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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Silberpaare und wünschen ihm auch eine in Zukunft glückliche 
Ehe bei stets bester Gesundheit. Aber auch in gcschäst- 
licher Beziehung mögen das Glück und der Erfolg niemals 
fehlen. Glück auf denn zur „Goldenen Hochzeit!" 
o Seinen <0. Geburtstag feierte gestern der in weiten 
Kreisen bekannte Baumeister Herr Th. Schiller. Cranach- 
straße 7. Der Jubilar ist schon viele Jahre im Friedenauer 
Ortsteil von Schöneberg ansässig. Er ist Mitglied des 
Schöneberger Bezirksvereins Südwest, des hiesigen Kriegcr- 
und Landwehroereins und des Kriegsveteranenvereins. 
Ferner ist er seit vielen Jahren aktives Mitglied des Kirchcn- 
chors der Nathanaelgemeindc und des gemischten Chors des 
Westens. • Herr Schiller hat den deutsch-französischen Feld- 
zug beim Garde-Pionier-Bataillon rnitgeniacht. Er ist Ober 
leutnant d. R. a. D. Wir gratulieren dem Jubilar und 
wünschen ihm einen noch recht laugen und gesegneten 
Lebensabend bei aller bisheriger Fröhlichkeit und Gesundheit. 
o Der Handel- und Gewcrbeverein hielt nach einer 
langen Sommerpause gestern Abend seine erste Mitglieder 
versammlung ab, die gut besucht war und der auch Mit 
glieder des Vereins der Nahrungsmittelhändler, sowie die 
Herren Obergärtner Stabe und Marktmeister Giesecke bei- 
ivohnten. Gegen ^10 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Herr 
Bnchdruckereibesitzer Leo Schultz, die Versammlung. Er be 
grüßte die Erschienenen und erteilte dem Schriftführer Herrn 
Buchheimer das Wort zur Verlesung des Protokolls, dasdaraus 
ohne Einspruch genehmigt wurde. Unter Mitteilungen gab 
der Vorsitzende mehrere Vereinseinladungeu bekannt und 
verlas verschiedene Schreiben der Potsdammer Handelskammer. 
Das Andenken an die verstorbene Gattin des Mitgliedes 
Herrn Kuhn wurde durch Erheben von den Plätzen geehrt. 
Die Detailhandelsberufsgenossenschaft ersucht die Kaufleute 
sich ihr anzuschließen. Wer den Beitritt versäumt, macht 
sich strafbar. Der Vorsitzende empfahl daher, daß seder, der 
noch keiner Berufsgenossenschaft angehört, dieser beitrilt. 
Die Potsdamer Handelskamer ersucht um Stellung eines 
Vertrauensmannes zur Beaufsichtigung des Ausverkaufs der 
Firma Carl Fiebig. Es wurde Herr Goldmann als solcher 
bestellt. Eine Anfrage betrifft die Regierungspolizeiver- 
ordnung über den Handel mit Nahrungs- und Genuß- 
mitteln, die bereits in Berlin in Kraft ist. Der hiesige 
Händlerverein hat die Anfrage dahin beantwortet, daß er 
einer solchen Verordnung auch für die Vororte zustimme, 
doch wünsche er, daß sich diese Verordnung auch ausdehne 
auf den Markt- und Straßenhandel, die Beamten- und 
Konsumvereine. Die Versammlung beschloß, die Antwort 
des Handel- und Gewcrbevereins in der gleichen Weise ab 
zufassen. Ferner frägt die Handelskammer an, wie die Be 
kanntgabe von Versteigerungen seitens der Behörden hier 
erfolge, ob cs in der Weise geschehe, daß ein größeres 
Publikum davon Kenntnis erhält. Die Versammlung sprach 
sich dahin aus, daß die Versteigeruiigsbekanntmachungen der 
Eisenbahn hier in ungenügender Weise durch Anschlag am 
Bahnhof erfolgen. Erwünscht wäre, wenn jene Bekannt 
machungen in der Ortspresse veröffentlicht würden. Weiter 
ersucht die Handelskammer um Angaben über die Geschäfts 
lage usw. iu Friedenau für ihren Jahresbericht. Der Vor 
sitzende lädt die Vertreter der einzelnen Branchen zu einer 
Besprechung hierüber ein, die heule (Dienstag) Vormittag 
bereits stattgefunden hat und in der der Bericht au die 
Handelskammer dem Sinne nach festgelegt wurde. Der Wert 
der freien Station wird nach Mitteilungen des Herrn Zicmke 
hier mit 630 M. berechnet. Als neue Mitglieder werden die 
Herrn Stolzenberg, Neye und Erfurt aufgenommen. 
