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Periodical volume Nr. 261, 05.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Familie, gereiht um den summenden Teekessel. Der 
November ist in unserem Klima derjenige Monat, der 
meistenteils ein recht unfreundliches Antlitz zeigt. Der 
Himmel ist von Gewölk bedeckt, das Wetter naßkalt. Nur 
selten guckt die Sonne mit freundlichem Gruß auf die Erde 
herab. Der ganze Tag gleicht eigentlich einer großen 
Dämmerstunde, zumal in den Städten, wo vielstöckige 
Hansriesen den Ausblick verhindern oder gar versperren. 
Karl der Große nannte den Novenrber Windmonat, noch 
heilte heißt er Sturm- oder Nebelmonat, in den Nieder 
landen aber Slahmaend, abgeleitet vom Schlachten des 
Viehes, aus demselben Grunde bei den Angelsachsen 
Blntmonat. 
o „Geheimer Studienrat." Ein neuer Titel ist jetzt 
für das höhere Schulfach eingeführt worden. Mehreren 
Leitern höherer Lehranstalten ist statt des sonst üblichen 
Titels eines Geheimen Regierungsratcs der Charakter als 
„Geheimer Stndienrat" verliehen worden. Mit dieser Ver 
leihung steht das Sehnen eines großen Teiles unser akade 
misch gebildeten Lehrer nach einer einheitlichen Standes 
bezeichnung am Anfang der Erfüllung. Nach oben hin soll 
auf den „Geheimen Studienrat" der „Geheime Ober-" und 
der „Wirkliche Geheime Oberstudienrat" folgen, nach unten 
hin für Professor, Oberlehrer, Probe- und Seminarkandidat 
die Bezeichnung „Studienrat", „Studienlehrer", „Studien 
assessor" und „Studienreferendar" eintreten. Ueber Ge 
schmack läßt sich ja bekanntlich nicht streiten; jedenfalls hat 
die Standesvertretung der preußischen Oberlehrer so be 
schlossen, und der Minister hat seine Geneigtheit, diese Titu 
latur einzuführen, wenn sie wirtlich von den Oberlehrern 
gewünscht werde, bereits ausgesprochen, zugleich freilich durch 
die bestimmte Erklärung, daß er den „Studienassessor" und 
„Studienreferendar" niemals bewilligen werde, dem schönen. 
Aufbau den Fuß abgehauen. Uebrigens haben sich die 
Oberlehrer von Brandenburg und Berlin gegen die neuen 
Benennungen ausgesprochen und auch sonst ist es noch 
zweifelhaft, ob wirklich die Mehrheit der preußischen Ober 
lehrer dafür ist, es besteht also immerhin noch die Mög 
lichkeit, daß wir wenigstens vorläufig von der neuen Titel 
reihe verschont bleiben. 
o Schnlcntlassungszcugttisse ohne Klassenangabe. 
Die Entlassungszeugnisse für Schüler und Schülerinnen der 
Volksschulen sollen künftig keinen Vermerk darüber enthalten, 
aus welcher Klasse der Schüler oder die Schülerin entlassen 
worden ist. In einer besonderen Verfügung über die Form 
der Schulentlassungszengnisse an sämtlicheKönigl. Regierungen 
und das Prvvinzialschulkolleginm in Berlin hat der 
Unterrichtsminister davon abgesehen, eine allgemeine An 
weisung über die Form dieser Zeugnisse zu geben. Er will 
es den Königlichen Regierungen überlassen, für ihren Bezerk 
entsprechende Anordnungen zu treffen. Wo dies geschieht, 
soll aber auf keinen Fall vorgeschrieben werden, daß in den 
Entlassungszeugnissen, die nach Vollendung der Schulpflicht 
ausgestellt werden, irgendein Vermerk aufgenommen wird, 
aus welcher Klasse der Austritt erfolgt ist. 
o Berichtigung. Unsere Notiz in Nr. 250, die sich 
mit einem vom Kultusministerium Herrn Prof. Kück zu 
Stndienzwecken erteilten Urlaub beschäftigt, beruht auf einem 
bedauerlichen Mißverständnis und entspricht nicht den Tat 
sachen. Wie Herr Prof. Kück uns mitteilt, hat er zwar 
Schritte getan, um einen Urlaub zu erwirken, doch dürfte 
das betreffende Gesuch, das zunächst den Instanzenweg 
durchlaufen müsse, bisher überhaupt noch nicht an das 
Ministerium gelangt sein. 
o Hunde, die frei umherlaufen, werden getötet. 
