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Periodical volume Nr. 257, 31.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

der Eisenbahndirektion Berlin und den beteiligten Gemeinden 
über die Verlegung des Wannseebahnhofs Friedenau einge 
leitet wurden, scheinen sich jetzt ihrem Abschluß zu nähern. 
Es sind aber noch über mehrere Punkte Beschlüsse zu 
fassen. Die Eisenbahnvermaltung hat sich mit der Ver 
legung des Bahnhofs Friedenau einverstanden erklärt, falls 
sich die Gemeinden an den Kosten beteiligen. Mit Schöne- 
berg und Friedenau, die hier in erster Reihe in Betracht 
kommen, bestehen schon dahingehende Abmachungen; so hat 
sich Friedenau z. B. bereit erklärt, einen Zuschuß von 
150 000 M. zu zahlen. Die Gemeinde Steglitz, die nur 
mitttelbar durch die größere Nachbarschaft des neuen 
Wannseebahnhofs an dem Projekt interessiert ist,, hat jedoch 
eine Beteiligung an den Kosten abgelehnt. Trotzdem dürfte 
der Plan nach den bisherigen Vereinbarungen zwischen der 
Eisenbahndirektion und den Gemeinden Schöneberg • und 
Friedenau ausgeführt werden. Friedenau legt dabei auf 
den sofortigen Umbau und auf die Beibehaltung der bis 
herigen Stationsbezeichnung „Friedenau" besonderen Wert. 
Der neue Bahnhof soll weiter nach Süden verlegt werden 
und zwei Zugänge erhalten, durch die das südöstliche Gebiet 
Friedenaus, der Neu-Friedenauer Ortstcil von Schöneberg 
und das benachbarte Steglitz leicht zu erreichen sind. 
o Wegen Umsatzsteuer klagte Frau Bertha R. von 
hier gegen den hiesigen Gemeindevorsteher vor dem Kreis 
ausschuß. Die Klägerin hat von ihrem Ehemann ein in 
Friedenau gelegenes Grundstück erworben, das mit 228 000 
Mark + 37 000 M. = 205 000 M. Hypotheken belastet ist. 
Die letzte Hypothek von 37 000 M. soll ihr schon früher 
von dem Ehemann geschenkt worden sein. Für diesen 
Erwerb wurde sie unter Zugrundelegung eines Wertes von 
240 000 M. zil 2400 M. Gemeindeumsatzsteuer heran 
gezogen. . Gegen diese Veranlagung hat sie Klage mit dem 
Antrag auf Freistellung erhoben und geltend gemacht, daß 
das Grundstück einen Wert von 205 000 M., mindestens 
aber der Veranlagmig gemäß einen solchen von 240 000 M. 
habe, sodaß nach Abzug der Hypothekenlast von 228 000 M. 
eine Bereicherung von 37 000 M., mindestens aber von 
12 000 M. vorliege. Der Gemeindevorsteher hält diese 
12 000 M. im Vergleich zur Größe des Objekts nicht für 
eine hinreichende Bereicherung, um eine Schenkung zu be 
gründen. Außerdem fehlt es nach seiner Ansicht an einer 
Einigung der Beteiligten über die Unentgeltlichkeit der Zu 
wendung. Das Urteil lautete auf Abweisung der Klage. 
Die Steigerung der Mrnndstückswerte durch den 
Vau der neuen Untergrundbahn vom Wittenbergplatz 
nach Dahlem war kürzlich bereits Gegenstand einer Klage, 
die den Krcisausschuß des Kreises Teltow beschäftigte. Die 
Commerz- und Diskontobank Berlin besaß am Breitenbach 
platz (früher Rastattcr Platz) Grundstücke, die sie im Jahre 
1905 dem Baumeister Sch. für 1 071 970 M. anstellte. 
