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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

deutschen Volke, und in diesem Sinne bat der Sestredner einzustimmen 
in ein dreifache- .Hurra" auf de« Kaiser. 
Vigersterten Widerhall fand dieser Hurra in der Fest- 
versammlung, die anschließend daran die erste Strophe 
unserer Nationalhymne sang. E» wurde nun dar Fest 
essen für die KriegSoeteranen aufgetragen. 29 Veteranen 
waren eS, die gespeist und mit Bier und Zigarren be 
wirtet wurden und 27 erhielten ferner noch eine Geld 
spende von je 10 M. Die Augen der alten Krieger 
leuchteten hell auf bei so viel Güte. Das Essen mundete 
ihnen vortrcffich und sie „hieben" drein wie 70/71. Unsere 
Damen waren unermüdlich, den Kriegern immer wieder 
von den reichlich aufgetragenen Speisen anzubieten. 
Während deS EffenS spielte die Orchestcroereinigung manche 
hübsche und dem Feste entsprechende Weisen. ES ist be 
sonders hoch anzuerkennen, daß sich diese Herren — etwa 
20 — gütigst in den Dienst der guten Sache stelllen. 
WaS sie boten, fand reichen Beifall und verdiente die ihnen 
zuteil gewordene Anerkennung voll und ganz. Ein 
BerufSorchester konnte nichts besseres leisten. Herr Referendar 
Krug, der schon oftmals seine reife Kunst in den Dienst 
der Wohltätigkeit gestellt hatte, entzückte mit den Biolin- 
vorträgen Air auf der G-Seite von Matthesson und 
Menuett in 6-äur von Beethoven. Lebhafter Beiiall 
wurde ihm zuteil. Ebenso durfte der deutsch-französische 
Rezitator Herr Witte-Sandoz über stürmischen Beifall 
quittieren für seine ausdrucksvollen Rezitationen „Die 
Türkenpfeife" und „Belsazar". Herr Wttte-Sandoz sei 
besonders unseren Schulleitern als Rezitator französischer 
Werke oder deutscher Werke in französischer Uebersctzung 
empfohlen. Die Einnahmen, die aus diesen Veranstaltungen 
erzielt werden, führt Herr Witte-Sandoz vollständig an 
die Fürsorgeoereintgung ab. Rachd:m daS Festessen be 
endet war, wurde die erste Strophe von „Deutschland, 
Deutschland über alles" gesungen. Herr Geheimrat 
Hauptmann Schindler sprach darauf allen, die mitgeholfen 
haben und noch mithelfen, den alten Kriegern den Lebens- 
abend freudiger zu gestalten, den herzlichsten Dank aus. 
Tr dankte besonders den Vorstand und den Damen deS 
Ausschusses, dem Gemeindrvorstand und Herrn Bürger 
meister Walger für die Gemeindespende von 400 M. 
Dank auch den vielen Freunden und Gönnern. Ec 
erwähnte besonders: Herrn Witte-Sandoz, drr durch seine 
Rezitationen 100 M. der Bereinigung überweiscn konnte, 
Herrn Musikdirektor Lönge und die Orchestergcskllschaft, 
Herrn Referendar Krug. Frau Stoye, die gute Fee der 
Bereinigung, sowie deren Gatten, die beide schon reiche 
Mittel für die Veteranen aufgebracht haben, den Reichs 
verband gegen die Sozialdemokratie, der 30 M., Herrn 
Rechtsanwalt Bering, der 20 Mark, den Vater- 
ländischen Frauenverein, der 50 Mark und Frau 
RegierungSrat Telschow, die 10 Mark spendete. Redner 
betonte noch, daß sich jetzt schon der schöne Brauch 
herausgebildet habe, bet Hochzeiten, Kindtaufen, Geburts 
tagsfeiern und anderen „feuchten" Familienfestlichkeiten 
Sammlungen für die hilfsbedürftigen KriegSoeteranen 
zu veranstalten. Möge dieser schöne Brauch sich immer 
wciter fortbilden und mögen recht viele Gelder dem Ge- 
sckäsiS'ührer Herrn Kanzleirat Borck, Berlin - Friedenau, 
ilv nstraße 15, auS solchen Sammlungen zufließen. Er 
forderte dann die Veteranen, die alten JungenS, die 
ü S junge JungenS das Vaterland schmieden halsen und 
mit Hurra gegen den Feind gingen, auf, den Freunden 
und Gönnern ein dreifaches Hurra darzubringen, in das 
diese denn auch klüftig einstimmten. Mit dem gemein- 
samen Gesang der zweiten Strophe von „Deutschland, 
Deutschland über alles" schloß die schöne Feier. In kleinen 
Gruppen unterhielt sich noch manche Dame, manche hoch, 
gestellte Persönlichkeit mit den alten Kciegern, sodaß diese 
die ihnen erwiesene Wohltat nicht als ein Allmosen, 
sondern als eine ihnen zuteil gewordene Ehrung empfanden. 
