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Periodical volume Nr. 251, 24.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

worden. Der hauptsächlichste Diffcrenzpunkt, wie in diesen 
Berichten dargelegt'ist, besteht darin, daß die Aerzte eine 
Kopfpauschale von 5 M. für jeden Versicherten beanspruchen, 
während die Bctriebskrankcnkasse den bisherigen Satz von 
3,50 M. für angemessen hält. Die Aerzteschaft beruft sich 
bei ihrer Forderung darauf, daß von Seiten anderer Kassen 
Sätze von mindestens 5 M. für unverheiratete Zwangs 
mitglieder und sogar noch höhere Sätze für Verheiratete ge 
zahlt würden. Dies trifft zweifellos zu. Es ist jedoch 
dabei zu berücksichtigen, daß in diesen Fällen die Be 
handlung der Frauen und Kinder nicht besonders honoriert 
wird. Bei der Krankenkasse der Straßenbahn wird dagegen 
für die Behandlung jedes einzelnen Familienmitgliedes das 
selbe Pauschale von 3,50 M. bezahlt, wie für die ver 
sicherten Zwangsmitglieder selbst. Stellt man dies in 
Rechnung, so ergibt sich, daß in Wahrheit der Arzt unserer 
Krankenkasse etwa ebenso günstig gestellt ist, wie die Aerzte 
anderer Kassen. Um ein Beispiel gu nennen, so werden die 
Kopfpauschale bei einer anderen sehr großen Betriebs 
krankenkasse Berlins voin 1. Januar n. Js. auf 5 M. für 
unverheiratete und 12 M. für verheiratete Mitglieder erhöht, 
dennoch beträgt unter Berücksichtigung der an die einzelnen 
Famlienmitgliedcr zu leistenden Arzthilfe das durchschnitt 
liche Pauschale bei sehr vorsichtiger Berechnung höchstens 
3,59 M. Es ist sehr bedauerlich, daß solche klar vor 
Augen liegenden Tatsachen bei den Publikationen der Aerzte 
schaft nicht berücksichtigt werden. Die einfache Gegenüber 
stellung der Preissätze von 5 M. und 3,50 M. ohne Klar 
stellung der entsprechenden Leistungen ist geeignet, die öffent 
liche Meinung irrezuführen. 
o Bund enthaltsamer Turner. Die Enthaltsamkeits 
bewegung hat auch in Turnerkreisen Fuß gefaßt. Es hat 
sich ein „Bund enthaltsamer Turner" gebildet, der jetzt mit 
einem „Aufrufe" hervortritt: Alle Turner und Turnerinnen, 
welche die Bedeutung des Enthaltsamkeitsgedankens fiir die 
deutsche Turnerschaft und das deutsche Volk erkannt haben, 
und bereit sind, ihm ihre Kraft zu leihen, werden ersucht, 
ihre Adresse an P. du Chesne in Dresden 19, Tittmann- 
straße 45, zu senden. 
o Wie behandelt man eßbare Pilze? Hat man sich 
von der Brauchbarkeit des Pilzes überzeugt, so putze man 
ihn oberflächlich ab, indem man erdige Teile abschneidet und 
Laubreste usw. entfernt; dann wandert er in den Sammel 
behälter. Zu Hause angekommen, nehme man das 
Reinigen und Zurichten noch am gleichen Tage vor; geht 
das nicht, so müssen die Pilze in einem kühlen Raume 
locker ausgebreitet auf Papier gelegt werden, keinesfalls aber 
in einem schwülen, feuchten Raume, sonst sind sie unter 
Umständen schon bis zum anderen Tage verdorben. Länger 
als bis znm anderen Vormittag darf man aber niit dem 
Reinigen und Zurichten der Pilze keinesfalls säumen; man 
sieht die Pilze dabei noch einmal genau durch, ob sich etwa 
zweifelhafte Arten oder nicht mehr ganz einwandfreie Indi 
viduen darunter befinden, die beim leisesten Verdachte sofort 
entfernt werden. Das Putzen geschieht nun in der Weise, 
daß man die Oberhaut des Hutes, wo dies angeht, abzieht, 
sonst aber, namentlich am Rande, leicht abkratzt oder ab 
schält; ebenso kratzt man den Stiel' leicht ab. Bei ganz 
jungen Exemplaren wird dies oft nicht nötig und mitunter 
