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Periodical volume Nr. 259, 03.11.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Krteoenauev 
Unparteiische Zeitung für kommimüle und bürgerliche 
Angelegenheiten. 
Kezugspreis Krsonders 
Witzblatt „SeifcnblaTen“. 
v*^*’*^.*n ovyq U)U| IdllCllC 
Rheinstr. 15, 1.50 M. vierteljährlich; durch 
Boten insHous gebracht 1,80M.. durch die 
Post bezogen 1,92 M. einschl. Bestellgeld 
yenitprecher; Hmt Pfarre» 312». Erscheint tägtlH üLeNdS. 
Zeitung.) 
Organ siir den Kriedenauer Ortsteil m\ Zchdneberg und 
Kesirksuerein Züdtvest. 
Zeilagen 
Jecien Sonntag: 
Llätter für deutsche frauen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
Geschäftsstelle: RbeinTtr. 15. 
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werden bis 12 Uhr mittags angenommen. 
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Mr. 259. 
Aerlin-Kriedenau, Wonlag, den 3. Movemöer 1913. 
20. JaPrg. 
Wir bitten unsere verehr!. Leser, uns 
Bilder vom alten Friedenau 
(Photographien oder Zeichnungen) für kurze Zeit zur Verfügung 
zu stellen. 
Geschäftsstelle des Friedenauer Lokal-Anzeiger 
Rheinstr. 15. 
Oepelcken 
Cetjtc Hachrichten 
Neukölln. Im Hause Pflügerstr. 60 hat gestern der 
36jährige Schreiber Hochstedt versucht, sich und seine Frau 
sowie ein 6 jähriges Kind zu töten. Starker Gasgeruch 
wurde am Morgen von Hausbewohnern wahrgenommen, 
die, als auf starkes Klopfen niemand öffnete, die Feuerwehr 
alarmierten. Die Feuerwehrleute fanden alle 3 Personen 
besinnungslos vor und ordneten ihre Ueberführung nach 
dem Krankenhause an. Es ist anzunehmen, daß alle drei 
mit dem Leben davonkommen werden. 
Spandau. In der Wohnung eines Offiziers in 
Spandau verübte gestern ein junges Mädchen Selbstmord. 
Die junge Dame gehört einer angesehenen Berliner Kauf 
mannsfamilie an. Sie hat sich mit dem Jagdgewehr des 
Offiziers erschossen. 
Hamburg. Heute früh wurde die vollkommen ver 
stümmelte Leiche eines Kindes in den Anlagen an der 
Außenelster gesunden. Es wurde festgestellt, daß es sich um 
die achtjährige Gertrud Wieselt, die Tochter eines Zierfisch- 
händlers aus der Petersstraße in Hamburg handelt, die von 
ihren Eltern bereits seit gestern Abend vermisst wurde. 
Pilsen. Auf dem Schießplatz Skvdra explodierte ein 
Geschoß gerade in dem Augenblick, als mehrere Arbeiter es 
zur Demontierung in die Werkstätten bringen wollten. Durch 
die Explosion wurden zwei Arbeiter gelötet, zwei andere 
schwer verletzt. 
Genf. Der Wagen eines Italieners namens Castagli 
stürzte bei einer Vergnügungsfahrt zwischen Lausanne und 
Genf infolge falscher Steuerung in einen 8 Meter tiefen 
Abgrund. Castagli und seine Schwägerin wurden sofort 
getötet, während Frau Castagli, zwei Kinder und eine 
Erzieherin schwer verletzt wurden. 
Mailand. Eine schwere Einsturzkatastrophe ereignete 
sich gestern in dem toskanischen Stäbchen Prato. Bei einer 
Festvorstellung in der dortigen Philharmonie gab das schwach 
konstruierte Gebälk mit einem Male nach, und die Decke 
stürzte unter donnerähnlichem Krachen ein. Von den etwa 
200 Anwesenden sind an hundert verwundet, darunter fünfzehn 
so schwer, daß sie sofort ins Hospital geschafft werden mußten. 
New-Castle. Hier sind 7 unverheiratete Schutzleute, 
die in der Nähe der Polizei-Station in Baracken wohnen, 
und die in einerKantine verpflegt werden,unterschwerenFleisch- 
Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht worden. 
