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Periodical volume Nr. 35, 10.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Straße erhebliche Schwierigkeiten entgegen, weil wegen des 
sumpfigen Untergrundes der zur Anschüttung der Straßen 
und Böschungen aufgeschüttete Boden immer wieder versinkt. 
Zurzeit werden der Torfboden und die Infusorienerde weg 
geräumt. Leider verzögert sich die Beseitigung des durch 
den Seepark führenden Dammes der Mannheimer Straße, 
da gegen deren Aufhebung Einspruch erhoben worden ist.. 
Erst nach Beseitigung dieses Teiles der Mannheimer Straße 
wird die neue architektonisch reizvolle Brücke über den See- 
park im Zuge der Barstraße als Abschluß des großen See 
beckens zwischen der Augustastraße und der Barstraße in 
Erscheinung treten können, und erst dann wird man wohl 
den Eindruck gewinnen können, daß auch hier eine reizvolle 
Anlage entstehen wird. 
o Frost und Vogelwanderung. Man hat oft nach 
den Gründen gesucht, warum die Vögel im Herbst und zu 
Beginn des Winters nach anderen Ländern auswandern. 
In der Regel nimmt man dabei an, daß der Mangel an 
hiirreichender Nahrung (besonders nach Schncefall) die Tiere 
veranlasse, aus der Heimat fortzuziehen. Diese Annahme, die 
für bestimmte Arten in Betracht kommt, kann nach neueren 
Beobachtungen jedoch nicht als allgemeine Regel gelten. 
Vielmehr ist das Wandern der Vögel, die teils nach süd 
lichen. teils nach nördlichen Gebieten ziehen, dem Einflüsse 
der Temperatur zuzuschreiben: diejenigen Arten, welche den 
Frost lieben, verlegen ihren Aufenthalt nach Norden, die 
anderen, welche niedrige Teinperaturen nicht ertragen, 
wandern nach Süden. Von den letzteren sind einige Arten 
so empfindlich gegen die Kälte, daß sie nach den ersten 
kühlen Herbstnächten bereits ihre Flucht vor der unmirt- 
lichen Jahreszeit antreten, oft sogar mit wunderbarem 
Instinkt den endgültigen Beginn des Winters vorausahnen 
und sich rechtzeitig'^ in Sicherheit bringen. Andere, die 
widerstandsfähiger sind, warten einen gewissen Kältegrad 
ab und ziehen erst dann nach Siiden, wenn dieser über 
schritten wird. An ihrem neuen Wohnort beobachten sie 
dieselbe Regel und folgen so gewissermaßen den Fort 
schritten, welche der Frost auf seinem Wege von Norden 
nach Süden macht. Diese Taktik ist speziell Sumpf 
vögeln eigen, die sich in der zweiten Hälfte des November 
oder zu Anfang Dezember auf die Wanderung begeben. 
Von ihnen zieht die Wildgans zuerst. Sieht man sie vor 
dem 20. November auf der „Siidreise", so kann tiian sich 
auf einen strengen Winter gefaßt machen. Die Wildgans 
zieht in Schwärmen von etwa zwanzig Stück, die eine 
gerade Linie oder ein Dreieck formieren. Die Schwärme 
setzen auch während der Nacht ihren Flug fort und verraten 
sich dem Jäger dadurch, daß die Gänse unaufhörlich ihren 
schrillen Ruf ertönen lassen. Sie zu erlegen, ist aber selbst 
mährend des Tages unmöglich, da sie in sehr großer Höhe 
streichen, wo das Kaliber der gewöhnlichen Jagdgewehre sie 
nicht mehr erreicht. Nur wenn sich der Schwarm irgendwo 
im Röhricht ausgeruht hat und dann auffliegt, hat der 
Jäger Aussicht auf Beute. Es kommt auch bisweilen vor, 
daß einzelne Tiere sich vom Schwarm absondern und an 
einem ihnen zusagenden Orte trotz der Kälte zu überwintern 
versuchen. Diese sind dann leicht zu erjagen. Einen merk 
würdigen Einfluß üben ans die Tiere, die sich auf der 
Wanderung befinden, plötzliche Stürme oder andere atmo 
sphärische Störungen ans — sie scheinen dann gänzlich ihre 
Orientierung zu verlieren und flüchten sich selbst zu den 
Niederlassungen der Menschen, vor denen sie sonst eine sq 
große Scheu bezeigen. Vor einer Reihe von Jahren hat 
man z. B. in Paris, in dem Hafenbassin mitten in der 
Stadt, Wildgänse und Haubentaucher beobachtet, die van 
dem stürmischen Wetter dorthin verschlagen worden waren. 
