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Periodical volume Nr. 267, 12.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

fahrt mit Berührung der einzelnen Hafenstädte in einer 
späteren Bcrsaminlnng einen Lichtbildervvrtrag halten walle 
und sich heute hauptsächlich mit dem Bericht über Brasilien 
befassen möchte. Der Dampfer „Nugia" von 6600 To. führte 
ihn von Hamburg aus über Antwerpen, durch den Kanal, den 
Golf von Biscaya, Oporto, Lissabon und Madeira nach Para, 
von hier ging es den Amazonenstrom aufwärts nach Manaos. 
Ueber die Fahrt selbst machte der Vortragende interessante 
Mitteilungen von den Unterwasser-Glockensignalen, von der 
drahtlosen Telegraphie, den drahtlosen Zeitsignalen vom 
Eifelturm, vom Sternenhimmel, dem Tierleben des Meeres 
(Delphine, Haifische), von den Meeres- und Luftströmungen 
(Passadwinden), der Tropentemperatur usw. Die Farbe des 
Mcerwassers wird hinter Mfldeira tiefblau und das Wasser 
ist bei Madeira derart durchsichtig, daß man die Jungen von 
Madeira in ihren TaucherkunststUckchcn gut beobachten kann. 
Die 9 tägige Fahrt von Madeira nach Para will einem am 
ersten Tage äußerst lang erscheinen und doch vergeht nachher 
sehr schnell ein Tag nach dein andern in gewohnter Regel 
mäßigkeit. Es gibt so vieles zu sehen und zu beobachten, 
daß die Zeit gut ausgenützt wird. Wenn dann die 
brasilianische Küste nahe ist, kommen unzählige bunte Vögel 
und Schmetterlinge, deren Namen niemand kennt, dem 
Schiffe entgegen. Nach einer Schilderung von der Einfahrt 
in das Delta des Amazonenstroms macht der Vortragende 
Angaben über die Größenverhältnisse Brasiliens. Das 
Deutsche Reich ist 540 000 Quadratkilometer groß, Brasilien 
aber 8 548 000 Quadratkilometer. Das Deutsche Reich be 
herbergt 65 Millionen Menschen, Brasilien nur 25 Millionen. 
Die Strecke, die das Schiff von Para bis Manaos auf dem 
Amazonenstroinc zurücklegte, beträgt 1592 Klm., die Fahrt 
dauerte 4 Tage und 4Nächte, deijAmazonenstrom selbst ist etwa 
5000 Km. lang. Es folgten nun Angaben über die poli 
tischen Verhältnisse Brasiliens, woran sich Schilderungen vom 
Amazonenstrom und seinen Urwäldern, über das Tierleben 
und die klimatischen Verhältnisse des Landes schlossen. Be 
sonders über Malaria und gelbes Fieber und den Schutz 
hiergegen machte der Redner eingehende Ausführungen. 
Eine Industrie gibt es am Ainazoncnstrom nicht. Ebenso 
wenig wird dort Ackerbau und VichzuchQgetrieben. Alles 
Material, alle Lebensmittel, soweit sie nicht in Früchten 
und Fischen bestehen, werden von Europa, Nordamerika 
oder Südbrasillien eingeführt. Der Erwerb der Bevölkerung 
besteht einzig in der Gummigewinnung. Und riesige Ballen 
Gummi gehen vom Amazonenstrom in die zivilisierten Länder. 