Wir machen die Besitzer von Hunden und Katzen darauf 
aufmerksam, daß die Hunde- und Katzenspcrre verschärft 
worden ist. Der Berliner Polizeipräsident macht folgendes 
bekannt: Die neuerdings festgestellten beiden Tollmntfälle 
haben die für Berlin und den Regierungsbezirk Potsdam 
zuständigen Behörden veranlaßt, die Sperrvorschriften für 
Hunde und Katzen wieder in der fiir gefährdete Bezirke vor 
geschriebenen Schärfe in Kraft zu setzen. Eine besondere 
Beachtung verdient der § 4 der neuerlassenen viehseuchen 
polizeilichen Anordnung vom 24. Oktober d. Js., wonach 
jeder Hund und jede Katze, die — den Vorschriften zuwider 
— frei umherlaufen, getötet werden. Immer wieder sind 
in den letzten Monaten in Berlin und Umgebung neue 
Fälle von Tollwut festgestellt worden. Und da die Seuche 
sich nur durch Uebertragung des Ansteckungsstosfes von einem 
Tier auf das andere verbreitet, unterliegt es keinem Zweifel, 
daß die erkrankten Tiere von einem tollwütigen gebissen 
um Ihnen zu bienen. Ich bin in meinem ganzen rieben 
noch kein Spaßverderber gewesen, und es märe mehr als 
undankbar, wenn ich es gerade Ihnen gegenüber zum ersten 
Male sein wollte." 
8. Kapitel. 
Blank und sauber, wie wenn es soeben geradeswegs 
aus der Fabrik käme, hielt Hoiningens Automobil am 
nächsten Vormittag vor dem Hotel. Auf den Stufen vor 
dem Eingang aber stand jemand, der offenbar bereits mit 
Ungeduld auf das Erscheinen des Wagens gewartet hatte. 
Dieser Jemand war der Vicomte de Marigny. Und wenn 
das Abenteuer des verflossenen Abends ihn vorübergehend 
um seine gute Laune gebracht und seine weltmännische 
Haltung ein wenig erschüttert hatte, so war die kleine An 
Wandlung von Mutlosigkeit jetzt jedenfalls vollständig über 
wunden. Schon in seiner äußeren Erscheinung bot er 
durchaus das Bild eines Mannes, der mit sich und der 
Welt vollkommen zufrieden ist und der den kommenden 
Ereignissen mit den allerschönsten Hoffnungen entgegensieht. 
^Breitspurig wie ein Eroberer stand er da, hatte den Stroh- 
Hut unternehmungslustig in den Nacken geschoben und 
rauchte mit ersichtlichem Wohlbehagen seine Zigarette. Von 
seinem Wagen war zunächst noch nichts zu sehen, und sein 
Anzug ließ erkennen, daß er sich heute mit anderen Dingen 
als mit dem Lenken eines Autos zu befassen gedachte. 
Sobald Hoiningen hielt, trat der Franzose auf ihn zu 
und lächelte ihn beinahe liebenswürdig an. 
„Ich höre, daß der Chauffeur Bartels abermals außer 
stande ist, seiner Verpflichtung nachzukommen. Damit sind 
die zwischen Miß Pendleton und ihm getroffenen Verein 
barungen natürlich hinfällig geworden." 
