Path:
Periodical volume Nr. 256, 30.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

sondern durch die Schmargendorfer- und Wiesbadener Str. 
zum Südwestkorso geführt würde. Später ließe sich diese 
Linie noch nach dein Grunewald verlängern. 
o Unbestellbare Postsendungen. Die Oberpostdirektion 
Berlin macht bekannt, daß viele unbestellbare Sendungen 
bei ihr lagern und von den rechtmäßigen Absendem, die 
unbekannt sind, abgehoben werden können. Es handelt sich 
um 49 Pakete, 33 Einschreibebriefe, 52 Postanweisungen 
(darunter einige Beträge über 100 M.), 52 Wertbriefe 
(darunter einer über 6000 Kronen nach Wien). Wenn diese 
Sendungen bis zum 20. November nicht reklamiert sind, 
fallen sie der Postunterstützungskasse anheim; die Pakete 
werden versteigert. Die Liste der unbestellbaren Sendungen 
ist bei allen Postämtern einzusehen. 
o Der Eisenbahnfiskus verurteilt. Der Bezirksaus 
schuß zu Potsdam hat den Eisenbahnfiskus, vertreten durch 
die Eiscnbahndirektion Berlin, in seiner letzten Sitzung da 
zu verurteilt, an die Gemeinde Friedrichsfelde eine Grund- 
iverlsteuer in Höhe von 034,40 M. zu zahlen. Die Eisen 
bahnverwaltung hatte im vorigen Jahre in Friedrichsselde 
drei Terrains erworben und war für den Rest des Jahres 
zur Grundivertsteucr in der angegebenen Höhe veranlagt 
worden, die dann auf Einspruch der Eisenbahndirektion er 
mäßigt wurde. Der Eisenbahnfiskus aber beantragte gänz 
liche Freistellung von der Steuer mit der Begründung, daß 
die erworbenen Grundstücke dem öffentlichen Interesse 
dienten. Der Gemeindevorstand lehnte dies ab, weil erst 
dairn eine Freistellung zu erfolgen habe, wenn die Grund 
stücke tatsächlich für die bestimmten Zwecke gebraucht wurden. 
Der Eisenbahnsiskus strengte darauf die Klage an. Diese 
wurde jedoch von dem Terrainausschuß des Kreises Nicder- 
barnim abgewiesen und der Bezirksausschuß zu Potsdam 
bestätigte diese Entscheidung. In der mündlichen Verhand 
lung wies der Vertreter der Eisenbahndirektion auf eine 
Entscheidung des Obcrverwaltungsgerichts hin, wonach bei 
einem postalischen Gebäude, das teils für den Dienst, teils 
zu Privatzwecken verwendet wurde, sofort vom Tage der 
Erwerbung ab ans Freistellung von der Grundwertsteuer 
erkannt worden ist. Der Potsdamer Bezirksausschuß schloß 
sich auch diesmal dem Urteil des Kreisaüsschusses an und 
verurteilte den Eisenbahnfiskus zur Zahlung der Grundsteuer. 
o Zn der neu verhängten Hundesperre wird uns 
vom Deutschen Ticrschutzverein zu Berlin Nachstehendes mit 
geteilt: Während der erneut angeordneten, vorläufig bis zum 
23. Januar 1914 verhängten Hundcsperre, müssen Hunde, 
die ohne Begleitung in der Oeffcntlichkeit angetroffen werden, 
auch wenn sic mit Maulkorb versehen sind, auf Grund des 
Viehseuchengesetzes sofort gelötet werden. Hunde, die zwar 
ohne Maulkorb und Leine, jedoch in Begleitung von Per 
sonen in der Oeffcntlichkeit angetroffen werden, sind eben 
falls von den polizeilichen Fangbeamten aufzugreifen, können 
aber nach polizeilicher Vorschrift gegen sofortige Erstattung 
von drei Mark wieder freigegeben werden. Daneben aber, 
und das ist leider im Publikum garnicht oder nur wenig 
bekannt, kann wegen Vergehens gegen das Viehseuchcngesetz 
das Verfahren vor dem Gericht eingeleitet werden, das mit 
einer Mindeststrafe von 15 M. enden muß — abgesehen 
von rund 7 M. Zeugen- und Gcrichtsgebühren. Es würden 
also dem Hundebesitzer, der den Hund ohne Maulkorb und 
Leine umherlaufen läßt, unter Umständen mindestens 25 M. 
