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Periodical volume Nr. 229, 29.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Kriederrarree 
Unparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
Angelegenheiten. 
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Rheinstr. 15, 1,50 M. vierteljährlich; durch 
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Jeden Mittwoch: 
CCUtjblatt „Seifenblasen". 
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Erscheint täglich aöends. 
Zeitung.) 
Organ für den Kriedenauer Ortsteil non Zchdneberg und 
Ze^irksnerein Züdmest. 
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Blätter für deutsche fraueti. 
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Wr. 258. 
fernkprecher: Hmt pkalzborg 2129. 
Aerlin-Ariedenau, Sonntag, dm 2. Wovemöer 1913. 
20. Ilchrg. 
^6res8dueKkür priecienau 
19H (11. Jahrg.j SsS" 
Anreizen 
für den neuen Jahr 
gang l'.ll l) w.rdcn 
schon jolit ango- 
Doinmon. Die Pre ! *e sind hi bg, weshalb 
wir auch diesesinal wied. r . ino rc^o 
1’ctcilignng am Hiklainet.il des so gut 
eingeführten „Adressbuch für Friedenau“ 
erwarten. Verlangen Fio uns. Vertr ler. 
Dcpetcben 
Letzte Nachrichten 
Berlin. Die heutige Ausgabe des Militärwochen- 
blatts bringt über die Veränderung in der militärischen 
Stellung des zum Herzog von Brauuschioeig berufenen 
Prinzen Ernst August von Cumberland folgende Mitteilung: 
Herzog zu Braunschweig und Lüneburg K. H., bisher Ritt 
meister und Eskadronschef im Husarenregiment von Zieten 
(Brandenburgisches) Nr. 3, aus Anlaß seines Negierungs- 
antrilts zum Obersten ä ln Suite des gedachten Regiments 
ernannt; Derselbe wird außerdem an der Spitze und in den 
Listen des Braunschweigischen Infanterieregiments Nr. 92 
und des Braunschweigischen Husarenregiments Nr. 17, deren 
Uniform er anlegt, geführt. 
Berlin. Der frühere türkische Finanzminister Dschawid 
Bei, der mit de» Verhandlungen zwischen deil türkischen 
und deutschen finanziellen und politischen Kreisen beauftragt 
ist. ist heute Mittag aus Wien hier eingetroffen. Er wurde 
am Bahnhof von dem türkischen Botschafter Mahmud Muktar 
Pascha empfangen und ins Hotel Adlon geleitet, wo er ab 
gestiegen ist. 
Oberschöneweide. Hier ist der ehemalige Mediziner 
und Magistrarsbürogehilfe MaxKikebusch unter dem dringenden 
Verdacht, seine drei Kinder vergiftet zu haben, festgenommen 
worden. 
Posen. EineBombeist.'gesternimHofe desUrsulinerinnen- 
klosters in Eesto Galende gefunden worden. Die polizeiliche 
Untersuchung ergab, daß die Bombe sehr stark geladen war 
und daß eine Explosion ein großes Unglück hätte hervor 
rufen können. Man vermutet in dem Attentat das Werk 
eines Anarchisten. Die polizeilichen Nachforschungen nach 
dem Attentäter sind bis jetzt erfolglos geblieben. 
Mailand. Der Po ist infolge der Regengüsse der 
letzen Tage über die Ufer getreten und die ganze Poebene 
steht unter Wasser. Auch der Tessin führt Hochwasser. Die 
Mehrzahl der Dörfer in der Ebene ist vom Wasser bereits 
umspült; der Einwohner hat sich eine große Panik be 
mächtigt. Der Zugverkehr ist auf verschiedenen Strecken 
unterbrochen, da die Eisenbahndämme unterspült sind. In 
Venedig steht der Markusplatz völlig unter Wasser. Das 
Hochwasser hat besonders in Piemont großen Schaden an 
gerichtet. 
Neuyork. Ter Kapitän der „Lusitania", die in den 
hiesigen Hafen eingelaufen ist, teilt mit, daß das Schiff eine 
überaus schwierige Fahrt gehabt habe. Auf dem Ozean 
wütete ein furchtbarer Sturm, verbunden mit hoher See, 
besonders am letzten Dienstag. Die Wellen hätten eine 
Höhe von 50 Fuß erreicht. Ein Matrose wurde von den 
Wellen erfaßt und über Bord geschleudert. Die „Lusitania" 
ist mit ihren 31 550 Tonnen eines der größten Schiffe der 
englischen Eunard-Linie. 
