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Periodical volume Nr. 250, 23.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

o Für die Einführung des Vollring-Vetriebes auf 
der Ringbahn in Abständen von 15 Minuten hat sich 
der Verein Berliner. Vororte in seiner Eingabe an die Kgl. 
Eiscnbahndircktion Berlin ausgesprochen. Viele Reisende 
ans den Berliner Vororten empfinden es als einen großen 
Mangel im Ringverkehr, daß die Vvllringziige nur halb 
stündlich ^verkehren. Durch die rapide Vergrößerung der 
Einwohnerzahl in den Vororten ergibt sich das dringende 
Bedürfnis eines besseren Verkehrs zwischen den Vororten, 
weshalb es angezeigt erscheint, die Vvllringziige in Abständen 
von 15 Minuten verkehren zu lassen. 
o Eine unterstützenswerte Anregung zur gärtne 
rischen Gestaltung der eiscnbahnfiskalischen Terrains in der 
Umgebung Berlins ist der Kgl. Eisenbahndirktion in der 
Eingabe des Berliner Vorortvereins unterbreitet worden: Alle 
neuen Bauten von Bahnhofsgebäuden werden von der Kgl. 
Eisenbahndirektion erfreulicherweise architektonisch schön aus 
geführt. Die Gemeinden haben am Eingang zrr ihren 
Bahnsteigen Parke und gärtnerische Anlagen eingerichtet, 
sodaß das Ganze wohl ein schönes Bild geben könnte, wenn 
die Eisenbahnverwaltung nicht entgegen ihrer früheren 
Uebung, ihre an den Gleisen belegenen Terrains entweder 
den Eisenbahnbeamten zur Anpflanzung von Gemüsen über 
ließe, oder sie, wie dies öfter geschieht, verpachtete oder 
ganz verödet liegen ließe. Pächter haben sogar in ein 
zelnen Fällen auf' diesen Streifen Laubenkolonien errichtet 
oder mächtige und unschöne Reklametafeln aufgestellt, die 
überhaupt an einzelnen Stellen massenhaft vorhanden sind 
und ein unschönes Bild bieten. Es wird daher gebeten: 
die Kgl. Eisenbahndirektivn möchte bei dem Herrn Minister 
darauf hinwirken, daß für die gärtnerischen oder Parkan- 
pslanzungen dieser der Eisenbahnverwaltung gehörigen 
Streifen bezw. Vorplätze zu den Bahnhöfen Mittel in den 
Etat eingestellt werden. 
o Zigaretten, Zündwaren, Lenchtinittel. Das 
Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht eine Statistik über 
die Herstellung und Besteuerung von Zigaretten, Zigaretten 
tabak und Zigarettenhüllen. 
Im deutschen Zollgebiete waren int Rechnungsjahr 1012 in 
Betrieb: 1000 (1911 1003) Fabriken, die nur Zigaretten, ferner 
314 (1911 309) Fabriken, die Zigaretten und Zigarcttentabak, 40 
(1911 40) Fabriken, die nur Zigarcttentabak herstellen nnd 20 
(1911 32) Fabriken, die nnr Zigarettenhüllen Herstellen. Int Laufe 
des JahrcS wurden hergestellt: an Zigaretten 10 955 (1911 9382) 
Millionen Stiick, an Zigarettenlabak 13 180 (1-2 172) Doppelzentner, 
au Zigarettenhüllen (Hülfen nnd Blättchen) 3920 (3409) Millionen 
Stück. In diesen Zahlen sind die Mengen an Zigarettentabak und 
Zigarettenhüllen, die in Zigarettenfabriken hergestellt und im 
eigenen Betrieb auf Zigaretten weiter verarbeitet wurden, nicht 
enthalten. Aus den Fabriken entfernt nnd versteuert wurden: an 
Zigaretten 10 771 (9104) Mill. Stück, an Zigarcttentabak 3270 
(2905) Doppelzentner und an Zigarettenhüllen (Hülsen und 
Blättchen) 63 (52) Mill. Stück. 'Außerdem ivnrden vom Zoll- 
ansland eingeführt und versteuert 747 (089) Mill. Stück Zigaretten, 
50 (63) Doppelzentner Zigarcttentabak nnd 197 (241) Millionen 
Stück Zigarettenhüllen (Hülsen und Blättchen). Der Gesamtwert 
der im Rechnungsjahr 1912 verkauften Zigarcttcnsteucrzeichen und 
Stcuerzcichenvordrücke betrüg 41,2 Mill. Mark gegen 34,0 Millionen 
inr.Vorjahren^ Im deutschen Zollgebiete w.greu im Rechnung^-, 
jähre 1912 74 (im Borjahr 76) Betriebe zur Herstellung von 
Ziindwarcn vorhanden, in denen durchschnittlich 1732 (1764) 
männliche und 2336 (2171) weibliche Arbeiter beschäftigt wurden. 