Die Einwohner waren nicht wenig erstaunt und interessiert, 
diese schönen Tiere dort einige Tage sehen zu können, die 
inan sonst nur auf offener See im Spiel mit den Wogen 
des Ozeans beobachten kann. 
o Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
Thorwaldsenstr. 29, Ecke Horstkohlstr. 11, belegene, zur Zeft 
der Eintragung des Verstcigerungsvermerkes auf den Namen 
der Frau Marie Templiner, geb. Nitz, Thorwaldsenstr. 39, 
eingetragene Grundstück, am 23. Dezember 1013, Vorm. 
10 Uhr versteigert werden. Das Grundstück ist bei einem 
Nutzungswert von 11 700 M. mit einem Jahresbeitrag von 
45(3 M. zur Gebäudesteucr veranlagt. 
o Männer - Turnverein. Am Sonntag, dem 26. 
Oktober 1913 früh 7.45 trafen am Ringbahnhvf Wilmers 
dorf - Friedenau 14 Turner der Jünglingsabteilung des 
Männcr-Turnvereins zu einer Turnfahrt, unter Leitung der 
Turnwarte W. Heusner und Roock zusaminen. Nach kurzer 
Fahrt bis Pichelsberge wanderten die Turner durch den 
taufrischen Morgen über die Hecrstraßen-Brücke, mit dem 
Gesang „Des Sonntags in der Morgenstund" über Wiesen 
und Felder, durch den herbstlich schönen Laubwald nach 
Grvß-Glieuicke. Hier verzehrten die Turner ihr Frühstück, 
und zogen dann in fröhlichster Slimmung an den Glieuicker- 
und Sakrowcr Seen entlang zur Sackowcr Fähre. Unter 
wegs nahm Turngenosse Roock Gelegenheit zu zwei photo 
graphischen Aufnahmen, die hoffentlich recht gut gelungen 
sind. Nach Uebersetzen der Havel, welches durch die Hilfs 
bereitschaft der jungen Turner außerordentlich schnell vor sich 
ging, erklimmte man die Höhe von Nikolskoc, wo sich allen 
ein schöner Ausblick bot. Auf dem Platz hinter dem Block 
haus fand dann der angesetzte Dreikampf, Weitsprung, 
Steinstoßen und 100 Meterlaufen statt. Es wurde iir voll 
ständigem Altzuge geturnt und recht gute Leistungen erzielt. 
