Path:
Periodical volume Nr. 245, 18.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Und nun feiert heute das deutsche geeinigte Deutsch 
land dort, wo vor gerade hundert Jahren im entsetzlichsten 
Schlachtgewühl die Willkiirschaft Napoleons I. endgültig ge- - 
Krochen wurde, die Einweihung jenes grandiosen Denkmals, 
das bis in die fernsten Zeiten hinein zeugen wird von 
deutscher Kraft und Treue! Wenn wir alle längst zu Staub 
geworden sind und unsere Urenkel längst das gleiche 
Schicksal erfahren haben werden, wird das riesenhafte, 
wuchtige Denkmal noch predigen, wie Deutschland groß und 
stark geworden ist. Aber auch ein Mahner wird es den 
kommenden Geschlechtern sein. Ein Mahner, daß sie sich 
ihrer Vorfahren wert zeigen möchten, im Glück nicht jubelnd, 
ini Sturm nicht zagend, das wache, kluge Auge ernst und 
fest auf würdige Ziele gerichtet. Wie die Pyramiden Jahr 
tausenden trotzen, so wird das Völkerschlachtdenkmal hinein 
dauern in Zeitläufe, die uns jetzt noch völlig fremd und 
dunkel sind, und von deren Bildern wir uns nicht die ge 
ringste Vorstellung machen können. Auf ein ganz anderes 
Leben und Treiben wird dieser steinerne Riese dann nieder 
blicken. Häusermassen werden ihn vielleicht umgeben, 
fliegende Menschen und Luftschiffe werden sich täglich, ja 
stündlich über ihm kreuzen. In einem Kranz von Lichtern 
wird es zur Nacht umbettet sein. Wunderbare Erfindungen 
werden dann eine neugeartete Welt erfüllen und in ihrem 
kühnen Fortschritt unterstützen. Jedenfalls ist das Völker 
schlachtdenkmal ein Riesenwerk der Baukunst und dabei wohl 
ein recht gelungenes. Denn die ganze Anlage und Aus 
führung zeigt eine große, dem Gegenstand seiner Verherr 
lichung entsprechende Erfassung. Der Schöpfer des Denk 
mals, Professor Schmitz, hat es vortrefflich verstanden, in 
dem Riesenbau die Wucht der Pyramide aus der alten Zeit 
mit dem Geiste der Neuzeit zu vereinen, und gewiß, war 
er sich dabei der Worte von Ernst Moritz Arndt bewußt:' 
„Das Denkmal muß draußen stehen, wo so viel Blut floß; es 
muß so stehen, daß es ringsum von allen Straßen gesehen werden 
kann, ans welchem die verbündeten Heere zur blutigen Schlacht 
der Entscheidung hergezogen. Soll es gesehen werden, so muß 
cs groß und herrlich sein, wie ein Koloß, eine Pyramide, ein 
Kölner Dom." 
Groß und herrlich ist dieses Völkerschlachtdenkmal in 
der Tat, und Arndt, das alte gute deutsche. Gewissen, würde 
seine ehrliche Freude haben, könnte er au der Einweihung, 
die für uns Deutsche ein Ereignis besonderer Art bedeutet, 
teilnehmen. Die massigen Dimensionen, die das Nölker- 
schlachtdenkmal hat, erhellen sich schon aus den folgenden 
Angaben: 
Die Wälle, die cs umgeben, umfassen ein Terrain von 
120 000 gm. 120 000 ebw Boden 'wurden bewegt, vermauert 
12 000 cbm Granit — genug, um Bordschwellen für einen Fußweg 
von Kassel nach Hannover zn liefern. Die größten Bausteine 
wiegen 360 Zentner und haben einen Wert von je 700 M. 
240 000 Zentner Zement waren nötig, um 100 000 cbm Stampf 
beton herzustellen. Die leihweise Ueberlassnng des Gerüstes für 
die Zeit des Baues kostete 300 000 M. Eine einzige der 12 m 
hohen Wächterfiguren am Zinncnkreuz des Denkmals wiegt 4000 
Zentner, und noch bedeutender sind die Massen der vier allego 
rischen Figuren in der Galerie über der Krypta; eine solche Figur, 
zn der an 100 Granitblöcko erforderlich waren, wiegt 6000 Zentner. 