SckulzabnpNege in cleulseben 
Städten. 
Im Nachfolgenden werden die Ergebnisse einer Rund 
frage der Zentralstelle des Deutschen Städtetages über die 
Schulzahnpflege bekanntgegeben. In die Erhebung einge 
schlossen wurden sämtliche Verbandsstädte, d. s. 182 Städte 
mit mehr als 25 000 Einwohnern, von denen alle bis auf 
zwei die ausgesandten Fragebogen vollständig beantworteten. 
Eine intensive Schulzahnpflege erfordert Schulzahn 
kliniken. Solche Kliniken bestehen in 45 Städten als 
städtische Einrichtungen. — Wenn wir an der Hand der 
nachfolgenden Uebersicht ihre Verhältnisse einer näheren Be 
trachtung unterziehen, so finden wir zunächst, daß sich in 
jeder der vier Abteilungen bereits eine größere Anzahl von 
Städten dieses Tätigkeitsgebietes angenommen hat. Es be 
gegnen uns 11 Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern, 
15 Städte mit einer Bevölkerung von 50-—100 000 und 
10 mit einer solchen von 25-—50 000. — Die Kliniken 
stammen in ihrer Mehrzahl erst aus den letzten Jahren. 
Als älteste Einrichtungen sind die städtischen Schulzahn 
kliniken von Darmstadt und Straßburg i. E., beide aus 
dem Jahre 1902, zu nennen. Im Jahre 1905 folgten 
Mülhansen i. E. und Offenbach, im Jahre 1807 Altona, 
Bielefeld, Colmar, Erfurt, Freiburg i. Br. und Ulin. In den 
Jahren 1908—1910 schlugen 12 weitere Städte den gleichen 
Weg ein. 10 Städte zählt das Jahr 1911, 8 das Jahr 
1912 und 5 die erste Hälfte des laufenden Jahres. — Der 
Kreis der der Zahnpflege unterstellten Schulen beschränkt 
sich in der Regel auf die Volksschulen. In Berlin-Schöne 
berg, Charlottenburg, Köpenick, Metz und Worms sind 
daneben die Kleinkinderschulen (-gärten) einbezogen, in 
Berlin-Schöneberg außerdem von den Mittelschulen die Zög 
linge, die Freistellen haben oder die aus Gemeindcschulen 
übergetreten sind, und in Charlottenburg außerdem die 
Freischüler der höheren Lehranstalten. Erfurt schließt die 
Kinder der Provinzial-Taubstummenanstalt und Gotha die 
Kinder der Seminarschule ein. In Beniburg, Leipzig und 
Rostock wird die Schulzahnpflege außer in den Volksschulen 
auch in den Bürgerschulen ausgeübt, in Colmar, Duisburg, 
Elberfeld, Harburg, Mülhausen i. E., Offenbach, Potsdam 
(Mädchenschule), Saarbriicken, Straßburg, Stuttgart und 
Ulm auch in den Mittelschulen. Am weitesten ist der Kreis 
in Sterkrade gezogen, wo er auch die im schulpflichtigen 
Alter stehenden Zöglinge der höheren Schulen umschließt. 
Besonders ist schließlich noch Köln zu erwähnen. Die 
dortige Zahnklinik behandelt außer den Volksschulkindern 
auch Stadtarme und Hospitalkranke. 
Bezüglich des in den städtischen Schulzahnkliniken 
tätigen Personals wurden die Fragen auf die zahnärztlich 
(nicht zahutechnisch) vorgebildeten Personen beschränkt. Ins 
gesamt wurden in den aufgeführten Kliniken, abgesehen von 
Bonn, das die Zahl nicht angeben kann, 62 Zahnärzte im 
Hauptamt und 33 im Nebenamt gezahlt. In den einzelnen 
Städten ist naturgemäß die Zahl je nach den vorliegenden 
Verhältnissen (Zahl der unterstellten Schulen, entgeltliche 
oder kostenlose Behandlung, Haupt- und nebenamtlich tätige 
Aerzte) sehr verschieden. Mehr als zwei Aerzte im Haupt 
amt sind angestellt in: Barmen (1 Leiter, 3 Assistente), 
Charlottenburg (1 L., 2 91.), Cöln (1 L., 3 A.), Düsseldorf 
(1 L., 3 91.), Essen (1 L., 4 91.), Hannover (1 L., 2 A.), 
Leipzig (1 L., 4 A.) und Straßburg (3 A., der Leiter ist 
ehrenaintlich tätig). Neben Zahnärzten wirken 9Ierztinnen 
in: Barmen (1), Bernburg (1), Charlottenburg (1), Colmar 
(l) und Straßburg (3). 