(Steinstoßen etwa 10 Pfund 9,20 Meter, Weitspringen 4,20 
Meter, Laufen 13 Sek.) Nach dem Uebersetzen verloren sich 
3 Turner und konilten an dem Dreikampf nicht teilnehmen. 
Dann ging die Wanderung quer durch den Wald auf die 
Chaussee Wannscc—Potsdam zu. Hier auf dem durch den 
Eilbotenlanf nach Leipzig historisch gewordenen Boden 
ivtirde das 100 Meterlaufen abgehalten. Nach dessen Be 
endigung giqg cs nach Stolpe und Albrechtstecrofen nach 
der Machuower Schleuse zum Kaffee trinken, wo sich die 
Verlorenen wieder fanden. Als man nach Beendigung der 
Kaffeetafel weiter dem Ziele Teltow zustreben wollte, über 
raschte ein Regen die Turnfahrtler, sodaß die Straßenbahn 
nach dort benutzt werden mußte. Im Restaurant Bürger- 
Kasino des Herrn Hartinann lvurden mit bestem Appetit 
die bestellten Kartoffeln und Heringe verzehrt. Bei dem ge 
mütlichen Beisammensein nach dem Essen wurden bic Sieger 
aus dem Dreikampf verlesen. Um auch den weniger be 
fähigten Turnern etwas zukommen zu lasseil, ivurde von der 
bisherigen Wertungsiocise abgewichen und der Beste mit dein 
1., der Geringste mit dem 3. und derjenige, welcher dein 
Durchschnitt am nächsten war, mit dem 2. Preis ausge 
zeichnet. Es waren dies die Turner: Walter Eisen 1., 
Felix Döring 2. und Walter Busch 3. Preis. Nach einigen 
Vorträgen und Singen von Turnliedern brachen die Turner 
um 1 /. 2 0 Uhr auf und marschierten nach Bahnhof Zehlen 
dorf-Mitte, von wo um 9.15 Uhr die Heimreise erfolgte. 
Vollauf befriedigt von dem guten Verlauf der Turnfahrt 
traf man wieder in Friedenau ein. Die Abeilung turnt 
Mittwochs und Sonnabends von 8 — 10 Uhr in der Albe 
straße. Gäste willkommen. 
o Der neue Spielplan des Biofontheatcrs in der 
Rheinstr. 11, weist wieder eine Fülle interessanter Neu 
heiten aus der Filmwelt auf. Weine nicht, Mutter! ein 
ergreifendes Drama mit Suzanne Grandais in der Haupt 
rolle wird allseitigen Beifall finden wegen seines gefühl 
vollen Inhalts und großartigen Darstellung. Ein hübsches 
Komödien-Drama in 3 Akten ist der große Film „Die 
kleine Königin", eine kinematische Leistung ersten Ranges. 
Die beliebte Vivfon-Revue von Pathö freöres bringt allerlei 
Neues aus verschiedenen Ländern. Eine spaßige Komödie 
ist die amerikanische Miß, auch'Die Nutzung der Wälder in 
Nord-Amerika zeigt die großartigen Leistungen der dortigen 
Filmindustrie. Ein reizendes Naturbild bringt ein koloriertes 
Bild in berückender Farbenpracht und Beleuchtung. Zahn 
um Zahn gibt dem beliebten dicken Herrn Bunny Gelegen 
heit, seinen trocknen Humor glänzen zu lassen. Wie immer 
zeichnen sich auch alle diese neuen Bilder durch Klarheit und 
Schärfe vorteilhaft aus. Anfang 0 Uhr, Sonntag 4 Uhr. 
o Die „Hohcnzollcru-Lichtspiele", Handjerystraße 6 t, 
zeigen heute und folgende Tage die Sturzflüge Pogouds 
iu Johannistal. Von packender Wirkung ist das Drama 
„Der Liebe Flammen" in 2 Akten. Eine Episode aus dem 
amerikanisckicn Bürgerkriege betitelt sich „Opfer des Krieges". 
Der Film ist reich an spannenden Szenen und setzt das 
Publikum durch seinen ganzen Ausbau iu Stauneu. Auch 
die übrigen Nummern des Programms beweisen wieder den 
guten Geschmack der Direktion in der Auswahl der Bilder. 
Man versäume daher nicht, in die „Hohenzollern-Lichtspiele 
zu gehen. 
o Großes Herbstpreiskegcltt im Vahnschlvstchen. 
Das vom Inhaber des Keglerheims „Bahnschlößchen" C. 
Müller ant Wannseebahnhos Friedenau, Sponholzstr. 28 
veranstaltete Große Herbstpreis-Kegeln nahm am Sonnabend 
und Sonntag unter starker Beteiligung seinen Fortgang. 