Das Riesenrelicf des Denkmals mit dem Erzengel Michael ist 
60 .Mottrl-blteit, die fliegenden Adler besitzen eine Flügelspannweite 
von 10 m. Die Buchstaben der Inschrift „Gott mit uns!" sind 
1,80 m hoch; zu jedem Buchstaben wurde ein Steinblock von 100 
Zentner Schwere verwendet. 
Solche Zahlen beweisen, daß es sich hier um ein Denk 
mal handelt, wie noch keins auf unserer Erde geschaffen 
wurde und nicht so bald wieder eins geschaffen werden wird. 
Der Erinnerungswert der Leipziger Völkerschlacht be 
deutet die Mahnung für das deutsche Volk, befähigt zu 
bleiben, jederzeit wieder wahr zu machen, was am 
18. Oktober 1813 betätigt worden ist, was am schönsten 
die Worte int Aufrufe König Friedrich Wilhelms III. an 
sein Volk sagen: „Welche Opfer auch gefordert werden, sie 
wiegen die heiligen Güter nicht auf, für welche wir sie hin 
geben, für die wir streiten und siegen müssen, wenn wir 
nicht aufhören wollen, Preußen und Deutsche zu sein." 
Die Grundsteinlegung zum Nathansban. 
Für Friedenau wird der 18. Oktober künftig noch von 
besonderer Bedeutung, und der morgige Festtag ist ein 
Festtag in doppelter Hinsicht für unsere Gemeinde. Soll 
doch morgen die Grundsteinlegung für unser Rat 
haus stattfinden. In jahrelanger Arbeit, nach unzähligen 
Verhandlungen, Plänen und Entwürfen sind wir nun endlich 
soweit gelangt, daß der Grundstein feierlich gelegt werden 
kann. Und mit den drei Hammerschlägen, die den Beginn 
des-Rathausbaues ankündigen, wird man auch des Völker 
ringens. bei Leipzig und der Befreiung vom französischen 
Joch gedenken. Und die Vürgerkraft, die im deutschen 
Volke ruht, die sich auf Leipzigs Gefilden so wundersam be 
währt hat, tritt auch mit dem Akt der Grundsteinlegung zu 
unserem Rathaus wieder lebendig hervor. In selbstloser 
Arbeit und ehrenamtlicher Tätigkeit haben unsere Bürger 
von der Gründung Friedenaus an dahin gewirkt, unseren 
Ort schön und groß zu machen. Wir stehen am End 
punkte unserer Entwickelung und glcicherinaßcn mit 
dem Grundstein zum Rathaus legen wir auch den 
Schlußstein unserer Entwicklung, aber nicht den Schlußstein 
unserer Existenz. Im Gegenteil, mit der Grundsteinlegung 
zum Rathaus bezeugen wir die in unserem Gemeinwesen 
ruhende Kraft und Leistungsfähigkeit, legen wir den Willen 
fest, auch ferner ein selbständiges Glied in Groß-Berlin 
zu ^ bleiben. Und so hoffen wir, daß all die guten 
Hoffnungen, die sich für unser liebes Friedenau an die 
Grundsteinlegung zum Rathaus knüpfen, in Erfüllung gehen 
mögen! 
Wie gesagt, bedeutet dieser seitens der Gemeindever 
waltung und Gemeindevertretung mit einer Feierlichkeit zu 
begehende Akt der Grundsteinlegung des Rathauses einen 
gewissen Abschluß in der Entwicklung unserer Gemeinde, 
denn mit ihrem fast vollendeten räumlichen Ausbau kommt 
Friedenau im Gegensatz zu den sonstigen Gepflogenheiten 
anderer Orte, sich während der Entwicklung ihr 'Rathaus 
zu bauen, erst jetzt dazu, sich das Haus zu schaffen, das 
unter allen baulichen Anlagen das bedeutsamste des Ortes 
sein soll. Wenn bei den Beschlüssen der Gemeindevertretung 
zuletzt der Wunsch ausschlagebend gewesen ist, diesen bedeut 
samen Bau trotz der anzustrebenden Schlichtheit seines 
Aeußern an eine Stelle gu bringen, wo er dauernd ein 
bemerkbares Wahrzeichen des Ortes und ein Sinnbild der 
Kraft und der Leistungsfähigkeit der Gemeinde sein soll, 
so muß dieses Bestreben vom Standpunkte unserer heutigen 
Erfahrungen als richtig und im Interesse des Ortes glücklich 
bezeichnet werden. Es seien deshalb auch jetzt, wo wir dem 
Beginn und hoffentlich auch in Bälde der Vollendung des 
Baues entgegengehen, alle Streitigkeiten und alle Meinungs 
verschiedenheiten, die friihcr oft mit Schärfe zum Ausdruck 
gekommen sind, vergessen. 
