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Periodical volume Nr. 240, 12.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Verein in Anspruch nehmen. Ab 1. Januar wird nun die 
Fürsorgezeit sehr erheblich verlängert, häusliche Behandlung, 
Arznei, Kranken-, Wochen-, Schwangeren-, Sterbegeld usw. 
neu eingeführt, und es unterliegt keinem Zweifel, daß auch 
das Unterstützungsbedürfnis ein größeres werden wird. 
Diese umfangreiche Verpflichtung macht es fortan auch 
dem Einzelnen unmöglich, das Risiko selbst zu tragen, denn 
nicht nur, daß für jeden Erkrankenden 39 Wochen zu sorgen 
ist und also zu gleicher Zeit mehrere Fälle laufen können, 
hat der Dienstgebcr noch innerhalb 3 Wochen nach dem 
Austritte für den Dienstboten, sofern dieser eine andere Be 
schäftigung nicht angenommen hat, so einzutreten, daß evtl, 
für 39 Wochen Unterstützung zu gewähren ist. 
Sehr viel umstritten worden ist die Frage, ob dem 
Dienstboten eines Abonnementsvercinsmitgliedes ein Beitrags 
teil abgezogen werden darf. Tatsächlich ist dies nach dem Gesetz 
nicht zulässig. Wiederholt ist aber von Juristen unwider 
sprochen dargelegt, daß einer entsprechenden gütlichen Ver 
einbarung bei der Lohnfestsetzung nichts im Wege steht. 
Alles in allem wird es natiirlich geraumer Zeit be 
dürfen, bis sich unsere Hausfrauen an die neuen Zustände, 
die nicht nur eine erhebliche Belastung ihres Etats, sondern 
auch ^mancherlei Scherereien mit sich bringen, gewöhnt 
haben, aber auch hier wird die Zeit vermittelnd und ver 
söhnend wirken. 
Tausende von Zustimmungen unserer Berliner Mit 
glieder begrüßen es jedenfalls mit Freuden, daß der 
Abonnementsverein ihnen auch weiterhin die schweren gesetz 
lichen Pflichten erleichtern helfen will. 
In den Vororten sind die Verhältnisse noch nicht 
geklärt, doch wird auch den dort wohnenden Vereins 
mitgliedern in nächster Zeit Aufklärung werden, und da ja 
die Zwangsversicherung erst am 1. Januar beginnt, liegt 
keine Veranlassung vor, jetzt schon ängstlich zu sein. Selbst 
verständlich gibt die Verwaltung des Vereins gern jede 
Auskunft, wie sie auch Meldungen von Nichtmitgliedern fiir 
den 1. Januar k. Js. jetzt schon entgegennimmt. Diese 
Anträge können übrigens jederzeit zurückgenommen 
werden, wenn etwa die Anmeldung bei der zuständigen 
Krankenkasse erfolgen muß, wie auch etwa bereits entrichtete 
Beiträge anstandslos zurückgezahlt werden, sofern aus 
irgend einem Grunde die Mitgliedschaft nicht fortgesetzt 
werden kann. 
Die von der außerordentlichen Mitgliederversammlung 
am 22. September d. Js. angenommene neue Satzung ist 
vom Königlichen Polizeipräsidium genehmigt worden. 
(Wir bemerken hierzu: Wie auch aus diesem Schreiben 
des Abonnementsvereins ersichtlich ist, kann eine Befreiung 
von der Versicherungspflicht nur durch die Entscheidung des 
Kasseimorstandes, als Berufungsinstanz durch das Oberver- 
sicherungsamt, erfolgen. Es sind somit alle Dienstboten 
hier bei der Landkrankenkasse anzumelden. Die Zugehörig 
keit zum Abonnementsvercin befreit nicht ohne Weiteres 
von der Versicherungspflicht bei der Landkrankenkasse. Es 
muß beim Wechsel der Dienstboten — was ja in Groß- 
Berlin sehr häufig.eintritt — der neue Dienstbote jedes 
mal wieder bei der Landkrankenkasse gemeldet werden, selbst 
bei den vorherigen die Befreiung ausgesprochen war. Die 
Dienstherrschaften haben also, wenn sie nicht bei der Land- 
krankenkasse versichern, mit dieser doch fortwährend Schereien. 
