Path:
Periodical volume Nr. 253, 27.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Lombardzinsfuß für Darlehen gegen Verpfändung von 
Effekten und Waren von 7 auf öV 2 Proz. herabgesetzt 
worden. Der Reichsbankdiskont war seit dem 14. November 
vorigen Jahres unverändert 6 Proz. Seit dem Jahre 1882 
ist es heute das erste Mal, daß die Reichsbank ihren 
Diskont im letzten Quartal des Jahres herabsetzt. 
0 Zur Beachtung für Hundebesitzer! Durch Bekannt 
machung des Herrn Regierungspräsidenten ist eine polizei 
liche Anordnung vom 28. Juli über die Hundesperre auf 
gehoben worden. Um Jrrtiimern vorzubeugen, bemerken 
wir, daß diese Anordnung sich nur auf den Bezirk Anger 
münde bezog, für den die Hundesperre bis zun: 20. Oktober 
festgesetzt war. Fiir den Kreis Teltow und damit auch fiir 
Friedenau ist eine derartige Aufhebung noch nicht erfolgt. 
Die Hundesperre bleibt hier, falls nicht noch andere An 
ordnungen getroffen werden, bis zum 15. November in dem 
bisherigen Umfange bestehen. Es müssen also in Friedenmr 
sämtliche Hunde einen Maulkorb tragen. Außerdem besteht 
hier nach der Ortspolizeiverordnung Leinenzwang fiir 
Hunde, die über öffentliche Plätze mit gärtnerischen Anlagen 
oder Straßen mit Rasenflächen usw. geführt werden. Also 
außer auf den Plätzen mit Gartenanlage sind hier Hunde 
an der Leine zu führen in der Rheinstraße, Varzinerstraße, 
Kaiserallee (nördlicher Teil) und im Südwestkorso. 
0 Anschluß an die Wilmcrsdorf-Dahlemer Schnell 
bahn sucht jetzt auch Zehlendorf zu erlangen. Die 
dortige Gemeindevertretung hat sich grundsätzlich mit einer 
Omnibusvcrbindung zwischen dem Schnellbahnhof Thielplatz 
und dem Wannseebahnhof Zehlendorf-Mitte einverstanden 
erklärt, wenn auch dazu voraussichtlich 20- bis 30 000 M. 
Zuschuß seitens der Gemeinde erforderlich sein werden. — 
Gute Verkehrsverbindungen machen sich immer bezahlt, 
denkt man in — Zehlendorf! Und hier? 
0 Auf eine 30 jährige Ehe blickte gestern der frühere 
langjährige Geschäftsführer der Kunstschlosscrei Klemine 
Herr Georg Henkel und seine Ehefrau Marie zurück. Fast 
während der ganzen Zeit ihrer Ehe wohnen die Jubilare 
Fregestraße 77. 
0 Die Zeit der Bälle und Tanzkränzcheu hat be 
gonnen. Unter den fröhlichen Weisen wiegender Walzer 
wogen die Paare durch den Saal, liebliche Mädchengesichter 
erstrahlen in heller Freude, aber auch manch niedliches 
Jungfräulein sitzt betriibt als „Mauerblümchen" in einer 
Ecke und seufzt über den Mangel an Herren, der sich bei 
den Ballvergniigungen als ein chronisches Uebel erweist. 
Ein Privatgelehrter, der, wie es scheint, über sehr viel freie 
Zeit verfügt, hat sich einmal der interessanten Aufgabe 
unterzogen, zu ermitteln, auf wieviele Damen in jedem 
Lande ein Tänzer zu entfallen pflegt, und hat nach gründ 
lichen Studium hieriiber eine Statistik aufgestellt, für deren 
absolute Richtigkeit wir ihm freilich die Verantwortung allein 
überlassen müssen. Am glücklichsten daran sind nach jener 
Aufstellung die Wienerinnen, indem schon auf zwei 
Tänzerinnen ein Tänzer trifft. In Bayern ist das 
Verhältnis wie 1 zu 7, in Italien wie 1 zu 15, in 
Württemberg 1 zu 20, in England- 1-zu 25, in den Nieder 
fanden 1 zy 26, in Preußen 1 zu 28, in Hamburg, 
Bremen und Lübeck 1 zu 34, in Sachsen 1 zu 38, in 
Spanien 1 zu 50, in der Schweiz 1 zu 107, in Portugal 
1 zu 110, in Dänemark 1 zu 130, in Rußland 1 zu 159, 
in Schweden und Norwegen 1 zu 211 und in der Türkei 
1 zu 9000. 
