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Periodical volume Nr. 252, 26.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Mittelteil Glückwünsche zu seinem 87. Geburtstage aus. 
Hierauf wurden sechs neue Mitglieder aufgenommen. Zu 
Ehren des verstorbenen Mitgliedes Geh. Eskens, dem der 
Vorsitzende einen warmen Nachruf widmete, erhoben sich 
die Nersammlungsbeslicher von den Plätzen. Hiernach kam 
man zunr Punkt 4, Berichterstattung über das Jubiläum. 
Herr v. Wrochem führte aus, daß die Feier am 29. No 
vember in der Aula des Reformrealgymnasiums stattfindet 
und bestehen wird in einem Festessen und Ball für Mitglieder 
und Angehörige. Es wird eine Vereinsschichte herausgegeben 
werden in Verbindung mit einer kurzen Abhandlung über die 
Entwicklung Friedenaus. Die Chronik wird in einigen Exem 
plaren zum Feste ausliegen und wird mit der Einladung 
zur Dezemberversammlung außerdem den Mitgliedern zu 
gehen. Die Vorbereitungen für das eigentliche Fest liegt» 
in der Hand zweier Unterausschüsse. Zum Bedauern des 
Vorstandes ist Herr Schöffe Lichtheim, der die Führung des 
einen Ausschusses übernommen hatte, schwer erkrankt, so daß 
die Herren Engelhardt und Brücker in seine Stelle getreten 
sind. Diese Herren waren nun bemüht. Angebote für die 
Lieferung des Essens einzuholen. In Friedenau kam nur 
ein einziger Lieferant in Frage: der Nachfolger des Herrn 
Feldmann im Nhcineck Herr Schätzler. Weiter wurde an 
gefragt bei den Wirten des Schöneberger Ratskeller, des 
Gesellschaftshacks des Westens, der Landesloge in der 
Eisenacher Straße, bei Franke, (Gesellschaft der Freunde), 
bei Borchardt, im Rheingold und auch auf besondere 
Empfehlung bei der Firma Vechthold & Rötling in 
Steglitz, Stadtlüche und Delikateßhandlnng. Von allen 
Angeboten stellte sich als die günstigste diejenige der 
Steglitzer Firma Bechthold & Rötling heraus. Einzelne 
Berliner Firmen waren zu teuer oder lehnten auch ab. 
Obwohl nun im Ausschuß das Bestreben obwaltete, den 
Friedenauer Unternehmer in erster Linie zu berücksichtigen, 
kam der Ausschuß doch einstimmig zu dem Beschluß, der Firma 
Bechthold und Rötling in Steglitz die Lieferung des Essens 
zu übertragen. Herr Schätzler. der dem Ausschüsse zwar 
gelobt wurde, ist bisher selbständig noch nicht tätig ge 
wesen. Man hatte also von ihm keine Referenzen. Da 
gegen hat die Firma B. & N. eine Reihe guter Referenzen 
angegeben. Außerdem übernimmt die Firma auch die Wein 
lieferung; geliefert werden Rersche Weine von 1,75 M. 
aufwärts; an Vieren liefert die Firma Weihenstephan, 
Pilsener und Schönebcrger, :, / 10 zu 30 Pfg. für die echten und 
15 Pfg. für das hiesige Bier. Der Kaffee mit Kuchen 
kostet 35 Pfg. Dann aber stellt die Firma noch ohne 
Verbindlichkeit für den Verein ein kaltes. Büfett. Das 
trockene Gedeck wird für jeden Teilnehmer 5 M. kosten. 