Kommunale Angelegenheiten 
Erläuterungen des Gemeindevorstandes zur Tagesordnung 
der Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag, dem 
0. November 1913, Abends 7 Uhr. 
Vorlage betreffend Wahl eines Ausschusses zur Vorbereitung der 
Feier des Geburtstages Sr. Majestät dcö Kaisers und Königs., 
Wir schlagen vor, die Feier des Geburtstages des 
Kaisers und Königs, wie in früheren Jahren, so auch dies 
mal wieder durch ein Herren-Festmal zu begehen und für 
die Vorbereitungen einen Ausschuß einzusetzen. Als Mit« 
glieder desselben einpfehlen mir die Mitglieder des vor 
jährigen Ausschusses, nämlich außer dem Herrn Bürgermeister 
die Herren Dracger, Lichtheim, von Wrochem, Eggert, 
Dr. Tänzler, Sachs und Direktor Schröder zu wählen. 
Vorlage betreffend Herstellung eines SchuldicncramtszimmerS im 
Gymnasium. 
Es wird auf die Erläuterungen in der Vorlage Nr. 139 
vom 27. September cr. und auf den Beschluß der Gemeinde 
vertretung vom 2. Oktober er., zuvor eine örtliche Be 
sichtigung vorzunehmen, hingewiesen. 
Vorlage betreffend Prüfung und Entlastung weiterer Jahrcs- 
rcchnungen von 1911. 
Berichterstattung erfolgt mündlich in der Sitzung. 
Vorlage betreffend Bewilligung der Mittel für Errichtung eines 
hohen Drahtzaunes aufdem Spielplatz in der Schwalbacherstraße. 
Seitdem der Spielplatz in der Schwalbacherstraße täglich 
von Kindern zum Spielen benutzt wird, werden seitens des 
Eigentümers des Grundstücks Schwalbacherstr. 10, Herrn 
Rösler, Beschwerden darüber geführt, daß durch herüber 
fliegende Bälle die Fensterscheiben seines Hauses häufig 
zerstört und die in den Wohnungen befindlichen Personen 
sogar gefährdet werden. Wir haben uns daher in 
Gemeinschaft mit dem Bauausschuß davon überzeugt, daß 
die Errichtung eines entsprechend hohen Drahtzaunes hier 
am Platze ist. Wir schlagen deshalb vor, neben dem auf 
der Nachbargrenze befindlichen, von Rösler errichteten 
Drahtzaun auf 3.50 Meter hohen eisernen Stielen einen 
Drahtzaun über dem Rösler'schen Zaun zu errichten, der 
einen genügenden Schutz gegen das Herüberfliegen der Bälle 
bietet. Wir beantragen daher, zu beschließen: Die 
Gemeindevertretung bewilligt zur Verstärkung des Vor 
anschlages V, Abschnitt II, Nr. 9 270 M. für Errichtung 
eines Drahtzaunes auf dem Spielplätze in der Schwal 
bacherstraße. 
Vorlage betreffend Bewilligung der Mittel für Herstellung des 
Spielplatzes auf dem Grundstück hinter dem Friedhof. 
In dem seitens der Gemeindevertretung unterm 26. Juni 
1913 genehmigten Kostenanschläge für die Spielplatzanlage 
an der Laubacherstraße sind 8379,37 M. für Arbeiten ent 
halten, welche durch die Gärtnereiverwaltung ausgeführt 
werden könnten. Da mit dem Herannahen der kalten 
Jahreszeit die in der Gartenverwaltung beschäftigten 
Arbeiter zum größten Teil entlassen werden müßten, falls 
nicht geeignete Beschäftigung für dieselben geschaffen wird, 
halten wir es im Einvernehmen mit dem Bau-, Gärtnerei- 
und Friedhofsausschuß für zweckmäßig, die Erd- und 
Regulierungsarbeiten auf dem Spielplatzgelände ohne Ver 
dingung als Notstandsarbeiten durch die Gärtnereiverwaltung 
in eigener Regie allein durch Friedenauer Arbeiter aus 
führen zu lassen. Es würden dadurch zahlreiche Familien 
väter und sonstige Personen, die eventuell der Armen 
verwaltung zur Last fallen, durch die Arbeit Brot und Lohn 
erhalten können. Wir beantragen daher, die Gemeinde 
vertretung wolle beschließen, die in dem Kostenanschläge für 
die Herrichtung des Spielplatzes in Pos. 1, 2, 3, 4, 8, 16 
und 16 a zur Verfügung stehenden Beträge von insgesamt 
8379,37 M. werden der Gartenverwaltung zur Ausführung 
der entsprechenden Arbeiten in eigener Regie unter der Be 
dingung zur Verfügung gestellt, daß dabei ausschließlich nur 
Friedenauer ortsangesessene Arbeiter beschäftigt werden. 