auch kaum durchführbar sein. Dann wird der Pilz durch 
einen durch Hut und Stiel gehenden Längsschnitt geteilt, 
wobei man sich von seiner Brauchbarkeit und besonders 
auch von der Abwesenheit von Maden überzeugt. Bei 
Röhrenschwämmen entfernt man die Rvhrenschicht, die sich 
meist leicht ablösen läßt und im Nolksmund als Bart be 
kannt ist; sie ist für das Pilzgericht kein Vorteil, weil sie 
nicht nur die größte Menge des oft überreichlichen Schleimes 
liefert, sondern auch, namentlich bei etwas älteren Indi 
viduen, zuerst der Zersetzung anheimfällt und oft allerlei 
kleine Insekten beherbergt. Bei ganz jungen Pilzen sind 
die Röhren noch geschlossen, und dann braucht man die 
Schicht auch nicht zu entfernen. Nach dieser Zurichtung 
werden die Pilze in ganz dünnen Scheiben zerschnitten, 
wenn sie als Gemüse, Salat oder zum Trocknen verwendet 
werden sollen, oder man läßt sie durch die Fleischhack- 
maschine geheu, was namentlich bei harten, zähen und 
schwer verdairlichen Arten besonders zu empfehlen ist. Ueber 
die Zubereituyg findet man das Nötige in den Kochbüchern. 
Selbstverständlich muß man beim Pilzsammeln die größte 
„Sie suchen den Grasen Hoitlingen? Haben Sie ein 
Telegranun für ihn?" 
Auf die bejahende Antwort gab er sich als der Ge 
suchte zu erkennen und nahm die unerwartete Depesche in 
Empfang. Sie war von Bartels und enthielt d e Mit 
teilung, daß der Braue, für den er als Stellvertreter ein 
gesprungen war, morgen init seinem glücklich wiederherge 
stellten Wagen in Bruchsal eintreffen würde, um den Ersatz 
mann abzulösen. Mit eigentümlich gemischten Empfin 
dungen schob Hoiniugcn eben das Blatt in die Tasche, als 
er eine leichte Berührung am Arm verspürte und, sich um 
wendend, in das zwar noch immer recht hübsche, aber 
doch schon bedenklich abgeblühte und start zurechtgemachte 
Antlitz der Gräfin Treueufcls blickte. 
Eie hatte das Konversations-Zimmer verlassen, um 
eine Ansichtspostkarte in den Hotelbriefkasten zu werfen, 
und sie war auf diese Art Zeugin der kurzen Unterhaltung 
zwischen Hoiningen und dem Dspeschenboten geworden. 
Run begrüßte sie den jungen Mann mit einer Lebhaftig 
keit und Wärme, wie wenn er der einzige Mensch wäre, 
dem zu begegnen sie Verlangen getragen habe. 
„Mein lieber Kurt Dietrich — wahrhaftig, Sie sind 
es! Welche Ueberraschung und welche Freude! Ich aber 
muß wirklich sehr alt geworden sein, daß Sie mich nicht 
mehr erkannten." 
Nichts war dem Grafen in diesein Augenblick ferner als 
eine Empfindung der Freude. Allerdings erinnerte er sich 
der lebenslustigen Gräfin sehr wohl, denn zu einer Zeit, 
da die beiden Gatten den Frieden ihrer Ehe noch nicht 
durch das Mittel dauernder Entfernung zu erhalten suchten, 
war er ihr häufig im Hause seiner Eltern begegnet, und 
es hatte auch nicht an sonstigen gesellschaftlichen Beziehungen 
zwischen ihnen gefehlt. Aber seitdem war mancherlei ge 
schehen, das diese Beziehungen gelockert hatte, und in 
seinem engeren Kreise war es nur noch seine etwas eigen 
willige Tante, die der schönen Herta die Freundschaft nicht 
auf ckündigt hatte. Wenn er also schon unter gewöhn- 
Vorsicht obwalten lassen. Eine genaue Kenntnis der eßbaren 
wie der giftigen Pilze ist unerläßlich. Gute Belehrung 
bietet Prof. Dr. W, Migula in seinem mit !5 farbigen 
Tafeln geschmückten Buche „Praktisches Pilztaschenbuch" 
(Verlag von Strecker & Schröder in Stuttgart, Preis 2,80 
Mark), dem wir auch obige Ausführung entnommen haben. 
