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Periodical volume Nr. 259, 03.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Friedhof tu Giitergotz war bereits darauf hiugewiefcu, daß 
außer deu zimächst iu Angriff zu uehiueudcu Baulichkeiten 
auf dem Gelände noch die Errichtung einer -Abortemlagc für 
Männer und Frauen iu der Nähe der Friedhofskapelle er 
forderlich sei. Es empfiehlt sich nunmehr, die Ausführung 
dieses Häuschens in Angriff zu nehmen. Unter der Vor 
aussetzung, daß bei Errichtung desselben zum Teil die auf 
dein Friedhofsgelände noch zu fällenden Bäume als Bau 
materialien Verwendung finden können, ist ein Entwurf auf 
gestellt, der sich durch seinen Charakter dem Walde an 
passen wird. Die Anstalt ist entworfen für zwei Aborte 
mit Vorraum für Frauen und einen PP-5Raum mit einem 
Abort für Männer. Das Gelände soll an die auszu 
führende Schwemmkanalisation und an die Wasserleitung 
der Charlottenburger Wasserwerke angeschlossen werden. Der 
ausgestellte Kostenanschlag schließt mit 2950 M. ab. Wir 
beantragen, zn beschließen: Die Gemeindevertretung erklärt 
sich mit dem ihr vorgelegten 'Entwurf und Kostenanschlag 
für die Errichtung eines Aborthäuschens in der Nähe der 
Friedhofskapelle in Giitergotz einverstanden und bewilligt 
die erforderlichen Mittel von 2950 M. aus Abteilung X V 3 
der außerordentlichen Verwaltung des Voranschlags. 
Vorlage betreffend Bewilligung der Mittel für Herstellung einer 
Entwässerungsanlage. 
Die Entwässerungsanlage für die Kapelle, das Ver 
waltungsgebäude, die Blnmenverkäufshalle und das Abort 
häuschen ans dein Giitergotzer Friedhofsgelände bedarf der 
dringenden Ausführung. Der Bauausjchuß in Gemeinschaft 
mit dem Gärtnerei- und Friedhofsausschnß schlägt die Her 
stellung einer unterirdischen Tonrohrschwemmkanalisation mit 
doppelter Grube vor, wobei in der vorderen Grube die 
schwereren Sinkstoffe verbleiben, während die flüssigen Be 
standteile in eine zweite Grube überfließen. Der Inhalt 
beider Gruben soll, und zwar derjenige der ersteren unter 
Zusatz von Torfmull, für den Betrieb der Gärtnerei dauernd 
nutztbar gemacht werden. Die Kosten dieser Ausführung 
einschließlich Herstellmtg der Gruben auch fiir diejenige des 
Wassermessers ant Eingang zum Friedhofsgelände betragen 
4500 M. Außerdem haben die vereinigtenMnsschüsse vor 
geschlagen. das Regenwasser der bezeichneten baulichen An 
lagen nicht frei im Gelände anslaufen zu lassen, weil bei 
größeren Platzregen bei den hohen Dächern leicht ein Aus 
spülen der davor belegenen Garten- und Wegeanlagen zu 
befürchten ist, soitdern das Regenwasser in geeignete, in der 
Nähe der Gebäude liegende Sickergraben zu leiten und dort 
versickern zu lassen. Für diese Arbeiten ist ein Betrag von 
weiteren 1000 Ai. erforderlich. Da die Ausführung der 
Arbeiten mit Riicksicht ans die vorgeschrittene Jahreszeit und 
die unbedingte Ingebrauchnahme des Friedhofs zum nächsten 
Frühjahr sofort bewirkt werden muß, ist mit der Verlegung 
der Leitungen sofort begonnen worden. Wir bitten die Ge 
meindevertretung nachträglich, sich hiermit einverstanden er 
klären zn wollen. Wir beantragen daher, die Gemeinde 
vertretung erklärt sich mit dem ihr vorgelegten Entwurf und 
Kostenanschläge für die Ausführung der Entwässerungsan- 
lage ans dein Giitergotzer Friedhofe einverstanden und be 
willigt insgesamt 5500 M. ans Abschnitt XV 3 der außer 
ordentlichen Verwaltung des Voranschlages und genehmigt 
nachträglich den vorzeitigen Beginn der Arbeiten. 