Im vorigen Jahre nahm Sch. dieses Angebot an und er 
wirkte die Auflassung. Bei der Veranlagung zur Umsatz 
steuer infolge dieses Bcsitzwcchsels legte der Gemeindevor 
steher von Steglitz jedoch nicht den Kaufpreis, sondern einen 
Wert von 1 257 000 M., also 180121- M. zu Grunde, in 
dem er sich bei der höheren Veranlagung auf die fort 
schreitende Bebauung, die Errichtung von Schulen und den 
Bau der neuen Untergrundbahn berief, wodurch die Grund 
stückswerte wesentlich gesteigert seien. Der Vertreter der 
Commerz- und Diskontobank stellte dies jedoch mit Ent 
schiedenheit in Abrede. Er führte aus, daß die fortschreitende 
Bebauung nicht wertsteigernd, sondern eher wertmindcrnd 
wirke. Vor 0 Jahren kostete ' eine 3-Zimmerwohnung in 
dieser Gegend 800 M., heute 000—050 M. Die jähr 
lichen Mietsverluste für leerstehende Wohnungen betrügen 
00-—70 000 M. Daran seien in erster Linie die schlechten 
Verkehrsverhältnisse schuld. So besteht u. a. noch keine 
Zufahrtstraßc nach dem Bahnhof, auch habe der Breiten 
bachplatz noch eine wüste Gestalt. Mit Rücksicht auf die 
Höhe der hier in Frage kommenden Objekte wurde be 
schlossen, hinsichtlich der gegenwärtigen Grundstückswerte 
am Breitenbachplatz Gutachten von Sachverständigen ein 
zufordern. 
o Unter dem Protektorat des Prinzen Adalbert 
von Preußen hat sich in Berlin unter dem Vorsitz der 
Witwe des früheren Staatssekretärs des Rcichsmarineamts, 
Frau Admiral von Hollmann, ein Damenkomitee gebildet, 
das zur Zeichnung von Spenden für die Witwen und 
Waisen der bei den Marineluftschiffkatastrophen Verunglückten 
auffordert. Spenden nimmt entgegen Frau Adiniral von 
Hollmann, Berlin W., Fasanenstr. 49, und Hänptmann 
heftigsten Vorwürfe, und der Mann, der seine Rolle vor 
trefflich spielte, brachte im Ton eines armen Sünders seine 
Entschuldigungen vor. 
„Das nächste Dorf ist ja nicht so sehr weit," meinte 
er, „und wenn der Herr Vicomte gestatten, daß ich dort 
mein Heil versuche " 
„Nein, nein," wehrte Marigny ab. „Es wird besser 
sein, hier auf Miß Pendletons Wagen zu warten." 
„Natürlich werden wir ihn erwarten," erklärte Sylvia, 
die sich bei dieser Kontroverse mehr und mehr von einem 
lebhaften Unbehagen ergriffen fühlte. „Was sollten wir 
denn auch anderes tun?" 
„Der Chauffeur schlug mir vor, bis zum nächsten Dorfe 
zu gehen und von dort das notige Benzin herbeizu 
schaffen." 
„Oh, das würde viel zu lange dauern. Und da 
Weftenholtz doch wohl in jedem Augenblick kommen muß, 
ist. es. ja auch nicht nötig. Ihm kann es nicht geschehen, 
daß ihm . unterwegs - der Benzinvorrat ausgeht. Und er 
hat genug hei sich^ um Ihnen auszuhelfen." 
, Von einer merkwürdigen Ungeduld und Unruhe be 
fallen, die eigentlich gar nicht.im richtigen Verhältnis zu der 
Geringfügigkeit des kleinen Mißgeschicks standen, ging sie 
auf dem Wege so weit zurück, daß sie die Straße ein 
gutes Stück überblicken konnte, in der Hoffnung, schon 
jetzt etwas von dem näherkommenden Auto zu erspähen. 
