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Periodical volume Nr. 242, 14.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

o Unsere Freiwillige Feuerwehr feierte am letzten 
Sonnabend ihr 31. Stiftungsfest im festlich geschmückten 
Saale des „Kaiser-Wilhelm-Garten". Um S'/ 2 Uhr trat 
die Wehr an der Feuerwache an, um nach dem Festlokal 
zu marschieren. Hier begann um 9 Uhr das Festessen, das 
allen gut mundete und der Küche des „Kaiser-Wilhelm- 
Garten" Ehre machte. Während der Tafel fand Konzert 
statt, unter der Leitung des Herrn Musikdirektors Robert 
Schmidt. An der Festtafel nahmen u. a. teil von unserer 
Gemeindevertretung die Herren Franzelins und Matthies, 
der Borstand des Feuerlöschvercins, ehemalige Vorstands 
mitglieder des Feuerlöschvereins, Vertreter der Sanitäts 
kolonne, des Haus- und Grundbesitzervcreins, des Krieger 
und Landwehrvereins, der Beamten - Vereinigung, des 
Evangelischen Arbeitervereins und des Friedenaner Männcr- 
Gesangvereins 1875. Außerdem waren vertreten die 
Berufswehren von Schöneberg und Wilmersdorf. Bei 
Beginn des Essens hielt Herr Oberbrandmeister Stoltzenburg 
eine Begrüßungsansprache, in der er besonders die Vertreter 
der Gemeinde, der Vereine und auswärtigen Wehren 
willkommen hieß. Die Festrede hielt dann der Vor 
sitzende des Feuerlöschvereins, Herr ordentlicher Lehrer 
Golitz. Er schilderte den Werdegang unserer Wehr vom 
Beginn mit einer alten Feuerspritze bis zur heutigen 
modernen Ausrüstung. Er zollte Lob und Anerkennung den 
Gemeindekörperschaftcn, die bemüht sind, die Feuerlösch 
bereitschaft unserer Wehr ständig zu heben. Ein dreifaches 
Kaiserhoch, in das begeistert eingestimmt wurde, schloß seine 
Rede. Anschließend daran wurde „Heil Dir im Sieger 
kranz" gesungen. Von den Gästen brachte zunächst Herr 
Gemcindeocrordnetcc Franzelius ein Hoch auf die Wehr aus, 
indem er den wackeren Wehrleuten für ihren Dienst zum 
Wähle unseres Ortes dankte. Herr Dr. Badt brachte als 
Bürger die Anerkennung zum Ausdruck und betonte auch 
das gute Einvernehmen von Feuerwehr und Sanitäts 
kolonne. Weiter überbrachten noch Glückwünsche Herr 
Strehler vom Evangelischen Arbeiterverein, Herr Schindler 
vom Friedenaucr Männer-Gesangverein 1875 und ein Feld 
webel der Schöneberger Wehr. Nachdem die Tafel aufge 
hoben war, begann mit einer Polonaise der Tanz. Er 
wurde gegen J / 2 2 Uhr unterbrochen durch die Kafsecpause. 
Während dieser kam der Schwank „Svldatcnliebe im 
Schilderhause" durch Mitglieder der Wehr und deren Air- 
gehörige zur Ausführung. Es wurde glänzend gespielt und 
jeder Mitwirkende entwickelte gute schauspielerische Talente. 
Der ihnen gespendete lebhafte Beifall war denn auch ein 
wohlverdienter. Außerdem unterhielten verschiedene humo 
ristische Vorträge während der Kaffeepansc. Einem 
„Rekruten" rvurde eine Tabakspfeife mit den besten Wünschen 
fiir eine gute Dienstzeit als Vatcrlandsverteidiger über 
reicht. Der Tanz hielt die Teilnehmer in froher, gemüt 
licher Stimmung bis zum frühen Morgen zusammen. So 
nahm das Fest, das diesmal nicht durch einen Feueralarm 
gestört wurde, einen schönen Verlauf. 
