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Periodical volume Nr. 38, 13.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Kriedenauee 
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20. Iayrg. 
Oepel6)en 
Letzte rlaclirichten 
Das MarineluftWss „L. 2" in der Luft explodiert. die 
gesamte Besatzung verunglückt. 
Von einem furchtbaren Unglück ist Heute wieder unsere 
Luftflotte betroffen worden. Roch ist das schreckliche Unglück 
des Marineluftschiffes „L. 1 * in aller Erinnerung. Und 
nun ist Heute das stolze Marineluftschiff „L. 2“ durch eine 
Explosion zerstört worden. 30 Personen Haben dabei den 
Tod gefunden. „L. 2“ befand sich auf einer Uebungsfahrt, 
etwa 500 Bieter von seiner Halle iu Johannisthal entfernt. 
Kurz nach dem Aufstieg um */jl l Uhr vormittags erfolgte 
eine furchtbare Explosion in etwa 300 Meter Höhe. An 
Bord befand sich die Abnahmekommission unter Führung 
des Korvettenkapitäns Vehnisch, die Besatzung des „L. 2" 
unter Führung des Kapitänleutnants Freyer, und von der 
Zeppelingesellschaft Kapitän Glund, insgesamt 26 Personen. 
Eie sind sämtlich tot. Die Ueberreste liegen an der Nudower 
Chaussee. Nur ein Offizier lebt noch, der Leutnant des 
Augustaregiements Freiherr v. Bleuel. Er ist aber derart 
schwer verletzt, daß er kaum mit dem Leben davon kommen 
dürfte. Die Ursache der Katastrophe ist noch nicht ermittelt. 
Würzburg. Der in Niedecneuendorf bei Berlin auf 
gestiegene Militärflugapparat 13 8613 stürzte heute früh 
6 Uhr iu der Nähe von Kirchlauter in Unterfranken ab. 
Der Führer, Oberleutnant Koch vom 37. Infanterieregiment, 
und Sergeant Maule waren sofort tot. 
Schweinitz. Heute nacht 2,55 Uhr mußte das 
Albatros-Militär-Flugzeug 201-13 im Revier der Ober- 
försterei Schweinitz eine Notlandung wegen Aussetzens des 
Motors vornehmen. Führer war Hauptmann Haeseler vom 
(Großen Gencralstab, Beobachtungsoffizier Leutnant v.Freyberg. 
Bei dem Gleitflug wurden die Spitzen zweier Fichten mit 
genommen, dabei wurde Hauptmann Haeseler in seinem 
Sitz eingequetscht und ilun die Arme und die beiden 
Beine gebrochen, während es Oberleutnant von Freyberg 
gelang, abzuspringen. Oberleutnant von Freyberg eilte 
nach Schweinitz um Hilfe zu holen. Als er zwischen 5 und 
0 Uhr morgens zur Landungsstelle kam. war der Hauptmann 
noch bei vollem Bewußtsein, konnte aber nicht aus seinem 
Sitze heraus. Bei dem Versuche, ihn zu befreien, explo 
dierte das vorrätige Benzin und Hauptmann Haeseler ver 
brannte auf der Stelle. 
Frankfurt a. Bk. Gestern nachmittag hat im Ost 
hafen ein Unbekannter eine Lokomotive von einem Zuge 
abgekoppelt, sie angeheizt und auf eine Baggermaschine auf 
laufen lassen. Die Baggermaschine wurde schwer beschädigt 
und die Lokomotive stürzte in das Baggerloch. Der Schaden 
ist sehr beträchtlich. 
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Zur Fahrhuudertseier S 
der Leipziger Schlacht 
>8. »«ober lg». 
Wie yeltzet der herrliche Ehrentag. 
Der Deutschlands Ketten für immer brach? 
Der Deutschland Sieg und Freiheit gebracht? 
Der Deutschland stark und einig gemacht? ... 
Die Leipziger Schlacht! 
Wann zog ein Frühling durch Deutschlands Saun, 
Wie Menschen aus Erden nur selten ihn schaun? 
Wo ging in Ähren Held Scharnhorsts Saat? 
Und wer brachte Helm die köstliche Mahd? 
Die Leipziger Schlacht! 
Wo straste der Herr mit zornigem Blick? 