An Zündhölzern wurdeit 87 049 (81 190) Alill. Stück, an Zünd- 
spänchen 222 (438) Mill. Stück hergestellt. Bom Ausland wurden 
306 (230) Millionen Zündhölzer und 6 (0) Millionen Zündkerzchsn 
eingeführt. Der Ertrag an Ziindwnrcnsteuer ergab für Zündhölzer 
22 334 793 (20 915 839) At., für Zündkcrzchcn 19 501 (20 722) M., 
insgesamt 22304354 (20936561) M. —'In der Leuchtmittel 
fabrikation ivaren 1912 176 (im Vorjahr 166) Betriebe vor 
handen, in dcncit 24 (25) Mill. Stiick Kohlenfadenlampen, 76 (47) 
Mill. Stück Metallfadenlampen, 0,08 (0,13) Mill. Stück Ncrnst- 
brenncr usw., 0,015 (0,012) Alill. Stück Brenner zu Quecksilber 
dampflampen, 135 (126) Alill. Stück Glühkörper für Gaslampen usw., 
8 (9) Mill. Kilogramm Brennstifte für Bogenlampen ans Rein- 
kohle, 2,9 (2,0) Alill. Kilogramm Brcnnstiftc für Bogenlampen mit 
Lenchtznsätzen hergestellt wurden. Tie Einnahmen an Lcnchl- 
mittelsteucr betrugen für Kohlenfadcnglühlarnpen 1,70 (2,15), für 
Metallfadenlampen und Ncrnstbrenncr 7,77 (5,84), für Brenner zu 
Quecksilberdampflampen 0,05 (0,03), für Glühkörper zu Gasglüh. 
lichtlampen 4,04 (4,30), siir Brcnnstiftc zu Bogenlampen ans Rein 
kohle 1,67 (1,82), für solche mit Leucht,zusähen 1,44 (1,26) Mill. 
Mark, insgesamt 17,27 (15,40) Mill. Mark. Ter Stcncrnachlaß 
auf Grund des § 28 der Ausführungsbestimmnngen belief sich siir 
das Rechnungsjahr 1912 auf 1,12' (0,82) Mill. Mark, sodaß ein 
Ertrag an Lcuchtmittelstcucr von 10,15 (14,58) Mill. Mark verblieb. 
o Kursus für Obstbamnschilitt und Obstbaumpflege. 
Uin einem seit Jahren geäußerten lebhaften Wunsche von 
Gartenliebhabern und Obstbaninteressenten nackizukommen, 
veranstaltet die Kgl. Gärtnerlehranstalt Berlin-Dahlem in 
der Zeit vom 3. bis einschließlich 8. Novomber d. I. einen 
„Sie sind gestern in Darmstadt in einem anderen 
Hotel abgestiegen als wir. Warum haben Sie das ge 
tan ?" 
„Weil ich fürchtete. Sie könnten es für unpassend 
halte», das; auch Ihr Chauffeur in demselben erstklassigen 
Hause logierte, das für Sie eben gut genug war." 
Die Amerikanerin machte eine ungeduldige Bewegung. 
„Das sind törichte Besorgnisse. Und gerade bei Ihnen 
hätte ick eine so weit getriebene Bescheidenheit kaum ver 
mutet. Ich finde im Gegenteil, das; es viel angenehmer 
und bequemer für alle Beteiligten ist, wenn wir in dem 
uämlichen Hotel logieren." 
„IhrWunsch wird mir jederzeit Befehl sein," erwiderte 
er, ohne eine Miene zu verziehen, sehr artig. „Aber —" 
„Aber Sie würden wegen der Kosten ein kleineres 
Haus vorziehen — nicht wahr? Nun, es ist selbstverständ 
lich, daß Sie kein Opfer bringen dürfen, nur um meiner 
größeren Bequemlichkeit willen. Sie werden mir also ge 
statten, daß ich Ihr Logis und Ihre Verpflegung mit auf 
meine Rechnung setzen lasse." 
