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Periodical volume Nr. 129, 04.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

auf 199 222, d. i. um 8265 ober 4,33 Proz. Der Be 
schäftigungsgrad der Elcktrizitätsiudustrie ist bezeichnet durch 
die Zunahme bei den Männern von 75 377 auf 77 952, 
d. i. um 2 575 oder 3,42 Proz., bei den Frauen von 
34 488 auf 35 453, d. i. 965 oder 2,80 Proz., bei beiden 
Geschlechtern von 109 865 auf 118 405, d. i. um 3540 
oder 3,22 Proz. 
Wie bereits in der Einleitung auseinandergesetzt wurde, 
ermöglichen aber die Zahlen des Beschäftigungsgrades, so 
bezeichnend sie für die Konjunktnrverhältnisse sind, noch kein 
Urteil über den Umfang der Arbeitslosigkeit. Aus den oben 
genannten Nachweisnngen der freien Gewerkschaften, deren 
Mitgliedrrzahl allerdings nur ein Bruchteil der gesamten 
Arbeiterschaft von Großberlin darstellt, und bei denen es 
sich in der Hairptsache um gelernte Arbeiter handelt, sei 
nun bezüglich einiger Gewerkschaften die Zahl der Arbeits 
losen von Anfang Juni d. Js. mit dem Stand vom gleichen 
Zcitramn de§ Borjahres verglichen. Da ist denn eine sehr- 
erhebliche Steigerung der Arbeitsloseuzahl, nämlich von 
3653 auf 4934 bei den Holzarbeitern festzustellen, deren Bc- 
schäftigungsmöglichkeiseu sowohl durch das Darniederliegen 
des Baugewerbes als auch durch die infolge der herrschen 
den Teuerung herbeigeführten Absatzschwierigkeiten in der 
Möbelindustrie beträchtlich geringer geworden ist. 
Recht ungünstig lauten auch die Ziffern für das Trans 
portgewerbe, indem in diesem die Zahl der Arbeitslosen 
gegen das Vorjahr von 073 auf 1416 gestiegen ist. Ebenso 
zeigen die verschiedenen Zweige des Baugewerbes eine Zu 
nahme der Arbeitslvsenzahlen, wie sich die in diesem be 
stehenden mißlichen Verhältnissen des Arbeitsmarktes anch 
mittelbar in der Erhöhung der Arbeitslosenzahl der Metall 
industrie geltend machen, indem hier die besseren Arbeits 
marktverhältnisse der elektrischen Industrie durch die dem 
Baugewerbe angehörenden Zweige der Metallindustrie, so 
durch die Bauschlosser, Bauanschlüger usw. völlig in den 
Hintergrund gedrängt worden sind mit der Wirkung einer 
Zunahme der Arbeitslosenzahl von 2564 am 1. Juni 1912 
auf 3796 im gleichen Zeitpunkt dieses Jahres. (Blätter für 
die Berliner Armen — und Waisenpflege 1913 Nr. 5/0). 
llokLies 
(Nachdruckunserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Gesperrter Spielplatz. Wie der Geineindeoorstand 
int Anzeigenteil dieser Nummer bekannt gibt, ist der Spiel 
platz am Wilmersdorfer Platz als solcher wegen Lagerung 
von Pflastermaterial bis weiteres gesperrt. 
o Eharakterverleihnng. Unser langjähriger Mitbürger 
Königl. Abteilungsvorsteher Herr Wilhelm Köhler, hier, 
Stubenrauchstr. 73 wohnhaft, ist zum königlich-preußischen 
Kommissionsrat ernannt ivorden. 
