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Periodical volume Nr. 264, 09.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Behauptungen, Ituwahrhcitcu und Unvvrxxehmhciten strotzt. Dem 
gegenüber sind die Flugblätter der liberalen Fraktion zurückhaltend 
und trotz der schlinnnen illnschnldigungcn gemäßigt. lind gar was 
den Fricdenauer Ortsteil anbetrifft so haben sich die Herren hier 
kaum sehen lassen. Kaum einer hat jemals den Mund dafür auf 
gemacht. Was die Untergrundbahn anbelangt, so sei niemandem 
aus der Bewilligung ein Borwurf zu machen, denn sie ist ein- 
stxmmig beschlossen. Der Fehler war, daß man nicht die Ver 
bindung zum Witterxbcrgplatz wählte, die dann Wilmersdorf er 
hielt. Schon 1905 hat der frühere Kämmerer Gerhardt geäußert, 
daß er seinen Amtsnachfolger nicht beneide wegen der Schwierig- 
keiten, die ihm bevorstünden. Erst nach ihm sind geordnete Ver 
hältnisse geschaffen worden. Es ist eine empörende Unverschämt 
heit, wenn jetzt die Gegner die Kandidaten des Bczirksvereins in 
so schnöder Weise angreifen, dieses Vereins, der seit Jahrzehnten 
das Wohl der Bürgerschaft verfolgt und der schon unter der 
Kontrolle der Bürgerschaft steht. Daher verdienen dessen Kandidaten 
auch das höchste Vertrauen der Bürgerschaft. 
In der Aussprache erklärte Herr Springer ans eine 
Anfrage des Herrn Treptow, daß er ganz auf den Boden 
des liberalen Kominunalprogramms steht. Ebenso ist er 
im Interesse der Steuerzahler gegen eine weitere Erhöhung 
der Steuern. Herr Stadtv. Bamberg erklärte, daß eine 
nochmalige Erhöhung der Einkommensteuer nicht eintreten 
werde. Für die sogenannte „Zobelpartei" trifft eher der 
Name „Reinbacherpartei" zu, der infolge seiner Autorität 
stets den Forderungen der Bürgerschaft Geltung verschafft 
hat. Bei der Erhöhung auf 110 Proz. hat Zobel ur 
sprünglich dagegen gestimmt. Infolge eines Fraktions 
beschlusses hat Zobel, der „Tyrann", seine Meinung ge 
ändert und selbst die 110 Proz. beantragt. Infolge des 
erbitterten Kampfes gegen die Kommunalliberalen ist cs 
jetzt kaum möglich, den Sozialdemokraten Mandate abzu 
ringen. Herr Rcinbacher erklärte den Namen Zobelpartci 
dadurch, daß man Zobel als Lehrer verächtlich machen 
will, das jgeht aus den Flugblättern der Gegner hervor. 
Herr Habron wiinscht, daß die 8. Gemeindeschule wieder 
ihren Zwecken zurückgegeben wird, damit die Kinder nicht 
einen s / 4 ständigen Weg zu laufen haben. Herr Reinbvchcr 
und Herr Peine machen auf die diesbezügliche Petition des 
Vereins aufmerksam. Herr Willich regt eine Verlängerung 
der Linie 50 an, damit der Friedenauer Ortsteil eine Ver 
bindung nach dem Stettiner Bahnhof hat. Herr Architekt 
Seidel spricht von Verhandlungen, die jetzt wegen der Ver 
besserung der Verkehrslinien schweben. U. a. soll die 
Linie 40 als Schleiseulinie nach der Rubensstraße über 
die Kaisereiche gehen. Die Linie!) soll durch die Luther 
und Marlin-Lutherstraße verlegt werden. Doch seien alle 
Aenderungen der Genehmigung durch den Berliner Polizei 
präsidenten notwendig, wodurch alle Schritte gelähmt 
würden. Schluß der Versammlung nach 11 Uhr. 
o Erhöhter Abzug zur Einkommensteuer bei Haus 
schwamm. Bei der Berechnung des steuerpflichtigen Ein 
kommens aus dem Grundbesitz ist eine gewisse jährliche 
Abnutzung der Gebäude abzugsfähig. Dabei pflegt die 
Gebäudesteuerversicherungssumme zugrunde gelegt zu werden. 
