Path:

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Die bunte Mocbe 
Plauderei für den „Fricdcnaucr Lokal-Anzeiger". 
Berlin, den 31. Oktober 1913. 
Otto Ernst, der Nietzschetötcr. — Dichter bleib bei Deinem Leisten! 
— Ibsen im Kientopp. — Der Kaiser und der Film. — Emmy 
Destinn im Löwenkäfig. — Lebensgefährliches Gedränge. — 
Der Berliner Straßenpödel. 
In Berlin herrscht große Aufregung. 
Otto Ernst aus Hamburg, der liebenswürdige „Appelschnut"- 
Tichtcr, ist augenblicklich damit beschäftigt, Nietzsche noch einmal 
zu töten. 
Warum muß so etwas immer in Berlin vor sich gehen? 
Warum geht Otto Ernst nickt nach Peking oder nach der 
Pfefferküste, wenn er so etwas vorhat! 
Otto Ernst Schmidt, wie sein eigentlicher Name lautet, hatte 
drei Vorträge angekündigt, von denen ich gestern den ersten be 
sucht habe. 
Im Chvralionssaal holte der Dichter mit seinen kurzen Aermchcn 
zum ersten Schlage aus. Mir tut heute noch der Schädel weh. 
Was Herr Schmidt alles gegen das Wirken Nietzsches vorbrachte, 
weiß ich nicht mehr. Ich halte den Eindruck, daß es sich bei dem 
Redner um einen bedauernswerten Rückfall in seine frühere Tätig 
keit als Lehrer der Abc-Schützen handele. 
Er stand, kurz und Beleibt, vorne auf dem Katheder und schivang 
den Bakel gegen den Geist einer neuen, von ihm anscheinend noch 
nicht verdauten Zeit Herr Schmidt sagte, die Philosophie 
Nietzsches sei die eines begabten aber leider frühreifen 
Gymnasiasten . . . 
Unter den Biele», die gegen solche Anmaßung murrten, war 
auch ich. Ich ging auch nach anderthalb Stunden, mitten in den 
peinlichen Plattheiten, fort. Der aber, der die Türe beim Hinaus 
gehen so furchtbar zuknallte, war nicht ich. Ich kenne ihn aber. 
Er ist Privatdozent und ein kluger, bedeutender Kopf. 
Das Ergebnis: Herr Schmidt aus Hamburg hat keinen Hauch 
von Nietzsches Geist verspürt. Mit dem traurigen Dilettantismus 
des bierehrlichcn Autodidaktaten ist der gewnlligen Schatzkammer 
dieses geistigen Welt-Souveräns nicht beizukonimen. Ter dithy 
rambische Aeonenklang, der aus der umwertenden, erstaunlichen 
Produktionsfülle dieses reichen, schöpferischen Geistes drang, wird 
nicht übertönt von der philosophischen Kindertrompetc des 
Herrn Schmidt aus Hamburg. Dem Dichter und Fabulierer 
Otto Ernst ivollcn wir stets dankbar sein für die reichen liebens 
würdigen Gabe», die er uns seit Jahren schenkte. Den Philo 
sophen Otto Ernst müssen wir mit einer schlechten Zensur »ach 
Hause schicken. Selbst auf die Gefahr hin, einen „großen Geist" 
der deutschen Literatur nach Verdienst gescholten zw haben. 
„Auch große Geister haben nur ihre fünffingcrbreite Erfahrung. 
Gleich daneben hört ihr Nachdenken ans und cs beginnt ihr unend 
licher leerer Raum und ihre Dummheit." 
Also sprach Zarathustra. 
Wir aber wollen von etwas anderem sprechen. 
Vom Kicntopp. 
Eine schwedische und eine Berliner Filmkonipagnie haben das 
Recht erworben. Ibsens Werke zu verfilmen! Das ist eine 
trostlose Nachricht in einer Zeit, in der man gerade erlebt halte, 
daß selbst die ersten Künstler das Kino nicht auf jene Höhe heben 
können, die Enthusiasten erträumten. Tie Kunst steht weinend 
abseits, während die Technik prachtvolle Triumphe feiert. Ter Film 
kann uns wohl die lichte Pracht der schönen Erde zeigen. Er 
spiegelt das Wachsen einer Lilie nnd läßt uns entzückt und staunend 
in die Wunderwcrkstatt der gütigen und geheimnisvollen Natur blicken. 