Mit den Arbeiten ist sobald wie möglich zu beginnen. Die 
über den Anschlag hinausgehenden Mehrkosten werden 
grundsätzlich genehmigt, sind jedoch rechtzeilig vorher zur 
Nachbewilligung anzugeben. 
Vorlage betreffend Bewilligung der Mittel für Errichtung von 
Schutzhäuschen auf dem Gütergotzer Friedhofsgelände. 
In der Denkschrift vom 30. September 1912 betr. die 
Einrichtung des Gütergotzer Friedhofes war auf die Er 
richtung von Schutzhäuschen für die Kirchhofsbesucher bei 
schlechtem Wetter an geeigneten Stellen des Geländes 
Rücksicht genommen. Der vereinigte Bau-, Gärtnerei- und 
Friedhofsausschuß beabsichtigt nunmehr zunächst, zwei der 
artige kleine Dachbauten in einfachster Form an die für die 
Betriebnahme des Friedhofs geeigneten Stellen zur Aus 
führung zu bringen und dieselben je mit Schöpfbrunnenbecken 
zur Benutzung der Friedhofsbesucher zu verbinden. Die 
Kosten dieser kleinen Anlage betragen für das eine Schutz 
häuschen einschließlich des gebrauchsfertigen Brunnenbeckens 
950 Nt. für das zweite 750 M. Es ist bei demselben auf 
Abwechselung in der Gestaltung Rücksicht genommen. Wir 
beantragen daher, in Gemeinschaft mit den bezeichneten Aus 
schüssen, die Gemeindevertretung erklärt sich mit den beiden 
Skizzenentwürfen und Kostenanschlägen für die auf dem 
Gütergotzer Friedhofsgelände zu errichtenden Schutzdächer 
mit Brunnenbecken einverstanden und bewilligt die erforder 
lichen Beträge gemäß den vorgelegten Kostenanschlägen von 
950 M. und 750 M., insgesamt 1700 M. aus Ab 
schnitt XV 3 der außerordentlichen Verwaltung des Vor 
anschlags. 
Vorlage betreffend Bewilligung der Mittel für eine Abortanlage.. 
In der Denkschrift vom 30. September 1912 betr. den 
Sylvias Lbaukkeur. 
Romas von Louis Tracy. 
22. (Nachdruck verboten.) 
„Ich denke, daß wir mit all diesen Erörterungen die 
Situation nicht viel besser machen," fiel der Vicomte ein. 
„Ich danke Ihnen aufrichtig für Ihre freundliche worge 
um mich, gnädige Frau, und ich gebe Ihnen zu Ihrer Be 
ruhigung das Versprechen, das; ich mich keiner Gefahr aus 
setzen und hier auf die Rückkehr meines Chauffeurs warten 
werde. Außer Ihnen gibt es ja wohl niemanden, der 
sich Gedanken darüber macht, was hier aus mir werden 
könnte." ^ ,, _ . , .. 
Das ging natürlich auf Sylvia, und ihre Gutherzigkeit 
empfand es als einen Borwurf, der nicht ganz unverdient 
war. Der Franzoe sing an, ihr leid zu tun, und sie 
wurde nachdenklich. 
„Gibt es denn gar keinen besseren Ausweg? fragte sie 
hastig, denn sie sah, daß der angebliche Westenhol!; bereits 
die Hand am Hebel hatte. 
Er drehte sich nach ihr um, da die rirage direkt an 
ihn gerichtet worden war. 
„Einen Ausweg — zu welchem Ziel, Mist p>endle- 
„tlm meinen Freund aus dieser Schwierigkeit zu be- 
frcicu.'i . .. 
„Wenn Herr de Marigny es vorzieht, kann er >a 
natürlich auch mit uns fahren und sei. en Wagen über 
stacht hier stehen lassen. Es ist immerhin » cht ganz 
unmöglich, daß er ihn morgen noch an derselben Stelle 
vorfinden würde." 
„Was meinen Sie dazu, Herr Vicomte? 
, Ich meine, daß es einfach eine blödsinnige ^,nniu- 
tuna ist, nieinen Wagen im Stiche zil lasse». Ich bitte 
die Herrschaften vielmehr, sich meinetwegen nicht im min- 
desteii zu beunruhigen. Ich warte hier auf mei.>en 
Chauffeur, und ich werde in Bruchsal sein, »och ehe Sie 
»sil Iyrem Abendessen fertig geworden sind." 
Obwohl es bei der Schmalheit und dcr elenden Be 
schaffenheit des Weges eine außerordentlich schmierige Aus 
gabe war, mit dem Auto zu wenden, löste Hainingen sie 
doch mit beinahe spielender Leichtigkeit. Zu», ersten Male 
beachtete der Franzose bei dieser Gelegenheit die Nummer 
des Wagens. 