0 Erneute Warnung vor Gassparapparaten ist jetzt, 
wo die Abende wieder länger werden, am Platze. Solche 
Warnungen sind schon öfter erschienen, aber noch immer 
sind sich viele — besonders die Frauen — noch nicht 
darüber klar, daß es eigentliche Gassparer nicht gibt, und 
nicht geben kann. Jede wirtschaftlich veranlagte Hausfrau 
möchte sparen, gleichviel, ob sie cs nötig hat oder nicht. 
Auf diese Eigenschaft rechnen Geschäfte, die es sich zum 
Prinzip gemacht haben, auf Kosten der Unkenntnis anderer 
zu verdienen. Wie der Magistrat in Charlottcnburg mit 
teilt, mehren sich jetzt wieder die Fälle, in denen sogenannte 
Gasspacapparate in den Haushaltungen durch Hausierer an 
geboten werden. Diese Apparate werden zunächst „zur 
Probe" angebracht, die von den Hausierern mitgebrachten 
Verträge anstandslos unterschrieben, und man steht nachher 
vor der Tatsache, die Apparate käuflich übernehmen zu 
müssen, da man die in dem Vertrag vorgesehene Kündigung 
nicht eingehalten hat. Alle diese Apprate sind wertlos. 
Die Gasanstalten haben selbst das größte Interesse daran, 
splendid ausgestaltetes Automobil, das ihm unangenehm 
bekannt vorkommen wollte. Auch den langen Chauffeur, 
der gemächlich rauchend an seiner Maschine lehnte, glaubte 
er bereits gesehen zu haben, und nachdem er den Motor 
abgestellt und seinen Sitz verlassen halte, fragte er: 
„Was für ein Wagen ist das, mein Freund, sofern es 
gestattet ist, sich danach zu erkundigen?" 
„Ein du Dalion neuesten Typs, — großartiges Pa 
riser Fabrikat." 
„ltnd der Besitzer?" 
„Besitzer? — 'Ich weiß nicht. Ich weiß nur, daß 
der Herr, der in dem Wagen durch Deutschland fährt, 
ein Vicomte de Marignu ist. Uebrigens meine ich, daß 
Ihr Wagen mir auch schon mal vorgestellt wurde. Und 
zwar erst vor einigen Tagen. Aber der Chauffeur war 
freilich ein anderer." 
Hoiningen, der Mühe hatte, seinen Verdruß zu ver 
bergen, sagte ziemlich kurz: 
„Ja, es war einer meiner Freunde, mit dem ich 
inzwischen getauscht habe." 
„Hasenkamp hieß er, nicht wahr? Ein verteufelt 
trinkfester Bursche, das muß wahr fein. Sie sind mit zwei 
Damen von Heidelberg gekommen?" 
„Ja. Woher können Sie das wissen?" 
„Weil mein Herr gewaltig darauf erpicht war, diese 
Damen zu treffen. Wir sind von Bruchsal zu keinem 
anderen Zweck herübergekommen, als um ihnen hier zu 
begegnen." 
„Hat der Vicomte Ihnen das gesagt?" 
