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Periodical volume Nr. 262, 06.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

fällige Aufmachung lockt die Besucher immer wieder an; 
Maggis weltberühmte Bouillon und 'Suppen können hier 
geprobt werden, mau kann sich durch die Prospekte usw. 
überzeugen von dem Nicscnumsatz dieser Firma. Der Ruhm 
der Maggi-Werke hat andere Unternehmer nicht ruhen lassen, 
gleichfalls durch Herstellung von Bouillon- und Suppen 
würfeln ihr Glück zu machen. So finden wir auf der Aus 
stellung auch die Nährmittel - Gesellschaft „Krone" mit 
Bouillon- und Suppenwürfeln und die Firma Max 
Wieland jr.. Berlin, Straußbergerstr. 35, mit Hühnerbriihe, 
in zwei Preislagen. Von weiteren Nahrungsmitteln, die 
leicht zuzubereiten und vielseitig zu verwenden sind,nennen wir: 
Ouäker Ots, Henniger's Eier-Nudeln und Eier-Maccaroni. 
Ihre verschiedenen Schokoladen führt die Firma Stollwerk 
vor, ferner sind vertreten verschiedene Kakesfirmen, so 
Bahlsen - Hannover, Schläger & Co. - Wilmersdorf, und 
Rique & Co., Kakao, Schokoladen, Kakes. Waldemar 
Briiggemann-Friedenau bietet ebenfallseinercichhaltige und ge 
schmackvolle Ausstellung in Kakes, Weinen usw. Die Essig- 
uvd Mostrich-Fabrik von Carl Kühne, Brunnenstraße, die 
einen nwnatlichen Umsatz von Hunderttausenden hat, 
empfiehlt besonders ihren Einmache-Essig „Surol", sowie 
eingemachte Früchte usw. Ein vielbesuchter Stand ist auch 
derjenige der Engelhardt-Brauerei, deren Lager- und Malz 
biere nicht nur in Berlin, sondern auch in Magdeburg, Kiel, 
Altona gebraut werden. Die Engelhardt-Brauerei ist die 
größte Brauerei, die hier ständig 450—500 Personen be 
schäftigt. Außer Nahrungs- und Genußmitteln hüben aber 
auch Firmen ausgestellt, die Gebrauchsmittel für die 
Wäsche liefern, so u. a. die Firma „Persil", deren Fabrikat 
der Hausfrau die Wäsche erleichtert. Auch „Sunlicht" 
empfiehlt seine Zutaten zur Wäsche in Seifen, Seifenpulver 
usw., insbesondere das Universalputzmittel „Bim" und das 
Waschmittel für feinere Wäsche „Lux". Ein ausgezeichnetes 
Putzmittel für Lederwaren ist Maroline und Maro. Co 
findet die Hausfrau noch vielerlei auf dieser Ausstellung, 
sodaß sich der Besuch wirklich lohnt. Heute Abend wird die 
Allsstellung um 9 Uhr mit einem Lichtbildervortrag ge 
schlossen iverden. Am Nachiilittag und Abend ist musikalische 
Unterhaltung. 
v Lernt stenographieren! Die Beherrschung der 
Kurzschrift gewährt eine wesentliche Zeitersparnis. Sie gibt 
die Möglichkeit, Sätze aus Borträgen in, Wortlaut festge 
halten oder flüchtige Gedanken aufs Papier zu bannen. 
Jeder, der in die schreibenden Benne eintritt, soll steno 
graphieren lernen, ferner jeder Schüler höherer und mittlerer 
Lehranstalten, Studierende, Prüparandcn, Kapitulanten usw. 