Kosten erwachsen. 
o Die Alters-Abteilung des Männcr-Tnrnvereins, 
die sich neben den turnerischen Uebungen auch die.Pflege 
der Geselligkeit angelegen sein läßt, veranstaltet heute Abend 
im Restaurant „Zur Kaiscreiche" einen Damen-Abend, 
bestehend in einem zwanglosen geselligen Beisammensein, 
wozu die Mitglieder der Alters-Abteilung mit ihren Damen, 
sowie auch Gäste freundlichst eingeladen sind. Am Dienstag, 
dem 18. November, findet Abends nach dem Turnen das 
diesjährige Eisbeincsscn der Alters-Abteilung statt. An 
meldungen hierzu können schon jetzt während der Turn 
stunden oder ans der jeden Dienstag Abend nach dem 
Turnen im Restaurant „Zur Kaisereiche" stattfindenden 
Turnkneipe bewirkt werden. Herren über 30 Jahre, die 
Neigung und Lust verspüren, die der Gesundheit so sehr 
dienlichen Turnübungen aufzunehmen und sich der Alters- 
Abteilung anzuschließen, wollen ihren Beitritt während der 
Turnstunden beim Turnmart anmelden. Geturnt wird 
jeden Dienstag und Freitag Abend von 8'/o—lOVg Uhr in 
der Gymnasialtnrnhalle, Eingang Handjerystraße. Be 
sonderer Wert wird beim Turnen auf die Freiübungen 
mehr als er es sah, Vast sie wieverholt aufstand, um über seine 
Schulter hinweg ebenfalls nach vorn zu spähe». Jedes 
mal, wenn er sich mit einer halben Kopfwendung liach ihr 
zurückdrehte, sah er einen Ausdruck hochgradiger Spannung 
und Aufregung auf ihrem Gesicht, einer Spannung, die 
sicherlich anders zu erklären war als durch die Angst vor 
einem durch seine Tollkühnheit heraufbeschworenen Unfall. 
Plötzlich aber geschah etwas Unerwartetes. Als er sich 
wieder einmal nach seinem Fahrgast umsah, gewahrte er, 
daß die Baronin im Begriff stand, sich's mit augenfälligem 
Behagen in einer Ecke des Wagens bequem zu machen, 
daß sie sehr umständlich die seidene Reisedeüe über ihre 
Knie breitete, und daß sich nichts anderes als die heiterste 
Zufriedenheit in ihren Zügen spiegelte. 
Das war eine Veränderung, die ihm zu denken gab. 
Und seine Gedanken arbeiteten rasch. Es gab für ihn keine 
Ungewißheit darüber, daß die Baronin dringend wünschte, 
er möchte den Vicomte und seine schöne Begleiterin nicht 
einholen. Sie war unruhig und aufgeregt gewesen, solange 
sie mit der Möglichkeit rechnen mußte, daß es ihm dcitnoch 
gelingen könne. Und wenn sie nun mit einem Male 
ihren Gleichmut und ihre Seelenheiterkeit wiedergefunden 
hatte, so gab es dafür keine andere Erklärung als die, daß 
sie sich jetzt seines Mißerfolges sicher fühlte. Mit anderen 
Worten: sie wußte bestimmt, daß er sich auf falschein 
Wege befand. Und da dieser Weg die gerade und richtige 
Straße nach Bruchsal war, so mußte zwischen den Spieß- 
gesellen also verabredet worden sein, daß Marigny eine 
andere einschlagen solle. 