o Im Verein der Gartenfreunde fand gestern die 
Uebvn'etchung-der 'Preistr"an"die mns dein Borgarten- und 
Balkonwettbeiverb hervvrgegangcnen Preisträger statt. Der 
obere „Hohenzollernsaal" war aus dieser Veranlassung derart 
überfüllt, daß sich kaum ein Weg durch die Menge der Be- 
sucher bahnen ließ. Der Raum wurde zudem noch mehr 
beengt durch die gleichzeitig veranstaltete interne Ausstellung 
von Obst, Gemüsen und Blumen und den Platz, den die 
Preise in! Anspruch nahmen. Der Vorsitzende Herr Rechn.- 
Rat Richter eröffnete gegen 0 Uhr die Versammlung. Er 
sprach seine Anerkennung aus über die guten Ergebnisse, 
die die Vorgarten- und Balkonausschmückung in diesem Jahre 
trotz ungünstigen Wetters erzielt hatte. Er bat alle die 
jenigen, die in diesem Jahre leer ausgegangen sind, es im 
nächsten Jahre noch besser zu machen, um gleichfalls unter 
den Preisträgern genannt zu werden. Es werde im Früh 
jahr ein Lichtbilderoortrag stattfinden, in welchem von 
fachmännischer Seite die Vorgarten- und Balkonpflege 
erläutert werden wird. Sodann folgte die Preisvertcilung. 
Die ersten Preise waren silberne und bronzene Vereins 
medaillen. Die übrigen Preise bestanden aus Palmen oder 
Kristallvasen. Der Vorsitzende hob noch besonders die Aus 
zeichnung von vier Hauswarten hervor, die ihre Fenster 
prächtig mit Blumen geschmückt hatten. Rach einer kurzen 
Pause ivurdcn dann unter die • an der internen Vereinsaus 
ausstellung Beteiligten acht Preise verteilt. Die kleine Aus 
stellung wies recht achtbare Erzeugnisse unserer Laubenland- 
mirte auf. Unter den ausgestellten Kürbissen befand sich 
einer von 60, ein anderer von 40 Pfd. Rosenkohl, Kohl- 
-- saaBPMHBg 
Handveweguiig ihrer Entrüstung über ein derartiges An 
sinnen Ausdruck. Ihre junge Gefährtin aber schien nun 
einmal unbegreiflicherweise geneigt, alles amüsant zu finden, 
was dieser merkwürdige Chauffeur sagte und tat, statt ihn 
hoheitsvoll in die geziemenden Schranken zurückzuweisen, 
lächelte sie wieder und fragte: 
»Ihr Frühstück, Westenholtz? Wie könnten wir daran 
denken, Sie zu berauben?" 
»Oh, was das betrifft. Miß Pendleton, es reicht für 
uns alle. Ich hatte nämlich, ehe ich zufällig mit Bartels 
zusammentraf, die Absicht, einen Ausflug mit meiner Tante 
zu unternehmen uno hatte mich demgemäß mit aus 
reichendem Proviant versehen. Aber die Daine war leider 
durch Krankheit verhindert, und so würde ich schließlich 
gar nicht wissen, was icy mit all den guten Dingen an 
fangen soll, wenn die Damen nicht gütigst einwilligten, 
meinen Nebenfluß mit mir zu teilen." 
Er war bereits vom Wagen gesprungen und hatte 
unter dem Sitz den Frühstück-korb hervorgezogen, der 
allerdings nicht gerade nach einem Inhalt von gestrichenen 
Broten und hart gesottenen Eiern aussah. 
„Seine Tante!" flüsterte Frau von Riedberg in 
digniert ihrem jungen Schützling zu. „Es mag eine 
schöne Art von Tante gewesen sein, für die er sich da in 
Unkosten gestürzt hat." 