Marigny, her an ihrer Seite geblieben war, sagte in einem 
Ton, der jedenfalls scherzhaft sein sollte, in deni aber doch 
irgendeine tiefere Bedeutung verborgen schien: 
„Eine Situation für einen Romalldichter — nicht 
wahr?. Stellen Sie sich einmal vor, Miß Sylvia, ich hütie 
Sie mit diesem Wagen entführen wollen, und irgendwo, 
vier oder fünf Meilen von hier, erwartete uns der Priester, 
Dr. Röper, Berlin W. 35, Schöneberger Ufer 30 I. Ueber 
die eingegangenen Spenden wird in den Tageszeitungen 
s. Zt. quittiert werden. In verschiedenen Orten sind zum 
Vesten der Hinterbliebenen Wohltätigkeitsveranstaltungcn in 
Aussicht genommen, so findet in Berlin am 14. November 
im Landwehroffizierskasino ein Künstlcrkonzert statt. 
o .Kreiskriegcrverbaild Teltow. Zur Ergänzung 
unseres Berichtes in Nr. 255 über die letzte Sitzung des 
Kreiskriegerverbandes Teltow bringen wir noch folgendes: 
Ueber die Lebensversicherungsanstalt und Sterbekasse des 
Deutschen Kriegerbundes und ihre auf den Beschluß des 
letzten Abgeordnetentages des D. K. B. in Breslau erfolgte 
Verschmelzung mit der Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft 
„Friedrich Wilhelm" berichtete der Angestellte der Anstalt, 
Kam. Hanisch. Der Vorsitzende machte im Anschluß daran 
verschiedene Mitteilungen aus einem Rundschreiben des 
Bundes vom September. Danach fällt die Nachschußpslicht 
völlig weg, eine Mindestprämie von 10% Prozent ist 
garantiert, sie wird aber für Neuversicherungen zwischen 
23 und 30 Prozent betragen. Die Bundes-Sterbekasse 
bleibt als besondere Bundesversicherungeinrichkung erhalten; 
seitens des Vorstandes des Bundes wird für wirksame 
Ueberwachung des Betriebes gesorgt. Erhebliche Ver 
gütungen fließen an die Verbände für ihre Wohlfahrts- 
zwecke zurück. In Vorbereitung sind Vereinskollektiv 
versicherungen. Bei der Bundesanstalt können auch Verwandte 
aller Grade von Kameraden versichert werden. Kamerad 
Oberleutnant d. L. Zille berichtete zum Schluß über die 
Württembergifche Prioatfeuerversicherungs-A.-G. Mit einem 
dreifachen, begeistert aufgenommenen Hurra auf die deutsche 
Armee und Marine schloß der Verbandsleiter die Tagung. 
o Der Männer-Turnverein entsendet zu. dem am 
Sonntag, dem 2. November, nachmittags 3 Uhr bei guter 
Witterung stattfindenden Waldlauf „Rund um den Grune- 
waldsee" zwei aus seiner Jünglings- und Sportabteilung 
zusammengestellte Mannschaften von je acht Läufern. Es 
ist dies der von dem 2. Bezirk des Havel-Turngaus wieder 
holte Waldlauf, welcher am 28. September infolge Dunkel 
heit als nicht gelungen verlegt wurde. Der Ablauf ist auf 
dem Spielplatz der höheren Schulen im Grunewald, Dahlem, 
Kronprinzenallee. 
o Stenographisches. Am Mittwoch, dem 5. November, 
Abends 8 >/z Uhr, findet im Etablissement Kollmann, Oranien- 
straße 09, am Moritzplatz ein Vortrag über „Die Ein 
führung in die Engschnellschrift" statt. Im Anschluß hieran 
ein unentgeltlicher etwa 0 Lehrstunden umfassender Unter- 
richtskursns für Damen und Herren in der vereinfachten 
deutschen Stenographie (Stenotachygraphie). Lehrmittel und 
Kursusauslagen find mit 3 M. zu vergüten, weitere Kosten 
entstehen nicht. Auskunft erteilt schriftlich Vereinigung 
Stenotachygraphie z. Hd. Arthur Juhle, Berlin-Lichtenberg, 
Alt-Boxhagen 42. . 