Vorlage betreffend Uebernahme der Bürgschaft für den Krüppel 
kinder-, Heil- und Fürsorgevcrein in Berlin. 
Bereits am 27. Juni 1912 hat sich die Gemeindever 
tretung mit der Uebernahme einer Bürgschaft für die hypo- 
karischen Verpflichtungen des Kriippelkinder-Heil- und Fiir- 
sorgcvereins zu Berlin einverstanden erklärt. Die Biirg- 
schaftsnrkunde, die damals die Billigung der Gemeindever 
tretung fand, ist zur Information beigefügt. An der Garantie 
für die Gesamthypothek sind mehrere Gemeinden Großberlins 
beteiligt. Inzwischen haben dieVerhandlungen mit derLandes- 
versicherungsanstalt Berlin hinsichtlich des Wortlauts der 
Urkunde zu Schioierigkeiten geführt. Die Versicherungsanstalt 
verlangt die Beseitigung aller Bestimmungen, die geeignet 
erscheinen, die Verpflichtung der Gemeinde der Versicherungs 
anstalt gegenüber nur zu einer indirekten zn machen, daher 
fehlen in der neuen Bürgschaftserklärung die Bestimmungen 
über die Festsetzung des Fehlbetrages, die Einladung zu der 
maßgebenden Sitzung des Vereins und über die Zahlung 
ja, daß Sie anders llbcr ihn denken, meine liebe Sylvia 
— und darum ist es vielleicht besser, wenn ich meine 
Klagen für mich behalte." 
„Sie sagen, das; er eine Person aus der Dienerschaft 
veranlaßt habe. Ihnen jene unpassende Botschaft auszu 
richten '?" 
„Ja, es war dasselbe dreiste Frauenzimmer, das uns 
beim Tee bediente. Sie scheint von demselben Schlage zu 
sein, wie unser liebenswürdiger Chauffeur, denn es bereitete 
ihr offenbar ein gewaltiges Vergnügen, sich zum Sprach 
rohr seiner Frechheit machen zu dürfen." 
Sie operierte geschickter, als sie selber es ahnen konnte; 
denn Sylvia hatte mit keinem Wort von ihren Wahrneh 
mungen in der Garage gesprochen. Die junge Amerikanerin 
blieb ein paar Sekunden lang stumm, dann sagte sie mit 
einem kleinen Lachen, das nicht sehr aufrichtig klang: 
„Wenn cs so war, so ist sie für ihre Ungezogenheit 
bereits bestraft. Ich habe nämlich ganz vergessen, ihr ein 
Trinkgeld zu geben." 
„Der Vicomte wird das sicherlich besorgt haben, liebe 
Sylvia I" 
„Nein. Ich sah zufällig, was er bezahlte. Und die Nach 
lässigkeit ist mir peinlich. Vielleicht kann man ihr von 
Bruchsal aus doch noch etwas schicken." 
„Aber liebe Sylvia, so viel Umstände wegen eines 
Dienstmädchens!" 
Aber die liebe Sylvia schien sich's nun einmal in den 
Kopf gesetzt zu haben, daß sie ihren moralischen Ver 
pflichtungen nachkommen müsse. Sie neigte sich vorwärts 
und berührte die Schulter des Chauffeurs, der von der 
halblaut geführten Unterhaltung nichts gehört haben konnte. 
„Können Sie mir den Namen des Zimmermädchens 
nennen, das Ihnen in Heilbronn den Tee in die Garage 
brach e'?" fragte sie, als er sich nach ihr umgewandt hatte. 