Sobald er mit seinen im Grunde ja sehr einfachen und 
naheliegenden Schlüssen bis zu diesem Punkts gelangt 
war, zögerte Hoiningen nicht einen Augenblick, danach zu 
handeln. Er erinnerte sich, vor ungefähr zehn Minuten 
eine Wegkreuzung passiert zu haben, und er vermutete, daß 
gelegt, bei denen sämtliche Muskelgrnppen des Körpers zu 
ihrem Recht kommen. 
o Der morgige Lichterfelder Dichtcrabcnd am Freitag, 
30. Oktober, Abends 8H 4 Uhr, in der Aula des Neuen 
Rcalghmnllsiums in Lichterfelde, Drakestr. 72/75, bringt 
zwei besonders interessante Gäste: Ernst Freiherr vonWolzogen 
und Elsa Laura von Wolzogen werden den Abend als 
Vortragende ausfüllen. Eine beschränkte Anzahl von 
Eintrittskarten zu 1,50 M. und 1 M. sind noch an der 
Abendkasse erhältlich. 
o Das Konzert, das der Krieger- und Landwehrverein 
zum Besten der Weihnachtsbescherung der Kinder und hilfs 
bedürftigen Kameraden, sowie der Witwen verstorbener 
Kameraden am Dienstag, dem 4. November d. I., Abends 
8 Uhr, in der Aula des Reform-Realgymnasiums ver 
anstaltet, wird allen Kunstfreunden einen genußreichen 
Abend bringen. Es werden namhafte Kiinstlerinnen und 
Künstler mitwirken. Wir nennen: Konzertsängerin Frau 
Maria Mahraun, Frau Helene Sametzki (Gesang), Fräulein 
Magdalena Taube (Klavier), Fräulein Wanda Taube 
(Violine), Herr Musikdirektor Paul Antoni, Herr Königl. 
Hofopernsänger a. D. Ludwig Fraenkel, Herr Nkusikdirektor 
Mar Länge, Herr Jakob Maikl von der Deutschen Oper- 
Charlottenburg, Herr Otto Erich von Wnssow (Rezitation). 
Die Begleitung der Gesänge haben übernommen: Fräulein 
Magdalena Taube, Herr Antoni und Herr Skopnik. Einlaß 
karten zum Preise von 3, 2 und 1 M. sind erhältlich in 
den Papierhandlungen von Ebers, Rheinstraße 15, 
Kossakowski, Schmargendorfer Straße 35 und in der 
Zigarrenhandlung von Mundt am Wannseebahnhof Friedenau. 
o Geschäftseröffnung. Ihre 50. Filiale hat die alt 
bekannte und in bestem Rufe stehende Buttergroßhandlung 
Otto Reichelt eröffnet und zwar in Friedenau, Kirch- 
straße 10, Ecke Rheinstraße. Die Firma kommt damit 
sicher einem langgehegten Wunsche ihrer hiesigen Kundschaft 
nach. Aber sie wird sich sicher auch neue Kundschaft durch 
dieses Unternehmen erwerben. Jedenfalls wünschen wir, 
daß alle Hoffnungen, die sie in ihr neues Geschäft setzt, 
auch erfüllt werden. Unsere Leser bitten wir, die von Zeit 
zu Zeit in unserem Blatte erscheinenden Anzeigen der Firma 
Otto Reichelt besonders zu beachten, da sie äußerst günstige 
Angebote enthalten. 