In einem besonderen Falle in einem Berliner Vorort erhielt 
der Steuerpflichtige, der gegen die Einschätzung Berufung 
eingelegt und den Abzug von 1 Proz. der Versicherungs 
summe beantragt hatte, von der Berufungskommission den 
Beischeid, daß in der Regel nur s/z Proz. der. Feuer- 
versicherungssumme zum Abzug zugelassen werde. Der 
Steuerpflichtige hatte aber den von ihm geforderten höheren 
Abzug damit gerechtfertigt, daß sein Haus von Schwamm 
befallen sei. Wie er hervorhob, müßte bei einer Abschreibung 
von 1 Proz. das mit Schwamm behaftete Haus immerhin 
100 Jahre bewohnbar sein. Das sei aber nach fach 
männischer Erfahrung zu bestreiten. Die Berufungs- 
kvmmission hat nun dem Steuerpflichtigen wegen des Haus 
schwammes einen Abzug von 3 / 4 Proz. zugebilligt, diesen 
Satz aber auch für vollkommen ausreichend erklärt. 
o Wohltätigkcitsbasar! Zum Besten der unter dem 
Protektorate Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Prinzessin 
August Wilhelin von Preußen stehenden Kinderpflege- und 
Erziehungs-Anstalt „ZionsHilfe" findet am Dienstag, dem 
11. d. Mts. und Mittwoch, dem 12. d. Mts. ixn Bankett 
saal des Restaurants „Rheingold", Berlin, Bellevuestr. 20 
ein Basar statt. Es gelangen nützliche Gegenstände, 
Wäsche usw. zu ermäßigten Preisen zum Verkauf. Am 
zxveiten Tage xvird der Verkauf um 5 Uhr geschlossen und 
finden hierauf Vorträge geschätzter Künstler statt. Eintritt frei. 
„Aber der Mann tut mir lei«. Vielleicht hatte er 
wirklich keinen anderen Wunsch axs den, sich gefällig zu. 
«rweisen, indexn er mir seinen Wagen zur Verfügung 
stellen wollte. Und er mochte auch einiges Mißtrauen 
gegen Sie hegen, weil Sie auf ihn nicht den Eindruck 
machten, als wären Sie ein so ganz mit seinem Berus 
verwachsener Chauffeur wie etwa Bartels oder Schmidt. 
Sie würden ihm doch auch wohl nicht im Ernst etwas zu 
leide getan haben?" 
„Ich hoffe von vornherein, daß er mich nicht dazu 
zwingen würde." 
„Sie wissen, daß etwas Derartiges für mich — für 
uns alle über die Maßen unangenehm sein würde." 
„Gewiß, ich weiß es. Und um so lieber ist es mir 
gewesen, daß auch der Franzose sich rechtzeitig daran er 
innerte." 
„Es ist schwer, mit Ihnen fertig zu werden," lachte sie, 
mit einem so Hellen und fröhlichen Lachen, daß man 
daraus sicherlich nicht auf irgendwelche Entrüstung schließen 
konnte. „Run aber zu dem Oberleutnant l Seine Mutter ist 
so aufgeregt und niedergeschlagen über die unbegreifliche 
Plötzlichkeit seines Verschwindens. Auch hatte sie sich so 
sehr auf eine Bridge-Partie für den gestrigen Abend ge 
freut. Warum ist der Aermste fortgeschickt worden?" 
„Fortgeschickt?" wiederholte Hoiningen, der nicht recht 
begriff, wie sie auch das hatte erraten können. Aber 
Sylvia klärte ihn rasch darüber auf. 