o Wie viel Menschen vermag das Vorortgebiet 
Berlins aufzunehmen? Der statistische Unterausschuß des 
Architektcnausschusses gibt eine neue, mit umfangreichem 
Tabellen- und Kartenmaterial ausgestattete Denkschrift 
heraus, die statistische Untersuchung über diese interessante 
Frage darstellt. Die Arbeit ist im Aufträge des Architekten 
ausschusses von dem königlichen Eisenbahnbauinspektor Ernst 
Biedermann durchgeführt. Um das zahlenmäßige End 
ergebnis der Untersuchung über die Aufnahmefähigkeit des 
Vorortsgebietes von Groß-Berlin vorweg zu nehmen, sei 
mitgeteilt, daß in Zone 1, die den Geltungsbereich der ge 
schlossenen Bauweise von Berlin, Charlottenburg, Wilmers 
dorf, Schöneberg, Neukölln, Lichlenberg, Spandau und 37 
Vorortgemeinden, u. a. auch Friedenau, umfaßt, auf einem 
Flächenraum von 12,3 Kilometern Halbmesser, auf dem jetzt 
eine Bevölkerung von 3 2 / 3 Millionen wohnt, insgesamt 
rund 0,4 bis 9,3 Millionen Köpfe Platz finden. In Zone 
2, umfassend den Geltungsbereich vorherrschend offener Bau 
weise in 88 weiteren Gemeinden, auf dem jetzt 85 000 
Personen ansässig sind, können noch 1,9 bis 4,2 Millionen 
Einwohner hinzutreten, so daß im ganzen der jetzige Be 
völkerungsbestand von rund 3,8 Millionen noch auf 8,4 
bis 13,5 Millionen anwachsen kann. Die Zuwachsziffcr 
selbst ist das Produkt aus den zur Bebauung verfügbaren 
Flächen der einzelnen Bauklasscn und der „spezifischen 
Wohnungsbesiedlungsziffer", das ist der Kopfzahl, die auf 
die Flächeneinheit auszusetzen ist. Die beiden Faktoren sind 
nun im einzelnen durch sehr eingehende statistische Unter 
suchungen so zuverlässig wie möglich innerhalb ihrer Grenz 
werte festgestellt. Der Bevölkerungszuwachs ist nach Maß- 
gabe der Bauklasse tabellarisch ermittelt. Hier waren ge 
wisse Annahmen und Voraussetzungen nicht zu umgehen, da 
einen wohlerzogenen und umgänglichen Menschen zu 
treffen, gleichviel ob er uns unter einein hochklingenden 
Titel arff dem Parkett des Salons begegnet, oder ob wir 
mit ihm als mit einem bezahlten Untergebenen zu tun 
haben. In Ihrem Lande aber denkt man darüber offenbar 
anders, und das, was man von einem Angestellten in 
erster Linie verlangt, ist Unterwürfigkeit. Verzeihen Sie 
mir, Herr Westenholtz, wenn das Wort einen unangenehmen 
Klang hat. Aber wenn ich Ihnen verständlich machen 
soll, was ich meine, muß ich doch wohl die Dinge beim 
rechten Namen nennen." 
Es war gewiß nicht seine Absicht gewesen, sich bei 
ihr über Frau von Niedbergs hochmütiges Benehmen zu > 
beklagen, denn dies Benehmen war ja für ihn nichts anderes 
als eine Quelle stiller Belustigung gewesen. Aber daß Sylvia 
an keine andere Möglichkeit dachte als an diese, rief ihm zur 
rechten Zeit ins Bewußtsein, eine wie große Torheit er 
hatte begehen wollen, als er sich anschickte, sie vor ihrer 
„mütterlichen Freundin" zu warnen. Solange er in ihren 
Augen nur der bezahlte Chauffeur, der Mann aus einer 
tief unter ihr stehenden Gesellschaftsklasse war, tonnte sie 
eine solche Warnung unmöglich anders als mit Heller Ent 
rüstung aufnehmen. Und selbst, wenn er sich ihr zu er 
kennen gab, durfte er schwerlich auf eine andere Auf 
nahme rechnen. Ihre erste Empfindung mußte ja naturge 
mäß die eines heftigen Zornes über das kecke Spiel sein, 
das er sich mit ihr erlaubt hatte, und ihre zweite war 
höchstwahrscheinlich eine nicht geringere Entrüstung über 
die Dreistigkeit, mit der er sich in ihre privaten Ange 
legenheiten einzumischen wagte. Sie würde ihn in dem 
einen wie in dem anderen Fall mit Entschiedenheit zurück 
gewiesen haben, und er war damit ein für allemal sowohl 
das Katastcrinaterial wohl die bebauten Flächen, nicht aber 
den auf die einzelnen Bauklasscn entfallenden Flächenanteil 
angibt. Die Bevölkerungsstatistik ergibt wohl die Kopfzahl 
der einzelnen Gemeinden, nicht aber der einzelnen Bau 
klassengebiete. Ueber das Gebiet der Zone 2 hinaus ver 
sagt die Bebauungsstatistik vollständig, sodaß die Angaben 
hierüber nur nachrichtliche Bedeutung haben. 