Die erste Feier am Geburtstage deS Kaisers selbst 
fand hier diese Nacht in der „Kaisereiche" statt. Etwa 
6 Minuten nach 12 Uhr setzte sich ein Herr Schmidt in 
dem nach der Nheinstraße zu gelegenen Mittelzimmer ans 
Klavier und spielte die Nationalhymne. Spontan erhoben 
sich sämtliche Gäste deS Lokals, auch der benachbarten 
Zimmer und stimmten in den Gesang der Hymne ein. 
Darnach hielt ein Herr eine Ansprache, die in ein drei- 
sacheS Hoch auf den Kaiser auSklang, Es wurden dann 
noch mehrere patriotische Lieder gesungen. Im ganzen 
Lokal« herrschte eine echte Kaisers GeburtStagsttmmung. 
Au unseren Lehranstalten fiel heute Vormittag der 
Unterricht auS und e§ fanden würdige Feiern statt. . 
Immer wieder^betrachtete Julius^öte“Sache von allen 
Seiten und kam zu dein Schluß, daß es ganz lächerlich 
sei,'anzunehmen, das reizende Mädchen, das mit hoch 
achtbaren Verwandten in dem alten Schlosse lebte, könne 
auch nur in der entferntesten Verbindung mit den Feinden 
Sir Williams stehen. Und er nahm ^sich vor, so lange 
wie möglich darüber zu schweigen, daß sie in irgendeiner 
rätselhaften Weise in die Sache verwickelt sei. 
Gleichzeitig war er jedoch nicht blind gegen seine eigene 
Verantwortlichleit, und er sah ein, daß 'Olivia Maitland, 
so bezaubernd sie auch in jeder Hinsicht sein mochte, unter 
den obwaltenden Verhältnissen keine wünschenswerte Be 
sucherin in der Villa Sicbeneichen sei. 
Eine junge Dame, deren Bewunderung eines Herr, 
lichen Blumenbeetes, wen» auch ohne ihr Dazutun beinahe 
die Ursache' eines Mordes gewesen, mußte unbedingt als 
gefährlich angesehen werden, und Julius glaubte sein 
Schweigen vor seinem Gewissen verantworten zu können, 
wenn er dahin wirkte, daß der Verkehr mit den Be 
wohnern möglichst abgebrochen wurde. 
Nach dem ersten'Besuch bei Herrn Scharnock und 
ftiner Mutter und dem darauffolgenden Spaziergang 
durch den Buchenwald hatte er sich vorgenommen, das 
seinige dazu zu tun, daß der Verkehr zwischen der Villa 
und dem Schlosse ein wenig lebhafter würde. Diese Idee 
mußte natürlich jetzt aufgegeben werden. Er wollte seine 
Neigung auf de», Altar der Pflicht opfern, und uni ihm 
Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muß gesagt werden, 
daß cs ihm wirtlich ernst mit diesem Vorsatz war. 
Es war ihm so ernst damit, daß ihn tiefe Bestürzung 
erfüllte, als dieser Plan von einer Seite u,»gestoßen zu 
Ausführliche Berichte über die einzelnen Schulfeiern 
bringen wir in der nächsten Nummer. 