Die Ausschmückung des Saales, des Treppenhauses und der 
Tafeln übernimmt die Firma Maecker Nachflg. (Inh. Fechtner) 
und Herr Obergärtner Stabe hat hierbei dem Verein seine 
Unterstützung zugesagt, um der Ausschmückung eine künst 
lerische Note zu geben. DieMusik stellt die Gardeschützen- 
Kapelle (10 Musiker). Während der Kaffeepause werden 
verschiedene Darbietungen von Mitgliedern erwartet, außer 
dem aber hat der Ausschuß eine Lautensängerin, Fräulein 
Käte Pirschet gewonnen. Es fand nun eine reiche Aus 
sprache statt, in der man sich hauptsächlich über die Saal 
frage unterhieltßund der Meinung Ausdruck gab, daß der 
Saal im Reformrcalgymnasium für die zu erwartende Teil 
nehmerzahl nicht ausreichen werde. Es wurde dem Aus 
schüsse aufgegeben, noch einmal zu erwägen, ob es nicht 
möglich wäre, noch einen größeren Saal zu erhalten. 
Jedoch solle dem Ausschüsse freie Hand gelassen werden. 
Ein Antrag, einen größeren Zuschuß für das Essen aus der 
Vereinskasse zu entnehmen, sodaß den Mitgliedern das Gedeck 
billiger zu stehen komme, fand keine Zustimmung. Eine 
Anfrage bei den Versammlungsteilnehmern ergab die Be 
teiligung von 07 Personen. Unter Jntcressenfrageu wurde 
angefragt über die Krankenversicherung der Hauswarte. 
Vom 1. Januar sind die Hauswarte oder deren Frauen 
bei der Krankenkasse zu versichern. Wenn der Mann anderweit 
beruflich tätig ist, so braucht ihn der Wirt nicht bei der 
Krankenkasse anzumelden, jedoch muß dann die Frau un 
bedingt versichert werden, da sie zumeist die Arbeit leistet. 
Herr Passow führte einen Fall an, wo auch die Tochter 
versicherungspflichtig war, die Eltern waren in diesem Falle 
Empfänger von Alters- bzw. Invalidenrente. Herr Lemm 
fragte an, wie cs mit den Mietsverträgen stünde. Der Vor 
sitzende erklärte, daß jetzt Herr Dreger die Sache in der Hand 
habe, und die Herausgabe der Verträge in der nächsten 
ihren Ingrimm hinunter und suchte in den Tiefen ihres 
Geistes nach einer Ablenkungsmöglichleit. 
„Ist es übrigens nicht sehr drollig, daß wir einen 
Chauffeur haben, der Kurt Dietrich Westeuholtz heißen 
will? Es wäre der wunderbarste Zufall von der Welt. 
Aber ich glaube natürlich nicht daran, daß dies der 
richtige Name des Burschen ist, sondern ich halte ihn für 
eine Art von Hochstapler, dem ich ohne Zweifel an einem 
der nächsten Tage den Lauspaß geben werde." 
Ein guter Genius mußte seine Hand schützend über 
Kurt Dietrich von Hoiningen gebreitet baden, daß auch der 
klugen Gräfin Herta in diesem kritischen Moment keine 
Ahnung der Wahrheit kam. Und die Umstände machten 
es ihr wahrlich leicht genug, den Zusammenhang der Dinge 
zu durchschauen. Aber sie war iiiir ihren Gedanken nur 
zur Hälfte bei dem, was ihre liebe Freundin sagte. Ihr 
Auge ruhte ans dem väterlichen Freunde, der sie mit seinen 
vor Eifersucht glitzernden Blicken schier verschlingen zu 
wollen schien, und sie verglich in der Stille ihres noch 
immer sehr leicht entzündlichen Herzens das feiste Antlitz 
Und den kahlen Schädel des schwitzenden Kommerzienrats 
mit den energischen, männlich schönen Zügen und dem 
dichten, welligen Haar des jungen Grafen. Die Vorstellun 
gen, die dadurch in ihr geweckt wurden, mächten sie sehr 
gleichgültig gegen das, was Frau von Riedberg von ihrein 
Chauffeur erzählte. Und so geschah es, daß der verwegene 
Ersatzmann des braven Bartels noch einmal der Gefahr 
einer Entdeckung entging, die nieNials drohender über 
feinem Haupte geschwebt hatte, als während dieser be 
denklichen Minuten. 