Durch die Mitgliedschaft beim Abonnementsverein sind die 
Schwierigkeiten also durchaus nicht gehoben. Außerdem 
stellt sich der Beitrag bei der Landkrankenkasse aber um 
11 M. geringer als beim Abonnementsverein bei gleichen, 
ja teilweise noch höheren Leistungen der Kasse. Für 
den Abonnementsverein dürfte — vorausgesetzt, daß die 
Leistungsfähigkeit des Dienstgebers anerkannt wird — nur 
der einfachere Verkehr .mit den Aerzten sprechen. Schiftl.) 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die nächste Gemeindevcrtretersitznng findet am 
Donnerstag,' dem 16. Oktober d. Js., Abends 7 Uhr im 
Sitzungssaale des Reformrealgymnasinms (Homuthstraße) 
statt. Die Tagesordnung finden unsere Leser im Anzeigenteil 
dieser Nummer. 
o Die feierliche Grundsteinlegung für den Neubau 
unseres Rathauses findet nach dem Beschlusse unserer Ge 
meindevertretung am Sonnabend, dem 18. Oktober d. Js., 
„Nein, es ist sicher: Bartels und sein Wagen stno gar 
nicht da. Der Page muß sich mit seiner Meldung geirrt 
haben." 
Der Graf hatte aufgesehen, und es war ihm wie ein 
elektrischer Schlag durch den Körper gefahren. Beim Zeus, 
wenn dies Miß Pendleton war, so durste Amerika stolz 
darauf sein, solche jungen Damen hervorzudringen. Nie 
und nirgend meinte Kurt Dietrich von Hoiningen etwas 
Schöneres und Reizvolleres gesehen zu haben, als diese 
hohe, schlanke Mädchengestall in dem hellseidenen Staub- 
mantel und dies von dem duftigen Antomobilschleier um 
wehte, entzückende Gesichtchen mit dem klassisch regelmäßigen 
Profil, dem tleinen, herzförmigen Munde mit) dem fein 
gemeißelten Kinn, das bei aller Weichheit dem rosigen 
Mädchenantlitz etwas pikant Energisches gab. Etwas aus 
gesprochen Aristokratisches war in ihrer ganzen Erscheinung, 
aber zugleich etwas von jener reizend natürlichen Lebhaftig 
keit, die jungen Amerikanerinnen eigen zu sein pflegt. Wenn 
er seinen übermütigen Einfall bisher wirklich nur im Lichte 
einer menschenfreundlichen Handlung gegen seinen braven 
Feldzugskameraden gesehen hatte, nach diesem raschen Blick 
auf seinen holden Passagier wollte er ihm außerdem noch 
als eine überaus glückliche Eingebung erscheinen. 
Auch über die Begleiterin der jungen Dame war sein 
scharfes Soldatenauge blitzschnell dahingeflogen. Er hatte 
gesehen, daß es eine kleine, ziemlich wohlbeleibte Dame 
zwischen vierzig und fünfzig war — eine angehende Ma 
trone, deren stark verblühtes Exterieur durch das unver 
kennbare Bemühen, jugendlich zu erscheinen, nicht eben 
viel sympathischer wurde. Irgend etwas in dem von 
einem fetten Doppelkinn getragenen Antlitz wollte dem 
Grafen merkwürdig bekannt vorkommen, und doch war 
er bei feinem untrüglichen Personengedächtnis sicher, der 
würdigen Daine noch nie begegnet oder persönlich nahe- 
Mittags 12 Uhr statt. Bürgermeister Wakgcr versendet zur 
Zeit die Einladungen zu dieser Feierlichkeit. 
o Umilumerieruug der Bornstraße. Die jetzige 
Numerierung der Bornstraße, die der Bebauung gefolgt ist, 
hat- viele Unzuträglichkeiten mit sich gebracht,' sodaß im 
öffentlichen Interesse ihre Umnumerierung erforderlich ist. 