„Niemand von uns hat ihr ein Trinkgeld gegeben, und 
ich liebe es nicht, daß man mir.solche Unterlassungen 
nachsagen kann. Wenn ich ihren Namen wüßte, könnte ich 
ihr ron Bruchsal aus eine Postanweisung schicken." 
des Betrages an die Vercinskasse. Die Zahlung soll an die 
Laudesvcrsicherungsanstalt direkt erfolgen. Die in der 
Bürgschaftsurkunde gestrichenen Bestimmnngeu sind seitens 
des Vereins in rechtsverbindlicher Form den beteiligten Ge 
meinden gegenüber erklärt worden, sodaß in dieser Be 
denken bestehen. Ueber den Wortlaut der neuen Urkunde, 
die abschriftlich beigefügt wird, haben sich die Versicherungs 
anstalt und die in Frage kommenden Großberliner Ge 
meinden geeinigt. Wir beantragen, beschließen zu wollen: 
Die diesem Protokoll in Abschrift beigefügte Bürgschaftser 
klärung betreffend die Uebernahme einer Garantie für eine 
hypothekarische Verpflichtung des Krüppelkinder-, Heil- und 
Fiirsorgevereins Berlin wird genehmigt 
Vorlage betreffend Erneuerung der Hypothek auf dem Gemeinde- 
grundstück Lautcrstc. 19-20. 
Auf dem Gemeindegrundstück Lauterstraße 19-20 Ecke 
Niedstr. 2 ruht eine 44/z prozentige Hypothek von 87 000 
Mark., die am 31. März 1914 zurückgezahlt werden muß. 
Die Hypothekengläubigerin hat sich bereit erklärt, die 
Hypothek auf' weitere 6 Jahre, also bis 31. März 1920, 
unter den gleichen Bedingungen urkündbar herzugeben. Sie 
bittet eine Entscheidung über ihr' Angebot möglichst bald 
herbeizuführen, da schon jetzt Nachfragen nach diesem Gelde 
bei ihr eingegangen seien. Wir sind der Ansicht, daß es 
sich um ein annehmbares Angebot handelt, zumal uns auch 
die sonst entstehenden Kosten und die übliche Provision er 
spart bleiben. Wir beantragen deshalb, beschließen zu 
wollen: Die Verlängerung der auf deut Gemeindegrundstück 
Lauterstr. 19-20 Ecke Niedstr. 2 ruhenden Hypothek von 
87 000 M. zn 4'/z Pro;. Zinsen bis 31. März 1920 wird 
genehmigt. 
Antrag des Gemeindeverordneten Ott und Genossen betreffend Er 
gänzung der Geschäftsordnung für die Genieindevertretung. 
Berichterstattung erfolgt mündlich in der Sitzung. 
Vorlage betreffend Wahl des Vorstandes und des Ausschusses der 
Landkrankenkasse. 
Nachdein die Satzungen der Landkrankenkasse die Ge 
nehmigung des Oberoersicherungsamtcs erhalten hat, sind 
nach 8 331 der Reichsversicherungsordnung die Mitglieder 
des Vorstandes und des Ansschusses durch die Gemeinde 
vertretung zu wählen. Es ist die Wahl von 9 Vorstands 
mitgliedern, 9 Ersatzpersonen und 30 Ausschußmitgliedern 
erforderlich. Die Vorstands- und Ausschußmitglieder müssen 
zu 1 / 3 den beteiligten Arbeitgebern und zu 2 / 3 den bei der 
Kasse versicherten volljährigen Arbeitnehmern angehören. 
Fiir den Vorsitzenden sind aus der Zahl der Vorstandsmit 
glieder 2 Stellvertreter besonders zu bestimmen. Die Wahl 
ist unbeschadet der zu machenden Vorschläge geheim. Wir 
beantragen, die Wahl vorzunehmen, und werden Vorschläge 
hierzu in der Sitzung unterbreiten. 
Vorlage betreffend Beschickung der Tagung des preußischen Landes 
verbandes der Haus- und Grundbesitzervereine. 