o Gin schrecklicher Unfall, dem ein blühendes Menschen 
leben zum Opfer fiel, hat sich gestern Abend um '/ 4 8 Uhr 
hier in der Rheinstraße ereignet. Die etwa 28 Jahre alte 
Frau Baumeister Christ aus der Altmarkstraße in Steglitz 
hatte hier in der Rheinstraße Einkäufe gemacht und über 
schritt nach dem „Rh'cinschloß", Rheinstr. 00 zu den Fahr 
damm. Sie hielt das Portemonnaie in der Hand und 
zählte ihr Geld nach, dabei nicht beachtend, was um sie 
vorging. Sv war sie nahe daran, von einem Automobil 
überfahren zu werden. Um dieser Gefahr zu entgehen, 
stürzte sie eiligst nach dem Bürgersteig und rannte nun in 
einen in voller Fahrt daherkommenden Straßenbahnwagen 
der Linie 59. Sie wurde zu Boden gerissen, ein Stück 
mitgeschleift und geriet dann unter den Anhänger. Unsere 
Feuerwehr und Sanitätswache wurden sofort alarmiert. Als 
man die Unglückliche unter dem Anhänger hervorholte, war 
sie noch bei Bewußtsein und jammerte um ihre Kinder dann 
verstarb sie. Es war ihr der linke Fuß, das rechte Bein 
am Knie und der linke Arm - abgefahren worden. Außer 
dem hatte sie schwere Verletzungen an der Brust und am 
Unterleib erlitten, sodaß die Eingeweide hervortraten. An 
der Unfallstelle waren unmittelbar nach dem Unglück die 
Aerzte Herren Dr. Schramm und Dr.' Hermann erschienen, 
die aber leider nur noch den Tod feststellen konnten. — 
Die Schuld an dem Unfall trifft nach Aussage aller Augen 
zeugen die Getöte selbst, die blindlings in den Straßenbahn 
zug hineinlief. 
o Von einer Elektrischen fortgeschleift wurde gestern 
nachmittag in der Schloßstraße an der Ahornstraße die 
Tochter Elly des Gastwirts Weihnert aus der Schloßst. 93. 
Die Kleine wurde von einem Wagen der Linie F erfaßt 
und etwa 14 Meter fortgeschleift, kam aber mit verhältnis 
mäßig leichten Verletzungen am Kopf davon, weil die Schutz 
vorrichtung das Schlimmste verhinderte. Nach Anlegung 
eines Verbandes wurde sie in die Wohnung ihrer Eltern 
gebracht. 
o Polizeibericht. Als zugelaufen ist hier angemeldet 
worden: Ein Box. Der rechtmäßige Eigentümer des Hundes 
wird aufgefordert, seinen Anspruch binnen drei Monaten im 
dies ver Punkt~gcwcseiü war"woMariglich mit' vollem 
Bewußtsein dessen, was er tat, in eine falsche Richtung ab 
gebogen war. Mit einer kühnen Schwenkung, die die 
Hinterräder allerdings nahe genug an den Straßengraben 
brachte, drehte er seinen Wagen in die Richtung zurück, aus 
der sie gekommen müen. 
Wie von einer Tarantel gestochen, war Frau von 
Riedberg emporgefahren. Alle ihre heitere Gelassenheit 
war mit einem Male wieder verschwunden. 
„Was tun Sie, Westenholtz? — Was soll das nun 
wieder bedeuten?" 
Hoiningens Empörung war so groß, daß er fürchtete, 
die Rücksichten zu vergessen, die er als Gentleman einer 
Dame auch dann noch schuldig war, wenn es sich um eine 
Dame von der Beschaffenheit der Baronin handelte. Darum 
war er entschlossen, allen langen Erklärungen und Ausein 
andersetzungen aus dem Wege zu gehen. 
„Es bedeutet," sagte er mit aller Ruhe, die er aufzu 
bringen vermochte, „daß es mein fester Wille ist, Miß Pend- 
lcton zu finden. Ich bitte Sie dringend, sich daran vorläufig 
genügen zu lassen. Später in Bruchsal werde ich Ihnen 
gern zur Verfügung stehen und werde Ihnen alle Erklä 
rungen geben, nach denen Sie etwa Verlangen tragen." 
Die Baronin begann zu schluchzen, laut genug, daß 
jeder herzbrechende Ton, der sich ihrer Kehle entrang, sein 
Ohr erreichen mußte. Unter allen Vorstellungen war ihm 
keine abscheulicher als die, daß er eine Frau zum Weinen 
gezwungen habe. Diesmal aber zwang er energisch das 
Unbehagen nieder, das dadurch in ihm Erzeugt wurde. Er 
preßte die Lippen zusammen und führ mit unvermin 
derter Schnelligkeit bis zu der bewußten Straßenkreuzung 
zurück. Da brachte er feinen Wagen zum Stehen und 
sprang herab. Wenn Marigny hier wirklich den vermuteten 
„Irrtum" begangen hatte, so war es gaiu augenscheinlich, 
hiesigen Fundbüro, Fcnrigstraße 7, Zimmer 6, geltend zu 
machen, da sonst anderweit über den Hund verfügt 
werden wird. 