o Das Biofontheater in der Rheinstraße 14 hat 
für heute und die folgenden Tage wieder ein abmechselungs- 
reiches Programm zusammengestellt. In dem Drama der 
Thronfolger, eine interessante Episode aus dem Leben eines 
Fürstensohnes, spielt Herr Carl Clewing, Mitglied des 
königlichen Schauspielhauses in Berlin die Hauptrolle. Die 
Handlung ist sehr spannend und die szenische Aufmachung 
großartig. Sehr hübsch ist das Lustspiel in 2 Akten, in 
dem Jda Perry, die reizende Künstlerin mitwirkt. Die 
Biofonrevue von Patho fräres zeigt wieder zahlreiche Vor 
kommnisse aus aller Welt in guten Bildern, während die 
vielgeschmähte Pariser Müllabfuhr in einem interessanten 
Film geschildert wird. Eine treffliche Naturaufnahme bietet 
die Bilderfolge: Die Trümmer des alten Theben. Vor mehr 
als 2000 Jahren war diese Stadt die Metropole des 
Pharaonenreichs, sie hatte 100 Tore und prächtige Paläste 
und ist heute nur noch eine riesige Trümmerstätte. Recht 
lustig geht es in der amerikanischen Humoreske „Blinder 
Eifer" zu und der Onkel aus Amerika kitzelt die Lachnerven 
auf eigene Art. Auch der die Grundsteinlegung für unser 
Rathaus darstellende Filin wird noch während dieser Woche 
vorgeführt. Er zeigt eine Fülle wohlbekannter Porträts. 
o Ein grausamer Räuber hat auf dem Friedrich- 
Wilhelm-Platz sein Quartier aufgeschlagen. Er zerreißt seine 
Opfer lebend und zählt deshalb zu den größten Tierquälern. 
Seit einiger Zeit bemerken die Passanten genannten Platzes 
einen ausgewachsenen Turmfalken (Taubenstößer). Von der 
Wiesbadener Straße aus gesehen, fitzt er links am Haupt 
turm in der neben diesem in halber Höhe befindlichen Riesche 
bei dem kleinen Turm und verzehrt sein zappelndes Opfer 
mit großer Gier. Gestern hatte sich der Räuber ein 
Kaninchen vom Felde geholt, nur den Kopf und das Fell 
ließ er schließlich fallen. Jedenfalls nistet ein Paar dieser 
grausamen Räuber im Glockenraum des Turmes, doch ist 
ihm schlecht beizukommen. Während die meisten Raubtiere 
ihr Opfer erst töten, zerreißt es der Turmfalke lebend. Mit 
der Zeit beschmutzt er mit seinem grauweißen Auswurf 
seinen Standort und wechselt diesen gewöhnlich erst, wenn 
er verjagt wird. 
o Wegen einer großen Reihe von Schwindeleien 
ist der zuletzt in der Poschingerstr. 14 wohnhaft gewesene 
angebliche Direktor Albert Huster verhaftet worden. Der 
Verhaftete ist im Jahre 1847 in Alsleben geboren und 
mehrfach vorbestraft. Die Spezialität des immer sehr 
würdig saussehenden und gewandt auftretenden Direktors 
waren Schwindeleien in Hotels und in Engros-Geschäften. 
Es hat sich herausgestellt, daß er in den letzten Monaten 
sozusagen ganz Deutschland gebrandschatzt hat. Er wurde 
daher von den verschiedensten Gerichtsbehörden gesucht; es 
war jedoch nicht möglich, seiner habhaft zu werden, da er 
sich meist auf „Geschäftsreisen" befand. Huster hatte vor 
kurzem eine Wohnung in der Poschingerstr. 14 zu Steglitz 
bezogen, wo ihn sein Schicksal nunmehr ereilt hat. 
o Unfall. Der Schlosser Otto Hoffmann aus der 
Prinz-Georg-Straße in Schöneberg, der hier in der Schlosserei 
von Muß, Handjerystr. 52 beschäftigt ist, verletzte sich bei 
der Arbeit das Handgelenk so schwer, daß die Wunden auf 
der hiesigen Sanitätswache vom Arzt des Rettungsdienstes 
mehrmals genäht iverden mußten. 
