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Periodical volume Nr. 248, 21.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

in die Hände der Majestäten zu legen. Hoffen wir, daß 
das große Werk zu einem guten Ende kommt. — Der 
M. T. V. Friedenau wird mit 19 Läufern und den nötigen 
Begleitmannschaften eine Strecke von 2 km auf der Chaussee 
zwischen Zehlendorf und Potsdam zu erledigen haben. 
Näheres hierriiber bringen wir später, sobald die genaue 
Einteilung der Strecke feststeht. 
o Der evangelische Verein junger Männer in 
Friedenau feierte am letzten Sonntag sein Jahresfest, dem 
nach vorausgegangenen Festgvttesdicnst ein sehr besuchter 
Familicnabend im Saal des Gemeindehauses folgte. Nach 
dem gemeinsamen Gesänge des herrlichen Liedes von 
Th. Kühler „Auf, denn die Nacht wird kommen" sprach 
der Leiter des Vereins, Herr Pastor Vetter, über die Jugend 
arbeit au den Söhnen unserer Friedenauer Bürger und 
gedachte dabei dankbar der Unterstützung seitens des 
Gemeindekirchenrats, der politischen Gemeinde sowie be 
sonders seiner Helfer aus den Reihen der Vereinsmitglieder. 
Man merkte es ihm an, wie sehr ihm auch die Arbeit an 
der männlichen Jugend am Herzen liegt, was auch die 
bisherige prächtige Entwicklung im aufsteigenden Ast zur 
Genüge beweist. Der Festredner Herr Pfarrer Schwebe! 
aus Berlin verstand es, die Herzen seiner Zuhörer gleichsam 
im Sturmschritt zu erobern. In gewandter, ja oft über 
sprudelnder Weise wußte er Ernst mit Humor zu verbinden 
und man sagt gewiß nicht zuviel, wenn man behauptet, wie 
er die Gemeinde so sicher iu der Haud hatte, daß sie ihm 
gern noch stundenlang zugehört haben würde. In Frl. 
Else Geams haben wir eine tüchtige Pianistin kennen 
gelernt. Sie brachte auf einem Ibach-Flügel eine Anzahl 
Stücke zu Gehör, bei deren Vortrag sie reichlichen Beifall 
erntete. Ganz besonders gefiel Valse G-dur von Chopin. 
Seine Kompositionen wollen gespielt sein. Das kann nicht 
jede Pianistin. Herr Organist von Freeden, Mitglied des 
Vereins, ist schon mehrfach hier aufgetreten. Er hat sich 
durch seine Cello-Vorträge viel Freunde erworben. Die 
Nathanuelkicche kann sich freuen, eine solche hervorragende 
musikalische Kraft zu besitzen. Vorfallen wirkte die 
Sarabande von Götz hervorragend. Die Komposition 
schmiegt sich so keusch und so edel der Auffassung unseres 
Großmeisters I. S. Bach an, daß mau wünschen möchte, 
diesen KöniH ernster Musik mehr in seinem Programm zu 
begegnen; denn der Leipziger Thomas-Karten bleibt doch 
noch für Jahrhunderte hindurch bahnbrechend. Die 
künstlerischen Darbietungen der übrigen Musiker, der Turner, 
Trommler und Pfeifer-Virtuosen erfreuten sich ungeteilten 
Beifalls bei Groß und Klein. Den Ausgang aus dem 
alten und den Eingang in das neue Vereinsjahr segne Gott 
der Herr und lasse aus aller dieser treuen Vereinsarbeit 
reichlich Frucht für die Kirche, Gemeinde und für die 
Familien iu unserem schönen Vorort sowie für die be 
zeichneten jungen Leute heranreifen. Alles für Christus! 
v Firmcueintragnng. Nr. 11 220. Neue Vcrlags- 
anstalt; Gesellschaft mit beschränkter Haftung. In Berlin- 
Friedenau ist eine Zweigniederlassung errichtet. — Ge 
löscht im Handelsregister wurde die Firma Willy Donnerstag, 
Fricüeirau. 
