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Periodical volume Nr. 252, 26.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

allgemein üblich, die vorübergehend verfügbaren Geldbe 
stände nicht. nutzlos liegen zu lassen, sondern sie bei ver- 
trauensivertcn Bankinstituten — meist als tägliches Geld — 
zinsbar anzulegen. In wie weitem Ilmfange — freilich 
auch unter wie wechselnden Bedingungen — dies zurzeit, 
geschieht, zeigt eine kürzlich in den „Mitteilungen der 
Zentralstelle des deutschen Städtetages" veröffentlichte Zu 
sammenstellung. Der vereinbarte Zinsfuß für derartige An 
lagen stellt sich hiernach auf durchschnittlich 1—1^ Prozent 
unter dem jeweiligen Diskontsätze der Reichsbank. 
ff) Bei vorübergehendem Geldbedarf müssen die Städte, 
wenn sie sich an ein Bankhaus wenden, ohne Zweifel hohe 
Zinsen — meist wohl 1 Prozent über Rcichsbankdiskont — 
zahlen. Aus dem Gedanken heraus, zwischen einer größeren 
Anzahl von Städten einen Ausgleich zu schaffen, der geld 
bedürftigen Gemeinde einen billigeren und der geldbesitzenden 
einen höheren Zinsfuß zu gewährleisten als bei der Inan 
spruchnahme von Banken, ist die Geldvermittlungsstelle der 
deutschen größeren Städte, später „Geldvermittlungsstelle 
des Deutschen Städtetages", mit dem Sitze zunächst in 
Düsseldorf, zurzeit in Cassel, gegründet worden, von der be 
reits oben die Rede war. 
c): Im Geldverkehr der städtischen Kassen mit dem 
Publikum sind in letzter Zeit ganz beträchtliche Annehmlich 
keiten an vielen Arten zur Einführung gelangt. Man hat 
die Zahlung von Steuern und andern an die Stadt ge 
schuldeten Summen im Wege der Ueberweisung und durch 
Scheck zugelassen; es finden Steuerzahlungen in großem 
Umfange durch Bankhäuser für ihre Kunden statt; die Aus 
zahlung der Gehälter der städtischen Beamten geschieht 
großenteils durch direkte Ueberweisung an die von ihnen be 
nannten Banken oder an die Sparkasse; in neuester Zeit ist 
man auch der Frage der Steuerzahlung durch Ueberweisung 
aus dem Sparguthaben hier und da näher getreten.- Zum 
Zwecke der Erleichterung der Kautionsleistung, beispielsweise 
bei den städtischen Lichtmerken, ist man dazu übergegangen, 
bei Bankhäusern besondere Kautionskonten für die einzelnen 
Abnehmer, die gleichzeitig Kunden der Bank sind, zu er 
richten, um die Hinterlegung von Wertpapieren oder Spar 
kassenbüchern und die damit verbundene Mühe für beide 
Teile zu sparen. 
6) Auch die städtischen Sparkassen haben — in 
Preußen — seit kurzem eine größere Bewegungsfreiheit 
durch die Möglichkeit der Einführung des Scheck- und Konto- 
kurrentverkehrs erhalten. Sie werden mit diesen Hilfs 
mitteln ausgerüstet, mehr noch als bisher sich zu „Banken 
des kleinen Mannes" auswachsen, eine Entwickelung 
übrigens,, die im allgemeinen volkswirtschaftlichen Sinne nur 
begrüßt werden kann und mit der sich auch die Bankwelt 
abfinden wird. Nicht unbedenklich ist allerdings dabei die 
im Prinzip von der Aufsichtsbehörde zugelassene Verfügung 
durch Scheck iiber Sparguthaben, da sie eine unter Um 
ständen gefährliche Mobilisierung des bisher relativ fest- 
liegenden Kapitals herbeiführen und die Sparkassen zu nicht 
unbeträchtlicher Erhöhung ihrer liquiden Mittel drängen 
könnte. Es erscheint deshalb richtiger, den Kunden ' der 
Sparkasse ein von den Sparguthaben völlig getrenntes 
Konto für laufende, Rechnung einzuräumen und nur hier 
über die Verfügung durch Scheck zugestatten. 