o 250 000 Fahrgäste, also eine Viertelmillion, sind in 
der ersten Woche seit der Betriebseröffnung auf der neuen 
Strecke der Wilmersdorfer—Dahlemer Schnellbahn befördert 
worden. Diese Zahl beweist deutlich, welchem Verkehrs 
bedürfnis die neue Bahn abhilft. Wir fragen: Will bei 
einem derart schlagenden Beweis für die Notwendigkeit 
schneller Verkehrsverbindungen Friedenau auch ferner der 
Schnellbahnfrage zögernd gegenüberstehen? 
o Die Terraingesellschaft Berlin Südwesten (Direktor 
Kommerzienrat Haberland), die bekanntlich auch in Berlin- 
Friedenau das Wagner-Viertelund das Gelände am Süd 
westkorso der Bebauung zugänglich machte, gibt ihren Ge 
schäftsbericht über das verflossene Jahr heraus, der nicht so 
günstig lautet, wie die früheren. Weitere Rückzahlungen 
auf die Aktien können darnach einstweilen nicht in Aussicht 
gestellt werden. Die Ablösung der auf Hypothekendebitoren- 
kontv verbuchten, ans den Verkäufen herrührenden Restkauf 
geld- und Baugeldhypotheken vollzieht sich, nach dem Bericht 
des Verwaltung, bei der durch den ungünstigen Geldstand 
verursachten Hypothekennot so langsam, daß Mittel für 
Liguidationsraten nicht zur Verfügung stehen. Die Bilanz 
läßt denn auch die Hypothekendebitoren von 3 138 540 M. 
auf 5 333 706 Al. anschwellen und diese Zahlen lassen die 
von der Gesellschaft „trotz der schweren Depression am 
Grundstücksniarkt abgeschlossenen 23 Verkäufe zum Preise 
von 1 623 490 M." in minder günstigem Lichte erscheinen. 
Beachtet man ,'nämlich, daß das Hypothekendebitorenkonto 
um 22 Mill. Mark angewachsen ist, die Preise der Grund 
stücke aber insgesamt nur 1,0 Mill. Mark betragen, so er 
gibt sich, daß die Gesellschaft bei den Verkäufen, deren Bar 
erlös nicht ausgewiesen ist, noch ca. 000 000 M. an Bau 
geldern zugegeben hat. — Im Liguidativnskouto erscheint 
das Bilanzkonto jetzt nach Ausschüttung der ersten beiden 
Liquidationsraten von im ganzen 25 Prozent mit 
11 027 239 M. (14 291 613). Der Grundbesitz der Ge 
sellschaft am Schlüsse des Geschäftsjahres umfaßte noch 
29 084 Quadratruten, für die noch rund 600 000 M. an 
Amelioratious- und Straßenbaukosten zu zahlen sind. Das 
Grundstückskonto erscheint in der Bilanz mit 3 419 989 
<i. ÜB. 4 950 471) Al., der Wert der im Berichtsjahre ver 
kauften Terrains ist von diesem Konto abgebucht. Das 
Straßenaulage- und Ameliorationskouto beträgt jetzt 
5 147 040 (4 701 085) M. Das Bankguthaben ist infolge 
der Zahlung der Liquidationsraten von 2 707 869 M. auf 
55 502 M. zurückgegangen. Die Beteiligungen figurieren 
mit 223 000 (235 500) M., darunter befindet sich auch der 
Anteil der Gesellschaft an der mit der Anlage und der 
Instandhaltung der Gartenstraßen betrauten Garten- 
vereinigung Berlin-Südwesteu G. m. b. H. Kreditoren sind 
von 110 543 M. auf 1 400 807 M. gestiegen. Die Ge 
sellschaft hofft dann, daß durch die neue Wilmersdorf- 
Dahlemer Bahn sich das Geschäft, in den kommenden Jahren 
heben wird. In der Umgegend des Rüdesheimer Platzes 
soll nach dem Bericht die Nachfrage nach Wohnungen „zu 
befriedigenden Preisen" lebhaft sein. Auch mehrere Bau 
stellen sind im laufenden Jahre zu nutzbringenden Preisen 
verkauft worden. 