„Sie können mich nicht täuschen. Ich weiß ja, daß 
der Oberleutnant für Sie kein Fremder war. Sie haben es 
verraten, als Sie in Frankfurt den Namen der Baronin 
hörten. Und ich habe damals aus dem Ton Ihrer Stimme 
meine besonderen Schlüsse gezogen. Denn ganz so dumm 
und unerfahren, wie ich aussehen mag. bin ich vielleicht 
doch nicht. Es unterliegt für niich keinem Zwzjfel, daß 
Marigny und der Oberleutnant ihre besonderen und trif 
tigen Gründe hatten, hier zusammenzutreffen, und wenn 
der Oberleutixant trotzdem abgereist ist, ehe sein Freund 
'ntraf. so kann ich mir das eben nicht anders erklären als 
o Zum Besten der Wcihuachtsbeschcruug für die 
Arme« ist dem hiesigen Kirchlichen Frauenverein voin 
Oberpräsidenten die Genehmigung zur Veranstaltung einer 
öffentlichen Verlosung von Gegenständen nach Maßgabe des 
dargelegten Planes erteilt worden. Es xverden 1000 Lose 
zu je 30 Pfg. ausgegeben und 100 Gewinne im Gesamt- 
xverte von 100 M. gezogen. 
o Fricdenauer Bürgerverein. Wie schon kurz mit 
geteilt, hält in der Mitgliederversammlung des Bürger 
vereins am Dienstag, dem 11. November, Abends pünktlich 
9 Uhr, im „Hohenzollern" Herr Dr. Heinecker einen Vortrag 
über „Meine Reise nach dem Amazonenstrome Nord 
brasiliens". Der Vortragende xvird seine Reise durch die 
Nordsee, den Kanal, den Golf von Biscaya, den Atlantischen 
Ozean mit Berührung der Häfen von Oporto, Lissabon und 
Madeira beschreiben und dann eure Schilderung von den 
Landschaftsbildcrn, den riesigen Urwäldern ain Amazonen- 
strome geben. Jnx Anschluß daran xvird er auch über die 
politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Brasiliexxs sprechen, 
xvas besonders für den'Kommunalpolitiker von Interesse 
sein wird. Jedermann ist zu diesem Vortragsabend einge 
laden und da auch die Damen sicher Freude an dem 
Vortrag haben xverden, sind auch sie herzlich xvillkommen. 
o Die Vereinigung der Freunde des humanistischen 
Gymnasinms in Berlin und der Provinz Brandenburg, 
an deren Spitze Geh. Konsistorialrat D. Scholz-Berlin und 
Gymnasialdirektor Dr. Lück-Berlin-Steglitz stehen, feiert dexn- 
nächst das erste Jahrzehnt ihres Bestehens. Die 10. Jahres 
versammlung findet am Mittwoch, dem 26. November im 
Kgl. Wilhelms-Gymnasium, Bellevuestr. 15, statt. Den 
Hauptvortrag über: „Das humanistische Gyinnasimn, seine 
Berechtigung und sein Kampf in der Gegenwart" hält der 
Geh. Reg.-Rat und Universitätsprofessor Di'. Hildebrandt- 
Breslau, der wiederholt ixn preuß. Herrenhause xvarm und 
freimütig für die gymnasialen Interessen eingetreten ist. 
Gyinnasialdirektor Prof. Dr. Grünwald wird in einer Fest 
schrift den erfreulichen Aufschwung und die Tätigkeit der 
Vereinigung schildern.. 
o Männer-Tnrnvereiu. Am Sonntag nachxnittag 
3 Uhr spielt die Fußballmannschaft der 1. Männer-Ab- 
teilung gegen den akadexnischen Turnerbund Berlin in 
Steglitz auf dein Spielplatz in der Mommsenstraße. Be 
ginn 3 Uhr. Am Vormittag spielt die 2. Jugerxdrnann- 
schaft gegen den Lübeck'schen Turnverein, ebenfalls in Steglitz. 
— Am vergangenen Sonntag siegte die Männerinannschaft 
über Charlottenburger Turnerbund mit 6 : 0, die 2. Jugend 
mannschaft über Männer-Turnverein Tegel xnit 2 : 0. 
o Der Verein der Fortschrittlichen Volkspartei für 
Friedenau und Umgegend hält am Mittwoch, dem 12. d.Mts. 