o Das Konzert von Hedwig Nadziszewska, das 
gestern Abend im „Gesellschaftshaus des Westens", Haupt 
straße 30-31 in Schöneberg, stattfand, war ein Erfolg in 
doppelter Hinsicht: der Besuch war sehr gut, der große 
Hauptsaal bis auf den letzten Platz besetzt, und die künstle 
rischen Darbietungen verdienten die erste Note. Die liebens 
würdige Veranstalterin Fräulein HedwigNadziszewszka 
begann erst etwas zaghast mit dem Mendelssohu'schen Liede 
»Auf Flügeln des Gesanges" die Vortragsfolge. Dock schon 
beim zweiten Liede „Du bist die Ruh" von Schubert hatte 
sie ihre volle Sicherheit gewonnen und Schumanns „Frühlings-- 
nacht" glaubten ivir kaum je besser von einer Sopranistin 
gehört zu haben. Ihre ungemein iveiche, glockenreine, in 
allen Lagen biegsame und schön gefärbte Stimme ließ in 
der folgenden Romanze der Santuzza aus Cavalleria 
rusticana von Masmgni auch an Kraft nichts missen. Mit 
dem Wohllaut des Organs verband sie auch glänzenden Vortrag. 
Besonders lieblich waren ihre lyrischen Gaben: „Solvejgs 
Lied" von Grieg mitZden süßen Koloraturen, „Der Schmied" 
von I. Brahms, „Au dem reinsten Frühlinsmorgen" von 
Nevin, „Tausenderlei" von Zepler, „Liebesfeier" von Wein 
gartner und die Zugabe „Schlafe in Ruh". Doch auch in 
den Volksliedern wußte sie den rechten Ton zu treffen, wie 
in dem neckischen „Mädele ruck, ruck, ruck" (schwäbisch), dem 
stimmungsvollen „Der rote Sarafan" (russisch), dem heiteren 
„Das Hexelein" (niederländisch), fernerm demschwedischenTanz- 
lied und dem reizenden Liebeslied von Brahms: „Mein 
Mädel hat einen Rosenmund." Und daß sie auch reizend 
zu jodeln verstand, bewies sie iu einem steierischen Liede, 
das sie wieder als Zugabe sang. Den Glanzpunkt ihrer 
reichen Vortragsreihe bildete aber die ivunderbare Wieder 
gabe des Gesangswalzers von Johann Strauß „Friihlings- 
stimmen." Des Bcifalljubels wollte denn auch kein Ende 
.sein. Immer wieder und wieder mußte sich die gefeierte 
Sängerin vor ihrem begeisterten Publikum verneigen. Ab 
wechselnd mit der Sängerin bestritt den musikalischen Teil 
der Pianist Herr Hugo van Dahlen, der für die Veran 
stalterin eine gute Erwerbung ivar. Mit festem, sicherem 
Anschlag führte er sich durch Wiedergabe der Ballettszene 
aus „Alccstc" von Gluck-Stradal sogleich bei seinen Hörern 
glücklich ein. Helle Freude erweckten iu „Oh guaud je 
durs" von Liszt-Stradahl die zarten Triller und in großer 
Form spielte ec „Die Allmacht" von Schubcrt-Stradahl. 
Daß er über eine brillante Technik verfügt, bewies er be 
sonders in der Bravourstudie von Paganini-Stradahl und 
in der Ungarischen Rhapsodie von Stradal. Wir betonen 
noch seine glänzende Auffassung und das Eingehen auf den Ge- 
dankengangdcsKomponisten. So wurden wir beiderllugarischeu 
Rhapsodie gleichsam iin Geiste zu den: leidenschaftlichen 
Tanze der Pußtakinder initfortgerisscn. Stürmischer Beifall 
wurde auch ihm zuteil, sodaß auch er nicht ohne Zugabe 
davoukam. Erwähnt sei noch, daß er ferner die Begleitung 
der Sängerin anpassend ausführte. Bleibt noch die Rezi- 
tatorin Frau Fri eda Fischer, die sich ebenfalls durch guten 
Vortrag und ihr angenehm klingendes Organ die Herzen 
der Zuhörer gewann/' Ihre ernsten Darbietungen (Jung 
Olaf von Wildenbruch) sowohl wie die heiteren (Margaritentag 
von Brennert, In Sturmesnöten von Stellbaum und Die 
abgekürzten Dichter von Sommerstorff) wurden lebhaft 
applaudiert. So war der Konzertabend ein in allen Teilen 
schöner und genußreicher. Wir gratulieren der Veranstalterin 
zu ihrem schönen Erfolge und hoffen üuf die folgenden. 
