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Periodical volume Nr. 238, 09.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Tiefe unter Straßenoberfläche erreicht. Die Seeparkbrücke, unter 
deren Straßendecke die Schnellbahn eingebaut ist, ruht auf 1200 
Pfählen. Zu beiden Seiten der Bahn sind int Brückcnkörpcr 
Wandelhallen angeordnet, die in die umgebenden Stadtparkanlagen 
cinbezogcn werden. Tie Brücke ist rnit rheinischer Basaltlava und 
schlesischem Granit verkleidet. Sic bildet im Westen der 3 Kilo- 
meter langen WilmcrSdarfer-Schönebergcr Stadtparkanlagcn ein 
wirkungsvolles Gegenstück zu dem Architekturwcrk der Schöneberger 
Untergrundbahn im östlichen Teile des Parkes. Der Betrieb wird 
aus den neuen Linien in der Weise erfolgen, daß die Züge der 
Stammstreckc abwechselnd nach Charlottcnbnrg bis IWilhelmplatz 
und nach Wilmersdorf bis Fehrbelliner Play durchgeführt werden. 
Die Zugfolge ans der Stammstrecke bis Wittenbergplay wird ans 
diese Weise in der Hauptverkehrszeit auf 2st, Minuten, »ach Bedarf 
auf 2 Minuten verdichtet. Auf der Strecke Fehrbelliner Platz— 
Vreitenbachplatz—Tielplatz wird vorerst ein Pendelverkehr mit 
kurzen Zügen eingerichtet. Für später ist in Aussicht genommen, 
die Stammbahnzüge bis zum Bahnhof Breitenbachplay durchzu 
führen. An Sonn- und Feiertagen sollen für den Ausslugsvcrkehr 
einzelne Züge der,Stammbahn nach Bedarf bis Thielplay durch 
gehen. Ter erste Frühzug wird den Bahnhof Fehrbelliner Platz 
nach Berlin zu etwa um 5.15 früh verlassen, der letzte Spätzug 
wird gegen 1.30 Nachts dort ankommen. Der Pendelverkehr der 
Dahlemer Bahn beginnt etwa um 6 Uhr Morgens und endigt 
gegen 1 Uhr Nachts. Auf der Seitenlinie zum Kurfürstendamm 
wird, solange die Ergänzungslinie Gleisdreieck—Kurfürstenstraße— 
Wittenbergplatz noch im Bau ist, ein Betrieb mit Pcndelzügen ein 
gerichtet. Nach Fertigstellung der Ergänzungslinie werden die 
Züge der Knrfürstendammbahn auf der Lstlinie nach Warschauer 
Brücke weitergeführt. Die Fahrtdaucr zwischen Wittcnbergplatz 
und Fehrbelliner Platz wird 0 Minuten, zivischcn Fehrbelliner Platz 
und Thiclplatz 12 Minuten, zwischen Wiltenbcrgplay und UHIand- 
straße' 2'/, Alinuten betragen. Mit Eröffnung der neuen Linien 
von zusammen 10 Kilometer Länge wird das Betricbsnctz 
der Hochbahngcsellschaft ans insgesanit 37,5 Kilometer Strecken 
länge erweitert. Die größten Entfernungen innerhalb des Gesamt 
netzes betragen in nordsüdlichcr Richtung (Nordring—Thielplatz) 
18,5 Kilometer mit 25 Bahnhöfe» und in ostwcstlichcr Richtung 
(Warschauer Brücke—Stadion) 15 Kiloinetcn mit 10 Bahnhöfen. 
Für die Strecken der Hochbahngcsellschaft Ingen Entwurf und Bau 
leitung in den Händen des Direktor Bonffet; die Architekturen 
stammen vom Professor Grcnardcr. Die Wilmcrsdvrfcr Bahn ist 
vom Stadlbaurat Müller entworfen und durchgeführt; die archi 
tektonische Bearbeitung erfolgte durch städtische Baubeamte, vor 
nehmlich durch den Architekten Leitgcbel. Mit Ausstellung der 
Entwürfe und mit der Bnulcitnng für die Dahlemer Bahn war 
Baurnt Bandekow betraut, dem Beamte der Tahlcm-Kommissivn 
zur Seite standen. Die Architektur des Bahnhofs Podbiclskiallcc 
war dem Architekten Schweitzer, des Bahnhofs Dahlem-Torf den 
Architekten Gebr. Hennings und des Bahnhofs Thiclplatz dem 
Architekten Straumcr übertragen. Die Ausführung des Bahn 
körpers auf den Strecken der Hochbahngesellschaft und der Wilmers- 
dorfcr Bahn (Tunnel) erfolgte teils durch die Siemens & Halste 
A.-G., teils durch die Ilntergrnndbaugesellschast in Berlin, aus der 
Dahlemer Bahn (Tunnel und Einschnitte) durch die Habcrnrann & 
Guckes A.-G. in Kiel. 
