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Periodical volume Nr. 255, 29.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

fragen im Friedenauer Ortsteil. Da die Saarstraße bereits 
überlastet sei, müsse immer wieder die direkte Durchführung 
von Straßenbahnlinien durch die Rubensstraße gefordert 
werden. Um eine Omnibusverbindung zwischen dem 
Wannseebahnhof Friedenau und Ringbahnhof Wilmers 
dorf-Friedenau zu erreichen, müsse man anstreben, daß sich 
Schöneberg und Friedenau vielleicht gemeinsam an den 
gefordertenZuschüsscu beteiligen. Ferner sei eine Verlängerung 
der Autoomnibuslinie 14 von der Hauptstraße durch die 
Wielandstraße und zurück durch die Sponholzstraße angebracht. 
Im Wannseebahnverkchr müsse man die Beseitigung des 
20 Minutenverkehrs und die Einführung eines 10 resp. 
15 Minuten-Betriebes zu erreichen suchen. In der Aussprache 
wurde auf die Notwendigkeit eines besseren Nachtbetriebes 
im Wannseebahn- und Straßenbahnverkehr und eine Ver 
breiterung der Saar- und Beckerstraße hingewiesen. Außer 
dem wurde die Schaffung eines zweiten Gleises in der 
Rubensstraße als dringend notwendig bezeichnet. 
o Willy Deckert, der bekannte Violincello-Virtuos, spielte 
am 24. Oktober in Stralsund im 1. Sinfonie-Konzert des 
Musikkorps des Infanterie-Regiments Prinz Moritz von 
Anhalt-Dessau (5. Pom.) Nr. 42 das sehr schwierige Cello- 
konzert von Dvorak und erntete stürmischen Beifall. Auch 
die Leistungen des Orchesters unter Leitung des Musikmeisters 
Quarder fanden die wohlverdiente Anerkennung. 
v Äreiökriegerverband Teltow. Der letzte diesjährige 
Verbandstag am Sonntag, dem 26. Oktober, wurde wieder 
im Kriegervereinshause in Berlin, Chauffeestr. 93/94, abge 
halten. Nach Eröffnung durch den 2. Vorsitzenden Kain. 
Justizrat Hauptmanu d. L. a. D. Skopnik ersuchte Seine 
Durchlaucht Prinz Eduard Salm-Horstmar, der ^Protektor 
des Verbandes, den Vertreter, die entlassenen Reservisten 
zu danken und sie zum Eintritt in die Vereine zu ver 
anlassen, und brachte ein dreifaches Hurra auf Se. Majestät 
den Kaiser aus. Der Versammlungsleiter dankte Sr. 
Durchlaucht für sein Erscheinen und das stets erwiesene 
Interesse, und die Versammlung stimmte in das dreimalige 
Hurra auf Se. Durchlaucht freudig ein, ebenso in ein drei 
faches Hoch auf Ihre Majestät die Kaiserin, die am 
22. d. M. ihren Geburtstag gefeiert hat "und deren der Vor 
sitzende als des leuchtenden Vorbildes in der Ausiibung aller 
weiblichen Tugenden und Protektorin der Freiwilligen 
Sanitätskolvnnen gedachte. Die Verlesung des Berichts über 
die Tagung vom 20. Juli mußte unterbleiben, da der 
Schriftführer Kam. Schlieper erkrankt ist und nicht erschienen 
war. Der Vorsitzende wurde ermächtigt, ihm die Grüße 
der Versammlung zu übersenden und baldige Genesung zu 
wünschen. An Vorgängen innerhalb des Verbandes im 
letzten Vierteljahr waren zu vermerken: Mit dem Sitze in 
Berlin-Lichterfelde ist ein Marine-Verein der westlichen Vor 
orte Berlins gegründet, der seine Aufnahme in den Verband 
beantragt hat. Neu aufgenommen ist der Verein ehem. 