o Der nationalliberale Ortsverein hält, worauf wir 
nochmals hinweisen, heute (Mittwoch) Abend 8H, Uhr in 
der „Kaisereiche" seine Hauptversammlung ab, in welcher 
Geh. Reg.l-Rat Vogt sprechen wird über: „Die Heeresoer- 
mehrung in Deutschland und Frankreich; ihte Einwirkung 
auf die innere und äußere Politik". Freunde der Partei, 
Herren und Damen, sind willkommen. 
o Das große Hcrbst-Preiskegeln im Gcsellschastshans 
des Westens, Schöneberg, Hauptstr. 30-31, ist unter 
guter Beteiligung von Nah und Fern am Sonntag, dem 
12. d. M., beendet worden. Bei diesem Preiskegeln hatten 
sich Kegelbrüder aus Hamburg, Kiel, Magdeburg, Prenzlau 
usw. sehr rege beteiligt. Den ersten Preise auf dbr 
großen Geldbahn (1000 M.) errang Herr G. Richter- 
Neukölln mit 49 Holz bei 6 Kugeln, den 2. Preis (800 
Mark) Herr Gottberg-Friedenan mit 49 Holz, den 3. Preis 
(600 M.) Herr Joh. Pfeiffer-Friedenau mit 49 Holz. Auf 
den Abrechnungsüahnen erhielten den 1. Preis Bahn I 
(kleine Geldbahn) Herr Strich-Nowawes mit 4 Kugeln 
33 Holz, Bahn II (kleine Geldbahn) Herr Kliem-Neukölln 
mit 4 Kugeln 33 Holz, Bahn VI (kleine Geldbahn) Herr 
Hinz-Hamburg mit 4 Kugeln 33 Holz und Bahn V 
(Wild- und Geflügelbahu) Herr Teschner-Berlin mit vier 
Kugeln 33 Holz. Die Veranstalter dieses nach jeder 
Richtung hin gelungenen Preiskegelns, die Herren Mandel 
und Wartemann, sprechen allen Kegelbrüdern für freundliche 
Unterstützung ihren besten Dank aus. 
o Vom Zuge überfahren. Auf der Strecke Bahnhof 
Tiergarten — Zoologischer Garten wurde zwischen den 
Gleisen 1 und 2 der Nordbahn das 21 Jahre alte Dienst 
mädchen Brouchia Kotarska, das bisher in Schöneberg, 
im Hause Freisinger Straße 18 in Stellung war, schwer 
verletzt aufgefunden. Bahnbeamte brachten das Mädchen 
nach der Unfallstation am Kurfürstcndamm und dann nach 
dem Krankenhause Moabit, wo es noch im Laufe des Nach 
mittags gestorben ist. Das Mädchen befand sich im Besitze 
einer Fahrkarte III. Klasse Neutomischel—Berlin und hatte 
den Eilzug Nr. k>8 benutzt, der um llVj Ufjr in Berlin 
eingetroffen ist. Ob ein Unglücksfall, Selbstmord oder Ver 
brechen vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt. Man nimmt 
Selbstmord au. 
v Von einem Pferde geschlagen wurde auf dem 
Hofe des Grundstücks Wilhelmshöher Straße 23 Herr 
Privatier Posemanu. Er erhielt einen heftigen Schlag 
gegen die rechte Haud, sodaß diese stark anschwoll. 
0 Polizcibericht. Als gestmden sind hier augerneldet 
worden: 1 Maulkorb, 1 Halskette, 1 Uhr, 1 Portemonnaie, 
1 Buch, 1 Vorlesungsverzeichnis von der Universität. Die 
rechtmäßigen Eigentümer vorbenannter Gegenstände werden 
aufgefordert, ihre Ansprüche binnen drei Monaten im hiesigen 
Fundbüro, Feurigstr. 7, Zimmer 6, geltend zu machen, da 
sonst anderweit iiber die Fundgegeustände verfügt werden wird. 
Verems-tZackriMen 
Morgen Donnerstag tagen: 
„Friedenauer Männer-Gesangverein 1875", Uebnngsstiinden 
9—11 Uhr ini „Hohenzollcrn". Dirigent: Musikdirektor Paul Antoni. 