v Frieden«,rer Vortragsabende für Kunst und 
Wissenschaft. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, 
das; der heute (Donnerstag) stattfindende erste Vortragsabend 
in der Ania des Gymnasiums pünktlich 1 / 2 Ö Uhr 
beginnt. Auf dem Programm stehen: Prof. Carl Flesch 
(Geige), Pros. Dr. Hoetzsch (geschichtswissenschaftlichcr Vortrag 
über die Entwicklung Rußlands zur europäischen Kultur). 
Eiuzelkarteu zu 2,50, 1,50 und l Bk. sind noch an der 
Abendkasse zu haben." 
o Humboldt-Akademie Lehrstätte Friedenau. (Königin 
Luise-Lyzeum, Goßlerstr. 15.) Herr Dozent G. Sacerdvte 
hält Sonnabend pünktlich 6—7 l / 2 Uhr abends einen Doppel- 
knpsns. „Italienische Grammatik und Konversation I für An 
fänger." Beginn 11.Oktober. Vorlesungsverzeichnisse uudHörer- 
karten sind erhältlich bei Wertheim, Schmargendorferstr. 30, 
Wohlthat's Buchhandlung, Rheinstr. 11 und im Hauptbüro, 
Berlin W. 57, Knrfürstenstr. 100, I. (Lützom 3794.) 
o Tie Ausbildung der Militüranwärtcr zu Zug 
führern hatte Verhandlungen zwischen dem preußischen 
Kriegsministerium und dem Ministerium der öffentlichen 
Arbeiten zur Folge wegen vorgekommener unrichtiger Be 
handlung der Militäranwärter während der Ausbildungs 
zeit. Die Eisenbahndirektionen sind angewiesen worden, 
dafür zu sorgen, daß keine begründeten Klagen mehr er 
hoben werden können. Die Militäranwärter haben zwar 
die Pflicht, sich die gründliche Erlernung des praktischen 
Dienstes angelegen sein zu lassen, doch haben alle in diesem 
Falle in Betracht kommenden Bediensteten auf taktvolle Be 
handlung der Militäranwärter zu halten. Dies ist be 
sonders bei der dreimonatigen Beschäftigung der Militär- 
anwärter im Rangierdienst zu beachten. Der Minister der 
öffentlichen Arbeiten hat verfügt, daß die fiir den Zug 
begleitungsdienst einberufenen Militüranwärtcr wie die vom 
Kaiser-Wilhelm-Tank in Berlin herausgegebenen Unter- 
vsfizierbildungszeitschrift: „Die Zivilversvrguug" berichtet, für 
die Dauer der Ausbildung im Schaffnerdienst die Dienst 
bezeichnung „Aspirant im Zug- und Ladedienst" zu führcn 
garten unv Sein reichen Blumenschmuck der Terrasse leicht 
erkennen liest, das; hier weiblicher Geschmack regierte. 
Leichtfüßig sprang Hoiningen auf das Pflaster, und 
nachdem er noch einen prüfenden Blick in das luxuriös 
ausgestattete Wageninnere geworfen hatte, trat er ins 
Haus. Nach einer sehr kurzen Zeit schon kehrte er zurück, 
aber nicht, wie Hasenkamp erwartet hatte, in Gesellschaft 
der alten Gräfin Bruchhausen, sondern allein und mit 
etwas enttäuschter Miene. 