„Mit dem Vorbehalt, daß die vereinbarten zwölf Mark 
dabei in Anrechnung gebrockt werden," erklärte er voll un 
erschütterlichen Ernstes, und mit dem reizenden Lächeln, 
das ihr Gesicht so unwiderstehlich liebenswürdig machte, 
stimmte Sylvia zu. 
„Sie können sich darauf verlassen, Westenholtz, daß ich 
die Sache streng geschäftlich behandeln werde." 
So geschah es, daß abends in dem von einer sehr 
eleganten Gesellschaft gefüllten Speisesaal des fashionablen 
Heidelberger Hotels die Baronin von Niedberg plötzlich 
mit einer Gebärde höchster Ueberraschung ihr Lorgnon an 
die Augen führte, um dann im Tone entschiedenster Miß 
billigung zu sagen: 
„Wahrhaftig, er ist es in der Tat! Da hört denn 
doch nachgerade alles auk." 
besonderen Kursus für Obstbaumschnitt nnd Obstbaunipflege. 
Duich Vorträge und praktische Uebungen wird allen Teil 
nehmern (Damen nnd Herren) Gelegenheit gegeben, ihr 
Wissen und Können auf dem Gebiete des Obstbaues zu 
mehren. Prospekte, niit Angabe der Unterrichtszeit versendet 
obengenannte Anstalt. Anmeldungen sind an den Direktor 
der Anstalt sofort einzureichen. 
o In Sachen betreffend das Konkursverfahren 
über das Vermögen 1. des Architekten Paul Benstcr 
in Berlin-Friedenau, Bornstr. 18b, 2. der Firma 
C. P. Vcuster, Architektur- und Baugeschäft, Gesellschaft mit 
beschränkter Haftung, in Berlin-Friedenau, Born 
straße 18b, hat die 14. Zivilkammer des Königlichen Land 
gerichts II in Berlin auf die sofortige Beschwerde der beiden 
Gemeinschuldner gegen den Beschluß des Königlichen Amts 
gerichts Berlin-Schöneberg vom 26. September 1913 in der 
Sitzung vom 21. Oktober 1913 beschlossen: Ter ange 
fochtene Beschluß wird aufgehoben. Der Antrag der Ban- 
geschäftsinhaber Franz und Josef Waschek in Berlin- 
Friedenau, Bornstr. 17, ans Erlaß eines Veräußerungs- 
Verbots gegen die beiden Geineinschuldner wird zurück 
gewiesen. Die Kosten fallen dem Franz Waschet zur Last. 
Tie sofortige Wirksamkeit dieses Beschlusses wird angeordnet. 
o Mit den nun beginnenden kälteren Tagen wollen 
wir nicht verfehlen, unsere Leser auf ein äußerst einfaches 
Mittel, sich zu erwärmen, aufmerksam zu machen. Es 
besteht darin, daß man mit geschloffenem Munde einen 
langen, tiefen Atemzug tut und dies wiederholt, bis die 
Wärme zurückkehrt, was durchaus nicht lange dauert. Dies 
tiefe Atmen befördert den Kreislauf des Blutes und führt 
ihm frischen Sauerstoff zu. Das Blut strömt frei bis in 
alle Ausläufe der Adern nnd erzeugt auf diese Weise eine 
größere Wärme. Auch allerlei beginnende Uebel und Er 
kältungen werden durch regelmäßig wiederholtes tiefes 
Atmen verhindert. 