e) Im Geschäftsverkehr der Stadtkasscn, Steuerkassen 
und Sparkassen erobert sich die Maschine als Ersatz für die 
mechanische und teilweise auch die gedankliche Tätigkeit des 
Menschen immer mehr Raum. Fast alle Großstädte und 
eine erhebliche Zahl von mittleren und kleineren Gemeinden 
bedienen sich der Geldzählmaschinen, Registrierkassen, Ad 
ditionsmaschinen, die in immer steigender Vollendung von 
einer Reihe von Fabriken hergestellt werden. 
III. Im Rechnungswesen der Gemeinden ist man schon 
seit längerer Zeit mehr und inehr dazu übergegangen, außer 
der ehrenamtlichen Prüfungstätigkeit der Mitglieder des 
Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung be 
sondere Rechnungs-Revisions-Büros einzurichten, die eine 
eingehende formelle und materielle Prüfung und Ueber- 
wachung der Ausführung des Voranschlags vornehmen und 
die teilweise neuerdings auch mit Technikern besetzt werden. 
Auf dem Gebiete der Buchführung, insbesondere bei 
den gewerblichen Werken der Gemeinden hat in neuester 
Zeit eine lebhafte Auseinandersetzung zwischen Freunden 
und Gegnern der kameralistischen bezw. kaufmännischen 
Methode eingesetzt, die zu einer Fülle literarischer Erzeugnisse 
im Begriff sind, sich zu einem'tief unter ihnen Slehenoen 
herabzulassen. 
„Sie haben um die Ehre gebeten, mich zu sprechen 
— was für ein Anliegen haben Sie also an mich?" 
Hoiuingen drehte eine der Wagenlateruen so,, daß ihr 
Schein voll auf sein eigenes Gesicht fiel. 
„Erkennen Sie mich?" fragte er kurz. 
Der andere gönnte ihm nur einen flüchtigen Blick. 
„Wie käme ich dazu? Ich habe keine Bekanntschaften 
unter Ihresgleichen, und ich fühle nicht das mindeste Ver 
lange», welche zu machen. Im übrigen — wen» es Ihre 
Absicht war, sich wegen irgend etwas zu entschuldigen, so 
können Sie sich die Mühe ersparen. Meine Mutter und 
ich, wir legen kein Gewicht auf die Ungezogenheiten von 
Leuten, bic wir zu den Dienstboten rechnen. Und die 
Sache erledigt sich für uns schon dadurch, daß ja von 
morgen ab ein anderer Ihren Platz einehmen wird." 
Er wollte sich kurz umdrehen, aber Hoiningens be 
fehlende Stimme hielt ihn zurück. 
„Sehen Sie mich gefälligst etwas genauer an, Herr 
von Riedbcrg! Ihr Gedächtnis wird hoffentlich nicht so 
schlecht sein, daß Sie sich nicht menigstens unserer letzten 
Begegnung in Kalkutta erinnern, dieser Begegnung, bei 
der Sie mich unter lügnerischen Vorspiegelungen um tausend 
Mark beschwindelten. Und Sie wissen auch wohl, daß das 
nicht das einzige ist, was Sie bei mir auf dem Kerbholz 
haben." 
Der Oberleutnant stand da, wie wenn unmittelbar vor 
ihm ein Blitzstrahl in den Boden gefahren wäre. 
„Ist es möglich? — Beim Himmel — Hoiningen, Sie 
sind es wirtlich?" 
Der Graf brachte die Lampe in ihre vorige Lage 
zurück. 