„Wir haben heute kein Glück," sagte er in seiner 
frische», mitteilsamen Art, die auch da, wo sie dem Unter 
gebenen gegenüber einen gewissen Anschein von Vertrau 
lichkeit hatte, seiner natürlichen Vornehniheit nicht den 
geringsten Abbruch tat. „Meine arme Taute leidet seit 
gestern unter dem altgewohnten Nesselfieber, das ihr, so 
lange ich denken kann, die Erdbcerensaison noch alljährlich 
eingetragen hat. Sie liebt nichts in der Welt so sehr als 
diese Früchte, und sie kann nichts in der Welt so schlecht 
vertragen. Da werden wir schon auf eigene Faust ein 
wenig in der Umgebung herumbumineln müssen, Haseu- 
kamp. Lassen Sie mich das Rad nehmen! Wir wollen 
zunächst langsant durch die Stadt fahren. Vielleicht ge 
lingt es mir, unterwegs irgendeinen Bekannten aufzulesen, 
der barmherzig genug ist, ein Dejeuner im Grünen mit mir 
zu teilen." 
Es war ein herrlicher Frühfommcrtag, und sicherlich 
gab cs Leute genug, die einer Einladung wie der von 
Hoiningen beabsichtigten mit dein größten Vergnügen 
Folge geleistet hätten. Nur daß ihm eben zufällig keiner 
von ihnei; in den Weg laufen wollte. Der junge Graf war 
in Frankfurt ein wenig fremd geworden, nachdem er seiner 
Vaterstadt jahrelang ferngeblieben war, erst im Dienste des 
Vaterlandes unter afrikanischer Sonne, und dann, nachdem 
haben. Dieser Erlaß dürfte zur Folge haben, daß sich in 
Zukunft mehr Militäranwärter der Zugsührerlnusbahn, die 
zu der mittleren Beamteulausbahn zählt, zuwenden werden. 
Zugführer können auch einrücken in die Stellen der Eisen- 
bahnassistenten und der Zugrcvisorcn. 
o Geschäftseröffttimg. Das beliebte photogr. Atelier 
von Wilhelm Scharmann, Rheinstr. 29, das nun schon 
seit mehreren Jahren in uyserem Orte ansässig ist und in 
Berlin, Kommandantenstraße über 20 Jahre ein photogr. 
Atelier besitzt, eröffnet, wie die Anzeige in der vorliegenden 
Nummer ankündigt, am Sonnabend, dem 11. Oktober, ein 
zweites Atelier Rheinstr. 20 hochptr., gegenüber der Kaiser- 
Eiche. Den mehrfachen Wünschen seiner werten Kundschaft 
nachzukommen, hat sich der Inhaber entschlossen, ein Hoch 
parterre-Atelier zu errichten, um so einem großen Teil der 
Kundschaft, der die Benutzung eines Fahrstuhls scheut, auch 
hierin Bequemlichkeit zu bieten. Die durch Fernsprecher 
verbundenen Ateliers ermöglichen es dem Inhaber, allen 
Wünschen der Kundschaft sofort nachzukommen. Die lang 
jährigen Erfahrungen des Herrn Scharmann bieten wohl ge 
nügend Gewähr, daß das Friedenauer Publikum hier gut 
bedient wird und nicht nötig hat, ein Atelier in Berlin auf 
zusuchen. Wie auch aus der Anzeige ersichtlich, sind die 
Ateliers wochentäglich von 9—7 Uhr geöffnet, Sonntags ist 
das Atelier Rheinstr. 29 nur von 10—3 Uhr, dagegen das 
Atelier Rheinstr. 20 ebenfalls von 9—7 Uhr geöffnet. 
o Nobls Nachlast. Wie unsere Leser ans dem An 
zeigenteil ersehen, wird morgen Freitag, den 10. Oktober, 
vormittags 9 Uhr, der Nachlaß des Meister-Rennfahrers 
Thaddäus Nobl, der vor einigen Jahren als Flugzeugführer 
in der Nähe von Stettin bei einem Absturz den Tod fand, 
versteigert werden. 
o Tnberkttlvsc Wanderbettler. Erfahrungsgemäß leidet 
ein Teil der Wanderbcttler an Tuberkulose. Durch ihr 
unstetes Leben verschlimmern sie nicht nur ihren eigenen 
Zustand, sondern verbreiten auch die Krankheitskeime in 
allen Herbergen, Asylen und sonstigen Unterkunftsgelegen 
heiten. Um diese Gefahren zu mildern, weist das sächsische 
Königliche Ministerium in seiner Verordnung darauf hin, 
daß Wanderbettler und Landstreicher, die an Tuberkulose 
leiden, auch wenn sie nur Leichtkrauke sind, und ebenso 
bloße Krankheitsverdächtige immer richtiger in Heilanstalten 
(Krankenhäusern, Heil und Siechenabteilungen der Bezirks- 
nustalten), als in Arbeitsanstalten unterzubringen sind. 