Hoiningen hatte den Korb ans die andere Seite des 
Chausseegrabens geschafft und schickte sich an, auf einem 
Baumstumpf eine möglichst appetitliche Platte für die 
beiden Damen herzurichten. Als er sah, daß die Teller 
wie die silbernen,Pxstecke, di?.,ihm Perringer mitgegeben, 
samt und sonders mit dem gräflichen Familienivappen 
geschmückt waren!, wollte ibn die SinladunL beinahe ge- 
rüben, Kohlrabi, Weißkohl u. a. Gemüsearten waren äußerst 
zahlreich und in schönen Exemplaren vorhanden. Nachdem 
der Vorsitzende noch bekannt gegeben, daß wahrscheinlich in 
diesem Jahre keine Versammlung mehr stattfindet, ermunterte 
er alle Nichtmitglieder zum Beitritt in den Verein (Beitrag 
jährlich 3' M.). Eine Verlosung von Blunren und den von 
den Ausstellern zur Verfügung gestellten Geinüsen beschloß 
die Versammlung. 
o Der Verein -er Gast- und Schankwirte für 
Friedenau und Umgegend hielt gestern Abend im Lokale 
des Herrn Gundlach, Odenwaldstr. 10 die Monatsver 
sammlung ab. Sie wurde mit einer Begrüßungsansprache 
vom Vorsitzenden Herrn Gundlach eröffnet, der besonders 
Herrn Dr. Scharrer-Zehlendorf begrüßte. Der Schriftführer 
Kollege Thiclcke verlas darauf die Protokolle der vorigen 
Versammlung und Generalversammlung, die angenommen 
wurden. Hiernach gab der Vorsitzende die eingelaufenen 
Schreiben, zumeist geschäftliche Angebote, bekannt. U. a. 
empfiehlt der Kollege Brandtner seine Bouillonwürfel, 
Suppen usw. Der Gemeindevorstand hat auf die Beschwerde 
über den Bierverkauf auf dem Neubau der 3. Gemeinde 
schule geantwortet, daß der Verkauf von Bier und Brannt 
wein aufs Strengste verboten wurde, gemäß den Vorschriften 
des Unfallgesetzes. Der Schriftführer hat auf dieses Antwort 
schreiben abermals an den Gemeindcvorstand geschrieben und 
mitgeteilt, daß trotz des Verbots von der Echultheißbrauerei 
täglich 8 Kasten Bier auf dem Neubau der 3. Gemeinde 
schule abgeliefert und durch den Polier verkauft werden. 
Eine Antwort ist darauf noch nickt eingegangen. Der 
Verbandsvorstand ersucht zur Sammlung von Konserven 
büchsen, die kostenlos durch eine Vereinigung abgeholt 
werden. Es wird gebeten, dem Vorsitzenden Herrn Gundlach 
Kenntnis zu geben, worauf die Büchsen abgeholt werden. 
Neu aufgenommen wurde der Kollege Fr. Schröder, 
(Restaurant Hohenzollern). Der Vorsitzende hieß den neu- 
aufgenommenen Kollegen herzlich willkommen unter Hinweis 
auf die Satzungen des Vereins. Kollege Henke verlas darauf 
die Anwesenheitsliste. Der Kassierer Kollege Kiewitz berichtete 
über die Kassenverhältnisse, die Eiuahmen betrugen 598,04 
die Ausgaben 252,83 M., Bestand 345,21 M. Das Bar 
vermögen beträgt 370,21 Al. Dem Kassierer wurde durch 
Erheben von den Plätzen gedankt. Unter Vcrbandsangclegen- 
heiten berichtete Herr Koblitz über die Verbandsstcrbekasse. 