Wer an diesen Tagen einige Stunden als Zuschauer im 
Keglerheim verweilte, mußte uubediugt zu der Ueberzeugung 
kommen, daß der Kegelsport zu den edelsten, Nerven und 
Bon der Tür her aber erklang im nämlichen Mo- 
ment eine sehr weiche und süße Stimme: 
„Entschuldigen He die Störung, Westenholtz! Ich 
wollte Ihnen nur sagen, daß wir uns noch eine halbe 
Stunde oder etwas länger hier aufhalten werden. Ich 
glaubte, es würde Ihnen angenehm fein, das zu wissen, 
für den Fall, daß Sic zu rauchen oder sich — auf andere 
Art zu unterhalten wünschen." 
Es war kein Zweifel, daß Miß Pendleton die letzten 
Worte des Chauffeurs gehört und das Herausfordernde Be- 
nehinen des Mädchens beobachtet hatte. Hoiningen hatte 
sich kaum je in seinem Leben so beschämt gefühlt wie in 
diesem Augenblick. Er war so verwirrt, daß er keine an 
dere Antwort fand als ein halblautes: 
„Ich danke Ihnen, Miß Pendleton," und daß er ffine 
Uhr aus der Tasche zog und sekundenlang das Zifferblatt 
anstarrte, nur um nicht dem Blick der jungen Amerikanerin 
begegnen zu müssen. Sylvia zog sich ohne ein weiteres 
Wort zurück, und das Stubenmädchen lachte: 
„Die junge Dame ist ja merkwürdig besorgt um Sie. 
Sie wird doch hoffentlich nicht eifersüchtig auf mich sein." 
Statt jeder anderen Erwiderung griff Hoiningen in 
die Tasche und drückte der Kleinen ein Geldstück iu die 
Hand. 
„Dies für die freundliche Bemühung mit dem Tee, 
mein Kind! Und nun entschuldigen Sie mich, bitte! Ich 
muß meinen Motor nachsehen und kann mir deshalb leider 
nicht das Vergnügen machen, noch weiter mit Ihnen zu 
plaudern." 
Ganz verdutzt halle das Mädchen auf das darge 
reichte Fünfinarl'stück gestarrt, und es blieb mindestens 
zweffeihaft, ob die Freude über das unerwartet, reiche 
Trinkgeld oder der Verdruß über die unzweideutige Zurück 
weisung iu ihrem Herzen überwogen, Nach einer kurzen 
Unentschlossenheit aber warf sie den Kopf zurück, steckte die 
fünf Mark ffr ihre Schürzentasche und verließ mit einein 
etwas schnippischen: 
„Großartige Herrschaften haben natürlich auch groß 
artige Chauffeure," die Garage. 
Eine kleine Weile blieb es still zwischen den Zurück 
gebliebenen. Die forschenden und misstrauischen Blicke, die 
Marignys Chauffeur zu dem Berufsgenossen hinüber 
schweifen ließ, verrieten, daß auch er sich über die Frei 
gebigkeit und das Auftreten des Kollegen seine besonderen 
Gedanken machte. Endlich sagte er: 
„Sonderbar! Mir ist, als müßte ich Sie schon irgend 
wo gesehen haben — aber nicht als Chauffeur. Wie find 
Sie denn eigentlich dazu gekommen, mit Hasenkainp zu 
tauschen?" 
„Er hatte ein anderes Anerbieten, das er nicht gern 
.ausschlagen wollte." * 
„So? — Und nun werden Sie die ganze Tour mit 
den beiden Damen machen?" 