Wo beugte den Korsen das Weltgeschiü? 
Wer sägte zusammen zuerst die Macht, 
Dir später Sedan uns, das Reich gebracht?.. . 
Dle Leipziger Schlacht! 
Vor hundert Fahren, da war die Zeit 
Der Völkerringens In blutigem Streit: 
Drei Tage währte der schreckliche Kamps. 
Dar Blitzen und Donnern beim Puloerbamps: 
0 Leipziger Schlacht! 
Fetzt steht bei Leipzig das Riesenmal, 
Zur Weihe strömet der Völker Zahl; 
Vach tausend von Fahren noch tut es kund 
Den späten Enkeln^ dem Erdenrund: 
Die Leipziger Schlacht! 
Bcrliii-Lliarlotteiiburg. 
Tr. Tito Wc»i>igcil. 
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Zur Jahrhundertfeier der Völker 
schlacht bei Leipzig. 
In ganz Deutschland schlagen heute die Herzen aller 
Patrioten höher. Die Blicke sind nach Leipzig gewandt, wo 
in Gegenwart aller deutschen Bundesfürsten, österreichischer 
russischer und schwedischer Fürstlichkeiten und der Nach 
kommen jener großen Heerführer, die in dem gewaltigen 
Ringen bei Leipzig den Siegeskranz errangen, die Ent 
hüllung des mächtigen Völkerschlachtdenkmals stattfindet. 
Aber die Blicke sind auch zurückgelcnkt in jene große Zeit 
Sylvias Chauffeur. 
Roman von Louis Tracy. 
8 (Nachdruck verboten.) 
Sylvia blieb eine kleine Weile stumm. Vielleicht stellte 
sie im stillen Betrachtungen darüber an, wie merkwürdig 
schlagfertige und redegewandte Leute man doch zuweilen 
in dem bescheidenen Stand der Chauffeure antreffen könne. 
Zugleich aber mochte die Verwunderiurg darüber sic an die 
von der Baronin Riedberg so nachdrücklich betonte Gefahr 
erinnert haben, daß die Scheidelinie allzusehr verwischt 
werden könnte, die sie von diesem jungen Bkanne mit den 
Gentleman-Manieren trennte. Wenigstens klang es um 
ein Beträchtliches kühler und vornehmer, da sie nach einer 
Pause sagte: 
„Natürlich haben Ihre freundschaftlichen Beziehungen 
zu Bartels nur insofern Interesse, als sie vielleicht ein 
Arrangement ermöglichen könnten, an das ich vorhin ge 
dacht habe. Ihr Wagen gefällt mir so gut, daß ich nicht 
abgeneigt wäre. Sie für die ganze zehntägige Tour zu 
engagieren. Selbstverständlich unter der Voraussetzung, 
daß mein Papa einwilligt, den ich morgen brieflich darum 
befragen würde. Eine angemessene Abfindung für Ihren 
Freund Bartels würde mein Papa gewiß gern be illigen. 
Hoiningen hatte Mühe, ein Lächeln zu uiiterorücken. 
Er war nicht so eitel, das schmeichelhafte Anerbieten auf 
Nechnling seiner Person zu setzen, aber er dachte daran, 
wie er es wohl aufgenominen haben würde, wenn inan 
ihm vor vierundzwanzig Stunde» die Möglichkeit eines 
derartigen Vorschlages prophezeit hätte. Und etwas von 
seiner verschwiegenen Belustigung mochte doch wohl im 
Ton seiner Worte anklingen, da er erwiderte: 
„Ich bin Ihnen für die gütige Absicht zu tiefstem 
Dank verpflichtet. Miß Pendleton! Und ich würde null 
glücklich schützen, wenn die Umstände mir die Annahme 
eines so verlockenden Antrages ermöglicht:'.-. Aoer cs ist 
leider nicht daran zu denken. Ich „:uß unbedingt darauf 
rechnen, daß Bartels mich in Heidelberg ablöst, denn es ist 
mir unmöglich, länger als höchstens drei Tage von Frank 
furt abwesend zu bleiben." 