In Para und Manaos gibt es elektrische Straßenbahn und 
Automobile; die Gummireifen der Automobile überkommen 
aus Europa. Eine Straßenreinigung gibt es nicht, diese 
besorgen die Aasgeier. Die volkswirtschaftlichen Verhältnisse 
sind außerordentlich traurige. Die Korruption ist vor 
herrschend, die Beamten müssen oft zwei Jahre lang auf 
ihr Gehalt warten und beziehen schließlich nur einige 
Prozente davon durch die Vermittler. Ueber die Früchte 
des Landes (die «Paranuß) machte der Redner ebenfalls 
Mitteilungen und reichte Früchte vom Gummibauiy, eine 
Paranuß, Faringamehl, Granatbrot, ferner von Indianern ge 
schnitzte und bemalte Kokosnußschalen herum. Auch ein 
Paddelruder 'der Indianer aus Eisenholz hatte der Vor 
tragende mitgebracht. Zum Schluß gab er uoch einen 
Ueberblick über die Länge der zurückgelegten Reise, die sich 
auf 20 006,9 Km. stellt und etwa der halben Länge des 
Aequators entspricht. So schön und interessant eine solche 
Reise wie die eben geschilderte auch wäre, so freue man 
sich am Schlüsse der Reise doch darauf, wieder nach Deutsch 
land unter kultivierte Menschen zurückzukehren. Wir dürften 
aber nicht geringschätzend über die noch unkultivierten 
Länder Südamerikas hinwegsehen, denn dort gebe es noch 
sehr viel Platz für eine riesengroße Zahl von Ansiedlern, dort 
schlummerten noch reiche Schätze ungehoben im Erdboden 
und dort biete sich eine unbegrenzte Erwerbsmöglichkeit für 
Millionen von Menschen. Reicher Beifall folgte dem hoch 
interessanten lehrreichen Vortrage und dje Versammlung 
war mit dem Vorschlage des Vorsitzenden einverstanden, 
über geschäftliche Dinge nicht mehr zu verhandeln. Darauf 
wurde die Versammlung gegen 1 J i \2 Uhr geschlossen. 
o Friedenauer Parpchialperein. Das war inal ein 
herzerquickendes Reformationsfest am vergangenen Montag. 
Der Festsaal des Reform-Realgymnasiums war wieder bis 
auf den letzten Platz besetzt und die aus frischem Grün 
uiederschaueme Büste des großen Reformators Martin 
Luther versetzte alle in die rechte „Geburtstags 
stimmung", ivie Herr Professor Klejnecke in seinen herzlichen 
grüßte st' eine Wtgiuine, wie Sylvia Maler.scher noch 
teil e gesehen zu haben glaubte. Sie teilte die Passion 
aller Amerikaner für derartige stumme Zeugen einer serucn, 
romantischen Vergangenheit; denn nach ihrer Auffassung 
waren ehrwürdige Burgruinen so ziemlich das einzige, 
was die alte Welt vor der neuen voraushatte. Und um 
nichts in der Welt härte sie sich's darum entgehen lassen, 
auch diese hier zu photographieren. Aber als sic sich 
anschickte, den Apparat einzustellen, fand sie, das; das Bild 
viel hübscher werden würde, wenn irgendwelche Staffage 
darauf wäre, und in ihrem liebenswürdigsten Ton er 
suchte sie Hoiningen, diese Staffage abzligebcn. Bereit 
willig sprang er vom Wagen, um sich auf den Platz zu 
begeben, den Miß Pendleton als den zweckmäßigsten für 
ihn ausersehen hatte, und gehorsam leistete er jeder ihrer 
Anweisungen Folge, bis sie endlich mit seiner Stellung, 
mit der Haltung seines Kopfes, der Richtung seines 
Blickes und mit allem übrigen vollkommen znfrieoen war. 
„Schade, daß sich hier keine alte Ritterrüstung auf 
treiben läßt," sagte sie scherzend. „Ich glaube. Sie müßten 
sich famos darin ausnehmen, und auf meinem Bilde 
würden Sie dann aussehen, als ob Sie der Erbauer oder 
der Zerstörer dieses Schlosses gewesen wären. Eine Lanze 
müßten Sie natürlich auch haben, so einen gewaltigen 
Speer, wie ihn die alten Ritter bei ihren Zweikämpfen 
führten." 
„Die Maskerade würde doch wohl etwas unfreiwillig 
Komisches haben," lächelte der Graf. „Von einem Ritter, 
dessen vornehmste Lebensaufgabe es ist, zu turnieren und 
Zweikämpfe auszufechten, fühle ich, offen gestanden, nur 
noch recht wenig in meinem Blute." 
Sylvia warf ihm einen bedeutungsvollen Blick zu und 
Zwinkerte verschmitzt mit de» Augen. 