0. Kapitel. 
Wenn Graf Hoiningeu sich der Hoffnung hingegeben 
Zeit zu erwarten Ziehe. Ueber die Frage der Errichtung 
eines Hypothekenamtcs entspann sich noch eine längere 
Aussprache. Es wurde dabei ermähnt, daß die Gemeinde 
die 1 Million, die sie Neukölln geborgt hätte, doch besser 
für das hiesige Hypothekenamt verwenden konnte. Der 
Vorsitzende erklärte, daß diese Million nur auf kurze Frist 
verliehen wurde. Diese Summe könne aber nieinnls für 
das Hypothckenamt verwendet werden. Herr Dreger gab noch 
einen interessanten Ueberblick über die Lage auf dem Geldmarkt. 
Man beobachte jetzt ein Anwachsen des Bargeldes auf den 
Banken und es stehe zu erwarten, daß im Frühjahr günstige 
Verhältnisse eintreten. Es war nur richtig von der Gemeinde 
gehandelt, daß sie den Eintritt eines günstigen Zeitpunktes 
abwartet. Herr Lemm wünschte noch, daß man die Sparkasse 
schon jetzt hätte einrichten können, dann wären Gelder für 
Hypotheken baldigst zur Verfügung. Es werde hier zuviel 
„genuddelt", es märe hier kein Zug drin, meinte er. Nach 
dem ein Schlußantrag angenommen war, wurde der Gegen 
stand verlassen. In einer inneren Vereinsangelegenheit wurde 
darauf noch ein Beschluß gefaßt, worauf der Vorsitzende 
gegen 12 Uhr die Versammlung schloß. 
o Die Dienstbotenfrage ist zu allen Zeiten erörtert 
worden und hat auch bei unseren Vorfahren schon eine 
ebenso wichtige Rolle gespielt. Manche Ueberlieferungen 
durch Briefe und Lebensbeschreibungen aus alten Zeiten 
missen davon zu berichten. Das „gcziemliche Auskommen 
mit den Bedienten", welche stahlen, betrogen und spionierten, 
woraus böse Klatschereien entstanden, hat unseren Alt- 
vordeken — nicht minder als heute die Leutenot mit ihren 
Folgen unserer Generationen — sehr viel zu schaffen gemacht. 
Die Sache ist demnach dieselbe geblieben, nur tritt sie in 
veränderter Forin jetzt allenthalben auf. Das Dienstboten 
verhältnis basiert heute nicht mehr auf dem Grunde der 
ehemals unangefochtenen gesellschaftlichen Unterordnung. Die 
sozialen Verhältnisse sind unterdes andere geworden. Das 
Verhältnis zwischen Hausvorstand — als Herrschaft noch 
allgemein bezeichnet — und Dienstboten ist ein rein ge 
schäftliches geworden. Auf beiden Seiten werden Rechte 
und Pflichten geleistet oder sollen wenigstens geleistet 
werden, so wollen es Gesetz und Brauch. Der Dienstbote 
gibt seine Arbeitskraft zu bestimmten Leistungen gegen 
gewisses Entgelt an barem Gelde, Wohnung und Ver 
pflegung her. Er arbeitet für den Arbeitgeber. Ob und 
inwieweit das Verhältnis beide Parteien auch noch sonst 
näher bringt, hängt gänzlich von jeder einzelnen Persönlich 
keit ab. Zu Gehorsam bis zu gewissem Grade ist jeder 
verpflichtet, der mit seinem Mitmenschen in ein Arbeits 
verhältnis tritt. Der Fabrikarbeiter», der Kontorist, der 
Gehilfe muß sich den Anordnungen seines Lohngebers und 
deren Vertreter fügen. Aehnlich ist auch das heutige 
Verhältnis zwischen Herrschaft und Gesinde nur aufzufassen. 