Darnach berichtet der Vorsitzende zum Punkt 4: Zusammen 
schluß des Handel- und Gewerbevereins mit dem Verein 
der Nahrungsmittelbranche, daß es sich nach einer neuer 
lichen Mitteilung des Herrn Habermann nicht um einen 
Zusammenschluß nur dieser beiden Vereine handeln soll, 
sondern, daß Herr Habermann sich eine Vereinigung aller 
gewerblichen Vereine im Ort unter Leitung des Gewerbe 
vereins gedacht habe. Herr Lange erläutert noch näher 
diesen Vorschlag; der Nahrungsmittelhändlervercin habe 
selbst hierzu noch keinen Beschluß gefaßt. Man hoffe, durch 
eine derartiges Vereinigung in allgemeinen Fragen und be 
sonders bei Gemeindemahlen gemeinschaftlich vorgehen zu 
können. Herr Berger empfiehlt gleichfalls eine derartige 
Vereinigung. Doch über das „Wie" müßten sich die Vor 
stände der beiden Vereine wohl erst klar werden, um dann 
an die anderen Vereinsvorstände und ferner au die Mit 
glieder heranzutreten. Es wurde denn auch beschlossen, 
diesen Punkt von der Tagesordnung abzusetzen und den 
Vorständen zu empfehlen, diese Angelegenheit zunächst zu 
meine guten Freunde, wenn ich jetzt nicht die ganze 
Wahrheit von euch erfahre, so könneu die Folgen für euch 
beide verteufelt unangenehm werden. — Sie, mein Bester," 
wandte er sich speziell an Bartels, „haben ja wahrschein 
lich irgendeinen Brotherrn, und ich werde mich nicht be 
sinnen, mich mit demselben inVerbindung zu setzen, wenn 
Sie " 
Steif wie eine Holzpuppe saß Bartels da, und mit der 
kühlen Gelassenheit eines Mannes, der sich vollkommen 
als Herrn der Situation fühlt, fiel er dem erregten Grafen 
in die Rede: 
„Mit Ihrer Erlaubnis: dieser Wagen gehört mir, und 
ich habe keinen Brotherrn, nach dessen guter oder schlechter 
Laune ich fragen müßte. Sie können sich also alle über 
flüssigen Drohungen ersparen. Wenn Sie etwas von mir 
zu erfahren wünschen, so fragen Eie mich, bitte. Es wird 
sich ja dann zeigen, ob ich darauf antworten kann und mag." 
Gras Hoiningen fühlte, daß er diesem ungewöhnlichen 
Manne gegenüber wohl in der Tat nicht ganz den richtigen 
Ton angeschlagen hatte, und es klang schon ein gut Teil 
höflicher, da er erwiderte: 
„So lassen Sie mich Ihnen sagen, daß es mir einzig 
darum zu tun ist, meinen Sohn, den Grasen Hoiningen, 
sobald als möglich zu sehen. Ich bin eigens zu diesem 
Zweck heute morgen von Frankfurt hicrheraefahrcn und 
bin, 'wie ich hörte, nur uni ein paar Minuten zu spät ge 
kommen. Ich wünsche zu erfahren, wohin er sich von 
hier aus begeben hat, und da cs keinem Menschen ein 
fallen wird. Sie für die Handlungen meines Sohnes ver 
antwortlich zu machen, sehe ich auch keinen Grund, wes 
halb Eie mir die gewünschte Auskunft verweigern sollten." 