„Jawohl, ich bin's, und Sie können sich wohl denken, 
daß ,ich Ihnen einiges zu sagen habe. ^.Nach allein, r' 
aus beiden Lagern geführt hat. Vom Standpunkte der 
Städte aus, die neben dem berechtigten Wunsche gleich dem 
Kaufmanne jederzeit über den Stand ihrer Unternehmungen 
unterrichtet sein — eine Bilanz ziehen — zu können, auch 
für Anpassung der Rechnungslegung an den gesetzlich vor 
geschriebenen Haushaltsplan Sorge tragen müssen, erscheint 
die Anwendung des sogen, „gehobenen Kameralstils" 
empfehlenswert, der sich dem Etatsschema völlig anpaßt, 
trotzdem aber die Entwickelung einer Bilanz jederzeit gestattet. 
IV. Bei der erwähnten Vielseitigkeit der banktechnischen 
Geschäfte einer Großstadt könnte der Gedanke naheliegen, 
sie durch eine eigene städtische Bank besorgen zu lassen. 
Dies ist — wie bereits früher bemerkt — in zwei Städten 
(Breslau und Chemnitz) auch bereits verwirklicht. Seit 
diesen beiden im Jahre 1848 erfolgten Gründungen ist in 
Deutschland ein ähnliches Institut nicht entstanden. Ob es 
. dazu kommen wird, daß die Genieinden, mit ihren Bürgern 
bankmäßige Geschäfte betreiben, wird die Zukunft lehren. 
Ansätze dazu sind ohne Zweifel hier und da vorhanden. 
lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalarllkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Der Monat November. Der November, aus dem 
lateinischen „novem“, d. i. neun, abgeleitet, bildete den 
neunten Monat des altrömischen Kalenders. Im Deutschen 
finden wir dafür die Bezeichnungen Nebelung, Wintermonat 
und Allerheiligenmonat. Der November setzt fort, was der 
Oktober begonnen und mit seinem eisigen Ostwind fegt er 
die Menschen aus den Straßen in die wohldurchmärmten 
Häuser. Im Walde zeigt er sich als ein grimmiger Feind 
des Journalismus, denn unbarmherzig, gleich einem er 
zürnten Kritiker, „reißt er alle Blätter herunter." Kein 
Blümlein kommt unter seiner Herrschaft auf, höchstens läßt 
er starre Eisblumen an den Fenstern erstehen oder macht 
der Erde „etwas weiß", indem er sich mit Frau Holle in 
Verbindung setzt und diese ersucht, einmal ihre Betten aus 
zuschütteln. 
o 'Der Turnereilbotenlauf Memel - Leipzig und 
Rügen-Leipzig aus Anlaß der Einweihung des Leipziger 
Völkerschlachtdenkmals berührte bekanntlich auch unseren Ort 
in der Nacht des 18. Oktober. Beteiligt war auch der 
hiesige Turnverein auf der Strecke Wannsee—Potsdam. Die 
beiden in Berlin zu einem vereinigten Läufe erreichten zehn 
Minuten früher wie geplant Leipzig, 7 Uhr 50 Minuten 
morgens. Die Strecke Rugard (Rügen)—Bergen—Stralsund 
—Stettin—Schwedt—Berlin, 363,7 Kilometer, wurde ge 
laufen in 17 Stunden 50 Minuten; Schnelligkeit auf 1000 m 
2 Min. 54,8 Sek. Der Lauf Memel—Tilsit—Königsberg 
— Marienburg — Schneidcmühl — Landsberg — Berlin mit 
934,4 km wurde in 47 Stunden 28 Minuten bewältigt: 
Schnelligkeit auf 1000 m 3 Minuten 2,6 Sekunden. Der 
gemeinsame Endlauf Berlin—Wittenberg —Leipzig, 171,8 
Kilometer erforderte an Zeit 8 Stunden 30 Minuten; 
Schnelligkeit: 1000 m in 2 Minuten 58,1 Sekunden. Die 
0 Eilbotenläufe der Deutschen Turnerschaft zum Dölker- 
schlachtdenkmal sind großartig gelungen. Annähernd 
40 000 Turner durcheilten bei Regen, Kälte und auch 
schönein Wetter annähernd 8000 km. Alle Laufftrccken an 
einander gereiht würden reichlich 16 Tage Laufzeit er 
fordern. Mit Stolz kann die Deutsche Turnerschaft auf die 
gelungene Veranstaltung zurückschallen. Sämtliche Namen 
der an den Läufen irgendwie beteiligten Personen sollen im 
Völkerschlachtdenkmal an geeigneter Stelle verewigt werden. 