Heute Vormittag versammelten sich die Stammgäste 
der Weinstuben von I. P. Trarbach Nachflg. (Inhaber 
Waldemar Reuter) in den genannten Weinstuben, um 
durch rin Frühstück den Geburt-tag unsere« Monarchen zu 
feiern. Vaterländische Gesänge wurden angestimmt und 
ein Teilnehmer bracht« da« Kaiserhoch aus. 
Um 5 Uhr beginnt in der Aula deS Reform-Real- 
gymnasiumS dar öffentliche Festessen. — Von dem 
KaiserkommerS mußte leider in diesem Jahre mangels 
eines geeigneten FestsaaleS Abstand genommen werden. 
iStuhdrack unserer o^)rttziaalarttkel n« artl Owitro-vgab, a«Latte ) 
o Ueber den Wohnuogöuraikt in Groß-Berlin 
und die Grundstücksverhältntsse macht der Bericht deS 
Vereins Berliner Grundstücks- und Hypotheker.makler in 
Berlin für 1912 interessante Angaben. Danach ist di« 
Ueberproduktion an Wohnungen erheblich zurückgegangen, 
so in Charlottenburg von 4900 auf 2800. Dagegen ist 
die Zahl der ZwangSverwaltungen bedeutend gestiegen, 
und zwar in 27 Gemeinden vcn 918 im Jahre 1911 auf 
1299 im Jahre 1912. und deren Eitrag von 190 995 000 
Mark auf 257 749 000 M. in den gleichen Jahren. DaS 
Jahr 1912 zeigt also eine Zunahme von 381 Zwangs 
versteigerungen mit einem PluS von 66,75 Millionen 
Mark. Die Zunahme der Zwangsversteigerungen der 
letzten Jahre ist dem Bericht zufolge zum großen Teil auf 
die Hypothekennot zurückzuführen. Die dadurch entstandene 
ungünstige Lage hat sich auch durch eine Ruhe aufsehen 
erregender Fallissements am Baumarkt gezeigt. 
o Eine Umnumerieruug der NubinSstroste 
ist in den letzten Tagen vorgenommen worden. Diese 
Maßnahme war erforderlich, weil die frühere Holbeinstraße 
vor längerer Zeit gleichfalls den Namen NubrnSstraße er 
halten hat. 
o Falsche Dkofchkenbestellungen. Ein nieder 
trächtiger Unfug wird seit einiger Zeit in den westlichen 
Vororten verübt. Telephonisch werden an allen Ecken 
Chauffeure mit DcoschkenautoS bestellt und sobald die 
Wagen an der gewünschten Stelle eintreffen, stellt sich 
heraus, daß man die Chauffeure genaSsührt hat. Dieser 
Unfug hat bereits derart überhand genommen, daß die 
Autolenker stutzig geworden sind und nur solche Be 
stellungen ausführen, bei denen sie ganz sicher gehen. Der 
Urheber des groben Unfugs hat in einem Falle sogar die 
Hilfe der Steglitzer Polizei angerufen und zuvorkommend 
wurde ihm auch durch die Vermittlung der Polizei ein 
Auto geschickt. Den Chauffeuren kann man eS nicht ver 
denken, wenn sie mißtrauisch werden und nicht mehr auf 
telephonische Bestellungen allzu stark reagieren. 