Mit dem Lernen ist so früh wie möglich zu beginnen, doch 
ist bei manchen Systemen die Erlernung der Kurzschrift auch 
in späteren Lebensjahren ohne Schwierigkeit möglich. Man 
lerne stenographieren bei einem tüchtigen, strengen Privat 
lehrer, in einem gutgeleiteten Stenographenverein oder in 
Spezialanstalten. Au ein den Forderungen der Jetztzeit 
entsprechendes Kurzschriftsystem sind drei Forderungen zu 
stellen: leichte Erlernbarkeit, sichere Wiederlesbarkeit und 
größtmöglichste Leistungsfähigkeit. Diesen Forderungen ent 
spricht in hohem Maße das deutsche Einigungssystem 
Stolze-Schrey. Stenographen nach Stolze-Schrey und 
Damen und Herren, die es iverden wollen, werden um 
ihre Adresse gebeten an W. Goecke, Laubacher St. 28a III. 
o Der Vortragsabend des Deutschen Wehrvereins 
vereinte am Montag eine stattliche Anzahl von Mitgliedern 
und Freunden in der Alila des Realgymnasiums, um noch 
einmal der Zeit von 1813 zu gedenken. Herr Oberst von 
Rohrscheidt, der Vorsitzende der Ortsgruppe, begrüßte ein 
leitend die zahlreich Erschienenen und gab der Freude der 
Ortsgruppe Ausdruck, daß der Gründer und erste Vorsitzende 
des Gesamtvereins, Herr General Keim, ebenfalls erschienen 
war. Der Sprecher des Abends, Seine Erzellcnz Herr 
Generalleutnant z. D. von Wrochem, dankte zuerst für die 
neuerliche Aufforderung, in Friedenau zu sprechen, die ihm 
die Gewähr biete, daß in Friedenau der Wehrverein nicht 
glaube, daß mit Annahme der Wehrvorlage bereits alle 
Arbeit getan sei. In, Gegenteil, er konnte nachweisen, daß 
unsere westliche Nachbarn uns zu einem rastlosen Weiter 
arbeiten zwingen, denn die Annahme der dreijährigen 
Dienstzeit und das neue Gesetz der zwangsiveisen Vorbe 
reitung der Jugend auf den Militärdienst sind Zeichen, an 
denen niemand vorbeigehen kann. Ter Redner kam dann 
auf sein eigentliches Thema: „Gedanken über 1813", und 
gab einen packenden, hinreißenden Rückblick auf die große 
Zeit vor hundert Jahren, um daran Vergleiche mit der 
Gegenwart zu knüpfen. Als der Redner vor 14 Tagen in 
Leipzig am Völkerschlachtdenkmal weilte, da überkam ihm 
die Erinnerung an das Preußen von 1813, das damals 
ein einziger Wehrverein war und rastlos für seine Wieder- 
aufrichtung eintrat. Dagegen darf man heute nicht 
mehr daran denken, denn wir Deutschen sind das wenigst 
stolze Volk auf der Erde und wir dürfen keinen groß 
deutschen Gedanken fassen, ohne Einspruch von allen Seiten 
zu erfahren. Der Friede von Tilsit schuf einen Trümmer 
haufen von Not und Elend, aus dem aber höhere als 
materielle Güter erwuchsen. Der „Altar des Vaterlandes" 
war damals keine leere Redensart, „Gold gab ich für 
Eisen" ist die schöne Moral jener Zeit, von der unsere 
heutige Generation kaum mehr etwas wissen will, die in 
vielen Gliedern Genuß als alleinigen Lebenszweck anerkennt. 