o Friedenaner Parochialverein. Jene begeisterten 
Akkorde, welche vor wenigen Tagen bei der Einweihung 
des mächtigsten Schlachtendcnkmals durch Deutschland 
klangen, fanden vergangenen Dienstag ein erhebendes Echo 
in der Jahrhundertfeier des Parochialvereins. Die Plätze 
waren bereits eine Woche vor 'der Feier vollständig ver 
täust, nnd so konnte der Festsaal des Reformrealgymnasinms 
in der Hoinnthstraße die vielen Besucher kaum fassen. Die 
Vortragsfolge war eine überaus reichliche: manchem war sie 
zu lang, wie man ain frühzeitigen Verlassen des Saales 
merkte. Was geboten wurde, zeugte von mühevoller Arbeit 
und verständnisvollem Eingehen ans die Wünsche der Mit- 
glicder. Wer da weiß, welcher Vorarbeiten die Vorbe 
reitung eines solchen Abends bedarf, wird es daher dem 
Vorstand und besonders dem Leiter der Aufführung Herrn 
Rcchnnngsrat Luckmaldt Dank wissen, eine so vielseitige, 
der allen Zeit von Armo 1813 und den neueren Zeit 
strömungen Rechnung tragende Vortragsfolge zusammen 
gestellt zu haben. Das Einzelne so zu besprechen, wie es 
eigentlich notwendig wäre und verdient, ist unmöglich, da 
es den Raum eines Berichtes weit überschreiten würde. 
Rach feierlichem Orgelspiel durch Herrn Gesanglehrer 
Schölzel und einigen Begriißungsworten des Herrn Vor 
sitzenden Prof. Dr. Klcinccke nahm Herr Tr. Hecht das 
Wort zu seiner Festansprache. Unter besonderer Berück 
sichtigung der nationalen und religiösen Geistesströmungen 
in der großen Zeit um 1813 sprach er von den damaligen 
Reformbestrcbungcn ans allen Gebieten, welche die Kräftigung 
des staatsbürgerlichen Gemeinsinns, des Willens zur Macht 
veranlaßten und jenen heiligen Volkskrieg vorbereiteten, 
welcher, mit beispielloser Opferfreudigkeit begonnen, zum 
Siege führte, Reicher Beifall folgte den einen großen Fleiß 
und umfassende Belesenheit zeigenden Ausführenden des 
Redners, denen man nur etwas weniger Trockenheit ge 
wünscht hätte, die sich durch freien Vortrag von selbst ver 
loren hätte. Das bekannle Berliner Toppelgnarteit des 
Berliner Lehrergesangvereins erfreute durch den ausge 
zeichneten Vortrag einer Reihe vaterländischer nnd anderer 
Lieder nnd erntete damit rauschenden Beifall. Hervor 
gehoben seien das Schwertlied Theodor Körners und der 
Frankfurter Stundenchor (Wanderlied von Rüdel), ferner 
das gemütvolle ,,D'Hamkehr" und das entzückende .Tanz 
und Gesang" mit seinem deutschfröhlichen Kchrvers; den 
Komponisten zur hohen Ehre gereichende Gesänge, die mit 
großer Kunst und Innigkeit von trefflichen Stimmen ge 
sungen und die infolge der schier endlosen Beifallskund- 
Obwohl Sylvia über die Ursache dieses unwilligen Er 
staunens nicht im mindesten zweifelhaft war, konnte sie 
jich's doch nicht versagen, die Ahnungslose zu spielen. 
„Was ist cs. das Sie so aufregt, liebe Frau Baronin ? 
Haben Sie irgendeine unerfreuliche Entdeckung gemacht?" 
„Ich bin allen Ernstes neugierig, bis zu welchem 
Punkte der Bursche seine Dreistigkeit schließlich noch treiben 
wird. _ Sehen Sie beim nicht, teuerste Sylvia, daß es unser 
Chauffeur Westenholtz ist, der da an dem kleinen Fenster 
tisch tafelt wie ein Graf?" 
„Gewiß sehe ich es. Ich habe ihn natürlich längst be 
merkt, und ich habe mich gefreut, daß er sich außerhalb 
seines Dienstes so gentlemanlike zu kleiden und zu be 
nehmen weiß." 
„Sie finden es also dem Anschein nach ganz in der 
Ordnung, daß er in demselben Raume mit uns seine 
Mahlzeit einnimmt und sich gebärdet wie unseresgleichen?" 
„Weshalb sollte ich mich dadurch verletzt fühlen? Er 
leiden wir dadurch denn irgendwelche Einbuße an unserer 
Selbstachtung oder an unserer Würde?" 
„Das ist eine Frage, auf die ich nicht antworten kann. 
Aber ich meine, daß wir uns auf einen sehr gesäbrlichen 
Weg begeben würden, wenn wir erst einmal ansingen, alle 
Klassenunterschiede zu verwischen." 