„Nein. Er hat nicht die Gewohnheit, sich über seine 
privaten Angelegenheiten mit mir zu unterhalten. Aber 
ich habe gehört, wie genau er sich überall erkundigte, ob 
der Wagen mit den beiden Damen nicht etwa schon durch- 
doß die Apparate so wenig wie möglich Gas verbrauchen, 
um auf diese Weise möglichst viel Konsumenten zu ge 
winnen. Falls solche Apparate tatsächlich existierten, so 
würde die Gasanstalt als erste die Einführung dieser zu 
fördern suchen. Wer Gas sparen will, benutze moderne 
Kocher und Lampen, die das Gas in vollkommenster Weise 
ausnutzen. Die Verwertung wertloser Apparate, die in der 
Anschaffung billiger sind, bewirkt sehr häufig einen höheren 
Gasverbrauch. Das einzig wirklich geeignete Mittel, Gas 
zu sparen, ist außer dem bereits erwähnten vor allen 
Dingen das sparsame Umgehen im Gebrauch des Gases. 
Wo eine kleine Flamme genügt, soll man keine große 
brennen, da sonst unnötigerweise Wärme, die Geld kostet, 
verloren geht. Also keine Anschaffung wertloser, minder 
wertiger Gassparer, sondern nur vernünftiges und wirt 
schaftliches Umgehen mit Gas führt zu dem erstrebten Ziel, 
die Gasrechnungen möglichst billig zu halten. Da jetzt 
beim Charlottenburger Amtsgericht massenhaft Klagen in 
der Angelegenheit schweben, wäre es wohl angebracht, vor 
diesem Schwindel nochmals zu warnen. Die Gefahr für die 
Betrogenen in diesen Prozessen besteht darin, daß sie, selbst 
wenn sie die Prozesse gewinnen, wahrscheinlich doch die 
Kosten bezahlen müssen, da gewöhnlich von solchen „Klägern" 
nichts zu holen ist. 
0 Von der Grundsteinlegung unseres Rathauses 
hat die Direktion des Viofoutheaters, — welche bekanntlich 
auch eine Filmaufnahme dieses historischen Moments hat 
anfertigen lassen — 4 Einzelaufnahmen machen lassen, 
welche sehr scharf die vielen Portraits der Teilnehmer zeigen. 
Für diese, wie für andere Interessenten, sind die elegant 
aufgezogenen Bilder pro Stück für eine Mark in den Abend 
stunden im Biofontheater Rheinstraße käuflich zu haben, 
worauf wir hiermit aufmerksam machen. 
0 Der Grnncwalder Fischzng, der alljährlich auf den 
der Gemeinde Gruuewald gehörigen Seen veranstaltet wird, 
hat diesmal nur eine geringe Ausbeute ergeben. Gefangen 
wurden rund 1 1 / 2 Zentner Plötzen und 3 / 4 Zentner Karpfen, 
die insgesamt eine Einnahme von 160 M. ergaben. Die 
Fischzucht scheint durch die ungünstige Zusammensetzung des 
Wassers und durch den Rückgang des Wasserspiegels 
ungünstig beeinflußt zu sein, da von den ausgesetzten Aalen, 
Hechten, Karauschen und Goldorfen nichts gefangen wurde. 
0 Im Handelsregister gelöscht wurde die Firma 
Hermann Noack, Restaurant zum Burghof, Hauptstr. 85. 
0 Der Nationalliberale Qrtsverein zu Friedenau 
veranstaltet auch in diesem Jahre Vorträge mit an 
schließender Aussprache sowie Vereinsabende mit Erörterung 
politischer Tagesfragen; außerdem sollen rein gesellige Ver 
anstaltungen den näheren persönlichen Zusammenschluß der 
Mitglieder vermitteln. Der Vorstand bittet die Mitglieder 
dringend um rege Werbetätigkeit für den Verein, um Beteiligung 
seinen Veranstaltungen und Einführung solcher Personen, 
die für die Vereinsabende und für die nationalliberale 
Partei zu gewinnen sind. Er bemerkt ausdrücklich, daß 
auch Damen Mitglieder des Vereins werden können und zu 
allen Veranstaltungen herzlich willkommen sind. Für diesen 
Winter sind u. a. folgende Vorträge in Aussicht genommen: 
1. Ueber Erziehung zum politischen Denken und Handeln 
von Herrn Lehrer Wille. 2. Politische Reiseeindrücke aus 
Oesterreich und dem Elsaß von Herrn Geh. Regierung-rat 
Vogt. 3. Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft von 
Herrn Oberpostpraktikant Dr. Roscher. 4. Ueber Schul 
reform von Herrn Professor Schmidt. 6. Die Frau in der 
Politik von Herrn Geh. Negierungsrat Vogt. 