Aber das starre Spiel Taubstummer, die nur mit Füßen und 
Händen reden, konnte uns nie Wert und Inhalt eines Dramas 
näher bringen. Die süßen und herben Lame glanzvoller Sprache 
fehlen. Wohl sind sentimentale Rührstücke, lui denen selbst die 
hartgesottensten Sünder ein paar Tränen aus ihren Augen preffen, 
möglich. Aber Schiller und Goethe hätten sie uns lassen können! 
Auch Tolstoi und Shakespeare. Von dem großen Troß der Epigonen 
garnicht zu reden. Und nun wird die spröde Muse des großen 
Magus aus dem Norden auf das Schaffst geschleift , Schade 
um all diese Herrlichkeit. Trotzdem der Kaiser gesagt haben soll, 
er sei gespannt ans „Peer Gynt". 
Ta bleibt dem Erdeitsohn nichts anderes übrig, als einen 
Dithyrambus auf den Kientopp anzustimmen und wehmütig die 
erkältete Leier zu schlagen: 
Melpomenens heilgc Räume, 
ach, wie waren sie uns wert, 
als sie uns noch Blütcnträume 
hoher, cd er Kunst beschert. 
Doch jetzt gibts Eines, das noch heilger ist 
als aller Musen Wunderland, 
das ist, sofern Jhr's wirk ich noch nicht wißt, 
das ist der Kicntopp mit der Leincwand. 
Wer itoch nie in seinem Leben 
in der Flimmerli-'e ivar, 
hat der Achtung sich begeben; 
er veiblödet ganz und gar. 
Wem Asta Nielsen nie das Herz verzehrt, 
wer nie im Film die höchsten Werte fand, 
der kennt Dich nicht, wer niemals Dich entbehrt, 
erhabner Kientopp mit der Leinemandl 
Selbst der Kaiser, sagen Weise, 
ist dem Kino wohlgeneigt. 
Wöchentlich in seinem Kreise 
wird ein neuer Film gezeigt. 
Und kommt der Kaiser abends spät nach Haus, 
fragt die Gemahlin: „Na, wo warst Tu, Wil'm?" 
„Auguste, ich war schnell iin Lichtspielhaus, 
dort gab es heute doch 'neu neuen Film!" 
Drum in frohbewegten Weisen 
wollen wir mit Jubclruf 
Edison den Großen preisen, 
der den Kicntopp uns erschuf. 
Gesprochenes Wort, — wir kennen dich nicht nichr! 
Fort mit der Bühne antiquiertem Tand! 
Wir trennen uns im Leben nimmermehr 
von unserm Kientopp mit der Leincivand! 
Heute Morgen hat Emmy Destinn übrigens in einem Löwen 
käfig im Dienste der Kientopp-Muse ein Debüt gegeben. Für das 
Drama „Die Löwenbraut" der Deutschen Bioskopgcscllscha't 
niußte die Künstlerin in einen großen Löwenkäfig steigen, in bei» 
ein Flügel stand. Die Dompteuse spielte am Flügel, ivährend 
Emmy Destinn beherzt auf den riesigen Löwen zuging, der aus dem 
Instrument lag. 
Das war nun keineswegs der berühmte Löwe der Seestadt 
Leipzig, den die vereinte Schutzmannschaft mit 164 Schüssen durch 
löchert hatte! Nein es war ein richtiger, lebendiger Löwe. Aber 
kühn, wie Ritter Delorges, schritt Emmy Destinn in den furchtbaren 
f winger, legte ihren Arm in die Mähne des Leun und sang ihre 
öwcnarie. 
lind nach der Diva stieg Mizzi Wirth seligen Angedenkens 
in den Käfig und spielte und sang »och freier und kühner, als die 
große Destinn. 
Ich kann es verstehen, daß Fräulein Wirth sich im Löivenkäfig 
wohl fühlt. Das ist der einzige Ort, an dem sic vor der Schar 
ihrer Gläubiger sicher ist, die ihr vor zwei Jahren doch einmal so 
erheblich zusetzten, daß die Tanie in der Kleidunq und Maske ihrer 
eigenen Kammeffrau fliehen mußte. In die Wohnung, in das 
Theater, in's Auto, — üb rall sind die hartherzigen Manichäer 
dem armen Mieze.l nachgestiegen. Vor dem Löwenkäsig werden 
sie Halt machen. 