Wie wir uns überzeugen konnten, wird der Bau mit seiner 
Hauptsront nach dem Marktplatze gerichtet und in dem Straßcnbilde 
der Rhcinstraße, der Hauptvcrkehrsvcrbindnng mit den westlichen 
Vororten, einen windigen, ruhigen und ernsten Charakter tragen 
und zum Ausdruck bringen, daß der Bau ein Geschäftsgebäude 
praktischer Art sein soll. Der Haupteingang ist in glücklicher Weise' in 
die Mitte der Hanptsront gelegt, sodaß durch die symetrische Ge 
staltung der Fassade am Markt die Würde und Ruhe derselben 
gesteigert wird. Durch das Zurückschieben des Saalbaues an der 
Nheinstraße parallel zur Hauptfront, in dem auch die Sparkasse 
und die Gemeindekasse untergebracht sind, ergibt sich ein für den 
Beschauer günstiges perspektivisches Bild der ganzen Bananlage. 
Das Rathaus wird dadurch monumentaler und größer erscheinen, 
als wenn dasselbe auf der im stumpfen Winkel zur Hanptsront 
laufenden Fluchtlinie der Rheinstraße gebaut werden würde. Hier 
in dieser Ecke steht auch der Rathausturm, der das Bild der Rhein-, 
straße und der Niedstraßc nach dem Friedrich-Wilhelm-Platz zu 
iveit hin beherrschen soll. Auch diese Stellung ist eine nach jeder 
Seite hin glückliche zu nennen, ebenso rvie man heute wohl allge 
mein zugeben muß, daß das Herausrücken des Baues aus der 
schablonenhaften Baufluchtlinie ein glücklicher und für das Orts 
bild wertvoller Gedanke war. An der langen Front in der Lauter 
straße befinden sich dann durchweg Büroräume, außerdem in der Mitte 
derselben etwa die Feuerwache, die durch ihren architektonischen 
Ausdruck nach außen sich als solche jedem leicht bemerkbar macht. 
Am heutigen Tage auf nähere Einzelheiten einzugehen, wollen 
wir uns versagen. Wir behalten uns jedoch vor, in einiger Zeit, 
ivcnn die Entwürfe, welche zur Zeit im Bauamt endgültiger Be 
arbeitung entgegengehen, feststehen, unter Veröffentlichung der 
Fassaden nochmals eingehend auf unser Rathaus und seine äußere 
und innere Gestaltung zurückzukonrmen. 
Am heutigen Tage, wünschen wir dem Werke und seinen 
Erbauern viel Glück! 
Außer der feierlichen Grundsteinlegung zuin Rathaus 
wird bei uns die Erinnerung an die Leipziger Völkerschlacht 
noch durch einen Festgottesdienst morgen Abend 0 Uhr in 
unserer Kirche zum guten Hirten begangen. Hierzu find 
die politischen Gemeindekörperschaften und sämtliche Orts- 
vercine eingeladen worden. 
In den Schulen fällt morgen der Unterricht aus; es 
finden dafür Gedenkfeiern statt. 
Am Sonntag, dem 19. Oktober, findet dann ein 
Jugendfest zum Andenken an die Völkerschlacht bei 
Leipzig, veranstaltet vom Ortsausschuß für Jugendpflege 
statt. An einen Festzug vom Reformrealgymnasium in der 
Schmalbacher Straße — Nachmittags 2 Uhr — reihen sich 
Wettspiele und turnerische Veranstaltungen auf dem Spiel 
platz am Maybachplatz. Um 5 Uhr wird diese Veranstaltung 
mit einer Ansprache geschlossen. Abends 8 Uhr beginnt darauf 
in der Aula desNeformrealgymnasiumsfürdieJugendeineFest- 
feier. In dieser werden abwechseln musikalische, deklamatorische 
und gesangliche Darbietungen. Die' Festrede hält Herr 
Oberlehrer Korge. Mitglieder der Jugendvereinigung führen 
ein Festspiel „Das eiserne Kreuz" auf und Mitglieder des 
Jugendklubs der 3. Gemeindeschule zeigen einen Bicder- 
meiertanz. Der Eintritt zu dieser Abendfcier ist nur durch 
Programm gestattet. 