o Ein Mitbegründer Friedenaus Herr Rentier 
Gustav Haustein, feiert heute seinen 87. Geburtstag. Er 
gehört auch dem Alter nach mit zu den ältesten Einwohnern 
Friedenaus. Im Jahre 1871 kaufte Herr Haustein hier 
Land vom Lauderwerb- und Bauverein und bereits im 
Jahre 1872 baute er. Die ihm vom Landerwerb- und 
Bauverein überlassene Hypothek von 18 000 M. lief im 
Jahre 1878 ab. Trotz aller Mühen gelang es Herrn 
Haustein zu damaliger Zeit, da nach den sogen. Gründer 
jahren die Krisis eingetreten war, nicht, Geld für die 
1. Stelle zu erhalten. Er mußte daher sehen, selbst Gelder 
flüssig zu machen. Jin Laufe der Jahre hat er hier manch 
Grundstück noch erworben und bebaut. Während er von 
1872—1891 nur zeitweilig hier wohnte, zog er 1891 für 
immer nach Friedenau. Einige Zeit hat er dann noch im 
Friedenauer Ortsteil in seinem Hause gewohnt, bis er vor 
wenigen Jahren wieder nach Friedenau zog und Friedrich- 
Wilhelin-Platz 1, in dem Hause seines Sohnes Wohnung 
nahm. Im Jahre 1898 verlor Herr Haustein die Gattin. 
des Vergnügens ihrer weiteren Gesellschaft wie der Mög 
lichkeit beraubt, ihr von irgendwelchem Nutzen zu sein. 
Darauf aber wollte er es unter keinen Umständen an 
kommen lassen, nach dieser unverhofften abendlichen Be 
gegnung noch weniger als zuvor, und so beeilte er sich, 
seine Taktik zu ändern. 
„Ich bedauere unendlich, daß mir die Natur das von 
der Frau Baronin geforderte Maß von Demut versagt 
hat," erwiderte er lächelnd, „aber ich werde mich nach 
Kräften bemühen, ihr so wenig als möglich Anlaß zu 
weiterer Unzufriedenheit zu geben." 
„Ein Bemühen, das wahrscheinlich sehr wenig Erfolg 
haben wird, solange Sie nicht Ihre gesamten Manieren 
ändern können, die in den Augen der Frau von Riedberg 
viel zu sehr die eines Gentleman sind." 
„Nach dieser Richtung hin kann ich allerdings keine 
Versprechungen machen, mein gnädiges Fräulein!" 
„Ich würde auch sehr wenig erbaut sein, wenn Sie 
es täten. Aber soll ich Ihnen offen sage», Westenholtz, 
welcher Verdacht mir während der letzten Stunden schon 
wiederholt gekommen ist?" 
„Ich bitte darum, Miß Pendleton." 
„Der Verdacht, daß Sie gar nicht sind, was Sie scheinen 
wollen. Ich habe ja schon mit manchem Chauffeur zu 
tun gehabt, aber mit keinem, der Ihnen ähnlich gewesen 
wäre." 
„Die Menschen sind eben verschieden. Und ich erinnere 
mich nicht, daß ich Ihnen bis jetzt die geringste Veran 
lassung gegeben hätte, an meiner Fachkenntnis zu zweifeln." 