„Jetzt kommen wir der Sache schon näher, lind ich 
besprechen. Der Verein nahm dann Stellung gegen die 
Erweiterung des Privatmarktes der Gemeinde in der Rhein 
straße. Der Vorsitzende führte aus, daß die Gemeinde be 
absichtige, auf ihrem Privatmarkt auch Textilwaren, Eisen- 
waren, Glas und Porzellan usw. einzuführen und hiergegen 
müsse man sich wenden. Herr Berger wendet sich zunächst 
gegen die Behandlung des Marktes als Privatmarkt über 
haupt. Auf einen: öffentlichen Markt darf die Geineinde 
nur die in der Marktordnung vorgesehenen Waren handeln, 
ans einem Privatmarkt aber könne sie verkaufen lassen, was 
ihr beliebe. Er bitte daher, ihm als Mitglied des Markt- 
ausschussös das Mandat zu geben, gegen die Einführung 
des „Krams" auf deru Privatmarkt aufzutreten. Herr Lange 
verlas nun die Eingaben des Nahrungsmittelhändlervereins 
an den Landrat und den Regierungspräsidenten. Der 
Landrat antwortete, daß der Gemeinde für ihren Privat 
markt keine Vorschriften zu machen wären. Außerdem 
brächten die Markthändler der Gemeinde mehr Einnahmen, 
als die Gewerbetreibenden durch die Gewerbesteuer. Zu 
berücksichtigen wäre hierbei ferner noch, daß die Gewerbe 
treibenden zu den Schul- und Arme ulasten beitragen. Auf 
die Eingabe an den Regiernngspräsideuten, die am 
15. Juli d. Js. abging, ist bisher noch keine Antwort 
eingetroffen. Der Nahrungsmittelhändlerverein hat auch 
gegen den Privatmarkt in der Kaiserallee Schritte getan, 
ebenfalls bisher ohne Erfolg. In der weiteren Erörterung, 
der sich die Herren Berger, Lange, Wolfs, Bry, Micolowski 
und Buchheimer beteiligten, wird das Vorgehen der Gemeinde 
scharf verurteilt. Als ein starkes Stück wird die Behauptung 
bezeichnet, daß die Gewerbetreibenden zu den Armenlasten 
beitrügen. Es wurde beschlossen, die Bezeichnung: Privat- 
mnrkt zu beanstanden und im Verwaltungsstreit 
verfahren dagegen vorzugehen. Gleichzeitig soll auch in 
dieser Sache eine Eingabe an die Potsdamer Handelskammer 
abgehen und Herr Berge: wurde beauftragt, im Markt- 
ausschuß gegen eine Erweiterung des Marktes durch Ein 
führung des „Kranes" einzutreten. Ueber den Punkt Ver 
legung der Straßenbahngleise in der Rheinstraße, berichtete 
der Vorsitzende, daß der Kreis s. Zt. zur Anlage der Rhein 
straße der Gemeinde 400 000 M. bewilligte, dafür aber die 
Verlegung der Straßenbahngleise an den Seiten wünschte. 