Dann sei noch auf die Hundertjahrfeier des Parochial- 
vereius hingewiesen, die am Dienstag, dem 21. Oktober, 
abends 8 Uhr in der Aula des Reformrcalgymnasiums statt 
findet. Das Programm für diese Feier lautet: Orgelvor 
spiel: Herr Organist Schölzel, Prolog: Frau Hofschauspielerin 
Stella-Fischer, Festansprache: Herr. Dr. Hecht, historische 
Tänze eingeübt von Frau Clara Geisler, Gesaugsvorträge 
des Berliner Doppelquartetts (Mitglieder des Berliner 
Lehrergesangvereius), Festaufführuug: Kurmärkerund Pikarde, 
lebende Bilder, gestellt von Herrn Kunstmaler Zirgcs. 
Wir sehen aus allem, daß auch in unserem Orte des 
unvergeßlichen 18. Oktober in würdiger Weise gedacht wird. 
An unsere Mitbiirger möchten wir zum Schluß nur noch 
die Aufforderung richten: 
Fahnen heraus! 
Sitzung Äer Gemeinclevertretung 
vom Donnerstag, dem 16. Oktober 1013. 
In der gestrigen Sitzung gab cs zeitweilig recht erregte Er 
örterungen. Hauptsächlich war dies der Fall bei der Auslegung 
einer Bestimmung in den Reisekostensatzungen, sowie bei der Be 
richterstattung über die Jahresrechnung für 1911. Der Gemcindc- 
vorstaud hatte in diesen Aussprachen wenig Glück. Seine Er 
klärungen sanken nicht die Zustimmung der Vertretung und man 
hieß auch sein selbstständiges Vorgehen in den angeregten Fragen 
nicht gut. Dadurch, daß vom Gcmeindcvorstand manches als Miß- 
traucn aufgefaßt wurde, während die Gemeindeverordncten nur 
eine sachliche Kritik betonten, kam es zu einzelnen erregten Zu 
sammenstößen. Hauptsächlich drehten sich die Erörterungen um die 
Reisekosten. In den Satzungen ist u. a. gesagt, daß bei repräsen 
tativer Vertretung der Gemeinde sich die auf 18 Al. belaufenden 
Tagegelder um 60 Prozent, also aus 27 M. erhöhen. Diese 
Erhöhung ist vom Gemeindevorstand in drei Fällen gewährt 
worden und der G.-V. Ott, der dies bemängelte, stellte den 
Antrag, daß künftig in jedem Falle die Gemeindevertretung zu 
fragen sei. Dieser Antrag wurde angenommen. Das Tagesgcld 
von 27 Al. wurde von vielen Seiten als zu hoch angesehen, eö 
bekonunen Staatssekretäre und Wirkl. Geheime Räte nicht so 
viel. Bei der Rechnungslegung wandte sich der G.-V. Ott zuerst 
allgemein gegen die Mahnungen des Landrats zur Einreichung 
der Rechnung. Am 2. Juni mahnte der Landrat schon um die 
Rechnung für 1912, während erst im Mai der Finalabschluß erfolgt 
ist. Die Rechnungsprüfung erfordert doch Zeit, wenn sie 
gewissenhaft ausgeführt werden soll. Bei den einzelnen Ein- 
Wendungen handelte es sich wieder hauptsächlich um die Gewährung 
von Reisekosten. Besonders bemängelt wurde, daß dem Büro 
direktor die Reisekosten zum Besuch des Gemeindebcamtcntages 
bewilligt wurden. Für derartige Jntcressenvcrsammlungen dürfe 
die Gemeinde keine Gelder hergeben, es könnten dann auch Gelder 
zum Besuch von Gewerkschaftsversammlungen usw. bewilligt 
werden. Bürgermeister W a lg er betonte, daßdie Gelder sür diese 
Reise aus dem Dispositionsfonds des Gcmeindcvorstandcs bewilligt 
ivurdcn und die Gemeindevertretung habe kein Recht, Kritik 
zu üben an den Ausgaben aus diesem Fonds. Der Gemeinde- 
vorstand könnte daraus Lackstiefcl kaufen, wenn er das 
wollte; das werde natürlich niemand tnn.j G.-V. Richter erklärte, 
daß diese Ausfassung nicht richtig sei, die Grenzen für die Verwendung 
diesesFondsseien doch nach dem allgemeinen Brauch und Gesetz gegeben. 