„Oh, Sie wissen wohl, daß es nicht das ist, was ich 
meine. Aber ich stelle mir vor, daß Sie aus Gutmütigkeit 
oder aus Wohlwollen für Bartels eine Aufgabe über- 
Pon seinen Kindern ist der älteste, Gustav, ihm in seinem 
ehemaligen Berufe als Schneidermeister gefolgt; der zweite 
Sohn, Oskar, ist hier näher bekannt als Baumeister und 
langjähriges Mitglied unserer Gemeindevertretung. Seine 
Tochter ist die Gattin des in aller Welt gefeierten Kgl. 
preuß. Kammervirtuosen Felix Meyer. Während „Vater" 
Haustein noch bis vor einigen Jahren körperlich vollkommen 
rüstig war, ja selbst mit den Jüngsten des schönen Ge 
schlechts sich im Tanze drehte, ist er in den letzten Jahren 
durch Atcmbeschwerden gezwungen worden, sich weniger leb 
haft zu betätigen. Dennoch sieht man dem alten Herrn 
sein hohes Alter kaum an, wenn er durch die Straßen 
unseres Ortes marschiert. Für seine gute körperliche Rüstig 
keit mag auch sprechen, daß er noch bis zum Jahre 1897 
aktiver Turner war. Herr Haustein ijt als alter Friede 
nauer natürlich auch Mitglied vieler Vereine, so des Haus 
und Grundbesitzer-, Handel- und Gewerbe-Vereins, der 
Feuerwehr, des Männcr-Turnvereins, des Flottcnvereins, 
ferner des Schöneberger Grundbesitzer-Vereins und der 
Berliner Grundbesitzer-Vereine Süd und Südwest. — Wir 
wünschen Vater Haustein noch recht viele Jahre bei bestem 
Wohlsein. Die 90 ist ja bald voll; hoffentlich schafft er 
aber auch noch die 100. 
o Eine Reliquie. Von einem Leser unseres Blattes 
wurde uns dieser Tage die erste Eisenbahnfahrkarte vor 
gezeigt, die in Friedenau gelöst worden ist. Sie trägt die 
Aufschrift: „Gültig 3 Tage Friedenau—Berlin und zurück. 
III. Kl. 5 Sgr. 14 0001." Am oberen Rande ist ein 
geprägt „01. 11 V 7." Der Lochungsstempel zeigt ein ? 
und die Zahl 87. Der in die Karte eingeprägte Stempel 
der Verwaltung ist nicht mehr vollständig lesbar; zu lesen 
ist nur „Direktorium der Gesellschaft". Wie uns 
mitgeteilt wird, wurde die erste Karte von dem Vater des 
hier Frcgestr. 8 wohnhaften Bankbeamten Herrn Schenk 
gelöst, als in Friedenau ein Haltepunkt an der damals 
noch von einer Privatgesellschaft betriebenen Berlin- 
Zehlendorfer Lokalbahn eröffnet wurde. Später erhielt 
Friedenau eine Haltestelle an der Fernbahn, bis dann 1892 
der Wannseebahnhof Friedenau erstand. 
o Papa Wrangel und die Eisenbahn. Dem .Stegl. 
Anz." wird von einer 84 jährigen Alt-Steglitzerin aus ihren 
Jugendjahren folgende originelle Auslassung des Papa 
Wrangel mitgeteilt: Als seinerzeit der König Friedrich 
Wilhelm IV. beim Bau der Eisenbahn von Berlin nach 
Potsdam den in Steglitz wohnhaften Feldmarschall aus 
forschen ließ, ob er die Anlage eines Bahnhofes in Steglitz 
für ratsam hielt, gab Wrangel dein königlichen Adjutanten 
zum Bescheide: „Vor mir »ich — ick reite!" 