Näheres über die Neunnmerierung ersehen unsere Leser 
aus der amtlichen Bekanntmachung in dieser Nummer. 
o Auszeichnung. Die Große Goldene Medaille für 
Kunst ist unserem Mitbürger dem Bildhauer Herrn Prof. 
Wilhelm Haverkamp verliehen worden. 
o Mit dem Bebauungsplan für den Breitenbach- 
pkah beschäftigte sich die Steglitzer Gemeindevertretung in 
ihrer gestrigen Sitzung, lehnte aber den Bebauungsplan ab. 
Der Platz liegt an der Grenze von Steglitz, Dahlem und 
Wilmersdorf. Aus der Steglitzer Seite führen vier Straßen: 
die Kleiststraße, Forststraße, Schildhornstraße sowie Kreuz- 
nacher Straße, die allerdings zur Hälfte nach Wilmersdorf 
gehört, zum Platz. Daher hat die Gemeinde ein lebhaftes 
Interesse an einer namentlich in verkehrstechnischer Beziehung 
hervorragenden Gestaltung des Platzes. Die Gemeinde be 
absichtigt, selbst eine Straßenbahn durch die Schildhornstraße 
heranzuführen. Die Vorzüge des vorgelegten Projektes 
wurden zwar anerkannt, lebhaften Widerspruch fand aber 
die geplante Einengung der Kleiststraße. Auch die Führung 
der Schildhornstraße wurde bemängelt. Es wurde ge 
fordert/ die Kleiststraße so anzulegen, daß die Durchführung 
einer Straßenbahn möglich sei. ■ Infolgedessen wurde der 
Bebauungsplan mit großer Mehrheit abgesahnt und an den 
Gemeindevvrstand zurückverwiesen. 
o .Geld für zweite Hypotheken. Auch der Villen 
vorort Berlin-Lichterfelde will jetzt in die Reihe der Groß- 
Berliner Gemeinden eintreten, die zur Hebung des Real- 
kredits aus öffentlichen Mitteln zweite Hypotheken zur Ver 
fügung stellen wollen. Der Gemeindeoorstand hat be 
schlossen, daß die Gemeinde zur Förderung der privaten 
Bautätigkeit und zur Festigung des vorhandenen Grund 
besitzes im Gcmeindebezirk in geeigneten Fällen selbst 
schuldnerische Bürgschaft für zweitstellige Hypotheken mit 
Zinsen übernehmen soll. Die Gemeindevertretung wird sich 
am Montag mit dieser Vorlage beschäftigen. — Hierzu 
wird uns geschrieben: In Friedenau hat es peinlich berührt, 
daß diese wichtige Sache vertagt wurde, bis das Geld 
flüssiger ist. Sobald dieses der Fall ist, braucht der Grund 
besitz keine Hilfe mehr, aber bis dahin gehen sicher noch 
viele Existenzen zu Grunde. 
o Vergebliches Bemühen. Gestern Nachmittag wollten 
— laut Verabredung — eine größere Anzahl Friedenauer 
Einwohner, Damen und Herren, die anscheinend unsere Mit 
teilung, daß die geplante Besichtigungsfahrt des Bürgervereins 
wegen unüberwindlicherSchwierigkeiten nicht stattfindenkönnte, 
ühersehen hatten, die neue Schnellbahn nach Dahlem benutzen, 
mußten diese Absicht aber ausgeben, denn der erste Zug auf 
der neuen westlichen Schnellbahn, mit dem der öffentliche 
Verkehr ans der Bahn aufgenommen wird, geht am morgigen 
Sonntag vormittag 5 Uhr 30 Min. vom Spittelmarkt ab,, 
ist 5 Uhr 45 Min. am Wittenbergplatz und 5 Uhr 51 Min. 
auf Bahnhof Fehrbelliner Platz. Von hier verkehren in Ab 
ständen von 10 Minuten Pendelzüge über die Dahlemer 
Bahn bis Thiel-Platz. Aehnlich ist der vorläufige Verkehr 
auf der Kurfürstendamm-Linie gedacht. Votn Wittenbergplatz 
wird alle 7 1 / 2 Minuten ein Pcndelzug nach Uhlandstraße, 
und zwar der erste Sonntag früh 5 Uhr 34 Min. abgehen. 