Am 9. und 10. November hält der Preußische Landes 
verband der Haus- und Grundbesitzeroereine seinen 17. 
ordentlichen Verbandstag im Berliner Rathause ab. Mit 
Rücksicht auf die wichtige und interessante Tagesordnung 
haben wir beschlossen, die Tagung zu beschicken und Herrn I 
Schössen Sadöe zu entsenden. Da die Bestimmung über die 
Beschickung gemäß 8 1 des Reisekostenstatuts der Gemeinde 
vertretung vorbehalten ist, ersuchen wir zn beschließen: Die 
Beschickung des 17. ordentlichen Verbandstages des Preußischen 
Landesverbandes der Halls- und Grundbesitzervereine wird 
genehmigt. Als Vertreter der Gemeinde wird Herr Schöffe 
Sadöe entsandt. Die Kosten werden aus Voranschlag I, 
13a bewilligt. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Origiualartlkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Auf ein Jahr beurlaubt zur Fertigstellung eines 
wissenschaftlichen Werkes ist Herr Prof. Dr. Kück, Oberlehrer 
an unserem Gymnasium. Wie wir erfahren, wird diese 
wissenschaftliche Arbeit sich mit dem niedersächsischen Dialekt 
beschäftigen. Der Kultusminister hat der Arbeit des Herrn 
Prof. Dr. Kiick seine Unterstützung zugesagt. 
o Ueber die VermögenSbercchnung der Grundbesitzer 
bei Veranlagung zur Wehrsteuer bestehen noch immer 
„Es bedarf dessen durchaus nicht, Miß Pendleton I Ich 
sah das junge Mädchen zunl ersten Male in meinem Leben, 
und weiß darum auch nicht, wie sie heißt. Aber ich habe 
ihr ein Trinkgeld gegeben, das wohl als ausreichend an 
gesehen werden kann." 
„Sie? Und was hat Sie veranlaßt, so freigebig zu 
sein?" 
„Oh — ich — wahrscheinlich tat ich es nur aus alter 
Gewohnheit." 
Sylvia lehnte sich ohne eine weitere Entgegnung 
wieder in ihren Sitz zurück. 
„Wie duinin doch das alles ist," sagte sie halblaut, 
wohl mehr zu sich selbst, als zu ihrer Begleiterin. Die 
Baronin von Niedberg aber erfreute sich eines scharfen 
Gehörs. 
„Wie sagten Sie, teuerste Sylvia?" 
„Ah, nichts von Bedeutung. Wejtenyoitz reute mir 
mit, daß er, ohne dazu beaustragt zu sein, die Trink 
geldfrage für uns erledigt habe, und ich fand das sehr 
töricht." 
„Oh, er wird schon wissen, warum er es getan hat. 
Ohne auf einem sehr guten Fuße mit dem Mädchen zn 
stehen, hätte er es ja schwerlich für derartige Aufträge 
mißbrauchen können." 
DieAmerikanerinschwieg,und ohne weiterenZwischcnsall 
gelangten sie nach Bruchsal. Auf den Stufen, die zum 
Eingang des von ihnen gewählten Hotels emporführten, 
stand ein elegant gekleideter Herr, das Monokel im Auge. 
Hoiningen hatte sofort den ehemaligen Oberleutnant Harro 
von Riedberg in ihm erkannt. Der Wartende aber hatte 
den Wagen heranfahren und halten lassen, ohne zn grüßen, 
offenbar, weil er die Insassen nicht sogleich erkannte. Er 
hielt es eben für sicher, daß feine Mutter allein kommen 
würde, und er hatte einem Gefährt, in dem er zwei 
Damen sitzen sah, darum wohl von vornherein nicht die 
genügende Beachtung geschenkt. In sichtlicher Bestürzung 
fuhr er zusammen, als die schrille Stimme der Baronin 
ihn anrief: 
mancherlei Zweifel. Maßgebend bei bewohnten Grundstücken 
ist der 25 fache Ertragswert abzüglich eines Fünftels. (Nicht 
süus Prozent). Es ist aber auch die Wertbercchung nach 
dem gemeinen Wert (auf Antrag des Zcnsiten) zugelassen. 