0 „Freie Vereinigung der Musikfreunde" Steglitz- 
Dahlem. Angeregt durch eine stattliche Zahl musikliebeuder 
Bewohner der westlichen Vororte, insbesondere aus Steglitz, 
Dahlein und Friedenau, hat die „Freie Vereinigung der 
Musikfreunde" Herrn Walter Scharwenka, dessen langjährige 
Tätigkeit als Musiker hinreichend bekannt ist, gebeten, 
jährlich wiederkehrende Große Abonuemcntskonzerte mit dem 
Blüthner-Orchester unter Mitwirkung erster Solisten unter 
den Namen Walter Scharwenka-Konzerte ins Leben zu 
rufen. Für die Saison 1913-14 sind vier Abonnements 
konzerte im Wrangcl-Saal des Schloßparkes, Steglitz, 
Schloßsir. Nr. .48 vorbereitet und zwar für die nachstehenden 
Abende: 30. Oktober, 4. Dezember, 8. Januar und 19. März. 
Das erste dieser Konzerte am nächsten Donnerstag, Abends 
8 Uhr ist als Beethowen-Abend arrangiert und bringt die 
Egmont - Ouvertüre, das Violin-Konzert (Fräulein Edith 
von Dvigtlaender) und die Eroica-Symphonie. Der 
passiert sei. Er schien wirklich eine Heidenangst zu haben, 
daß sie ihm entwischen könnten." 
„Wollen Sie die Freundlichkeit haben, für ein paar 
Minuten auf meinen Wagen acht zu geben?" 
„Mit Vergnügen. Ich darf ohnehin nicht fort aus der 
Garage, weil ich mich in jedem Augenblick zur Abfahrt 
bereit halten soll." •> 
Hoiningen dankte, aber als er schon fast an der Tür 
war, drehte er sich noch einmal um: 
„Ist der Vicomte allein hierher gekommen oder befand 
sich noch jemand in seiner Gesellschast?" 
„Meinen Sie vielleicht den Herrn Oberleutnant von 
Nicdbcrg?" 
„Allerdings — dieser Herr war es, an den ich dachte." 
Der mitteilsame Chauffeur lachte. 
„Nein, den haben wir in Bruchsal zurückgelassen. 
Aber ich fürchte nicht, daß ihm da bis zu unserer Rückkehr 
die Zeit lang wird. Unsereins sieht und merkr ja alles." 
„Was wollen Sie damit sagen?" 
„Weiter nichts, als daß der Herr Oberleutnant sehr 
nette Gesellschaft zum Jeu gesunden hat. Die ganze Nacht 
haben sie in einem Hotelzimmer beim Bakrarat gesessen. 
Und die Partie sollre heute mittag fortgesetzt werden. Nach 
seineni vergnügten Gesicht zu urteilen, saß der Herr Ober 
leutnant dabei recht hübsch in der Wolle " 
Hoiningen ging ohne eine weitere Bemerkung hinaus. 
Wenn er jemals in der Stimmung gewesen war, einem 
Menschen das Genick zu brechen, jo war er's in diesem 
Augenblick. Denn darüber, daß es sich bei dieser aber 
maligen Begegnung um ein zwischen dem sauberen Klee 
blatt vereinbartes 'Manöver handelte, war er natürlich nicht 
einen Augenblick im Zweifel, und als eine ebenso un 
umstößliche Gewißheit stand es in ihm fest, daß ein von 
Karten-Verkauf für Friedenau findet statt in der Musikalien 
handlung von Schwach, Rheinstr. 60 und bei Richter n. 