Jäger und Schützen in Britz, ein Vertreter war noch nicht 
erschienen. Aus der Gruppe Zossen ist der Verein Groß- 
Machnom, aus der Gruppe Nowawes der Gardeverein 
daselbst geschieden. Gestorben sind 22 Kameraden, unter 
ihnen Kamerad Gemeindevorsteher Wieck in Grunewald und 
Oberleutnant-Kraft-in Neuhof, die, wie noch mehrere andere 
Kameraden, Kriegsveteranen waren. Die Versammlung 
ehrte ihr Andenken in üblicher Weise. Vertreten waren von 
132 Vereinen 93. Der Verbandsbeitrag wurde nach dem 
schriftlichen, vom Versammlungsleiter verlesenen Bericht des 
Kassenführers Rechnungsrats Grüzmacher auf 60 Pfg. für 
den Bund und 5 Pfg. für den KrciSverband festgesetzt, für 
die Allgemeine Haftpflichtversicherung sind 4 Pfg., dagegen 
von Vereinen mit mehr als 200 Mitgliedern 7 M. Pausch- 
satz zu zahlen. Für Schußversicherung beträgt die Jahres 
prämie 6,60 M. bei einer Mitgliederzahl bis 100, 9,15 M. 
bei 200 Mitgliedern und 13,10 M. bei mehr als 200 
Mitgliedern. Alle Beiträge sind an den Kam. Grüzmacher 
in Berlin-Lichterfelde, Göbenstr. 8, zu senden und es wird 
an pünktliche Einsendung erinnert. Nach dem Berichte des 
Käm. Lehmann-Zehlendorf ist die Oberfechtschule des Ver 
bandes für ihre besonders hervorragenden Leistungen zur 
Meisterschaftsfechtschule erhoben. In diesem Jahre sind 
aber die Eingänge geringer als im Vorjahre, da seit 
Januar erst 1885,10 M. abgeliefert seien, es müsse daher 
sehr gesammelt werden, damit, wie 1912, der' Betrag von 
2500 M. erreicht werde. Die Büchsensammlung während 
der Tagung ergab 21,05 M. Der Verhandlungsleiter 
gedachte sodann der braven 28 Aiänner, welche am 17. d. Ai. 
auf dem Flugplatz in Johannischal bei dem betrübenden 
Unglück des „L. 2" für das Vaterland als Helden ihr Leben 
Sylvia erhob keinen weiteren Einwand, und Hoi- 
ningcn sah ein, daß auch er verurteilt war, zu schweigen, 
wenn er nicht geradezu einen Skandal heraufbeschwören 
wollte. Und dazu hatte er doch am Ende weder ein Recht 
Noch auch nur einen Vorwand. Denn alle diese Dinge 
waren ja scheinbar so harmlos und unverfänglich, daß ec 
sich in Sylvias Augen vermutlich unrettbar lächerlich ge 
macht hätte, wenn er sie vor einer Gefahr warnte, die er 
nicht zu bezeichnen vermochte. Er mußte also zusehen, wie 
der Vicomte der Amerikanerin in den Wagen half, um 
dann an ihrer Seite Platz zu nehmen, während die Führung 
des Gefährts dem Chauffeur überlassen blieb. Als der 
du Ballon an ihm vorbeischnurrte, warf der wackere 
Schmidt seinem Kollegen einen bedeutsamen Blick zu und 
um seine Lippen spielte ein ironisches Lächeln. Sylvia 
aber befand sich bereits in angelegentlicher Unterhaltung 
nnt ihrem Begleiter, und sie gönnte Hoiningen nicht für 
den flüchtigsten Moment den Anblick ihres Gesichts. 
Der Graf preßte die Lippen zusammen, während er 
den Enteilenden nachblickte: dann sah er auf seine Uhr. 
„Ich werde der eifrigen Briefschreiberin wohl gezählte 
zehn Minuten Zeit lassen," versprach er sich selbst. „Dann 
aber wird sie keine weichmütige Rücksichtnahme auf ihre 
zarten Nerven mehr von mir zu erwarten haben." 
