber dadurch 
verlockt wird, sich die neueste Wiener Mode in den Schau 
fensterauslagen anzusehen, wird sich enttäuscht über die 
Augen fahren und nochmals über den Laden schauen, ob 
er auch richtig gelesen habe. Aber er kann beim besten Willen 
nichts anderes lesen, als was er vorher schon gelesen hatte. 
Doch im Schaufenster sieht er statt der Blusen, Röcke und 
Jupons — Brot und andere Backwaren. Das Wiener Moden 
haus ist dort längst erledigt worden und eine Brotfirma hat von 
dem Laden Besitz ergriffen. Aber das alte Firmenschild ist 
bestehen geblieben. Sollten unsere Hausfrauen etwa da 
durch gemahnt werden: che sie äußeren Putz besorgen an 
des Lebens Nahrung und Notdurft zu denken? 
o Nur noch heute wird in den Hohenzollern-Licht- 
spielen, Handjerystr. 64 das Meisterwerk des großen 
russischen Nativnaldichters Leo Tolstoi „Der lebende Leich 
nam" vorgeführt. Es sollte niemand verabsäumen, sich 
dieses hervorragende Filmdrama anzusehen. Auch die 
übrigen Bilder verdienen das Interesse unserer Kinofreunde. 
Daher laute die Parole: Auf ins Hohenzollernkino! 
o Der „Plattdütsch Vereen Waterkant für de west 
lichen Vörurte von Berlin" feierte am Sonnabend in den 
Räumen des Logenrestauranks zu Steglitz sein 9. Stiftungs 
fest, welches sich eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen 
hatte. Das Unterhaltungsprogramm war recht reichhaltig. 
Nach dem der 1., Vorsitzende, Herr I. Nakobrandt, die Er 
schienenen begrüßt und Fräulein Dähn den von dem Ver- 
einsmitgliede Herrn Ad. Ecke verfaßten Prolog gesprochen 
hatte, trat Frl. Römer mit einigen vortrefflichen Dekla 
mationen auf den Plan, in denen der kernige plattdeutsche 
Humor so recht zur Geltung kam und die die dankbare Zu 
hörerschaft in die heiterste Stimmung versetzten. Der ge 
mischte Chor des plattdeutschen Vereins „Uns' Modersprak"- 
Wilmersdorf, der sich freundlichst zur Verfügung gestellt 
hatte, brachte verständnisvoll und mit innigem Empfinden 
verschiedene niederdeutsche Lieder zu Gehör, wofür ihm eben 
falls reicher Beifall zuteil wurde. Wahre Lachsalven ent 
fesselte das zum Schlüsse von den Damen Pauly, Krieg und 
Lagemann und den Herren O. Lange, A. Jenssen jr., B. 
Bositzka und Fr. Sike flott gespielte Theaterstück „Wat sick 
hem' soll, dat krigt sick ok." Nun trat der Tanz in seine 
Rechte, auf den die junge Welt sich schon lange gefreut 
hatte und der die frohe Gesellschaft bis zum frühen Morgen 
zusammenhielt. Während der Kaffeepause nahm der zweite, 
Vorsitzende Herr Krüger Veranlassung, allen denen, die zum 
Gelingen des schönen Festes beigetragen, den besten Dank 
des Vereins „Waterkant" auszusprechen, während die, wo 
es das Interesse des Vereins gilt, trotz ihres hohen Alters 
stets unermüdliche Frau Pauly einige heitere niederdeutsche 
Vorträge zum besten gab. Alles in allem ein herrlicher 
Abend, auf den der Verein „Waterkant" mit Befriedigung 
zurückblicken kann und der allen Teilnehmern noch lange in 
der Erinnerung bleiben wird. 
o Sizilien und die Liparischen Inseln. Unter diesein 
Titel veranstaltet die Märkische Gesellschaft von Freunden 
der Photographie, E. V. in Steglitz, am Montag, dein 17. 
Noveinber ihren 79. Projektionsabend. Vortragender ist 
Herr Mar Ncntwich aus Berlin, das Vortragslokal wiederum 
der Festsaal des Gymnasiums, Heesestr. 15. Aus dem Vor 
trage seien folgende Hauptpunkte hervorgehoben: Catania, 
Ausflug nach dem Aetna, Taormina, Messina vor und nach 
der Zerstörung, Ccfalu, Palermo, Segesta, Marsala, Selimunt, 
Akrapas. Karten zuin freien Eintritt verabfolgt Herr Georg 
Schwabe, Schloßstr. 92. 
