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Periodical volume Nr. 252, 26.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

teuer zu stehen kommen, da er zur Anklage wegen fahr 
lässiger Brandstiftung führen kann. 
o Vei einer Vernehmnng im Gerichtssaal vom 
Herz'chlag getroffen. Einen tragischen Ansgang nahm 
eine Verhandlung, die vor dem Amtsgericht Tempelhof im 
Kriminalgerichtsgebäude in der Thurinstraße stattfand. Der 
Kaufmann Julius Abraham aus der Gleditschslr. 50. der 
als Zeuge vernommen wurde, geriet bei seiner Aussage so 
in Erregung, daß er vom Herzschlag gerührt wurde und tot 
vor dem _ Richterlisch zu Boden stürzte. Die Verhandlung 
wurde sofort abgebrochen. 
o Ein Kirchenrauber, der auch die Berliner Vororte 
wiederholt heimsuchte, ist jetzt in Halle wieder festgenommen 
worden. Es ist ein 27 Jahre alter Paul Müller, der seine 
„Spezialität" schon länger gewerbsmäßig betrieb. Nach 
Verübung einer ganzen Reihe von Diebstählen dieser Art 
in und bei Berlin halte sich Müller der Provinz zugewandt. 
Als er jetzt in Halle bei einem Einbruch auf frischer Tat 
ertappt wurde, legte er sich einen falschen Namen bei. in 
der Hoffnung, daß man ihm so sein altes Konto nicht an 
rechnen könne. Ter Erkennungsdienst der Kriminalpolizei 
entlarvte ihn jedoch sofort. 
o Ein Automobilzusammenstoß zwischen einem Ge- 
schätlsauto der Firma Maaßen und einem Privatauto er 
eignete sich am Freitag Abend gegen 6 l / 4 Uhr an der 
Friedenauer Brücke Ecke Rembraudsrraße. Nur dem kalt 
blütigen Verhalten des Führers des Geschäftsautos war es 
zu verdanken, , daß der Zusammenstoß verhältnismäßig 
glimpflich ablief. Das Geschäftsauto wurde nur leicht be 
schädigt. 
o Richt verhaftet! Der Direktor Albert Huster, 
Poschinger 14, bittet uns mitzuteilen, daß er nicht verhaftet 
wurde, sondern nur zu einem Termin vorgeladen war. 
o Polizeibericht. Als gesunden sind hier angemeldet 
worden: 1 Uhr, 1 Schleier. Die rechtmäßigen Eigentümer 
vorbenannter Gegenstände werden aufgefordert, ihre An 
sprüche binnen drei Monaten im hiesigen Fundbüro, Feurig- 
straße 7, Zimmer 6, gellend zu machen, da sonst anderweit 
über die Fundgegeustände verfügt werden wird. 
Verems-Nackriekten 
Am Montag tagen: 
Friedenauer Gesangverein für gemischten Chor: Uebungsstunden 
V,9— '/,11 llhr im Hohsnzollern, Handjerystr. 64. Dirigent: Musik 
direktor Heinrich Weinreis. 
Scköneberg 
—o Die Stelle eines 5. Magistratsassessors wird vom 
15. Dezember 1913 ab errichtet. Das Anfangsgehalt 
beträgt 5600 M. 
L’-4o Ler Liberale-Verein für Schöneberg veranstaltet am 
Dienstag, den 28. Oktober. abends 8^/., Uhr. im großen 
Saalx der Schloßbrauerei.Schöneberg^ HauyHr«, 123,124. 
eine große Wählerversammlung, in welcher der Reichstags- 
abgeordneie D. Friedrich Naumann, einen Vortrag halten 
wird über das Thema „Stadtpolitik und Staatspolitik". 
—o In den: Konkursverfahren über den Nachlaß des 
am 18. April 1913 zu Berlin-Schöneberg, Hochkirchstraße 9. 
verstorbenen und daselbst wohnhaft gewesenen Kaufmanns 
Hermann Panicke, Inhabers der Firma H. Panicke jun., 
zu Berlin. Steglitzer Str. 60. soll die Schlußverteilung der 
Masse erfolgen. Es find dabei 55 453,31 M. nicht 
bevorrechtigte Forderungen zu berücksichtigen, wofür ein 
Bestand von 5811,84 M. vorhanden ist. 