„Nun ja, es wag sein. Aber in dem vorliegenden Fall 
ist die Gefahr dock, wol,l nicht allzu groß. Und es wundert 
mich, gerade in Deutschland auf so strenge Anschauungen 
zu stoßen. Man hat mir erzählt, daß in Ihrem Laude 
die gute Gesellschaft im allgemeinen viel leichter zugäng 
lich lei als in irgendeinem anderen. Und ich bin hier in 
der Tat schon wiederholt an Orten, zu denen sie bei uns 
niemals Zutritt erhalten würden, Leuten begegnet, die 
gewiß alles andere eher als Hochachtung verdienten." 
Frau von Riedberg faß steif wie eine holzgeschnitzie 
Bildsäule in ihrem Stuhl. 
gkbungen tciliveise wiederholt werden mußten. Frau Dir. 
Stella-Fischer irug mit warmem Empfinden das von Herrn 
Bauinspektor Willens verfaßte Festgedicht nnd im 2. Teil 
des Abends zwei Gedichte von Gerok und Warnte mit 
dramatischer Bewegung vor. Herr Kunstmaler Zirges hatte 
lebende Bilder gestellt und zwar Abschied, Gefecht 1813, 
Genesung, Lagerszene in Südwest, Ueberfall, Huldigung vor 
der Germania; der unvermeidliche Fehler aller lebenden 
Bilder machte sich aber bei der Länge des Abends besonders 
bemerkbar: die jedesmalige lange Zeit, die zur Vorbereitung 
der Bilder benötigt wird. Eine lange Vorbereitungszcit, die 
aber erklärlich ist, da auf der Bühne der Aula überhaupt 
keine dekorative Ausstattung nnd vor allen Dingen das 
Haupthilfsmittel des Bühnentechnikers und Regisseurs, kein 
Schnürboden vorhanden ist. 1813 und 1913 kamen sodann 
noch im Tanzbilde zum Ausdruck: ein Tanz bei Hofe aus 
alter Zeit, in zierlichem Gavotteschriti von Hofdamen und 
Offizieren in alten historischen Trachten ausgeführt und 
eine Reihe von Bauerntänzcn von lustigen Mädelchen mit 
fliegenden Röcken dahingewirbelt, daß man seine helle 
Freude daran hatte. Der Lehrerin der Tanzkunst, Iran 
Geißler, die die Tänze mit großem Geschick eingeübt hatte, 
besonderer Dank. Auch die anschmiegende Klavierbegleitung 
zu den Tänzen durch Frau'Fiebing soll nicht unerwähnt 
bleiben. Den lustigen Mittelpunkt des Abends bildete das 
beliebte Schauspiel „Der Kurmärker nnd die Pikarde 1815", 
welches von Herrn Wolfs und Fräulein Salzer ausgezeichnet 
gespielt wurde. Verkörperte jener, den biederen, derb zu 
greifenden preußischen Landwehrmann, so diese die zierliche, 
„pikante" Französin, ein Gegensatz, der allein schon unge 
mein zum Lachen reizte. Die Gesangciniage, eine von Fräulein 
Salzer mit schöner Stimme ausdrucksvoll gesungene Serenade 
von Gouiiod, sei iibiigens nicht vergessen zu erwähnen. Die 
kunstverständige Regie der Hosschauspielerin Frau Direktor 
Stella Fischer-Friedenau muß rühmend gedacht werden. 
Einen würdigen ^Abschluß fand der Abend durch das ge 
meinsame Lied, „Deutschland, Deutschland über alles", das 
stehend von der Versammlung gesungen wurde. Der Besuch 
der am Freitag, dem 24. Oktober, Nachmittags 0 Uhr statt 
findenden Wiederholung der Feier für Erwachsene und für 
die Jugend kann schon um des guten Zweckes willen nur 
warm empfohlen werden. 
o Kirche „Zum guten Hirten". 1013 ist ein 
Jubiläumsjahr. Ein Gedenktag folgt dem andern. Am 
nächsten Sonntag, dem 26. Oktober, will unser Kinder 
gottesdienst durch einen. Festgottcsdienst ein Jubiläum be 
gehen, das sicher weniger bekannt sein dürfte als alle die 
Gedenktage, die hinter uns liegen. Es sind nämlich jetzt 
50 Jähre her, seit man in Deutschland, angeregt durch die 
Sonntagsschulbewegung in England und Amerika, die Pflicht 
erkannte, die Kinder in eigenen Gottesdiensten zu sammeln, 
die kindlichein Verständnis und kindlichen Bedürfnissen an 
gepaßt sind. Auch unsere Gemeinde „Zum guten Hirten" 
hat seit vielen-Jahren einen solchen Kindergottesdienst, der 
sonntäglich von ungefähr äftO Kjndem besticht wird, die 
unter 18 Helfern und Helferinnen verteilt sind. Doch was 
ist das für eine verschwindend kleine Schar im Vergleich zu 
der Zahl der Kinder, die unsere Friedenaner Schulen be 
suchen, oder gar zu denen, die in Friedenau wohnen! 