Kegelklub „Friedenau 1909" (Mitglied des Verbandes Verliucr 
Kegelklubs E. V.) kegelt jeden Donnerstag von 8V 2 — 12 Uhr Abends 
auf 2 vorschriftsmäßigen Acrbandsbahnen im Keglerhcim Lauter 
platz-Casino, Hauptstr. 80. 
Verein der Braunschiveiger zu Berlin, gegr. 1900, teilt hier 
durch allen Araunschivcigern in Berlin und Umgegend mit, das; am 
Sonntag, dem 19. Oktober d. I., Abends 7 Uhr, 'in den Einsiedler 
Bicrhallcn, Bahnhof Börse, Etadtbahnbogcn, ein General-Appell 
aller Landsleute stattfindet, in Gestalt eines Familicnabends. Alke 
Braunschweiger sind herzlichst eingeladen. 
Scköneberg 
—0 Die Königliche Krone zum Roten Adlerordcu 
3. Klasse mit der Schleife ist dem hier wohnhaften Geh. 
Rechuuugsrat Franz Trett, bisher im Rcichseiseubahuamt, 
verliehen worden. 
—0 Der Ricsengasometer der Englischen Gasanstalt, 
der lange Zeit die Gemüter mährend der Austragung des 
Rechtsstreites beschäftigt hat, ist seit kurzem in Betrieb ge 
nommen. Das Eiseugerüst hat einen hellgrünen Anstrich 
erhalten, während die nur bis knapp zur Hälfte ihrer Höhe 
aufgezogene Glocke in rotbrauner Ziegelsteinfarbe leuchtet. 
Wie cs heißt, soll vorläufig wenigstens die Glocke nicht zur 
vollen Höhe cmporgezogen werden, ziveiffellos wäre das im 
Interesse der Anwohnerschaft sehr zu wünschen. 
— 0 Am Donnerstag, dem 16. d. M., Abends 8'^ Uhr, 
hält der Schöneberger Haus- und Grundbesitzerverein im 
„Schwarzen Adler" zu Schöneberg, Hauptstr. 144, seine 
Oktober-Versammlung ab. Die Tagesordnung enthält u. a. 
zwei sehr wichtige Punkte. Unter Punkt 3 referiert Herr 
Direktor Dannefeldt von der Schöneberger Ortskrankenkasse 
über das Thema: „Die Reichsversicherungsordnnng unter 
besonderer Berücksichtigung der Krankenversicherung der 
Dienstboten und Portiers. Sodann wird Herr Professor 
Heyne über die Bedeutung des gemeinen Wertes sprechen. 
Beide Themen dürften wohl mit Rücksicht auf die am 
1. Januar 1914 in Kraft tretende Reichsversicherungs- 
ordnuNg bezw. die Bedeutung des gemeinen Wertes für die 
Wehrsteuer gerade - für die Hausbesitzer von besonderem 
Interesse sein, weshalb der Besuch der Versammlung den 
Hausbesitzern zu empfehlen ist. 
Verlm rmÄ Vororte 
80 Zur Erinnerung der 100 jährigen Wiederkehr des 
Tages der Völkerschlacht bei Leipzig veranstaltet der Berliner 
Magistrat am Völkerschlachtdenkmal auf dem Kreuzberge 
eine Erinnerungsfeier. Sie beginnt nachmittags 2 Uhr und 
dauert eine Stunde. Die-Teilnahme daran ist nur den ge- 
ladenenen Gästen gegen Vorzeigung der Eintrittskarte ge 
stattet. Der Koslecksche Bläserbund leitet die Feier mit dem 
Vortrag des von Luther stammenden Liedes „Wach' auf, 
du deutsches Land" ein. Hierauf singt der Berliner Lehrer- 
Gesangverein die Körnerschen Lieder „Das Volk steht auf, 
der Stum bricht los" und „Du Schwert an meiner Linken". 
Die Festrede hält der Unioersitätsprofessor Dr. F. I. Schmidt. 
Danach trägt der Lehrer-Gesangverein „Lützows wilde, ver 
wegene Jagd" und das Niederländische Dankgebet, letzteres 
unter Begleitung des Bläserbundes, vor. 