«Glauben Sie, mein Herr?" 
worden sind, und daß sich wahrscheinlich noch mehrere infi 
zierte Hunde oder Katzen in Berlin befinden. Entläuft nun 
ein Hund seinem Besitzer, so liegt, bei der Neigung der 
Tiere, zusammenzulaufen, der Verdacht vor, daß er von 
einem erkrankten das Tollwutgist aufgenommen hat. Im 
eigenen Interesse des Besitzers, seiner Angehörigen und der 
bei ihm verkehrenden Personen müssen deshalb Hunde, die 
frei umhergelaufen sind, getötet werden. Da Ausnahmen 
nicht gemacht werden dürfen, kann nur dringend angeraten 
werden, die Hunde so zu beaufsichtigen, daß sie nicht ent 
laufen. Die Situation ist leider zu ernst, als daß ans 
Wünsche der Tierbesitzer, ihre Hunde oder Katzen dem Töten 
zu entziehen, Rücksicht genommen werden dürste. 
o Große Berliner Straßenbahn. In der gestrigen 
Aufsichtsratssitzung der Großen Berliner Straßenbahn wurde 
unter anderem beschlossen, bei den zuständigen Behörden 
umfangreiche Streckennenbauten zu beantragen. Es sollen 
0 neue Linien innerhalb Berlins (darunter 7 Ringlinien) 
eingerichtet werden. Außerdem soll die Linie R vom 
Spandauer Bock im Anschlußbetriebe mit der Spandauer 
Straßenbahn durch die ganze Innenstadt von Spandau bis 
zum Spandauer Forst geführt werden; sie erhält dann von 
Neukölln bis zum Spandauer Endpunkt eine Länge von 24 
Kilometern. Ferner wurde die Herstellung einer neuen 
Linie vom Bahnhof Witzleben über den Reichskanzlerplatz 
mach dem Spandauer Bock genehmigt. Auch über diese 
Trace soll demnächst ein weiterer Anschlußoetrieb mit der 
' Spandauer Straßenbahn eingerichtet werden. Weiter wurde 
jbie Weiterführung der Linie 164 vom Bahnhof Jungfern- 
hcide über den Nonnendamm nach den Sieinens-Schuckert- 
i Werken und die Einrichtung eines Pendclbetriebes zwischen 
diesen beiden Punkten beschlossen. Schließlich fand die Er 
richtung einer Angestelltensiedelung (Gartenstadt) in Lichten- 
bcrg ihre endgültige Genehmigung. 
o Das „Postbuch für Berlin und Umgegend", 
herausgegeben von der Kaiserlichen Oberpostdirektion, wird 
demnächst in Neuausgabe erscheinen. Das 320 Seiten um 
fassende Werk ist für nur 50 Pfg. an den Postschaltern 
j käuflich. Bestellungen werden schon jetzt von den Post- 
. anstalten entgegengenommen. 
o Die Witterung im November soll nach den Mond 
vierteln sein: Erstes Viertel (5. Nov.) trübe, — Vollmond 
.(14.) rauh und kalt. — Letztes Viertel (21.) deutet auf 
'Schnee und Frost. — Neumond (28.) gelinde. 
o Das Fest der Silbernen Hochzeit feiert am 
6. November mit seiner Gattin der Maschinist Emil 
Kaufmann, Handjerystr. 60/61 wohnhaft. Wir wünschen 
den Jubilaren viel Glück und Segen für ihren ferneren 
gemeinsamen Lebensweg. 
o Wohltätigkeitskonzert des Krieger- und Land- 
wchrvereins. Wo man empfängt, da soll man auch etwas 
Gutes geben; von diesem Grundsätze ging der Vorstand Und 
der Vergnügungsausschuß des Krieger- und Landwohrvereins 
aus, als er den Beschluß faßte, zum Besten der Wcnhnachts- 
beschcrung seiner Kinder und hilfsbedürftigen Kameraden, 
sowie der Witwen verstorbener Kameraden ein Konzert zu 
veranstalten, das nun gestern Abend in der Aula des 
Reformrenlgymnasiums stattfand. Der wohltätige Zweck 
und die Güte der Veranstaltung ließen bei der großen Mit 
gliederzahl des Vereins die Erwartung eines großen Be 
suches berechtigt erscheinen. Leider wurde diese Erwartung 
getäuscht. Der Besuch ließ zu wünschen übrig. Um so 
mehr aber erfreuten und befriedigten die Darbietungen und 
jeder, der dem Konzert beiwohnte, wird mit dem Bewußt 
sein heimgegangen sein, daß der Abend für ihn kein ver 
lorener war, er seine Zeit also bestens verwendet hatte. 