Wenn Syl >a Pendleton sich durch diese unzweideutige 
Ablehnung eines Vorschlages, auf dessen bereitwillige An 
nahme sie vielleicht mit Sicherheit gerechnet hatte, ent 
täuscht oder verletzt fühlte, so war sie doch viel zu sehr 
Weltdame, um etwas davon zu zeigen. Sie nickte leicht 
hin und tat des Ee.enslandes nicht weiter Erwähnung. 
Freundlich schenkte sie ihm Gehör, wenn Hoiningen sie aus 
diesen oder jenen bemerkenswerten Punlt an ihrem Wege 
aufmerksam niachtc. Und als sie bei begitmender Dämme 
rung das neue Wahrzeichen des kunstfreudigen Darinsiadt, 
den wuchtigen Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe, scharf 
gegen de» lichten Himmel abgezeichnet, vor sich aufragen 
fallen, mochte jedes von ihnen in der Sülle des Herzens 
gleich lebhast bedatier», daß diese erste Tagesfahrt bereits 
in wenige» Minuten ihr Ende erreicht haben sollte. 
Der Wagen hielt vor dem „Britannia-Hotel", das in 
Sylvias Reiseplan für das erste Nachtquartier vorgesehen 
war, und Hoiningen wurde mit sehr gemischten Gefühlen 
zum Zeugen einer unvorhergesehenen Szene, die sich auch 
auf dem Theater nicht wirkungsvoller hätte abspielen 
können. 
In dem Augenblick nämlich, da die beiden Damen sich 
anschickten, das Auto zu verlasse», sprang, wie von einer 
Feder hochgeschnellt, aus einem der Rohrsessel im offenen 
Hotel-Vestibül ein Herr enipor, dem man auf den ersten 
Blick den Franzosen ansehen konnte. Bon niittelgroßer, 
eher schmächtiger als kraftvoller Gestalt, und mit einem 
scharf geschnittenen, dunkelbäriicen Gesicht, wäre er weder 
schön noch häß.ich zu nennen "gewesen, wenn ihm nicht 
die glänzenden schwarzen Augen und ein sehr ansdrücks- 
volles Mienenspiel inimerhi» das Air eines klugen und 
interessanten Mannes gegeben hätten. Seine Kleidung 
war von beinahe stutzerhafter Eleganz, und die Art, wie 
er sich vor den beiden weiblichen An-ömiiilingen verbeugte, 
die eines Kavaliers von tadellosen gesellschaftlichen Formen. 
Das erste Wort der Begrüßung aber kam nicht aus seinem 
der Befreiung Deutschlands vom Joch des Korsen, und die 
Sinne beleben sich in der Erinnerung der herrlichen Be 
wegung jener Tage, die von gewisser Seite so gern ver 
dunkelt werden. Aber es läßt sich nicht verkleinern, was in 
den Liedern der Freiheitssänger so lebendig bezeugt wird. 
Wer sich vergegenwärtigen will, was im Leben des 
deutschen Volkes der 18. Oktober 1813 bedeutet hat, wie 
die Völkerschlacht bei Leipzig, jenes tagelange, unsäglich 
blutige Ringen um Deutschlands Freiheit, die deutschen 
Gemüter bewegt hat: Der frage die Zeitgenossen, die damals 
mitgelitten und mitgestritten, mitgejubelt und mitgejauchzt 
haben. Es gibt in der deutschen Geschichte kein zweites 
Ereignis, das sv gewaltig groß, so unvergleichlich schicksals 
schwer aus der Fülle des Geschehens herausragt, wie die 
Schlacht, mit deren Gedenkfeier unser Gedächtnisjahr seine 
festliche Höhe erreicht. Die Leipziger Völkerschlacht ist die 
Schlacht der Schlachten durch die Zahl der Krieger, die 
daran beteiligt waren, durch die Dauer des Kampfes, durch 
die Höhe des Siegespreises, durch die^Ströme von Blut, die 
auf der weiten Ebene von Leipzig vergossen wurden. So 
hehr und heilig galt den deutschen Helden dieser Sieges 
preis, die Befreiung vom fremden Joch, daß der Gedanke 
an die schweren Opfer ohnegleichen, die dafür gebracht 
worden waren, das Siegcsfrohlocken nicht dämpften, sondern 
die Freude weihten. „Wir singen noch fröhlich in späten 
Tagen die Leipziger Schlacht!" So Ernst Moritz Arndt. 