Es gibt noch eine Grenze, 
ivo harte Alcnschlichkeit 
in Herzensmilde weise sich verwandelt . . . 
Herr von Schiller hat, glaube ich, diese prophetischen Worte 
gesprochen 
Aber er hat die Berliner von heute noch nicht gekannt, 
als er solch optimistischer Lebensauffassung Worte lieh .... 
Der Berliner Schaupöbel kennt keine Grenze der Menschlichkeit 
wenn es gilt, nach Johannisthal zu fahren, um die Luflpurzcl- 
bäume des französischen Fliegers Pögoud zu sehen. Ta werden 
Frauen übcrrannt, Kinder zertreten, Bahnhofsbeamteniedergeschlagen, 
Schutzleute mit frecher Liope gehöhnt. 
Ich fuhr heute Mittag durch den Bahnhof Schöneberg und 
sab, wie der Pöbel am andern Geleise sich drängte, lim auf das 
abgesperrte Bahnhofstcrrain zu gelangen, wurden Gitter nieder 
gerissen nnd Männer nnd Frauen kletterten durch die recht schnialen 
Fenster eines Königlich Preußischen Bahnabortes. Ach, wenn sie 
doch alle zurückgefallen waren in die weiten Gruben! 
Tann wurden die Züge gestürmt! 
Ein Schutzmann saufgebot von 50—60 Beamten war ans 
jedem Bahnhof der Strecke Berlin-Schoneweide notwendig, um 
die Leute von den Dächern der Züge herabzubolcn. Tatsache ist, 
daß in einem Abteil, in dem gewöhnlich 8 Personen Platz haben, 
40 und mehr Leute gequetscht standen nnd in den Gepäcknetzen 
lagen. Das ist kein Witz. Das ist des Landes hier so Brauch. 
Sogar unser friedlicher Wilmcrsdors-Friedenauer Zug wurde 
sofort beim Einlaufen in den Bahnhof gestürmt; und man hatte 
Mühe, den Leuten klar zu machen, daß cs noch Züge gab, die nicht 
nach Johannisthal fahren! 
Wir verdanken dem kühnen Lustklown nicht weniger als 
7 Todesfälle, die sich in dem Gedränge zugetragen haben, ferner 
40 Ohnmachten von Frauen und Kindern und weit über hundert 
Verletzungen auf de» Bahnhöfen. 
Ich habe die Hauptstädte aller 5 Weltteile gesehen, habe in 
Newyork und Cidney große nationale Feiertage erlebt. Mit prunk 
vollen Zügen und entflammten Herzen; mit unzähligen Massen im 
Begeisterungstaumel. Ich habe die Vcrgleichsmöglichkeit zu sagen, 
daß keine Stadt nne solch undiziplinicrle Menge auszuweisen hat, 
wie Berlin. 
Wobei ich aber nicht unterlassen will, die Berliner Redensart 
wiederzugeben, die eine Ehrenrettung der Leute an der Spree sein 
soll und die lautet: „Wenn wat los war, wo et dufte herjing, da 
waren allenial kecne Berliner, sondern nur die Zugereisten dabei!" 
Heinr. Binder. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Publikum uud Nachtwachweseu. Das pnoat 
organisierte Nachivachmesen, vor wenigen Jahren noch un 
bekannt, gilt heute mit Recht als eine ebenso nötige wie 
wertvolle Ergänzung de§ polizeilichen Sicherheitsdienstes. 
Groß ist schon die Anzahl jener, die den unmittelbaren 
Nutzen der Einrichtung praktisch erfahren haben. Darum 
erweckten auch die Verhandlungen des Internationalen Kon 
gresses für das Nachtwachwesen, der am letzten Sonntag 
nnd Montag in Leipzig tagte, weit über den Kreis der 
Fachleute hinaus lebhaftes Interesse. Das gilt vor allem 
von einer bedeutsamen Rede, mit welcher der Leiter der ver 
einigten Betriebe der Nachtwach-Gesellschaft für Charlotten 
burg und die Vororte Berlins uud der Berliner Nachtwach- 
Gesellschaft Baron von Wrangcl den Kongreß eröffnete. 