Das ist derjenige amtlich festgesetzte Wert, welch der Be 
rechnung der Grundwertsteuer zu Grunde gelegt wird. 
Nicht zu verwechseln mit dem Gebäudenutzungswert, der 
meist ein anderer ist, nach dem z. B. hier die Kanalgebühr 
berechnet wird. AbgezogenwerdendieeingetragenenHypotheken 
und sonstigen im Grundbuch vermerkten Schulden. Was übrig 
bleibt, gilt als Besitz am Hause. Diese letzte gesetzlich zn- 
gelaffene Berechnung ist für Besitzer von Mietshäusern un 
zweifelhaft die vorteilhaftere, dagegen müssen Villenbesitzer 
mit geringen Einnahmen aus ihrem Grundbesitz sich klar 
werden, welche Berechnungsart fiir sie die bessere ist. E. F. 
o Das Treptower Hypothekenamt nicht genehmigt. 
Eine auch für Friedenau wichtige Mitteilung machte Bürger 
meister Schablow-Treptow am letzten Freitag in der Sitzung 
der dortigen Gemeindevertretung, indem er bekannt gab, daß 
die Regierung die Satzungen der Hypothekenanstalt nicht 
genehmigt hat. Die Regierung hat eine ganze Reihe von 
Wünschen geäußert, die in dem Statut Aufnahme finden 
sollen. So soll die Beleihungsgrenze, die von der Gemeinde 
bis zu 80 Proz. des Gesamtwertes vorgeschlagen war, nach 
dem Wunsch der Regierung über 70 Proz. nicht hinausgehen. 
Die zweiten Hypotheken sollen im allgemeinen den Betrag 
von 50 000 M. nicht überschreiten. Die Wünsche der 
Regierung werden im Statut Aufnahme finden. Ein Aus 
schuß wird sich sofort mit dieser Angelegenheit befassen. — 
Die Herabsetzung der Beleihungsgrenze bis 70 Proz. dürfte die 
Wohltat des Hypothekenamts vielfach wieder illusorisch machen. 
o Klasscnkotterie. Die Frist zur Erneuerung der Lose 
für die 3. preußisch-süddeutsche Klassenlotterie läuft am 
Montag, 3. November, Abends 6 Uhr, ab. Die Ziehung 
der 5. Klasse beginnt am Freitag, 7. November. 
o Ortseigentümkiche musikalische Weisen? Aus An 
laß des Regierungsjubiläums Sr. Mas. des Kaisers ist im 
Juni d. Js. ein Aufruf des Deutschen Städtetages ergangen, 
der die Sammlung alter ortseigentümlicher musikalischer 
Weisen bezweckt. Durch diese Sammlung soll wertvoller 
Kulturbesitz vor dem Untergang geschützt werden. Unsere 
Mitbürger, insbesondere die hiesigen älteren Einwohner 
werden gebeten, dem Gemeindeoorstande von dem Besitze 
solcher Weisen, die im alten Friedenau gern gesungen 
und gespielt wurden, Mitteilung machen zu wollen. 
Für die Ueberlaffung derartiger Musikbestände wird ge 
gebenenfalls eine Entschädigung gewährt. Es wäre sicher 
interessant zu erfahren, ob derartige alte ortseigentümliche 
Weisen hier vorhanden sind. Wir denken da beispielsweise 
an den früher viel gesungenen Vers: „Wir gehn nach 
Friedenau, da ist der Himmel blau!" usw. 
o Der Vaterländische Franen-Verein macht seine 
Mitglieder nochmals darauf aufmerksam, daß das erste 
gesellige Beisammensein in diesem Winter am Dienstag, 
dem 4. d. M., Nachm, von 5—7 Uhr im oberen Saal des 
Hohenzollern, Handjerystraße 64, stattfindet. Gäste sind 
herzlich willkommen. Das Thema des Vortrages, den Frau 
Dorothea Goebeler halten wird, lautet: „Unsere großen 
Töchter". 