Begrüßungsworteu hervorhob. Um das Beste gleich weg 
zunehmen: Der Abend brachte als Mittelpunkt eine Festrede 
des Pfarrer Kleine; sie war zugleich der Höhepunkt der 
Veranstaltung, denn solch zündende, zum innersten Herzen 
sprechenden Gedanken hört man selten. Der Redner ging 
aus von Luthers prophetischem Satz: Ich werde nicht sterben, 
sondern leben! Und nun zeigte er, wie die Gedanken dieser 
Geisteshelden sich bis heute vier Jahrhunderte lang in 
Lebenskraft erhalten haben. Als Luther die Priesterketten 
zerriß, ein Bahnbrecher der Gewissensfreiheit wurde, erwuchs 
er zugleich zum Wegweiser neuer Lebensideale, der durch 
dornenvolle Pfade sich zum Frieden des Glaubens durch 
kämpft. Luther rvar in jedem Zoll ein Deutscher, den man 
sesnes deutsch-innigen Gemüts, seiner kindlich hingebenden 
Gebete wegen lieb haben muß. Rauschender Beifall folgte 
den mit hinreißendem Schwung und vollendetem Ausdruck 
gesprochenen Worten. Den ersten Teil des Abends eröffnete 
und schloß unter Leitung seines Dirigenten, des Kgl. Musik 
eirektors Harriers-Wippern, der Friedenauer Kirchenchor mit 
stimmungsvollen Gesängen, die beifällig aufgenommen 
wurden. Die Vortragsfolge brachte ferner aus dem Gebiete 
der Sprechkunst u. a. ein Gedicht-Zyklus „Aus Huttens 
letzten Tagen" von Konrad Ferdinand Meyer, welcher von 
Frau Dr. Kundt-Friedenau mit klangvoller Stimme und 
großer Kunst wiedergegeben wurde, und der so recht die 
gegensätzliche Stimmung des „Hie protestantisch", „Hie 
katholisch" zum Ausdruck brachte. In der Konzertsängerin 
und Gesanglehrerin Frl. Wirtschaft-Friedenau lernten wir 
einen dunklen Alt von selten; niystischen Ausdruck kennen. 
Für Bach'sche Kantaten, deren zwei zum Vortrag kamen, 
wie Vrahm'sche Lieder eignet sich diese Stimme recht gut, 
abgesehen — um ganz gerecht zu sein — von einigen 
kleinen Unebenheiten, an denen auch wohl teilweise, der nicht 
ganz rein klingende, etwas abgespielte Konzertflügel schuld 
haben mag. Die anschmiegende Begleitung von Fräulein 
Großmann-Friedenau soll nicht vergessen sein, lobend zu er 
wähnen. Fräulein Elsa von Grave zeigte sich als hervor 
ragende Pianistin in der Wiedergabe der herrlichen 
Schöpfungen von Schubert, Liszt „Du bist die Ruh" und 
einer Legende von Liszt sowie in zwei Kompositionen von 
Chopin: Nocturno 6-clur und Barcarole op. 60. Die 
Künstlerin bewies, daß sie nicht nur die Technik vollkommen 
beherrscht, sondern auch den gesanglichen Teil der Ton 
schöpfungen — bekanntlich das Schwerste auf dein Klavier 
— gefühlvoll, dem Geist der Tondichtung entsprechend 
wiederzugeben weiß. Es war ein hoher Genuß, dem voll 
endeten Spiel der Dome zu lauschen; das bewies auch der 
große Beifall. Das Schlußwort des Abends sprach Herr 
Pfarrer Görnandt, der ehrwürdige Oberhirt unserer Ge 
meinde. In zirm Teil recht launigen Worten wies er auf die 
religiösen Aufgaben des Parvchialvereins hin und nahm zum 
Gegenstand seiner Betrachtungen das vor kurzem in Mans 
feld errichtete schöne Lutherdenkmal. Wie jenes Luther in 
mehrfacher Gestalt zeige, so solle sich der Verein nicht nur 
am Schönen sich erfreuen, sondern auch das Religiöse hoch 
halten. Wie nach der Festrede, so sang auch zum Schluß 
die Versammlung stehend je einen Vers des Schutz- und 
Trutzliedes Luthers-,Mn feste Burg ist unser Gott". Der 
Abend ist durch seinen zusammenfassenden einheitlichen Zug 
in der Vortragsfolge zu den besten seiner Art zu zählen. 