— o Das Konkursverfahren über das Vermögen des 
Zigarrenhändlers Wilhelm Reps, Hshenstanfenstr. 06, ist. 
nachdem der in dem Vergleichstermine vom 29. Juli 1913 
angenommene Zwangsvergleich durch rechtskräftigen Beschluß 
vom 29. Juli 19l3 bestätigt ist. aufgehoben. 
kerlin unä Vororte 
Zo Massenstreik gegen die Staatskirche. Am Dienstag, 
dem 28. Oktober, abends 8V, Uhr findet gleichzeitig in 
vier öffentlichen Volksversammlungen eine Massenkundgebung 
aller Volkskreise gegen das Kirchenregimen.l in Preußen 
statt. Es werden sprechen: Ad. Hosfmann M. d. A. der 
freireligiöse Sprecher Klanke-Frankfurt, Dr. Karl Liebknecht, 
Geheimrat Wilh. Ostwald, PeuS M. d. H. R.-Dessau, der 
Präsident des Freidenkerbuudes Gustav Tschirn-Breslau, 
Vogtherr M. d. R.-Stettin. Dr. Bruno Wille. Gustav 
Tschirn wählte speziell das Thema: .Der Kirchenaustritt 
— die Reformaiionstat des 20. Jahrhunderts." Die Ver 
sammlungen finden statt 1. Moabiter Gesellschaftshaus, 
Wiclefstr. 24, 2. Brauerei Friedrichshain, 3. Nene Welt, 
4. Vikloriagarten, Wilmersdorf Wilhelmsane. In den Der- 
sammlnngen werden Kirchenaustrittserklärungen einge 
sammelt. 
§o Im Theater „Folics Caprice" üben die drei Ein 
akter „Ritter Baldrian", „Das Adoptivkind" und „Die 
Mißgeburt" eine unveränderte Zugkraft aus. sodaß das 
Theater allabendlich starken Besuch aufweist. Den Be 
suchern werden aber auch außerordentlich heitere und ver 
gnügte Stunden bereitet. Man kommt während des ganzen 
Abends aus dem Lachen nicht mehr heraus. Die reizenden, 
teils auch pikanten Szenen zünden immer wieder und er 
zeugen eine Stimmung, die das Publikum in einem Taumel 
überschwänglicher Freude erscheinen läßt. In der Dar 
stellung selbst wird wirklich vorzügliches geleistet. Otto 
Härtling in seiner Vornehmheit, Ruhe und Gemessenheit ist 
der Baron wie er leibt und lebt. Franzi Blenke ist eine 
fesche Blondine, die auch über eine entzückende Gesangs- 
stimme verfügt. Ein durch seine Komik, Sprache und auch 
Figur zu stürmischen Heiterkeitsausbrüchen Anlaß gebender 
Künstler ist Siegfried Behrisch. Mar Horowilsch versteht 
es ebenfalls durch seine originelle Komik die Lacher auf 
seine Seite zu bringen. Durch einen klangvollen Terror 
zeichnet sich besonders Max Steidl aus. Auch die übrigen 
Darsteller tragen zu einer gelungenen Vorstellung bei, sodaß 
helles Lachen und stürmischer Beifall ihnen dankt. 
o Wilmersdorf. Gleich verschiedenen anderen 
Gemeinden hat auch Wilmersdorf von derLandesversicherungs- 
Anstalt Brandenburg eine Mitteilung erhalten, daß sie ritit 
Rücksicht auf den Stand des Geldmarktes und den seit 
längerer Zeit dauernd steigenden Zinsfuß nicht mehr in der 
Lage sei, der Stadtgemeinde Wilmersdorf das 1893 in 
Höhe von 600 000 Dt. aufgenommene und bereits auf den 
Betrag von 371 619 M. getilgte Darlehn nach dem 1. April 
1914 zu dem Zinsfuß von 3,75 Prozent weiter zu belassen. 