o Zum Besten der Krippe. Am 1. Dezember d. I. 
veranstaltet der! hiesige Frauenverein in der Aula des 
Reformrealgymnasiums, die das Kuratorium in entgegen 
kommender Weise dem vaterländischen Frauenverein zur 
Verfügung gestellt hat, zum Besten seiner Krippe einen 
Weihnachtsbazar in Gestalt einer Kirmes, die nach allem, 
was wir bis jetzt gehört haben, recht vielversprechend werden 
dürfte. Das Fest beginnt um 4 Uhr Nachmittags, um den 
Kindern und denjenigen, die ihre Einkäufe für Weihnachten 
auf dem Bazar machen wollen, Gelegenheit zn geben, hier 
allerlei praktische und süße Geschenke zu finden. Die 
Kapelle des 1. Eisenbahnregiments wird die Promcnaden- 
musik dazu halten. Um 7 Uhr Abends beginnt der zweite 
belustigende Teil mit der eigentlichen Kirmes, zu der man 
im Festkleide oder in Kostüm erscheinen kann. Die zahl 
reichen Buden mit ihrem reichen Inhalte werden sehr dazu 
beitragen, den Besuch und die Unterhaltung recht rege zu 
gestalten. Die Einlaßkarten kosten für die Zeit von 4 bis 
7 Uhr 0,50 M., für den ganzen Abend 1 M. und sind 
„Ah, da bist du ja, Harro! — Wie nett von dir, 
mein lieber Sohn, daß du uns hier draußen erwarett 
haftl" 
Der Oberleutnant hatte sein Monokel aus dem Auge 
fallen lassen, und indem er von der einen der beiden 
Damen zur anderen blickte, stotterte er: 
„Ist es möglich, Mama? — Ja, warum wo 
ist denn der Vicomte?" 
„Ein paar Meilen von hier entfernt. Dem Aermsten 
ist unterwegs sein Benzin ausgegangen. Und es war ein 
glücklicher Zufall, daß wir ihm mit unserem Wagen zu 
Hilfe kamen. Glücklich besonders deshalb, weil sich Büß 
Pendleton in seiner Gesellschaft befunden hatte als ihm 
das Mißgeschick widerfuhr. Uebrigens fällt mir ein, daß 
du ja Miß Pendleton noch gar nicht vorgestellt worden 
bist. Erlauben Sie mir, teuerste Sylvia — mein Sohn 
Harro.".' 
Der Oberleutnant verbeugte sich sehr tief und respekt 
voll vor der jungen Amerikanerin. 
„Mein gnädiges Fräulein — ich bin entzückt. — 
Aber was ist denn nun eigentlich aus dem armen Marigny 
geworden? Ich hoffe, ihr habt ihn nicht einfach feinem 
traurigen Schicksal überlassen." 
Die Baronin hatte sich beeilt, den Wagen zu ver 
lassen, denn es mochte ihr viel daran gelegen sein, ihren 
Sohn durch einige Worte, die niemand außer ilmi zu 
hören brauchte, über den wirklichen Hergang der Dinge 
aufzuklären. Sylvia aber hatte es weniger eilig als sie. 
Sie batte sich wohl von ihrem Sitz erhoben, aber start der 
Baronin zu folgen, w.mdch sie sich halblaut an Hoininaen: 
„Sie halten es für ganz sicher, Westenholtz, daß "Ihr 
Freund Bartels inzwischen eingetroffen ist, oder doch noch 
im Laufe des Abends hier eintreffen wird?" 
„Ich weiß es nicht, Miß Pendleton — aber ich habe 
bereits angefangen, mit der Möglichkeit zu rechnen, das; 
er nicht kommt." 
-(Fortsetzung folgt.)
        
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