Er gelobte sich's, und er hielt Wort. Die Minuten 
vergingen ihm langsam genug, aber als endlich die neunte 
um war, schob er die Uhr mit einer energischen Bewegung 
in die Tasche und sah sich nach irgendeinem dienstbaren 
Geist um, dessen er sich als Boten bedienen konnte. Glück 
licherweise tauchte eben seine Freundin aus der Garage, 
das niedliche Stubenmädchen, im Garten auf, und sie be 
eilte sich, näherzutominei!, als er ihr zuwinkte. .. 
haben dahingehen müssen. Die Versammlung ehrte ihr Andenken, 
das sie den Toten stets bewahren wird, durch Erheben von 
den Plätzen. 
o „Puppchen" wird das nächste Gastspiel der (Direktion 
Brodek & Stegemann) am Montag, dem 3. November 
dieses Jahres im Steglitzer Schloßpark sein« Da wir 
gewöhnt sind, daß uns diese Direktion stets die besten 
Novitäten und die größten Schlager nnt erstklassigen Kräften, 
wunderbaren Dekorationen und prachtvollen Kostümen zur 
Darstellung bringt, so wollen wir auch diesmal nicht ver 
fehlen, auf dieses Gastspiel ganz besonders hinzuweisen. 
Wie wir erfahren, übt das „Puppchen" mit der reizenden 
Musik von Jean Gilbert überall eine derartige Zugkraft aus, 
daß wochenlang vorher kein Billet mehr zu haben ist. Die 
Musik zu der Aufführung wird von der Berliner Künstler- 
Kapelle gestellt. 
o Bei dem grossen Herbst-Vreiskegekn im Lautcrplatz- 
Kasino, Friedenau, Hauptstr. 80, welches der Kegelklub 
„Friedenau 1909" auf allen 4 Spellmannbahnen veran 
staltet, findet jeden Donnerstag, Sonnabend und Sonntag 
statt. Gekegelt wird Wochentags von 6 Uhr Nachmittags, 
Sonntags von 3 Uhr Nachmittags bis 12 Uhr Nachts. 
5300 M. bare Geldpreise und 2000 M. Lebensmittelpreise 
gelangen zur Verteilung. Hohe Tages- und Stundenpreise. 
Auf 1 Kleinen Geldbahn, 1 Wild- und Geflügelbahn und 
1 Delikateßbahn jeden Sonntag nach Schluß des Kegclns 
Preisverteilung. Die Führung der Kegellisten haben Militär 
personen übernommen. Alle Kegelfreuude sind zu diesem 
Preiskegeln herzlichst eingeladen. An: Sonntag, denl 26. 
d. Mts. erhielten die ersten Preise: Auf Bahn II (Kleine 
Geldbahn), Herr Hecht-Charlottenburg mit 4 Kugeln 36 
Holz, Bahn III (Wild- und Geflügelbahn) Herr Damerau- 
Neukölln mit 4 Kugeln 34 Holz und auf Bahn IV (Delikateß- 
und. Schiukenbahn) Herr Wartemann-Steglitz mit 4 Kugeln 
33 Holz. Für gute Speisen und Getränke sorgt auf das 
beste der rührige Wirt des Casinos, Herr Brehmer. 
o Der Steckbrief, ein Kriminalroman in 3 Akten, 
verfaßt und inszeniert von Franz Hofer, wird von heute 
ab in den „Hohenzollern-Lichtspielen, Handjerystr. 64, ge 
zeigt. Spannende, aufregende Szenen spielen sich vor den 
Augen der Zuschauer ab, sodäß atemlose Stille im Saale 
herrscht. Für uns Friedenauer hat dieser Film noch be 
sonderes Interesse. In einem Bilde, das in einer Wald 
schenke spielt, sind nämlich der Chef und die Angestellten 
einer hiesigen Lichtspielbühne bei einem Glase Bier traulich 
vereint. Es dürften daher diese, vielen Besuchern bekannten 
neuen „Sterne" der Kinokunst schon eine besondere An 
ziehungskraft auf die Kinofreuude ausüben und den „Hohen 
zollern-Lichtspielen" ein volles Haus bringen. 
