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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Reicharbt der Feinste. 
In ün lerer Sache veröffentlichen die Gegner Wiederum Auffassungen, weiche in der Sachlage eine Kegründnng nicht finden. 
Dergestalt zwinge» sie uns zu immer neuen Aufklärungen im Interesse des Publikums. Das Kerufnngsgericht hat den 
Wortlaut der in der Hauptsache ergangenen Sentenz der Kammer für Handelssachen abgeändert und in feint» EntscheidungSr 
gründen finde« stch die früher von den Gegnern veröffentlichten Sähe nicht vor. Kestrhen bleckt nach wie vor das nube- 
strittene Recht zu der den Tatsachen entsprechenden Kebauptung, daß wir alle unsere Kakaos besonders sorgfältig auswählen 
und nicht nur von Schalen» sondern auch von Sdmenhäntchen und Keimen reinigen. Seltenen bleibt nach wie vor das 
Recht zu der Kehauptung: 
Reichardt der Reinste. 
Derbsten sind uns nur Angaben über die Grundsätze der übrigen Kakao Industrie im allgemeinen. Selbst diese Entscheidung 
hat aber noch die Revision des Reichsgerichts zn passieren, durch die eine völlige Aenderung der Sache herbeigeführt werden 
kaun. Deweise wrndeu auch diesmal nicht erhoben. Dadurch wird der folgende Kern der Sache in nichts geändert: 
Die Keime des Kakaos 
sind die Teile, um die sich leicht jene Frrmdstoffe ablagern» die durch schädl che Ginsiüsse in den Tropen entstehen. Aber 
schon allein durch ihre Härte und Geschmacksarmut beeinträchtigen sie bei Witverardeitung den Gennßwert des Kakaogetränks 
und fördern die Kildung von Satz ln der Tasfe. 
Da es besondere Maschinen zum Entfernen der Keime gibt, darf der Konsument erwarten, daß dieser Kestandtett de» 
Rohmaterials bei der Reinigung ausgeschieden wird. Deshalb fordern die internationalen Dereinbarungen, an de. en Festlegung 
sich Industrielle der verschiedensten Kulturländer beteiligt haben» mit Recht die Keseitignng der Keime aus Kakao und 
Schokolade-Fabrikatem Aber der unter Mitwirkung deutscher Iudustrieller für das Rvheungsmittelbuch festgelegte Rein- 
heitsbegriff für Kakao fordert die Entfernung der Ke me nicht. Als Grund hierfür gaben die Gegner laut Urteil des Ober- 
laudesgeriiyts Kiel wörtlich folgendes an. „Wenn d!e Dorschrirtln nicht höher gespannt würden, so geschehe das nur mit 
Dlü-ksicht auf die kleineren Unteruehmungcn. die zugrunde gehrn mühten, wenn von ihnen auf einmal indirekt verlangt 
werde» daß sie sich zum Zwecke der intensivsten Reinigung neue und teuere Maschinen anschaffen sollten." Demgegenüber 
stellen wir fest, daß laut «na vorliegender Offerte die Kelme ans einer Tagesproduktion von mindestens 50 Zentnern 
Rohbohnen mit einer Maschine 
für nur 500 Mark beseitigt 
werden können. Die Entkeimungsmaschine ist also gerade eine sehr billige Maschine. Dirser Sachverhalt kennzeichnet die 
Taktik der Gegner. Cs sei nur noch hinzugefügt, daß wir die Gegner zu folgendem Eid aufgefordert habrn: 
„Ich schwöre, daß schon vor d«m Erscheinen des Inserat? der B fsagten mit den Zlichz.ilen „R.-ichaidt der Feinst»" und„Reichardt der Reinste" am 3 April 1912 
bei der Fabrikation in meiner Fabrik sämtliche KokaoS und Kakaofabrikate, intzbrsoridere auch bei der Fabrikation der lose veitiiebenen Konsum KakaoS und HauShatiS Schokolade 
ganz ausnahmslos die Bohnen gleichmäßig nicht nur von Schalen, sondern auch von Same,-Häutchen und Keimen, soweit dies mitreist Anroendung von E.rikeimungsmaschinen 
möglich ist, gereinigt wurden" — „ich schwöre, daß ich vor dem 3. April 1912 bereits Enlke'munzSmaschirien in genügender Anzahl hatte." 
Dieser Eid wurde nicht geleistrt! 
Welche Zustände ln unserer Industrie vereinzelt herrschen mögen, geht ans einem dieser Tüge eingegangenen Kriefe 
eines Kakaomeijlers an einen Chemik r und D rf ffer eines Fab ikationsbnchcs hervor Darin stellt er die Deichs dt-Fabrik» 
die er kennen gelernt hat, als Musterbetrieb hin, beklagt sich, daß friae jetzigen Chefs Drrbrffirnngen und Rruanschaffurgen 
abgeneigt sind, bittet u« Dorschrist, wie er die seinem Kakao anhaftenden Mängel beseitigen kann und sagt alsdann wörtlich: 
„Zum weiteren möchte ich Herrn Doktor noch mitteilen, daß die Bohnen ungercinigt in die Trommel geschüttet werden, außerdem auch nicht entkeimt werden 
nach dem Brechen." 
Damit sich im übrigen jedermann von der Minderwertigkeit der Keime überzeugen kann, sind Pröbchen hiervon 
in der «tttengeuaunten Reichardt-Filiale erhältlich. Zur weiteren Aufklärung veranschaulichen wir im Schaufenster dieser 
Filiale dle von einander getrennten Bestandteile der Kakaobohne. 
Derkans in Friedenau b. Herlin: 
Oelgarts Drogenhaus, Ecke Rhein- und Hednngstrahe.
        
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