Jeder beteiligte Verein erhält eine Urkunde. 
o Ein Meeresungeheuer, ein Glattroche von über 
200 Pfund Schwere steht z. Zt. in der Schöneberger städtischen 
Seefischverkaufsstelle 2, am Wannseebahnhof-Friedenan, zur 
Schau aus. Wir empfehlen unsern Lesern, sich dieses 
Rieseir-Seetier anzuschauen. 
o Aronomisches vom November. Die Sonne tritt 
am 22. November, 11 Uhr, Abends in das Zeichen des 
Schützen. Die Tageslänge- beträgt am 1. November 0 St. 
31 Min., am 30 Noo. hingegen n>.ir 8 St. Sonnenaufgang: 
am l. Nov. 6 Uhr 57 Min., am 20. Nov. 7 Uhr 48 Min. 
Sonnenuntergang: am 1. Nov. 4 Uhr 30 Min., am 30. 
Noo. 3 Uhr 49 M. Am 13. Nov. haben mir Vollmond. 
Von den Planeten ist Merkur unsichtbar, Mars die ganze 
Nacht hindurch zu sehen. Bei der Venus als Morgenstern 
nimmt die Sichtbarkeitsdauer bis zu einer Stunde am Ende 
ich seit unserem letzten Zusammentreffen über Sie erfahren, 
war es mein feqer Entschluß, Sie ohne jede Rücksicht 
nahme der Polizei zu übergeben, falls unsere Wege sich 
noch einnial kreuzen sollten. Und ich fühle mich mehr als 
je versucht, diesen Entschluß ungesäumt zur Ausführung 
zu bringen." 
„Aber, lieber Herr Graf," stotterte der Unglückliche, 
„ich bitte Sie — das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Sie 
können nicht den Wunsch haben, mich für den ganzen 
Rest meines Lebens unglücklich zu machen." 
„Sie sehen also ein, daß ich die Macht dazu hätte — 
daß es mich nur ein Wort tosten würde, Sie der hundert 
mal verdienten Bestrafung zu überliefern? Diese Einsicht 
wird uns, wie ich hoffe, die Verständigung erleichtern. 
Denn ich will Ihnen einen Weg zur Rettung zeigen — 
wohlverstanden, den einzigen, den es für Sie gibt. Lassen 
Sie sich Ihren Ueberzieher bringen und gehen Sie von 
hier schnurstracks zum Bahnhof, um mit dem ersten Inge, 
den Sie erreichen können, nach Frankfurt zu fahren. So 
viel Zeit nur kann ich Ihnen lassen, um ein paar Worte 
au Ihre Mutter zu schreiben und Ihre plötzliche Abreise 
mit irgendeinem Vorwand zu erklären. Wenn Sie ihr 
aber bei dieser Gelegenheit oder bei einer späteren auch 
nur die leiseste Audeutung machen, wer ich bin, so setze ich 
ohne Erbarmen die Polizei von Ihren Strafraten in Kenntnis, 
sowohl von denen, die Sie gegen mich begangen haben, 
wie von etlichen anderen, die zu meiner Kenntnis gelangt 
sind. Sie müssen für mindestens drei Monate verschwin 
den, und während dieser Zeit darf kein verräterisches Wort 
ȟber Ihre Lippen konnnen. Wenn Sie in Geldverlegen 
heit sind, will ich Ihnen so viel geben, daß Sie zunächst 
vierzehn Tage lang leben können. Und dann mögen Sie 
sich unter meiner Frankfurter Adresse wegen weiterer Unter 
stützung an mich wenden. Dem: auch ein Mensch Ihres 
Schlages muß ja schließlich leben. Aber es gibt aus alles 
dieses Monats ab. Jupiter dagegen nimmt weiter ab b 
auf IV, Stunde am Ende dieses Monats. Saturn bleibt 
von Mitte dieses Monats an die ganze Nacht sichtbar. 