Eine große Zahl Mitwirkender hatte der Verein für seine 
Veranstaltung erworben und konnte dadurch eine recht ab 
wechselungsreiche Vortragsfolge bieten. Der erste Vortrag, 
Entrata für Orgel, fand leider durch die Unruhe, die ver 
spätet erscheinenden Besucher hineinbrachten, nicht die ge 
bührende Beachtung. Wir müssen anerkennen, daß Herr 
Musikdirektor Antoni in gefühlvoller Weise die Orgel be 
diente und uns mit dem Vortrag einen musikalischen Genuß 
verschaffte. Um zunächst bei der Instrumentalmusik zu 
bleiben, erwähnen wir vorerst das Quintett op. 87 von 
Hummel, das unter Leitung des Herrn Musikdirektors 
Mar Länge, zum Vortrag kam. Jedes Instrument 
war gut besetzt und Herr Länge spielte die 1. Violine 
in virtuoser Form. Die Pianistin Fräulein M. Taube 
entzückte durch den glänzenden Vortrag von Rigandon von 
Raff und Polonaise A-dur von Chopin. Ihre Technik ist 
„Aber selbstverständlich? Därf'ichJrägen, zu welchem 
Zweck Sie heute noch hier vorfahren?" 
„Zu dem Zweck, Miß Pendleton in meinem Wagon 
aufzunehmen und die begonnene Tour fortzusetzen. Da 
ich den Beweis erbracht zu haben glaube, daß mein Wagen 
dem des Chauffeurs Bartels in jeder Hinsicht überlegen ist, 
und daß es mir nicht an der Fähigkeit fehlt, ihn zuver 
lässig zu führen, sehe ich keinen Grund, weshalb ich den 
abgeschlossenen Vertrag nicht auch weiterhin statt seiner er 
füllen sollte." 
Der Franzose lächelte noch immer. 
„Wie Sie über die Sache denken, ist wohl ziemlich 
nebensächlich. Ich habe meinen Chauffeur bereits zu 
Bartels geschickt, um ihm meinen Wagen an Stelle des 
feinigen anzubieten, damit er in den Stand gesetzt werde, 
trotz seines wiederholten Mißgeschicks die übernommenen 
Verpflichtungen zu erfüllen. Ich habe das getan, nicht nur, 
weil mir der Mann leidtnt, sondern auch, um einen 
ziemlich deutlich kundgegebenen Wunsch der beiden Damen 
zu erfüllen." 
Hoiningen tat, als ob er die letzten Worte völlig 
überhört hätte. 
„Ich denke, es ist müßig, wenn mir weiter über eine 
Sache reden, in der einzig Miß Pendleton die Entschei 
dung zusieht. In, übrigen bitte ich bei dieser Gelegenheit 
um Ihre Pariser Adresse, Herr de Marigny! Ich 
möchte mich bei meiner nächsten Anwesenheit in Paris 
über verschiedenes mit Ihnen unterhalten." 
„Sehr schmeichelhaft für mich. Aber es scheint mir 
etwas näherliegend, daß Sie mir zunächst Ihre Frankfurter 
Adreffe mitteilen, mein werter Herr — Wcstenholtz!" 
Er kaute an diesem Namen wie an einer köstlichen 
Auster, und Hoiningen fühlte sich unangenehm überrascht. 
Für einen Moinent glaubte er wirklich nichts anderes. 
bewundernswert. Ebenso erntete Fräulein Wanda Taube 
als Violinistin mit den Vorträgen „Le rossignol" von 
Vieurtemps und „Gavotte de Renaud" von Franco Saechini 
lebhaften Beifall. Sicher führte sie den Bogen und ein 
warmer Ton zeichnete ihre Darbietungen aus. Von den. 