Für den Fall, daß die Stadtgemeinde mit einer Erhöhung 
des Zinsfußes auf 4 Prozent nicht einverstanden ist, hat 
die Versicherungsanstalt das Kapital zum 1. April 1914 
gekündigt. Mit Rücklicht auf den augenblicklichen Stand 
des Gelbmackres hat der Magistrat sich mit der geforderten 
Erhöhung,r,deö Zinsfußes einverstandeu erklärt und - der» 
Stadtverordnetenversammlung eine gleiche Beschlußfassung 
vorgeschlagen. 
GericklUcbes 
Gehalt -er Oberlehrer an Privatschulen. Die Frage, welcher 
Sinn einer Willenserklärung vom Berlragsgegner des Erklärenden 
nach Treu und Glauben beigelegt werden darf, ist eine Rechts 
frage. Tie Beklagten, die als Oberlehrer an höheren Schulen der 
Klägerin angestellt sind, beanspruchen von der Klägerin für die 
Zeit vom 1. April 1968 bis l. April 1909 diejenigen Gehaltsbe 
züge, die der Preußische Staat seinen Oberlehrern gemäß dem Ge 
setze betreffend die Bereitstellung von Mitteln zur Tiensteinkommens» 
Verbesserung vom 36. Mai 1009 nebst Normaletat vom 6. Juni 
1909 mil rückwirkender Kraft vom l. April 1908 an bewilligt hat. 
Tie Klägerin hat den Beklagten die erhöhten Bezüge erst vom 
I. April 1909 an gewährt und gegenüber der Berühmung der Be 
klagten mit den bezeichneten Ansprüchen die Feststellungsklage dahin 
erhoben, daß den Beklagten diese Ansprüche nicht zustehen. Tie 
Beklagten haben die Abweisung der Klage und widerklagend die 
Verurteilung der Klägerin zur Zahlung der au§ dem Tenor des 
Berufnngsurteils ersichtlichen, der Höhe nach nicht beanstandeten 
Betrüge beantragt. Tas Landgericht hat der Feststellungsklage 
stattgegeben und die Widerklage abgewiesen. Das Berufungs 
gericht hak abändernd die Feststellungsklage abgewiesen und nach 
den Anträgen der Widerklage erkannt. Gegen dieses Urteil hat die 
klagende Gemeinde mit Erfolg Revision eingelegt. Aus den 
Gründen: Wie das Berufungsgericht selbst angenomi.ien hat, fehlt 
es an einem Nachweis dafür, daß die Klägerin ihrerseits den 
Willen gehabt hat, die vollständige und dauernde Gleichstellung 
ihrer Lehrer herbeizuführen; die Klägerin hat sich vielmehr stets die 
Entscheidung über, die Einführung der einzelnen Etats vorbehalten. 
Tie den Lehrern günstige Entscheidung des Berufungsgerichts beruht 
mif der weiteren Erwägung, daß die Lehrer den Inhalt der Stellenaus- 
schreibm der Klägerin nach Treu und Glauben im Sinne der voll 
ständigen Gleichstellung mit den staatlichen Lehrern habe ausfassen 
dürfen und daß deshalb die Klägerin an diesen Sinn ihrer Aus 
schreiben den Beklagten gegenüber gebunden sei. Dieser Erwägung 
ist nicht beizutreten. Tie Frage, welcher Sinn einer Willenser 
klärung vom Vertragsgegner des Erklärenden nach Treu und 
Glauben beigelegt werden' dürfe, ist eine Rechtsfrage und deshalb 
der Nachprüfung in der Reoisionsinstanz zugänglich. Tie Aus 
schreiben der Klägerin waren nach Feststellung des Berufungs 
gerichts nicht durchweg gleich gehalten. In der für die Beklagten 
günstigen Fassung gingen sie dahin, daß das Einkommen der Lehrer 
sich nack dem Normaletat mit sämtlichen Nachträgen bestimmen 
solle. Die Annahme des Berufungsgerichts, daß dieser Erklärung 
von den Beklagten der Sinn vollständiger und dauernder Gleich 
stellung habe beigelegt werden dürfen, ist nicht zutreffend, wie der 
Senat schon in früheren Entscheidungen ausgeführt hat. Die Er 
klärung enthält keinerlei Hinweis auf künftige Etatsnachträge, sie 
spricht nicht von den jeweiligen Dienstbezügen der staatlichen Lehrer 
und läßt dem Zweifel Raum, ob nicht bloß die zur Zeit des Aus- 
schreibens gültigen staatlichen Vorschriften maßgebend sein sollen. 