„Ja," erwiderte Hoiningen ohne alles Besinnen. Und 
er war ein wenig erstaunt über sich selbst, daß ihm diese 
Bejahung wie etwas ganz Selbstverständliches nicht nur 
über die Lippen, sondern auch aus dem Herzen gekommen 
war. Ohne dies laut und vernehmlich gesprochene Ja 
würde er sich selber vielleicht nach keineswegs vollkommen 
klar gewesen sein über den großen und bedeutsamen Ent 
schluß, den er wahrend der letzten' halben Stunde gefaßt 
hatte — einen Entschluß, den er noch kurz vorher für 
etwas ganz Unmögliches gehalten haben würde. Zugleich 
aber fühlte er ein Bedürfnis. weitere, allzu Unbequeme, 
Muskeln stärkenden Sports zu zählen ist. Welche Be 
wunderung muß man den Männern zollen, die mit starkem 
Arm und großer Ruhe eine Kugel ivie die aitdere aus das 
Brett legen. Herren aller Gesellschaftsklassen, die ihre Tätig 
keit im Büro usw. haben, müßten sich diesem Sport 
widmen. Um Anschluß zu finden, sei es Nachmittags oder 
Abends, ist Herr El Müller gern bereit, einen in gesell 
schaftlicher Beziehung passenden Klub nachzuweisen. 
o Flüchtig geworden ist nach Verübung von Unter 
schlagungen in Höhe von mehreren tausend Mark der bisher 
hier, Rheinstr. 33 wohnhaft gewesene 42 Jahre alte Buch 
halter Adolph Behm. 
o Einen Schlaganfall erlitt hier auf der Straße ein 
45—50 Jahre alter Mann, 130 Meter groß, mit grau 
meliertem Bart, blauen Augen und falschen Zähnen. Alan 
brachte ihn nach dem Stubcnrauch-Krankenhause, wo er ver 
storben ist. Der Tote trug dunklen Jakettanzug und 
Sommerüberzieher, schwarzen, steifen „G. H." gezeichneten 
Hut, goldene Uhr und silbernes Zigaretten-Etui mit 
türkischen und russischen Namenszügcn. Er gehörte an 
scheinend den Artistenkreisen an. 
o Ein Weindieb ist kürzlich von der Steglitzer Polizei 
verhaftet worden. Es wurden bei ihm eine größere Anzahl 
Flaschen mit Wein vorgefunden. Inzwischen ist es ge 
lungen, den Besitzers des Weines in der Person des Ghin- 
nasialaldirektors T. aus der Fregestraße zu ermitteln. 
Morgen Mittwoch tagen: 
Thcatervcrcin ,,-kcrrcs" 1873. Sitzungen jeden Mittwoch 
9*/, Uhr im Vcreinslokal Paul Spanholz, Steglitz. Körncrstr. 48c. 
Gäste als Mitglieder und Spieler sind herzlich willkommen. 
SOörreberg 
—o In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenver 
sammlung (wurde die Vorlage des Magistrats bctr. Er 
richtung einer neuen Magistratsassessorstelle einem Ausschüsse 
überwiesen. Das gleiche Ergebnis hatte der Antrag, die 
Heizung in der neuerbauten höheren Mädchenschule schon 
jetzt in Betrieb zu setzen, damit die neue Schule im Winter 
gehörig austrocknet und die Schule zum 1. April 1014 be 
zogen werden kann. Stadtv. Jatzow hielt die vom Ma 
gistrat hierfür angeforderte Summe von 20 000 M. zu hoch. 