Auch G.-V. Schultz äußerte sich in dieser Weise und meinte noch, 
daß dann der Bürgermeister schließlich auch die Kosten bei Er 
krankung seiner Dienstboten aus Diesem Fonds entnehmen könnte. 
Die Jahresrechnung wurde in den vorgelegten Teilen genehmigt, 
doch wurden die verschiedentlichcn Beanstandungen von der Ge 
meindevertretung als zu recht erfolgt anerkannt. Hierbei handelte 
cs sich auch noch u. a. um die Anschaffung eines Obsttellers für 
das Amtszimmer des Bürgermeisters. Die Vertretung stimmte der 
Erklärung, daß dieser Obstteller zum notwendigen Inventar des 
Amtszimmers gehöre, nicht zu. — Die übrigen Punkte der Tages 
ordnung! wurden nach dem Antrage des Vorstandes genehmigt. 
Dem Krieger- und Vetcrauenverein wurden 100 M. zur Verteilung 
an hilfsbedürftige Veteranen bewilligtund den Gemeinde 
gärtnern, die in Gütcrgotz tätig sind, sollen die Fahrkosten er 
setzt werden. 
Wir bringen nun den Verhandlungsbericht: 
Bürgermeister Walger eröffnet 20 Minuten nach 7 Uhr 
die Sitzung. 
Es fehlen Schöffe Lichtheim (wegen Erkrankung) und 
als entschuldigt die G.-V.^ Eggert, Dr. Heinecker,\ Huhn, 
Stöcker und Dr. Tänzler. Es sind also anwesend Bürger 
meister Walger, die Schöffen Bache, Draeger, Wossidlo, 
Sadöe, v. Wrocheni, die' G.-V. Berger, Dreger, Finke, 
Franzelius, Haustein, Heise, Kalkbrenner, Kunow, Lehment, 
Dr. Lohmann, Matthies, Ott. Richter, Sachs, Schönknecht, 
Schultz, Dr. Thurmann, Uhlenbrock und Wermke. Ferner 
Gemeindebaurat Altmann und Assessor Grundmann; das 
Protokoll führt Bürodirektor Sudan. 
Bürgermeister Walger teilt mit: 
Ein Einladungsschreiben des Gemeindekirchenrats zum 
Festgottesdienst ans Anlaß der Jahrhundertfeier der 
Völkerschlacht bei Leipzig am Sonnabend, dem 18. Oktober, 
Abends 6 Uhr in der Kirche zum guten Hirten. Es werden 
bis zu Beginn des Gottesdienstes Plätze nach Möglichkeit 
frei gehalten werden. 
Der Ortsausschuß für Jugendpflege lädt zu einem 
Jugendfest zum Andenken an die Völkerschlacht bei Leipzig 
ein, das am Sonntag, dem 10. Oktober stattfindet und be 
steht ans Wettspielen am Nachmittag ans dem Maybachplatz 
und einer Festveranstaltung am Abend in der Aula des 
Reformrealgymnasiums. 
Der Vorsitzende des Kriegsvcteranen- und Krieger 
vereins, Herr Geheimrat Schindler, weist in einem Schreiben 
darauf hin, daß der Verein sich an dem Gottesdienst am 
Sonnabend beteiligen wird und am Sonntag im Kaiser- 
Wilhelm-Garten eine Festsitzung abhält. Bei dieser Ge 
legenheit möchte er alten hilfsbedürftigen Kriegsveleranen 
eine kleine Freude bereiten und bittet den Gemeindevorstand 
um einen Beitrag hierzu. Der Bürgermeister schlägt die 
Bewilligung einer Summe von 100 M. vor. Ohne Er 
örterung bewilligt die Gemeindevertretung einstimmig diese 
100 M. aus dem Dispositionsfonds. 
Auf eine Beschwerde des Herrn Direktors Busch beim 
Kgl. Provinzial-Schnlkollcginm über die Rückerstattung der 
Kosten für die beschafften Berliner Adreßbücher, hat das 
Provinzialschulkollegiuin geantwortet, daß es Herrn Direktor 
Busch nicht für verpflichtet hält, diese Beträge zu er 
statten. G.-V. Ott ersucht, diese Angelegenheit dem Finanz 
ausschuß zu überweisen. Bürgermeister Walger verspricht, 
dies zu tun. 