Ein Napoleon mußte Preußen demütigen, um aus einer 
Verweichlichung, die an die heutigen Lebenserscheinungen 
erinnert, wieder den guten Kern im Deutschen zu er 
wecken. Die französische Drangsal und die zahllosen 
Verbrechen machten in kurzer Zeit aus dem Preußen 
vom Jahre 1806 ein erbitterstes Volk, das mit der 
Waffe für seine heiligsten Güter eintrat. Der bis anfs 
Blut gereizte Michel riß seine Zipfelmütze herunter und 
wurde zum wütenden Ritter, der sein Schwert für das 
Höchste zieht. Sollten sie nicht siegen, die Preußen von 
1813, so wollten sie sterben wie die letzten Goten. Fichte 
aber rief: Nicht sterben oder siegen, sondern siegen schlecht 
weg. Ein Mangel an deutsch-nationalem Stolz ist es aber, 
daß der damalige Feind, der weniger das französische Volk 
als allein die Person Napoleons war, heute noch von uns 
geachtet wird und gerade jetzt in zahllosen Läden überall 
Napoleon-Bilder zu finden sind und man ganz die zahl- | 
reichen Heroen unseres Volkes vergißt, die selbstlos für ihr 
Volk sich einsetzten und nichts anderes kannten, als die 
Rettung ihres Vaterlandes. Diese ganze Zeit und ihre 
Taten ließ der Redner ivvr den Hörern wieder aufstehen, 
unr zu dein Schlriß zu kommen, daß wir nicht anders 
können, als an die Unvergänglichkeit Preußens zu glauben, 
denn aus den bösen Zeiten erfolgte immer ein Wiederauf 
richten, wenn auch der deutsche Geist wieder eingeschlafen zu 
sein scheint und eine löbliche Friedensliebe zu einer ver 
hängnisvollen Kriegsschan geworden ist, es finden sich doch 
schon Männer und Frauen, wie der Wehrverein zeigt, die 
einen Damm dagegen aufrichten wollen und die zeigen, daß 
deutscher Idealismus auch im Zeitalter des Materialismus 
kein Hirngcspinnst ist. Es sei ohne allen Zweifel, daß mir 
noch einmal auf dein Schlachtfelde um unsere Existenz nitd 
zwar härter denn je ringen müssen. Darauf kann unser 
Volk nicht genug hingewiesen werden. Wir dürfen aber 
nicht erst unsere Feinde wieder Ketten gegen uns schmieden 
lassen. Gnade uns Gott, wenn der wilde Haß an den 
Grenzen unseres Vaterlandes im Westen und Osten über 
diese schäumt. Wer aber an den wilden, schwarzen Horden 
Frankreichs und ihren Schandtaten zweifelt, ist ein Narr. 
1813 war ein Kampf auf Leben und Tod und Leben ent- 
sproßte ihm. Die Zukunft muß nitd wird ebenso sein. 
Aber aufhören muß das Gewinnsel, daß der Frieden der 
Güter höchstes sei. Waffenfreudig lvollen wir unser Volk 
lviedcr machen und schon im Frieden müssen wir vor 
bereitend alles fest zusammenschließen, die sittlichen Kräfte 
unseres Volkes gleichzeitig wieder hebend. Wir müssen 
wieder reine Freude an der schönen Natur haben, Ehrfurcht 
vor Gott und Treue zu Kaiser und Reich. Das schönste 
Denkmal für 1813 ist es aber, wenn wir heldenhafte Pflicht 
treue und Vaterlandsliebe der Jugend wieder ins Herz 
setzend— Tosender, langanhalteader Beifall dankte dem 
Redner für die herrlichen Worte. Der Vortrag zeigte aber, 
daß wir vor einer schweren Aufgabe stehen und alle die 
Aufgabe haben, die Reihen des Wehroereins zu stärken, 
um für die Erhaltung unserer selbst und des Deutschen 
Reiches, des heimischen Herdes, einzutreten. L. L. 
o Freie Hochschule Berlin. Montag, den 10. No 
vember, und folgende Tage beginnt eine neue Reihe von 
Vorlesungen, die im allgemeinen fünf Abende umfassen und 
in allgemein verständlicher Weise wichtige Gebiete der 
bildenden Kunst, Musik, Literatur, Naturwissenschaft, 
Medizin u. a. behandeln. Wir heben hervor einen Lichr- 
bilderzyklus von Wilhelin Bölsche über die Kunst des 
diluvialen Menschen, von Dr. Bruno Wille über Goethes 
Faust (2. Teil), von Kapellmeister Starck über Richard 
Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg" und „Parsifal", 
von Dr. Kern über die französische Malerei des 19. Jahr 
hunderts, Dr. Traube über Photographie, Musikdirektor 
Knetsch über Beethoven, Dr. Hennig über Hypnotismus und 
Spiritismus. Eine genaue Uebersicht ist in Nr. 5 der 
„Mitteilungen der Freien Hochschule Berlin" enthalten, die 
unentgeltlich in sämtlichen öffentlichen Bibliotheken und 
Lesehallen verabfolgt wird. 
v Goßnersche Mission. Sonntag, dem 9. November, 
Nachmittags 5 Uhr, findet in der St. Matthäikirche die 
diesjährige Abordnungsfeier der Goßnerschen Missionsgesell- 
schaft statt. Die Predigt hält Pfarrer Priebe aus Berlin- 
Grnnemald, die Abordnungsrede Missionsdirektor Kausch. 