o Einen Selbstmordversuch unternahm vorgestern 
Abend ein Unbekannter in dem Lokale von Brix, Schloß 
straße 120. In der 10. Stunde erschien in der gen. Schank 
wirtschaft ein den besseren Ständen angehöriger Herr in den 
dreißiger Jahren und machte eine größere Zeche. Als sich 
der Lokalinhaber auf kurze Zeit nach dem Nebenraum begab, 
holte der Unbekannte einen Revolver hervor, um sich in den 
Kopf zu schießen. Im letzten Augenblick kam jedoch der 
Wirt wieder zurück, und konnte durch sein Eingreifen den 
beabsichtigten Selbstmord verhüten. Die Kugel ging fehl 
und drang in das Zigarrenlager, mehrere Kisten vernichtend. 
Als Herr Brix die Polizei telefonisch von dem Vorgang 
verständigte, verschwand der Selbstmordkandidat schleunigst. 
Er ist hoffentlich kuriert. 
o Polizeibericht. Als gefunden ist hier angemeldet 
worden: 1 Portemonnaie mit Inhalt. Der rechtmäßige 
Eigentümer vorbenannten Gegenstandes wird aufgefordert, 
seine Ansprüche binnen drei Monaten irn hiesigen Fundbüro, 
Feurigstraße 7, Zimmer 6, geltend zu machen, da sonst 
anderweit über den Fundgegenstand verfügt werden wird. 
Verems-tZackrickten 
Morgen Donnerstag tagen: 
„Friedenauer Männer-Gesangverein 1875", Ucbnngsstnndcn 
9—11 llhr im „Hohenzollern". Dirigent: Mnsitdirektor Paul Antoni. 
Kegelklub „Friedenau 1099" (Mitglied des Verbandes Berliner 
Kegelklubs E. V.) kegelt jeden Donnerstag von 8'/z-12 Uhr Abends 
auf 2 vorschriftsmäßigen Berbandsbahnen im Keglerheim Lautcr- 
platz-Casino, Hauptstr. 80. 
Lsrlm uncl Vororte 
§o Die jüngsten Erfahrungen mit den Berliner 
städtischen Schul-Sparautomaten haben nach dem soeben ver 
öffentlichten amtlichen Berichte ergeben, daß im verflossenen 
Jahre die Schülereinzahlungen einen wesentlichen Rückgang 
„Haben Sie Lust, sich noch cjn zweites Fünfmarkstück 
zu verdienen, Fräulein?" 
„Warum nicht?" lächelte sie. 
„Da ist es. Suchen Sie so schnell als möglich die 
ältere Dame auf, die zu meiner Partie gehört — sie muß 
irgendwo drinnen im Hause sitzen, und sagen Sie ihr, daß 
Westcnholtz nicht länger warten kann und nicht.länger 
warten will. Sagen Sie ihr das, bitte, mit denselben 
Worten. Und beeilen Sie sich, so sehr Sie können." 
Das kleine Zimmermädchen gehörte offenbar nicht zu 
den unzuverlässigen Leuten, die es mit der Gegenleistung 
nicht mehr allzu getrau nehmen, sobald sie den Lohn in 
der Tasche haben. Sie mußte ihren Auftrag sehr schnell 
und sehr gewissenhaft ausgerichtet haben, denn es waren 
noch nicht zwei Minuten verflossen, als die Baronin Ried 
berg in der Eingangstür des Hotels erschien, dunkclrot 
im Gesicht und gewappnet mit all der unnahbaren Hoheit 
ihrer bevorzugten gesellschaftlichen Stellung. 
„Was soll das heißen, Westenholtz?" fragte sie in 
einem Ton, der bestimmt schien, den unglücklichen Chauffeur 
vollständig zu vernichten. „Ich kann dies Mädchen doch 
wohl unmöglich richtig verstanden haben." 