o Die alte« schleswig-holsteinischen Freiheits 
kämpfer. ES dürfte am Geburtstage tes Kaisers auch 
angebracht sein, der 1848er zu gedenken, die den schleSwig- 
holsteinischen FreiheitSkampf mitgemacht haben und von 
denen einige noch in unserer Nordprovinz leben. Ein alter 
Fricdenauer, Herr Dr. Haase schickt unS mit der Bitte um 
Veröffentlichung die folgende Nachricht eines holsteinischcn 
Blattek: 
St. Margarethen. Einen rührenden Anblick gewühlte der Zug 
der Kliegervereine anläßlich d:s Selchenbegängnisses des Veteranen 
Klaus Stüven, Kämpfe:s von 1848—51. Als cinziaeS und letztes 
Mitglied des allen schleswig-holsteinischen Kampfgcnoflcnvereins Halle 
der brave alte Rentner Opitz-Kuhlen es sich nicht nehmen taffen wollcn, 
seinem letzten Kamnaden auch die letzte Ehre zu eiweiscn. Er folgte 
seiner Fahne als Letzter treu zwischen seinen Söhnen und auf dicse 
zeitweise gestützt hinter der Traucrwussk. Wem sollte da nicht daS 
Herz weich geworden sein, als nach der ergreifenden Rede des Haupt- 
Pastors Fengl-r über: .Ei du frommer und getreuer Knecht . . . .* 
die Musik beim Heimmarfch erklingen liiß: „Zch hatt' einen Kameraden". 
o Aufgebot. Der Bankbeamte Bruno Beeck in 
Berlin Friedenau, Fregestraße 11, hat das Aufgebot deS 
Hypothekenbriefes über 15 000 M., eingetragen in Ab- 
terlurig III Nr. 0 drS Grundbuches von Berlin-Echöneberg, 
Band 9, Blatt Nr. 597, beantragt. Der Inhaber der Urkunde 
wird aufgefordert, spätestens in dem auf den 19. Mai 
1913, Mittags 12 Uhr, anberaumten AufgebotStermtne feine 
Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigen 
falls die Krastlokerklärung der Urkunde erfolgen wild. 
o Die ordentliche Hauptversammlung des 
Vereins der fortschrittlichen VolkLpartet findet, da 
der Hohenzollernsaal für Freitag, den 31. d. MlS. ander 
weit vergeben ist, erst am Montag, dem 3. Februar statt, 
und zwar im Schützensaal des Restaurants Hohenzollern, 
Handjeiystr. 64. 
o <\n der Ortsgruppe BerttU'Friederra« des 
Deutschen Flottenvrreius spricht am Montag, dem 
3. Februar. adrndS 8'/, Uhr im Festfale in der Homu h- 
straße 4/5 (Reformgymnasium). Se. Exzellenz, dersrühere 
Chef des Admiralstaber. Herr Admiral h \& snite be« 
Seeoffizierkorps Büchse! über ,Drutsch-EngUschrS. Dazu 
tabellarische Darlegungen durch Lichtbilder. 
o Der kirchliche Verein der Nathan-eUGe. 
meinde hält eine Festversammlung am Mittwoch, dem 
29. Januar 1913. Abends 8'/, Uhr im großen Saale d.S 
„Kaiser-Wtlhelmgarten", Friedenau. Rheinstr. 64. unter 
aütiaer Mitwirkung der Herren Oratoriensänger Gart 
Burkbardt und CellovirtuoS Reinhold Preiß. Festrede deS 
Herrn Pfarrer Wagner: „Ernst Moritz Arndt der Sänger 
der deutschen Befreiungskrtegr". Eintritt frei. (Kinder- 
abgäbe 10 Pf.) Gäste herzlich willkommen. Vorausgeht 
ebendaselbst eine geschäftliche Sitzung um 8 Uhr zu der 
die stimmberechtigten Mitglieder eingeladen werden. 
Tagesordnung: Vorlegung der Jahreirrchnung für 1»", 
ErgänzungSwahl zum Vorstande. 
o Die Bettlerplage ist augenblicklich wieder außer 
ordentlich groß. Namentlich in den ersten Nachmittag«- 
stunden erscheinen die Bettler an den Wohnung-türen. 
Auch Sonntag« Nachmittag- sprechen jetzt auffällig viele 
Bettler vor. Da eS sich vielfach um sogen. Klingelfahrer 
handelt, die Gelegenheiten zu WohnungSetnbrüchen auS- 
spionieren, warnen wir unsere Mitbürger und ersuchen 
besonder« die Hausfrauen, keinem Bettler und wenn er 
noch so sehr das Mitleid erwecken sollte, etwa« zu geben. 