Dienstag, dem 11. November, Abends 7*/ 2 Uhr, findet im 
großen Saal des Christlichen Vereins junger Männer in 
Berlin, Wilhelmstr. 34, eine öffentliche Nachfeier unter 
Leitung des Vorsitzenden, Geheimen Konsistorialrats 
Dr. Conrad statt. Ansprachen halten die Missionare 
Rudolf Karsten und Leonhard Eckart sowie Missionar 
ein. D. theol. et pliil. Alfred Nottrott. Zu beiden Feiern 
wird freundlichst eingeladen. 
o .Krieger- und Landwehrvereiu. Die Monatsvcr- 
sammlung des Vereins findet am Sonnabend, dem 8. 
November d. Js. im „Hohenzollern" statt. Herr Kamerad 
Golisch wird in dieser Versammlung einen Vortrag halten 
über: „Die Einrichtung von Irrenanstalten". Reger Besuch 
der Versammluug ist daher erwünscht. 
o Verein der Gast- nnd Schankwirte für Friedenau 
und Umgegend. Die nächste Vereinsversammlung findet 
am Montag, dem 10. November, Nachmittags 5 Uhr, beim 
Kollegen Rudolf Schulz, Schöneberg, Jnnsbruckerstraße 37, 
statt. Die Tagesordnung enthält u. a.: Aufnahme und An 
meldung neuer Mitglieder. Zur Aufnahme hat sich ge 
meldet Kollege Karl Ott, Hedwigstr. 14. Bericht von der 
großen Verbandsvorstandssitzung. Bericht des Ausschusses 
betreffs der Vereins-Sterbeunterstützungskasse. Besprechung 
über die diesjährige Weihnachtsbescherung. Verlosung von 
Spenden zum Weihnachtsfond. Innere Vereinsangelegen- 
heiten. Diejenigen Kollegen, die dem Verein Spenden 
zwecks Verlosung zur Weihnachtsbescherung zugedacht haben, 
werden ersucht, solche zur Sitzung mitzubringen. 
o In den „Hohenzollern-Lichtspiclcn," Handjery- 
straße 64, beginnt Morgen wieder ein heiteres Programnr. 
Der Humor wird wieder sein Szepter schwingen. Darum, 
wer sich nach ernster Tagesarbeit tüchtig auslachen möchte, 
der besuche die „Hohenzollern-Lichtspiele." An der Spitze 
der Vorführungen steht das lustige Abenteuer einer Spree 
wälderin, gen. „Die graue Maus vom Lande/ Elly 
Mertens spielt die Hauptrolle darin. Was dieser zugereisten 
jungen Dame Grausiges passiert, als sie in Seidenpapier 
bekleidung das Berliner Leben genießt, soll hier verschwiegen 
bleiben, es ist die Strafe für ihren Vorwitz und die Warnung 
lautet: „Kleide dich nicht in Papier." Die gesamte Berliner 
Presse hat diesen Film als einen großen Lacherfolg be 
zeichnet. Eine andere Komödie betitelt sich „Moritz und 
der Negerkönig." Ebenso bringt lustige Szenen der Film 
„Blinder Eifer." Reizende Bilder sehen wir ferner in dem 
Drama „Die kleine Geisha." Trümmer des alten Theben 
zeigt ein prächtiger Naturfilm. Ferner wird noch vor 
geführt das Drama „Der verkannte Freund." Die Er 
eignisse in aller Welt schildert das Pathe-Journal. Die 
musikalische Begleitung der Bilder geschieht jetzt nach Pariser 
Vorbild. Am Sonnabend, dem 8. November, findet von 
4—6 Uhr eine Jugendvvrstellung zu kleinen Preisen statt. 
o Auf der Treptow-Sternwarte finden folgende 
wissenschaftliche Kino-Vorträge, statt: Am Sonnabend, dem 
8. November, Nachm. 5 Uhr: „Natur und Leben in nord 
deutschen Gauen", Abends 7 Uhr: „Interessante Bilder aus 
Italien", am Sonntag, dem 9. November, Nachm. 5 Uhr: 
„Scott's Reise zum Südpol und ein Blick ins Weltall", 
Abends 7 Uhr: „Christoph Kolumbus", am Montag, dem 
10. November, Abends 7 Uhr: „Aus fernen Landen". — 
Am Dienstag, dem 11. November, Abends 8 l / 2 Uhr, spricht 
Direktor Dr. F. S. Archenhold über „Milchstraße und 
Nebelgestirne" unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder. 