Abends 8^ Uhr im oberen Saale des Restaurants Hohenzollern 
seine Mitglieder-Versammlung ab. Als Hauptpunkt steht 
auf der Tagesordnung ein Lichtbilder-Vortrag von Herrn 
Einil Borm über „Malerische Reisebilder axxs Europas 
Wetterwinkel" in etxoa 90farbigen Lichtbildern, sodaß ein 
genußreicher Abend vorauszusagen ist. Nach dein Vortrag 
ist geselliges Beisammensein. Gäste sind xvillkoininen. 
o Die Jacob Knoop'schen Weinstuben, Bahnhofstr. 3 
(Inh. Fritz Drogies) empfehlen ihre vorzüglichen Sonntags- 
Diners zu 1,75 M. (Siehe Anzeige). Auch die Speisen 
nach der Karte, die zu jeder Tageszeit aufgetischt werden, 
seien bestens empfohlen. Ist doch die Drogies'sche Küche 
bei vielen Friedenauern gut bekannt. Die Knoop'schen 
Weine zeichnen sich durch Reinheit, feinen Geschmack, Be 
kömmlichkeit und feines Aronia aus. Sie xverden auch außer 
dein Hause zu en-gros-Preisen verkauft. Gleichzeitig möchten 
wir auch auf die gemütlichen und behaglichen Räume dieser 
Weinstuben hinxveisen, die sich bestens zu Hochzeiten und 
Gesellschaften eignen. 
o Im Keglerheim Bahnschlößchen nimmt das große 
Herbstpreiskegeln heute, Sonnabend und Sonntag seinen 
Fortgang, wozu alle Kegelfreunde hiermit nochnials freund 
lichst eingeladen sind, im Restaurant morgen Sonntag 
Unterhaltungsmusik. Für gute Speisen und Getränke ist 
bestens gesorgt. 
o Im Restaurant Birkenwäldchen, Maybachplatz 10, 
ist eine Erweiterung des Lokals erfolgt. Es sind ein 
Billardzimmer und ein Vereinszimmer neu eingerichtet 
worden. Wir möchten ferner auf den täglichen Mittagstisch 
damit, daß irgend jenxand einen geivaltigeix Schreckschuß 
gegen den arixxen Herrn von Riedberg abgefeuert hax." 
Hoiningen fühlte ein lebhaftes Verlangen, diesIixqui- 
sitoriilm zu beenden, denn es war nur schxver abzusehen, 
wohin Sylvias wißbegierige Fragen noch führen konnten. 
Bei ihreni scharfen Verstände mochte es, wenn Hoiningen 
sie nicht direkt belügen xuollte, sehr xvohl dahin koiixmcn, 
daß sie den wahren Zusammenhang der Dinge ahnte, und 
da der Graf vorläufig noch nicht den geringsten Anhalt 
dafür hatte, wie sie die Wahrheit aufnehmen xvürde, suchte 
er den kritischen Augenblick abermals hinauszuschieben. 
Denn der Gedanke, ihr Wohlwollen und ihr Vertrauen 
einzubüßen, war ihm jetzt schon ganz unerträglich. 
„Mein gnädiges Früuleixx," sagte er, „ich mache kein 
Hehl daraus, daß mich das Schicksal schon früher mit dem 
Oberloutnaixt von Rievberg zusanimengeführt hat und daß 
natixentlich unsere letzte Begegnung nicht eben von der 
erfreulichsten Art geintjen ist. Abcp ich mochte gern alle 
mögliche Rücksicht auf die Empfindungen seiner Mutter 
nehmen, die verxnuilich noch immer nicht weffz, ein xvie 
übler Bursche ihr Sohn in Wahrheit ist. Darum bitte ich 
Sie herzlich, jetzt keine iveitercn Erkläiringen von mir zu 
verlangen. Herr von Riedbcrg wird sich Ihnen vorderhand 
nicht wieder zu nähern wagen, und ich gebe Ihnen mein 
Wort, daß Sie über alles aufgeklärt sein werden, lange 
bevor er abernxals Ihren Weg kreuzen kann." 