Alle Interessentenkreise dürfte cs mit Befriedigung erfüllen, 
daß Baron v. Wrangel nachdrücklich hervorhob, den ernst 
haften Nachtwachunternehmungen sei eine ständige Kontrolle 
ihrer Tätigkeit durch die Oeffcntlichkeit nicht nur nicht un 
erwünscht, sondern im Gegenteil höchst willkommen als das 
beste Werbemittel; es sei klar, daß das Wirkungsfeld dieser 
Unternehmungen sich in dem Maße erweitern müsse, in dem 
jene Schichten der Bevölkerung, die bisher dem Nachtwesen 
noch gleichgültig gegenüberstehen, von seinem Werte über 
zeugt würden. An die Adresse der Eigentümer zu be 
wachender Objekte richtete der Redner die gewiß beachtens 
werte Mahnung, nicht zu vergessen, daß im Nachtwach- 
betricbe ein Hinabdrücken der Preise unter eine bestimmte 
Grenze nicht nur eine Verschlechterung der Leistungsqualität 
notwendigerweise einschließe, sondern auch unter Umständen 
jeden Wert der Bewachung vernichten könne. Schlechte Be 
wachung sei eben oft so gut wie gar keine Bewachung. 
Aus dem weiteren Verlauf des Kongresses märe hervorzu 
heben, eine öbenso eingehende wie interessante Darstellung 
^des inneren Betriebes der Nachtwach-Unternehmungen, die 
der bekannte hervorragende Fachmann des Nachtwachwesens 
Direktor Salonion (Vereinigte Betriebe der Nachtwach-Ge 
sellschaft für Charlotteubnrg uud die Vororte Berlins uud 
Berliner Nachtwach-Gesellschaft) gab; sie war wohl in erster 
Linie auf Fachkreise berechnet, enthielt aber auch eine Reihe 
von Gesichtspnnkten, welche die breite Oeffentlichkeit inter 
essierten. Ermähnt sei schließlich noch, daß der Kongreß 
einem Vortrage des Schriftstellers und Reklamefachinannes 
Alfred Werre-Beilin lebhaft zustimmte, in dem dieser eine 
nachdrückliche gemeinsame Werbetätigkeit der Nachtwach 
unternehmungen zll dem Zwecke empfahl, die Bevölkerung 
über den Wert und die Anfgaberi des Nachtwachmescns auf 
zuklären. Die vorgeschlagene großzügige Werbetätigkeit 
berührt die Oeffentlichkeit insofern, als jede Ausdehnung 
des Betriebes der ernsthaften Nachtwach-Unternehmungen 
eine Verbesserung der allgemeinen Sicherheitsoerhältnisse 
bedeutet. 
Vermischtes 
*o Allerheiligen. Ter 1. November ist in der katholischen 
Christenheit ein deni Andenken aller Heiligen geweihter Festtag. 
Cr schreibt sich aus dem Jahr 610 her und wurde anfangs in der 
griechischen Kirche am Trinitatisfest, also am Sonntage nach 
Pfingsten gefeiert. Mehrere Jahrhunderte hindurch hat jedoch kein 
kirchliches Fest zu Ehren aller Heiligen stattgefunden; es bestand 
früher nur ein Fest der heiligen Apostel uud Märtyrer, welches in 
die Osterzeit fiel. Das jetzige Allerheiligenfest ist späteren Ur 
sprungs, und dessen Entstehung erzählt der große Kirchenlehrer 
Beda'in folgender Weise: „Wir lesen in der Kirchengeschichte, daß 
der heilige Bonisazius, welcher Papst von 608 bis 615 die Kirche 
regierte, auf seine Bitte von dem Kaiser Phocas einen Tempel zu 
Rom zum Geschenk erhielt, welcher von altersher das Pantheon 
hieß, weil er gleichsam sür die Verehrung aller heidnischen Gölter 
bestimmt war. Den Tempel wandelte St. BonifaziuS in eine 
christliche Kirche um; das ganze Volk kam nun am 1. November 
in der zu Ehren aller Heiligen geweihten Kirche zusammen, und 
nachdem dort von dem Obcrhaupic der Kirche eine Messe gehalten 
und alles nach Vorschrift vollendet war, kehrte ein Jeder voll 
Freude nach Hause zurück." Hierdurch entstand der Beschluß, daß 
überall aus dem ganzen Erdenkrcis die Verehrung und Gedächtnis- 
seier aller Heiligen am 1. November begangen werden sollte und 
seither in der Tat auch wird. 