o „Pnppchcn." Da wir das Werk am Montag, dem 
3. November im Steglitzer Schloßpark von der Direktion 
Brode! & Stegemann zu sehen bekommen, dürfte es 
wohl auch jeden Theaterbesucher interessieren, einmal eine 
Kritik über das Stück zu lesen: Die Operettenpvsse „Puppchen" 
erlebte gestern einen so durchschlagenden und fröhlichen 
Erfolg, daß man. ohne Prophet sein zu wollen, diesem 
lustigen Stück eine Lebensdauer von ungezählten Abenden 
voraussagen darf. Jean Kren und Kurt Kraatz sind die 
Autoren. Sie haben in ihr Stück das Modernste vom 
Modernen hineingewebt; der Flugsport spielt eine große 
Rolle. Man soll die Handlung einer Posse nicht kritisch 
zerlegen, die Hauptsache ist, daß sich alles vernunftgemäß 
aufbaut, ein logischer Faden durch das Ganze geht, und 
daß man sich über die Situationskomik und den pointreichen 
Dialog amüsiert. Es ist ihnen das Kunststück gelungen, 
drei der bekanntesten Soubretten am Schluß unter die Haube 
zu bringen, entzückende TrioL anzubringen und das Publi 
kum in jene Stimmung zu versetzen, in der man vor Lachen 
überhaupt nicht zur Besinnung kommt. Allerdings standen 
ihnen bei dem schweren Werk zwei Meister zur Seite. 
Alfred Schönfeld, der die Gesangsterte dichtete, und Jean 
Gilbert, der^eine Musik dazu schrieb, die in ihrer ein 
schmeichelnden und faszinierenden Weise bald wieder Allge 
meingut der ganzen Bevölkerung sein wird. 
o Der Zirkllstenfek, ein äußerst spannender Vierakter 
kommt von heute ab im Biofontheater in der Rheinstr. 14 
erstmalig zur Vorführung. Dieses Sensationsstück erinnert 
an die vier Teufel, die seinerzeit soviel Aufsehen erregten. 
Wanda Treumann und Viggo Larsen spielen die Haupt- 
der unseren Bund segnen sollte. Hinter uns aber kämen 
bereits die Verfolger heran, vor denen uns nur die 
Schnelligkeit unseres wackeren du Ballon hätte retten können. 
In welche Sliinmung würde uns dann wohl dies Mlß- 
geschick mit dein ausgegangenen Benzinvorrat versetzt haben, 
das uns jetzt so geringfügig erscheint!" 
Es war das erstemal, daß er sich herausgenommen 
hatte, die junge Amerikanerin mit ihrem Vornamen an 
zureden, und Sylvia empfand diese Vertraulichkeit, zu der 
sie ihn durch nichts ermutigt hatte, gerade in der gegen 
wärtigen Situation als einen Mangel an Takt, der ihre 
bisherige gute Meinung von dem Franzosen bedenklich 
erschütterte. 
„Meine Einbildungskraft ist nicht lebhaft genug, Herr 
de Marigny, als daß ich mir den von Ihnen geschilderten 
Fall vorzustellen vermöchte," sagte sie in einem Ton, 
dessen fühlbare Si'ältc ihn eigentlich hätte warnen sollen. 
„Und ich gestehe, daß ich in diesem 'Augenblick vollständig 
absorbiert bin von der Unruhe darüber, daß von meinem 
Wagen noch immer nicht das geringste, zu sehen ist." 
Der Vicomte gab sich den Anschein, ebenfalls ange 
strengt nach der Richtung auszuspähen, aus der sie ge 
kommen waren. Und nach Verlauf einiger Minuten sagte 
’ er, wie in Bestürzung über eine Idee, die ihm soeben erst 
gekommen war: 
„Mein Himmel, daß ich daran nicht früher gedacht 
habe!" 
Hastig drehte sich Sylvia nach ihm um. 
„Woran haben Sie früher nicht gedacht, Herr Vicomte ?" 
„Daran, daß Ihr Chauffeur möglicherweise den anderen 
Weg eingeschlagen haben tonnte." 
„Den anderen Weg?" 