Vereins-llacbricfoten 
Am Freitag tagen: 
Stcnographenverein „Stolze-Schrey". l / 3 0 Uhr in der Gemeind e- 
Mädchenschulc, Goßlerstraße. Diktalschrcibcn in verschiedenen Ab 
teilungen. 
National-Stcnographen-VereinBcrlin-Schöiiebcrg, Hauptstr.107, 
im Alten Bürger-Casino, Abends 8'/, I)hr. Nach den Schreib 
übungen geselliges Beisammensein. Gäste willkommen. 
Der Berliner Tonkünstler - Verein (E. V.) veranstaltet am 
Sonnabend, dem l. November, Abends 8 Uhr, im Theatersaal der 
Königl. Hochschule für Musik, Charlottenburg, Fasancnstr. t, seiucn 
vierten Vortragsabend. 
patentlebau 
mitgeteilt vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin NO. 18, Große 
Frankfurter Straße 59. Abschriften billigst. Auskünfte kostenlos. 
Edmund Altenkirch, Fredersdorf, Ostbahn, und _ Bernhard 
Truckhoff, Berlin-Friedenau, Lauterstr. 12-12: Zentralheizung mit 
Verwendung der von einer Kältemaschine stammenden Abwärme. 
(Angem. Zus. Pat.). 
Leo Krebs, Berlin-Friedenau, Handjerystr. 117;. Vorrichtung 
zum Vorführen durchscheinender Reklametafeln im Kreisläufe hinter 
durchscheinenden Spiegeln. (Angem. Pat.) 
Alfred Herold, Berlin-Friedenau, Begasstr. 4: Elektrische 
Tunkclkammerlampe, gekennzeichnet durch Scheiben nach oben zur 
bequemen Prüfung der Negative in der Durchsicht. (GM.) 
Dr. Hcrninnn Haefkc, Berlin-Friedenau: Aufhängevorrichtung 
für Sterilisicrkessel usw. (GM.) 
§ckoneberg 
—o In Anlehnung au die Vorschläge des Berliner 
Magistrats für den Schutz des Tiergartenviertels haben jetzt 
die städtischen Körperschaften von Schöneberg ein Ortsstatut 
zum Schutze der immittelbarcn Umgebung des Sckönebergcr 
Stadtparks beschlossen. Durch, dieses Ortsstatut wird sicher- 
gestellt, daß die Bauten unmittelbar am Stadtpnrk den 
Charakter von Wohngebäuden tragen; störende und lärmende 
Betriebe und Anlagen werden nicht zugelassen. 
—v Der Rote Adlerorden 4. Klasse wurde dem hier 
wohnhaften Rechnungsrat Emil Lessig verliehen. 
Vsrttn und Vororte 
o Wilmersdorf. Die Stadtverordnetenversammlung 
beschäftigee sich in ihrer Sitzung am Mittwoch zunächst in 
zweiter Beratung mit dem Satzungsentwurf der Land- 
krankenkasse. Die Beiträge wurden von 2 3 / 4 aus 3 Proz. 
erhöht und dementsprechend auch die Leistungen. Der 
Gesamtentwurf wurde dann angenommen. Zn einer Petition 
des Bezirksvereins Süd, in welcher Maßnahmen zur Be 
seitigung des Privatwochenmarktes an der Kaiserallee und 
Saalfelderstraße "verlangt werden, erklärte der Magistrats 
vertreter, daß hiergegen nichts geschehen könne, da der 
Wochenmarkt auf einem Privatgrundstück abgehalten würde. 
Der Magistrat sei jedoch in Erwägungen wegen Errichtung 
eines städtischen Wochenmarktes 4n dieser Gegend eingetreten. 