»Wenn sie Ihnen gesagt hat, daß ich nicht länger 
auf Sie warten kann und will, so haben Sie sie durch 
aus richtig verstanden. Ich kann Ihnen nur die Wahl 
lassen, gnädige Frau, entweder sofort einzusteigen, oder 
hier in Heilbronn zu bleiben, bis sich Ihnen eine andere 
Beförderungsgelegenheit bietet. Denn ich werde in diesem 
Fall ohne Sie nach. Bruchsal oder anderswohin fahren." 
Außer sich vor Entrüstung rang die würdige Dame 
mühsam nach Atem: ■ 
»Oder anderswohin? Was, wollen Sie damit sagen 2" 
aufzuweisen haben. Die erst zwei Jahre bestehenden Auto 
maten sind bekanntlich bei den Pflichtfortbildungsschuleu an 
gebracht, und zwar für Zehn- und Fünfpfennigstücke einge 
richtet, für welche die Einleger eine selbsttätig gedruckte 
Quittungsmarke erhalten. Erst vor kurzer Zeit sind lviedcr 
drei neue aufgestellt morden. — Der absolute Betrag der 
von den Pflichtfortbildungsschülern gesparten Summe — 
17 623,60 M. — übertrifft zwar die des Vorjahres um ein 
Geringes; aber während den vier zuerst aufgestellten Auto- 
maten im Laufe der ersten acht Monate ihres Betriebes ins 
gesamt fast 14 000 M. einverleibt morden waren, hatten 
dieselben vier Automaten während derselben Zeit des ver 
flossenen Jahres noch nicht die Hälfte dieses Betrages — 
nämlich nur gegen 6800 M. — aufzuweisen. Da die 
einzelnen Apparate über räumlich weit voneinander entfernt 
liegenden Stadtgegenden verteilt sind, ist an eine ungünstige 
Beeinflussung der älteren durch die neueren gar nicht 
zu denken. > 
Wilmersdorf. Die Einwohnerzahl unserer Stadt 
betrug am 1. Oktober d. Js. 133 121. Gegenüber dem 
gleichen Zeitpunkt des Vorjahres bedeutet das ein Mehr 
von 8125 Personen. 
ZuTdmften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Eingeschriebene Hilfskassen als Ersatzkassen. Die neue 
Krankenversicherung nach der Reichsversicheruiigsordnuug 
fußt auf dem Gedanken der Zwangsversicherung in allge 
meinen großen Krankenkassen. Wirklich leistungsfähige 
Kassen, die für besondere Betriebe oder Berufe bereits be 
standen, sollen dabei geschützt und weiter zugelassen werden, 
kleine Kassen müssen dagegen verschwinden oder befreien nach 
dem 1. Januar 1914 nicht mehr von der Beitragspflicht. 
So sagt der 8 503 der R. V. O., daß die eingeschriebenen 
Hilfskassen oder, wie man sie jetzt nennt, Versicherungs 
vereine auf Gegenseitigkeit nur dann als Ersatzkassen zuge 
lassen sind, wenn ihnen vor dem 1. April 1909 eine Be 
scheinigung nach 8 75a des Krankenversicherungsgesetzes 
erteilt worden ist, sie den Bezirk und Kreis ihrer ver 
sicherungspflichtigen Mitglieder, wie er am 1. April 1909 
durch die Satzung festgelegt war, nicht verändert haben und 
ihnen dauernd mehr als tausend Mitglieder angehören. 