Wer glaubt, ihm stehe das Recht zu, Strafmittel, z. B. 
eine Züchtigung, bei ungehorsamen Dienstboten anzuwenden, 
wird sich selbst, sein Ansehen, seine häusliche Ruhe immer 
hin mehr schädigen, als er durch Anwendung solcher Zncht- 
miltel — selbst wenn einzelne Gesetzesvorschriften sie noch 
beibehalten haben — wirklich erreicht. Ruhige Besonnenheit, 
mehr wohlwollende als herrische Behandlung und vor allem 
ein gutes eigenes Beispiel in der persönlichen Lebensführung 
entwaffnen die zu leitenden Dienstboten wirksamer als das 
fortwährende Pochen auf Rechte durch Zmaugsmittel, die 
man im Grunde genommen eigentlich garnicht in seiner 
Gewalt hat. Wer sieht, er komme mit einem Dienstboten 
im Guten nimmer zurecht, tut daher besser, das Verhältnis 
möglichst bald zu lösen. 
o Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
Hähnelstr. 13, an der Hähnelstraße belegene, auf den Namen 
des Manrermeisters Ernst Buckenauer, Hauplstr. 68, wohn 
haft eingetragene Grundstück in einem neuen Termin am 
22. Dezember 1913, Vormittags ll 1 /? Uhr. versteigert 
werden. Das Grundstück ist bei einem jährlichem Nutzungs 
wert von 11 300 M. Gebäudesteuer eingetragen. 
p Zweigverein Wilmersdorf - Schvnebcrg des 
Deutschen Privat-Beamten-Vereins. Die letzte Monats 
versammlung des Vereins, die im Restaurant „Landhaus", 
Wilmersdorf, Berlincrstr. 154, stattfand, mar wegen der 
überaus interessanten Tagesordnung besonders gut besucht. 
Die Tagesordnung wies u. a. einen Vortrag des Mit 
gliedes, Herrn Professor Tietz, über seine Erlebnisse in Süd 
afrika (Transvaal) auf. Der Vortragende ist in den Jahren 
1895—97, also vor dem Vurenkricg, in Transvaal gewesen; 
hatte, daß ihm auch dieser Abend noch ein zufälliges Ju- 
famnieutreffen mit Sylvia bringen würde, so sah er sich 
schmerzlich enttäuscht. Wohl noch eine Stunde lang prome 
nierte er an all den Orten umher, die sie in dem Bedürfnis 
nach einigen Atemzügen frischer Gottesluft vielleicht noch 
hätte aufsuchen können. Aber er erblickte sie nirgend und 
begab sich endlich in recht gedrückter Stimmung in den 
Gasthof, wo er sich von seinem Chauffeur erwartet wußte. 
Da er während des Tages in seinem Ledermantel empfind 
lich unter der Hitze gelitten batte, entlieh er von Hasen 
kamp den leinenen Staubtittel, den dieser in seinem Ge 
päck mit sich führte, und als er ihn anprobierte, sagte er 
sich, daß dies in der Tat ein geeigneteres Kostüm für die 
Durchführung der einmal übernvininenen Rolle sei als der 
elegante Abendanzug, in den er sich beute gekleidet. Jetzt, 
da das Spiel sich seinem Ende näherte, war es vielleicht 
besser, auch die kleinste Möglichkeit einer Entdeckung aus 
zuschalten. Der Augenblick, an dem er sich der jungen 
Amerikanerin hätte entdecken können, ohne sie mit Ent 
rüstung über den Betrug zu erfüllen, war ja hoffnungs 
los verpaßt, und wenn er auch nicht anders als mit 
einem Gefühl tiefer Wehmut an den Moment denken konnte; 
da dies reizende Abenteuer nur noch eine schöne Erinnerung 
sein würde, so wollte er doch alles tun, was in feine» 
Kräften stand, um zu verhindern, daß es in einem häß- 
lichetz Mißton ausklang. Pünktlich war er am nächsten 
Morgen zur Stelle, das Gesicht in dem hochgeschlagenen 
Kragen seines Leinenmantels halb verborgen. Die Gräfin 
Herta Treucnfels war jedoch zu seiner Beruhigung nirgend 
zu erblicke», und statt ihrer gab nur der dicke Kommerzien 
rat Hellbach im schlohweißen Tennisanzuge den beiden 