Mit dem großen Fernrohr werden Mond (von 5 bis 
10 Uhr), Jupiter und Saturn beobachtet. 
o Unterschlagung auf der Dahlemer Untergrund 
bahn. Der Dienstanwärter Paul Krüger, in Steglitz wohn 
haft, ist am Sonntag abend mit der Tageseinnahme vom 
Untergrundbahnhof Dahlem-Dorf in Höhe von 711 M. 
geflüchtet. 
o Von einer .Kraftdroschke umgestoßen wurde'gcstern 
der Pianofortesabrikant Gruban in Steglitz, als er kurz vor 
seiner Wohnung, Schloßstr. 96, mit seinem Rade den Fahr- 
damm kreuzte. Er trug eine ziemlich schwere Verletzung in 
der Schläfengegcnd davon. Die stark blutende Wunde 
wurde von Herrn Dr. Wahlbaum genäht. Die Schuld an 
dem Unfall soll den Führer der' Kraftdroschke treffen. 
o Polizeibericht. Als gefunden sind hier angemeldet 
morden: 1 Hutsorm, 1 Herrenuhr, 1 Damenuhr, 1 Schleier, 
1 Medaillon mit Kettchen, 1 Ring, 1 Kettenarmband. Zu 
gelaufen 1 Hund. Die rechtmäßigen Eigentümer vor- 
bcnannter Gegenstände werden aufgefordert, ihre Ansprüche 
binnen drei Monaten im hiesigen Fundbüro, Feurigstr. 
Nr. 7, Zimmer 6, geltend zu machen, da sonst anderweit 
darüber verfügt werden wird. 
Verein s-Dackricklen 
Am Freitag tagen: 
Stcnographenvcrein „Stolze-Schrey". '/,Ü Uhr in der Gemeinde- 
Mädchenschule, Goßlerstraße. Tiktatschreiben in verschiedenen Ab 
teilungen. 
Ter Berliner Harzverein, Zweigverein des Harzklubs, veran 
staltet am Mittwoch, dem 12. November er., Abends 8 Uhr im 
Deutschen Hof, Luckaucrstr. 15 in Berlin, einen Geselligen Abend. 
Herr Möller spricht über „Eine Reise durch den Harz" unter Vor 
führung von 60 Harzbildern. Für den humoristischen Teil ist der 
bekannte Rezitator Herr Otto Wiener gewonnen. Karten ü 50 Pf. 
durch den Schriftführer Klariert, Berlin-Lichterfelde, Lorenzslr. 0. 
Scköneberg 
—o Dem Abteilungsvorsteher bei der Ziegeleibcrufs- 
geuossenschaft Paul Ellerbeck, hier wohnhaft, ist der Kgl. 
Kronenorden 4. Klasse verliehen worden. 
—o Das Konkursverfahren über das Vermögen der 
Frau Albertine Krecklow, geborenen Rosenberg, Rheinstraße 
Nr. 32-33, Inhaberin der nicht eingetragenen Firma 
Krecklow und Köhler, Geschäftsstelle Rheinstr. 32-33, Filiale 
Lauenburgcrstr. 40, ist nach erfolgter Abhaltung des Schluß 
termins aufgehoben. 
GericdUickes 
P. Damit vor Gemeinheiten auf der Stadt und Ringbahn 
anständige Damen geschützt werden sollen, statuierte vor Kurzem 
das Schöffengericht Berlin-Schöncberg ein abschreckendes Beispiel. 
Auf der Fahrt vom Potsdamer Bahnhof zur Station Friedenau- 
Wilmersdorf hatten zwei Fahrgäste, der Handlungsgehilfe Karl 
Schwarting und dessen Bruder, Arbeiter Kurt Schwarliug, ein Ver 
gnügen daran gefunden, durch lautes Singen die Mitreisenden zu 
belästigen. Das, was sie saugen, erregte allgcnieines Acrgernis. 