Die drei Gemeinden Schöneberg, Friedenau und Steglitz 
mußten sich damals diesem Wunsche des Kreises fügen. Als 
die Gleise geschaffen waren, da ereigneten sich anfangs zahl 
reiche Unfälle und es scheine, als wenn jetzt nach Anlegung 
der Rasenstrcifen sich die Gefahr wieder vergrößert hätte, da 
iu letzter Zeit die Unfälle wieder häufig wurden. Die Ver 
legung der Straßenbahngleise ist ja nun nicht so einfach 
und verursacht erhebliche Kosten. Die Straßenbahn dürfte 
hierzu keinen Pfennig beitragen wollen. Herr Berger be 
zeichnet es als einen Skandal, daß diese widersinnige 
Anlage der Straßenbahngleise s. Zt. geschaffen wurde, die 
nicht nur eine Menschenfalle darstelle, sondern auch den 
Verkehr behindere. Die Straßenbahn werde ja wohl kaum 
etwas zu einer Verlegung der Gleise zugeben. Aber selbst 
bei hohen Kosten mußte die Verlegung stattfinden. Die 
Gemeinde gebe ja oftmals für überflüssige Sachen Gelder 
aus. Die Verlegung werde aber wohl erst dann kommen, 
wenn mal die Frau oder das Kind eines Oberbonzcn 
totgefahren wird (sehr richtig). Er stellte darauf den 
Antrag, daß der Verein eine große öffentliche Versammlung 
einberufe, die sich mit der Angelegenheit beschäftige. Dieser 
Antrag wurde angenommen. Unter Jnteressenfragen wurde 
noch gesprochen über den Hausierhandel, über die An 
bringung von Reklameschildern an Vorgärten und über das 
Verbot der sogen. Blinkfeuer in der Rheinstraße. Es 
wurde dieses Verbot als ein Schildbürgerstückchen be 
zeichnet und beschlossen, hiergegen beim Gemeindevori'tand 
vorstellig zu werden. Die Rheinstraße sei eine Geschäfts 
straße und da müßte wie in der Leipzigerstraße in Berlin 
jede Reklame zugelassen werden. Herr Bry fragte noch an 
über die Sonntagsruhe, worauf Herr Buchheimer ant 
wortete, daß er jetzt sich auch zu der verkürzten Geschäfts 
zeit an Sonntagen bekenne. Spätestens aber ain 1. April 
nächsten Jahres werde diese Sache wohl durch Reichsgesetz 
geregelt werden. Darauf schloß der Vorsitzende gegen 
12 Uhr die Versammlung. 
o Der Verein der Gast- und Schankwirte von 
Friedenau und Umgegend hielt gestern Abend im Re 
staurant des Kollegen Rudolf Schulz, Jnusbruckcrstr. 37, 
seine Vcreinsversammlnug ab, die der Vorsitzende Kollege 
Carl Gundlach eröffnete und leitete. Zu Ehren des ver 
storbenen Verbandskollegen Tepel erhoben sich die Ver- 
will Ihnen mit Aergnügen den Hergang der ganzen Ge 
schichte erzählen. Der Herr Graf, mir dem ich von früher 
her bekannt war, traf mich mit seinem Auto vor etlichen 
Tagen in einer Straße Frautfurts, gerade, als inein Wagen 
eine niederträchtige Panne gehabt hatte. Er hörte von 
mir, daß ich eben ini Begriff gewesen war, zwei Damen, 
die mich für eine längere Tour engagiert hatten, aus 
ihrem Hotel abzuholen, und weil er meine Niedergeschlagen- 
heit sah, hatte er die große Freundlichkeit, mir seinen Bei 
stand anzubieten." 
„Seinen Beistand? — Wieso?" 
„Er erbot sich, statt meiner die Damen in seinem 
eigenen Wagen abzuholen, und für die ersten Tagereisen 
meine Stelle zu vertreten. Wir verabredeten, daß ich mit 
meinem reparierten Auto hierher kommen sollte, lind ich 
habe die Verabredung gewissenhaft innegehalten. Aber 
es entsprach nuninehr seinen Wünschen und Absichten besser, 
die angefangene Tour bis zu Ende durchzuführen — des 
Spaßes halber natürlich. Und weil ich noch nie in meinem 
Leben ein Spaßverderber gewesen bin, auch weiter keinen 
Schaden davon hLtte, so war ich mit allem einverstanden. 
Das ist — ohne Umschweife und Redensarten — das Lange 
und Breite von der Geschichte." 
„Jawohl, Herr Graf! Genau so ist es gewesen," 
glaubte Hasenkamp bestätigen zu müssen, glücklich, daß 
durch die Offenherzigkeit des anderen ein großer Teil der 
schweren Verantwortung von seinen schwachen Schultern 
genommen worden war. 