Ueber verspätete Ausführung der Desinfektion sind in 
einer Sitzung Klagen vorgebracht worden. Die Unter 
suchung hat ergeben, daß die Desinfektion sofort erfolgt, 
sobald die Anzeige des Arztes von dem Beginn oder dem 
Erlöschen der Krankheit vorliegt. Spätestens wird die Des 
infektion am nächsten Morgen nach Eingang der Anzeige 
des Arztes ausgeführt. Wenn also Mängel in der recht 
zeitigen Ausführung der Desinfektionen zu verzeichnen 
waren, so liege dies daran, daß der betr. Arzt die Anzeige 
nicht rechtzeitig erstattet hatte. 
Schöffe Wossidlo bittet, den in Gütergotz tätigen Gc- 
meindegärtnern die 1,70 M. Fahrkosten zu erstatten. Die 
Gärtner bekämen 21 M. Wochenlohn und wenn sie davon 
noch die Fayrkostcn bezahlen sollen, so verbleiben ihnen 
nur 19 M. Mit diesem geringen Betrage haben einzelne 
von ihnen noch für eine zahlreiche Familie zn sorgen. 
G.-V. Berger bringt zum Ausdruck, daß er diesen geringen 
Lohn für furchtbar halte und er sich wundere, daß die Ge 
meinde für diese Löhne noch Arbeiter bekomme. Kein 
Unternehmer bekommen heute für 21 M. Wochenlshn 
Arbeiter und es könne heute auch kein Mensch mehr mit einenr 
solch geringen Lohne existieren. — Die 1,70 M. Fahrkosten 
werden darauf den Gemeindegärtern einstimmig bewilligt. 
In der Forensal-Filialgeschäftssteuer-Ordnung ist im 
Z 2 versehentlich die im § 1 mit zur Steuer herangezogene 
4. Klasse nicht erwähnt worden. Es ist also nur ein 
formeller Beschluß zu fassen. Der Bürgermeister bittet, 
im § 4 die Worte „und vier" noch hinzuzufügen. Es wird 
so beschlossen. 
Auf Antrag des Bürgermeisters wird noch eine Ver- 
kehrsangelegenhcit, die sich auf den Südwestkorso bezieht, 
auf die Tagesordnung der geheimen Sitzung gesetzt. 
Ohne Erörterung wird darauf die Nachbewilligungslistc 
sür 1912 im Gesamtbeträge von 78 805,02 M. genehmigt. 
Gemeindebaurat Altmann berichtet über die Aus 
schreibung betr. Vergabe der Zimmerarbeiten für den Neubau 
der 3. Gcmeindeschule. Die drei Mindcstfordcrnden sind: 
Scholz mit 20 331,40 M., Seidel mit 29 740,90 M. 
und Aktiengesellschaft für Bauausführungen mit 30 015,30 
Mark. Wenn in der Turnhalle ein anderer Fuß- 
bodenbelag usw. vorgesehen wird, ermäßigen sich die 
Angebotspreise ans 23 648,40 M , bezw. 24 700 M., bezw. 
25 032,30 M. Der Vauausschuß schlägt vor, dem Dritt- 
mindestfordernden, der Aktiengesellschafr für Bauausführungen, 
die Arbeiten zum Angebotspreise von 25 032,30 M. zu 
übertragen. Im Kostenanschlag stehen 27 048 M.' zurVer- 
sügung. Die Friedenancr Firmen Ewald und Marzellier 
stehen an 8. bezw. 17. Stelle. Es wird nach dem Vor 
schlage des Bauausschusses der Aktiengesellschaft für Bau 
ausführungen der Zuschlag erteilt. 
Zur Vorlage betr. Bewilligung von weiteren Kosten 
für die Rathausbaucntwnrfsarbeiten bittet Gemeinderat 
Altmann, einen weiteren Betrag von 3500 M. zu be 
willigen, da die bereits früher bewilligten 5000 M. für die 
im Laufe der Zeit bearbeiteten 13 Entwürfe aufgebraucht 
sind. Mit dem noch erforderlichen Betrage wird der 
Entwurf nun baureif. Die Gemeindevertretung bewilligt 
die 3500 M.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.