80 Die Acltesten der Kaufmannschaft von Berlin stellten 
in ihrer Sitzung vom 13. Oktober d. Js. zahlreiche Gut 
achten an Gerichte und andere Behörden fest und stimmten 
den Ausführungsbestimmungen zu den neuen Prüfungs- 
sDiplom- und Handelslehrerpriifung) der Handelshochschule 
Berlin zu. Einem Interessenten des Bezirkes der Aeltestcn 
der Kaufmannschaft von Berlin war plötzlich durch Erlaß 
des Herrn Finanzministers die Genehmigung zur steuer 
freien Verwendung des vergällten Branntweins zwecks Her 
stellung von Lack, welcher zum Ueberstreichen von Schoko 
ladewaren und Konfitüren behufs deren Konservierung und 
Schlitzung vor schädlichen Einflüssen gebraucht wird, entzogen 
worden, weil diese Verwendung unzulässig sei. Durch diese 
Versagung, die mit dem Tage des Erscheinens des Er 
lasses Gültigkeit erhielt, ist der Fabrikant, dessen Betrieb sich 
in jahrelanger Arbeit bis zu 90 Proz. diesem Produkt zu 
gewandt hatte, in eine Lage versetzt worden, die das 
Schlimmste befürchten läßt. Auf die Eingabe der Aeltesten 
an den Herrn Finanzminister, in welcher besonders noch 
auf die laufenden Abschlüsse des Fabrikanten hing ewiesen 
wurde, ging die Antwort ein, daß die Weiterverwendung 
vergällten Branntweins zur Herstellung von Schokoladenlack 
wunschgemäß bis zum Schluß des Jahres 1914 zu ge 
statten sei, soweit dies zur Erfüllung der von dem Bekannt 
werden des Erlasses abgeschlossenen Lieferungsvcrträge er 
forderlich ist. Am Schluß der Sitzung wies der Präsident 
des Aeltesten-Kollegiums Dr. Kaempf, auf die beiden großen 
weltwirtschaftlichen Ereignisse der vergangenen Woche hin. 
Der neue nordamerikanische Zolltarif, der eine erhebliche 
Herabsetzung der Einfuhrzölle enthält, ist Gesetz geworden 
und bereits in Kraft getreten, der Panamakanal ist als 
Bauwerk vollendet morden. Ter neue Zolltarif gibt die 
Möglichkeit, den Handelsverkehr zwischen Deutschland und 
den Vereinigten Staaten zu beleben und zu kräftigen, der 
Panamakanal wird die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen 
Deutschland und der Westküste Nord- und Südamerikas auf 
eine neue Basis stellen. Beide, Zolltarif und Kanal, sind 
mächtige Impulse zur Entfaltung wirtfchaftlicher Energie 
und Konkurrenz und zur Erlveiterung und Vertiefung wirt 
schaftlicher Arbeit, auf der aller kultureller Fortschritt beruht. 
0 Steglitz. Mit Verkehrsfragen beschäftigte sich der 
Westverein in seiner letzten Versammlung. Wenig Freunde 
fand die Gleislose; einen Pferdeomnibus hielt man für 
zweckmäßiger. Besonders wurde eingetreten für eine Quer 
verbindung vom Bismarckviertel nach dein Breitenbachplatz, 
sei es durch Verlängenmg der Gleislosen oder durch Pferde- 
. betrieb. Ferner wurde eine Straßenbahn durch die Schild 
hornstraße gewünscht. Im. Hiyhlick auf die von einem 
Redner als „Wüstenei" bezeichnete Gegend am Brcitenbach- 
und Geliertplatz konnte G.-V. Lehinann baldige Abhilfe in 
Aussicht stellen. Die im Zweckverband genehmigte Anlage 
des Breitenbachplatzes, die neulich im Roten Hause scharfen 
Protest fand, erhielt auch gestern keine Stimme des Lobes. 