o Die Grost-Berliner AnLknnstsstelle für Frauen 
berufe veranstaltet am 25. November, Abends 8 Uhr, im 
Abgeordnetenhaus eine öffentliche Versammlung, in der das 
Thema: „Die gemeinnützige Berufsberatung — ein Glied 
der Jugendpflege", behandelt werden wird. Als Referenten 
sind Herr Dr. Kühne, Geh. Regierungsrat im Landes 
gewerbeamt und Frl. Dr. Gertrud Bäumer gewonnen 
worden. Bei der Bedeutung, die man heute in maß 
gebenden Kreisen der Jugendpflege beimißt, sowie bei der 
Wichtigkeit der Berufswahl dürfte die Besprechung dieses 
Themas für Vertreter von Behörden, Gemeinden, Jugend 
pflegeausschüssen sowie für Lehrer, Lehrerinnen und an der 
Berufsberatung und Jugendpflege interessierte Persönlich 
keiten von ganz besonderem Wert sein. 
o Der Friedenauer Männer - Gesangverein 1875 
beging am letzten Sonnabend die Feier seines 38. Stiftungs 
festes, verbunden mit der Jubiläumsfeier einiger Sanges 
brüder durch einen Familienabend im „Hohenzollern". Die 
ungünstigen Saalverhältniffe in Friedenau machten es not 
wendig, daß der Verein diesmal ans die Einladung von 
Gästen zu seinem Vergniigen verzichten mußte. Die Feier 
begann mit einem gemeinschaftlichen Abendessen, zu dessen 
Beginn der Vorsitzende, Herr Paul Schmidt, die Teilnehmer 
begrüßte. Nach dem Mahle wurden mit einer Ansprache, 
die der 2. Vorsitzende, Herr Schindler, hielt, den Jubilaren 
die Ehrengeschenke überreicht, wofür die Geehrten in An 
sprachen dankten. Die Festrede, die in ein Hoch auf den 
Verein ansklang, hielt der Vorsitzende, Herr Paul Schmidt. 
Im ferneren Verlause des Festchens sang der Chor noch 
manch schönes Lied, cs wurde flott das Tanzbein geschwungen 
und die Damen erhielten eine „süße" Spende. Bis zum 
frühen Morgen dehnte sich die Feier, die einen schönen 
Verlauf nahm, aus. 
o Der Friedenauer Parochialverein veranstaltet die 
Feier des Reformationsscstes am Montag, dein 10. d. Mts., 
abends 8 Uhr pünkrlich in der Aula des Reform-Real 
gymnasiums in der Homnthstraße. Die Festrede hält Herr 
Pfarrer Kleine-Friedenau. Im unterhaltenden Teil des 
Abends wirken mit: Konzertsängerin und Gesanglehrerin 
Frl. Gertrud Wirtschaft (Korneck), Friedenau, Frau Dr. 
Kundt-Friedenau (Rezitation), Pianistin Frl. Elsa v. Graoe- 
Charlottcnburg, Friedenauer Kirchenchor, unter Leitung 
seines Dirigenten Herrn Kgl. Musikdirektor Harriers-Wippern. 
Das Schlußwort hält Herr Pfarrer Görnandt. Eintritt für 
Mitglieder frei. Nichtmitglieder 50 Pf., Programm an der 
Kasse 10 Pf., Garderobe 10 Pf. 