o Turnerisches. Der zweite Bezirk des Havelländisches 
Gaues unternimmt am kommenden Sonntag seine dies 
jährige Altersturnfahrt. Treffpunkt 10 Uhr am Bahnhof in 
Potsdam. Wanderung durch den Potsdamer Forst nach 
Drewitz. Nachmittags von etwa 3 Uhr ab Dreikampf um 
den Wanderpreis. Die Uebungen werden erst dort bekannt 
gegeben werden. Das Mittagessen findet in Drewitz beim 
Wirt Noßlach, das Wetturnen und ein geselliges Beisammen 
sein im Gasthof Benthin, Potsdamerstr. 08 statt. — Wenn 
auch eine allgemeine Beteiligung der Altersabteilung wegen 
des am Sonnabend Abend im Schloßpark in Steglitz statt 
findende Herbstoergnügens des Männer-Turnvereins nicht 
möglich sein wird, so ist cs doch sehr wünschenswert, wenn 
sich wenigstens einige Turner der Altersabteilung bereit 
finden, die Altersturnfahrt mitzumachen. Die Turngenossen, 
die es nicht über sich gewinnen können, sich schon morgens 
der Turnfahrt anzuschließen, werden gebeten, bei schönem 
Wetter Nachmittags mit ihrer Familie nachzukommen, um 
Nachmittags an dem geselligen Beisammensein in Drewitz 
teilzunehmen. Abfahrt hierfür 1.49 Uhr vom Waunsee- 
bahnhof Friedenau über Waunsce (umsteigen) nach Drewitz. 
Anmeldungen lind am Freitag Abend beim Turnen erbeten. 
o Freiwillige Feuerwehr zu Berliu-Friedeuau. Wir 
möchten hiermit nochmals darauf hinweisen, daß die Feier 
des 31. Stiftungsfestes unserer Wehr am Sonnabend, dem 
11. Oktober im „Kaiser Wilhelm-Garten" stattfindet. Unseren 
wackeren Wehrleuten würde es eine Freude sein, wenn sie 
an ihrem Festtage recht viele Gäste aus der Biirgerschaft 
begrüßen dürfen. 
o Der Evangelische Verein junger Männer Frie 
denau feiert am Sonntag, dem 12. Oktober sein Jahres 
fest. Um 0 Uhr Abends hält der Vorsitzende Herr Pfarrer 
Vetter einen Festgottesdienst in der Kirche zum guten Hirten, 
Abends 7 1 / 2 Uhr findet Familienabeud in dem großen Saal 
des Gemeindehauses Kaiserallee 70all statt. Eintritts 
karten im Vorverkauf 25 Pfg., an der Abendkasse 30 Pfg. 
Der diesmalige Abend ist dadurch besonders interessant, daß 
die bekannte Pianistin Frl. Else Graws und der Cellist 
er infolge einer Verwundung seinen Abschied genommen, 
auf einer großen Weltreise, von der er erst vor kaum 
sechs Wochen in die Heimat zurückgekehrt war. Natürlich 
hatten ihm sofort alle Türen der vornehmsten Häuser 
weit offen gestanden, denn seine dem ältesten Adel un 
gehörige und reich begüterte Familie galt ja als eine der 
ersten in der ehemaligen freien Reichsstadt. Aber er hatte 
bis jetzt wenig Verlangen gezeigt, sich in de» Strudel des 
gesellschaftlichen Lebens zu stürzen, hatte nur die unum 
gänglich notwendigen Besuche gemacht und noch nirgend 
engeren Anschluß gesucht. So tonnte es ihn schließlich 
kaum wundernehmen, daß er niemandem begegnete, dessen 
Gesellschaft ihm sonderlich begehrenswert erschienen wäre, 
und daß ihin auch niemand einfiel, an dessen Tür er hätte 
anklopfen mögen. Schon hatte er sich entschlossen, den 
einmal geplanten Ausflug nun doch allein zu unternehmen, 
als ihn eine kleine Menschenansammlung in einer der 
engeren Straßen nötigte, die mäßige Geschwindigkeit seiner 
Fahrt noch mehr zu verringern. Er sah, daß ein anderes, 
stillliegendes Automobil de» Mittelpunkt des allgemeinen 
Interesses bildete, und er wäre kein rechter Autoinobilist 
gewesen, wenn er hätte vorüberfahrcn können, ohne sich 
über die Ursache zu unterrichten. Es unterlag keinem Zweifel, 
daß das bewegungslose Fahrzeug, ebenfalls ein recht an 
sehnlicher Tourenwagen, eine erhebliche Panne erlitten 
haben mußte. Deutlich genug verrieten cs die halblauten 
Flüche und die hock, geröteten Ohren des Chauffeurs, der 
sich an dem Chassis zu schaffen machte, während ihn 
allerlei gute Ratschläge und mehr oder weniger aufrichtige 
Aeußerungen der Teilnahme wenig erheiternd umschwirrten. 