Nach Bedarf sollen Sonderzüge eingelegt werden. 
o Bereisung und Besichtigung des Teltowkauales 
und seiner technischen Anlagen durch höhere preußische 
Wasserbaubeamte. Zu einer Jnformationsfahrt auf dem 
Teltowkanal versammelten sich gestern Vormittag um 11 Uhr 
au der Friedrich v. Moltke-Brücke in Britz etwa 30 Herren 
von den Wasserbaunerwaltungen Preußens, unter denen sich 
der^Elbe-Strombau-Direktor Oberbaurat Roloff und Geh. 
Reg.- und Baurat Trnhlsen vom Ministerium der öffent 
lichen Arbeiten jbefanden. Die Herren bestiegen das neue 
Motorschiff „Neukölln" zur Kanalfahrt. Unter Führung des 
Reg.-Baumeisters Landsberg von der Teltowkanal-Ver- 
waltung besichtigten die Herren mit großem Interesse die 
Einrichtungen und Konstruktion des neuen Schiffstypes von 
dessen Zweckmäßigkeit fiir den^Kanalverkehr sie sich auf der 
anschließenden Fahrt überzeugen konnten. In Schönow 
besuchten die Herren das Elektrizitätswerk und dann den 
getreten zu sein. Sie interessierte ihn zunächst auch viel zu 
wenig, als daß er sich über die vermuteie Aehnlichkeit lange 
hätte den Stopf zerbrechen sollen. Seine Teilnahme galt 
einzig der schönen Amerikanerin, und das Herz klopfte ihm 
ein wenig schneller, als er, artig seine Mütze lüftend, die 
harmlose kleine Komödie mit der beschRidenen Frage ein 
leitete: 
„Habe ich vielleicht die Ehre mit Miß Pendleton?" 
Erstaunt kehrte die Angeredete ihm ihr Gesicht zu, und 
jetzt erst sah er auch ihre Äugen — Augen von einem so 
wundervollen tiefen Blau, daß er sie im Geiste unwillkürlich 
mit blauen Diamanten, mit den azurnen Tiefen eines 
fonnenbeleuchleten Sees und mit einer ganzen Reihe an 
derer, ausnehmend schöner Dinge verglich. 
„Allerdings — Sylvia Pendleton," erwiderte sie mit 
leichtem Befremden. „Weshalb wünschen Sie das zu 
wissen?" 
„Weil ich alsdann die Erklärung abgeben möchte, daß 
ich mich hier an Stelle des Chauffeurs Bartels befinde. 
Er erlitt auf dem Wege zum Hotel ein unverschuldetes 
Mißgeschick mit seinem Wagen, und die Reparatur dürste 
sich nicht schneller als in achtundvierzig Stunden bewerk 
stelligen lassen. Da aber die Damen unter keinen Um 
ständen in ihren Dispositionen gestört werden sollten, hak 
er mich gebeten, während dieser beiden Tage seine Stelle 
zu vertreten. Ich darf also, wie ich hoffe, dem gnädigen 
Fräulein für diese Zeit meinen Wagen anbieten." 