Diese Zweisel waren zu erkennen und konnten auch Berufsgenossen 
der Beklagten, wenn sie sorgfältig den Inhalt des Ausschreibens 
erwogen, nicht verborgen bleiben. Dieser objektive Maßstab ist ent 
scheidend; es koinint nicht darauf an, ob die Beklagten, wie das 
Verusnngsgericht angenommen hak, die im Prozesse behauptete Auf 
fassung gehabt haben. Der Inhalt der Ausschreiben reicht hiernach 
für den Beweis der behaupteten Zusicherung der Klägerin nicht 
aus. Dieser Beweis wird aber auch, wie das Berufungsgericht 
festgestellt hat, durch die Berusungsurkunde der Beklagten nicht er 
bracht. Tie Ansprüche der Beklagten sind deshalb unbegründet ■ . . 
(Urteil des Reichsgerichts 468 12 III vom 7. III. 1913 in Jnr. 
Woch. Schr. 1913 S. 593). 
Geschäftliches 
SV Tango und Fitst. Für diese Saison dürfen wir uns 
in choreographischer Beziehung aus etwas gefaßt machen: Immer 
mehr wird es kand und offenbar, daß wir eine Hochflut Tango 
tanzender Füße zu gewärtigen haben. Dazu komm», daß dieser 
modernste aller Tänze auch der Mode gewisse Konzessionen macht, 
die von keinem Tango-Tänzer und keiner Two-Step-Tänzerin 
ignoriert werden können. Mußte der Kulturmensch schon bei 
unseren bisherigen Tänzen einen ladcllos bekleideten Fuß zeigen, 
so ist das bei dem aus argentinischen Landen importierten Be 
wegungen in wohl kaum dargewesenem Maße der Fall. Der 
Tango erponicrOnicht allein den Fuß, sondern niest selten auch 
das ganze Bein. Diesem Umstande hat die neueste Schuhmode 
bereits Rechnung getragen. Außerordentlich modern ist nämlich 
jetzt der Kreuzbaiid-Bindeschuh. Die Zeit der langen Form ist 
endgültig dahin; die kurze — in spitz midamnd — dominiert. 
Sehr beliebt sind auch Ballschuhe ganz aus Atlas »nd ganz in 
Motree mit Kreuzigungen. (Ein-, Zwei- auch Drei-Spangen). 
Nicht ininder geschätzt sind Schuhe in Silber-, Gold-, GoldjUer- 
■mrtr- Smytbkvkril verschleim stk-77" AüZülMügO"' Auch" ganz hohe 
Spängeustiefel werden getragen. Sehr bcachtcnsiverl sind die 
Pariser und Wiener Modelle des Schuhhauses Leiser, welche be 
sonders durch die dezent-elegante Verzierung der schwarzen kleinen 
Brillantschnalle wirken. Aber auch abgesehen von dieser Mode 
zeigt der Saison-Beginn ungewöhnlich geschmackvolle Neuheiten in 
Stiefeln für die Straße. Namentlich ist es der Einsatz bei Lack 
stiefeln. der sich wieder außerordentlich geltend macht. Man trägt 
in eurer e> »t, grau Helge, in Kammgarn (schwarz und farbig). 
Das Allerneueste sind Lackbesatzstiesrl mit hellfarbigem echt Cheoreau- 
Einsätzen zum Knöpfen. 
Wetleransfichteu. ' 
Sonntag: Vielfach heiter, nachts sehr kühl, am Tage 
wieder mild bei lebhaften westlichen Winden, keine oder 
unerhebliche Niederschläge. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Hermann Martinius Friedenau 
Hierzu eine Beilage. 
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Leipziger-Strasse 65 
lUl Oranien-Strasse 47a 
3a 
34 
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' " . **■:' 
Statt Karten. 
Meine Verlobung mit Fräulein EHSctb&th 
Stolterfoht beehre ich mich hiermit an 
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Hans Lichterfeld, Lehrer. 
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