Vereins-^LÄ). Lebten 
Am Sonnabend tagen: 
Verein der Briefmarkensammler der südwestlichen Vororte von 
Berlin. Sitzung Abends 8 Ilhr im Restaurant „Kaiscrburg", 
Friedrich-Wilhelm-Platz, Ecke Wilhelmstraße. 
§cköneberg 
—o Sitzung der Stadtverordneten am Montag, dem 27. d. M. 
Nachmittags 0 Uhr. Tagesordnung. 1. Beschlußfassung Uber den 
Antrag der Stadtv. Jatzow und Gen. betr. Angabe der Kosten, 
die durch die Ummandlimg des Schulbauplatzes aus dem Kiekebnsch- 
schen Gelände in einen Spielplatz entstehen. 2. Beschlußfassung 
über die Vorlage des Magistrats betr. Errichtung einer Schul 
diener- und einer Heizerstelle für das neue Schulgebäude der 
lichen Umständen ein zufälliges Zusammentressen mit der 
Gräfin nicht gerade als den Gipfel irdischen Vergnügens 
betrachtet haben würde, so kam es ihm aus sehr begreif 
lichen Gründen in diesem Augenblick vollends so ungelegen 
wie möglich. Und wenn er auch als Mann von guter Er 
ziehung dies Mißvergnügen nach Kräften zu verbergen 
suchte, so mußte ihm doch ein unwillkürliches Zucken der 
Gesichtsmuskeln zum Verräter geworden sein, denn Gräfin 
Herta, die in manchen Dingen erstaunlich scharfblickend 
und erfahren zu sein schien, kam seiner Erwiderung zuvor, 
indem sie im vertraulichen Flüsterton fortfuhr: 
„Oder ist es Ihnen vielleicht unangenehm, hier einem 
Menschen zu begegnen, der Sie kennt? Haben Sie den 
Wunsch, inkognito zu bleiben? Sie brauchen mir nur die 
allerkleinste Andeutung zu machen, und ich werde mich be 
nehmen, als hätten wir uns noch nie im Leben gesehen." 
Nun war die weitherzige Gräfin sicherlich die allerletzte, 
die sich Hoiningen zur Vertrauten gewünscht hätte. Und 
er beeilte sich darum, ihre Vermutung zu entkräften. 
Indem er ihr galant die Hand küßte, sagte er: 
„Sie. haben meine Ueberraschung völlig mißdeutet, 
gnädigste Gräfin. Wenn ich für einen Augenblick bei Ihrem 
Erscheinen sprachlos war, so gab es dafür keinen anderen 
Grund als mein Erstaunen, daß die Zeit an einer schönen 
Frau so spurlos vorübergegangen sein sollte. Sie sehen 
jünger aus als zu irgendeiner Zeit, deren ich mich erinnern 
kann, obwohl doch seit unserem letzten Zusammentreffen 
schon mindestens " 
„Oh! — Oh!" wehrte sie lachend seiner Weiterrede. 
„Zerstören Sie den Effekt Ihres reizenden Kompliments 
nicht dadurch, daß Sie irgendeine Zeitrechnung anstellen. 
Wann sind Sie wieder in Deutschland eingetroffen? Und 
sind Sie hier in Heidelberg ganz allein 7 Wirklich und 
wahrhaftig ganz allein? Mein Himmel, was für ein statt 
licher Mann aus Ihnen^-geworden ist! Imposant — ge 
radezu imposant! Kommen Sie nicht mit in das Konver- 
lations-Ziinmer? Ich möchte so gern ein wenig mit 
Rückertschule. 3. Desgk. betr. Nachbcivillung von 350 M. zum 
Wohlfahrtsetat für 1013. 4. Desgl. betr. Einrichtung einer Stahl 
kammer im neuen Rathause. 5. Wahl eines Ausschusses für die 
Vorlage dcsj Magistrats betr. Aenderung des Verfahrens bei der 
stenographischen Aufnahme der Stadtverordnctcnvcrhandlungcn. — 
Die Namen werden in der Sitzung bekannt gegeben. — 6. Be 
schlußfassung über die Vorlage des Magistrats betr. Nachbewilligung 
von 900 M. zum Bauetat II I für 1913. 7. Wahlen. 8. Bericht 
des Etatsausschusses über die Vorlage des Magistrats betr. Nach 
bewilligung von 3000 M. zum Etat der allgemeinen Verwaltung 
für 1913. 9. Kenntnisnahme von der Vorlage des Magistrats betr. 