Sängerinnen sei an erster Stelle Frau Helene Sametzk,i 
genannt, die mit ihrem süßen einschmeichelnden Sopran, 
rein und biegsam in jeder Tonlage, mit zarten Koloraturen, 
sich sofort alle Herzen - gewann. Recitativ und Arie der 
Frau Fluth aus „Die Lustigen Weiber" von Nicolai und 
„Der Frühling ist da" von Hildach haben wir kaum jemals 
in schönerem Vortrag gehört; stürmischer Beifall veranlaßte 
sie zur Wiederholung des letzteren Gesangs. Frau Maria 
Mahraun fand ebenfalls wieder ihr Publikum; ihre schöne, 
volltönende Altstimme gab die Lieder „Der Fischer" von 
Grünfeld, „Wird einst der Kummer" von Berger, „Mai 
nacht" und „Dort in den Weiden" von Brahms ausdrucks 
voll wieder. Mit einem herrlichen Tenor, sicher und 
klangvoll in Höhe wie in Tiefe, im Piano wie im Forte 
wartete Herr Josef Maikl von der Deutschen Oper- 
Charlottenburg auf. Recitativ und Arie aus „Die 
Afrikanerin" von Meyerbeer war eine Glanzleistung, und 
mit ebenso prächtigem Vortrag sanger.,HeimlicheAufforderung" 
von Rich. Strauß. Einen wundervollen Bariton lernten wir 
dann in dem Königl. Hvfopernsänger a. D. Herrn Ludwig 
Fraenkel kennen. Ein umfassendes Organ von herrlicher 
Klangfarbe ist dem Sänger eigen und damit verbindet er 
eine brillante Technik des Vortrags. Er hatte am Schluß 
zu singen: im allgemeinen kein günstiger Platz in eineni 
reichhaltigen Konzert. Für ihn aber bedeutete dieser Platz 
einen Erfolg. Denn niemand erhob sich, als er den letzten 
Akkord hatte erklingen lassen, anhaltender, nicht enden- 
mollender Beifall rief ihn immer und immer wieder hervor. 
Zwischen Musik und Gesang wechselten ab die Rezitationen 
des bekannten und beliebten Vortragskünstlers Herrn Otto 
Erich v. Wussom. Wie immer hatte er auch gestern 
wieder schnell seine Freunde gefunden. Sein wohlklingen 
des Organ und die lebhafte, freie Vortragsart, die Drama 
tisierung des Stoffes, halfen ihm auch gestern zu Anerkennung 
und stürmischem Applaus. Er trug im ersten Teile vor 
1870/71 von Marlin Klein, Derj jüngste Leutnant von 
Justizrat Sello und eine Anekdote aus dem Hohenzollcrn- 
schatz von Dr. Lutze. Im 2. Teil gab er uus aus seinem 
lieben Reuter „Den Afschied vom Pastur" und ein heiteres 
Gespräch zweier Bauernmädchen. So wurden den Besuchern 
des Konzerts vielerlei schöne Sachen in bunter Abwechselung 
geboten. In die Begleitung teilten sich Fräulein M. Taube 
und die Herren Musikdirektor Antoni und Justizrat Skopnik. 
Der Vorsitzende des Vereins Herr Justizrat Skopnik nahm nach 
der Pause Gelegenheit, den Mitwirkenden seinen herzlichsten 
Dank zu sagen; aber auch, den Erschienenen bestens zu 
danken. Er verband jedoch damit die Aufforderung, bei 
späteren Veranstaltungen des Vereins für einen stärkeren 
Besuch Sorge zu tragen. Wir möchten diese Aufforderung 
hiermit an weitere Kreise weitergegeben haben. 
o Die Ausstellung von Nahrungs- und Genusi- 
mitteltt, die der Verein der Nahrungsmittelbranche in 
Friedenau veranstaltet, ist heute Vormittag 11 Uhr im 
großen Saale des „Kaiser Wilhelm-Garten" eröffnet worden 
und fand sofort reichen Zuspruch seitens der Friedenaner 
Hausfrauen. Die Ausstellung ist aber auch sehenswert. 