*o Allerseelen! Ein ernster stiller Tag in der katholischen Kirche dem 
Gedenken derer geweiht, die uns ein unerbittliches Geschick entrissen. 
Liebende Hände schmücken heute die schlichten Hügel draußen auf dem 
friedlichen Gottesacker mit Blumen und Kränzen und bekunden damit, 
daß es noch etwas Höheres in der Welt gibt, als den vergäng 
lichen Mammon, nach dein die meisten Menschen sinnlos jagen, 
daß Erinnerung, Treue, Verehrung, Liebe über die irdische Zeit 
hinaus dauern uud dem Himmel angehören, daß aber auch diese 
himmlischen Tugenden in unsrer materiellen Zeit nicht ausgestorben 
sind. Wahre Liebe hört ninimer auf, ein Trost in der öden leeren 
Zeit, die jetzt mit symbolischen Einklang in der Natur ebenfalls das 
Bild des Todes veranschaulicht. Raschelnd treibt der Wind die 
verwelkten Sinter über die Fluren, die Zeichen entschwundenen 
Lebens und die langen Hügelreihen aus dem Friedhof verkünden 
dem noch Lebenden: „Ter Mensch ist ivie des Grases Blume, und 
wenn der Wind darüber geht, dann ist sie »im ner da." Manch 
rührender Moment ereignet sich an der Stätte des Friedens. Auf 
einem frisch aufgeworfenen Hügel, dessen Stein den Namen eines 
Mädchens trägt, legt tränenden Auges ein junger schwarzgekleideter 
Mann einen Äiyrlcnkraiiz; dort schmücken kleine unbeholfene Kinder 
hände das Grab d>r treue liebenden Mutter, die ihnen der uncr- 
biltliche Tod entrissen, während der Gatte tief gebeugt ihre letzte 
Ruhestätte betrachtet; hier kommt ein . altes Mütterchen daherge- 
wankt mit einem unscheinbaren Kranz in den zitternden Händen, 
uni vielleicht zum letzten Male den Ort zu bekränzen, der die Reste 
ihres treuen Lebensgcsährtcn birgt, ohne'welchem ihr die'ganze 
Welt selbst öde wie eu> Grab geworden ist. Und wenn auch die 
Gaben nach den Verhältnissen verschieden sind, ihr Wert richtet sich 
nicht nach dem äußeren Schein, sondern nach der Gesinnung, nach 
der Treue und Liebe im Herzen derer, welche sie spenden. Ja, es 
mögen auch Spender mit vollen Händen dabei sein, die auch hier 
nach der Mode riichen, bebändert,n Blumenschmuck niedeilcgcn, 
ohne daß ihr Herz ckivas fühlt. Sie mögen umschauen, ob auch 
jemand ihren Reichtum bemerkt, ihre Gabe hat keinen Wert, ihr 
fehlt die Liebe. Der arme Geber mit dem einfachen Kranze, den 
aufrichtige Liebe spendet, tauscht nicht mir jenen. Er trägt seinen 
Reichtum, der nie vergeht, im Herzen. 
Literarisches 
Trowitzsch's (Vo'ks)Kalendcr 1914. (Geb. 1 M.) 87. Jabr- 
gang, Trowitzsch & Sohn Berlin SW. 48. Auf den neuen Iah - 
gang 1914 möchten wir besonders warm empfehlend hinweisen und 
namentlich das gebildete Lesepublikuin auf ihn aufmerksam machen. 