„X L 400", wiederholte er bei sich selbst, um sie in 
seinem Gedächtnis zu bewahren. „Ich muß unbedingt 
herausbringen, wer der Eigentümer und wer dieser son- 
derbare Chauffeur ist. Riedberg oder Schmidt werden schon 
ein Mittel finden, es festzustellen. Wenn das alte Weib 
nur ein bißchen gesunden Menschenverstand hat, muß 
es doch jetzt Himmel und Erde in Bewegung setzen, um 
den gefährlichen Burschen möglichst noch an diesem Abend 
für immer aus Sylvias Nähe zu entfernen." 
Das „alte Weib", mit welcher despektierlichen Be 
zeichnung er in seines Herzens Stille die würdige Baronin 
von Riedberg belegt hatte, dachte im nämlichen Augenblick 
genau dasselbe wie er. Und ihr erfinderischer Geist 
wälzte bereits die verwegensten Pläne, wie das ersehnte 
Ziel am schnellsten und sichersten zu erreichen sein möge. 
Aber sie hütete sich weislich, ihren Wünschen Sylvia gegen 
über schon jetzt Worte zu verleihen. Als sie die Höhe des 
nächsten Hügels erreicht hatten, sagte sie in jenem Tone 
mütterlicher Fürsorglichkeit, den sie zu Zeiten aufs beste zu 
treffen wußte: 
„Es ist fürwahr ein ereignisreicher Tag gewesen, den 
wir nun bald hinter uns haben werden. Und ein sehr er 
müdender dazu, denn ich glaube, wir haben alles in 
allem nicht weniger als zwölf Stunden im Wagen zu 
gebracht." 
Sylvia, die beim Klang der durchdringenden Stimme 
wie aus träumerischem Nachdenken aufgewacht war, fragte 
statt der Erwiderung: 
„Wie, in aller Welt, hat Westenholtz entdeckt, daß wir 
auf den falschen Weg geraten waren? Nach allem, was 
ich jetzt weiß, erscheint es mir fast wie ein Wunder." 
„Oh — es ging ziemlich einfach zu. Wir waren in 
einem sehr schnellen Tempo von Heckbronn abgefahren — 
in einem lebensgefährlich schnellen Tempo, wie ich Ihnen 
mit gutem Gewissen versichern kann, liebe Sylvia! Ich 
erwartete in jedem Augenblick, daß der Wagen und wir 
zu tausend Trümmern zerschellt werden würden. Aber ich 
machte Wcstenholtz keinen Borwurf, denn auch ich hatte 
ja den Wunsch, Sie so bald als möglich zu erreichen, 
und außerdem war in meinem Innern jo etwas wie eine 
unbestimmte Ahnung, daß Sie meinerHilfe bedürfen könnten. 
Als wir dann von einer Höhe aus, die weitesten Ueber- 
blick über die Landstraße gewährte, noch immer nichts von 
dem Wagen des Vicomte erspähen konnten, kamen wir zu 
dem Schluß, daß er einen falschen Weg eingeschlagen haben 
müsse. Wir berieten uns und kamen überein, daß es 
zweckmäßig sein würde, Sie auf der Seitenstraße zu suchen. 
Ich kann Ihnen gar nicht sagen, Teuerste, wieviel Angst 
und Sorge ich seit jenem Augenblick um Sie ausgestanden 
habe." 
„Hielten Sie sich denn noch so lange in Heilbronn 
auf? Wenn Westenholtz, wie Sie sagen, ein so rasendes 
Tempo inneh elt, wie ist es dann möglich, daß er uns 
nicht schon vor jener verhängnisvollen Wegkreuzung einge 
holt Hai?" 
„Meine Korrespondenzen hielten mich allerdings etwas 
länger auf, als ich es vorausgesehen hatte. Und ich war 
eben damit fertig geworden, als nur Westenholtz seine unver 
schämte Botschasi sandte." 
„Unverschämt?" 
„Ich kann es unmöglich anders bezeichnen. Er ließ 
mir durch eine Person aus der Dienerschaft sagen, daß er 
ohne mich abfahren wurde, wenn ich nicht aus der Stelle 
käme. Es war das Ungeheuerlichste, was ich mir jemals 
von einem tief unter mir stehenden Menschen bieten lassen 
mußte. Und ich werde sehr froh sein, wenn Bartels end. 
lich den Platz diejes Mannes einnimmt. Aber ich weiß
        
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