o Alls der Treptow-Steknwarte finden folgende 
wissenschaftliche Kino-Vorträge statt: Am Sonnabend, dem 
15. November, Nachm. 5 Uhr: „Seott'S Reife zum Südpol 
und ein Blick ins Weltall", Abends 7 Uhr: „Airs fernen 
Landen", am Sonntag, hem 10. November, Nachm. 5 Uhr: 
(Vortrag mit Lichtbildern von Dir. Dr. F. S. Archenhold) 
über: „Unser Planetensystem", Abends 7 Uhr: „Scott's 
Reise zum Südpol und ein Blick ins Weltall", am Montag, 
dem 17. Noveinber, Abends 7 Uhr: j,Interessante Bilder 
aus Italien", am Dienstag, dem 18. November, Abends 
8 x / 2 Uhr: (Vortrag mit Lichtbildern von Direktor Dr. F. S. 
Archenhold) .über: „Sternhaufen, veränderliche und neue 
Sterne". — Mit dem großen Fernrohr werden Mond, 
Jupiter und Saturn beobachtet. 
o Das Große Herbst-Preiskegeln im Lauterplatz- 
Kasino, Friedenau, Hauptstr. 80, ist bis jetzt unter guter 
Beteiligung von Fern und Nah verlausen; der Kegelklub 
„Friedenau 1909" bietet auch alles auf, um seine hoch 
verehrten Gäste voll und ganz zufrieden zu stellen. Das 
Kegeln findet jeden Donnerstag, Sonnabend und Sonntag 
bis zum 14. Dezember statt. Auf der Dauer-Geldbahn 
1. Preis 500 M., 2. Preis 400 M., 3. Preis 300 M. :c. 
Hohe Tages- und Stundcnpreise.- Die Führung 1 ber 
Kegellisten haben Militärpersonen übernommen. Auf einer 
kleinen Geldbahn. 1. Preis 50 M.. 2. Preis 40 M.. 3. Preis 
30 M. und zwei Lebensmittklbahnen (Wild und Geflügel, 
owie Delikatessen, Wurst und Schinken) jeden Sonntag 
Preisverteilung. Am Sonntag, dem 9. d. M. errangen die 
ersten Preise: Auf Bahn II (Kleine Geldbahn), Herr Kirsten, 
Herr Brenner und Herr Richter mit 4 Kugeln 35 Holz, 
Bahn III (Wild und Geflügclbahn) Herr Wartcmann mit 
4 Kugeln 32 Holz Und Bahn IV (Delikateß- und Schinken 
bahn) Herr Hecht mit 4 Kugeln 35 Holz. Alle Kegel- 
reunde sind zu diesem Preiskegeln herzlichst eingeladen. 
Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. 
o Eine neunzehnjährige Juwelendiebin, die in den 
westlichen Vororten im letzten Jahre für mehr als 50 000 
Mark Pretiosen erbeutete, ist gestern verhaftet worden. Sie 
trat je nach dem Verhältnis, entweder als reiche Dame oder 
als arme Hausiererin auf. Elise Bartels, so ist der Name 
der Diebin, besuchte als Händlerin, wie seinerzeit berichtet, 
die Villen in Grunemald, Wannsce, Zehlendorf und den be 
nachbarten Kolonien und stahl alles, was sie an Juwelen 
und Schmucksachen vorfand. Diese Art des Diebstahls ge 
staltete sich recht lohnend, denn der Wert ihrer Beute betrug 
in den einzelnen Fällen fünftausend, acht- und sogar zehn 
tausend Mark. Die Schmucksachen versetzte sie, schaffte sich 
von dem Erlös elegante Kleider an und unterstützte ihre 
zahlreichen Herrenbekanntschaften finanziell. In der neuen 
Garderobe änderte die Diebin ihre Taktik. Nun verlegte 
sie das Feld ihrer Tätigkeit nach dem Zentrum Berlins und 
suchte erstklassige Pensionate auf, indem sie teils nach einem 
„guten Bekannten", der dort aber nicht wohnte, «fragte, teils 
selbst ein Zimmer suchte; auch hier benutzte sie die sich 
bietenden Gelegenheiten, Schntucksachen, in einem Falle für 
10 000 M.,. zu entwenden. Jetzt wurde die Hochstaplerin 
endlich auf frischer Tat ergriffen und dem Untersuchungs 
gefängnis zugeführt. Sie ist schon wegen gleicher Dieb 
stähle vorbestraft; vor zwei Jahren unternahm sie einen 
kühnen Fluchtversuch, indem sie auf dem Transport nach 
Wronke aus dem fahrenden Zuge heraussprang; auch gestern 
hat sie zwei Selbstmordversuche unternommen, die aber 
rechtzeitig verhindert werden konnten. 
o Ein schweres Explosionsunglück ereignete sich 
heute Vormittag auf dem Fabrikgrundstück der Firma Paul 
Thom, Architektur- und Bauklempnerei, Benntgsenstr. 23/24. 