Nach den aufgestellten Berechnungen wird die Kasse äußerst 
günstig gestaltet. In der lebhaften Aussprache wurde für 
die Gewährung einer Sterbcbeihilfe seitens des Vereins 
eingetreten. Bezgl. der Verbands-Sterbekasse wurde ge 
wünscht, daß die Witwen weiter geführt werden. Kollege 
Haar sprach gegen die Vcreinssterbebeihilfe, denn gerade da 
durch, daß der Verein diese Sterbebeihilfe nicht hat und da 
her billig ist, bleiben die Kollegen Mitglieder des Vereins, 
auch wenn sie nach auswärts ziehen. Dieser Ansicht wurde 
von vielen Seiten widersprochen, gerade das Gegenteil 
wäre der Fall. Die Gewährung einer Sterbebeihilfe 
fessele die Mitglieder an den Verein und Haltesie zu 
sammen. Kollege Eternberg stellte den Antrag, zu be 
schließen, ob eine Sterbebeihilfe eingeführt werden soll oder 
nickt. Kollege Koblitz warnte vor einem vorzeitigen Be 
schluß, man möge erst abwarten, wie die Beschlüsse des 
Verbandes ausfallen. Der Antrag Sternberg wurde mit 
5 Stimmen Mehrheit angenommen. Es ivurdc ein Aus 
schuß gewählt, der die nötigen Vorbereitungen treffen soll; 
Mitglieder des Ausschusses wurden die Kollegen Sternberg, 
Böge, Kiewitz, Behrendt und Dornheim. Kollege Thieleke 
bat uin Mitteilung der Geburtstage für den Verbands- 
knlender. Unter Innere Vereinsangelegenheiten zog Kollege 
Haar gegen die Schmutzkonkurrenz zu Felde. In der Mit 
gliederliste wurden auf Antrag des Kassierers wegen Reste 
die Kollegen Jaeschke und Busch gestrichen. Auf die Anfrage 
des Kollegen Wanke wurde beschlossen, das Weihnachtsfest 
wie in den Vorjahren zu feiern. Kollege Henke II regte 
wiederum die Gründung einer Gesangsabteilung im Verein 
an. Es wurde dem Kollegen Henke überlassen, die Sache 
in die Hand zu nehmen. Nach Besichtigung des reichbe 
schickten Warenmarktes kamen noch einige geschäftliche Sachen 
zur Erledigung, worauf die Versammlung geschlossen wurde. 
o Jin Hohenzollerntheater, unserer vornehmsten 
Lichtbildbühne, wird von heute ab wieder ein erstklassiges 
Programm gezeigt. Hedda Vernon tritt dort in dem 
reizenden Lustspiel „Die kleine Residenz" auf. „Im Fege 
feuer" betitelt sich ein modernes Drama in 3 Akten, dessen 
Handlung die Zuschauer von Anfang bis Ende fesselt. Vom 
Freitag, dem 17.—20. Oktober kommt endlich die wieder- 
fcuen; denn die Gefahr einer Entdeckung dünkte ihm da 
durch in sehr bedenkliche Nähe gerückt. Aber er verließ 
sich auch diesmal auf seinen guten Stern und präsentierte 
seinen Passagieren mit der unbefangensten Miene von 
der Welt ein sauber zerlegtes, gebratenes Hühnchen nebst 
einem frischen Hummer. 
„Es ist manchmal ganz gut, einen Küchenchef zum 
Freunde zu haben," meine er lächelnd. „Unter anderen 
Umständen härte ich ja schwerlich wagen dürfen, die Damen 
zu Gast zu bitten." 
Wieder war ein kleiner Ausruf der Ueberraschung von 
den Lippen der Baronin gekommen, und als Hoiningen 
sich wieder an seinen improvisierten Anrichtetisch begab, 
um eine Flasche Wein zu entkorken, flüsterte sie Sylvia zu: 
„Da märe ja des Rätsels Lösung glücklich gefunden. 
Dieser Westenholtz steht ohne Zweifel im Dienst irgendeines 
vornehmen Herrn und verschafft sich in dessen Abwesenheit 
einen kleinen Extraverdienst mit der Benutzung des herr 
schaftlichen Autos. Daß er sogar das Eßgeschirr seiner 
Herrschaft in Gebrauch zu nehmen wagt, ist allerdings 
eine ^geradezu beispiellose Unverschämtheit." 
Die junge Amerikanerin, die den Hummer vortrefflich 
fand, bewahrte auch dieser Vermutung gegenüber voll 
kommen ihren Gleichmut. 
„Jedenfalls befinden wir uns nicht in sträflichem Ein 
verständnis mit ihm," jagte sie, „und es braucht uns also 
nicht weiter zu kümmern." 