— Mit der Beltlrrplage im Zusammenhang stehen sicher 
auch die zahlreichen Bodendiebstähle, die z. Zt. hier 
beobachtet worden sind. Jeder Hausbewohner gebe Acht 
auf sich im Hause herumtreibende fremde Pcrsonen. 
o Ei« Frühlingsbote. Am Sonnabend ist einer 
Familie Sch. in der Bornstr. 21 ein prächtiger Schmetter- 
ling in daS offene Fenster g«flogen. Das Tierchen fühlte 
sich offenbar recht mollig. Die anormale Witterung kann 
durch nichts treffender illustriert werden, als ducch da« 
mehrfache Auftauchen deS zarten Schmetterlings im Winter 
monat Januar. 
o Ein Eivbkuchtdiebstahl wurde in der Nacht 
zum Sonnabend in dem Posamentengeschäft der Frau 
Völker, Sieglindestr. 4. verübt. Als die Verkäuferin am 
Morgen in da§ Gcfchctst kam, fand sie den Laden schon 
geöffnet und glaubte, daß ihre Chefin bereits anwesend sei. 
Doch fand sie niemand im Laden vor. Bei näherer Um 
schau bemerkte sie nun, daß Einbrecher daS Geschäft heim 
gesucht hatten. Die eiserne Tür vor dem Laden war ge 
waltsam geöffnet, eine SicherheitSkette durchgeschnitten, die 
Tür dagegen ist mittels Nachschlüssels geöffnet worden. 
Der oder die Einbrecher haben unter den Sachen eine gute 
Auswahl getroffen, indem sie nur daS Beste nahmen. 
Außerdem entwendeten sie die 10 M. betragende Wechsel 
kasse. ES wird angenommen, daß der Diebstahl von mit 
den Räumllchkeitcn vertrauten Personen ausgeführt wurde. 
Bis jitzt fehlt jedoch von den Tätern jede Spur. 
o Dachstuhlbraud in der Rheinstrastr. Ein 
Schadenfeuer zerstörte gestern Nachmittag teilweise den 
Dachstuhl deS Gartenhauses Rheinstraße 6/7. doch wurde 
das entfesselte und von starkem Winde angefachte Element 
Dank des fchncllen und energischen Eingreifens unserer 
Feuerwehr unter Führung des Herrn OberbrandmeisterS 
W. Sloltzrnburg auf den ursprünglichen Herd beschränkt. 
Um 4'/* Uhr zeigte starker Qualm die Brandstätte. daS 
Feuer wurde sofort gemeldet - und in kürzester Frist traf 
die Wehr ein. Die Rohrsllhrer hatten anfangs sehr unter 
Rauch zu leiden, sodaß zuerst von innen nicht angegriffen 
werden konnte. Nachdem die große MagiruSleitrr auf 
dem Hofe Aufstellung erhalten hatte, konnte auS drei 
Schlauchleitungen kräftig Waffer gegeben werden. Schon 
noch einer halben Siunde war jede weitere Gefahr be 
seitigt. obgleich zeitweise die Ausbreitung deS Brandes 
zu befürchten schien. Die Aufräumungsarbetten zogen sich 
die 7 Uhr hin. Die Ursache deS Feuers ist noch nicht 
bestimmt ermittelt, doch ist anzunehmen, daß Funken auf 
brennbare Stoffe geflogen und letztere längere Zeit ge 
schwelt haben, ehe der Brand bemerkt wurde. — Ver 
schiedene Gemeindevertreter halten gestern Gelegenheit, sich 
von der Schiagferligkeit unserer Wehr zu überzeugen. 
Allerdings wurde auch wieder bemerkt, daß der einfache 
Wasserdruck aus den Hydranten sehr schwach ist. Co war 
t§ nicht möglich, ein Fenster auf 2 1 / 2 Meter durchzu- 
spritzen. Die Frage der Anschaffung einer Druckpumpe 
wird immer dringender. 
werden drohte, von Ser dieser Widerstand ganz unerwartet 
kam. Lady Graßinan batte, wie es schien, eine unerklär 
liche Zuneigung zu dem jungen Mädchen gefaßt, dessen 
Schönheit und Liebenswürdigkeit Julius Seelenfrieden jo 
gefährlich geworden war. Schon seit zwei Tagen sprach 
die leidende Dame kaum von etwas anderem, als von ihrer 
reizenden Besucherin nnd drückte wiederholt den Wunsch 
ans, sie bald wiederzusehen. 