Damen das Geleit zun, Wagen. Er machte Sylvia dabei 
fast ebenso eifrig den Hof. wie der Vicomte es getan batte, 
und er mußte es denn auch gleich diese!» erleben, daß sich 
er schilderte in fesselnder Weise zunächst die geschichtliche 
Entwicklung der freien Republik Transvaal, wie die Buren 
mehreremals ihren Wohnsitz aufgegeben haben, um der 
englischen Oberhoheit zkk entgehen, bis sie schließlich in 
Transvaal sich erfolgreich behaupten konnten. Der Vor 
tragende ging dann näher auf die Sitten urid Gewohnheiten 
der Buren ein, schilderte die Verkehrßverhältnisse und be 
leuchtete schließlich noch die Rassenfrage, welche in Transvaal 
durch den Gegensatz zwischen Weißen und Kaffern geschaffen 
ist. Die eingestreuten persönlichen Erlebnisse des Redners 
machten den Vortrag nicht nur belehrend, sondern auch sehr 
unterhaltend, sodaß die Zuhörer bis zum Schluß in ge 
spannter Aufmerksamkeit gehalten wurden. Der Vorsitzende, 
Herr Heenemann, dankte Herrn Prof. Tietz und machte 
zugleich die Mitteilung, daß künftig in jeder Monats 
versammlung ein Vortrag gehalten werden würde. Ferner 
sprach der Vorsitzende ausführlich über das in Danzig auf 
gestellte Arbeitsprogramm des Hauptvereins und daran an 
schließend über die im kommenden Winter vorzunehmende 
Werbearbeit des Zweigvereins. Als wirksamstes Agitations 
mittel bezeichnete er die Kcankenkaffc, welche ab 1. Januar 
1914 auch die Familienversicherung zulasse. Auch der Vor 
sitzende des Werbe-Ausschusses, Herr Bürgermeister a. D. 
Strauchenbruch, machte hierzu einige Ausführungen und 
ersuchte die Mitglieder um Angabe von Adressen, an welche 
die Werbeschriften versandt werden können. Da die 
„Privat-Beamten-Zeitung" unter den Mitgliedern leider 
noch nicht so bekannt ist, wie sie ihres vielseitigen und an 
regenden Inhalts wegen verdient, so wird der Verein die 
Zeitung für sämtliche Mitglieder bei der Post bestellen, die 
Mitglieder bekommen also ab 1. Januar 1914 die Zeitung 
völlig kostenlos zugestellt. Für Anfang Dezember ist ein 
Wintervcrgnügen, bestehend aus Essen mit darauffolgendem 
Tanz in Aussicht genommen. Die Vorbereitung für dieses 
liegt in den bewährten Händen des Mitgliedes Herrn 
Rosbach. Hoffentlich folgen die Mitglieder recht zahlreich 
der demnächst ergehenden Einladung. Die festlichen Ver 
anstaltungen wollen den Teilnehmern einige heitere Stunden 
anspruchsloser und zwangloser Geselligkeit bieten, sie sollen 
wirkliche Stunden der Erholung von dem aufreibenden 
Leben der Großstadt sein. 
0 Tie Wiederholung der Hundertjahrfeier des 
Friedenauer Parochialvereins fand, wie die Haupt 
aufführung, ein ausoerkauftes Haus. Die Darbietungen 
waren denen des ersten Festabends ebenbürtig. Den größten 
Beifall fanden neben dem Schauspiel, das wiederum von 
den Herrn Wolfs und Fräulein Salzer ausgezeichnet gespielt 
wurde, und neben den entzückenden Tänzen die mit hohem 
Kunstsinn und feinem Geschmack von Herrn Kunstmaler 
Zirges gestellten lebenden Bilder. Wie konnte es auch 
anders! Waren es doch Szenen aus der Geschichte und 
mitten aus dem Leben heraus. Lebenswarme Bilder, die 
Alt und Jung tief im Innern ergreifen: Lützowjäger, der 
Schwarm der Jugend, beim „Abschied" von der trautlieben 
Braut und „Im Gefecht". Liebreizendes, Bild Genesung: 
Ein verwundeter preußischer Offizier anno 1813 in der 
Genesung, umgeben von hübschen blumcnspendendcn Jung 
frauen, von der Mutter, Schwester und dem Herzlieb. 