Fertigstellung des Brunnens auf dem Barbarossaplatze. 10. Be 
schlußfassung über die Vorlage des Magistrats betr. Nqchbewilligung 
von 000 M. zum Etat für Wohlfahrtspflege für 1913. 11. Desgl. 
betr. Bewilligung der durch den Anstrich der Sedanbrückc entstehen 
den Kosten. °12. Ausgelegt werden die Berichte über die Revision 
der Sparkassenhauptstelle und der Zweigstellen vom 18. Oktober 
1913. 13.1 Beschlußfassung über die Vorlage des Magistrats betr. 
Abänderung der Ortsstatute I und II betr. die Anstellung, 
Pensionierung und Hinterbliebencnversorgung der Beamten der 
hiesigen Verwaltung und der Beamten und Bediensteten der Feuer 
wehr. 14. Wahl von Beisitzern und Stellvertretern für die im 
November 1913 stattfindenden Stadtverordnetenwahlen. 15. Be 
schlußfassung über die Vorlage des Magistrats betr. Nachbewilligung 
von 20 000M. für die Trockenheizung im Neubau der höheren 
Mädchenschule am Stadtpark. 16. Desgl. betr. Abänderung der 
Wahlbezirke für die Wahlen von Arbcitnehmerbeisitzern zum Ge 
werbericht. 
—o Auf Grund der am 1. Januar k. Js in Kraft 
tretenden neuen Bestimmungen für das Krankenversicherungs 
gesetz hat der Magistrat die Abänderung der 88 16 der 
betr. Ortsstatute in folgende Fassung beschlossen: Allen Be 
amten (allen Bediensteten der Feuerwehr), deren jährliches 
Diensteinkommen 2500 M. nicht übersteigt, wird in Krank 
heitsfällen ein Anspruch mindestens entweder auf Kranken 
hilfe in Höhe und Dauer der Regelleistungen der Kranken 
kassen (8 179 R. V. O.) oder für die gleiche Zeit auf Ge 
halt, Ruhegeld, Wartegeld oder ähnliche Bezüge im 
anderthalbfachen Betrage des Krankengeldes (8 182 R. V. 
O.) gewährleistet. 
—o Zur Bebauung des Schöneberger Südgeländes soll 
schleunigst mit den Vorarbeiten begonnen werden, damit die 
Umlegung des Südgeländes keine Verzögerung erleidet. 
Diese Arbeiten bestehen hauptsächlich in Aufstellung der 
Bautypen der einzelnen Baustaffeln, Berechnung der Werte 
für die einzelnen Typen und Beschaffung von weiteren 
Unterlagen, auf Grund deren durch die Generalkommission 
die genauen Umlegungspläne bearbeitet werden können. Zur 
Bewältigung dieser umfangreichen und zeitraubenden Arbeiten 
wir das ganze, zurzeit im Stadterweiterungsamt beschäftigte 
technische Personal herangezogen werden. 
—o Die Aufstellung des Brunnens auf dem Barbarossa 
platz, eines Werkes des Bildhauers Konstantin Starck in 
Wilmersdorf, ist beendet. Es wird dadurch aber eine 
anderweite gärtnerische Gestaltung des Platzes nötig, die, 
wenn es die Witterung gestattet, noch in diesem Herbst 
ausgeführt werden soll. 