Man bat die anwesenden Gemeindevertreter, alles zu tun, um 
eine Abänderung herbeizufiihren. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Vcrchrl. Schriftlcitung! Ihren Artikel „lind wo bleibt Frie 
denau?" habe ich mit großem Interesse gelesen. Gleich dein Ver 
fasser bin ich der Meinung, daß Friedenau unbedingt bemüht sein 
muß, Anschluß an das Schnellbahiinctz zu gewinnen, wenn de nicht 
ins Hintertreffen geraten soll. Nun bin ich aber mit der in dein 
Artikel vorgeschlagenen Linienführung, die gewiß auch vorteilhaft 
wäre, nicht ganz einverstanden. Mir wäre eine Linienführung 
Rüdcsheimer Platz—Friedrich - Wilhelm - Platz—Kaiser- 
eiche—Steglitz sympathischer. Wir erhalten dann den direkten 
Anschluß an die Wilmerödorfcr Strecke, was sowohl für die Fahrt 
nach Berlin als nach Dahlem von Vorteil wäre. Die Schöncberger 
Bahn wird infolge ihrer unglücklichen Linienführung niemals 
Freunde finden. Wenn nun die Friedenauer Bahn vom Rüdes- 
heimer Platz durch die Wilhelmshöher oder Wiesbadener Straße 
zum Friedrich-Wilhelm-Platz geführt würde, von hier durch die 
Kirchstraße zur Kaiserciche, so ist besser den Interessen des Ortes 
gedient und ferner besteht die Möglichkeit einer Verlängerung durch 
die Rhein- und Schloßstraße nach Steglitz, Lichterfelde, Teltow usw. 
Vielleicht unterbreiten Sie auch meinen Vorschlag der Oeffentlich- 
keit. Mit bestem Dank im voraus Ihr 8. bl. 
In der Numincr vom 8. Oktober brachte der Friedenauer 
Lokal-Anzeiger die für die ganze Gemeinde höchst überraschende 
Notiz: Neukölln habe bei Friedenau eine Million als Anleihe auf 
genommen! Ja, ist denn Friedenau so reich, daß es in der Lage 
ist, mit solcher Smnme einer anderen Gemeinde unter die Arme zu 
greifen?! Neukölln war eine der ersten Gemeinden, die beschlossen 
hat, ein eigenes Hypothekenamt im Interesse ihrer Hausbesitzer in 
Anbetracht der herrschenden Hypothekennot zu errichten; soll Frie 
denau vielleicht dazu die Mittel leihen? Friedenau's Grundbesitz 
befindet sich in der gleichen schwierigen Lage wie überall und die 
Gemeindevertretung hat, auf Anregung des Haus- und Grund 
besitzervereins, ebenfalls die Errichtung eines Hypothckenamtes be 
schlossen, die Ausführung dieses Beschlusses aber zum Leidwesen 
aller Hoffenden kürzlich in das Ungewisse hinein vertagt, weil der 
Herr Gemeindevorsteher erklärte: „es seien vorläufig die nötigen 
Barmittel dafür nicht vorhanden!" Und nun hat Friedenau plötzlich 
eine Million bereit zum verleihen!? Wie reimt sich das zusammen? 
Die Hypothelennot des hiesigen Grundbesitzes wächst, auch in Folge 
der übermäßigen und unsoliden Bebauung früherer Jahre, von 
Ouarlal zu Quartal und die vielen leerstehenden Wohnungen, 
selbst in bester Lage des Ortes, zeugen von der schweren Not, mit 
der die Hausbesitzer auch hier zu kämpfen haben. Da der Grund 
besitz aber schließlich die Hauptstütze jeder Gemeinde bildet, denn 
wo er versagt, da bleiben die Steuerkajscn bald ungefüllt, und 
unter den jetzigen Verhältnissen muß er versagen, da hat die Ge 
meindeverwaltung nicht rrur die moralische Verpflichtung, sondern 
auch selbst das größte Interesse daran, ihm, so weit c§ in 
ihren Kräften steht, über diele schwere Zeit hinweg zu helfen. 
Friedenau hat einen große.: Prozentsatz weiblicher Hausbesitzer; 
alleinstehende Frauen, die auf den Ertrag ihres Hauses angewiesen 
sind, indem sie meist ihr kleines Vermögen in Grundbesitz angelegt 
haben, weil ein anderer Erwerb für sie nicht.mehr möglich war 
und sie sich dadurch für ihr Alter gesichert und geschützt glaubten. 
In früheren Zeiten standen einmal gngelegte Hypothekenkapitalien 
fest, oft ein Menschenalter hindurch, so lange die Zinsen dafür in 
pünktlicher Weise entrichtet wurden. Seit Jahren hat sich der Geld- 
wucher auf diesen, .Geschäftszweig ^geworfen und der solideste Besitz 
und die pünktlichste Zinszahlung schützt nicht vor der Kündigung,
        
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