— Lebhaften Unwillen hat bei den Anliegern der Zustand 
des Geländedreiecks zwischen der Kaiserallec, der Berliner- 
und der Badenschen Straße erregt, wo mitten in einer aus 
gebauten Gegend noch verfallenes Gemäuer und altcS Ge 
rümpel zu sehen und die baufälligen Hüuser nvch nicht 
einmal an die Kanalisation angeschlossen sind. Bürger 
meister Peters erklärte hierzu, daß sich der Magistrat schon 
mehrfach mit den Uebeiständen beschäftigt habe. Leider 
seien die Verhandlungen, die wegen Erwerb dieser Grund 
stücke geführt wurden, abgebrochen. Mit der Erhöhung des 
Zinssatzes von 3 3 / 4 auf 4 Prozent für ein von der Landes- 
vcrsicherungsanstalt Brandenburg aufgenommenes Darlehen 
von ursprünglich 600 000 M. zeigte sich die Versammlung 
einverstanden. 
o Charlottenburg. Als Nachfolger des verstorbenen 
Oberbürgermeisters Schustehrus in dem Provinziallandtag 
wurde als Abgeordneter Stadtrat Cassicrer mit 82 Stimmen 
gewählt. In den Zweckoerband Groß-Berlin wurden durch 
Zuruf als Vertreter Oberbürgermeister Dr. Scholz und als 
Ersatzmann Stadtv. Jastrow abgeordnet. — In der Stadt- 
verordnelcnversammlung wurde die Aufnahme einer neuen 
Anleihe in Höhe von 29 300 000 M. beschlossen. Stadtv. 
Liepmann betonte, daß fortan die äußerste Sparsamkeit ob 
walten müsse und daß die modernen Schulhausbauten und 
daß es sich nur um einen beabsichtigten und wohlüber 
legten Irrtum gehandelt haben konnte; denn die Straße, 
die zur Rechten abzweigte, um in kurzen Windungen ziem 
lich steil bergauf zu führen, hätte selbst von einem uner 
fahrenen Kinde nicht für eine richtige, von Automobilen 
zu befahrende Landstraße gehalten werden können. Wahr 
scheinlich würde Hoiningen selbst wieder zweifelhaft ge 
worden sein, wenn ihm nicht zu seiner großen Erleich 
terung ein glücklicher Zufall zu Hilfe gekommen wäre. 
Während die bisher verfolgte Straße von zu fester Be 
schaffenheit gewesen war, um ein Unterscheiden von Wagen 
spuren zu gestatten, entdeckte er auf dem Seitenwege, als 
er ihn zu Fuß ein Stück aufwärts verfolgt hatte, eine 
morastige Stelle, wo die mit Gleitschutz versehenen Pneu 
matiks eines schweren Auios unverkennbare Spuren zu 
rückgelassen hatten. Und das Auto hatte diese Stelle nur 
einmal passiert. Der Vicomte war also nicht umgekehrt, 
sobald er seines „Irrtums" inne geworden war, und es 
war taufend gegen eins zu weiten, daß er ihn einholen 
mußte, wenn er jetzt feine Spur verfolgte. Er eilte zum 
Wagen zurück und schwang sich auf den Fahrersitz. Die 
Baronin, die noch immer in Tränen zerfloß, erhob mit 
einem letzten, verzweifelten Versuch, sein steinernes Her; 
zu rühren, flehend die Hände: 
„Haben Sie doch Mitleid mit mir, Westenholtz, und 
lassen Sie uns ohne weiteren Aufenthalt nach Bruchsal 
fahren. Ich fühle mich so schlecht und werde nach all 
diesen Aufregungen gewiß meine Rervenansälle bekommen, 
wenn ich mich nicht bald in ein Bett legen kann. Für 
Miß Pendleton brauchen wir doch wahrhaftig nichts zu 
furchten. Sie befindet .(in; unter dem Schutze des Vicomte 
in der Obhut des tapfersten und ritterlichsten Kavaliers, 
dem jemals die Sorge um eine junge Dame anvertraut—" 
(Fortsetzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.