„Wir sind frei," so jauchzte Arndt, „wir atmen wieder. 
Wenn wir unser Glück ganz fühlen könnten, so müßte die 
Wonne des neuen Daseins den Faden unseres Lebens zer 
reißen, wir müßten in dem Augenblicke unserer Rettung 
sterben und den Seligen droben verkündigen, was unten auf 
Erden geschehen ist." 
Als ein Ereignis in alle Ewigkeit begrüßte Arndt den 
18. Oktober 1813: „So lange rollet der Jahre Rad, so 
lange scheinet der Sonnenstrahl, so lange die Ströme zum 
Meere reisen, wird noch der späteste Enkel preisen die 
Leipziger Schlacht." Und auch darin ist Arndt der wahre 
Dolmetsch seines Volkes, daß er Gott die Ehre gab: „Die 
Welschen hat Gott wie die Spreu zerstreut, die Welschen 
hat Gott verweht wie den Sand." Die Not der Zeit hatte 
unser Volk wieder zu Gott bekehrt und es wieder beten gelehrt. 
Ohne Leipzig kein Sedan. Nur von der Freiheit, die 
am 18. Oktober 1813 wieder gewonnen ward, führte der 
Weg zur Einigung von 1870. Die Gefahr hat die Völker 
schlacht bei Leipzig beseiligt, daß Deutschland in Knechtschaft 
verfallen blieb und für immer aus der Reihe der großen 
Länder gestrichen werden würde. Aus der Blut- und 
Flammenschrift des „Gottesgerichts", das ans der Walstatt 
von Leipzig vollzogen wurde, stieg die Losung empor: „Der 
Rhein, Deutschlands Strom, aberMcht Deutschlands Grenze!" 
Der Völkerfcühling von 1870 hat diese Losung aus dem 
Herbst von 1813 erfüllt. 
Munde, sondern von den fleischigen Lippen der Frau 
Baronin von Riedberg. Acic einem Aufqnieten, das jeden 
falls de» Gipfel freudigster Ueberra,ch»ng kennzeichnen 
sollte, sireckte die würdige Dame ihm ihre beiden Hände 
entgegen. 
„Mneignn! Mein lieber Vicointe! Ja, sind Sie es 
denn wirklich? Welcher Zuchll! Wahrhaftig, es geschehen 
anet» in unseren Tage» immer noch Zeichen und Wunder." 
Hoiningen hatte das in, Walde belauschte Gespräch 
der beiden Damen gut genug im Gedächtnis, um sich all 
der begeisterten Lobeserhebungen zu erinnern, mit denen 
Harro Riedbergs Mama von einem gewissen Vicomte de 
Marigny gesprochen batte, und ihr augenfälliges Ent- 
zücken über die Begegnung ließ ihm nicht den geringsten 
Zweifel, daß der geschmeidige Herr mit dem schwarzen 
Henri-Luatre und den blitzenden Augen kein anderer war 
als der in so hohe» Tönen gerühmte Kavalier. In größter 
Spannung blickte er aus Sylvia Penületon, deren Ver 
halten bei diesem merkwürdigen Zusammentreffen ihm aus 
Gründen, über die er selber sich kaum hätte Rechenschaft 
ablegen können, von außerordentlichem Interesse war. 
Er sab, daß auch sie sehr überrascht war, aber sie 
wußte sich entwedcr zu gut zu beherrschen oder er war 
nicht Physiognomiker genug, um in ihren schönen Zügen 
lesen zu können, wieviel Freude dieser Ueberraschung bei 
gen» cht war. Jedenfalls reichte sie dem Vicomte mit 
eniem liebenswürdigen Lächeln die Hand und ließ es ge 
schehen, daß er die schmalen behandschuhten Finger wieder» 
holt an seine Lippen führte. 
„Meine verehrte Miß Pendleton I Wie ich mich freue. 
Sie wiederzusehen! Und ich hatte auf dies Glück erst für 
einen viel späteren Zeitpunkt zu hoffen gewagt. Auf einer 
kleinen Spritztour durch den Odenwald begriffen, sitze ich 
hier als ein Opfer der scheußlichsten Langweile, um plötz 
lich zu sehen, wie sich der Himmel aultut * 
(Fortsetzung folgt.)
        
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