Franke, Kaiserallee 142. Ein Abonnement für alle vier 
Abende kostet 6 und 4 M. Einzelkartell 2 und 1,25 M. 
0 Für die Stammgäste des Restaurant Rheineck, 
Rheinstraße, Ecke Kaiserallee war der letzte Sonnabend ein 
Festtag. Dank der liebenswürdigen Bemühungen des Herrn 
Schätzler, des würdigen Nachfolgers des Herrn Feldmann, 
hatte die Berliner Kindl-Brauerei in Neukölln den Stainm- 
tisch G. s. d. H. zu einer Besichtigung ihrer Anlagen ge 
laden, welchen sich eine ganze Anzahl weiterer „treuer" 
Gäste anschloß, sodaß sich die Gesamtzahl der Besichtigenden 
auf etwa 100 Personen belief. Für die Fahrt selbst hatte 
Herr Hoftraiteur Feldmaun seinen Marstall zur Verfügung 
gestellt. Unter Führung des RepräsentaMen der Berliner 
Kindl-Brauerei, Herrn Domcke, wurden die Anlagen der 
Brauerei in allen ihren Teilen auf das Eingehendste be 
sichtigt. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß die Be- 
sichtiger des Lobes voll waren über die peinliche Sauber 
keit, welche überall im Betriebe herrschte. — Nach Be 
endigung der dreistündigen Besichtigung wurden die Besucher 
von den Direktoren der Brauerei zu einer Kostprobe ge 
laden. Daß diese Probe eine sehr eingehende wurde, ist 
nur zu natürlich, zog sich diese doch recht lange hin. Der 
Reden wurden genügende gehalten. Der Ausflug war in 
jeder Hinsicht als ein wohlgelungener zu bezeichnen, wie es 
auch „Onkel Herrmann" Namens der Gäste .in seiner Dank 
rede an Herrn Schätzler und an das Direktorium der 
Berliner Kindl-Brauerei zum Ausdruck brachte. Die Rück 
fahrt soll, wie man uns mitteilt, ohne Unfall der Gäste er 
folgt sein. 
0 Ein gefährlicher Heiratsschwindler verhaftet. Der 
Schöneberger Kriminalpolizei ist cs gelungen, einen raffinierten 
Heiratsschwindler festzunehmen. Es ist dies der verheiratete 
30jährige Zimmermann Labes aus Schöneberg, der in das 
Moabiter Untersuchungsgefängnis eingeliefert wurde. Die 
Verhaftung des L. erfolgte auf Grund der Anzeige einer 
Schneiderin B., die der Schwindler um die ganzen Er 
sparnisse gebracht hatte. L. unterhielt zu gleicher Zeit mit 
seiuer jetzigen Frau und der B. ein Liebesverhältnis. Auch 
der letzteren versprach er, sie zu seiner Frau zu machen und 
dadurch gelang es ihm, von dem jungen Mädchen die ge 
samten Ersparnisse herauszulocken, die er in lustiger Ge 
sellschaft verjubelte. 
0 Eine höchst ttnangenehme Entdeckung machte die 
Witwe R., als sie von einer mehrmonatlichen Reise in ihre 
Wohnung, Althosfstr. 17 in Steglitz heimkehrte. Sämtliche 
Türschlösser waren erbrochen und ihre ganze Habe, die nicht 
niet- und nageltest war, aus den Schränken und Kommoden 
gestohlen. Ebenso fehlte ein Teil der Betten, und sogar 
die Teppiche und Gardinen hatten die Diebe mitgehen 
heißen, die den Einbruch vermutlich zur Nachtzeit ausge 
führt haben, und zwar scheinbar in aller Ruhe, wie einige 
geleerte Wein- nebst Likörflaschen zeigten, bei denen sie, wie 
Speisereste zeigten, gemütlich soupiert haben. Einen großen, 
schon oft gerügten Fehler machte die bestohlene Dame da 
durch, daß sie während der Dauer ihrer Abwesenheit von 
Steglitz die Fenstervorhänge und Jalousien fest verschlossen 
hielt.. Das sind bekanntlich die besten Merkzeichen für 
Wohnungseinbrecher, daß sie hier ungestört ihrer „Be 
schäftigung" nachgehen können. Von den Einbrechern hat 
man im Hause nichts bemerkt, und auch nachträglich ist von 
ihnen noch keine Spur entdeckt worden. Der Schaden ist 
aber, wie wir hören, durch Versicheruug gedeckt. 