o Theater im Steglitzer Schloßpark. Bor einem 
ausverkauften Hause führte gestern die hier bestens bekannte 
Theaterdirektion Brodeck & Stegemann die Gesangsposse 
„Puppchen" von Jean Kren und Kurt Kraatz, Musik von 
Jean Gilbert auf. Das durch seine reizenden Szenen, den 
frischen Humor und die schlichte ansprechende Musik mit 
den hübschen Gesangsschlagern beliebte Zugstück des Thalia- 
Theater, fand auch hier eine gute Aufnahme. Man 
schüttelte sich vor Lachen und zollte, vielfach auch bei offener 
Szene, stürmischen Beifall. Das beweist, wie gut die Dar 
stellung war, wie vorzüglich die Mitwirkenden eingespielt 
sind und wie trefflich jeder seine Rolle erledigte. Es war 
eine in allen Teilen gut durchdachte und auch bestens aus 
geführte Vorstellung, für die hier namentlich dem Regisseur 
Herrn Fritz v. Ahn Lob gezollt sei. Aber auch einige 
Einzelleistungen verlangen, daß sie besonders erwähnt 
werden. Werner Bernhard:) war das „Puppchen" in 
Maske und Sprache, wie mir es uns vorstellen; er war der 
»süße Junge", der nicht ernst genommen wird und doch der 
Liebling der Damen ist. Mit gutem Humor spielte Max 
Brusini den August Briesekorn und die verliebte Madame 
Briesekorn fand in Viloia Niet eine gute Vertreterin. Else 
Raven gab mit Temperament und Schneid die Hortense; sie 
war auch gesanglich auf der Höhe. Ebenso erfreuten Claire 
Moron (Lore), Else Lemariä (Marie) und Trudy Trut 
(Hilde) durch fesches Auftreten und angenehme Gesangs 
stimmen. Fritz v. Ahn war der Amerikaner Fred William 
Black wie er im Buche steht und die Dörthe wurde von 
Marie Heinrich mit überwältigender Komik gespielt. Das 
Orchester unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Curt 
Jtzler verdient hier ebenfalls lobend erwähnt zu werden. 
das, was ich Ihnen da gesagt habe, nichts als ein einfaches 
Ja oder Rein. Und zwar ein Ja oder Nein gleich auf 
der Stelle. Sind Sie also einverstanden?" 
Der Oberleutnant hatte wiederholt die Farbe ge 
wechselt, und in seinen stahlgraüen Augen, die ein Erbteil 
der Faniilie Riedberg zu sein schienen, spiegelten sich Angst 
und Entsetzen. Noch aber konnte er sich offenbar nicht 
entschließen, an den furchtbaren Ernst seiner Lage zu 
glauben. 
„Sie werden nicht so unbarmherzig mit mir ver 
fahren, Graf Hoiningen", stotterte er. „Gerade jetzt bin ich 
ja auf den: sicheren Wege, mich zu rangieren. Mein Freund, 
der Vicomte de Marigny " 
„Sie brauchen mir nichts von diesem Vicomte und von 
Ihrer Freundschaft mit ihm zu erzählen. Ich weiß davon 
vielleicht schon mehr, als gut für Sie ist. Und ich nehme 
nicht ein Wort zurück von dein, was ich eben gesagt habe. 
Sie haben zu wählen zwischen bedingungsloser Annahme 
meines Vorschlages und einer Gefängniszelle. Ich hoffe, Sie 
sind gescheit genug, sich nicht lange zu besinnen." 
„Aber, um des Himmels willen " 
«Ja oder nein I Ich habe keine Lust, meine Zeit hier 
mit Ihnen zu verlieren." 
„Nun denn, meinetwegen, ja." 
„Beauftragen Sie also den Holelportier, Ihnen Ueber- 
rock, Hut und Schreibmaterial zu bringen. Meine Laternen 
sind hell genug, daß Sie ei:: paar Worte für Ihre Mutter 
niederwerfen können. Natürlich werden Sie mich lesen 
lassen, was Sie geschrieben haben. Denn Sie können sich 
wohl denken, daß ich Ihnen nicht über den Weg traue. 
Sie werden mir den Brief zur Besorgung übergeben, und 
ich händige Ihnen dagegen eine Summe von vierhundert 
Mark ein, der ich, wie gesagt, später noch weiteres hinzu 
fügen werde, wenn Sie sich bedingungsgeniäß verhalten." 
(Forschung folgt.)
        
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