Möchten ihm noch viele ähnliche folgen. 
o Der Verein der Nahrungömittelhändler schloß 
seine Ausstellung bekanntlich durch einen Lichtbildervortrag. 
Wir haben darüber schon berichtet, möchten hier aber noch 
einiges nachtragen. Besonderes Interesse erweckten die Licht 
bilder von der Keksstadt Hannover. Die erste Hälfte dieses 
Vortrages befaßte sich mit der schönen Stadt Hannover 
selbst, während die zweite der berühmten hannoverschen 
Keksindustrie gewidmet war. Bekanntlich ist die Firma 
H. Bahlsens Keksfabrik, die Herstellerin des Leibniz-Keks, 
in Hannover zu Hause. Aus dem Betriebe dieses Riesen 
unternehmens wurden eine Anzahl interessanter Bilder und 
daneben auch ein Film gezeigt., Wohl wenige der Zuhörer 
haben sich vorher einen Begriff von dem Umfange dieses 
Betriebes machen können. Was hier an schönen Gebäuden, 
Jnnenräumen, Wohlfahrtseinrichtungen, vorbildlicher Reklame 
und vor allein an mustergültiger Fabrikation gezeigt wurde, 
erregte das Erstaunen der gesamten Zuhörerschaft. Man 
kan; unbedingt zu der Ueberzeugung, daß es sich hier um 
Warenherstellung handelt, die in Bezug auf Sauberkeit und 
Hygiene auf höchster Höhe steht. Jedenfalls wird der Vor 
trag in diesem Kreise viel dazu beigetragen haben, Auf 
„Und Loch meine ich, es wäre noch nicht allzu lange 
her, daß ich Sje in schönster Kampfbereitschaft gesehen 
hätte, wenn auch allerdings ohne Eisenrüstung und Lanze. 
Machen Sie ein Gesicht, wie Sie es heute dem Vicomte 
gegenüber aufgesetzt hatten, und der grimmige Riesen- 
und Drachentötcr aus der Ritterzeit ist fix und fertig." 
Frau von Riedberg, die ihre Ohren für die Unter 
haltung der beiden nur dann verschloß, wenn der sanfte 
Gott des Schlummers sie wider ihren Willen zeitweilig in 
seine Arme schloß — Frau von Riedberg halte interessiert 
aufgehorcht, und nun mischte sie sich etwas spitzen Tones ein: 
„Darf ich fragen, wie dieser Scherz zu verstehen ist, 
liebste Sylvia? Westenholtz in Kampfbereitschaft gegen 
den Vicomte? Ja, mein Himmel, aus welcher Ursache 
denn?" 
„Soviel ich weiß, aus nicht unberechtigter Entrüstung 
darüber, daß Herr de Marigny auf eine recht ungeschickte 
Weise versuchte, seinen Chauffeur an Westenholtz' Stelle 
zu bringen." 
„Der Aermste!" klagte die Baronin. „Das ist nun sein 
Lobn für die aufopfernde Gefälligkeit, die er Ihnen zu er 
weisen gedachte." 
„Oy, ich verkenne seine guten Absichten nicht. Aber ich 
werde es immer vorziehen, in einem Wagen zu reisen, 
dessen Lenker sich einfach meinen Anordnungen zu fügen 
hat, als in einem, der mir aus Gefälligkeit oder Menschen 
freundlichkeit zur Verfügung gestellt wurde, und in dem ich 
darum nichts anderes bin, als ein von vornherein zur Be 
scheidenheit verurteilter Gast. 