„Nun also — mag cs sich denn so verhalten," sagte 
der Graf, der inzwischen Zeit genug gehabt hatte, die 
seinem gesellschaftlichen Range entsprechende Haltung diesen 
beiden untergeordneten' Geistern gegenüber zurückzuge- 
sammkungsteilnehmer von den Plätzen. Das vom Schrift 
führer Koll. Otto Thielcke verlesene Protokoll der vorigen 
Versammlung wurde ohne Einspruch genehmigt. Darnach 
verlas der Vorsitzende die eingelaufenen Schreiben. Die 
Innung des Kreises Teltow lädt zur Feier ihres 25 jährigen 
Stiftungsfestes anr 8. Dezember d. Js. im Schloßpark 
Steglitz ein. Es wird beschlossen, sich an der Feier durch 
eine Abordnung mit Banner zu beteiligen. Es werden hier 
für 30 M. sowie ein entsprechender Betrag für einen 
Bannernagel bewilligt. Neu aufgenommen wurde der Koll. 
Karl Ott,f Hedwigstr. 14. Den Bericht von der letzten Vcr- 
baudsvorstandssitzung erstattete der Vorsitzende. Ein ein 
gehender Bericht über die Versammlung ist bereits im Ver 
bandsblatt erschienen. Eine längere Erörterung entspann sich 
wieder über die neu zu gründende Verbandssterbekasse, in 
der auch Witwen weitergeführt werden sollen und die bei 
geringen Beiträgen erhebliche Unterstützungen gewährt. Es 
wurde den Delegirten des Vereins aufgegeben, in der Dele- 
giertenversammlung vom 28. November für die neue Sterbe 
kasse zu stimmen. Am gleichen Tage findet die 22. ordeutl. 
Generaloersamnrlung verbunden mit einem allgemeinen Ver 
bandstage in der „Neuen Welt" statt. Der Verbandstag 
beginnt um 3 Uhr Nachmittags. Koll. Thieleke ersucht die 
Kollegen, sich hieran rege zu beteiligen, damit eine impo 
sante Kundgebung stattfinden kann. Es werden wichtige 
für alle Kollegen wertvolle Fragen zur Verhandlung und 
Beschlußfassung kommen. Der Bericht über die Vereins- 
Sterbckasse wurde vertagt bis nach der Generalversamin- 
liiiig des Verbandes. Die Weihnachtsbeschsrung soll am 
Donnerstag, dem 18. Dezember im „Kaiser-Wilhelm-Garten" 
stattfinden. In den Ausschuß für die Wcihnachtsbescherung 
wurden die Kollegen Kiewitz, Behrendt, Kinast und 
Groschinski gewählt. Eine Liste zur Einzeichnung von 
Geldbeiträgen für die Weihnachtsbescherung wird den Mit- 
gliedern vorgelegt werden. Es fand nun eine amerikanische 
Versteigerung von Torten, die Kollege Wanke zum Besten 
der Weihnachtsbescherung gestiftet hatte, statt. Der Vor 
sitzende wies dann ans den reichbeschickten Warenmarkt hin. 
Es wurden besonders empfohlen die Bouillonwürfelfabrik 
von I. Brandtner, Berlin-Schöneberg, Fritz Reuter Str. 5, 
deren Fabrikate sich steigender Beliebtheit erfreuen, ferner 
die Firma Mar Schultz und von Halle & Co., Likörfabrik, 
Berlin NO. Die nächste Borstandssitzung findet am 26. No- 
vember beim Koll. Wanke, Rheinstr. 50, die nächste Vcr- 
einsversammlung am 1. Dezember beim Koll. Schönherr, 
Südwestkorso 19, statt. 
o.Friedenauer Parochialvercin. Die gestern Abend 
in der Aula des Reformrealgymnasiums stattgefundene Feier 
des Reformationsfestes hatte einen guten Besuch aufzu 
weisen und nahm eiueu schönen Verlauf. Wir berichten 
darüber ausführlich in der nächsten Nummer. Gleichzeitig 
bemerken wir, daß der Verkauf von Eintrittskarten zuin 
Mar Bruch-Konzert am 25. November bereits heute beginnt. 