o Der Verband Dentscher Handlungsgehilfen zu 
Leipzig, Kreisverein Schöneberg-Friedcnau, veranstaltete 
am Sonnabend, den: 18. d. Mts., im Restaurant „Kaiser- 
eiche" Friedenau eine Festsitzung anläßlich der hundert 
jährigen Wiederkehr des Gedenktages der Völkerschlacht bei 
Leipzig. Der Einladung waren zahlreiche Mitglieder mit 
ihren Damen gefolgt. Der Vorsitzende, Herr Artur Müller- 
Schöneberg, begrüßte die Erschienenen, wies auf die Zeit 
vor hundert Jahren hin und gedachte des Zeppelin- 
Unglückes, das wie ein Schatten auf die Feststimmung 
dieser Tage falle und sie trübe. Darauf erhielt Herr Rektor 
Verndt-Schöneberg, der es in liebenswürdiger Weise über 
nommen hatte, die Festrede zu halten, das Wort. Herr 
Rektor Berndt verstand es in seinem packenden Vortrage 
ein klares Bild jener großen Tage und ihrer Bedeutung für 
Deutschlands Entwicklung in den Zuhörern zu erwecken. 
Reicher Beifall lohnte seine interessanten Ausführungen. 
Ein gemütliches Beisammensein vereinigte die Festteilnehmer 
noch lange Zeit und zeigte, daß unter den Mitgliedern des 
Kreisvereins Schöneberg-Friedenau im V. D. H. ein fester 
Zusammenhang besteht. 
o Die ehemaligen Schülerinnen der Noennebergschcn 
höheren Mädchenschule wollen sich, wie uns mitgeteilt 
wird, am Donnerstag, dem 23. Oktober, Nachmittags 5 Uhr 
im Cafö Woerz zu einem Plauderstündchen treffen. 
o „Ernst ist das Leben, heiter die Knust". Unter 
diesem Wahlspruch steht das gegenwärtige Programm in 
unserer vornehmsten Lichtbildbühne, den „Hohenzvllern- 
Lichtspielen", Handjerystr. 64. Hanni Weiße, die beliebte 
Berliner Künstlerin, tritt dort in ihrer Originalrolle „Die 
Berliner Range" auf. Tränen werden gelacht. Daher ver 
säume niemand, die Hohenzollern-Lichtspiele jetzt zu besuchen. 
Von den ferneren Darbietungen heben wir hervor das 
realistische Drama „Der kleine Figurenhändler". Als Ein-' 
läge wird heute noch gezeigt „Das Leben ein Roman". 
nommen haben, die ganz außerhalb Ihres eigentlichen 
Berufes liegt. Es will mir nun mal nicht in den Sin», 
daß Sie auch sonst nur ein professioneller Chauffeur sein 
sollen." 
„Möglich, daß ich cs nicht immer gewesen bin; in 
diesem Augenblick aber bin ich es jedenfalls, und ich bitte 
Sie dringend, mich für nichts anderes zu halten." 
„Nun wohl, ich bin froh, das zu hären, und ich habe 
keinen Anlaß, an der Wahrheit Ihrer Versicherung zu 
zweifeln. Wenn Sie bessere Umgangssornien haben als 
die meisten Ihrer Verufsgenosscn, io kann mir das ja nur 
angenehm sein. Ini übrigen aber möchte ich für die Dauer 
unteres Beisammenseins unsere geschäftlichen Beziehungen 
etwas präziser formuliert sehen, als es bisher der Fall 
gewesen ist. Mein Papa hatte mit Barrels vereinbart, daß 
ec außer dem vereinbarten Honorar für feine persönlichen 
Bedürfnisse, das heißt, für Wohnung und Beköstigung, 
eine tägliche Entschädigung von zwölf Mark erhalten sollte. 
Würde dieser Betrag anch Ihnen genügen?" 
„Vollkommen, Miß Pendleton!" 
„Gut! Das wäre also abgemacht, und außerdem werden 
Sie mir selbstverständlich in kurzen Zwischenräumen eine 
Rechnung über die Ausgaben vorlegen, die Sie etwa für 
mich oder die Baronin gehabt haben. Nachdem das zwischen 
uns geregelt ist, werbe.. Sie ja mit Frau von Riedberg 
kaum noch eine Berührung haben, die zu unangenehmen 
Konsequenzen führen könnte. Und nachdem Sie es außer 
dem abgelehnt haben, sich von mir für die ganze Dauer 
des Ausfluges engagiere» zu lassen, werden Sie ja ohne 
dies sehr bald von ihrer Ee.ellschaft befreit sein." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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