Warum bleiben die andern alle fern? So möchten die drei 
Geistlichen, die den Kindergottesdienst leiten, die Jubelfeier 
dazu benutzen, alle Eltern — nicht nur die, deren Kinder 
schon den Kindergottesdienst besuchen, sondern insbesondere 
die, welche ihn noch nicht kennen — herzlichst einzuladen, 
zusammen mit ihren Kindern dein Festkindergottesdienst am 
Sonntag, dein 26. Oktober, Vorm. a / 4 12 Uhr, beizuwohnen. 
Vielleicht, daß sie dadurch Antrieb und Freude bekommen, 
ihre Kinder zu regelmäßigem Besuch des Kindergottcsdienstes 
anzuhalten! Die gedruckte Ordnung des Kindergottesdienstes 
wird an den Kirchtüreir verteilt. Chor-, Kinder-, Gemeinde 
gesang wechseln miteinander ab; Posaunen begleiten die 
Choräle. Die Kirche wird festlich geschmückt sein. Im 
Mittelpunkt der Feier steht eine Ansprache von P. Vetter, 
der kurz darlegen wird: I. Wie die Sonntagsschnle in 
England entstand. II. Wie die Sonntagsschule' nach Deutsch 
land kam nnd zum Kindergottesdienst wurde. Ili. Was 
wir an unserm Kindergottesdienst haben. — Die hinteren 
Sitzreihen des Kirchenschiffes und die beiden Scitcn- 
emporen sind für die Eltern und die Gemeinde freigehalten, 
während auf den vorderen Bankreihen gruppenweise die 
Kinder Platz nehmen, die sich schon um 1 / i 12 Uhr im 
„Auch ans dem exklusivsten Krcise, meine teure Sylvia, 
lasse» sich nicht immer alle unlauteren Elemente fernhal'en. 
Aber die deutsche Aristokratie steht glücklicherweise so un 
antastbar und so hoch erhaben über der großen Masse, 
daß auch eine gelegentliche flüchtige Berührung mit solchen 
Elementen ihr nichts von ihrem Glanze zu rauben vermag." 
„Gar so flüchtig aber scheinen diese Berührungen doch 
nicht immer zu sein," beharrte die junge Amerikanerin, die 
durch den so ostentativ zur Schau getragenen Hochmut 
der Baronin in eine gewisse Kampfstimmung verletzt worüeii 
war. „Ich habe in Berlin mit eigenen Augen gesehen, 
mit welcher Auszeichnung, man in sehr aristokralifchen 
Zirkeln Leute behandelte, die leine andere Empfehlung 
aufzuweifen hatten als ihren großen Reichtum. Und Papa 
hat mir gesagt, daß es nicht einmal in allen Fällen ein 
durch achtuugswerte Mittel erworbener Reichtum ae- 
wefen ist." ;■■■ J 
Die würdige Dame an ihrer Seite seufzte tief auf. 
„Sie berühren da eine Tatsache, liebste Sylvia, deren 
Beobachtung auch mich freilich schon manchmal mit tiefstem 
Schmerz erfüllt hat. Daß manche meiner Staiidesgeiivssen 
sich so weit erniedrigen, den abschcniichen Tanz um das 
goldene Kalb mitzumachen, läßt sich leider nicht leugnen." 
„Vielleicht tun sie es, weil sie durch die Umstände 
dazu gewungen werocn. Und ich kann dielen Tanz um 
das güldene Kalb jedenfalls nach viel eher verstehen, als 
den Snobismus, der einem GeuU.'n.au wie Westenholtz 
verbietet, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft und mit 
einem Anschein von Gleichberechtigung zu essen und zu 
trinken, nur weil er genötigt ist. sein Brot durch ehrliche 
Arbeit zu verdienen." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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