Frau von Riedderg knabberte zwar mit bestem Appetit 
an ihrem Hühnerflügel, doch ihr Gewissen war augen 
scheinlich der Bestechung durch solche Kleinigkeiten unzu 
gänglich. 
«.Die Gsche kann doch aber .herauskommen« liebe 
holt angekündigte große Kino-Poffe: „Wo ist Koletti?" zur 
Vorführung. Die Namen der Mitwirkenden: .Magda 
Lessing, Fritz Juukcrmann, Heinrich Peer und Anna Müller- 
Linke bürgen dafür, daß der Humor dieses Films ein köst 
licher sein wird. Der Originalfilm der Hohenzollernlicht- 
spiele: „Die Reise um die Erde", wird in der nächsten 
Woche gespielt werden. 
o Im Viosonthcater in der Rheinstraße 14, kommt 
von heute ab das große Sittenbild: Die Sumpfblume zur 
Vorführung. Aus den Tiefen des Lebens in der Großstadt 
zeigt dieser Film Bilder, die sonst vor den Augen der 
Allgemeinheit verhüllt bleiben. Die Handlung ist spannend, 
ergreifend und höchst realistisch dargestellt. Das Spiel aller 
Mitwirkenden packend und das ganze Milieu treffend 
wiedergegeben. Die Hauptrollen werden von Wanda 
Treumann und Viggo Larsen gespielt, befinden sich also in 
bewährten Händen. Die lebende Puppe ist ein hübsches 
Drama und Strenna, die Frau mit der eisernen Muskel 
kraft, eine interessante Zirkusnummer. Reizende Natur 
aufnahmen zeigt der kolorierte Film Flußlandschaften. Ab 
wechslungsreich bringt die Biofonrevue von Pathö fräres 
wieder Bilder von den neuesten Vorgängen aus aller Welt. 
Die humoristischen Gaben, Finkler in Bedrängnis und 
Adolar als Nennstallbesitzer werden die Lacher ans ihrer 
Seite haben. Im Biofontheater herrscht eine angenehme 
Temperatur und sind die sich durch Klarheit und Natürlichkeit 
auszeichnenden Bilder von jedem Platze aus sehr gut 
zu sehen. 
o „Adrcssenverlag und Auskunftei Germania" be 
titelte sich eine Firma, die bald als Wohnsitz Friedenau, 
bald Schöncberg angab. Die Adresse wurde zumeist nicht 
angegeben. Die Firma war nur „postlagernd" zu erreichen. 
Aus allen Teilen Deutschlands liefen Anzeigen gegen diese 
Firma bei der Kriminalpolizei ein, in denen sich die Ab 
sender beklagten, durch den „Adressenoerlag und Auskunftei 
Germania" geschädigt worden ■ zu sein. Die auf Grund 
dieser Anzeigen und der angestellten Ermittelungen vorge 
nommene Haussuchung hat soviel Belastungs- und Beweis 
material zutage gefördert, daß die Sichtung und Prüfung der 
Schriftstücke mehrere Tage dauern dürfte. Der Inhaber des 
Adressenverlagcs betreibt seit dem Jahre 1907 den Adressen 
verlag von Groß-Berlin und hat in dieser Zeit sehr häufig 
das Geschästslokal verlegt. Auch Friedeuauer Bürger be 
finden sich unter den Geschädigten. Man kann nicht genug 
vor Schwindelanzeigen, die Nebenverdienst durch Adressen 
schreiben usw. anpreisen, warnen. 
o Zwangsversteigerungsergebnis. Bennigsenstr. 7, 
dem Kaufmann Adolf (Blank in Schöneberg, Bayerischer 
Platz 2, gehörig. Fläche 9,68 Ar, Nutzungswert 13 000 
Mark. Mit dem Gebot von 190 000 M. bar blieb der 
Kaufmann Eduard Cassirer in Berlin W. 58, Eislebener 
Str. 2,' Meistbietender. 