Seine Haltung und seine Ausdrucksweise waren gewiß 
nicht die eines berufsmäßigen Chauffeurs gewesen. Wenn 
es einem Manne von seiner Erziehung und seinen gesell 
schaftlichen Formen schon überhaupt nicht ganz leicht fallen 
konnte, sich in eine solche Rolle zu finden, so hatte ihn 
der mächtige Eindruck, den Sylvia Pendletons entzückende 
Erscheinung auf ihu hervorgebracht, diese Rolle für den 
Moment beinahe ganz vergessen lasse», und die Verwunde- 
Kanalbanhof und in der Machnowcr Schleuse nahmen sie 
auf einem Rundgang die technischen vollkommenen maschi 
nellen Betriebe des Schleusenmerkes in Augenschein Die 
mustergülttgen Anlagen des Kreises Teltow fanden die un 
eingeschränkte Anerkennung der Besucher, die als Fachleute 
von Rang am Besten die technischen Schöpfungen zu 
würdigen wußten. 
o 79. Geburtstag. Am Sonntag, dem 12. Oktober, 
feiert einer unserer ältesten Mitbürger der Geh. Rechnungs 
rat a. D. Carl Pfuhle, Saarstr. 5, in voller Rüstigkeit 
seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar ist 36 Jahre Ein 
wohner Friedenaus. Er war mehr als 25 Jahre Mitglied 
des Gemeindekirchenrats und bewohnte fast 25 Jahre in der 
Niedstr. 6 eine kleine Villa, die er seinerzeit von Freiherr 
v. d. Goltz-Pascha gekauft hätte. Wir wünschen ihm einen 
noch recht langen fröhlichen und gesunden Lebensabend. 
o Kein Schulunterricht am 18. Oktober. Im Laufe 
des gestrigen Freitag ist in den Leitungen der Lehranstalten 
eine ministerielle Verfügung zugegangen, wonach am Tage 
der Hundertjahrfeier der Schlacht bei Leipzig, am Sonnabend 
nächster Woche, in allen preußischen Schulen der Unterricht 
ausfallen soll. Es soll am 18. Oktober in den Schulen 
eine der Bedeutung des Tages gerecht werdende Feier in 
würdigem Rahmen veranstaltet werden, deren Feststellung 
in den Einzelheiten den Leitern der Unterrichtsanstalten 
überlassen bleibt. 
o Gärtnerei-Bernfsgeuosseuschaft. Die Gärtnerei mit 
all ihren Spezialfächern war biA.zum 1. Januar 1913 im 
Sinne des Unfallversicherungsgesetzes der landwirtschaftlichen 
Berufsgenossenschaft untergeordnet, Die Beiträge, die die 
Gärtnereiunternehmer für ihre Angestellten zu zahlen hatten, 
waren ganz enorm, besonders mußte die Landschaftsgärtnerei 
kräftig bluten, was um so befremdlicher war, da doch Unfälle 
in den Gärtnereibctrieben zu den Seltenheiten gehörten. 
Man betrachtete die Gärtnerei als eine gut melkende Kuh 
für die Unfälle aus landwirtschaftlichen Betrieben, deshalb 
prallten alle Eingaben und Denkschriften, die auf eine selbst 
ständige Gärtnerei-Berufsgcnossenschaft hinzielten, bei den 
Behörden ab. Nach langjährigen Kämpfen schweren einzelner 
Spezialverbände und desVerbandesderHandelsgärtnerDeutsch- 
lands mit den Behörden ist es endlich gelungen, diesen Be 
hörden klar zu machen, daß die deutsche Gärtnerei berechtigt 
ist, eine eigene Berufsgenossenschaft zu gründen und zu ver- 
ivalten. Somit ist heute, mit rückwirkender Kraft seit dem 
1. Januar 1913, die Gärtnerei in ihrer Gesamtheit aus 
den Rahmen der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft 
ausgeschieden und bildet über stanz Deutschland (mit Aus 
nahme einiger Bundesstaaten) eine eigene Gärtnerei-Berufs 
genossenschaft. Mitglieder der Gärtnerei-Berufsgenossenschaft 
sind nach dem Gesetz alle Handelsgärtner, (Blumenzüchter) 
Baumschulbesitzer, Landschaftsgärtner, Besitzer und Ver 
walter von öffentlichen und privaten Gartenanlagen jeder 
Art, sowie Friedhofsoerwalter, sie sind im Sinne des Unfall- 
Versicherungsgesetzes Betriebsunternehmer. Alle Betriebs 
unternehmer haben nach § 29 der Satzungen fortlaufend 
Lohnbücher zu führen, aus denen die Ngmen der be 
schäftigten Personen, die Art und Zeit der Beschäftigung, 
sowie ihr Entgelt (Barlohn und Naturalbezüge) für jede 
Lohnperiode zu ersehen sein müssen. Diese Lohnbücher sind 
bei Vermeidung von Ordnungsstrafen genau und sehr sorg 
fältig zu führen und Mindens 3 Jahre aufzubewahren. Der 
Vorstand der Verufsgenossenschaft hat für diese Lohnbücher 
ein eigenes Formular vorgeschrieben, das für sämtliche Mit 
glieder obligatorisch ist. Die seit dem 1. Januar d. I. bereits 
verausgabten Löhne sind umgehend in diesem Lohnbuch für 
jede beschäftigte Person nachzutragen und dann fortlaufend 
von Woche zu Woche weiter einzuttagen. Auskünfte erteilt 
den Interessenten, der bisherige Vertrauensmann der land 
wirtschaftlicheil Berufsgenossenschaft, Herr Gärtnereibesitzer 
Fechtner Hierselbst. 