Ueberwältigcnd die Lager- und Ueberfall-Szene in „Südwest", 
dargestellt von „echten" Afrikanern und das prächtige Schluß 
bild „Huldigung vor der Germania". Nochntaliger Dank 
dem Vorstand und vornehmlich dem nimmermüden geschickten 
Leiter der ganzen Veranstaltung, die hoffentlich auch trotz 
der sicherlich erheblichen Unkosten einen günstigen Ueberschuß 
gebracht hat. 
0 Der Kommunalvercin Schöueberg, Friedenauer 
Ortsteil hält seine Monatsversammlung am Dienstag, dem 
28. Oktober, abends 8'/ 2 Uhr, im Restaurant „Burghof", 
Hauplstr. 85, ab. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Die 
brennenden Verkehrsfragen in Schöneberg, insbesondere für 
den Friedenauer Ortsteil. Fontaneschule und ihr Bauplatz. 
0 Warnung für Hauswarte. In letzter Zeit ist es 
wiederholt vorgekommen, daß unsere Feuerwehr nach 
Häusern mit Warmwasserbereitung usw. gerufen wurde, wo 
im Heizraum des Hauses Feuer ausgcbrochen war. Die 
Ursache des Brandes wurde in allen Fällen darin festgestellt, 
daß Gerümpel in der Nähe des Heizofens durch auf 
steigende Funken Feuer fing. Es seien daher die Haus 
warte davor gewarnt, leicht brennbares Material in die 
Nähe der Feuerstelle zu bringen. Es könnte ihnen unter 
Umständen ein durch solche Unachtsamkeit entstehender Brand 
das Alllö in Bewegung setzte, wllhrrikv et* nvch au einer 
seiner allerschönsteu Redensarten drechselte. Diesinal aber 
geriet die Baronin nicht in flammende Entrüstung über 
die Dreistigkeit des Chauffeurs, der sich unterstand abzu 
fahren. noch ehe ihm der Beseht dazu erteilt morden war. 
Die Galanterien des dicken Hellbach gegen Sylvia waren 
nämlich durchaus nicht nach ihrem Geschmack gewesen, viel 
leicht, weil sie sich selber mit irgendwelchen verwegenen 
Zukunftshoffnungen in bezug auf den alten Herrn trug. 
Ein Lächeln ging über ihr Gesicht, als sie die verdutzte 
Miene des Kommerzienrats sah, und indem sie sich ein 
wenig vorwärtsneigte, fragte sie beinahe liebenswürdig: 
„Haben Sie es denn gar so eilig, Westeuholtz, das 
schöne Heidelberg zu verlassen?" 
„Ich denke, daß es an einem Morgen gleich dem 
heutigen überall schöner ist als zwischen Häusermauern," er 
widerte er. „Und ich denke, Miß Pendleton wird der näm 
lichen Ausixt sein." 
Sylvia nickte ihm zum Zeichen des Einverständnisses 
lächelnd zu; aber es warein sonderbar zerstreutes Lächeln. 
Und Hoiningen würde sich kaum einer Regung der Bitter 
keit erwehrt haben, wenn er gerade jetzt hätte in ihrer 
Seele lesen können. In der Tat war es nichts anderes 
als fein verändertes Aussehen, was ihre Gedanken be 
schäftigte und ihnen eine ganc eincne, für sie selber fast' 
überraschende Richtung gab. Dieser schlecht sitzende, ordinäre 
leinene Staubniaiitel hatte ihr eine Enttäuschung bereitet. 
Er sah darin wirklich nicht mehr anders aus als jeder 
gewöhnliche Chauffeur, und sie ertappte sich auf einem 
Gefühl des Bedauerns darüber, deß es io war. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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