0 Unsere Feuerwehr ivurde gestern Abend 5% Uhr 
nach der Stubenrauchstr. 68 gerufen, wo ein Feuer ent 
standen sein sollte. Die Wehr, die unter Leitung des 
Brandmeisters Ed. Kitzler in kurzer Zeit abrückte (die 
mechanische Leiter folgte etwa 1 Minute später), braucht«: 
aber nicht in Tätigkeit zu treten und war nach 9 Uhr 
wieder am Feuerwehrgebäude angelangt. 
o Die Steglitzer Feucrsirene alarmierte gestern Nach 
mittag 4 Uhr durch ihren weithin schallenden Ton auch 
unsere Feuerwehrleute. Es stellte sich jedoch heraus, daß 
dieser Alarm nur der Steglitzer Wehr galt, die zu einer 
größeren Uebung gerufen wurde. 
0 Aus dem Fenster gestürzt. Heute Vormittag gegen 
10 Uhr ist ein zweijähriges Kind der Familie Eilert beim 
Spielen aus einem Fenster des zweiten Stockwerks Ebers 
straße 12 gestürzt. Lebensgefährlich verletzt wurde das Kind 
zur Unfallstation gebrächt. 
Frau von Riedberg und ihrem würdigen Sohne ausge 
heckter Plan nur ein schurkischer sein konnte. Er fragte sich 
nicht, ob die Eifersucht ixgeiideinen Anteil hatte an dem 
heiligen Zorn, der ihn gegen diese nichtswürdige Gesellschaft 
erfüllte. Und er würde in der Tat denselven Zorn, dasselbe 
Bedürfnis nach hindcrndeur Eingreifen vielleicht auch dann 
empfunden haben, wenn ihn mit Sylvia Pendleton kein 
anderes Gefühl verknüpft hätte als das Gefühl der Be 
wunderung für die edle Vornehmheit ihrer Natur und 
die mädchenhafte Unberührtheit ihrer Seele. 
Noch wußte er freilich nicht, was er tun würde. Aber 
er war jedenfalls entschlossen», die Augen offen zu halten 
und mit rückjichtsloscr Enffchlpssenheit zu handeln, sobald 
die Umstände ihm die Möglichkeit dazu gewährten. 
Zunächst wünschte er jny davon zu überzeugen, ob es 
dem Vicomte bereits gelungen sei, sich Sylvia; zu nähern, 
und er brauchte nicht tauge zu spionieren, um sich Gewiß 
heit darüber zu verschaffen. An einem appetitlich gedeckten 
Tischchen aus der Gartenveranda des Hotels faß der Franzost 
nnt Sylvia und der Baronin beiin Tee, und als Hoi 
ningen, von ihnen unbemerkt, durch den Garten schriit, 
hörte er die schrille Stimme der Frau von Riedberg, die 
ihrem Entzücken darüber Ausdruck gab, den heutigen Abend 
mit dem Vicomte und mit ihrem Sohne verbringen zu 
dürfen. 
„Daß der arme Harro sich durch seine Geschäfte ab 
halten ließ, mit Ihnen nach Heilbronn zu fahren, steht 
ihm wieder ganz ähnlich," krähte sie. „Es gibt auf der 
ganzen Welt keinen arbeitsameren und gewissenhafteren 
Menschen als ihn. Es mag ja eingebildet klingen, wenn 
eine Mutter das ausspricht; aber ich habe wirklich alle 
Ursache, stolz zu sein auf meinen Sohn." 
(Fortsetzung folgt.)-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.