Sylvia erxviderte nichts, aber sie warf ihm einen Blick 
zu, der deutlicher als Worte versicherte, daß sie von der 
Berechtigung seiner Weigerung überzeugt xvar, und daß sie 
nach wie vor an ihn glaubte. Die Baronin kehrte zurück, 
xnit einein halben Dutzend kleiner Pakete beladen, und sie 
fuhren in den herrlichen Morgen hinein, geführt von einen» 
glücklichen jungen Manne, dessen Seele voll eitel Sonnen 
schein war, und der nicht ahnte, wie bedrohlich nahe er 
eben noch einem jähen Ende seines reizenden Erlebnisses 
gewesen war. In der Tat hätte sich die Abfahrt vom Hotel 
nur um wenige Minuten zu verzögern brauchen, und es 
wäre au einer Katastrophe gekommen, wie sie sich Kurt 
von l2—4 Uhr aufmerksam machen ziinx Preise von 1 M. 
iperktäglich, Sonntags 1,25 M. das Gedeck. Zum Ausschank 
koxnmen Pilsener Urquell, Münchener Bürgerbräu, Kulmbacher 
Sandlerbräu und Böhmisch Brauhaus. Versand auch außer 
dein Hause in Syphons und Kannen. Wir bitten, 
die Anzeige in dieser Nlnnmer mit der xnorgigen Speisen 
folge zu beachten. 
Vereins-Nackriebten 
Am Sonnabend tagen: 
Verein der Briefnxarkensaiiimler der südwestlichen Vororte von 
Berlin. Sitzung Abends 8 Uhr im Restaurant „Kaiscrburg", 
Friedrich-Wilhelm-Platz, Ecke Wilhclmstraße. 
Am Montag tagen: 
Fricdenauer Gesangverein für gemischten Chor: llebungsstunden 
V,9— l /,ll Uhr ixn Hohenzollern, Handjcrystr. 64. Dirigent: Musik 
direktor Heinrich Wcinkeis. 
Ain Montag, dem 10. Novcinber, Abends 87, Uhr, veranstaltet 
der Ortsverband Groß-Berlin des Haixsa-Bundes im „Lchreroercins- 
haus", Aleranderstr. 40 (am Alexanderplatz) eine öffcixtliche Ver 
sammlung, "in der Herr Dr. Strescinann, Mitglied des Direktoriums 
des Hansa-Bundes, über das Thenxa „Amerikanisch-Kaixadische 
Wirtschafts-Eindrücke" sprechen wird. 
Scdöneberg 
—o Wie gering die Bautätigkeit in Berlin-Schöneberg 
ixn zxveiten Vierteljahr 1913 gewesen ist, beweist die Tat 
sache, daß nach Maßgabe der baupolizeilichen Schluß 
abnahmen nur 1 Wohnhaus neu erbaut wurde, während 
die Zahl derselben in der gleichen Zeit der Vorjahre sich 
auf 5, 8 und 21 stellte. 
—o Gründung eines Militärvcreins für Scköncbcrg 
und Umgegend. Neben den in Schöneberg bestehenden 
fünf nxilitärischen Vereinen, die zu einem Kreis-Krieger- 
verbande vereinigt sind, ist die Gründung eines sechsten 
Vereins unter dem Namqn „Militäroerein für Schöneberg 
und Uxngegend" in Vorbereitung. Wie alle Kriegervereiue, 
so wird auch der neue Verein neben der Pflege der 
Kameradschaft und der Erinnerungen an die aktive Soldaten- 
zeit es als seine vornehmste Aufgabe anzusehen, die Liebe 
und Treue zu König und Vaterland unter seinen Mit- 
gliedern xvachzuhalten. In Not befindliche Kameraden, 
deren Witxven und Waisen sollen xnit Rat und Tat 
unterstützt, verstorbenen Kaxneraden ein militärisches Be 
gräbnis und den Hinterbliebenen ein Rechtsanspruch auf eiu 
Sterbegeld, dessen Höhe späterer Beschlußfassung unterliegt, 
gesichert xverden. Alle ehemaligen Soldaten aus Schöne- 
berg und Umgegend, gleichviel xvelchen Standes, xverden, 
soweit sie einem Kriegeroerein noch nicht angehören, aufge 
fordert, dem neuen Verein beizutreten. Anmeldungen sind 
alsbald zu richten an den Telegraphensekretär Koch in 
Schöneberg, Eisenacherstr. 45, oder an den Magistrats-Büro 
vorsteher Kretzer, Schöneberg, Albertstr. 10. 