„Ja, ich sagte Ihnen doch bereits, daß es. deren 
rollen, wie sie eben nur erstklassige Darsteller geben können, auch 
die szenische Aufmachung Lob verdient. Arme Sünderzelle 
ist ein Film bei dem man 5 Fragezeichen machen muß. 
Marens Sommerreise gibt Mar Linder wieder mal Ge 
legenheit, seinen trocknen Humor die Zügel schießen lassen. 
Akrobatische Künste ist eine der immer gern gesehenen 
Zirkusnummern. Auch eine humoristische Einlage und ein 
fesselndes Naturbild sind beachtenswert. Die beliebte Biofou- 
revue bringt wieder viel neue Bilder mit Vorkommnissen 
aus aller Welt. Neben den musikalischen Genüssen der 
Hauskapelle sei das vom Büffet verzapfte echt Pilsener von 
Hilsebein, Glas 15 Pfg., zur Beachtung empfohlen. 
o In den Hohenzollern-Lichtspielen kommt zur Zeit 
der großartige Kriminalroman „Der Steckbrief", in 3 Akten, 
zur Vorführung. Von besonderem Interesse für das hiesige 
Publikum sind in diesem Film vier sehr bekannte Friedenauer 
Kinoschauspieler, wodurch sich der Besuch des Theaters schon 
allein lohnt. Aber auch die anderen Vorführungen sind 
von besonderem Reiz. So ist z. B. „Künstlers Lieb und 
Leid" ein großes dramatisches Gemälde in 3 Akten. Ein 
fesselndes Drama betitelt sich „Opfermut". „Maxens Ver 
ehrerinnen" nennt sich ein humoristischer Schlager. In 
einem prächtigen Natursilm werden die Frauentrachten in 
22 Kantonen der Schweiz gezeigt. Das Patha Journal bringt 
wieder das Neueste aus aller Welt. Wir möchten dann noch 
darauf aufmerksam machen, daß eine neue Patentwand in 
den Hohenzollern-Lichtspielen eingeführt ist, wodurch die 
Bilder noch mit größerer Plastik erscheinen. 
o Auf der Treptow-Sternwarte finden folgende 
wissenschaftliche Kino-Vorträge statt: Am Sonnabend, dem 
1. November, Nachm. 5 Uhr: „Aus fernen Landen", Abends 
7 Uhr: „Christoph Kolumbus", am Sonntag, dem 2. No 
vember, Nachm. 5 Uhr: „Ein Ausflug in die Sternen- 
welten" Vortrag mit Lichtbildern von Direktor Dr. F. S. 
Archenhold, Abends 7 Uhr: „Interessante Bilder aus Italien", 
am Montag, dem 3. November, Abends 7 Uhr: „Christoph 
Kolumbus." — Am Dienstag, dem 4. November, Abends 
8 l / 2 Uhr, spricht Direktor Dr. F. S. Archenhold über: „Die 
Sternbilder und Anleitung zu ihrer Auffindung" unter Vor 
führung zahlreicher Lichtbilder, nach dem Vortrag praktische 
Uebungen ans der Plattform der Sternwarte. — Mit dem 
großen Fernrohr werden am Sonnabend Jupiter und 
Saturn, an den folgenden Tagen Jupiter, Mond und 
Saturn beobachtet. 
o Nach Unterschlagung von 2200 Mark ist der 28 
Jahre alte Buchhalter Harry Behrends aus der Presselstraße 
zu Steglitz geflüchtet. B. war bei einer Steglitzer Theater 
agentur angestellt. Als deren Inhaber eine Reise machen 
mußte, führte er die Geschäfte 14 Tage lang allein. 
Während dieser Zeit zog er im Aufträge der Agentur auch 
Provisionen ein, von einem Hofschauspieler 2000 M. und 
von einer Hofschauspielerin 200 M. Das Geld sollte er bei 
der Deutschen Bank einzahlen. Er behielt es jedoch für sich 
und ließ sich, als sein Arbeitgeber am Sonnabend zurück 
kehrte, nicht mehr sehen. 
o Ein Embrnchsdiebstahlstst diese Nacht in dem Ge 
schäft der Firma Pech, Rheinstr. 21 verübt worden. Der 
Dieb drang durch das nach dem Hof zu gelegene Fenster in 
den Laden und entwendete Waren im Werte von etwa 100 M. 