Hoiniiigen lächelte still in sich hinein; Frau von Ried 
berg aber war etwas weniger unbefriedigt, als sie es sonst 
durch Sylvias Antworten zu sein pflegte. Sie hielt den 
Hinweis auf den Chauffeur, der sich einfach -den Anord- 
klärung über das Nahrungsmittel „Keks" zu bringen. Was 
uni so erfreulicher ist, als man in Deutschland ihn immer noch 
nicht in dem Maße zu schätzen weiß, wie er es seiner vor 
züglichen Eigenschaften wegen: Wohlgeschmack. Nährwert 
und hygienische Handhabung, verdient. 
o Eine Fliegerbegegnung fand heute Mittag über 
Friedenau statt.. Vom Osten wie vom Westen her kamen 
je ein Flugzeug, die sich über Friedenau trafen. Beide 
Flugzeuge umkreisten sich in kurzem Bogen und setzten daun 
ihren Flug fort. 
o Das Biofontheater in der Rheinstraße 14, 
immer bemüht, ein unterhaltendes Programm zusammen 
zu stellen, bringt von heute ab wieder eine ganze Reihe 
neuer Erzeugnisse der Filmkunst zur Vorführung. Die 
praktische Spreewälderin erlebt in der Großstadt ein lustiges 
Abenteuer und beweist dabei, daß die sogen, dummen 
Bauern oft schlauer sind als die klugen Stadtbewohner. In 
den Hauptrollen sind beschäftigt Frl. Elly Mertens und 
Herr Albert Paulig, die stets wegen ihrer drolligen Komik 
die Lacher auf ihrer Seite haben. Ein flottes Spiel und 
vortreffliche Aufmachung tragen zun; Gelingen des ulkigen 
Vorganges wesentlich bei. Ein spannendes Drama in zivei 
SIfteu ist der Film Die Schmuggler von Bellvigne mit 
seiner romantischen Szenerie.. Sehr hübsch ist die Natur 
aufnahme Straußenzucht in Florida. Die beliebte Biofon 
revue von Path« fräres zeigt wieder die neuesten Ereignisse 
in aller Welt in abwechslungsreichen Bildern. Liebes 
kummer nennt sich ein hübsches Schauspiel und die 
humoristischen Gaben Der widerspenstige Gatte und Bubi 
gewährt Gastfreundschaft gefallen wegen ihrer drolligen Ein 
fälle sehr. Im Biofontheater herrscht stets eine angenehme, 
behagliche Temperatur und die stets scharfen, lebenswahren 
Bilder sind von allen Plätzen aus gut zu sehen. 
o Der zweite Turmfalke abgeschoffen. Man nahm 
zunächst an, daß sich nur ein Turmfalke in der Turmspitze 
unserer Kirche „Zun; guten Hirten" aufhielt. Nach 
dem aber gestern der Falke abgeschossen war, zeigte sich ein 
zweiter auf der Turmspitze, sodaß es sich also um ein 
Pärchen handelte, das sich in der Turmspitze häuslich ein 
gerichtet hatte. Heute Vormittag nun schoß Herr 
Stoltzenburg jun. auch nach dem zweiten Raubvogel. Das 
Tier wurde getroffen und fiel zur Erde. Als man cs aber 
ergreifen wollte, flog es schnell auf und ließ sich auf dem 
Dache des Hauses Schmargendörferstr. 13 nieder. Ein 
Schornsteinfegerlehrling wollte den Falken von hier herunter 
holten, aber auch diesmal flog er davon in der Richtung 
nach der Fregestraße. Seine Verletzung ist jedoch derart 
schwer, daß er sich kaum wird lange halten können. Es 
wird daher derjenige, der den Vogel auffindet, gebeten, ihn 
in der Küsterei unserer Kirche zum guten Hirten, Kaiser 
allee 76 abzugeben. Der gestern flügellahm geschossene 
Falke ist nicht mehr am Leben; Herr Stoltzenburg hat ihn 
nachträglich getötet. 
o Ein Fahrraddieb ist heute Mittag gegen 1 Uhr in 
der Rheinstraße vor der Adler-Apotheke abgefaßt worden. 
Der Besitzer des Rades kam gerade dazu, als der Spitzbube 
mit dem Rade davon fahren wollte. Er packte sogleich 
kräftig zu und brachte- den Äurschen zur Polizeiwache. 
o Unfälle. Der Wächter bei der Nachtwach-Gesellschaft 
Charlottenburg Josef Kentsche aus Charlottenburg, Krumnie- 
straße 42, stürzte heute am Friedrich-Wilhelmplatz mit dem 
Rade und zog sich eine erhebliche Verletzung an; Auge zu. 