—o Für die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen 
sind von den gemäßigten Liberalen und Nationalliberalen 
folgende Kandidaten aufgestellt worden. In der ersten Ab 
teilung im 5. Wahlbezirk Architekt Jatzow und Rechts 
anwalt Dr. Münk,'' Tiif Tl.''Bezirk Architekt Reimer, im 
7. Bezirk Dr. Blank, im 9. Bezirk Rentier Sarre, im 
10. Bezirk Malermeister Linicus und Geh. Kanzleidirektor 
Lachmann, im 11. Bezirk (Friedenauer Ortsteil) Maurer 
meister Colosser gegen den Rentier Behr, der vom Wahl 
ausschuß dieses Bezirks aufgestellt ist; in der zweiten Ab 
teilung im 1. Bezirk Geh. Rechnungsrat Ganz, im 7. Bezirk 
Kaufmann Lahmann, im 8. Bezirk Kaufmann Rosenbaum, 
im 9. Bezirk Oberpostassistent Kuczorra, im 11. Bezirk 
(Friedenauer Ortsteil) Sekretariats - Assistent Jaeger und 
Bankvorsteher Wötzel; in der dritten Abteilung im 1. Bezirk 
Buchdruckereibesitzer Friedrichs und prakt. Arzt Dr. Roettger. 
—o Bei den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen 
wird der Zentrumsverein Schöneberg nach einem am 
Donnerstag Abend im Wilhelmshof gefaßten Beschluß die 
Kandidaten des Liberalen Kommunalvereins unterstützen, 
um die jetzige Mehrheit im Stadtparlament, die Liberale 
Fraktion, niederzuringen. 
—o Die vereinten evangelisch-kirchlichen Vereine von 
Berlin-Schöneberg veranstalten am Dienstag, dem 28. d. M. 
im großen Saale des „Gesellschaftshauses des Westens", 
Hauptstr. 30/31, eine gemeinsame evangelische Fest-Ver 
sammlung zur Feier des Reformationsfestes und der Er- 
Ihnen plaudern. Wir müssen uns ja uncnvlich viel zu 
erzählen habe», nachdeni wir uns feit einer kleinen Ewig 
keit nicht mehr gesehen. Und wir werden ganz ungestört 
sein. Der Kommerzienrat — Sie kennen ihn ja: der 
dicke Hellbach — ist mit meiner Hilfe glücklich längsseit 
der lieben Baronin Riedberg vor Anker gegangen, und 
wie ich meine vortreffliche Freundin kenne, wird er ba 
nicht so bald wieder flott werden. Kennen Sie die Baronin ? 
Nein? Das ist schade; denn sie ist eine so falsche und bos 
hafte alte Katze, wie man sie nicht leicht wieder zu sehen 
kriegt. Ich habe die beiden erst vor kaum zehn Minuten 
verlassen: aber ich bin ganz sicher, daß meine schlimmste 
Feindin im Lause eines ganzen Jahres nicht so viel 
Schlechtes über inich zusaminenbringt, als nieine liebe 
Freundin mir während dieser kurzen zehn Minuten nach 
gesagt hat. Aber es macht nichts. Der Kommerzienrat 
kennt mich ohnedies, lind damit Sie sehen, wie gut ich's 
mit Ihnen meine, lieber Kurt Dietrich: wenn Sie recht 
nett zu mir sind, bestimme ich die Baronin, Ihnen die 
süßeste und delikateste amerikanische Miß zur Stelle zu 
schaffen, die in den ganzen Vereinigten Staaten aufzu- 
treibeu ist. Sylvia Pendleton heißt sie. Die Tochter des 
berühmten Multimillionärs Pendleton, von dem Sie ja 
ohne Zweifel schon gehört haben. Dem Kommerzienrat 
gingen vor Ehrfurcht schier die Augen über, als er den 
Namen hörte. Mein Wort darauf, daß Sw noch nie etwas 
so Entzückendes gesehen haben. Ein Gibson-Girl, wie es 
im Buch steht. Mit Augen wie ein Waldsee, einer Figur 
wie eine Gerte und einem hinreißenden amerikanischen 
Akzent in der Sprache. Mama Rieüberg fährt in einem 
Auto mit ihr durch unsere gesegneten Laude. Der Himmel 
allein weiß, wie gerade sie zu üem Amt einer Ehrendame 
gekommen sein mag. Also ^begleiten Sie mich! Ein hüb- 
fcher, junger Manu wie «ie darf sich eine so köstliche 
Gelegenheit wahrhaftig nicht entgehen lassen." 
(Fortsetzung folgt:)
        
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