Unmittelbar neben ihm brachte Graf Hoiningen sein 
Gefährt zum Stehen. 
»Fragen Sie den Mann, ob Sie ihm irgendwie be- 
Herr Organist v. Freeden ihre Mitwirkung freundlichst zu 
gesagt haben. Daß über dem Geistlichen und Geistigen die 
Ausbildung des Körpers nicht zu kurz kommt, wird die 
Tumabteilung mit ihren Gemeinschaftsübungen am Barren 
beweisen. Die nengcgründete Gesangsabteilung tritt zum 
1. Male an die Oeffentlichkeit. Die Knabenabteilung führt 
durch ihren Trommler- mtd Pfeifferchor zusammen mit der Gc- 
sangsabteilung den Zapfenstreich auf. Die Festrede hat 
Herr P. Schwebel-Berlin gütigst übernommen. Den Flügel 
hat die Firma Ibach ohne Entgeld zur Verfügung gestellt. 
Daß der Verein nicht nur Feste feiert, sondern wirklich für 
die Jugend zu arbeiten versucht, zeigt das Winterprogramm, 
das neben den sonntäglichen Versammlungen jeden Mittwoch 
Englisch in 2 Kursen für Anfänger und Fortgeschrittene, 
jeden Donnerstag Chorgesang, jeden Freitag Stenographie, 
Jeden Sonnabend Turnen unentgcldlich den Mitgliedern an 
bietet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt monatlich für 14 bis 
17jährige 10 Pfg., für über 17jährige 50 Pfg. 
o Hedwig Radziszewska (Sopran) veranstaltet, wie 
schon einmal kurz erioähnt, ein Konzert am Dienstag, dem 
14. Oktober, abends 8 Uhr im „Gesellschaftshaus des 
Westens", Hauptstr. 30-31, unter freundlicher Mitwirkung 
der Rezitatorin Frau Frieda Fischer und des Pianisten 
Herrn Hugo van Dahlen. Nach der vorliegenden Vortrags 
folge, wird Frl. Radziszewska mit folgenden Gesängen 
erfreuen: Auf Flügeln des Gesanges von Mendelssohn, Du 
bist die Ruh von Schubert, Frühlingsnacht von Schumann, 
Romanze der Santuzza aus Cavalleria rusticana von Ma- 
siagin, Svlvejgs Lied von Grieg, Der Schmied von Brahms, 
An dem reinen Frühlingsmorgen von Nevin, Tausenderlei 
von Zepler, Liebesfeier von Weingartner, (Lieder im Volkston:) 
Mädele ruck (schwäbisch), Der rote Sarafan, russisch), Das 
Herelein (niederländisch), Mein Madel hat einen Rosenmund 
von I. Brahms, Schwedisches Tanzlied und Friihlings- 
stimmen, Gesangswalzer von Joh. Strauß. Herr van Dahlen 
bringt Kompositionen von Gluck, Liszt, Schubert, Paganini 
und Stradahl zu Gehör. Frau Fischer rezitiert „Jung 
Olaf", Ballade von Wildenbruch, Margueritentag von Haus 
Brennert, In Sturmesnöten von Agnes jStellbaum, Die 
abgekürzten Dichter von Otto Sommerstorff. Nach dem 
Konzert ist geselliges Beisammensein. Einlaßkarten (nume 
rierter Platz 2 M. und 1,50 M., unnumerierter Platz 1 M.) 
sind erhältlich in den Musikalienhandlungen von Sulzbach, 
Berlin W., Viilowstr. 10 und Schwartz, Rheinstr. 00, in 
der Papierhandlung von W. Ebers, Rheinstr. 15 und im 
Gesellschaftshaus des Westens. 
o Verschwunden ist seit dem 30. September d. Js. 
die 21jährige ledige Frieda Fischer, die Ansbacher Str. 39 
wohnte. Die Fischer ist eine stattliche Erscheinung, etwa 
1,64 Meter groß, hat blondes Haar und starke Figur. 