Für die Errichtung einer Stahlkammer in der Nebenstelle 
der städtische Sparkasse am Rudolf-Wilde-Plotz wurden 
24 500 M. bewilligt. Die Stadtv. Jatzow (Fr. F.) und 
Genossen waren um Auskunft gebeten, ivas eine Um 
wandlung des Schulbauplatzcs auf dem Kiekebnschschen Ge 
lände in einen Kinderspielplatz kosten würde. Stadtrat Katz 
und die Stadt. Zobel (lib. Fr.) und Küter (Svz.) hielten 
es für sehr unzweckmäßig, dort einen Spielplatz einzu 
richten, rveil iu unmittelbarer Nähr sich das Aufmarsch 
gelände befindet, wo die Kinder nach Herzenslust spielen 
können. Dieser Auffassung schloß sich die Stadtverordneten 
versammlung an und lehnte den Antrag Jatzow ab. Für 
die Schulzahnklinik wurden 600 M. nachbewilligt. Für 
die Wohnungsinspektion wurden 350 Al. bewilligt. Bei 
dieser Gelegenheit führte Stadtv. Linicus (Fr. Fr.) aus, daß 
über die weibliche Gehilfin in der Wohnungsinspektion Be 
schwerden laut geworden sind und bat, die Geschäfte dieser 
Inspektion ordnungsgemäß zu behandeln. Stadtmedizinalrat 
Dr. Rabnow antwortete, daß ihm zwei Beschwerden über 
die Wohnungsinspektion zugegangen wären. Die eine Be 
schwerde stamme von einenn Hausbesitzer, der sich darüber 
beklagte, daß ihn die Jnspektoriu mit Hausverwalter tituliert 
habe. (Große Heiterkeit). Die andere Beschwerde stammt 
von einer alten Dame, die mitteilt, daß in ihrer Wohnung 
seitens der Wohnungsinspektion „Uebcrgriffe" vorgekommen 
wären. Es ist aber einwandfrei festgestellt morde», daß 
die Wohnung der beschwerdeführenden Dame überhaupt 
nicht besichtigt worden sei. (Heiterkeit). Die Beschwerden 
entbehren also jeder Begründung. Im ganzen wären bis 
jetzt bereits 2300 Wohnungen besichtigt worden. Der 
Magistrat hatte beantragt, daß alle Beamten der Feuerivchr, 
deren jährliches Diensteinkommen 2500 M. nicht übersteigt, 
in Krankheitsfällen ein Anspruch mindestens entweder auf 
Krankenhilfe in Höhe und Dauer der Regelleistuugen der 
Krankenkassen oder für die gleiche Zeii auf Gehalt, Ruhegeld, 
Wartegeld, oder ähnlichen Bezügen im 1 1 / 2 fachen Betrage 
des Krankengeldes gewährleistet wird. Ohne Erörterung 
erklärte sich die Versammlung mit dem Antrage einver 
standen. 
Fragen des anderen abzuschneiden, und da ihm nichts 
Besseres einfiel, um dem Gespräch eine minder verfäng 
liche Wendung zu geben, zog er sein Zigaretten-Etui aus 
der Tasche und hielt es dem Kollegen entgegen. 
„Wollen Sie sich gefälligst bedienen, Herr " 
»„Schmidt', wenn Sie nichts dagegen haben. Ein sehr 
gewöhnlicher Name, aber unsereins ist ja auch nur ein 
ganz gewöhnlicher Mensch. Mit Ihrer Erlaubnis bin ich 
so frei." 
Er zündete die Zigarette an, sicherlich eine der vor 
züglichsten, die er jeinchitz zwischen den Lippen gehabt, 
aber schon nach den ersten Zügen verzog er das Gesicht 
und schüttelte mißbilligend den Kopf. 
„Nehmen Sie nür's nicht übel, Kollege — aber das ist 
kein Kraut für mich. Es ist kein Säst und keine Kraft 
darin. Da, versuchen Sie lieber mal eine von den 
meinigen." 
Hoiningen weigerte sich nicht, um die gute Kamerad 
schaft aufrechtzuerhalten, die ihm für seine Zwecke mög 
licherweise noch sehr nützlich werden konnte, und er ver 
giftete todesmutig gleich dem anderen die unschuldige 
Atmosphäre mit dein beizenden Qualm einer Zweipfeniiig- 
^igareite, deren Einlage sicherlich auf keinem anderen als 
auf uckerinärkifchem Gefilde geivachsen war. 
„ch)as ist was Kerniges— nicht wahr?" fragte Schmidt 
voll Selbstgefühl. „Man weiß doch, was man raucht. Ihr 
Zeug ist ja noch matter als die Zigaretten des Vicomte, 
mit denen ich hier und da beglückt werde. Französisches 
Fabrikat — verstehen feie! Und dabei teuer, daß es eine 
Sünde und eine Schande ist." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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