„Es ist wirklich ein Glück," bemerkte Nora Bilcon 
Julius gegenüber, „daß Fräulein Maitland ein reiches 
Mädchen ist, denn sonst, fürchte ich, würde sie mich bald 
aus meiner Stellung verdrängen. Wenn Lady Graßman 
eine Möglichkeit sähe, die junge Dame als Gesellschafterin 
zu gewinnen, so würde sie mir lieber heute wie morgen 
kündigen." 
In seiner Eigenschaft als Arzt war es Julius nicht 
entgangen, daß seit Olivias Besuch mit Lady Graßman eine 
Veränderung vorgegangen war. Die Dame, die sonst so 
ruhig und rücksichtsvoll war und ihre Leiden mit so be 
wunderungswerter Geduld trug, zeigte sich jetzt nervös 
aufgeregt und zu Zeiten beinahe zänkisch. Stunden der 
tiefsten Niederschlagenheit folgten auf Ausbrüche krampf 
hafter. fast hysterischer Lustigkeit, während deren der Name 
der schönen Nichte der Gräfin von Lcaucourt fast unaus 
gesetzt auf ihren Lippen war. 
Da der Staatsanwalt die Ueberwachnng von Lady 
Graßncans Gesundheit Julius bei dessen Engagement nicht 
übertragen hatte, so zögerte dieser, über diesen Zustand 
mit seinem Chef Rücksprache zu nehmen. Dieser schien bis 
jetzt nicht bemerkt zu haben, daß seine Frau sich i» den 
letzten Tagen verändert hatte, aber das kam nicht daher. 
daß er ihr keine Beachtung geschenkt hätte, sondern weil 
sie es stets versuchte, sich in seiner Gegenwart zu beherrschen. 
Da Julius die Vorgeschichte und die Entstehung ihrer 
Krankheit nicht kannte, so war es ihm unmöglich zu be- 
nrteilcn, ob die nervöse Unruhe, in der Lady Graßinan 
sich befand, durch Olivia Maillands Besuch hervorgerufen 
worden, oder ob sie nur das Symptom einer geistigen 
Störung war, in der die Dame sich mit dem Ereignis be- 
schäftigte, das eine Abwechslung in ihrem eintönigen Leben 
bildete. 
Wie dem auch sei, diese neue Erscheinung in Lady 
Graßmans Leiden war merkwürdigerweise dazu bestimmt, 
Julius das Mittel in die Hand zu geben, um fernere Be 
suche Olivia Maitlands zu verhindern. Außerdem führte sie 
zu weitgehendem Vertrauen von seilen Sir Williams in 
einer Sache, über die Julius sich von Anfang an ge 
wundert hatte. 
Eines Nachmittags war Lady Graßman in ihrem Roll 
stuhl hinaus auf den Rasen gebracht worden, Nora leistete 
ihr Gesellschaft, und nachdem Julius sich überzeugt hatte, 
daß Sir William in seinem Arbeitszinimer mit Lektüre be 
schäftigt war, die ihn voraussichtlich mehrere Stunden fest 
halten würde, begab er sich ebenfalls in den Garten. 
Seitdem es ihm klar zur» Bewußtsein gekommen, daß 
sein Amt bei dem Staatsanwalt wahrlich keine Sinekure 
war, verließ er seinen Chef kauin' auf Minuten, aber 
das Plätzchen, wo die Damen sich niedergelassen hatten, 
war nicht weit von den Fenstern des Studierziinmers, und 
man tonnte deutlich hören und sehen, was dort vorging. 
Julius konnte deshalb mit den Damen plnuderti, ohne sein 
Wächicramt zu vernachlässigen. (Fortsetzung folgt.)
        
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