Auf der Sanitätswache wurde die Wunde vom Arzt des 
Rettungsdienstes genäht. — Der Gasarbeiter Paul Baade 
aus Friedenau stieß am Fciedrich-Wilhelmplatz mit einem 
anderen Radfahrer zusammen. Durch den Sturz zog er 
sich eine Verletzung an der Nase zu. Er wurde auf der 
Sanitätsmache behandelt. 
Verems-NaAricktsn 
Morgen Donnerstag tagen: 
„Friedenauer Männer-Gesangverein 1875", Ilebnngsstnnden 
9—11 Uhr im „Hohenzollern". Dirigent: Musikdirektor Paul Antoni. 
Kegelklub „Friedenau 1909" (Mitglied des Verbandes Berliner 
Kegelklubs E. B.) kegelt jeden Donnerstag von 8'/,— 12 Uhr Abends 
vuf 2 vorschriftsmäßigen Verbandsbahnen im Keglerheim Lauter 
platz-Casino, Hauptftr. 80. 
Der Verband deutscher Handlungsgehülfen zu Leipzig, Kreis- 
verein Schöneberg - Friedenau, veranstaltet am Freitag, den 14. 
November, Abends 9 Uhr int' Gefellschaftshaus des Westens, 
Schöneberg, Hauptstraße einen interessanten Lichtbildervortrag. Der 
Redner läßt die Anwesenden zunächst eine Reihe nach den prächtigen 
Gauen um den Bodenfee (Hohentwiel), Lindau, Bregenz, Horschach, 
Romanshorn, Friedrichshafen, Insel Mainau, Konstanz, Rheinsall 
nunaen seiner Herrin zu fügen habe, für einen wohl berech 
tigten Wink, um die unerträgliche Anmaßung dieses Wefteii- 
holtz zu dämpfen, und sie war naiv genug zu glauben, 
daß die eben gehörte Erklärung der wirkliche Grund 'ür 
Sylvias ablehnendes Verhalten gegen den Vicomte gewesen 
sein tonnte. 
Als fleh nach ziemlich langem Aufenthalt das Auto aufs 
neue iu Bewegung fetzte, täinpite sie darum weniger hart 
näckig als variier, wo ihre Seele noch voll qiuileiibeii 
Mißtrauens gewesen war, gegen die durch die Mitlags- 
hitze heraufbeschworene Müdigkeit und war schon nach kurzer 
Zeit sanft und fest entschlummert. Als einer der vielen 
verstohlenen Blicke, die er in kurzen Zwischenräumen nach 
rückwärts zu werfen pflegte, den Grafen von dieser Lage 
der Dinge unterrichtet hatte, mäßigte er das Tempo der 
Fahrt noch mehr und wandte sich halblaut an Sylvia: 
„Sie haben die Absicht, den ganzen morgigen Tag in 
Karlsruhe zuzubringen, mein gnädiges Fräulen; ?" 
„Ja. Ich bin mit meinen Briefschulden nachgerade 
allzusehr in Rückstand gekommen," erwiderte sie freundlich. 
„Namentlich mein Papa dürfte schon etwas ungebaltcii 
darüber lein, daß ihn; von mir nichts anderes zu Gesicht 
kommt als Ansichtspostkarten mit herzlichen Grüßen. Slücr 
warum frage» Sie mich danach, Westenholtz?" 
„Weil ich auf einer meine? Fahrten zufällig einen ent 
zückenden kleinen Ort leune:. gelernt habe, den ich Ihnen 
sehr gern zeigen würde, wenn Ihre Reisedispositionen den 
Abstecher gepatten. Er liegt am Ufer des Re eins, kaum 
acht oder zehn Kilometer von Karlsruhe entfernt, und 
heißt Konigsruh. Ich habe dort einmal einen unvergeß 
lichen Tag in eins:» reizenden kleinen Hotel verlebt und 
habe eine der hübschesten Bootsnhrtcn gemacht, deren ich 
mich überhaupt zu er»;;;.;» vermag." (Fortsetzung folgt.)
        
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