Diese Bestimmung bedeutet nun für eine ganze Anzahl 
kleiner Hilfskassen das Einstellen ihrer Wirksamkeit oder 
doch höchstens ein Weitervegetiercn als Zuschußkasse. Eine 
Reihe kleiner Hilfskassen wird nun tatsächlich ihren Betrieb 
einstellen. Eine Anzahl anderer Kassen scheint aber der 
Ansicht zu sein, durch eine Verschmelzung mit anderen 
Kassen das Gesetz umgehen und gewissermaßen als Zweig- 
organisation einer anderen Kasse in veränderter Form 
weiterbestehen zu können. Diesen Versuch haben z. B. die 
Krankenkasse des Vereins junger Kaufleute in Görlitz und 
die Krankenkasse für Handelsangestellte in Barmen im 
Verein mit anderen messt, lokalen Kassen gemacht. Die 
Krankenkasse des Vereins junger Kaufleute in Görlitz besaß 
wohl Freizügigkeit über ganz Deutschland, würde auch sonst 
wohl den gesetzlichen Anforderungen genügt haben, hatte 
aber nur 700 Mitglieder, hätte also keine Aussicht gehabt, 
Ersatzkasse zu werden. Sie vereinigte sich deshalb mit der 
Krankenkasse für Handelsangestellte in Barmen. Die 
vereinigten Krankenkassen nahmen den Namen: Krankenkasse 
für Kaufleute und Privatbeamte in Deutschland mit dem 
Sitz in Barmen an. Die Barmer Kasse für Haudels- 
angestellte hatte 4000 Mitglieder, wäre also als Ersatzkasse 
zugelassen worden, ihr Bezirk wäre dann aber auf Barmen 
beschränkt geblieben, da sie die Freizügigkeit in ihren 
Satzungen nicht hatte. Nach Ansicht hervorragender Fach 
leute, wie der Leiter und Mitglieder des Verbandes der 
freien Hilfskassen, auch bekannter Juristen, wie des Amts 
gerichtsrates Hahn, steht aber eine derartige Vereinigung 
oder Zusammenlegung verschiedener Kassen der Zulassung 
als Ersatzkasse entgegen. Tatsächlich haben beide Kassen, 
die Görlitzer wie die Barmer, den Kreis ihrer Mitglieder 
durch die Verschmelzung verändert. Und nicht nur das. 
Die Görlitzer Kasse, der die Mitglieder der Barmer 
Kasse geschlossen mit sämtlichen Aktiven und Passiven 
zugeführt worden sind, hat ihren Sitz nach Barmen 
verlegt, anstelle der messten Görlitzer Vorstandsmit 
glieder sind die Vorstandsmitglieder der Barnier Kasse 
für Handelsangestellte getreten, zum Ueberfluß ist der 
Name der Kasse geändert worden, sodaß in Wirklichkeit eine 
„Ich will damit sagen, daß ich nicht gesonnen bin. 
Miß Pendleton ihrem Schicksal zu überlassen, und daß 
ich sie erreicht haben will, bevor die Dunkelheit herein 
bricht." 
„Wie können Sie sich unterstehen, in einein solchen Ton 
mit mir zu reden, Sie — Eie gewöhnlicher Mensch!" 
Hoiningen legte seine Hand an den Hebel. 
»Ich sagte ,fofün‘, Frau Baronin — und ich wiederhole 
es — aber zum letzten Male." . 
Die Farbe ging und kam auf dem Antlitz der „ehr 
würdigen" Matrone. Sie hatte jedenfalls die fürchterlichsten 
und niederschmetterndsten Worte auf der Zunge; aber sie 
brachte merkwürdigerweise nicht eines von ihnen über die 
Lippen. Sie war den Augen des jungen Mannes be 
gegnet, die kalt und blank wie gezückte Dolchklingen auf sie 
gerichtet waren, und sie mochte sich in einem ivielbewegten 
Leben doch Menschenkenntnis genug erworben haben, um 
sich zu sagen, daß dieser Mensch genau das tun würde, 
was er ihr als seinen Einschluß augelündigt. Es war eine 
schreckliche Demütigung, die ihr da angesonnen wurde, aber 
sie entschied sich nichtsdestoweniger dafür, sie aus sich zu 
nehmen. 
Mit einem reckn kläglichen Versuch, ihre verlorene 
Haltung zurückzugewinnen, sagte sie: 
„Ich würde aus einem anderen Ton mit Ihnen sprechen, 
junger Mann, wenn ich nicht ohnedies eben im Begriff 
gewesen wäre. Ihnen die Abfahrt zu befehlen. Meine Kalien 
sind geschrieben. Lassen • Sie uns also aufbrechen und 
halten Sie für einen Augenbl ck vor dem Postamt." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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