Was die Anstellungs- und Besoldungsveihältnisse an, 
betrifft, so scheinen Beamtenstellen nur zu bestehen in 
Berlin-Schöneberg, Colmar, Duisburg, Freiburg i. B., 
Karlsruhe, Mühlhausen i. E., Nürnberg. Remscheid, Rostock, 
Stuttgart, Ulm. — Die Zahnärzte im Nebenamt erhalten 
zumeist Pauschalbeträge. In Harburg und Sterkrade treten 
dazu Zuschläge, die sich nach der Zahl der im Laufe des 
Jahres behandelten Kinder richten. Lediglich nach solchen 
Kopsbcträgen werden die Entschädigungen in Hamm und 
Hildesheim bemessen. In Stettin sind die Zahnärzte im 
Nebenamt ehrenamtlich tätig und beziehen keine Vergütung. 
Von allgemeinem Interesse ist schließlich noch die Frage 
der Schülerbeiträge. Eine unentgeltliche Behandlung wird 
gewährt in: Charlottenburg. Köln, Nürnberg, Stuttgart, 
Berlin-Schöneberg, Erfurt (ausw. Schüler der Provinzial- 
Taubstummenanstalt jährlich 2 M.). Karlsruhe, Saar 
brücken (Volksschüler), Straßburg, Darmstadt, Freiburg i. B., 
Heidelberg, Metz, Mühlhausen i. E., Offenbach, Rostock, 
Bernburg, Colmar, Eberswälde, Kattvwitz, Sterkrade und 
Worms. 
Ebensoviele Städte (22) haben das sogen. Abonne 
mentssystem, wobei jedoch vielfach für bedürftige Schüler 
Sylvias Lkaukkeur. 
Romao von Louis Tracy. 
2i (Nachdruck verboten.) 
tiia so guter Schaust»-l.r war der wackere Vicomte, 
daß Sylvia wirklich etwas wie Mitleid für ihn fühlte, 
und daß sie ihre unbestimmten Besorgnisse unterdrückte, um 
mit einem etwas gezwungenen Lächetn zu erwidern: 
„Nun, im Grunde wird das Unglück ja auch nicht so 
arost" sein, wenn wir nur bald in den Besitz des Benzins 
aelanaen, das uns die Weiterfahrt ermöglicht. Aber es 
wäre allerdings zu wünschen, daß keine Zeit nutzlos ver 
loren geht. Es fängt schon an zu dämmern. Schicken Sie 
also, bitte, Ihren Chauffeur sogleich in das nächste 
^"^Marigny zögerte nicht, ihrem Verlangen zu willfahren. 
Er durfte es getrost tun, denn er wußte genau, daß sich 
die nächste Denzinstation auf dem Wege nach Bruchsal be 
fand. ungefähr vier Kilometer hinter dem Punkte, wo er 
diesen Weg verlassen hatte. In dem Dorf, wohin er 
Schmidt jetzt schickte, würde vermutlich nicht für alles Geld 
der Welt auch nur ein halber Liter der für sie jetzt so kost- 
baren Flüssigkeit aufzutreiben sein. Und wenn der Monn 
nach Verlauf einer Stunde mit leeren Händen zurückkam, 
würde nichts anderes übrig bleiben, als ihn zu jener 
Station zu schicken. Es war nicht daran zu denken, daß- 
sie vor elf Uhr nachts von hier fortkamen. Und seine Sache 
würde es fein, diese Stunden des gemeinschaftlichen Wartens 
richtig zu nutzen. 
Natürlich dachte er nicht entfernt daran, irgendwelche 
Gewaltsamkeiten gegen die Tochter des reichen und welt 
bekannten Mister Pendleton zu begehen. E“ setzte alle 
seine Hoffnungen lediglich auf die Romantik der ungewöhn 
lichen Situation - und auf Sylvias Empfänglichkeit für 
poetische Wirkungen. Sie würde mit dem Einbruch der 
Dunkelheit natürlich in noch lebhaftere Unruhe geraten, 
würde vielleicht eine richtige Angst empfinden; aber die 
Erkenntnis, ganz und gar auf seinen Schutz und seine 
Ritterlichkeit angewiesen zu sein, würde sie ihm rasch nahe 
bringen. Und er würde sich so zartsinnig benehmen, würde 
sie auf eine so liebenswürdige Weise zu trösten wissen, daß 
mit dem wachsenden Gefühl der Sicherheit auch das Ge 
fühl der Bewunderung und der Zuneigung für ihn wachsen 
mußte. Im rechten Augenblick würde er sich an die Flasche 
Wein und an den Imbiß erinnern, die sich zufällig im 
Proviantkasten des du Ballon befanden. Sie würden unter 
dem klaren Sternenhimmel, inmitten der großen Stille der 
mondbeschienenen, menschenleeren Landschaft ein Abendessen 
improvisieren, das schon ganz und gar den Charakter eines 
kleinen, pikanten Abenteuers hatte, und das darum gerade 
für eine junge Dame von Miß Pendletons ausgezeichneter 
Erziehung notwendig von besonderem Reiz sein mußte. 