o Der hiesige evangelische Arbeiterverein feierte am 
Sonnabend, dem,8...d. M„sim großen, mit vielen Lorbcer- 
und anderen Blattpflanzen, inmitten die Kaiserbüste, ge 
schmückten Saale des Kaiser-Wilhelm-Garten sein 8. Jahres 
fest. Der Saal war nicht nur bis auf den letzten Platz, 
gefüllt, sondern jeder etwa noch freie Raum mußte als 
Stehplatz dienen. Eingeleitet wurde das Fest mit dem 
Choral: „Lobe den Herrn",- der Festouvertüre „Zur Feier 
des Tages" und dem „Torgauer-Marsch", gespielt von 
Musikern der Direktor Müller'schen Kapelle Zehlendorf. 
Hierauf ^folgte Einbringen des Vereinsbanners.- Das 
„Bundeslied" von Mozart, gesungen von der Vereinsgesang 
abteilung, fand sehr warme Aufnahme; ebenso der Festgrnß, 
gesprochen vom Mitglieds Herrn Fortbildungsschullehrcr 
Moser. Der Vorsitzende Herr Landschaftsgärtner Hugo 
Richter begrüßte in besonderer Ansprache Gäste wie Mit 
glieder: ermähnte zunächst den gemeinsamen Kirchgang mit 
dem Vereinsbanner, das eine Aenderung durch Vergrößerung 
und Aufsticken des schönsten Spruches aller evangelischen 
Arbeitervereine 1. Petri 2, V. 17 erfahren habe, am 
Sonntag, dem 2. November anläßlich des Reformations 
festes und des Vereinsjahresfestes. Er (der Vorsitzende) 
rechnete es sich zur Ehre an, an der Spitze eines Vereins 
zu stehen, der den Kampf aufnimmt um die heiligsten 
Güter des Volkes. Die evangelische Arbeitervereinsbemegung 
ist die Sprache der kühlen Vernunft, der klaren Ueberlegung, 
des Herzens, der Liebe, des Glaubens und der Verehrung 
für das Gottgewollte.. Er richtete an alle eine Aufforderung, 
sich der Jugend anzunehmen, da dieser die Zukunft gehöre. 
Die Jugend selbst ermahnte er zum Besuch des Gottes- 
winnen. „Für inich kommt es, wie gejagt, viel weniger 
darauf an, über das Bergangcue unterrichtet zu werden 
als darüber, wo sich mein Sohn augenblicklich befindet." 
„Wie ich vermute, zwischen hier und Karlsruhe, Herr 
Graf!" 
Wieder war es der ehrliche Bartels gewesen, der ohne 
Zaudern und Ileberlegen diese verhängnisvolle Auskunft ge 
geben hatte. Nichtsdestoweniger, das heißt, trotz seiner 
rechtschaffenen Miene sah ihir der Graf zweifelnd an. 
„Zwischen hier und Karlsruhe ?" wiederholte er. „Das 
wäre also keineswegs die Richtung nach Frankfurt?" 
Er erhielt keine Antwort; von Bartels nicht, weil dieser 
es offenbar für unter seiner Würde erachtete, eine einmal 
abgegebene Erklärung durch wiederholte Versicherungen zu 
bekräftigen, und von Hasenkamp nicht, weil dieser gar zu 
gern alles seinem Kollegen überlassen hätte. Aber die 
mühsam erkämpfte Geduld des alten Herrn stand aus nicht 
allzu festen Füßen. 
„Warum können Sie nicht den Mund auftun, Hasen 
kamp ? Es ist doch geradezu unerhört, daß der Chauffeur 
meines Sohnes sich herausnimmt, mir auf eine an ibn 
gerichtete Frage die Antwort schuldig zu bleiben. Also 
heraus mit der Sprache: wo finde ich den Grafen heute 
abend?" 
Hasenkamp verdrehte die Augen. und indem er mit 
den automatischen Bewegungen eines Nußknackers den Mund 
öffnete und schloß, sagte er: 
„Zu Befehl, Herr Graf — in Karlsruhe." 
„Ist das nun auch wirtlich die Wahrheit? Und ist es 
ganz gewiß?" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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