Das mit feinfühligem Verständnis zusammengefügte Buch läßt es 
den gebildeten . Leser nicht bereuen, wenn er diesen Kalender in 
seine Bücherei einreiht. Aus dem reichen Inhalt sei zunächst ein 
vaterländischer Rückblick ermähnt, den A. O. Klaußmann den fort 
schreitenden Befreiungstatcir von 1814 und 1815 weiht. Darauf 
ein kurzes Lebensbild des berühmten Vcrlagsbuchhündlers und 
echten Mannes Friedrich Perthes Und seiner Frau, die besonders 
schwer unter der Franzoscuherrschajt zu leiden hatten. In die 
moderne Zeit führt uns höchst interessant Ernst Niemanns „Deutsche 
Arbeit". Dr. Val. Scherer gibt einen willkommenen Ileberblick 
über die Entwickelung der Balkanstaaten, und wie lmm;t findet 
sich eine geschichtliche Ileberschau des vergangenen Jahres in einem 
reich illustrierten Artikel verzeichnet. Der unterhaltende Teil, der, 
je nach Eigenart der Verfasser, neben dem Ernst den köstlichen 
Humor zur Geltung bringt, weist Namen auf wie K. v. Becker, 
Luise Koppen, Frida Schanz, Paul von Szczepanski, S. v. Adelung, 
M. Kritzingcr. Reiche Illustrationen, Anekdoten, Rätsel, Gedichte 
und dgl. sorgen sür Kurzweil, während der mit besonderer Sorgfalt 
ausgeführte praktische Teil mit allem wissenswerten in Astronomie,_ 
Meeres-!und Erdkunde, in Handel und Wandel, Haus und Land 
wirtschaft Samariterpflege und Postwesen den Kalender zu einem 
ivertoollen Nachschlagcbuch macht. Ter Preis beträgt nur 1 M. 
delika 
R 
v 
vermischte anzeigen 
3 
Wer beteiligt sich an besseren 
Kegelklub 
in Friedenau? Offerten unter 
K. L. 99 a. d. Exvd. d. Bl. 
Nebenanschluß, alleinigen, hat 
abzugeben an Privatmann [9331 
Bundermailn, Rubcnsstr. 27. 
Ein Würfel von MAGGI* Familien-Suppc zu 10 Pfg. wird fein zerdrückt, mit etwas kaltem Wasser sorgfältig zn dünnem 
Brei angeriihrt und in stark 1 / 2 Liter siedendes Wasser gegossen. Noch dein Wiederanskochen 20 — 25 Minuten bei kleinem Feuer kochen lassen 
Man verlange ausdrücklich MAGGI* Famlllen-Suppe. 
Modistin für elegantest!, einfach 
Kleider cmpf. sich auß. Hause, 3 50. 
9349s Hägerbarth, Jllstr. 8. 
Allen Zuüerlranken 
teile aus Tankb. unenigl. mit wie 
ich vor 4 Jahren vom sichern Tode 
gerettet, zuckerfrei wurde, sodaß ich 
wieder alles essenünd trinken konnte. 
W. Hartwich, Verlin-Baum- 
schulcnweg, Schraderstr. 13. 
«MDWHUIlBCn« 
ernste u. heitere Vorträge, Tafel 
lieber, Tischreden, Hvchzcitszeitung 
re., auf die Person passend, schnell 
gut, billig. Wilb. Hauffstr. 7. III 
WWW8L-LKL 
Roonstr. 22, empfiehlt sich z r 
Ausführung von Gartenarbeiten. 
In Friedenau u. Steglitz 
gelungene.Hunde u. Kutzen 
abzuh. Tierasyl Steglitz, Wiescn- 
weg 5 (Lcgit) Sonnt, nur b. 3 Uhr. 
Nicht abgeh. au Tierfr. billig abzug. 
Tüchtige Schneiderin empf. sich 
sich in u. außer dem Hause auch 
für Kostüme u. Aenderungen. 
M. Teichmann, Hertelstr. 3 III l. S. 
% 
ftfitO in ® amt u - Pelz bezieht auf 
iHllt eieg. schicke Formen, llniarb. 
Wiener Putz-Atelier, Hähnelstr. 18. 
MelM KlllvllMtteii 
Mcnzelstr. 4 pa-t. 1929? 
Ausbesserin (sauber) in Herren- ». 
Dameugard. wünscht noch Be- 
schästiguiiq in und außer Hause. 
Peschkestr. 10.1 Grth., M. Gericke. 
SanöUieüittUlcria 
crfolgsichcr. Wagner, Peschke- 
straße 9, Glh. I. Amt Steglitz 1482. 
@Ut. MlllMllWW 
Preis 1 M. Wilh. Hauffstr. 15,I 
editEiömaiinerÄ ... 
billig ii. exakt. Ltegl., Peschkestr. 9. 
Wäsche u. Kleider werden aus 
gebessert bei Frau Heinrich. 
Cranach'tr. 33 1 l. s9099 
linder flechtet sauberNohrstühle 
Kleemann, Odenwaldstr. 2
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.