Schneller, als es unter normalen Verhältnissen im 
Verlauf von Wochen hätte geschehen können, und auf die 
natürlichste Art von der Welt würden sie so innerhalb 
weniger Stunden zu jener Annäherung gelangen, deren 
Herbeiführung für den Vicomte schon beinahe gleich 
bedeutend war mit der Erreichung seiner Ziele, und die 
er darum unbedingt herbeiführen mußte. Schon aus dem 
sehr einfachen Grunde, weil ihm das Wasser fast bis zum 
Halse stand, und weil eine reiche Heirat das letzte Mittel 
war, das ihn noch zu retten vermochte. Wenn es ihm erst 
einmal gelungen war, Sylvias Zuneigung zu gewinnen, 
fürchtete er keine ernstlichen Hindernisse mehr. Mister 
Pendleton würde dem Glücke seines geliebten Kindes 
schwerlich den Widerstand eines unerbittlich grausamen 
Vaters entgegensetzen — und er würde es am aller 
wenigsten tun, nachdem er von dem Abenteuer dieser 
Sommernacht Kenntnis erhalten hatte. Denn, wenn auch 
nicht das mindeste Bedenkliche geschah, etwas Kompro 
mittierendes für die junge Amerikanerin blieb in dem ' 
Vorfall doch immer, und schon um des guten Rufes seiner ' 
Tochter willen würde dem alten Herr» kaum etwas anderes 
übrig bleiben, als ohne langes Zöger., in die Heirat zu 
willigen, die mit einem Schlage alles wieder gutmachte. 
So sicher fühlte sich der Vicomte bereits seines end 
lichen Sieges, daß selbst die Kenntnis der Frauen, auf die 
er sich so viel zugute hielt, ihn heute gänzlich im Stiche 
ließ. Er bemerkte nicht, daß der Ausdruck in Sylvias 
Zügen im Grunde durchaus nichts Ermutigendes für ihn 
hatte; er ließ sich weder durch die Einsilbigkeit ihrer Ant» 
warten beirren noch durch den unerschütterlichen Ernst und 
die augenfällige Zurückhaltung, die sie all seinen Versuchen, 
sie aufzuheitern, entgegensetzte, und das stolze Gebäude 
seiner Hoffnungen brach erst zusammen, als plötzlich auf 
der Spitzendes Hügels das rettende Automobil auftauchte, 
und als Sylvia mit einem Freudenschrei ihren Befreiern 
entgegeneilte, ihr Taschentuch schwenkend wie eine Schiff, 
brüchige, die von Angst erfüllt ist, daß das vorbeisegelnde 
Fahrzeug sie übersehen könnte. Da freilich hatte er eine 
Empfindung, als ob ihn jemand mit der Faust vor die 
Stirn geschlagen hätte; er fühlte, daß er nahe daran war, 
sein Spiel zu verlieren, und er raffte alles zusammen, was 
er an Energie aufbringen konnte, um sich gegen die ge 
fährliche Entmutigung zu wehren, von der er sich be 
droht sah. 
Die erste menschliche Stimme, die in diesen bedeut 
samen Augenblicken laut wurde, war die der Baronin. 
Von allen beteiligten Personen war sie vielleicht die einzige, 
die die Dinge herzhaft so zu nehmen wußte, wie sie nun 
einmal waren. 
„Dem Himmel sei Dank, daß ich Sie wieder habe, mein« 
teure Sylvia," rief sie überlaut. „Sie sind doch nicht ver 
letzt ? Sagen Sie mir schnell, daß Ihnen kein Schade ge- 
fchehen ist." 
„Nicht der allerkleinste — Sie dürfen völlig beruhigt 
sein," klang es heiter zurück. Das Mißgeschick, von dem 
wir heimgesucht wurden, hat glücklicherweise nicht mich, 
tondern nur unseren Wagen getroffen."
        
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