o Abwehr gegen die Angriffe auf die Fleischbeschau 
in den Vororten. Vom „wirtschaftlichen Verband der 
Tierärzte des Regierungsbezirkes Potsdam" wird uns 
geschrieben: In der Berliner Stadtverordneten-Sitzung vom 
25. September bemerkte Herr Stadtrat Fischbeck, der Dezernent 
des Schlachthofes, bezüglich der Behauptung, daß die 
Schlächter wegen allzu scharfer Fleischkontrolle von Berlin 
in die Vororte abwanderten, daß man dem gegenüber fragen 
könne, ob nicht die Abwanderung vielleicht daher rühre, daß 
n den Privatschlachthöfen draußen die Fleischbeschau etwas 
rung der jungen Amerikanerin worunter Diesen Umstünden 
gewiß begrei lick, genug. Sie wuchs noch mehr, als sie 
den so bereitwillig angebotenen Kraftwagen einer näheren 
Musterung unterzog. Denn sie war sachverständig genug, 
um soforj zu erkennen, daß es sich hier um ein Fahrzeug 
handelte, wie man sie nicht leicht für Mietzwecke anschafft. 
„Diesen Wagen hier?" fragte sie, indem sie mit 
einem allerliebsten Ausdruck die Augenbrauen in die 
Höhe zog. 
„Ja, mein gnädiges Fräulein! Und ich hoffe, daß 
Sie mit ihm zufrieden sein werden. Es ist nur ein 
kleiner Freundschaftsdienst. den ich meinem ehemaligen — 
den ich meinem guten Bekannten Bartels zu erweisen 
beabsichtige. Und ich werde glücklich sein, wenn es den 
Dame» dadurch ermöglicht wird, an Ihren ur prünglichen 
Reiseplänen festzuhalten." 
„Aber warum ist Bartels nicht selbst gekommen, um 
über diese Stellvertretung mit mir zu sprechen?" 
„Er durste seinen niedergebrochenen Wagen nicht ver 
lassen. Es war seine Absicht, eine schriftliche Nachricht 
durch mich zu übersenden. Aber er meinte, daß dies nur 
eine unzulängliche Legitimation sein würde, da Sie ja 
seine Handschrift nicht kennen. Darum hat er es vorge 
zogen, mir die Ausarbeitung der Route zu übergeben, die 
vielleicht ausreichen wird, die Richtigkeit meiner Angaben 
zu erweisen." 
Mit einer Verbeugung überrttmtt er Sylvia Pendleton 
die engbeschriebenen Blätter, die sie in der Tat sofort zu 
erkennen schien. Denn mit einem kleinen Kopf-chütteln 
wandte sie sich an ihre Begleiterin, die bis jetzt nur durch 
allerlei kleine Ausrufe ihrem hochgradigen Erstaunen Aus 
druck gegeben hatte. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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