Haben sich an ihr doch die ersten Firmen der Nahrungs 
und Genußmittelbranche beteiligt. Wir werden auf Einzel 
heiten noch in der nächsten Nummer unseres Blattes zurück 
kommen. Für heute sei nur angeführt, daß die Ausstellung 
eine reichhaltige Schau auf dem Gebiete der Nahrungs 
mittelbranche bietet. Neben der rühmlichst bekannten Firma 
„Maggi" mit ihren Suppen und Bouillon-Präparaten, 
finden wir ferner u. a. vertreten Kathreiners Malzkaffee- 
Fabriken, Quäker Oaks, Stollwerk, Bona-Margarine, Nähr 
mittelbranche „Krone", Hühnerbrühe von Max Wieland, 
Essig- usw. Fabrik von Carl Kühne. Berlin, Waldemar 
Brüggemann-Friedenan, die Engelhardt-Brauerei, daneben 
ferner die Seifenfirmen „Perfil" und „Sunlicht" usw. usw. 
Die Ausstellung ist noch morgen bis 9 Uhr Abends ge 
öffnet. Morgen Abend findet in dem gleichen Saale ferner 
ein Lichtbildervortrag statt. Wir empfehlen also nochmals 
unsern Hausfrauen, die Ausstellung zu besuchen. Der 
Eintritt ist frei, Kostproben werden kostenfrei verabreicht. 
o Deutscher Bund gegen die Frauenemanzipation. 
Am Montag, dem 3. November, hielt der bekannte Schrift 
steller Henri) Urban - Charlottenbnrg in der Ortsgruppe 
als daß der Oberleutnant Harro von Riedberg dennoch 
sein Wort gebrochen und eine Möglichkeit gefunden hatte, 
seinen Spießgesellen über seinen Rainen und Stand zu 
unterrichten. Wenn diese Annahme richtig war, so be 
deutete das allerdings eine höchst unerwünschte Wendung, 
und es mochte sich darum wohl etwas wie Betroffenheit 
in den Zügen des Grafen spiegeln. Marigny, der keinen 
Blick von seinem Gesicht verwandt hatte, deutete sich dies 
Anzeichen nach seinem Sinne, und er trat noch näher an 
den Wagen heran, um nicht von dem Hausdiener des 
Hotels gehört zii werden, der eben mit dem Gepäck der 
beiden Damen in der Tür erschien. 
„Warum sollen wir noch viele überflüssige Worte 
machen!" fuhr er fort. „Es ist. ja im Grunde die blödeste 
Narrheit, wenn ich hier mit Ihnen rede wie mit einein 
Gentleman. Vorwärts, mein Lieber — und keine weiteren 
Umstände! Machen Sie sich fort und sagen Sie Bartels, 
daß er mit meinem du Nallon unverzüglich hier zu er 
scheinen hat. Die Erklärungen, deren es Miß Pendleton 
gegenüber bedarf, werden meine Sache fein. Was Sie 
selbst betrifft, mein Lieber, so ist die Situation für Sie 
sehr klar. Wenn Sie auf Ihrem verrückten Eigensinn be 
stehen, werden Sie sich innerhalb weniger Stunden rettungs 
los in den Händen der Polizei befinden. Wenn Sie aber 
jetzt mit Ihrem Wagen auf.dem schnellsten Wege Frank 
furt zu erreichen suchen, wird es Ihnen vielleicht ge 
lingen, die Verzeihung des Grasen Hoiningen zu erhalten, 
noch ehe die Sache allzu bedenklich für Sie geworden 
ist. Es ist nicht unmöglich, daß ich mich für Sie verwenden 
und ein gutes Wort für Sie einlegen werde. Daß das 
Wort eines Vicomte de Marign,) für den Grafen einiges 
Gewicht haben dürfte, werden Sie ja wohl einleben." 
(Foüjctzung folgt.)
        
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