o In Rotterdam verhaftet wurde der Chauffeur Ernst 
Tylicke, der s. Zt. nach Unterschlagung von 2000 M., die 
er für die Zigarettcnfirma Batschari eingezogen hatte, sein 
Automobil in der Kaiserallce herrenlos stehen ließ und 
flüchtete. Er hatte sich in Rotterdam als Kohlentrimmer 
nach Amerika anwerben lassen. Bevor er aber die Fahrt 
antrat, schrieb er an eine seiner drei Geliebten in Berlin 
und erkundigte sich nach ihrem Befinden. Dadurch erfuhr 
die Kriminalpolizei seinen Aufeüthaltsvrt und ließ ihn in 
dem Augenblicke festnehmen, als er den Dampfer be 
steigen wollte. 
o Durch Einatmen von Gas versuchte sich in der 
Fichtestraße in Steglitz eine Frau K. zu töten. Es gelang, 
die Lebensmüde zu retten, sie liegt aber schwerkrank dar 
nieder. Das Motiv ist noch nicht geklärt. 
Verems-NacbriMen 
Morgen Mittwoch tagen: 
Theatcrvcrcin „Lcrxes" 1873. Sitzungen jeden Mittwoch 
9'/s Uhr im Bereinslokal Paul Spanholz, Sieglitz, Körnerstr. 48o. 
Gäste als Mitglieder und Spieler find herzlich willkommen. 
Charlottenburger Touristen-Club „Märkische Föhre." Am 
Sonntag, dem 19. Oktober, unternimmt die Lehrlingsabteilung 
des Clubs ihre 44. Wanderfahrt nach Leuenberg, nvrdl. Gamen- 
grund, Cvthcn, Fnlkcnbcrg, Versammlung 89, Uhr, Schlcs. Bahn 
hof, Wriezener Bahnsteig. Teilnehmerkarte 2,20 Al. An demselben 
Sonntage unternimmt die Schüler- und Mädcücnabtcilung ihre 
öl. (12.) Wanderfahrt und Spieltour nach dem Gruncwald, Treff 
punkt 8 Uhr Neue Kantstr. (Schwarze Brücke). 
—o Die Finanzlage Schönebergs war gestern wiederum 
Gegenstand längerer Erörterungen in der Stadtverordncten- 
Sylvia," mahnte sie mit sanftem Vorwarf. „Und was 
würde Mister Pendleton sagen, wenn Ihr Name oder der 
meinige mit einer so skandalösen Affäre in Verbindung 
gebracht würde?" 
„Es würde ihm sehr unangenehm sein — voraus 
gesetzt, daß wir uns von diesem Chauffeur irgend etwas 
hätten schenken lassen. Da .ich aber entschlossen bin, ihm 
alles zu bezahlen, dies ausgezeichnete Frühstück nicht aus 
genommen, so werden wir hinlänglich gegen jeden Vor 
wurf geschützt sein." 
„Wenn man nur wenigstens herausbringen könnte, 
wem der Wagen und dies kostbare Geschirr gehören." 
„Nun, es ist ja ein Wappen daraus, und Sie sind 
doch sonst so gut bewandert in heraldischen und genea 
logischen Fragen." Die Baronin mochte den gutmütigen 
Spott herausgefühlt haben, der in dieser Anerkennung lag, 
denn sie. versetzte etwas pikiert: 
„Auch bei den ausgedehntesten Beziehungen zum 
höheren Adel kann man unmöglich jedes Wappen im 
Kopse haben. Das wird Ihnen in Amerika auch nicht an 
ders gehen, teuerste Sylvia." 
„Iii Amerika ? Sie vergessen, vcrchrtcste Baronin, daß 
mau bei uns für solch. Spielereien überhaupt keinen Sinn 
hat. Wir pflegen weniger nach dem Namen eines Men 
schen oder gar nach seinem Familienwappen zu fragen, als 
nach seinem Charakicr und seiner Tüchtigkeit. Und hoch- 
klingende Adelsprädikats sind mitunter eher danach ange 
tan, uns inißnau sck ,u 
ich.'»» als uns zn imponieren." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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