Es waren unflähtige, von Gemeinheiten strotzende Lieder. Im 
Wagenabteil saßen mehrere Damen, die vor dem Treiben der 
beiden Burschen in ein Ncbcnabtcil entflohen, wo sie zufällig einen 
Eiscnbahn-Rangiercrmeister trafen, der auf ihre Klagen und Be 
schwerden gegen die beiden lockeren Zeisige einschritt, als der Zug 
in Friedenau-Wilmersdorf einlief. Wegen Erregung öffentlichen 
Aergernisses erkannte das Schöffengrricht, wie erwähnt gegen die 
Angeklagten auf 'je 1 Monat Gefängnis. Die hiergegen eingelegte 
Berufung beschäftigte gestern die 3. Strafkammer. Das Ergebnis 
der erneuten Beweisaufnahme ließ keinen Zweifel daran, daß die 
Angeklagten in ihrem Singsang die von unflähtigen Gemeinheiten 
strotzenden Acußerlmgcu getan haben. Der Gerichtshof nahm aber 
bei der Beurteilung der Straftat einen anderen Standpunkt ein 
als das Schöffengericht und ließ die mildere Form gegen die noch 
jugendlichen Angeklagten gelten. Wegen groben Unfugs wurden 
beide unter Abänderung des angefochtenen llrteils zu je 2 Wochen 
Haft verurteilt. 
Vermischtes 
*o Jonas Lic. Am 6. November vollendet der norwegische 
Schriftsteller Jonas Lie sein 60. Lebensjahr. 1883 zu Eber bei 
Drammen geboren, verbrachte er seine Jugend in Tromsö, wo sein 
Vater Bürgermeister geworden war. Hier im schwedischen Finn 
marken, in der großartigen und eigentümlich schönen Natur empfing 
er unauslöschliche Eindrücke, die auf sein späteres dichterisches 
Schaffen nachhaltig einwirkten. Namentlich rveckte die Sec seine 
Fantasie, und er hatte sogar Lust, Seemann zu iverden, trat auch 
in ein Scekadctteninstitut ein, mußte aber ivegcn feiner Kurzsichtig 
keit diese Laufbahn aufgeben und bezog 1851 die Universität 
Christiania, ivo er mit Björnscn in nahe Beziehung trat. Er ließ 
sich in Kongsvinger als Obcrgcrichtsadvokat nieder und war an 
allen öffentlichen und politischen Angelegenheiten regen Anteil 
nehmend, ein eifriger Mitarbeiter arr Zeitschriften, trat auch 1860 
in die Redaktion einer Zeitung ein, und die nächste Gelegenheit be 
nutzend, gab er seine Stellung als Advokat auf, um sich ganz der 
Literatur in die Arme zu werfen. Er zog nach Christiania, wo 
dem talentvollen Journalisten alle Zeitungen offen standen, und 
dichtete in den nächsten Jahren eine Reihe Gelegenheitsgedichte, die 
jetzt noch in Norwegen als Nationalliedcr im Munde des Volkes 
sind. 1870 erschien in Kopenhagen seine erste Noveller „Der Geister 
seher", mit dem er sich einen ersten Platz unter den norwegischen 
Schriftstellern eroberte. Tann erschienen seine Romane in rascher 
Reihenfolge. 
*o Die Verschiedenheit der Brautkränze. Aus wie verschieden 
artigen Blumen resp. Blüten und Blättern die Brautkränze bei den 
verschiedenen Völkern bestehen, ergibt die Tatsache, daß man die 
selben in Deutschland allgemein aus Myrtenzweigcn flicht, in 
Frankreich und England bestehen sie aus Orangeblüten, in Italien 
und der französischen Schweiz auS weißen Rosen, in Spanien aus 
roten Rosen und Nelken, auf d- n griechischen Inseln aus Weinlaub, 
in Böhmen aus Rosmarin und in der deutschen Schweiz aus einer 
Krone von künstlichen Blumen. 
Wetterausfichten. 
Freitag: Zunächst etwas kühler, zeitweise aufklarend, 
bei ziemlich lebhaften südwestlichen Winden, später wieder 
zunehmende Erwärmung, Bewölkung und Regen. 
VerantwortlicherSchriftleiter: HermannMartinius Friedenau
        
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