Hier hat auch die Firma Dr. C. Schleußner, Akt.-Ges., 
Fabrik für photographische Platten, Filme und Papiere, ihr 
chemisches Laboratorium. In feuersicheren, den polizeilichen 
Vorschriften entsprechenden Räumen bewahrt diese Firma 
den für ihren Betrieb nvtivcndigcn Aether und Alkohol in 
Ballonen ans. Beim Abfüllen von Aether fiel nun ein 
Aetherballon zu Boden und die entströmenden Acthergase 
entzündeten sich an einem entfernten Feuer, sodaß eine 
Explosion erfolgte. Hohe Flammen schossen auf, wodurch 
auch noch andere Aetherballone zur Explosion kamen. Die 
Schöneberger Feuerwehr wurde herbeigerufen, die das Feuer 
schnell löschte. Bei der Explosion sind leider auch einige 
Personen verletzt worden. Besonders der Zustand eines 
Chemikers der Firma Schleußner ist bedenklich. Außerdem 
wurden zwei weitere Angestellte dieser Firma und 
ein Arbeiter der Firma Paul Thom erheblich verletzt. 
Sämtliche Verletzte fauden Aufnahme im Schöne 
berger Krankenhaus. Ferner ist noch ein Pferd und ein 
Hund durch die Flammen versengt worden. — Nachträglich 
wird uns über das Explosionsunglück noch folgendes be 
richtet: Der Actherbehältcr platzte in dem für die Aufbe 
wahrung dieser Flüssigkeit bestimmten Raume, der neben 
einem Stalle liegt, in welchem sich außer dem Kutscher des 
Geschäfts ein Pferd und ein Hund befanden. Die Acther 
gase verbreiteten sich über die ganzen Räume, drangen auch 
ins Freie und entzündeten sich an einem in einer entgegen 
gesetzten Ecke des Hofes stehenden Koksofen. Im gleichen 
Augenblick schoß eine riesige Stichflamme über den Hof und 
in das Stallgebäude. Der mit dem Aetherfüllen be 
schäftigte Chemiker erlitt so schwere Brandwunden, daß er 
sofort in§ Krankenhaus gebracht werden mußte. Dem 
Kutscher wurden Bart, Kopfhaar und Augenbrauen abgesengt, 
außerdem erlitt er Brandwunden an den Händen. Dem 
Pferde wurde das Fell und der Schweif fast vollständig 
versengt. Der Hun.d wurde weniger verletzt. Durch die 
Explosion entstanden erhebliche Risse im Mauermerk bc3 
Gebäudes und cs ist immerhin noch von Glück zu sagen, 
daß das Unglücknicht noch größeren Umfang angenommen hat. 
Verems-NaAriMen 
Am Freitag tagen: 
Cteuographeuvcrein „Stolze-Echrey". */ s 9 llf)r in der Gemeinde- 
Mädchenschule, Goßlerstraßc. Diktntschreibcn in verschiedenen Ab- 
teilungcn. 
Zcbölieberg 
—o Bei den gestrigen Stadtverordnctenwahlen in der 
2. Abteilung blieb die Liberale Fraktion wieder überall sieg 
reich. Nur im 9. Bezirk siegte der Kandidat des Kommunal- 
vercins. Die Eiiizclergcbnisse sind folgende: Es erhielten 
im 1. Bezirk Justizrat Gottschalk (Lib. Fraktion) 110 
Stimmen, Geh. Rechnungsrat Ganz (Kommunalverein) 30 
Stimmen; im 7. Bezirk Bankvorsteher Peine (Lib. Frullivu) 
212 Stimmen, Kaufmann Lahmann (Kommunalverein) 102 
Stimmen; im 8. Bezirk Stadtv. Weise (Lib. Fraktion) 95 
Stimmen, Kaufmann Rchenbaum (Kommunalverein) 71 
Stimmen; im 9. Bezirk Eisenbahnsekretär Schatz (Lib. Fr.) 
81 Stimmen, Oberpostassistent Kuczorra (Kommunalverein) 
179 Stimnien; im 10. Bezirk Justizrat Reinbacher (Lib. Fr.) 
175 Stimmen; im II-, Bezirk Stadtv. Bester (Lib. Fraktion) 
173 Stimmen, Buchhändler Springer (Lib. Fraktion) 171 
Stimmen, Assistent Jaeger (Kommunalvercin) und Bank- 
vorsteher Wetzell (Kommuualoereiu) je 110 Stimmen. —
        
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