Von dem Täter fehlt jede Spur. 
v Laubeneinbrüche scheinen jetzt wieder an der Tages 
ordnung zu sein; es ist dies eine zur jetzigen Jahreszeit 
überall bemerkte Erscheinung, da zumeist ungeladene Be 
sucher der Lauben, die dort nächtigen, die Gelegenheit zuin 
Stehlen wahrnehmen. So wurden kürzlich im Rhcingau- 
viertel mehre Lauben erbrochen und daraus mehrere Sachen 
gestohlen. 
o Ueberfahren und getötet. Vorgestern Nachmittag 
wurde in der Lauenburger Straße im Friedenauer Ortsteil 
von Steglitz die 3 jährige Gerda Mohr von einem Kohlen 
wagen überfahren und auf der Stelle getötet. 
o AuS LiebeSgram verübte die 22 Jahre alle 
Arbeiterin Frieda R. in Steglitz Selbstmord. Die R. hatte 
ein Liebesverhältnis mit dem Angestellten einer Druckerei 
und hatte gestern Abend ein Zerwürfnis mit ihm. Sie 
begab sich dann nach ihrer Wohnung in der Moltkestraße 
in Lichterfelde und trank Blausäure. Leider gelang es nicht, 
rechtzeitig dem Mädchen Hilfe zu bringen. Sie starb 
innerhalb weniger Minuten. 
o Polizeibericht. Als gefunden ist hier angemeldet 
morden: 1 Ring, 1 Medaillon; zugelaufen ein Hund. 
Die rechtmäßigen Eigentümer vorbenannter Gegenstände sowie 
zwei gibt — einen weiteren, der.etwas bequemer ist, und 
den kürzeren, den wir eingeschlagen haben. Wir haben 
leider keine Bürgschaft dasüe, daß Ihr Chauffeur sich nicht 
für den ersteren entschieden hat." 
„Wenn wir mit dieser Möglichkeit rechnen müssen, so 
bitte ich Sie dringend, Ihren Chauffeur sofort in das 
Dorf zu schicken, von dem er vorhin gesprochen hat. Es 
ist doch wohl gewiß, daß er dort das nötige Benzin er 
halten wird?" 
„Ich halte es für so gut wie gewiß." 
„Das klingt nicht sehr zuversichtlich. Ich muß gestehen, 
Herr de Marigny, daß ich etwas erstaunt bin, mich in 
diese Lage gebracht zu sehen." 
Eine triumphierende Empfindung regte sich in der 
Brust des Vicomte. Er sah, daß Sylvia anfing, sich 
ernstlich zu beunruhigen, und gerade das war es ja, was 
er wünschte. Aber er hütete sich natürlich sehr wohl, ihr 
etwas von dem zu verraten, was in ihm vorging. 
„Sie sehen mich untröstlich," versicherte er mit allen 
Anzeichen tiefster Niedergeschlagenheit. „Und ich siehe Sie 
an, ein klein wenig Mitleid mit mir zu haben. Natürlich 
mache ich mir die grausamsten Vorwürfe, obwohl ich viel 
leicht zu meiner Entschuldigung anführen tonnte, daß 
Schmidt sonst der zuverlässigste Mensch von der Welt ist, 
und daß ich bisher nie a...eu Grund hatte, feiner Sorgfalt 
und Gewissenhaftigkeit zu mißtrauen. Aber ich nehme 
die ganze Verantwortung auf mich, und wenn Sie in 
meiner Seele lesen könnten, würden Sie sehen, wie un 
glücklich ich darüber bin, Ihnen Unruhe und Aufregung 
bereitet zu haben, wo ich gehofft hatte, Ihnen ein kleines 
Vergnügen zu bereiten." 
(Fortsetzung felgt.)
        
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