Bekleidet war sie nnt grünem Kostüm und grünem Hut. 
An jeder Hand hatte sie zwei Ringe, mit mehreren 
Brillanten besetzt. Es wird Verschleppung vermutet. 
Nachricht nimmt jedes Polizeirevier sowie die Kriminal 
polizei entgegen. 
o Ueberfall. In der vorletzten Nacht gegen 12 Uhr 
überfielen in der Nähe der Kreuznacher Straße drei oder 
vier Strolche ein junges Mädchen und taten ihm Gemalt 
an. Die Hilferufe der Ilebersallenen wurden in der ein 
samen Gegend leider nicht gehört, sodaß die Unholde ent 
kamen. Die Polizei ist den Burschen aber auf der Spur. 
o Verschollen. Seit dem 19. Mai d. Js. ist der hier 
zuletzt Büsingstr. 10 wohnhaft gewesene 33 Jahre alte 
Schlosser Konrad Karrer verschwunden. Der Vermißte hat 
an diesem Tage morgens 8 Uhr seine Wohnung unter der 
Vorgabe verlassen, sich in Berlin oder der Umgebung Arbeit 
zu suchen. Seit jener Zeit fehlt jede Spur von ihm. 
Vercins-Hachrichtcm 
Am Freitag tagen: 
Stenographcnverein „Stolze-Schrey". >/,9Uhr in der Gemeinde- 
Mädchenschule, Goßlerstratze. Tiktatschrcibcn in verschiedenen Ab 
teilungen. 
ANational-Stenographen-VereinVcrlin-Schönebcrg, Hanptstr.107, 
im Alten Bürger-Casino, Abends 8'/, Uhr. Nach den Schreib 
übungen geselliges Beisammensein. Gäste willkommen. 
"Zcbörreberg 
1 o Der Note Adlerorden 4. Klasse wurde dem Fabrik 
besitzer Josef Hermanus zu Schöneberg verliehen. 
—o Ter Neubau des Königlichen Polizeipräsidiums 
Schönebcrg, der in der Gothaer Straße am Wartburgplatz 
errichtet wird, ist jetzt soweit sertiggcstellt worden, daß das 
hilflich sein können," befahl er seinem Chauffeur, uno 
Hasenkamp zögerte nicht, zu .gehorchen. 
„Heda, Sie — guter Freund — was hat's denn 
gegeben?" rief er. „Kann ich Ihnen ein bißchen unter die 
Arme greifen?" 
Der Gefragte kehrte ihm sein dunkel glühendes Ge 
sicht mit einer halben Wendung zu. 
„Zum Teufel können Sie sich scheren, mitsamt all 
dem neugierigen Gcsindol hier! Es sind der Gaffer und 
der Schwätzer nachgerade schon mehr als genug." 
„Ein sehr liebenswürdiger Kollege," lachte Hasenkamp. 
Hoiningeus frische Stimme aber ries: 
„Sie müsse» in der Tat'ein ausacfallcnes Pech gehabt 
haben, Bartels, wenn Sie so verzweifelt grob sein können. 
Was, in aller Welt, ist denn passiert?" 
Der borstige Chauffeur war vollends herumgefahren, 
als er seinen Namen gehört hatte, und sobald sein Blick 
ans das Gesicht des jungen Grafen gefallen war, hatte 
sein Send)men sich mit einem Schlage ganz und gar ge 
ändert. Er nahm eine militärische Haltung an und griff 
salutierend an die Mütze. 
„Herr Graf Hoiningen! Bitte gehorsamst um Acr- 
zcihuiig. Daß es der H.rr Graf sind, konnte ich ja nicht 
vermuten. Ist doch auch ein recht sonderbares Zu- 
sammeutreffeu." 
„Ja, es scheint so. Dürste manches tausend von 
Kiloiiieierii liegen zwischen hier und dem Orte, an dem 
wir uns zum letzten M.cke gesehen haben. Sic haben 
also inzwischen Ihren Uttterofstziersrock auch ausgezogen?" 
(Fokffetzung folgt.)
        
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