Berlin und Vororte 
§o Oeffentlicher Vortrag am Institut für Meereskunde, 
Georgen-Straße 34-36. Montag, dein 10. November, Dr. 
H. Michaelsen - Berlin: Blüte des Levantehandels und die 
deutsche Hansa. (3. Vortrag der Reihe: Geschichte des Welt 
handels vom Altertuxn bis in die Neuzeit). Dienstag, 
den 11. November, Dr. Th. Krumbach-Rovigno: Das 
Leben an der Grenze zwischen Land und M?er. — Freilag, 
den 14. November, Dr. P. Mohr-Berlin: Politische Pro 
bleme. des westlichen Mittelineers. Die Vorträge xverden, 
soxveit möglich, durch Lichtbilder erläutert. Beginn der 
Vorträge 8 Uhr Abends. Eintrittskarten zu 0,25 Nt. sind 
an den Vortragsabenden von 6 Uhr an in der Geschäfts 
stelle (Georgenstr. 34-36) erhältlich. 
Die bunte Stoche 
Plauderei für den „Fricdenauer Lokal-Anzeiger". 
Berlin, den 7. November 1913. 
Aus Häßlichkeit in den Tod. — Von schönen und häßlichen 
Frauen. — „Je schöner, desto dümmer!" — Sennor Debotini. — 
Tic Zukunft im Schwarzen Kabinett. — Reklame-Marken. — 
Die Wirkung des Inserates. 
Draußen ixn Tiergarten, durch den jetzt mit eilenden Schritten 
der Herbst schreitet, hat sich ein junges Mädchen aus verarmter, 
adliger Familie erschossen. Es litt an zivei großen Menschheit- 
übeln: An Häßlichkeit und Armut. So stand zu lesen in dem 
letzten Brief, den sie mit zitternder Hand für ihre Hinterbliebenen 
Dietrich von Hoiningen gewiß am allerwenigsten hätte 
träumen lassen. 
Sein Wagen hatte die Straßen der Stadt noch nicht 
hinter sich, als aus einer Droschke, die ihn vom Bahnhof 
gebracht hatte, ein sehr vornehm aussehender alter sxcrr 
auf das Pflaster sprang, uni sich mit einer Frage an den 
auf der obersten Treppenstufe postierten Hotelportier zu 
wenden. Der lüftete mit all »exn Respekt, den ihnx die 
distinguierte Erscheinung des Frenxden abnötigte, seine 
Mütze und deutete auf den noch immer in augenschein 
licher Unentschlossenheit vor der Tür stehenden Vieoin'.e 
de Marigny. 
„Dieser Herr wird Ihnen am besten Auskunft geben 
können, denn ich glaube, daß er mit den Herrschaften^ nach 
denen Sie fragen, befreundet ist." 
Der vornehme Unbekannte folgte dein ihnx erteilten 
Rat, »nachte dem Franzosen eine kleine, steife'Verbeu 
gung, und wiederholte, ohne sich vorzustellen, die vorhin 
an den Portier gerichtete Frage. Marigny sah ihn scharf 
an, dann aber, offenbar in der Meinung, einen höheren 
Polizeibeanxten vor sich zu haben, wurde er sehr be:eüt 
und setzte seinem Zuhörer auseinander, daß das mit „X 
L 400" bezeichnete, sehr kostbare Automobil xnit einer 
schönen, jungen Amerikanerin und ihrer älteren Freundin 
von einem Chauffeur geführt werde, der den Wagen ohne 
allen Zweifel gestohlen habe und der entweder ein Ver 
rückter oder ein höchst gefährlicher Verbrecher sei. 'Als er 
mit seinen Erklärungen vis zu diesem Punkte gekoninicn 
war, wurde die Haltung des grauhaarigen Herrn noch 
uxn Einiges steifer, und indem er abermals leicht an die 
Krempe seines Hutes griff, siel er dem Vicomte in die 
Rede: 
„Ehe wix» diese Unterhaltung fortsetzen, mein Herr, 
xvird es vielleicht gut sein, wenn ich Ihnen mitteile, daß 
ich Hoiningen heiße und daß der Graf Kxxrt Dietrich von 
Hoiningen mein Sohn ist." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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